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SIW 22/2016: Durchsichtige Manöver
Über das „neue Normal“ und die alten Spielchen der Fed
Der große Bluff
Dass die Federal Reserve Bank die Märkte bewegt, ist nichts Neues. Dass die Börsen jedoch nach wie vor auf deren durschaubare
Manöver hereinfallen, verwundert dennoch. So auch in den vergangenen zwei Wochen: Zunächst schreckten die am 18.5.
veröffentlichten Protokolle der Fed-Sitzung von Ende April die Marktteilnehmer auf. Denn daraus ging es klipp und klar hervor: Janet
Yellen möchte noch im Juni oder Juli an der Zinsschraube drehen. Der Weg in Richtung Zinsnormalisierung wäre damit einen weiteren
Schritt vorangekommen. Unterstützt wird dieser Kurs von diversen Aussagen von Mitgliedern des Offenmarktausschusses, die an die
Belastbarkeit der US-Wirtschaft glauben. In nackten Zahlen sieht es nun so aus: Die aus den Fed Fund Futures abgeleitete
Wahrscheinlichkeit eines Zinsanstiegs auf 0,75% im Juni liegt nun bei rund 23%, für den Juli bei immerhin knapp 49%. Noch Anfang
Mai wurde dies von den Märkten als extrem unrealistisch angesehen. So gut die US-Notenbank jedoch im Wecken von Erwartungen ist,
so gut war sie in der Vergangenheit auch stets im Enttäuschen derselben. Für Christopher Wood, den Chef-Strategen der asiatischen
Investment-Bank CLSA, ist das Aufflammen von Zinsnormalisierungs-Erwartungen daher auch lediglich ein Hype, den die Fed bewusst
befeuert, da die Aktienmärkte gerade wieder etwas stabiler aussehen. Die volkswirtschaftlichen Daten geben jedoch keinesfalls Anlass
zu großem Optimismus für die US-Wirtschaft. Es sei daher lediglich eine Frage der Zeit, bevor sich die Börsen wieder auf die
fundamentale Wachstumsschwäche in den USA konzentrieren würden. Einen geringen Glauben an eine tatsächliche
Zinsnormalisierung hat auch Dr. Alexander Krüger vom Bankhaus Lampe. Zwar hält er einen Zinsschritt von 0,25% im Juni oder Juli
durchaus für vorstellbar, danach wird die Fed jedoch erneut für einige Monate die Füße still halten. Auch sei noch alles andere als
sicher, ob die Notenbank in ihrer Sitzung am 15.6. lediglich eine Woche vor der Abstimmung über den sogenannten Brexit (am 23.6.)
den Märkten eine weitere Belastung auferlegen wolle. Mittelfristig erwartet Dr. Krüger für Dezember dieses Jahres oder März 2017
einen dritten – und finalen – Zinsschritt auf dann 1,0%. Doch ist 1% tatsächlich das „neue Normal“? Die Zinswende dürfte vor allem
eines sein: Ein großer Bluff. Die Aussicht auf eine ausbleibende Normalisierung der Zinsen dürfte also früher oder später wieder ihre
Wirkung an den Märkten entfalten – sowohl am Aktienmarkt, als auch beim Gold. Denn besonders das gelbe Metall hatte in den letzten
Wochen unter den Fed-Aussagen gelitten. Ein Schelm, wer dabei keine Absicht vermutet!
Marktagnostiker unter sich
Es sind exakt diese Spielchen der Notenbanken und die Abhängigkeit der Börsen davon, die Carson Block in seiner Strategie
bestätigen. Denn der geheimnisumwitterte Short-Seller sieht seinen Ansatz als „quasi agnostisch“ bezüglich der Märkte an. Statt auf
kaum prognostizierbare Kursausschläge zu setzen, kreiert sich Block seine Chancen selbst – durch intensives Research und das
Aufdecken von Betrugsfällen oder wackeligen Geschäftsmodellen. Dass er dabei offensichtlich gründlicher vorgeht, als die meisten
Bankanalysten, zeigt auch seine jüngste Studie über den deutschen Werbevermarkter Ströer. Während alle zwölf Research-Häuser, die
über Ströer berichten, selbst heute noch zum Kauf der Aktie raten, sieht Block erhebliche Fragezeichen beim Zahlenwerk des
Unternehmens. Darüber, aber auch über die ersten von ihm aufgedeckten Betrugsfälle, das chinesische Verständnis von Wahrheit und
über die typischen Anzeichen, an denen sich fragwürdige Geschäftsmodelle erkennen lassen, haben wir uns mit ihm in New York
unterhalten. Ein Gespräch, das nicht nur für „Shorties“, sondern auch für jeden klassischen Aktienanleger interessant ist. Sie finden das
Interview im Smart Investor 6/2016 auf Seite 76 oder hier zum Abruf.
Zur Gattung der „Marktagnostiker“ dürfte sich auch Warren Buffett zählen. Allerdings mit einem völlig anderen Ansatz als Carson Block.
Warum der „Berkshire-Ansatz“ auch im 51. Jahr unter Buffett noch immer seinen Charm hat, haben wir auf dem diesjährigen
„Woodstock der Kapitalisten“ direkt vor Ort begutachtet. Zugegebenermaßen: So ganz ohne externe Einflüsse laufen auch Buffetts
Investments nicht. So können Sie unter anderem seine Aussagen zur Zinsentwicklung und deren Auswirkung auf das für Berkshire so
wichtige Versicherungsgeschäft in unseren Impressionen aus Omaha nachlesen. Mit unserem Bericht über die BerkshireHauptversammlung bekommen Sie alle wichtigen Aussagen frei Haus. Und zwar so vollständig, dass wohl auch Charlie Munger,
Buffetts Stellvertreter, nur seine bekannten Worte sagen würde: „Ich habe dem nichts mehr hinzuzufügen!“ Nachzulesen ab Seite 14 im
Smart Investor 6/2016 oder hier abzurufen.
Daneben haben wir uns auch in diesem Jahr wieder ausführlich unserem Steckenpferd gewidmet – den börsennotierten
Beteiligungsgesellschaften. Kaum ein Feld an der Börse ist so unübersichtlich, bietet dem informierten Anleger jedoch gleichzeitig
hochinteressante Chancen. Insbesondere in unserer Tabelle haben wir sie alle: Die Newcomer, die alten Hasen, die Besten aus dem
Vorjahr und diejenigen mit den spannendsten Schlagzeilen. Dazu in gewohnter Manier unsere umfangreiche Tabelle, die auch die
Zahlen von sonst weniger beachteten Beteiligungsgesellschaften beleuchtet. All dies finden Sie ab Seite 6 im aktuellen Smart Investor.
Das Editorial des aktuellen Heftes können Sie im Übrigen auch auf unserer Homepage lesen. Darin berichtet unser Chefredakteur Ralf
Flierl über die Demo gegen das drohende Bargeldverbot, die am 14.5. in Frankfurt stattfand. Bleiben Sie daher wachsam!
Zu den Märkten
All diese Verunsicherungen ließen die großen Aktienindizes (S&P500 und DAX) tendenziell unberührt. Der Trend dürfte hier wohl weiter
aufwärts gerichtet sein. Vorausgesetzt es geschehen keine Katastrophen, wie wir sie im Heft dargelegt haben (Brexit usw.). Der Trend
dürfte im Sinne unserer Geschichte „Pustebulle“ (Titelstory in Heft 5/2016) aber vermutlich weiter aufwärts gerichtet sind.
Interessanterweise haben die beiden von uns zitierten Zyklenforscher Kersten Wöhrle und Wilfried Kölz (siehe aktuelles Heft S. 57) ihre
Meinung zu den Börsen geändert – wohlgemerkt: unabhängig voneinander. In beiden Fällen wurden wichtige Baisse-Voraussetzungen
nicht erfüllt, weshalb beide erst einmal (vorsichtig) ins Bullenlager wechseln.
Eine unserer Ansicht nach deutlich spannendere Situation ergibt sich jedoch derzeit an den Edelmetallmärkten, und hier am ehesten
am Beispiel Silber festzumachen. Das weiße Metall fiel in der jüngsten Schwächephase auf seinen vierjährigen Abwärtstrend (rot; siehe
Abb.) zurück und setzt nun parallel auf der Nackenlinie (blau) der inversen Kopf-Schulter-Formation auf. Zudem ist in der Abbildung
noch ein kurzfristigerer Aufwärtstrend (grün) zu erkennen, der ebenfalls Halt bieten sollte. Also drei sehr wichtige Unterstützungen, die
nahezu auf diesem Kurslevel greifen. Geht’s noch schöner? Kaum!
Veranstaltungshinweis
Am 4. Juni veranstaltet das Verbraucherforum Fritzlar e.V. den Kongress „Energieausgleich – Krisen bieten Chancen“ in Kassel. Mit
dabei sind Johann A. Saiger, Claus Vogt und Prof. H. Hans J. Bocker. Kontaktinformation: Verbraucherforum-Fritzlar e.V., Entengasse
3, 34560 Fritzlar, Fax +49 56 22 – 93 07 26, E-Mail: [email protected]
Musterdepot Aktien & Fonds
Weitere Informationen zu Stada erhalten Sie heute im Musterdepot. Daneben sind wir in unserer Absicherungsposition ausgestoppt
worden und haben im Fonds-Musterdepot zwei neue Positionen eingegangen. Genaueres erfahren Sie auf unserer Website
im Bereich „Highlights/Musterdepot“ auf www.smartinvestor.de. Sie können sich dort durch einfaches Blättern einen schnellen Überblick
über die letzten Wochentransaktionen verschaffen.
Smart Investor 6/2016
Titelstory: Die Zwei – Impressionen aus Omaha
Beteiligungsfirmen: Deutsche Holdings auf dem Prüfstand
Clean Energy: Über Wind, E-Mobile, Solar und YieldCos
… und vieles mehr.
Fazit
Bluffen will gelernt sein, weiß jeder Pokerspieler. Ob die US-Notenbank dieses Spiel beherrscht darf getrost bezweifelt werden. Denn
spätestens im Juli wird Janet Yellen die Karten auf den Tisch legen müssen…
Ralf Flierl, Christoph Karl
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Die Charts wurden erstellt mit TradeSignal von www.tradesignal.de und Tai-Pan von Lenz+Partner. Diese Rubrik erscheint jeden
Mittwochnachmittag.
Quelle: http://www.smartinvestor.de/weekly/siw-222016-durchsichtige-manoever