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Die Evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR -­‐ Kaiserswerther Straße 450 -­‐ 40474 Düsseldorf TELEFON: 0211-41 55 81-0 FAX:0221-41 55 81-20 E-­‐MAIL: [email protected]­‐nrw.de INTERNET: www.kirche-­‐im-­‐wdr.de Die Text-­‐Rechte liegen bei den Autoren und beim Evangelischen Rundfunkreferat. Verwendung nur zum privaten Gebrauch! evangelisch: Kirche in WDR 5 | 28.05.2016 | 06:55 Uhr | Gerlinde Anders
Vergnügt, Erlöst, Befreit
Guten Morgen.
Viele Jugendliche tragen derzeit Armbänder oder Ketten mit religiösen
Symbolen. Und sie sprechen gerne über Glaubensfragen. Neulich sprach mich
ein Schüler an und fragte: „Wann ist man eigentlich ein guter Christ?“ Plötzlich
dachte ich: Die Frage kenne ich doch. Auch ich habe ich mich das gefragt. Bin
ich eine gute Christin. Bin ich gläubig genug? Meine Oma wusste das damals
scheinbar ganz genau: Wenn ich sonntags am Mittagstisch Widerworte gab,
dann sagte sie gerne: “Was hast du denn eigentlich gerade im
Kindergottesdienst gelernt?“ Die Frage war eher eine Aussage, besser eine
Ansage. Nach dem Motto: Dieses Verhalten ist hier unerwünscht. Ich fragte
mich dann: „Bin ich nun eine gute Christin?“ Die Frage hat mich in meiner
Kindheit und Jugend wirklich umgetrieben. Heute würde ich sagen, es war die
Frage: ‚Wer bin ich eigentlich.‘ Ich habe immer schon Leute bewundert, die
erzählen können: Woran sie glauben und wie sie ihren Weg zu Gott gefunden
haben, ohne überheblich oder rechthaberisch zu sein. Ich habe kein
besonderes Erlebnis mit Gott. Eigentlich hätte ich es ja schon ganz gerne, habe
ich früher oft gedacht. Dann könnte ich ganz sicher sein. Heute denke ich: Ich
sollte wohl lernen, mit dieser Unsicherheit zu leben und sie nicht zu schwer zu
nehmen, sondern mit Leichtigkeit. Und ich habe gelernt, zu akzeptieren, wie
vielfältig Menschen ihren Glauben leben. Manche sagen zum Beispiel: Klar
glaube ich, aber darüber muss ich nicht immer nachdenken. Ich beschäftige
mich lieber mit den praktischen Dingen des Lebens. Andere können ihre Art zu
glauben, klar beschreiben und aus der Bibel heraus Grundsätze formulieren für
ihren Alltag. Und manche können erzählen, wo ihnen Gott begegnet ist in ihrem
Leben.
Mich fasziniert vor allem eine Erkenntnis: Gott selbst war Jesus und hat am
Kreuz gelitten. Gott hat es gespürt: Die Grausamkeit der Menschen, die
Ungerechtigkeit. War selbst hilflos und wehrlos den Mächtigeren ausgesetzt, so
wie viele heute: wenn sie verfolgt werden oder wenn sie krank sind, wenn
Nachbarschaftsstreit oder Mobbing am Arbeitsplatz das Leben so schwer
machen. Gott ist mit Jesus am Kreuz gestorben und war - so wie wir Menschen
-, sterblich. Aber er hat dem Tod nicht das letzte Wort überlassen, sondern wirkt
weiter durch seine Geistesgegenwart. Befreit mich immer wieder und macht
mich mutig. Heute, wo ich weiß: Ich werde niemals eine Antwort auf die Frage
„Bin ich eine gute Christin?“ bekommen – da kann ich ganz gut damit leben.
Und noch etwas hat sich geändert: Ich bin froh darüber und manchmal auch
glücklich, dass ich von Gott nicht alles so genau vorbuchstabiert bekomme. „Ich
bin vergnügt, erlöst, befreit.“ So fühle ich mich heute nämlich. Und so heißt
auch das Motto des Reformationsjubiläums im Rheinland, das im Oktober
beginnt: vergnügt, erlöst, befreit. Ich finde es toll und habe mir die Postkarte
dazu direkt an meinen Computerbildschirm geklebt: damit ich es nicht vergesse,
wenn ich mich mal wieder selbst in Frage stelle. Und meinem Schüler habe ich
auch so eine Karte mitgebracht, damit er immer weiß: So darf sich ein
evangelischer Christ fühlen.
Einen vergnügten Tag wünscht Ihnen, Gerlinde Anders, Pfarrerin aus
Leverkusen.
Informationen: http://2017.ekir.de/ich-bin-vergnuegt-erloest-befreit-151.php
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