RENTE ODER KAPITALBEZUG Eine ökonomischaktuarielle - c-alm

R E C H N U N G SW E S E N
R E TO L E I B U N D G U T
RENTE ODER KAPITALBEZUG
Eine ökonomisch-aktuarielle Risikobeurteilung
der Selbstversicherung
Die Entscheidung zwischen einer lebenslänglichen Altersrente (inkl. anwartschaft­
licher Hinterlassenenrente) oder einem Kapitalbezug ist eine der relevantesten öko­
nomischen Entscheidungen im Leben eines BVG-Versicherten. Die Risiken der
Selbstversicherung, welche aus dem Kapitalbezug resultieren, sind nicht zu unter­
schätzen.
1. KRITISCHE ENTSCHEIDUNG ALLER
BVG-VERSICHERTEN
Mit dem Übertritt in den Altersruhestand steht für die
­BVG-Versicherten in der Schweiz die Entscheidung an, das
angesparte Altersguthaben (a) in Form einer lebenslangen
Altersrente oder (b) einmalig in Kapitalform zu beziehen.
Diese Entscheidung – Rente versus Kapital – ist die wichtigste ökonomische Entscheidung aller BVG-Versicherten.
Dementsprechend gibt es vor allem von Vermögensberatern eine Vielzahl an Ratgebern und Online-Tools mit Entscheidungshilfen, die den Versicherten zur Verfügung gestellt werden. Während zum einen die Glaubwürdigkeit
dieser Tools je nach Quelle aufgrund von offensichtlichen
Interessenskonflikten [1] hinterfragt werden sollte, muss
zum a­ nderen festgestellt werden, dass keines dieser Tools
die ­vorhandenen aktuariellen und ökonomischen Werkzeuge tatsächlich konsistent zu nutzen scheint. Ausgangspunkt einer nüchternen ökonomischen Entscheidungsgrundlage muss der Vergleich zwischen dem «Barwert der
Selbstversicherung» bei Kapitalbezug und den «Kosten des
Renten­bezugs in der Pensionskasse» sein. Im Folgenden
wird daher der Versuch unternommen, diesen ökonomischen Vergleich bei gleichen Leistungen unter Berücksichtigung der Steuern, der persönlichen Situation des Versicherten sowie der gewählten Anlagestrategie herzuleiten.
2. HERLEITUNG DER NETTO-RENTENLEISTUNGEN
2.1 Rentenleistung der Pensionskasse. Für die Versicherten kommt es letztlich auf die Frage an, wie viel Vermögen
RETO LEIBUNDGUT,
heute (= Barwert) notwendig wäre, um bei Kapitalbezug die
gleiche Netto-Rentenleistung wie die Pensionskasse finanzieren zu können. Die Netto-Rentenleistung der Pensionskasse lässt sich dabei einfach herleiten. Durch Multiplikation des angesparten Altersguthabens mit dem reglementarischen Umwandlungssatz ergibt sich die Brutto-Altersrente.
Nach Abzug der Einkommenssteuer – die je nach Kanton
und sonstigem Einkommen in der Höhe variiert – erhält man
die Netto-Altersrente.
Nicht zu vernachlässigen ist bei dieser Berechnung der
Versicherungscharakter der Pensionskasse auch für den
­
­Ehepartner: Im Falle eines Ablebens wird eine Hinterlassenenrente fällig, die bei den meisten Vorsorgeeinrichtungen
zwischen 60 und 70% der Altersrente beträgt. Auch hier muss
der Einkommenssteuerabzug berücksichtigt werden. Die
Netto-Rente der Pensionskasse setzt sich daher aus der
Netto-Altersrente sowie der Netto-Witwenrente zusammen.
In Abbildung 1 wird dieses Beispiel anhand von konkreten
Zahlen im Basisszenario illustriert.
Im Basisszenario gehen wir davon aus, dass es sich beim
BVG-Versicherten um einen 65-jährigen verheirateten Mann
mit einer 64-jährigen Ehefrau handelt, dessen Gesundheitszustand als «normal» einzustufen ist und dessen Sterblichkeit somit derjenigen der BVG-2015-Generationentafel
entspricht. Sein Altersguthaben beläuft sich auf CHF 500 000,
der reglementarische Umwandlungssatz entspricht 6,0%
und die Ehegattenrente beläuft sich auf 60% der Altersrente.
Der Grenzsteuersatz beträgt 20% für die Altersrente bzw.
22,5% für die Hinterlassenenrente, wobei der höhere Steuersatz für die Hinterlassenenrente aufgrund des Wegfalls des
Verheiratetenabzugs zustande kommt.
DR. OEC. ET M.SC. (MATH),
EIDG. DIPL. PENSIONSVERSICHERUNGSEXPERTE,
PARTNER, AKTUAR SAV,
C-ALM AG, ST. GALLEN,
[email protected]
C-ALM.CH
336
2.2 Kapitalbezug und Selbstversicherung
2.2.1 Deterministische Betrachtung. Soll der Barwert der NettoRentenleistung bei Selbstversicherung bestimmt werden, so
gehen die meisten Versicherten (und Ratgeber-Tools) deterministisch [2] vor und treffen vereinfachte Annahmen zur
Lebenserwartung und zum Anlageertrag. Die verbleibende
Lebenserwartung beträgt bei normalem Gesundheitszustand
E X P E R T F O C U S 2016 | 5
R E C H N U N G SW E S E N
R ente oder Kapitalbe z ug
Abbildung 1: EXEMPLARISCHE BESTIMMUNG
DER HÖHE DER NETTO-ALTERS- UND DER
NETTO-WITWENRENTE
Basisszenario in CHF
Brutto-Altersrente (= 500 TCHF × 6%)
30 000
Einkommenssteuer (= 20% – Grenzsteuersatz)
–6 000
Netto-Altersrente
24 000
Brutto-Witwenrente (= 30 TCHF × 60%)
18 000
Einkommenssteuer (= 22,5% – Grenzsteuersatz)
–4 050
Netto-Witwenrente
13 950
Quelle: c-alm AG
für 65-jährige Männer rund 22 Jahre, für 64-jährige Frauen
rund 25 Jahre [3]. Unter der Annahme, dass der Kapitalbezug
als Bargeld ohne erwartete Rendite, aber auch ohne Schwankungsrisiko bzw. Volatilität gehalten wird, ist es mit einfachsten Mitteln möglich, den Kapitalstock zu berechnen,
der zur Finanzierung einer äquivalenten Netto-Alters- und
Witwenrente notwendig wäre – unter Berücksichtigung
einer Kapitalbezugssteuer von 9%. Abbildung 2 illustriert
diese Berechnung anhand des Basisszenarios.
Diese stark vereinfachte, rudimentäre Berechnung würde
implizieren, dass die Rentenleistung der Pensionskasse derjenigen der Selbstversicherung vorzuziehen wäre, da in der
Selbstversicherung die gleiche Leistung nur mit einem hö­
heren Anfangskapital (CHF 614 850 versus CHF 500 000) zu
finanzieren wäre. Die Aussagekraft dieser deterministischen
Rechnung ist jedoch äusserst fragwürdig, da sowohl Lebensdauer der Ehepartner als auch die Anlageerträge Zufallsvariablen
sind.
2.2.2 Realistische Betrachtung bzw. Simulation. Bei einer realis­
tischeren Betrachtung sind zwei Tatsachen zu berücksich­
tigen, die in der deterministischen Betrachtungsweise
­aus­geklammert werden: Zum einen ist die (1) zukünftige
L ebensdauer eine zufällige bzw. stochastische Grösse
­
und zum anderen sind (2) die Anlageerträge – je nach
Anlage­strategie – mit mehr oder weniger Unsicherheit behaftet.
Abbildung 2: DETERMINISTISCHE BERECHNUNG DES BARWERTS DER NETTO-RENTENLEISTUNG BEI KAPITALBEZUG
Basisszenario in CHF
Barwert der Netto-Altersrente (22 × 24 000 CHF)
528 000
Barwert der Netto-Witwenrente (3 × 13 950 CHF)
41 850
Steuer: Zins-Erträge (weil Bargeld = 0)
Steuer: Kapitalbezugs-Steuer (= 9% × 500 TCHF)
Barwert der Netto-Rentenleistung
Quelle: c-alm AG
5 | 2016 E X P E R T F O C U S
0
45 000
614 850
Die zukünftige Lebensdauer hat einen direkten Einfluss auf
die Dauer, über die eine Rente im Fall der Selbstversicherung
gezahlt werden muss. Diese Dauer der Rentenzahlung hängt
nicht nur von der Lebenserwartung des Versicherten ab,
­sondern auch von der zukünftigen Lebensdauer des allfällig
­vorhandenen Ehepartners. Bei der Gesamtdauer der Renten­
zahlung handelt es sich daher versicherungsmathematisch
um eine zufällige Lebensdauer auf zwei Leben [4]. Grafisch
lässt sich der Zusammenhang der beiden Zufallsvariablen
(Lebensdauer des Versicherten und des Ehegatten) als eine
Art «Heat Map» darstellen (siehe A
­ bbildung 3, links). Je
wahrscheinlicher eine Kombination der beiden Lebensdauern, desto dunkler die Einfärbung (BVG-2015-Generationentafel).
Des Weiteren sind Anlageerträge stochastisch und weisen je
nach gewählter Anlagestrategie eine erwartete Rendite mit
einer spezifischen Schwankungswahrscheinlichkeit (Volatilität) aus. Die Schwankungsbreite eines solchen ökonomischen Szenariogenerators [5] lässt sich grafisch in einem
«Trichterdiagramm» darstellen. Neben vier zufälligen Realisationen der zukünftigen Anlagerendite auf dem Vorsorgekapital sind die erwartete Anlagerendite sowie das 5%- und
das 95%-Quantil [6] dargestellt (siehe Abbildung 3, rechts).
Sind sowohl Lebensdauer als auch Anlageerträge stochastischer Natur, so ist einleuchtend, dass der Barwert der
Netto-Rentenleistung als Funktion dieser Zufallsvariablen
ebenfalls eine Zufallsvariable ist und jeder Ausprägung eine
bestimmte Wahrscheinlichkeit zugeordnet werden kann.
Die Bestimmung dieser Wahrscheinlichkeiten kann jedoch einzig im Rahmen einer sogenannten Monte-Carlo-­
Simulation erfolgen. Bei einer Monte-Carlo-Simulation wird
mithilfe des Computers eine Vielzahl von möglichen Realisationen (Lebensdauer der Versicherten sowie Anlagerenditen aus dem ökonomischen Szenariogenerator) generiert,
und für jede dieser Realisationen wird der resultierende
Barwert der Netto-Rentenleistung bestimmt. Diese Rea­
lisa­t ionen der Barwerte der Netto-Rentenleistung wiederum werden anschliessend statistisch ausgewertet und
grafisch dar­gestellt.
Abbildung 4 illustriert eine solche Auswertung der Realisationen der Barwerte der Netto-Rentenleistungen im Basis­
szenario.
Bei der Beurteilung einer solchen Auswertung gibt es insbesondere drei essentielle Risikokennzahlen, die jedem Versicherten bewusst sein sollten, der sich zwischen Rente und
Kapitalbezug entscheidet und die in der heute existierenden
Ratgeberliteratur meist keine Erwähnung finden:
1. der erwartete Barwert der Selbstversicherung;
2. das persönliche Solvenzerfordernis; und
3. die Verlustwahrscheinlichkeit der Selbstversicherung.
Der erwartete Barwert der Selbstversicherung beträgt im Basis­
szenario bei einer Anlagestrategie, die zu 10% in Sachwerten
und zu 90% in Nominalwerten investiert und eine er­
wartete Rendite von 0,4% bei einem Schwankungsrisiko
von 1,3% aufweist, rund CHF 662 000.
Des Weiteren sollte für eine Selbstversicherung immer ein
adäquates finanzielles Sicherheitspolster zur Verfügung
337
R E C H N U N G SW E S E N
R ente oder Kapitalbe z ug
­stehen, das individuell nach dem persönlichen Sicherheitserfordernis anzusetzen ist. Setzt man dieses persönliche
­Solvenzerfordernis analog dem Solvenzerfordernis von Ver­
sicherungsgesellschaften bei 99%-Expected-Shortfall [7]
an, so wäre im Basisszenario ein Kapital von insgesamt
« Die quantitative Risikobeurteilung der Selbstversicherung
zeigt im Umkehrschluss
die (grossartige) öko­nomische
Leistung der Pensionskassen – trotz der stark gesunkenen
Umwandlungssätze.»
CHF 996 000 erforderlich. Der Versicherte benötigt also zusätzlich zu seinen CHF 500 000, die er als Kapital beziehen
könnte, eigene Reserven von CHF 496 000, um über ein adäquates Sicherheitspolster zu verfügen. Es ist offensichtlich, dass
die Vernachlässigung der stochastischen Komponente bei
der Lebens­erwartung schnell dazu führt, dass man das
­nötige Kapital unterschätzt und gegen Ende des Lebens
­u nterversorgt sein könnte.
Schliesslich ist auch die Verlustwahrscheinlichkeit der Selbstversicherung aufschlussreich für die Entscheidung Kapi­
talbezug versus Rente. Die Wahrscheinlichkeit, dass im
­Basisszenario der Barwert der Netto-Rentenleistung im
Fall der Selbstversicherung über CHF 500 000 liegt, dass
also gleiche Leistungen nur mit einem sehr viel höheren
­ apitalstock aufrechterhalten werden könnten, liegt im BaK
sisszenario bei 86,6% – die Rente ist also in 86,6% der mög­
lichen Fälle die günstigere Lösung für die Netto-Renten­
leistung.
2.3 Alternativ-Szenarien. Im Basisszenario wird nur ein
spezieller Fall dargestellt; die persönlichen Situationen der
BVG-Versicherten unterscheiden sich jedoch deutlich. Anhand von drei Alternativ-Szenarien soll dargestellt werden,
welchen Einfluss Abweichungen vom Basiszenario auf die
drei Risikokennzahlen haben. Die drei Alternativ-Szenarien
betrachten: (1) eine Erhöhung des Anlagerisikos, (2) eine jüngere Ehefrau sowie (3) einen angeschlagenen Gesundheitszustand eines ledigen BVG-Versicherten.
2.3.1 Erhöhung des Anlagerisikos. Wird das Anlagerisiko ceteris
paribus erhöht, sodass eine erwartete Rendite von 1,6% bei
einer Volatilität von 5,3% resultiert, ist intuitiv einleuchtend,
dass aufgrund der höheren erwarteten Rendite weniger Kapital benötigt wird, um Pensionskassen-äquivalente Leistungen zu finanzieren. Der erwartete Barwert der Selbstversicherung ist mit CHF 590 000 denn auch deutlich tiefer als im
Basisszenario. Gleichzeitig steigt jedoch – aufgrund des höheren Anlagerisikos – das persönliche Solvenzerfordernis auf
CHF 1 040 000. Schliesslich sinkt jedoch aufgrund der höheren Anlagerendite die Wahrscheinlichkeit, dass die Kosten
der Selbstversicherung über denen der Pensionskasse liegen – die Verlustwahrscheinlichkeit reduziert sich auf 74,0%.
Eine riskantere Anlagestrategie kann also – sofern adäquate
Sicherheitspolster, die Risikobereitschaft und das Anlagewissen vorhanden sind – durchaus den Fall für die Selbstversicherung stärken.
Abbildung 3: VERSICHERUNGSMATHEMATISCHE ILLUSTRATION DER LEBENSDAUER
Auf zwei Leben für den 65-jährigen Ehemann und seine 64-jährige Ehefrau im Basisszenario sowie
­finanzökonomische Darstellung der Anlageerträge
1 4 7 10 13 16 19 22 25 28 31 34 37 40 43 46 49
108
Lebensdauer in Jahren (Altersrentner)
46
43
40
37
34
31
28
25
22
19
16
13
10
7
4
1
in %
106
104
102
100
98
96
Lebensdauer in Jahren (Ehegatte)
E(R)=
Quantil (0,95)
Quantil (0,05)
Quelle: c-calm AG
338
E X P E R T F O C U S 2016 | 5
R E C H N U N G SW E S E N
R ente oder Kapitalbe z ug
Abbildung 4: BARWERT DER NETTO-RENTENLEISTUNG
Basisszenario
0
200
400
600
800
1000
1200
Barwert der Selbstversicherung (TCHF)
angespartes Altersguthaben
erwarteter Barwert der Selbstversicherung
Solvenzerfordernis (99%)
Risikokennzahlen:
Erwarteter Barwert der Selbstversicherung
662 TCHF
Persönliches Solvenzerfordernis (= ES[99%])
996 TCHF
Wahrscheinlichkeit, dass Kosten > 500 TCHF86,6%
Quelle: c-calm AG
2.3.2 Jüngere Ehefrau. Hat der Versicherte eine jüngere Frau,
die beispielsweise erst 60 und nicht schon 64 Jahre alt ist, so
erhöht sich die Dauer, über die eine Rente gezahlt werden
muss. Konsequenterweise steigt somit der erwartete Barwert der Selbstversicherung auf CHF 698 000. Da der Kapitalstock nun länger reichen muss als im Basisszenario,
steigt gleichzeitig das persönliche Solvenzerfordernis, das
sich im Vergleich zum Basisszenario auf CHF 1 027 000 erhöht. Schliesslich steigt ebenfalls die Verlustwahrscheinlichkeit; die Rente der Pensionskasse ist in 90,7% der Fälle
der Selbstversicherung vorzuziehen. Die jüngere Ehefrau
stärkt somit ganz klar die Entscheidung für die Rente der
Pensionskasse und gegen die Selbstversicherung.
2.3.3 Lediger Mann mit angeschlagener Gesundheit. Von Versicherten wird oft argumentiert, dass sie aufgrund eines angeschlagenen Gesundheitszustands den Kapitalbezug vorziehen. Das ist intuitiv nicht von der Hand zu weisen; die
Veränderung der Risikokennzahlen fällt aber weniger stark
aus, als man zunächst vermuten könnte. Geht man im Unterschied zum Basisszenario von einer um 50% höheren
Mortalitätswahrscheinlichkeit aus, so sinkt der erwartete
Anmerkungen: 1) So ist davon auszugehen, dass
viele Vermögensverwalter ein explizites Interesse
am Kapitalbezug eines BVG-Versicherten haben, da
sich so die (potenzielle) Kundenmenge vergrössert.
2) Beim deterministischen Vorgehen werden die
zukünftigen, zufälligen Einflussfaktoren wie Lebensdauer des Versicherten nach Pensionierung,
Lebensdauer des mitversicherten Ehegatten und
die Schwankungen der Anlageerträge nicht berück-
5 | 2016 E X P E R T F O C U S
Barwert der Selbstversicherung; der Versicherte benötigt
nur noch CHF 499 000, um in der Erwartung die gleichen
Leistungen wie die Pensionskasse finanzieren zu können.
Gleichzeitig sinkt das persönliche Solvenzerfordernis auf
CHF 903 000, und die Verlustwahrscheinlichkeit bei Selbstversicherung beträgt nur noch 53,8%.
3. FAZIT
Die Entscheidung, eine Rente von der Pensionskasse zu beziehen oder sich das Geld in Kapitalform auszahlen zu lassen,
ist die wichtigste ökonomische Entscheidung aller BVG-­
Versicherten. Dabei können aktuarielle Werkzeuge so­
wie Computer-Simulationen vorhandene Entscheidungsgrundlagen sinnvoll ergänzen und ökonomische Zusammenhänge aufzeigen (vgl. www.ava.c-alm.ch) – was von
bisherigen Rat­gebern und Tools zu wenig genutzt wird. Im
heutigen Markt­umfeld wird die Entscheidung «Rente oder
Kapital» fast immer eindeutig zugunsten der Rente aus­
fallen [8]. Diese quantitative Risiko­beurteilung der Selbst­
versicherung zeigt im Umkehrschluss aber auch die (grossartige) ökonomische Leistung der Pensionskassen – trotz der
stark gesunkenen Umwandlungssätze.
n
sichtigt. 3) Technische Grundlage: BVG-2015-Ge­
nerationentafel. 4) Vgl. dazu beispielsweise: Gerber. Life Insurance Mathematics, Springer, 1997.
5) Vgl. dazu beispielsweise: Panjer et al. Financial
Economics, The Actuarial Foundation, 2001. 6) Bedeutung des 5%- bzw. 95%-Quantil: Mit einer Wahrscheinlichkeit von 5% bzw. 95% liegt die Anlagerendite auf dem Vorsorgekapital unter diesen Werten.
Oder anders: Mit einer Wahrscheinlichkeit von 90%
liegen die Realisierungen bzw. Anlageerträge zwischen diesen Begrenzungslinien. 7) Der 99%-Expected-Shortfall deckt – anschaulich gesprochen –
ein mittleres Jahrhundertereignis ab. 8) Wie im
Artikel von Dr. Roger Baumann in dieser Ausgabe
ausgeführt, liegt der Grund letztlich darin, dass
einem Umwandlungssatz von 6,0% (noch immer)
eine lebenslängliche Zinsgarantie von rund 3,5%
zugrunde liegt.
339