Campus Marburg - Uni

uj!
Campus Marburg 2016
Uni zum Anfassen
mit ProgrammFaltblatt
Katharina Krause
Campus Marburg: Intro
Wissen, was läuft
Markus Farnung (2); Sven Mecke; Anna Schroll / HSW
Hirnforschung,
Literaturkritik,
Debattenschlacht:
Beim Wissenschaftsfest wird
Uni zum Erlebnis.
Campus Marburg wird unterstützt von
Nach dem Riesenerfolg des Universitätsstadtevents vor zweieinhalb
Jahren folgt jetzt die Neuauflage,
wiederum veranstaltet von der
Philipps-Universität und der Universitätsstadt Marburg.
Zu erleben sind 120 Veranstaltungsangebote, vom Mitmachexperiment bis zur öffentlichen
Chorprobe, vom Science Slam bis
zur Podiumsdiskussion. Auf den
folgenden Seiten stellt das Marburger Unijournal einige Programmhöhepunkte vor.
Viel Vergnügen!
Campus Marburg: Programmtipps von Prominenten
Worauf ich mich freue
Magistrat
Bei dem tollen Programm
kann man sich gar nicht
auf einen Tipp beschränken! Ich freue mich schon
gleich als erstes auf den
Experimentalvortrag, unmittelbar nach der Eröffnung. Die Entscheidung,
ob ich dann nach Klärung
der Frage, „Warum Kinder
keinen Brokkoli mögen“,
(siehe Seite 28) die Mathematische Stadtführung
oder doch eher den Offenen Chinesischunterricht
besuchen soll (Seite 25) –
oder doch ganz etwas anderes? – wird nicht leicht
zu treffen sein. Mein Tipp:
Keine anderen Verpflichtungen eingehen und möglichst viel von den zahlreichen Angeboten wahrnehmen!
2
Andreas Bartsch,
Vorstandsvorsitzender der
Sparkasse MarburgBiedenkopf
Sparkasse
Kerstin Weinbach, Stadträtin
der Universitätsstadt Marburg
„Amerikanische Sportarten zum Mitmachen –
auf Englisch“, das hört sich toll an. Das Sprachenzentrum der Universität zeigt damit, wie man
Sprachen mit Spaß lernt. Vorgestellt werden Rugby, American Football und Lacrosse. Alle Instruktionen werden auf Englisch gegeben. Unbedingt
hingehen und ausprobieren! Seite 25
Campus direkt....................4
Forschung hautnah
Campus intern..................20
Die Uni von innen
Wissenschaftsfotos / Sprachatlas / Seele & Hirn
Modellsammlung / Sprachenzentrum / Lehrerbildung
Campus persönlich..........18
Eckart Conze
Campus persönlich.........29
Evelyn Korn
Ilka Agricola, Mathematik-Dekanin &
Lehrpreisträgerin
Thorsten Richter
Da hat man wohl die Qual der Wahl! Also, meine Favoriten: die CampusMeile zwischen Mehrzweckgebäuude und Chemie-Neubau – eigentlich
sollte dieser schöne Flanierweg mal einen eigenen Namen bekommen.
Außerdem: das Greenscreen-Studio im Fachbereich Mathematik & Informatik – das wird nämlich zu Campus Marburg offiziell eingeweiht. Erst vor
Kurzem wurde eine riesige Ladung Holz angeliefert – viele schwere Balken,
die zum Gerüst für das Studio zusammengebaut wurden.
Marie Jude Bendiola,
DAAD-Preisträgerin
Als Studentin in Marburg ist es gut, wenn
man sich einmal eine Auszeit von der Universität gönnt und andere Dinge lernt. Ich
werde mir auf jeden Fall Zeit nehmen um
den Poetry Slam (Seite 40) oder den Theaterworkshop (Seite 30) zu besuchen, da mich
diese um einige Erfahrungen reicher machen würden, die ich dann auch in meinem
Heimatland teilen kann.
Besonders freue ich mich auf und über die Showdebatte des Debattierclubs. Ein
richtiges Debattle. Ich finde eine hochwertige Debattierkultur in der heutigen
Zeit wichtig. Nie war unsere Welt komplizierter und nie zuvor waren die Leute
so emotionalisiert in Diskussionen. Ein Kururlaub von den schockierenden Eindrücken, die man in Diskussionen auf Facebook erleben muss. Seite 39
Campus aktiv....................30
Engagierte Uni
Theater „Dramarasmus“ / Gründe & Folgen von Flucht
Campus persönlich.........36
Philipp über Philipp
privat
privat
Lars Ruppel, Slam-Poet
Ausklang............................40
Party, Theater, Konzert
Impressum..........................40
3
Fotos ((4): Hessen schafft Wissen / Anna Schroll
Campus direkt: Wissenschaftsfotografie
4
Wie wirken Licht und Materie zusammen? Hat das Hirn eine
Seele? Wodurch verändert sich die Sprache? Wissenschaft
geht den Dingen auf den Grund und dringt dabei in fremde
Welten vor. Bei Campus Marburg kann man Forschung aus
erster Hand erleben – in Vorträgen, bei Schauversuchen und
Mitmachexperimenten.
So sieht man die Uni sonst nie: In der Fotoausstellung
„Forschung im Bild“ kann man Wissenschaftlern bei der Arbeit
über die Schulter schauen – bei Laserversuchen der experimentellen Halbleiterphysik (diese Doppelseite), bei der Durchleuchtung
des Gehirns oder bei der Virenforschung im Hochsicherheitslabor
(folgende Doppelseite).
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oben: Blick in die Röhre – Hirnuntersuchung mit moderner Bildgebung im Institut für Psychiatrie; unten: das Abtasten der
Pupille erlaubt Rückschlüsse auf die Gehirntätigkeit – Studie in der Neurophysik, rechts: im Marburger Virenlabor
6
7
Campus direkt: Forschungszentrum Deutscher Sprachatlas
D
ie Erstbesteigung eines Berges
kommt vielleicht hin. Oder: Einen unbekannten Kontinent zu
erforschen, ja, das muss sich
ähnlich anfühlen wie das, was Jürgen
Erich Schmidt vorhat: Eine Reise durch
die Zeit, auf den Spuren der Sprache, wie
sie früher gesprochen wurde. Los geht’s
mit einem Blick auf alte Karten, ein Pionier hat sie vor 130 Jahren mit der Hand
gezeichnet. Schmidt blättert einen großformatigen Atlas auf, die Pläne darin zeigen
ein Land, das
keiner mehr
kennt, übersät
mit Punkten,
die ganze Gegend in Pastelltönen eingefärbt. Hellblau
grenzt an Zartviolett und
Ocker. Das
Bracht-Ufer
säumt den
Brung-See, in seiner Mitte liegen die
Brocht-Inseln. Das Deutschland der Dialekte schaut aus wie ein farbfroher Flickenteppich, zumindest auf den alten Atlanten, die das Marburger Forschungszentrum „Deutscher Sprachatlas“ aufbewahrt.
Schmidt leitet das Forschungszentrum, das soeben ein nigelnagelneues
Domizil mitten in Marburg bezogen hat.
Dass der einflussreiche Wissenschaftsrat
von Bund und Ländern empfahl, den
Neubau finanziell zu fördern, war eine
Riesenanerkennung für die bisherigen
Ein Turm
von
Gebabbel
Sprachvielfalt, zu hohen Stapeln aufgetürmt:
Tonaufzeichnungen von Dialektausdrücken
bilden eine Quelle für die Arbeit des Zentrums „Deutscher Sprachatlas“.
8
Rolf K. Wegst (2); Portrait Wenker (S. 11): Wilhelm Risse 1878
Sprache macht
uns zu Menschen, aber wie
sie sich wandelt,
wissen wir kaum.
Marburger
Linguisten wollen
das ändern
9
Forschungsleistungen. In der Bibliothek
reiht sich Band an Band unter den strengen Blicken Georg Wenkers, des Gründervaters der Einrichtung, den sie hier mit
einer Büste ehren. Wenker begründete
die Marburger Tradition der Dialektforschung, die das Forschungszentrum weiterführt, indem es die Veränderung der
gesprochenen Sprache über die Jahrzehnte hinweg verfolgt. Wie verändert
sich Sprache und warum? Was bleibt dabei gleich? Die Beantwortung dieser und
ähnlicher Fragen steht noch ganz am Anfang, wie Schmidt deutlich macht. „Man
hat die höchsten Berge bestiegen, fremde
Kontinente entdeckt, ist auf den Mond
geflogen, aber was die Sprache angeht –
die uns zum Menschen macht! – da gibt
es noch viel zu erforschen und zu entdecken“, sagt der Linguist.
Marburg ist der richtige Ort für Entdecker wie Schmidt. Nirgendwo sonst
reicht die Tradition der Sprachvariationsforschung weiter zurück als hier, wo Georg Wencker im Jahr 1876 die Sprachgeografie begründete. Schmidt beugt sich
über die alten Folianten und deutet auf
die Linien, Punkte und Wörter, die sein
Vorgänger eingezeichnet hat. Diese Karten bündeln, was Wenker in jahrzehntelanger Arbeit zusammengetragen hatte:
Dialekte, wie sie in der Gegend um Köln,
in Gladbach, in Cleve oder an der Mosel
gesprochen wurden. Wenkers Erhebung
der rheinischen Dialekte, später ausgeweitet auf das ganze Reich, sucht als
sprachwissenschaftliche Pionierleistung
Bauleitung
Mein Dialekt:
Oberhessisch
„Wu willsde da dei
haa hi hu?“
(Wo soll das Heu hin?)
Egon Vaupel,
Alt-Oberbürgermeister von Marburg
***
Mein Dialekt:
Schwäbisch
„Des is ja besser als
a Gosch voll Gluffa“
(Das ist ja besser,
als den Mund voller
Sicherheitsnadeln
zu haben)
Winfried Rief, Professor für Psychologie
ihresgleichen. Die Dialektkarten, die
Wenker und seine Nachfolger erstellten,
decken den gesamten deutschsprachigen
Raum ab – für keine andere Sprache
kennt man deren regionale Varianten vergleichbar gut. „In Deutschland gab es
besonders viele Dialekte, weil es lange
keine Zentralmacht gab“, erläutert
Schmidt. „Deshalb kann man Sprachwandel hier besonders gut untersuchen.“
Ausgehend von der weltweit einzigartigen Materialsammlung, nutzen
Schmidt, seine Kolleginnen und Kollegen
eine Vielfalt moderner und klassischer
Methoden, um herauszufinden, wie sich
Sprache wandelt und welche Gründe dafür ausschlaggebend sind, aber auch, was
bei all diesen Veränderungen gleich
bleibt. „Durch Wenker und seine Nachfolger wissen wir, was der Ausgangspunkt war“, sagt Schmidt; „dadurch lässt
sich der Sprachwandel beobachten.“
Änderte sich die Sprechweise früher
von Dorf zu Dorf, so ebnen sich regionale
Unterschiede in Wortschatz, Lautung und
Satzbau immer mehr ein. Seit Jahrzehnten geht das so. Die Dialekte verschwinden. Dass sich Sprache verändert,
ist eine Alltagserfahrung. Sicher ist, dass
die Dialekte des Deutschen sich durch
den Einfluss der Hochsprache massiv
wandeln, die mittels Radio und Fernsehen seit einem halben Jahrhundert in jedes Haus, jede Wohnstube und jedes Kinderzimmer dringt. Mundarten haben
nicht mehr die Kraft, neuartige Ausdrücke zu prägen, sie verlieren von Generati-
artec-architekten.de
Ausgesprochen lustig
Dialektforscher Georg Wenker schaute den Leuten aufs Maul
Zu Köln war große landwirthschaftliche Ausstellung.
Drinnen im Wirthshaus war‘s schon pinnevoll, und ich
fand mit Mühe noch ein Eckplätzchen an einem Tisch
frei. Da saß ein fideler Herr mit zwei lustigen Augen,
ein Kölner von reinstem Wasser, der führte offenbar das
erste Wort. „No, Ehr Häre“, fragte er lachend, „han ich
üch keine jode Roth jejewwe, met mer
heher zo jonn? Es dat nit e schön Gläschen Beer?“ - „Dat aß schin Bier, dat
moß mer sohn!“ sagte sein Nachbar, ein
wohlbeleibter Bauersmann im blauen
Kittel mit einem sonnverbrannten Gesicht, und trank einen kräftigen Schluck.
„Sidd ehr nitt us‘m Triersche zu Huhs?“
fragte ich dann den Dicken. Der nickte
erstaunt. „Wo hatt Ehr dann dat dolle
Platt geleh‘t, dat kann jo keine Minsch
vun uns all he verstonn?“ fuhr jetzt der
Kölner neugierig heraus, und ein Andrer,
ein breitschultriger Riese mit großem
Vollbart meinte: „Ne, eck häbb der nex
van verstande, wat gey dorr so efkes vertellt hädt“, und
dabei lachte er recht gemüthlich. „Na, Ehr sidd secher
us‘m Clev‘sche!“ sprach ich Den jetzt an.
Da saß ein kleiner Herr mit einer großen Brille mir grad‘
gegenüber, der hatte bisher stumm zugehört; jetzt
wurde es dem zu bunt. und er fragte mich verschmitzt:
„Kunnt Ett mie dann ok sägen, wo ek her sinn? Ett sind
jo so geliehrt as en Bauk“, und dabei reichte er seine
Schnupftabaksdose herum. „Hm“, sagte ich, „Ehr sidd
entweder uhs dem Westfählische, oder Ehr mößt do bei
Gummersbach zu Huhs senn.“ Der kleine Herr wollte
grade niesen, aber das vergaß er vor lauter Schreck, und
erst als der Kölner ihn lachend fragte: „Na, wo sidd Ehr
dann her?“ brachte er niesend die
Worte heraus: „Ut Herreshagen,
hazziah! - bie Gummersbach, hazziah!“
Jetzt hätte Einer den Tumult sehen
sollen! Da hab‘ ich denn den Herren
auseinandergesetzt, daß ich schon
seit langer Zeit eine große Liebhaberei für die platte Sprache in unserem
Rheinlande gehabt hätte und daß ich
nun, um die Sache ‚mal ganz gründlich kennen zu lernen, mich an alle
Lehrer in der ganzen Rheinprovinz
gewandt hätte um Mittheilungen in
dem Platt, wie es in ihrem Orte gesprochen würde, und daß ich dadurch das Platt von über
1500 Orten schön schwarz auf weiß zu Hause liegen
hätte.
Daraus wollte ich nun eine Karte zusammenstellen über
all‘ die verschiedenen Mundarten, wie sie bei Cleve und
bei Elberfeld, bei Gladbach und bei Eupen bis herauf an
die Mosel heutiges Tages gesprochen werden. (1877)
Wir führten die Edelstahl-Dacheindeckung am Neubau des Forschungszentrums Deutscher Sprachatlas aus.
Anna Schroll, „Hessen schafft Wissen“
Der Neubau des Forschungszentrums lässt Dialektforschung und Neurolinguistik enger zusammenrücken: Hirnstrommessung, Foyer...
on zu Generation etwa ein Zehntel ihres
Wortschatzes. Neue Formen regionalen
Sprechens entstehen und prägen die Gegenwartssprache, so genannte Regiolekte.
„Früher konzentrierte sich die linguistische Forschung auf die ganz ursprünglichen Basisdialekte und das Standarddeutsch“, legt Schmidt dar. „Aber das Leben spielt sich dazwischen ab.“
Diesem Zwischenbereich widmen
sich Marburger Linguisten seit 2008 in
dem Langzeitprojekt „Regionalsprache.
12
de“, kurz REDE. Die Mainzer Akademie
der Wissenschaften und der Literatur fördert das Vorhaben bis 2027 mit rund 15
Millionen Euro. Die Beteiligten erstellten
ein sprachgeographisches Informationssystem, den „Digitalen Wenker-Atlas“, der
Originalfragebögen, Sprachkarten, Tondokumente online zugänglich macht.
Aber die Marburger Linguisten erheben nicht nur die sprachliche Variation;
sie erforschen auch, wie Sprachwandel
zustande kommt, indem sie ihn bis auf
Hirnaktivitäten zurückverfolgen. „Sprecher und Hörer aus unterschiedlichen Gebieten verstehen sich nicht“, erläutert
Schmidt. Ein Beispiel bietet das Wort
„Brot“. Im Schwäbischen spricht man es
mancherorts als „Braut“ aus. Da dies
zwangsläufig Verständnisschwierigkeiten
mit sich bringt, wenn die Dialektsprecher
mit anderen reden, kommt es langfristig
zum Sprachwandel.
Ein regionaler Ausdruck bedeutet für
den Hörer also mitunter etwas anderes
Ellen Thun (2)
...und der Hausherr mit alten Karten.
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Rolf K. Wegst
14
als für den Sprecher: „Diese Situation haben wir im Neurolinguistik-Labor nachgestellt und Hirnmessungen durchgeführt.“ Schmidt klappt seinen Rechner
auf. Rote und schwarze Wellenlinien geben die Messungen der Hirnaktivität wieder. „Die Hörer merken früh, dass da etwas nicht stimmt“, deutet Schmidt die
Messergebnisse, „der Versuch, zu verstehen, scheitert“.
Komme es immer wieder zu einem
solchen Konflikt, so führe dies zur Abwandlung der regionalen Ausdrucksweise: „Menschen bauen ihre Sprache so um,
dass sie sowohl die Standardsprache wie
die Abweichung verstehen.“ Ganz anders,
wenn ein Hörer die abweichende Lautung
auf sein eigenes System beziehen kann:
Dann löst sie keinen Sprachwandel aus.
Die Fortschritte der jüngsten Zeit maDas Forschungszentrum hütet Karten und
Aufzeichnungen zu deutschen Dialekten.
Mein Dialekt:
Kölsch
„Mer muss och
jünne könne!“
(Sei weder
neidisch noch missgünstig!)
Renate
Renkawitz-Pohl,
Professorin für
Biologie
chen den Zentrumschef zuversichtlich:
Die Linguistik befindet sich an der
Schwelle zur exakten Wissenschaft. „Warum die Menschen den Kern der Sprache
– Grammatik, Lautsystem, Satzbau –
nicht konstant halten können: Der Lösung dieses Rätsels ist man ganz nah.“
Schmidt wird lebhaft, wenn er über
Dialekte spricht. Man hört dann auf einmal seinen mittelrheinischen Akzent heraus. Wie ist er überhaupt zur Sprachwissenschaft gekommen? „Ich war begeistert
für die deutsche Literatur“, erzählt er,
„ich wollte Lehrer werden und studierte
Germanistik. Dann habe ich gemerkt,
dass man in der Linguistik die Sprache
exakt untersuchen kann.“ Seine Faszination hat sich bis heute erhalten, und er
kann das auch erklären. „Warum ich so
einen Spaß daran habe: Hier kann man
noch mit Siebenmeilenstiefeln Fortschritte erzielen!“
>> Johannes Scholten
Die Ingenieurleistungen der Technischen Ausrüstung Wärme-Klima-Sanitär und des vorbeugenden
Brandschutzes am Neubau des Forschungszentrums Deutscher Sprachatlas wurden von uns ausgeführt
Campus direkt: Hirnforschung
Was das Hirn tut
Hat das Hirn eine Seele? Tja, sagen Experten
Bringt Hirne zum Leuchten:
Dr. Christine Tretow führt mit
bewährter Scharfzüngigkeit durch
den „Marburger Brain Slam“
16
Der Neurowissenschaftler
„Der Geist ist das, was das Gehirn
tut“ (Marvin Minsky). Da bin ich mir
ziemlich sicher. Was die Seele angeht: hierzu hat die Neurowissenschaft (noch) nichts zu sagen, da
‚Seele‘ sich bis dato schwer in Experimente fassen läßt. Vielleicht sollte
man lieber fragen, ob das Gehirn eine Seele erzeugt, oder wie Gehirn
und Seele interagieren?“
Dominik Endres leitet die Theoretische Neurowissenschaft am Marburger Fachbereich Psychologie
seines Lebens. Daher sind für eine
solche Theologie die Einsichten der
modernen Hirnforschung keine Konkurrenz, sondern spannende und
lehrreiche Einsichten über die Natur
des Menschen. In der Thematisierung der Seele wird hingegen zum
Ausdruck gebracht, dass der Mensch
nicht im Vorhandenen aufgeht.“
Friedemann Voigt lehrt Sozialethik an
der Philipps-Universität
Der Philosoph
„Sagt uns nicht alle Evidenz, dass
Gehirn und Seele ein und dieselbe
Sache sind? Aber zu sagen: Gehirn
und Seele sind identisch, erscheint
auch wieder nicht richtig. Denn beseelt ist nur, womit wir uns unterhalten können, was handelt und Gefühle
ausdrückt. Und Gehirne tun nichts
davon, sondern nur Wesen mit Gesichtern, Mündern, Armen und Beinen. Also sollte man vielleicht sagen:
ein Gehirn ist es, wenn die Hirnforscherin es anschaut; zu einer Seele
wird es, wenn es in einem Organismus steckt, mit dem wir auf vielfältigste Weise kommunizieren und in
dem wir uns wiedererkennen können.“
Alexander Becker ist Professor für
Theoretische Philosophie in Marburg
POrtrait: René Achenbach; Hirnzeichnung: Gray‘s Anatomy, 1918 (Commons)
Der Theologe
„Seit einiger Zeit ist in der Theologie
ein neues Interesse an der religiösen
Erfahrung erwacht und damit auch
der Seelenbegriff wieder von Interesse geworden. Seele steht hier für
eine den ‚ganzen Menschen’ umfassende Lebensdimension. Der
Mensch thematisiert darin sich
selbst im Gesamt seiner leiblichen
und geistigen Lebensvollzüge und
der Ausrichtung auf das Gelingen
Das Tabu muss weg
Tilo Kircher setzt auf Aufklärung durch Wissenschaft
D
as Gehirn leuchtet, aber nur
das weibliche. Belohnt man eine Frau mit einem lachenden
Gesicht, so kann man die Reaktion ihres Gehirns als farbig funkelnden Fleck sichtbar machen. Bei einem
Mann klappt das nicht, der reagiert mehr
auf Geld. So lässt sich, stark verkürzt, das
Ergebnis eines Experiments zusammenfassen, das Marburger Hirnforscher vor
ein paar Jahren veröffentlichten.
Wenn Sie der vorherige Absatz neugierig gemacht hat – wessen Interesse
wurde geweckt: Ihres oder das Ihres Gehirns? An Fragen wie dieser kommt kaum
vorbei, wer sich mit unserem Denkorgan
beschäftigt und mit dem, was es tut, und
davon gibt es in Marburg einige: Mediziner, Neurophysiker, Philosophen. Sie studieren seelische Erkrankungen, denken
über das menschliche Erkenntnisvermögen nach oder untersuchen, wie das Gehirn optische Reize verarbeitet.
Zum Beispiel Tilo Kircher. Der Leiter
der Psychiatrie an der Philipps-Universität
nutzt modernste Bildgebungstechnik, um
Hirnaktivitäten zu beobachten. „Ich
wollte schon immer wissen: Wie funktioniert das Gehirn?“, bekennt der Hochschullehrer. Kircher kann beeindruckende Aufnahmen präsentieren, die zeigen, wie das Gehirn auf Reize reagiert
oder welche Gehirnareale bei Verhaltensexperimenten aktiviert werden. So konnte er mit seinem Team belegen, dass sich
im Gehirn sichtlich etwas verändert,
wenn man Patienten mit Psychotherapie
behandelt. Kurz gesagt: Reden hilft!
Auch Kirchers Vortrag bei Campus
Marburg kann zur Entmystifizierung beitragen. Der Hochschullehrer lädt zu einer
Reise durchs Gehirn ein, unter dem Titel:
„Was hat die Seele mit dem Hirn zu tun?
Einsichten aus Hirnforschung und Psychiatrie“.
Der Mediziner bekennt: „Wir kratzen
an der Oberfläche des Wissens darüber,
wie das Gehirn funktioniert. Letztendlich ist jede Schlussfolgerung über Funktionen im Gehirn spekulativ.“ Aber den
Arzt treibt ohnedies noch etwas anderes
um als bloßes akademisches Interesse.
„Ein Drittel aller Deutschen haben einmal im Leben eine behandlungsbedürftige psychische Erkrankung“, berichtet
Kircher. Und dennoch werden solche Störungen nach wie vor tabuisiert. „Wenn
man zeigen kann, dass psychische Erkrankungen etwas mit dem Gehirn zu
tun haben, nimmt man ihnen vielleicht
etwas von dem Mysteriösen, das ihnen
nach wie vor anhaftet“, hofft er.
Wer seinem Gehirn danach noch mehr
Stoff zum Staunen geben möchte, ist mit
dem „Marburger Brain Slam“ bestens bedient, organisiert von Rainer Schwarting
und Richard Dodel. Bereits zum zweiten
Mal sind Neurowissenschaftler aller akademischen Disziplinen aufgefordert, das
eigene Forschungsgebiet mit Witz zu präsentieren – in nicht mehr als zehn Minuten! Nach den Vorträgen urteilt das Publikum, wer den besten, nämlich lehrreichsten und unterhaltsamsten Kurzvortrag
gehalten hat. Durchs Programm führt mit
gewohnter Süffisanz und Strenge die Hohepriesterin der gelehrten Kurzweil Dr.
Christine Tretow. Da ist Leuchten unter
der Schädeldecke garantiert.
>> Johannes Scholten
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17
Campus persönlich: Eckart Conze
Woher das Heute stammt
Öffentlicher Wirbel bleibt nicht aus, wenn Eckart Conze sich die
Nazivergangenheit von Behörden und Parlamenten vorknöpft – der
Zeithistoriker räumt mit Geschichtslegenden auf
18
cher des gleichnamigen Sonderforschungsbereiches. Conze selbst hat die
Geschichte der Bundesrepublik nach
1949 unter dem Titel „Die Suche nach der
Sicherheit“ beschrieben. Dabei stellte er
fest: Sobald ein Thema als sicherheitsrelevant gilt, herrschen schnell neue Regeln;
das lasse sich noch heute beobachten, etwa in der Flüchtlingspolitik.
Conze versteht sich als Forscher mit
einem internationalen Blick: Aus der kleinen Residenzstadt Coburg in Oberfranken stammend, ging er schon während
des Studiums an die London School of
Economics, forschte und lehrte in Bologna, Cambridge und Kanada; zuletzt verbrachte er mit seiner fünfköpfigen Familie ein Jahr in Toronto. „Uns zieht es regelmäßig ins Ausland“, sagt der 52-Jährige. Dabei reizt ihn der Perspektivwechsel: „Der ist wichtig, um intellektuell nicht zu erstarren.“
>> Gesa Coordes
Gesa Coordes
Für das Wissenschaftsfest Campus Marburg hat er ein Marburger Thema gewählt: Der Zeithistoriker Eckart Conze
referiert über Wilhelm Röpke, einen der
wenigen Marburger Professoren, die
schon vor 1933 vor dem Nationalsozialismus warnten und später ins Exil gingen.
Röpkes Bedeutung reicht somit weit
über Marburg hinaus – wie die der meisten Forschungsgegenstände, denen sich
Conze widmet. Wirbel verursachte vor
allem die von ihm geleitete Historikerkommission, die das Nazi-Erbe des Auswärtigen Amtes untersuchte. Danach war
es vorbei mit der Legende vom „Hort des
Widerstands“. So schrieb der „Judenreferent“ des Amtes sogar eine Reisekostenabrechnung, in der er die „Liquidation
von Juden in Belgrad“ als Zweck nennt.
Conze scheute sich nicht, von einer „verbrecherischen Organisation“ zu sprechen.
Seit dieser Studie ist der Geschichtswissenschaftler immer wieder gefragt,
wenn es um den Umgang mit belasteten
Eliten geht – so untersuchte er die Rolle
der sozialdemokratischen NachkriegsOberbürgermeister in Kassel oder kommentierte eine Debatte um die Hindenburgstraße in Darmstadt: „Am Ende ist es
vielleicht gar nicht entscheidend, ob die
Straße weiter nach Hindenburg heißt“,
sagt Conze. „Das Wichtigste ist, dass sich
die Öffentlichkeit mit dieser Frage kritisch auseinandersetzt.“ Wie sehr auch
die Marburger Stadtverordnetenversamm-
lung belastet war, untersucht er zurzeit
im Auftrag der Stadt. Im Sommer sollen
die Ergebnisse vorliegen.
An der Geschichte faszinieren ihn vor
allem „die Linien, die bis in die Gegenwart führen“ und die Frage, wie sehr die
Gegenwart historisch verstanden werden
muss. Aktuell beschäftigt sich der Historiker vor allem mit „Dynamiken der Sicherheit“ – er ist stellvertretender Spre-
Wilhelm Röpke
(1899 - 1966) –
Marburger Öko
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Hörsaalgebäude
, Biegenstraße
14,
Raum +1/0 020
20.0 0 – 21.0 0
Campus direkt: Noch mehr aus der Forschung
Pillen, Laser, Ös & Üs
Anna Schroll / Hessen schafft Wissen
Warum gibt es im Türkischen so viele Ös und Üs?
Vortrag
Songül Rolffs (Centrum für Nah- und Mittelost-Studien, Fachgebiet Islamwissenschaft)
Hörsaalgebäude Biegenstraße 14, Raum +1/0030
17.30 – 18.15
Was ein Laser ist, und wie er funktioniert Lasershow
Arash Rahimi-Iman (Fachbereich Physik)
Renthof 5 (Schlossberg), großer Hörsaal des Fachbereichs
Physik
20.00 – 21.00
Frau Doktor, muss diese Tablette wirklich sein?
Unnötige und gefährliche Medikamente Vortrag
Annika Viniol (Fachbereich Medizin, Abteilung für Allgemeinmedizin)
Hörsaalgebäude Conradistraße (Lahnberge), HS III,
18.00 – 18.30
Evolution hautnah – Von der Entdeckung neuer Arten
Vortrag, Sven Mecke, Lothar Beck (Fachbereich Biologie,
Arbeitsgruppe Systematik der Tiere)
Neubau Fachbereich Chemie (Lahnberge), Großer Seminarraum „Physikalische Chemie“, Erdgeschoss
17.00 – 17.45
Reinhold Eckstein
„Light-Sphere“ – Hochgenaue 3D-Rekonstruktion von
deinem Gesicht Mitmachaktion
Thorsten Thormählen (Fachbereich Mathematik und Informatik – Fachgebiet Informatik)
Mehrzweckgebäude Lahnberge, Foyer Ebene 3
15.00 – 18.00
Trügerische Landkarten – Warum Landkarten nicht das
zeigen, was man erwartet Vortrag
Ilka Agricola (Fachbereich Mathematik und Informatik – Fachgebiet Mathematik)
Mehrzweckgebäude Lahnberge, Hörsaal Ebene 3
18.00 – 18.30
oben: Versuchsaufbau in der Arbeitsgruppe für experimentelle
Halbleiterphysik; unten: Thorsten Thormählen mit der Lightsphere.
19
Campus intern: Mathematische Modellsammlung
Die Konstruktion
von Wissen
Kosmos Universität: Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler können nicht alles alleine machen. Von der Universitätsbibliothek über die Nachwuchsakademie bis zum
Hochschulsport – bei Campus Marburg stellen sich viele
Einrichtungen vor, die im Hintergrund arbeiten und mit ihren
Leistungen dazu beitragen, dass der Gesamtorganismus
Hochschule funktioniert.
Sind Salami-Scheiben perfekte Ellipsen? Welche Symmetrien
weisen platonische Körper auf? Und: Wie funktioniert ein Rechenschieber? All diese Fragen lassen sich mithilfe mathematischer
Modelle und Geräte beantworten, wie sie sich in der Lehrsammlung des Marburger Fachbereichs Mathematik finden.
20
großes Bild: Ramona Trusheim; Portrait: Thorsten Richter
Ein Storchschnabel oder Pantograf dient dazu, Zeichnungen zu kopieren, zu vergrößern oder zu verkleinern. Das Gerät
aus Messing gehört zu den spektakulärsten Stücken in der Mathematischen Modellsammlung der Philipps-Universität.
„Mit Modellen lassen sich abstrakte Gegenstände der Mathematik sehr eingängig erklären.“ Ilka Agricola muss es wissen: Die Marburger Hochschullehrerin leitet die Kollektion, sie setzt deren Exponate oft und gerne im Untericht ein.
Für ihr Engagement bekam sie kürzlich einen „Ars legendi-Fakultätenpreis“ verliehen. Der Stifterverband für die Deutsche
Wissenschaft und weitere Verbände zeichnen damit herausragende Leistungen in der akademischen Lehre aus. –
Großes Bild: Schraubenfläche einer konstanten negativen Krümmung
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Mathematik und Inf
Hans-Meerwein Mehr zweckgebäude
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Straße, Foyer Ebene
15.30 & 17.00
21
Campus intern: Sprachenzentrum
Typisch deutsch!
Welcher deutsche Ausdruck gefällt Ihnen
am besten? Wir fragten Studierende, die am
Sprachenzentrum der Philipps-Universität
Deutsch lernen (Umfrage: Ellen Thun)
Die
beleidigte
Leberwurst
spielen
Muriel Kielosto
Morgenmuffel
Patricia Schempp
Mein Lieblingswort klingt so komisch, aber
es ist wunderbar. Auf Englisch haben wir
kein Wort mit dieser Bedeutung, wir müssen
fünf oder mehr Wörter benutzten, um es zu
beschreiben. Ich bin selbst Morgenmuffel,
deshalb war es für mich so entspannend, dieses Wort zu entdecken!
22
Ich habe diese Redewendung zum ersten Mal in
einem Buch gelesen und mich gefragt, ob man
wirklich so sagt. Es ist sehr lustig, dass sie tatsächlich verwendet wird. Außerdem hat sie mit
Würsten zu tun – typisch deutsch!.
Ellen Thun (5)
Stimmung
Valentina Galimberti
Das Wort klingt sehr gut. Und wenn ich sage: Es gibt hier eine schöne Stimmung, heißt
das nicht nur, dass ich den Ort schön finde,
sondern auch, dass ich mich wohl und froh
fühle. Das finde ich toll.
Jetzt
haben wir
den Salat
Natalia Boise
Nach vielen anderen Missgeschicken bin ich
hingefallen, weil ich eben ein Tollpatsch bin,
und mein Gastbruder hat gesagt: „Jetzt haben
wir den Salat“.
Geborgenheit
Xiwei Chen
Das Wort beschreibt ein Gefühl wie zuhause:
sicher und angenehm. Wenn ich dem Wort
begegne, denke ich sofort an meine Familie.
Dann werde ich ruhig und glücklich. Im Chinesischen gibt es kein einzelnes Wort mit diesen Bedeutungen.
23
24
Sprachenzentrum
Was das bietet Marburger Sprachenzentrum?
Campus intern: Sprachenzentrum
Lernen mit Spaß
U
nijournal: Frau Duxa, das Sprachenzentrum der Philipps-Universität bietet bei Campus Marburg
Schnupperkurse an. Wieviel Chinesisch
kann man in einer Stunde lernen?
Susanne Duxa: Man erhält einen ersten
Einblick , legt Sätze aus Schriftzeichen,
versucht sich an dem für Europäer ungewohnten Tonsystem – getreu dem Motto:
Sprachen lernt man mit Hirn, Herz und
Hand, damit sie im Gedächtnis bleiben.
Das Sprachenzentrum der Philipps-Universität ist gerade 15 Jahre alt geworden.
Was ist seine Aufgabe?
Unser Hauptstandbein sind die Sprachkurse während des Semesters und in den
Ferien. Wir unterrichten neun Sprachen –
Schulfremdsprachen wie Englisch, Französisch, Italienisch und Spanisch, aber
auch Russisch, Schwedisch und asiatische
Sprachen sowie Deutsch als Fremdsprache. Von der Größe her liegen Englisch
und Spanisch gleichauf, gefolgt von
Deutsch. Wir attestieren auch den Spracherwerb. Im vergangenen Jahr haben
wir 366 Zeugnisse ausgestellt. Das ist immer mit einer Prüfung verbunden.
Wozu bietet die Uni Sprachkurse an?
Die Welt ist vielsprachig, und die Bildungswelt ist es auch! Es gibt englischsprachige Studiengänge an der Uni, und
akademisches Englisch ist anders als
Schulenglisch. Deshalb ist es wichtig,
dass die Uni selber Kurse anbietet. Ein
Anglo -American Sports: Rules and
Practice Sportaktion (in English)
auf der Wiese zwischen Hörsaalgebäude und Sprachenzentrum
17.00 – 20.00
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17.0 0 – 18.30
Chemiker schreibt bei uns auch eine andere Prüfung als ein Kunsthistoriker.
Unser Ziel ist es, dass wir Sprachkompetenz vermitteln und dass sich die Studierenden leichter tun, neue Sprachen zu
erlernen, indem wir ihnen Lust aufs Sprachenlernen machen. Mit Tandems und
Selbstlernzentrum bieten wir Alternativen für Studierende, die keine Zeit haben, unsere Kurse zu besuchen.
Wie umfangreich ist das Angebot?
Wir haben jetzt pro Jahr 3.500 Lernende
in rund 120 Kursen pro Semester. Was
uns sehr freut, sind die Ergebnisse unserer jüngsten Evaluation: 90 Prozent unserer Absolventen sagen, dass sie unsere
Kurse weiterempfehlen würden.
Was müssen Studierende mitbringen?
Man lernt Sprachen, indem man selbst
spricht. Man darf sich nicht im Unterricht
die Würmer aus der Nase ziehen lassen.
Wir geben viele Hilfen, wie sich Sprachelernen in den Alltag integrieren lässt –
man kann beim Frühstückmachen üben,
beim Busfahren und so weiter.
Wer sind Ihre Lehrkräfte?
Wir haben mehr als 60 Lehrbeauftragte
pro Semester, alle mit einer einschlägigen
Ausbildung. Wir machen selbst eine ganze Menge in dieser Richtung, zum Beispiel Workshops wie bei Campus Marburg: sinnvoller Einsatz von Lernspielen
im Fremdsprachenunterricht.
Was bieten Sie noch an?
Zum Beispiel anglo-amerikanische Sportarten auf der Wiese vorm Sprachenzentrum. Die Lehrer erklären alle Regeln auf
Englisch und kombinieren so Bewegung
und Fremdsprachenerwerb. That’ll be
fun!
>> Johannes Scholten
links: Susanne Duxa berät Studentinnen.
25
Ivan Karastoyanov Witoscha (Commons)
Campus intern:
Lehrerbildung
Grosse
Klasse!
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Schule ändert sich, und mit ihr das professionelle Selbstverständnis von Lehrkräften: Unterricht im Jahr 1917...
Mehr Praxis im Lehrerstudium: In Marburg gibt‘s dafür „Pro-Praxis“
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atespiele sind der Renner – die
Zuschauer von Quizshows wissen alles besser, während die
Kandidaten hoffen, sich nicht zu
blamieren. Da hilft nur solide Bildung,
am besten durch gut ausgebildete Lehrer.
Wie man die bekommt, zeigen das Zentrum für Lehrerbildung der Philipps-Universität und das Projekt „Pro-Praxis“ bei
Campus Marburg, unter anderem mit
einem Uni-Quiz.
Rund 3.000 junge Männer und
Frauen absolvieren in Marburg derzeit
den Studiengang für das Lehramt an
Gymnasien; er ist mit 22 Fächern – darunter Klassiker wie Mathe und Deutsch,
aber auch Exoten wie Griechisch und Hebräisch – der größte Studiengang an der
26
Uni. „Die Vernetzung aller Akteure der
Lehrerbildung ist anspruchsvoll“, erklärt
Annette Huppert, Koordinatorin von
„Pro-Praxis“. „Und für die Studierenden
ist es schwierig, sich als Lehramtsstudierende zwischen Fachwissenschaften und
Bildungswissenschaft zu verorten.“
„Pro-Praxis“, mit rund 3,6 Millionen
Euro vom Bund finanziert, zielt mit drei
Teilprojekten auf die Verbesserung des
Praxisbezuges und der Beratung im Lehramtsstudium sowie auf den Ausbau des
Zentrums für Lehrerbildung. Die wissenschaftliche Basis des Vorhabens bildet ein
Forum, in dem sich Fachwissenschaftler,
Fachdidaktiker und Bildungswissenschaftler vernetzen, sie wird kontinuierlich durch Promotionsvorhaben weiter-
entwickelt. Dem verbesserten Praxisbezug dienen neue Studienangebote – die
„Marburger Praxismodule“.
Sie folgen der Leitidee eines doppelten
Praxisverständnisses: Schulische Praxis
beginnt demnach nicht erst in der Schule,
sondern bereits bei der intensiven Auseinandersetzung mit den Kernthemen des
jeweiligen Faches. „Mittlerweile hat die
erste Kohorte von Studierenden das erste
Schulpraktikum absolviert, nachdem sie
sich in dem neuen Format vorbereitete“,
berichtet Huppert.
Bei Campus Marburg präsentiert sie
mit ihren Mitstreitern, wie sich die Lehrerbildung verändert – mit Mitmachaktionen unter dem Titel „Diskutierbar – von
der Schule an die Uni und zurück“. >> js
Metropolitan School (Commons)
..und in einer x-beliebigen modernen Schulklasse. Die Uni Marburg investiert viel Mühe in die Verbesserung der Lehrerbildung.
Der Schüler: „Ein guter Lehrer muss die
Schüler unter Kontrolle haben, sollte aber
keinen Druck ausüben. Leider wurde ich
selber schon von einem Lehrer unterrichtet, der einen immer wieder unter Druck
setzte und vor der Klasse bloßstellte.“
Luca Schöbel besucht die 10. Klasse der
Lahntalschule in Biedenkopf
Der Professor: „Eine gute Lehrkraft
zeichnet sich durch eine stabile Persönlichkeit, professionellen Umgang mit jungen Menschen, pädagogische und psychologische Fähigkeiten und fundiertes
Fachwissen aus. Die Kernaussagen der
Fächer müssen verstanden sein, um sie
mit Begeisterung und gut aufgearbeitet
vermitteln zu können.“ Der Biologe
Lothar Beck leitet das Marburger Zentrum für Lehrerbildung
Was
macht
gute
Lehrer
aus?
Die Studentin: „Gute Lehrkräfte gehen mit Förderung und Hilfestellungen
auf die Schülerinnen und Schüler ein.
Eine gute Unterrichtsstunde entsteht
in Kommunikation mit der Klasse. Es
ist wichtig, anzuerkennen, dass man
nach Beendigung des Studiums nicht
fertig ist.“ Leonie Stambke studiert
Englisch und Geschichte auf Lehramt
Der Lehrer: „Um ein guter Lehrer zu
werden, benötigt man unter anderem
persönliche Reife, Teamfähigkeit, Zeit
für Reflexion, man muss sich Schwächen eingestehen und offen kommunizieren, darf sich nicht für unersetzlich
halten und sollte sich andere Lehrkräfte zur kollegialen Hospitation in den
Unterricht holen.“ Martin Gottschalt
ist Lehrer für Deutsch und Geschichte
27
Campus intern: Noch mehr Innenansichten
Boxen, Bauten, Brokkoli
Adolf Braun
Campus Lahnberge: Gestern – heute – morgen
Führungen über das Lahnberge-Gelände
Gabriele Neumann (Stabsstelle Corporate Publishing)
Treffpunkt: Haupteingang des Neubaus Fachbereich Chemie
15.30 - 17.30 (3 x, stündlich)
„Warum mögen Kinder keinen Brokkoli?“ Interaktive
Wissensspiele und Quizfragen rund um Vielfalt und Artenschutz – „WISSENschaf(f)t Blüten“
Botanischer Garten, Projektbüro Arnika Hessen und
Schülerlabor
Campusmeile auf den Lahnbergen
15.00 - 18.00
Schmuckanalyse mittels Röntgenfluoreszens
Laborversuch / Demonstration
Uwe Linne, Heike Mallinger, Martina Gerlach (Fachbereich
Chemie – Abteilung Massenspektromie und Elementanalytik)
Treffpunkt: Neubau Fachbereich Chemie
16.30 - 17.00, 17.30 - 18.00
Gebäude: Markus Farnung; Brokkoli: David Monniaux (Commons)
Boxcourt Kampfsport-Präsentationen und Mitmachangebote
Torwandschießen und Menschenkicker mit den amtierenden deutschen Hochschulmeisterinnen im Frauenfußball
Zentrum für Hochschulsport
Mensa Erlenring, Parkplatz
17.00 – 19.30
Science Slam of Soft Skills Wettbewerb mit Kurzvorträgen
MARA – Marburg University Research Academy
Hörsaalgebäude Biegenstraße 14, Raum 00/0020
17.00 -18.00
Hört die Signale – Singen mit ver.di Workshop &
öffentliche Probe mit der ver.di-Betriebsgruppe
Erwin-Piscator Haus/ Aktionsraum 2
17.00 - 18.30
Let‘s open up Science – Von Forschungsdaten zu Open
Access Publikationen Vortrag mit Bildern und Filmen
Timo Glaser (Universitätsbibliothek)
Mehrzweckgebäude Lahnberge, Ebene C3 – Chemiebibliothek
16.30 - 17.00
28
oben: Die Hochschul-Fußballmeisterinnen kommen aus Marburg;
unten: Blick in den Neubau des Fachbereichs Chemie
Campus persönlich: Evelyn Korn
Spiel mit Regeln
Von der Mathematik zur Ökonomie – Evelyn Korn ist Expertin
für strategisches Denken. Das kann sie brauchen in ihrem Amt, sagt
Marburgs neue Uni-Vizepräsidentin für Studium und Lehre
E
machen die Anderen, welche Konsequenzen entstehen daraus; „und das bedeutet nicht, dass Menschen berechnend
sind, sondern ist die Basis für gelingende
Kooperation“.
Solchen Fragen geht Korn gemeinsam
mit ihren Kolleginnen und Kollegen des
„Marburg Center for Institutional Economics“ (MACIE) nach, anhand von Themen wie der Vereinbarkeit von Familie
und Beruf oder der ungleichen Bezahlung
der Geschlechter. Jetzt will sie diese Erfahrungen auch hochschulpolitisch nutzen: „Als Vizepräsidentin kann ich dazu
beitragen, Regeln so zu machen, dass die
Universität auch unter sich ändernden
Rahmenbedingungen weiter gut funktioniert.“
>> Johannes Scholten
Rolf K. Wegst
rkenntnisse zu verbreiten, ist eine Kernaufgabe von Wissenschaft
– so antwortet Evelyn Korn,
wenn man sie fragt, warum sie
bei Campus Marburg mitmacht. Für die
Verbreitung von Wissen sorgt die Ökonomieprofessorin nicht nur mit ihren Vorlesungen – seit April kümmert sie sich auch
als Vizepräsidentin der Philipps-Universität um den Bereich Studium und Lehre.
„Mit meinen Vorlesungen erreiche ich
Jahr für Jahr 900 junge Leute – mehr als
mit einer Top-Publikation“, erklärt Korn.
Lehre sei eine universitäre Kernaufgabe,
aber karriereförderlich sei für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nur
ihre Forschung. Eine der Aufgaben in ihrem Amt sieht sie daher darin, Engagement für die Lehre lebenslauftauglich zu
machen: „Wie kann man Reputationsgewinn durch gute Lehre ermöglichen?“
Korn kam auf dem Umweg über das
Studium der Mathematik zur Wirtschaftswissenschaft. „Strukturiertes Denken und Individuen in Regelsystemen haben mich schon seit der Schulzeit interessiert“, bekennt die Mittvierzigerin. Sie
wollte ausprobieren, was man außerhalb
der Physik mit diesem Ansatz anfangen
könne – „so landete ich in den Sozialwissenschaften“. Mit diesem biografischen
Hintergrund ist die viel beschworene Interdisziplinarität für Korn eine Selbstverständlichkeit, auch in der Lehre: „Was
können die Fächer voneinander lernen,
wenn sie auf ein Thema blicken?“
Die fiesen Banken, die Selbstbedienung der Eliten – Korn weiß: „Als Wirtschaftswissenschaftlerin steht man in der
öffentlichen Wahrnehmung oft auf der
bösen Seite der Macht.“ Wo doch das in
den Wirtschaftswissenschaften vermittelte strategische Denken auch die Fähigkeit trainiere, sich in andere hineinzuversetzen, und damit Kooperation und soziales Miteinander stärken könne. In Interaktionen gehe es darum, sich zu überlegen: wie verhält man sich selber, was
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17.30 29
Campus aktiv: Dramarasmus
Wissen tut überall Not, deshalb steht die Uni in
gesellschaflicher Verantwortung. Wissenschaftler
und Studierende sind auch außerhalb des Campus
aktiv: in Ehrenämtern, in der Politik, im Kultur­
leben. Bei Campus Marburg zeigen sie, wofür sie
sich engagieren.
Sie spielen an der Uni die Hauptrolle: Studierende
finden ihre Bühne nicht nur im Seminar, sondern
manchmal auch im Theater. Zum Beispiel „Dramarasmus“, ein Ensemble von schauspielbegeisterten jungen Leuten aus dem europäischen Ausland (siehe
die Probenfotos auf den folgenden Doppelseiten).
Wer Lust hat, selbst einmal im Scheinwerferlicht
zu stehen, kann die Gruppe bei einen Schnupperkurs
kennenlernen. Vorhang auf!
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Nicht nur zuschauen
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Steffen Böttcher, Hessen schafft Wissen
32
Steffen Böttcher, Hessen schafft Wissen (4)
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Die Welt der Sprachen
und Dialek te
Ausstellung
Prof. Dr. Alfred Lameli
Forschungszentrum
Deutscher Sprachatlas
17.00 - 21.00
Regionalsprachen heute
Vorträge mit Diskussion
18.00, 20.00: Westniederdeutsch
18.30, 20.30: Mitteldeutsch
Forschungszentrum
Deutscher Sprachatlas
33
Flucht in Aporien
Lucy Beck, UNHCR
Campus aktiv: Thema Flüchtlinge
Was sind Gründe und Folgen von Migration?
U
nijournal: Frau Krause, worum
geht es in Ihrem Beitrag zu Campus Marburg?
Ulrike Krause: Wir veranstalten eine
Art Podiumsgespräch zum Umgang mit
Geflüchteten aus den Perspektiven von
Wissenschaft und Praxis und mit Fragen
aus dem Publikum. Wir wollen vor allem
auf die strukturellen Widersprüche hinweisen, die in Bezug auf Flucht bestehen.
Welche Widersprüche meinen sie?
Ich spreche etwa von politischen Forderungen nach Obergrenzen für Geflüchtete
oder dem Schließen von Grenzen. Oder
auch vom Sprechen über Wellen, die vermeintlich über uns schwappen. Flüchtlinge werden als Gefahr dargestellt. Das
widerspricht aber dem Völkerrecht und
den Gefahren, denen sie selbst ausgesetzt
sind. Es gibt ein Recht auf Asyl.
Ein weiterer Widerspruch: In der
deutschen Politik gibt es den Aufschrei,
man müsse Fluchtursachen durch Entwicklungszusammenarbeit schnell bekämpfen – damit Flüchtlinge schnell zurückkehren. Aber Konflikte zerstören
Entwicklungsfortschritte, sodass die Zusammenarbeit wenig leisten kann.
Was verbindet Sie mit dem Thema?
Ich arbeite seit einigen Jahren zum
Flüchtlingsschutz. Mit dem Anstieg der
Zahlen von Asylsuchenden in Europa sehen wir auch bei den Studierenden ein
großes Interesse, mehr darüber zu erfahren – mehr, als Medien oder Politik berichten. Am Marburger Zentrum für Konfliktforschung haben wir im vergangenen
Semester eine Ringvorlesung zum Thema
34
Flucht und Asyl veranstaltet, da kamen
bei jedem Vortrag zirka 300 Leute.
Ich forsche zu Flucht im Globalen Süden und werde auf die Situation in den
Herkunftsländern und benachbarten Aufnahmeländern eingehen. Die Arbeitsgruppe Sozialpsychologie in Marburg beschäftigt sich damit, wie Menschen in
Deutschland mit Flüchtlingen umgehen,
und mit der Zunahme von rechten Positionen in der Politik. Johannes Maaser ist
bei der Stadt Marburg für Gewaltprävention zuständig und beschäftigt sich auch
mit Unterbring und Integration von Geflüchteten, kennt also die Praxis vor Ort.
Worin besteht die wichtigste Folgerung
für die Flüchtlingsdebatte, die Sie aus
Ihrer Forschung zu Migration ziehen?
Wir brauchen eine internationale Konferenz, um einen Konsens zu finden, wie
die Lasten zu verteilen sind, wie Flüchtlingsschutz aussehen kann – eine Konferenz mit Politik, Wissenschaft, Nichtregierungsorganisationen, nicht nur aus Europa, sondern auch aus afrikanischen und
asiatischen Staaten. Solche Konferenzen
gab es schon öfter, zum Beispiel in den
1980er Jahren mit regionalem Fokus, das
ist also kein Novum.
Wir haben ein internationales System
im Flüchtlingsschutz, das sich verfestigt
hat: Eine Nord-Süd-Polarisierung mit
Flucht im Süden und finanzieller Unterstützung der Flüchtlingsarbeit aus dem
Norden. Das verschiebt sich mit dem Syrienkonflikt: Selbstverständlich suchen die
Flüchtlinge von dort in Europa Asyl.
>> Fragen: Johannes Scholten
Flüchtlinge aus dem Kongo kommen
in einem Lager in West-Uganda an.
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Hörsaalgebäude,
Biegenstraße 14, Raum
00/0030
18.00 – 19.00
35
Campus persönlich: Landgraf Philipp der Großmütige
Ein Mann, zwei Frauen
Wie würde es Uni-Gründer Philipp ergehen, wenn er Campus
Marburg besuchte? Wir haben zwei Studentinnen gefragt, die
ihm nacheifern: Als Gründerinnen des Magazins „Philipp“
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36
Jost vom Hoff 1590
O
b Landgraf Philipp I sich im
heutigen Marburg wohlfühlen
würde? Zufrieden wäre er sicher damit, dass die Stadt wie
die Uni, die er einst als erste protestantische gründete, gewachsen ist. Insgeheim hätte er aber auch nie mit etwas anderem gerechnet. Erfreulich fände er
wahrscheinlich auch die lockere Atmosphäre, in der die Studierenden von heute
so leben. „Geil!“, würde er sich denken,
„so, wie‘s sein soll.“ Monogamie, die
auch unter Studierenden von heute eher
seriell als einmalig auftritt, mochte er
nämlich nicht: 1539 bat er keinen geringeren als Martin Luther, ihm den Segen
für eine Ehe mit zwei Frauen zu geben.
Er kam durch mit dieser Bitte, dank
allein seiner Position. Der Mann, der
1504 als Kind des Landgrafen Wilhelm II
und Anna von Mecklenburgs in Marburg
geboren wurde, gehörte nämlich zu den
wichtigsten politischen Instanzen der Reformation. Mehr noch: Er gilt quasi als
ihr Wegbereiter. Das nutzte Philipp, der
sich schon mit 13 Jahren gegen seine
Mutter durchsetzte und zum Regenten
von Hessen gemacht wurde, für sein Vorhaben. Da er in seinem Brief an Luther
andeutete, er würde sich im Notfall an
den Papst wenden – und damit ins katholische Lager zurückkehren – gab Luther
nach. Philipp war eben zu wichtig für die
Reformation. Und so heiratete er 1540 die
junge Margarete, mit der er stolze neun
Kinder bekam. Ergänzend zu jenen sieben, die er schon mit der sächsischen
Prinzessin Christine in die Welt gesetzt
hatte. Ein ganz schöner Hengst, der nicht
mit zwei, sondern gleich drei Hoden bestückt war. Besondere Manneskraft und
Fruchtbarkeit soll es daher auch bringen,
wenn man seinem steinernen Abbild im
Innenhof des Landgrafenschlosses, dem
„Philippstein“, in den Schritt fasst.
Wäre Philipp nicht ein Feind von
Papst und Kaiser gewesen, die Uni wäre
vielleicht nie gegründet worden: 1527 löste Philipp, nicht ganz gewaltfrei, die
Klöster Hessens auf, schnappte sich deren
Vermögen und gründete damit unter anderem die Universität. Wer rechnen
kann, sieht: Da war er gerade mal 21. Seinem jungen Alter zum Trotz meinte er
durch „Religionsgespräche“ einen Disput
der evangelischen Wortführer schlichten
zu können und schuf in der Folge mal
eben eine eigene Kirchenordnung. Außerdem führte er Krieg gegen aufständische
Bauern und den Kaiser. Dass die Universität Marburg nach
ihm benannt wurde, bekam er übrigens
nicht mehr mit. Das geschah erst 1934.
Ganz anders als Marburgs einziges (und
damit bestes) studentisches Magazin. Das
nannte sich schon mit seiner Gründung
2014 so, wie es sich gehört: PHILIPP.
>> Katharina Meyer zu Eppendorf
und Leonie Ruhland
Steffen Böttcher / Hessen schafft Wissen
Stets eine ganze Latte von
Themen im Magazin: Leonie
Ruhland (links) und Katharina
Meyer zu Eppendorf
37
38
Susanne Langer
Campus aktiv: Noch mehr Uni-Engagement
Buch, Beruf, Debatte
Showdebatte
Sabrina Göpel, Brüder Grimm Debattierclub Marburg e.V.
Hörsaalgebäude, Biegenstraße 14, Raum +1/0120
18.30 – 19.15
Live-Radiosendung
Radio Unerhört Marburg e.V.
Campusmeile auf den Lahnbergen
15.00 – 18.00
Literaturkritisches Quartett Podiumsdiskussion
mit Marion Schmaus, Thomas Anz, Jürgen Joachimsthaler,
Heinrich Kaulen (Institut für Neuere Deutsche Literatur)
Erwin-Piscator Haus, KFZ-Clubraum
21.30 – 22.15
US Army
Studieren? Ja/Nein/ Vielleicht Präsentation & Quiz
Verein Arbeiterkind.de
Campusmeile
15.00 – 18.00
Wörter für den Beruf – Ein mobiler Begleiter für
Migranten Mitmachaktion
Gabriele Taentzer (Fachbereich Mathematik und Informatik –
Fachgebiet Informatik)
Mehrzweckgebäude Hans-Meerwein-Straße, Foyer Ebene 3
15.00 – 18.00
„Faceroom“ Fotoaktion
Spendenkampagne „Kunst braucht Raum“
Kunstmuseum Marburg, Biegenstraße
ab 17.00
links: Das Literaturkritische Quartett ist auch diesmal einer der
Höhepunkte des Wissenschaftsfestes.
Markus Farnung; Münzen: NobbiP (Commons)
Gerechtigkeit im Bild – Filme zum Nürnberger Prozess
Vortrag mit Filmvorführung
Wolfgang Form, Axel Fischer (Forschungs- & Dokumentationszentrum Kriegsverbrecherprozesse)
Hörsaalgebäude, Biegenstraße 14, Raum 00/0030
20.00 – 20.45
oben: NS-Kriegsverbrecher wie Hermann Göring spielen die Hauptrollen im Film „Nürnberg und seine Lehre“; unten: Das Hörsaalgebäude
39
Campus Marburg: Ausklang
Party, Theater, Konzerte
Öffentliche Chorprobe
Universitätschor Marburg e.V.
Audimax, Zentrales Hörsaalgebäude (Biegenstraße 14)
17.00 - 17.45
Featuring Jazz
Konzert
Fachbereich Medizin / Klinik für Psychatrie
Außenbühne Chemie Neubau
19.00 - 19.45
Are we alone? Elektro-Pop-Duo SONIC LIMB
Konzert
Hessisches Landestheater Marburg
Erwin-Piscator Haus/ Aktionsraum 1
19.00 -20.00
Markus Farnung; Flasche: Wissler, Glas: Trexer (Commons)
Lach & Sachgeschichten: TG stellt sich vor
Interaktive Theatershow
Theater GegenStand e.V.
Zentrales Hörsaalgebäude, Raum 00/0080
20.30 - 21.00
„Summa cum Laude“ Wettstreit der besten
Poetry-Slamer Deutschlands,
moderiert von Lars Ruppel
Erwin-Piscator Haus/ Großer Saal
22.00 - 23.00
Kein Vogel. Kein Flugzeug. Nein, es ist ein Poet: Lars Ruooel
moderiert den Poetry Slam „Summa cum laude“.
Abschlussparty
KFZ
Erwin-Piscator Haus/ KFZ Saal
ab 23.00
Impressum
Kontakt: Tel./Fax: 06421 28-26219 / -28903
E-Mail: [email protected]
uj! – Campus Marburg erscheint als Beilage zum Marburger Unijournal Nr. 49,
Sommer 2016 (ISSN 1616-1807)
Herausgeberin: Die Präsidentin der Philipps-Universität Marburg
Redaktion: Philipps-Universität Marburg, Biegenstraße 10, 35 032 Marburg;
Johannes Scholten (js) verantwortlich, Ellen Thun
Die in den Beiträgen geäußerten Meinungen spiegeln nicht unbedingt die Ansicht der
Redaktion wider.
40
Titelbild: Markus Farnung
Grafik: M.MEDIA, [email protected]
Druck: Silber Druck oHG,
[email protected]berdruck.de
Anzeigen: Anzeigenverwaltung Waltraud Greilich, [email protected]
Versand: Lahnwerkstätten Marburg
Auflage: 8.000
Erscheinungsweise: uj! – Campus Marburg erscheint einmalig zum Wissenschaftsfest 2016
LAGEPLAN LAHNBERGE
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versitätss
Heinrich Geißler GmbH & Co. KG
Tel. 06422/9305-0 · E-Mail: [email protected] · www.hgeissler.de
Das Bauunternehmen Heinrich Geißler GmbH & Co. KG führte insbesondere die zu Beginn der
Baumaßnahme am Neubau des Forschungszentrums Deutscher Sprachatlas nötigen Spezialverbauarbeiten aus. Archäologische Vorerkundungen machten die Erstellung von Baugruben nötig.
Ebenso wurden Rückbauarbeiten sowie der Abriss des bis zuletzt verbliebenen Schornsteins der
ehemaligen Marburger Brauerei ausgeführt.