pdf-download "Freiheit für Tiere" 4/2015

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T i e r f r e u n d e
FREIHEIT
für Tiere
N r. 4 / 2 0 1 5
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auf 22.11.
20.
Lebensräume
Wildtiere
in den Alpen
Tierschutz
international
Lebensraum für Antilopen
und Gnus in der Kalahari
Lifestyle
Bryan Adams
Artenschutz
Gesünder leben
mit Pflanzenkraft
Seit mehr als
25 Jahren Veganer
Jede dritte Art bedroht
Tierschutz
Das Leid der Tiere
im Heimtierhandel
Buchtipp
Gourmet Rohkost
FREIHEIT
FÜR
TIERE
»Seid gut zu den Menschen, zu den Pflanzen und zu den Tieren!
Hetzt weder Menschen noch Tiere, noch fügt ihnen Leid zu!«
Laotse, chinesischer Philosoph, 6. Jahrhundert v. Chr.
Titelbild Hirsch: The Photographer - Fotolia.com · Murmeltier: Silvano Rebai - Fotolia.com
FREIHEIT
FÜR
TIERE
Inhalt
TIERNACHRICHTEN
4
Artenschutz-Report: Jede 3. Art in Deutschland bedroht
Schluss mit Wildtieren im Zirkus!
Palma de Mallorca verbietet Stierkämpfe
Erfolg: BOSS beendet Verkauf von Zuchtpelz und Angora
Umfrage: Muss eine Kuh ein Kälbchen bekommen, um Milch zu geben?
Umfrage: Vegan-Trend erreicht die breite Bevölkerung
6
7
8
9
10
TIERNACHRICHTEN: PROMIS
11
FÜR
TIERE
Bryan Adams: Seit mehr als 25 Jahren Veganer
Pamela Anderson: Wasserverschwendung durch die Fleischindustrie
12
TIERSCHUTZ
14
AKTIV
Das unfassbare Leid der Tiere im deutschen Heimtierhandel
»KEINE JAGD
AUF MEINEM
GRUNDSTÜCK!«
Nordrhein-Westfalen: Wald in der Hellwegbörde jagdfrei!
Bayern: Grundstück im Landkreis Rottal-Inn jagdfrei
Bayern: Wiesengrundstück in Landshut endlich jagdfrei
Österreich: Grundstückseigentümer stellen Antrag auf Jagdverbot
1
SCHLUSS MIT DER HOBBYJAGD!
16
17
18
19
21
Friedrich Schiller: Der Alpenjäger
Erfolg in Luxemburg: Füchse werden weiterhin nicht bejagt
Süße Babyfüchse:
Mit der Kamera zu Gast in Reinekes geheimer Kinderstube
Waschbären haben (fast) keine Lobby
24
26
LEBENSRÄUME: WILDTIERE
30
IN DEN
ALPEN
22
Tierbeobachtungen in der Schweiz:
Wanderungen zu Murmeltier, Steinbock & Co.
Poster: Murmeltiere
Lorenz Heer: Ein Jahr im Leben alpiner Säugetiere
32
36
TIERSCHUTZ
38
INTERNATIONAL
Foto: flysnow - Fotolia.com
Erfolgreiches Auswilderungsprojekt in Botswana:
Lebensraum für Antilopen und Gnus in der Kalahari
WISSENSCHAFT: GESUNDE ERNÄHRUNG
40
Fleisch ade: Kurzmeldungen
Gesünder leben mit Pflanzenkraft: Das ABC von Vitaminen & Co.
42
LIFESTYLE: TIERFREUNDLICHE REZEPTE
50
Buchvorstellung: Gourmet Rohkost
Nussmilch & Co.
Kokos-Thai-Suppe
Mangotorte
52
54
56
LESERBRIEFE & BRENNGLAS-SHOP
59
Leserbriefe · Impressum · Brennglas-Shop
62
FREIHEIT
FÜR
TIERE
Tiernachrichten
95 Prozent der Deutschen sind der Ansicht, dass es
die Pflicht des Menschen ist, die Natur zu schützen.
Doch ob Rebhuhn oder Wildbienen: Jede dritte Tierund Pflanzenart in Deutschland ist gefährdet, vier
Prozent sind bereits ausgestorben. Diese dramatischen
Zahlen veröffentlichte das Bundesamt für Naturschutz
(BfN) im Artenschutz-Report 2015.
Der Feldhamster gehört zu den bekanntesten Opfern der
intensiven Landwirtschaft.
»Der Zustand der Artenvielfalt in Deutschland ist
alarmierend«, fasste die Präsidentin des Bundesamts für Naturschutz, Prof. Beate Jessel, den Artenschutz-Report zusammen.
»Damit wird bislang auch das nationale Ziel verfehlt, den
Verlust der biologischen Vielfalt aufzuhalten«, so Prof. Jessel.
»Wir müssen dringend unsere Anstrengungen verstärken, um
den Artenrückgang zu stoppen.«
Foto: Ramin Khojasteh - Fotolia.com
Artenschutz-Report: Jede
3. Art in Deutschland bedroht
28 % der Wirbeltiere aktuell
bestandsgefährdet
In Deutschland leben rund 48.000 Tierarten, 9.500 Pflanzenund 14.400 Pilzarten. Fast 28 Prozent der Wirbeltierarten - dazu
zählen Fische, Amphibien, Reptilien, Vögel und Säugetiere sind aktuell bestandsgefährdet.
Auch die früher weit verbreitete Feldlerche gehört zu den
Verlierern der letzten 25 Jahre.
Besonders alarmierend ist die Situation bei den Vögeln: In
den letzten zwölf Jahre nahmen 34 Prozent der Brutvogelarten
in ihrem Bestand ab. Über 23 Prozent der Zugvogelarten sind
bestandsgefährdet und stehen auf der »Roten Liste«. Sogar
»Allerweltsarten« wie Kiebitz und Feldlerche gehe es kontinuierlich schlechter, so Prof. Jessel. Beim Kiebitz hat sich der
Bestand auf ein Drittel bis ein Viertel reduziert, beim Rebhuhn
gebe es sogar einen Rückgang von 90 Prozent.
Foto: Wolfgang Kruck - Fotolia.com
An vorderster Stelle der Ursachen für die Gefährdung der
Arten steht laut Artenschutz-Report die intensive Landwirtschaft.
Die von bestäubenden Insekten abhängige weltweite Agrarproduktion hat einen geschätzten Wert von ca. 153 Mrd. Euro.
4 Freiheit für Tiere 4/2015
Dramatisch ist laut Artenschutz-Report die Lage bei den
wirbellosen Tieren, zu denen Insekten gehören: 45,6 Prozent
der Arten sind bedroht, extrem selten oder ausgestorben. Mit
großer Sorge beobachten Experten die negative Entwicklung
aller 600 Wildbienenarten in Deutschland. Wenn einzelne
Wildbienenarten aussterben oder lokal verschwinden, führt dies
zu einer deutlichen Abnahme sowohl bei der Qualität als auch
der Quantität der Bestäubung.
Foto: Freiheit für Tiere
Dramatisch ist die Situation bei den
Bienen und anderen Insekten
Wölfe waren vor 150 Jahren in Deutschland ausgerottet.
Vor etwa 15 Jahren ist der Wolf auf natürliche Weise nach
Deutschland zurückgekehrt. Er hat aber noch keinen
günstigen Erhaltungszustand laut FFH-Richtlinie erreicht.
Schon kurze Zeit nach der Einwanderung der Wölfe wurde
die Forderung laut, Wölfe zu bejagen. Immer wieder werden
Wölfe illegal geschossen oder mit Hunden »verwechselt«.
Foto: Xaver Klaußner · Fotolia.com
Um den Artenrückgang zu stoppen, sind laut Bundesamt für
Naturschutz große Anstrengungen erforderlich. Dringend notwendig seien artübergreifende Schutzmaßnahmen durch die
Erhöhung der Lebensraum- und Strukturvielfalt:
● Erhalt von Grünland
● Einrichtung ungenutzter Pufferstreifen um Landschaftselemente und Äcker
● nachhaltige und naturverträgliche Nutzung der Flächen
durch eine gestärkte ökologische Komponente der europäischen
Agrarförderung
● naturnaher Waldbau
● Wiedergewinnung von Auenflächen durch Deichrückverlegungen, Flüsse wieder durchgängig gestalten und mit
ihren Auen verbinden, bundesweite Vergrößerung der Fläche
durchströmter Auen, Wiedervernässung von Mooren
● Weiterentwicklung von Schutzgebieten, um in der intensiv
genutzten Kulturlandschaft hinreichend Rückzugsmöglichkeiten für Arten mit besonders spezialisierten Lebensraumansprüchen zu bieten.
Foto: Mäusefänger · Fotolia.com
Forderungen: Lebensraum schaffen
und Biotope vernetzen
»Um die Vernetzung der Lebensräume zu verbessern, sind ausreichend naturnahe Landschaftselemente vorzusehen und der
gesetzlich geforderte bundesweite Biotopverbund auf 10 Prozent
der Fläche eines jeden Bundeslandes einzurichten«, so das BfN.
Unverzichtbar: nutzungsfreie Wälder
Das Vorhandensein nutzungsfreier Wälder sei unverzichtbar,
um das gesamte Spektrum der Artenvielfalt zu erhalten. Der
Anteil nutzungsfreier Wälder müsse erhöht werden, um das in
der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt festgelegte
Ziel von einem Anteil von 5 Prozent an der Waldfläche zu
erreichen, so das Bundesamt für Naturschutz.
Mehr Schutzgebiete und strenge
gesetzliche Schutzbestimmungen
Bei einigen Tierarten wie Biber, Wildkatze und Wolf konnten
strenge gesetzliche Schutzbestimmungen und Maßnahmen zur
Verbesserung ihrer Lebensräume deutliche Erfolge erzielen.
So wird der aktuelle Bestand an Wildkatzen in Deutschland
derzeit wieder auf 5.000 bis 7.000 Tiere geschätzt.
Es wäre dringend nötig, dass Regierung und Gesetzgeber die
Forderungen des Bundesamts für Naturschutz umsetzen.
Nötig wäre außerdem ein Stopp der Subventionierung von
Massentierhaltung und industrieller Landwirtschaft, mehr
Schutzgebiete und vor allem ein Jagdverbot in Schutzgebieten
sowie eine Novellierung des Jagdgesetzes, die dem Staatsziel
»Tierschutz« endlich Rechnung trägt!
Quellen: · Bundesamt für Naturschutz BfN, Pressemeldung 20.5.2015
· Bundesamt für Naturschutz: Artenschutz-Report 2015
Der Feldhase ist vom Aussterben bedroht, weil er in der
intensiven Landwirtschaft kaum noch Lebensraum findet.
Dazu kommt: Jäger schießen jedes Jahr ca. 300.000 Hasen
tot - obwohl der Feldhase auf der Roten Liste steht!
Seit langem fordern Naturschützer ein Verbot der Hasenjagd.
... und was sagen die Jäger dazu?
»Land- und Forstwirtschaft sowie Jagd tragen seit langer
Zeit zusammen die Verantwortung für eine gepflegte, vielfältige Kulturlandschaft. Wälder, Wiesen, Felder, Auen,
Hecken und Gewässer bieten einer Artenvielfalt mehr
Raum als eine unberührte Natur.«
Quelle: Für Jagd in Deutschland e.V. · fuerjagd.de/2015/05/22/biodiversitaet/
Wunschdenken oder Jägerlatein?
Der renommierte Ökologie- und Evolutionsbiologe Prof.
Dr. Josef Reichholf kam bei seinen langjährigen Forschungen
zu dem Ergebnis, dass die Jagd - nach der industriellen Landwirtschaft - der »Artenfeind Nr. 2« ist.
Quelle: Josef H. Reichholf: Die Zukunft der Arten. dtv Wissen, 2009
www.bfn.de/fileadmin/BfN/presse/2015/Dokumente/Artenschutzreport_Download.pdf
Freiheit für Tiere 4/2015
5
FREIHEIT
FÜR
TIERE
Tiernachrichten
Der Vorfall ging durch Presse und Fernsehen: Am
13.6.2015 verletzte ein Elefant des »Circus Luna«
in Buchen (Baden-Württemberg) einen 65-jährigen
Spaziergänger tödlich. Tierschutzorganisationen hatten
seit Jahren vor einem solchen Unglück gewarnt.
Die baden-württembergische Landesregierung forderte
angesichts des Todesfalls die Bundesregierung auf, die
Haltung von Elefanten im Zirkus zu verbieten.
Den Tieren fehle es dort an Auslauf und Beschäftigung und
sie könnten nicht wirklich sicher untergebracht werden, sagte
eine Sprecherin des Ministeriums für den ländlichen Raum.
Tierschutz- und Tierrechtsorganisationen setzen sich seit
langem für ein Verbot von Wildtieren im Zirkus ein.
Absehbares Unglück
»Baby« (auch Benjamin genannt) ist ein weiblicher Afrikanischer
Elefant. Als Wildfang wurde sie vor etwa 32 Jahren im Babyalter
ihren Eltern gewaltsam entrissen. »Wir haben jahrelang versucht,
den Zirkus zu stoppen und auf die Gefährlichkeit des Tieres hingewiesen«, erklärte Peter Höffken von PETA nach dem Todesfall
von Buchen. Durch jahrelange Einzelhaltung und äußerst mangelhafte Unterbringung weise »Baby« starke Verhaltensstörungen auf.
Die Elefantenkuh hatte bereits bei drei Unfällen insgesamt vier
Menschen teilweise schwer verletzt. Die Tierrechtsorganisation
hatte sich immer wieder an Ministerien, Regierungspräsidien und
an zahlreiche Veterinärbehörden in Baden-Württemberg gewandt.
Doch musste es erst zu einem Todesfall kommen?
»Baby« lebt jetzt im Safaripark Stukenbrock. In der ElefantenAnlage hat sie Kontakt zu drei anderen Elefantenkühen. Ziel ist,
die ehemalige Zirkus-Elefantin in die Elefantenherde zu integrieren.
6 Freiheit für Tiere 4/2015
Ankettung und Einsatz von
»Elefantenhaken« immer noch erlaubt
In Deutschland werden derzeit rund 50 Elefanten in Zirkussen
gehalten. Für die kommerzielle Nutzung der Tiere, die Ausbildung
und Haltung hat das Bundeslandwirtschaftsministerium einen
Leitfaden herausgegeben. Danach dürfen Elefanten nachts an zwei
Beinen angekettet werden und auch der Einsatz des »Elefantenhakens« aus Stahl, um die Tiere besser zu kontrollieren, ist erlaubt.
18 Länder in Europa
haben Wildtiere im Zirkus verboten
18 europäische Länder, darunter Österreich, haben bereits alle
oder bestimmte Wildtiere im Zirkus verboten. Doch was ist mit
Deutschland?
2003 und nochmals 2011 beauftragte der Bundesrat die Bundesregierung in zwei Entschließungen, die Haltung von Wildtieren
im Zirkus zu verbieten. Doch bislang unternimmt das zuständige
Bundesministerium (BMELV) nichts! Die Bundestierärztekammer
hat 2010 deutlich Stellung bezogen und ein Verbot von Wildtieren
in einem reisenden Zirkus gefordert.
Zwei Drittel der Deutschen finden Wildtiere im Zirkus nicht
mehr zeitgemäß - dies zeigten mehrere repräsentative Umfragen.
Informationen & Online-Petition:
www.peta.de/wildtierverbot-im-zirkus
Foto: www.peta.de
Schluss mit Wildtieren
im Zirkus!
FREIHEIT
FÜR
TIERE
Tiernachrichten
Palma de Mallorca verbietet
Stierkämpfe
Plakat: AnimaNaturalis · www.animanaturalis.org
Palma de Mallorca soll zur »Stadt ohne Tierquälerei«
und zur »stierkampffreien Zone« erklärt werden. Im
»Coliseo«, der größten Stierkampf-Arena auf Mallorca,
werden in Zukunft keine Stiere mehr getötet, sondern
nur noch kulturelle und sportliche Veranstaltungen
stattfinden. Das könnte Signalwirkung für die ganze
Insel haben.
Anfang Juni hat die neue Stadtregierung ein Stierkampfverbot
angekündigt. Denn die Empörung über die blutigen Stierkämpfe schlägt schon seit längerem große Wellen. Die
stierkampffreundliche konservative Volkspartei hat in der
Kommunal- und Regionalwahl Ende Mai inselweit ihre bisherigen Mehrheiten verloren.
Im nordspanischen Katalonien sowie auf den Kanarischen
Inseln sind Stierkämpfe schon seit längerem verboten. In der
jüngeren Generation findet die blutige Tradition immer
weniger Anhänger. In den letzten Jahren mussten zahlreiche
Stierkampf-Arenen mangels Zuschauern und ausreichenden
Einnahmen in ganz Spanien geschlossen werden.
Die Bürgerinitiative »Mallorca ohne Blut« hat mehr als
120.000 Unterschriften gegen diese »grausame Tradition,
für die sich immer mehr Bürger schämen«, gesammelt.
Spaniens Stierkampflobby hat jetzt bei der UNESCO beantragt, den Stierkampf zum Weltkulturerbe zu erklären.
Quellen: · Neue Osnabrücker Zeitung, 5.6.2015
· AnimaNaturalis www.animanaturalis.org
Foto: razvan pop · Fotolia.com
Frankreich: Stierkampf wird
nicht UNESCO-Kulturerbe
Immer noch
werden unzählige
Stiere in Arenen
in Frankreich,
Spanien und
Lateinamerika zu
Tode gestochen.
Ein französisches Berufungsgericht hat Anfang
Juni 2015 geurteilt, dass Stierkampf von der Liste
nationaler französischer Kulturerbe zu streichen ist.
Im Juli 2014 hatte das französische Kulturministerium den
Stierkampf zu einem der Kulturschätze des Landes erklärt - mit
dem Ziel, dass diese grausame Tradition in die »Liste des immateriellen Kulturerbes« der UNESCO aufgenommen wird.
Stierkampf ist in Frankreich zwar nach wie vor erlaubt,
doch das Vorhaben der Stierkampf-Befürworter, die grausame
Tradition als Kulturerbe zu verankern, ist gescheitert.
Freiheit für Tiere 4/2015
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FREIHEIT
FÜR
TIERE
Tiernachrichten
Erfolg: BOSS beendet Verkauf
von Zuchtpelz und Angora
Der Modekonzern HUGO BOSS stellt den Verkauf
von Mode aus Angorawolle sowie von Zuchtpelz aus
Rex-Kaninchen, Marderhunden und Füchsen aus
Tierschutzgründen ein.
»Tier- und Artenschutz sind zentrale Grundsätze der Produktverantwortung von HUGO BOSS«, heißt es im konzerneigenen Nachhaltigkeitsbericht 2014. Angorawolle wird in der
kommenden Herbst-/Wintersaison 2015/16 nicht mehr in den
Kollektionen verwendet.
Foto: www.peta.de/angora
»Ab 2016 sollen keine Pelze von Marderhund, Fuchs und
Rexkaninchen in Kollektionen verwendet werden - ein
branchenweit gängiges Material als Verzierung an Kapuzen und
Mützen«, so der Modekonzern. Weiterhin werden ab der
Herbst-/Winterkollektion 2016 keine Daunen von lebendgerupften oder zwangsgefütterten Vögeln verarbeitet.
Brutale Fellgewinnung: an Seilen fixiertes Angorakaninchen
Weitere Informationen & Video ansehen:
www.peta.de/angora
Auslöser für die Entscheidung ist die Nachhaltigkeitsstrategie
des Konzerns, die im Bereich Tierschutz auch durch umfassende
Dialoge mit PETA Deutschland e.V. geprägt wurde.
»HUGO BOSS nimmt damit eine Vorreiterrolle im Luxusund Premiummodebereich ein«, lobt PETA. »Während Prada,
Fendi, Versace, Armani & Co einfallslos Echtpelz im Überfluss zeigen, greifen die Designer bei HUGO BOSS nun selektiv
zu flauschigem »Pelz« aus synthetischen Textilfasern.«
Quellen: · Hugo Boss: Nachhaltigkeitsbericht 2014
group.hugoboss.com/de/nachhaltigkeit/nachhaltigkeitsbericht/
· PETA, Pressemeldung vom 28.5.2015
www.peta.de/hugo-boss-beendet-verkauf-von-kaninchenpelz-und-angora
Auch Benetton stoppt jetzt
Verwendung von Angora
Das italienische Modeunternehmen Benetton hat
nach Kundenprotesten und einer PETA-Petition mit
46.000 Unterstützern die Verwendung von Angora
gestoppt. Sobald die aktuellen Kollektionsteile abverkauft sind, wird es keine Angoraprodukte mehr in
den über 6000 Benetton-Geschäften weltweit geben.
8 Freiheit für Tiere 4/2015
90 Prozent der Angorawolle stammen aus China, wo keine
Strafen für Tierquälerei existieren und keine Gesetze den Umgang mit Tieren regeln. Nachdem die von PETA aufgedeckten
Grausamkeiten der Angoraproduktion bekannt wurden, kündigten
namhafte Modelabel an, Angora nicht mehr zu verwenden:
Hugo Boss, H&M, ESPRIT, C&A, Lacoste, Calvin Klein,
Gerry Weber, Tom Tailor, Marc O’Polo, GAP, Tommy Hilfiger u.a.
FREIHEIT
FÜR
TIERE
Tiernachrichten
Repräsentative Umfrage:
Muss eine Kuh ein Kälbchen
bekommen, um Milch zu geben?
Die meisten Menschen würden auf die Frage: »Ist
eine Kuh ein Säugetier?« ganz klar mit »Ja« antworten.
Bei der Frage »Muss eine Kuh ein Kalb zur Welt
bringen, um Milch zu geben?«, sieht das Ergebnis
einer aktuellen GfK-Umfrage zufolge nicht mehr so
deutlich aus: 35 Prozent der Befragten meinen, dass
eine Kuh grundsätzlich Milch gibt. Etwa 23 Prozent
haben keine Antwort.
1951 gab eine Kuh durchschnittlich 2.600 Liter Milch im Jahr.
1980 waren es bereits 4.548 Liter und 1998 ganze 5.750 Liter also mehr als doppelt so viel wie vor 40 Jahren! Und heute?
Heute gibt eine Milchkuh im Durchschnitt circa 7.000 Liter
Milch pro Jahr. Insgesamt haben die Kühe in Deutschland im
Jahr 2007 rund 28,4 Milliarden Liter Milch produziert. Die
dermaßen überzüchteten Tiere mit einer völlig unnatürlichen
Milchleistung sind besonders krankheitsanfällig. So leiden
viele Milchkühe an Mastritis, einer Entzündung des Euters.
Wegwerfkühe: Im Alter von nur
4 oder 5 Jahren zum Schlachter
Milchkühe werden einmal im Jahr künstlich befruchtet.
Weil die Milch für die Menschen genommen wird, werden die
Kälbchen kurz nach der Geburt von ihren Müttern getrennt.
Die weiblichen Kälbchen werden meist zu Milchkühen aufgezogen, die männlichen Kälbchen werden 6 Monate lang gemästet, bis sie, ihrem Alter nach noch Kinder, im Schlachthof enden. Doch auch ihre Mütter, die sie nie kennen gelernt
haben, werden nicht sehr alt.
Früher war es durchaus normal, wenn eine Kuh 15 Jahre alt
wurde. Heute werden Kühe durchschnittlich nur noch vier bis
fünf Jahre alt. Da eine Kuh erst nach zwei Aufzuchtjahren ein
Kalb zur Welt bringt, geben Kühe heute im Durchschnitt gerade noch etwas mehr als zwei Jahre lang Milch! Sie sind mehr
oder weniger zu Wegwerfkühen geworden.
Allen Säugern ist gemeinsam, dass sie nach dem Abstillen ihre
artspezifische Muttermilch nicht mehr zu sich nehmen und auch
nicht mehr verstoffwechseln können. Ist es da nicht merkwürdig,
dass wir Menschen uns artfremde Milch als Basisnahrung
erkoren haben?
Gesunde & leckere Milchalternativen
Glücklicherweise brauchen wir Menschen keine Milch, die
von Natur aus für Tierkinder bestimmt ist, um uns gesund und
lecker zu ernähren. Ganz im Gegenteil: Kuhmilch wird mit ernährungsbedingten Krankheiten wie Krebs, Adipositas und
Akne in Verbindung gebracht.
Wer nun ins Nachdenken gekommen ist, dem empfehlen wir:
Probieren Sie Alternativen zu Kuhmilch und zu Milchprodukten
aus! Längst gibt es eine riesengroße Palette: Soja-, Hafer-,
Reis-, Mandel-, Nuss- oder Kokosmilch, Soja- und Hafersahne,
Soja-Joghurts und Puddingcremes, sogar Eis und »Käse« ohne
Kuh-Milch.
Quellen: www.peta.de/Milchumfrage
Der Tierleichenfresser. Verlag Das Brennglas. 4. Aufl. 2014.
Freiheit für Tiere 4/2015
9
Foto: Adam Gryko - Fotolia.com
Fakt ist jedoch: Eine Kuh gibt nur Milch, wenn sie ein Kind
bekommt. Eigentlich logisch, da sie schließlich ein Säugetier
ist - wie auch der Mensch. Heutzutage gibt eine Milchkuh in
Deutschland im Durchschnitt 18,16 Liter Milch am Tag.
Früher waren es täglich etwa 8 Liter - das ist in etwa die
Menge, die ein Kälbchen braucht.
FREIHEIT
FÜR
TIERE
Tiernachrichten
Umfrage: Vegan-Trend
erreicht die breite Bevölkerung
Jeder dritte Deutsche
hat bereits vegane Speisen
ausprobiert oder ernährt
sich zum Teil vegan, fast
jeder zweite ist zumindest
offen dafür - das zeigt eine
aktuelle repräsentative
Umfrage.
Das Ernährungsverhalten
der Deutschen verändert sich:
Vor allem vegane Speisen,
die im Wesentlichen aus
pflanzlichen Lebensmitteln
bestehen und gänzlich auf
tierische Bestandteile wie
Fleisch, Milchprodukte und
Eier verzichten, liegen im
Trend. Viele Verbraucher
haben bereits Kulinarisches
auf veganer Basis gekostet.
Das zeigt eine repräsentative
Umfrage von METRO Cash
& Carry und dem Marktforschungsinstitut YouGov.
Demnach haben 26 Prozent
aller Befragten bereits vegane
Speisen probiert, weitere 13
Prozent können sich vorstellen,
vegane Speisen zu testen, 8
Prozent leben sogar teilweise
oder ausschließlich vegan.
Gastronomie hat noch Nachholbedarf
Tierschutz als Hauptgrund
Der Vegan-Trend macht sich auch in den Gastronomiebetrieben bemerkbar. Auf vielen Speisekarten sind immer
häufiger vegane Gerichte wie Antipasti-Variationen, GemüseCurrys, Spaghetti aus Zucchini sowie spannende Fleischalternativen zu finden.
Bei den Gründen, sich für vegane Speisen zu entscheiden,
steht vor allem der Tierschutz im Vordergrund. Für 25 Prozent
aller Befragten ist dies der Hauptgrund, auf tierische Produkte in Lebensmitteln zu verzichten. 18 Prozent der Befragten
entscheiden sich aus gesundheitlichen Gründen für vegane Kost.
19 Prozent wollen mit veganen Speisen schlicht etwas Neues
ausprobieren.
Doch 43 Prozent der Befragten ist die Auswahl veganer
Gerichte in Gaststätten und Restaurants noch zu klein. Die
Gastronomie müsse sich auf die veränderten Wünsche der
Gäste einstellen und das Angebot veganer Gerichte vergrößern.
10 Freiheit für Tiere 4/2015
Quelle: www.food-monitor.de, Pressemeldung vom 17.6.2015
FREIHEIT
FÜR
TIERE
Tiernachrichten: Promis für Tiere
Bryan Adams: Seit mehr
als 25 Jahren Veganer
Bryan Adams ist seit über 30 Jahren eine Rocklegende:
Er landete in über 40 Ländern Nummer-1-Hits und
verkaufte über 65 Millionen Alben. Nebenbei ist er
ein gefeierter Fotograf. Und: Bryan Adams lebt schon
seit 1988 vegan.
Im Alter von etwa 28 Jahren entschied sich Bryan Adams,
keine Tiere mehr zu essen: »Eines Tages wachte ich auf,
nachdem ich ein Steak gegessen hatte und fühlte mich so krank.
Ich habe nie wieder ein totes Tier gegessen«, erklärte er im
Freiheit für Tiere-Interview. Für seinen Freundeskreis und
seine Familie war das zunächst ein Schock. »Jeder dachte, ich
hätte meinen Verstand verloren und sie nahmen an, es wäre
eine Phase, die wieder vorübergeht. Meine Band versuchte, mich
zu verhöhnen, indem sie mit Hamburgern vor meinem Gesicht
rumwedelten«, erinnert sich der Musiker.
»If you love animals - don’t eat them!«
Dabei ging und geht es Bryan Adams nicht nur um die
eigene Gesundheit, sondern vor allem um die Tiere: »If you
love animals - don’t eat them!«
Mit seinem Album »Reckless« wurde der damals 25-jährige
Bryan Adams zum Weltstar. Jetzt ist er auf 30th AnniversaryTour. Die vegane Ernährung ist sein Jungbrunnen: Auf
Tournee hat er stets einen Smoothie-Mixer dabei und jede
Menge Obst, Gemüse, Nüsse und Trockenfrüchte.
Seine Antwort auf die Frage, wie wir mit Tieren umgehen
sollten: »Auf die gleiche Weise, wie wir selbst behandelt
werden möchten. Aber die meisten Menschen achten nicht
einmal sich selbst, selbst wenn sie denken, sie würden es.
Selbstverständlich bin ich gegen das massenhafte Schlachten
von Tieren.« Bemerkenswert ist auch Bryans’ Antwort auf die
Frage, welche Art der Ausbeutung von Tieren er besonders
abstoßend findet: »Supermärkte«.
Seit er Veganer ist, sei sein Bewusstsein gegenüber allem
Leben deutlich gewachsen: »Wahrer Vegetarismus hat eine sehr
spirituelle Seite. Du bist mehr mit der Erde verbunden und
behandelst alles, was um dich ist, mit viel mehr Respekt, du
erkennst, dass wir nicht das Recht haben zu töten.«
Bryan Adams hat sein
berühmtestes Album
»Reckless« als remasterte
30th Anniversary Doppel-CD
neu aufgelegt: mit Hits von
»Run to You« über »Heaven«
bis »Summer of ’69« - sowie
sieben unveröffentlichten
Bonustracks.
Freiheit für Tiere 4/2015
11
FREIHEIT
FÜR
TIERE
Tiernachrichten: Promis für Tiere
Pamela Anderson:
Wasserverschwendung
durch die Fleischindustrie
Die Trinkwasserknappheit wird immer bedrohlicher.
Baywatch-Nixe und Tierschützerin Pamela Anderson
macht auf die Wasserverschwendung in der Fleischund Milchindustrie aufmerksam: »Ein Kilo Rindfleisch
herzustellen schluckt so viel Wasser, als würde man
ein Jahr lang täglich duschen.«
Das Bild erinnert bewusst an die weltberühmte Duschszene
in Hitchcocks Thriller »Psycho«. Denn was die Herstellung
von Fleisch und Milchprodukten unserem Planeten antut, ist
wirklich Angst einflößend. »Die Fleisch- und Milchindustrie
verschwendet weltweit ein Drittel unseres Wassers«, so lautet
der Slogan von Pamela Anderson. Dass Motiv wurde mit
prominenter Unterstützung durch den Regisseur und Fotografen
David LaChapelle umgesetzt.
15.500 Liter Wasser
für 1 Kilo Rindfleisch
In einem Kilo Rindfleisch stecken rund 15.500 Liter
Wasser, in derselben Menge Schweinefleisch 6.000 Liter;
5.500 Liter sind es pro Kilo Butter und 3.300 Liter bei Eiern.
Zum Vergleich: Für die Produktion von einem Kilo Kartoffeln werden gerade einmal 300 Liter und für Salat lediglich 200
Liter Trinkwasser benötigt.
Der direkte Vergleich zeigt es noch deutlicher: Für die
Produktion von einem Päckchen Kuhmilch werden 1.050
Liter Wasser benötigt - für die gleiche Menge Sojadrink nur
297 Liter. Und während für die Herstellung eines 150-g-Rindfleisch-Burgers 2.350 Liter Wasser benötigt werden, sind es bei
einem Soja-Burger nur 158 Liter.
Durch die Fleisch-, Milch- und Eierindustrie wird nicht nur
die Menge des verfügbaren Trinkwassers eingeschränkt,
es werden auch unglaubliche Mengen Trinkwasser verschmutzt.
Denn die Abwässer aus den Tierställen gelangen ungeklärt zurück in den Wasserkreislauf - und mit ihnen Antibiotika und
vor allem unglaubliche Mengen Ammoniak. Alleine in
Deutschland werden um die 650.000 Tonnen Ammoniak Jahr
für Jahr durch die industrielle Massentierhaltung erzeugt.
12 Freiheit für Tiere 4/2015
Durch riesige Mengen an Mist und Gülle gelangt der klimaschädliche Stoff in die Umwelt, übersäuert Böden und erstickt
das Bodenleben, führt zum Umkippen von Gewässern und
vergiftet das Grundwasser. Ammoniak ist zudem hauptverantwortlich für das Waldsterben.
Kürzer duschen reicht nicht
- versuchen Sie’s vegan
Gerade mit der Ernährung kann jeder sehr viel zum Kampf
gegen die Trinkwasserknappheit beitragen. Schließen Sie sich
Pamela Anderson an und duschen Sie nicht nur kürzer oder
stellen beim Zähneputzen das Wasser ab: Versuchen Sie’s vegan;
es ist das Beste, was Sie für Ihre eigene Gesundheit, die Umwelt
und die Tiere tun können. Tipps, Informationen und Rezepte, die
den Umstieg erleichtern, gibt’s in PETAs kostenlosem VeganstartProgramm.
Quellen:
· Worldwatch Institute (2004): Meat. Now, It’s Not Personal.
· WWF Deutschland (2009): Der Wasser-Fußabdruck
Deutschlands.
· Josef H. Reichholf (2004): Der Tanz um das goldene Kalb.
Verlag Klaus Wagenbach, Berlin.
· SIWI (2005): Water - More Nutrition per Drop.
· UNESCO-IHE (2011): The water footprint of soy milk and soy
burger and equivalent animal products.
· www.waterfootprint.org
Weitere Informationen:
www.peta.de/pamela-anderson-und-david-lachapelle
-duschen-fuer-peta
www.peta.de/veggiestarter
www.veganstart.de
Foto: David LaChapelle für PETA
FREIHEIT
FÜR
TIERE
Tierschutz aktiv
Das unfassbare
im deutschen
Eine große Zahl der Tiere
für den Heimtierhandel
wird in Massenzucht
»produziert«: Tausende
Tiere vegetieren in
unzähligen Boxen auf
engstem Raum, zum Teil
in Gängen voller Regale.
Stress und Enge führen
zu Verhaltensstörungen,
Krankheiten, Verletzungen.
Es zählt einzig der Profit.
In Deutschlands Wohnzimmern werden etwa 9,5
Millionen Kleintiere und Vögel gehalten. Eine
mehrmonatige Recherche der Tierrechtsorganisation
PETA in Zuchtanlagen für Tiere, die für den
Heimtiermarkt »produziert« werden, brachte Erschütterndes ans Licht: »PETA-Ermittler fanden
Tausende Meerschweinchen, Hamster, Kaninchen,
Vögel, Ratten und Mäuse in völlig überfüllten Käfigen
oder winzigen Plastikboxen, die Regal über Regal
aufeinander gestapelt waren. Unzählige Tiere mussten
inmitten ihrer eigenen Ausscheidungen leben. Die
Tiere wurden derart vernachlässigt, dass ein Teil von
ihnen schon tot war. Unzählige Tiere waren kurz
vor dem Verdursten oder wiesen Verletzungen und
Erkrankungen auf.«
Sowohl kleine Zoofachhändler als auch große Ketten beziehen
diese Tiere mittels zwischengeschalteter Großhändler aus riesigen
Zuchtanlagen in den Niederlanden, Tschechien und Deutschland,
in denen Tiere unter furchtbaren Bedingungen gehalten werden,
berichtet PETA. Ahnungslosen Kunden werde im Einzelhandel
hingegen vielfach vorgetäuscht, die Tiere würden von lokalen
Züchtern oder aus guten Verhältnissen stammen.
PETA erstattet Strafanzeige gegen
11 Züchter und Großhändler
Der in den riesigen Zuchtstätten aufgedeckte Missbrauch ist kein
Einzelfall: Stichprobenartige Ermittlungen bei kleinen Züchtern,
die Tiere an kleine wie auch große Zoohandlungen lieferten,
zeigten ebenfalls erschütternde Zustände. Bei den UndercoverRecherchen in etwa 15 Zucht- und Großhandelsbetrieben wurden
dutzendfach Verstöße gegen das Tierschutzgesetz dokumentiert.
PETA hat gegen insgesamt 11 Züchter und Großhändler aus
Deutschland und den Niederlanden Strafanzeige erstattet.
Bild links: Auch bei vielen »kleinen« Züchtern sind Enge,
Stress und Qual an der Tagesordnung.
14 Freiheit für Tiere 4/2015
Leid der Tiere
Heimtierhandel
Umfangreiche Recherchen belegen:
Grauenvoller Umgang mit den Tieren
Die Tierrechtsorganisation PETA berichtet, dass die Ermittler
bei ihren umfangreichen Recherchen vielfach auf verweste Tierleichen gestoßen seien, die einfach in ihren Käfigen - mitten
unter ihren lebenden Artgenossen - liegen gelassen wurden.
Kaninchen hätten sich auf die Tränken gestürzt, nachdem die
Ermittler sie wieder mit Wasser befüllt hatten. Doch einige der
Kaninchen seien regungslos in ihren Käfigen liegen geblieben sie waren bereits verdurstet (siehe Foto unten rechts). »Bei vielen
Tieren, einschließlich Vögeln und Hamstern, führte der Stress
dieser engen und intensiven Gefangenschaft zu Kannibalismus«,
so die Tierrechtsorgansiation. »In einer der größten Zuchteinrichtungen fanden die Ermittler zahlreiche Gefriertruhen voller
toter Tiere, die offensichtlich den erbärmlichen Bedingungen zum
Opfer gefallen waren. Auch die Leichen der Tiere, die als
Reptilienfutter gezüchtet und getötet wurden, sind zu Tausenden
abgepackt darin gelagert.«
Die Filmaufnahmen schreckten Millionen Fernsehzuschauer auf,
als VOX über die PETA-Recherche berichtete.
Fordern Sie die OBI und Hagebaumarkt
auf, den Verkauf von Tieren zu beenden!
OBI und Hagebaumarkt sind wichtige Abnehmer von Tieren
aus den Massenzuchtanlagen. Der Tierverkauf gehört bei ihnen
allerdings nicht zum Kerngeschäft und die Konkurrenz verzichtet
bereits auf den Verkauf von lebenden Tieren.
Oben: Vögel werden in
engen Boxen für den
Transport gelagert.
Rechts: Viele Tiere
überleben die qualvollen
Haltungsbedingungen
nicht. Sie werden als
Ausschuss entsorgt.
Unten: Die Ermittler
fanden diese beiden
Kaninchen verdurstet
im eigenen Dreck liegen.
Alle Fotos: www.peta.de
Sie können mithelfen: Sprechen Sie die Mitarbeiter in Baumärkten, die Tiere verkaufen, an! Wenn Sie sich auch an die
Marktleitung.
Auf der Internetseite heimtierhandel.petadeutschland.de
finden Sie eine online-Mitmachaktion und eine Filmdoku, die Sie
hinter die Kulissen der Heimtierzucht blicken lässt.
Informationen, Video & Mitmachaktion:
heimtierhandel.petadeutschland.de
www.peta.de/heimtierschutzgesetz
Freiheit für Tiere 4/2015 15
FREIHEIT
FÜR
TIERE
»Keine Jagd auf meinem Grundstück!«
Nordrhein-Westfalen: Auenwald
in der Hellwegbörde jagdfrei!
Ein schöner Auenwald in der Aheaue bietet inmitten
ausgeräumter Ackerflur der Hellwegbörde ein
wichtiges Rückzuggebiet für Wildtiere - und ab 2016
auch Schutz vor den tödlichen Schüssen der Jäger.
Bach-Erlen-Eschenauwald in der Aheniederung inmitten der
ausgeräumten Hellwegbörde - ab 1.4.2016 jagdfrei.
Dr. Karl-Heinz Loske hat auf seinen hausnahen Grundstücken
in Geseke in der mittelwestfälischen Hellwegbörde auf einer
ehemals ausgeräumten Ackerfläche ein Biotop für Wildtiere
geschaffen: Eigenhändig legte er Hecken, Wälder, Streuobstwiesen und Teiche an. Zweimal im Jahr musste die Familie
machtlos mit ansehen, wie Jäger bei Treibjagden hier die letzten
Hasen und Fasane sowie Rehe und Ringeltauben abknallten.
Unter Berufung auf das Urteil des Europäischen Gerichtshofs
für Menschenrechte vom 26.6.2012 stellte der Biologe und
Ökologe einen Antrag auf Befriedung seiner Grundstücke und
legte ausführlich seine ethischen Gründe dar: Er kann das
Töten von Tieren, die auf seinen Grundstücken Schutz suchen,
nicht mit seinem Gewissen vereinbaren.
Folgerichtig wurde daher eine 2,2 Hektar große Streuobstwiese seit dem 1.4.2014 durch die Jagdbehörde befriedet.
Daraufhin beantragte Dr. Loske am 28.4.2014 die jagdrechtliche
Befriedung zweier weiterer Grundstücke. Mit Bescheid vom
26.6.2015 stellte der Kreis Soest 17.373 m² in der Gemarkung
Schmerlecke sowie 4.983 m² in der Gemarkung Langeneicke
ab 1.4.2016 offiziell jagdfrei.
Die ehemalige Ackerfläche bei Langeneicke wurde 2013 in
einer Dauerbrache umgewandelt und bietet Rückzugsraum
in ausgeräumter Ackerflur - ebenfalls ab 1.4.2016 jagdfrei.
16 Freiheit für Tiere 4/2015
Noch im Dezember 2014 hatten Jäger das Waldgrundstück
trotz der Proteste des Biologen und seines persönlichen Einschreitens vor Ort bejagt - obwohl der Befriedungsantrag
bekannt war. Die Jagdgenossenschaft lehnte die Befriedung
grundsätzlich ab und bestand im Rahmen der Anhörung mit
abstrusen Argumenten wie z.B. der »Durchbrechung des
Solidarprinzips im ländlichen Raum« und »übermäßigen Schäden
durch Schwarzwild« darauf, die Flächen erst nach Ablauf des
Jagdpachtvertrages im Jahre 2025 zu befrieden. Besonders
abwegig war dabei das Argument des Kreisjagdberaters, die
»Ablehnung der Bejagung fernab von Wohnbebauung« sei
»unglaubwürdig«. Im Umkehrschluss würde dies dann bedeuten, dass einen das Töten von Tieren nur stören kann, wenn
man es sieht. Nach Auskunft eines Sachbearbeiters des Kreises
Soest sei diesem bei positivem Befriedungsbescheid mit Klage
gedroht worden.
Alle Fotos: Dr. Karl-Heinz Loske
Lebensraum & Rückzugsgebiet für Tiere:
Zwei Grundstücke ab 2016 jagdfrei
FREIHEIT
FÜR
TIERE
»Keine Jagd auf meinem Grundstück!«
Nach ausführlicher Prüfung stimmte der Kreis Soest aber dem
Antrag von Dr. Loske auf Befriedung seiner Grundstücke aus
ethischen Gründen zu.
So heißt es in der Begründung im Bescheid vom 26.6.2015:
»Eine ernsthafte und echte Gewissensbelastung bzw. ein
innerlicher Gewissenskonflikt muss bei Ihnen im Falle des
Tötens von Tieren im Rahmen der Jagdausübung auf Ihrem
Grundstück angenommen werden«. Und weiter: »In einem von
Ihnen herausgegebenen Sachbuch, das sich kritisch mit der Jagd
auseinandersetzt, wird Ihre negative persönliche Einstellung zur
Jagd hinlänglich und umfassend dokumentiert. Von daher ist
Ihre Erklärung, dass Sie die Ausübung der Jagd auf Ihren Grundstücken aus ethischen Gründen ablehnen und nicht mit Ihrem
Gewissen vereinbaren können, durchaus glaubwürdig.«
Für Menschen, die sich mit dem Gedanken tragen, ihre
Grundstücke jagdrechtlich befrieden zu lassen, ist diese Begründung sehr aufschlussreich und sollte ermutigen. Unabhängig
von der europarechtlichen Konformität der deutschen Jagdgesetzgebung in Bezug auf die Genehmigung von Befriedungsanträgen lassen immer mehr Behörden offensichtliches Jägerlatein (»übermäßige Wildschäden«, »lange Jagdpachten«,
»drohende Seuchen«) nicht mehr gelten, sondern nehmen die
Gewissenskonflikte für ethisch motivierte Jagdgegner ernst.
Wer eine Befriedung seiner Grundstücke in Erwägung zieht,
dem erteilt Dr. Karl-Heinz Loske gerne unter folgender
e-mail-Adresse Auskunft: [email protected]
Unter dieser Adresse kann sein Buch »Von der Jagd und den
Jägern - Bruder Tier und sein Recht zu leben« bestellt werden.
Bayern: Grundstück im
Landkreis Rottal-Inn jagdfrei
Ein Grundstück mit Obstwiesen, Hecken und Weiher
im Rottal in Niederbayern ist ab 1.4.2016 jagdfrei!
Am 12.2.2015 hatten Silke Schüder und Stefan Hargasser die
jagdrechtliche Befriedung ihrer beiden Grundstücke beantragt.
Sie können es nicht mit ihrem Gewissen vereinbaren, wenn
Tiere, die auf ihren Wiesen und an ihrem Weiher Unterschlupf
finden, durch Jäger getötet werden. »Wir finden es furchtbar, wenn
bei einer Treibjagd das Auto mit aufgehängten toten Hasen bei
uns vorbeifährt, wenn mit Stöcken und viel Lärm die armen
Tiere in die Waffen der Hobbyjäger getrieben werden und wir
hilflos zuhören und zusehen müssen. Zudem möchten wir, dass
unsere Pferde nicht permanent in Angst und Schrecken versetzt
werden.« Die beiden Tierfreunde leben seit Jahren vegan und
betreiben auf ihrem Hof einen kleinen veganen Laden.
Alle Fotos: Silke Schüder
Am 11.5.2015 kam der Bescheid der Jagdbehörde: Die beiden
Flächen mit 4.908 und 4.077 Quadratmetern werden ab 1.4.2016
zum befriedeten Bezirk gemäß dem neuen §6a Bundesjagdgesetz
erklärt. Der Gebührenbescheid beläuft sich auf stolze 800 Euro.
»Unsere Obstwiesen, Hecken und der Weiher bieten Unterschlupf für Fasane, Feldhasen, Enten, Tauben, Goldammern,
Bachstelzen, Frösche und Libellen«, berichtet Silke Schüder.
Hier sollen keine Tiere von Jägern totgeschossen werden.
In Niederbayern haben zahlreiche weitere Grundstückseigentümer die Befriedung beantragt.
»Das sind horrende Gebühren für die Umsetzung eines
Menschenrechts«, kritisiert Silke Schüder. Sie vermutet, dass die
hohen Gebühren Grundstückseigentümer abschrecken sollen, ihre
Flächen befrieden zu lassen. Die engagierte Tierfreundin hat sich
mit weiteren betroffenen Grundstückseigentümern in ihrer
Gegend vernetzt, um an die Öffentlichkeit zu gehen: »Wir
wollen erreichen, dass immer mehr Leute sich trauen, den
Antrag zu stellen, ohne Gefahr zu laufen, dass das Zubilligen
des Menschenrechts horrende Gebühren nach sich zieht.« Die
Lokalpresse hat bereits berichtet.
Freiheit für Tiere 4/2015
17
FREIHEIT
FÜR
TIERE
Bayern: Wiesengrundstück
in Landshut endlich jagdfrei
Irmgard Bauderer freut sich, dass ihr ca. 10.000
Quadratmeter großes Wiesengrundstück im Landkreis
Landshut nun offiziell jagdfrei ist, nachdem es vorher durch richterlichen Beschluss schon vorläufig befriedet war. »Nun ist also mein Vogelbiotop endgültig
jagdfrei und ich kann nur hoffen, dass sich viele
Grundstücksinhaber dazu entschließen, ebenfalls
Anträge zu stellen.«
Nach dem bahnbrechenden Urteil des Europäischen
Gerichtshofs für Menschenrechte vom 26.6.2012 und dem
darauffolgenden Beschluss des Bayerischen Verwaltungsgerichtshofs vom 30.1.2013 hatte sich das Verwaltungsgericht
Regensburg der neuen Rechtssprechung angeschlossen und mit
18 Freiheit für Tiere 4/2015
Beschluss vom 19.2.2013 in einem Eilverfahren entschieden,
dass auf dem Grundstück der ethischen Jagdgegnerin vorläufig
nicht mehr gejagt werden darf.
(VG Regensburg, Beschluss v. 19.02.2013 - RN 4 E 13.183)
Im Mai 2015 ist das Grundstück vom Landratsamt endgültig
für jagdfrei erklärt worden. »Ich musste zwar lange warten,
aber nun ist es endlich positiv beschieden worden«, berichtet
Irmgard Bauderer. »Allerdings kostete der Bescheid hier in
Niederbayern über 1.000 Euro. Aber das war mir die Sache wert.«
»Keine Jagd auf meinem Grundstück«!
Wird auch Ihr Grundstück zwangsbejagt?
Infos: Bürgerbewegung »Zwangsbejagung ade«
www.zwangsbejagung-ade.de
Foto: Irmgard Bauderer
»Keine Jagd auf meinem Grundstück!«
FREIHEIT
FÜR
TIERE
»Keine Jagd auf meinem Grundstück!«
Österreich: Grundstückseigentümer
stellen Anträge auf Jagdverbot
»Keine Jagd auf
meinem Grundstück«
Nach einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs
für Menschenrechte müssen Jagdgegner auf ihrem
Grundstück keine Jagd dulden - auch in Österreich
nicht. Immer mehr Grundeigentümer beantragen
ein Jagdverbot.
In Deutschland konnten mittlerweile zahlreiche Grundstücke
jagdfrei gestellt werden. Inzwischen sind in Bayern, RheinlandPfalz, Nordrhein-Westfalen, Hessen, Niedersachsen, SchleswigHolstein und Sachsen etliche Hektar Wiesen, Wälder und
Felder offiziell jagdfrei. Und es werden immer mehr: Hunderte
Anträge auf jagdrechtliche Befriedung sind anhängig.
Immer mehr Österreicher wollen Jagd
auf ihrem Grundstück nicht dulden
Auch in Österreich wollen immer mehr Grundstückseigentümer die Jagd auf ihrem Grund und Boden nicht länger dulden.
Die Bürgerinitiative »Zwangsbejagung ade« Österreich und
der Österreichische Tierschutzverein wollen dafür sorgen, dass
Grundstückseigentümer auch in Österreich ihr Menschenrecht
wahrnehmen können. Denn in der Europäischen Menschenrechtskonvention ist der Schutz des Eigentums garantiert.
Dr. Christian Nittmann von »Zwangsbejagung ade« sagt:
»Es ist für uns nicht nachvollziehbar, dass Grundstückseigentümer
in Österreich die Jagd auf ihrem eigenen Grund und Boden
zulassen müssen, auch wenn sie die Jagd ablehnen. Daher ist
es dringend notwendig, den Österreichern dieselben Möglichkeiten des Austrittes aus der Zwangsbejagung einzuräumen, wie
es in anderen Ländern Europas mittlerweile eine Selbstverständlichkeit ist. Zudem zeigen wissenschaftliche Studien und die
Erfahrungen in unbejagten Gebieten, dass Ruhezonen, in
denen sich Wildtiere ohne Angst zurückziehen können, zu einer
deutlichen Reduzierung der Reproduktionsrate führen - und die
Wildtiere ihre große unnatürliche Scheu verlieren.«
Eindeutige Rechtslage
Die Rechtslage ist klar: Das höchste europäische Gericht
hatte am 26.06.2012 zulasten von Deutschland entschieden,
dass die Zwangsmitgliedschaft in einer Jagdgenossenschaft gegen
die Menschenrechte verstößt, sofern der Grundeigentümer
die Jagd aus ethischen Gründen ablehnt. Damit folgte der
Gerichtshof seinen Schlussfolgerungen in zwei früheren
Urteilen: Bereits 1999 stellte der Gerichtshof im Falle
französischer Kläger und 2007 im Falle einer luxemburgischen
Klägerin fest, dass es gegen die Menschenrechte verstößt,
wenn Grundstückseigentümer dazu verpflichtet werden, einer
Jagdgenossenschaft zwangsweise beizutreten und die Jagd auf
ihren Grundstücken zu dulden, obwohl die Jagd ihrer eigenen
Überzeugung widerspricht. Die Europäische Menschenrechtskonvention als Vertragsvölkerrecht und ihre von der Republik
Österreich unterzeichneten Zusatzprotokolle entfalten auch in
Österreich Wirksamkeit. Die Konvention wird ausgefüllt durch
die Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs für
Menschenrechte. Und dieser hat der Zwangsmitgliedschaft in
einer Jagdgenossenschaft gegen den Willen der Grundeigentümer eine klare Absage erteilt.
Niederösterreicher stellt Antrag
auf jagdrechtliche Befriedung
seines Grundstücks
Tobias Anderka aus dem Bezirk Mödling in Niederösterreich
will die Jagd auf seinem Grundstück verbieten lassen. Gemeinsam mit seiner Frau stellte er im Mai 2015 einen Antrag
auf jagdrechtliche Befriedung bei der zuständigen Behörde.
Bis dato ist in Österreich jedoch ein Ausscheiden aus der
Jagdgenossenschaft aus Gewissensgründen nicht möglich. Die
Anderkas müssen daher entgegen ihrer Grundüberzeugung mit
>>>
ansehen, wie Tiere auf ihrem Grund getötet werden.
Freiheit für Tiere 4/2015 19
FREIHEIT
FÜR
TIERE
»Keine Jagd auf meinem Grundstück!«
Mag. Christian Hölzl, Sprecher des Österreichischen
Tierschutzvereins, stellt dazu fest: »Die Jagdgesetze in Deutschland und Österreich sind ähnlich. Sie basieren auf dem so
genannten Reviersystem und gehen allesamt aus dem nationalsozialistischen Reichsjagdgesetz aus dem Jahre 1934 hervor.
Insofern muss somit beinahe zwingend davon ausgegangen
werden, dass auch die Republik Österreich vor dem Europäischen
Gerichtshof für Menschenrechte mit ihrem Reviersystem
unterliegen würde. Die Gesetzgeber in den Ländern (Anm.:
jedes Bundesland in Österreich hat sein eigenes Jagdgesetz)
täten gut daran, die Jagdgesetze zu ändern. Denn am Ende
werden die Grundstücke von den Antragstellern, die die Jagd
auf ihrem Grund und Boden nicht mehr dulden wollen, jagdfrei gestellt werden müssen - auch wenn sich die zuständige
Behörde anfangs dagegen sträuben sollte.«
Anträge auf jagdrechtliche Befriedung
Einen weiteren Antrag auf Jagdverbot auf ihrem Grundstück
stellte Oberösterreicherin bei der Bezirkshauptmannschaft
Linz-Land. »Die Tierfreundin unterhält eine Weidehaltung von
Hausschweinen und -hühnern«, berichtet der Verein gegen
Tierfabriken VGT. »Bei der letzten Jagd im Dezember sind die
Tiere in Angst und Schrecken versetzt worden, weshalb der
Verein gegen Tierfabriken nicht nur die konkrete Jagd angezeigt, sondern auch einen Jagdfreistellungsantrag für die
Weideflächen ausgearbeitet hat.«
In Niederösterreich haben zwei weitere Grundstückseigentümer einen Antrag auf jagdrechtliche Befriedung gestellt.
Karl Auer besitzt 34 Hektar und Hannes Steinbacher 36 Hektar
im Bezirk Zwettl. Beide wollen die zwangsweise Bejagung
ihrer Flächen nicht hinnehmen und beide geben an, vor den
Revierjägern regelrecht Angst zu haben, wenn sie mit ihrer
Familie samt Kleinkindern ihren eigenen Grund und Boden
betreten.
Niederösterreicher will sein Recht
einfordern - bis hin zum Europäischen
Gerichtshof für Menschenrechte
»Grundsätzlich wird das Eigentumsrecht ja gerne hochgehalten«,
so Elmar Völkl vom VGT. »Doch die elitäre Jagdlobby darf
sogar in Privateigentum eingreifen und auf fremdem Grund Jagdeinrichtungen errichten, Wild intensiv füttern und bejagen«,
Der Antragsteller aus dem Bezirk Mödling hofft nun auf eine
rasche Befriedung seines Grundstückes. Andernfalls ist er
gewillt, sein Recht bis hin zum Europäischen Gerichtshof für
Menschenrechte einzufordern. Unterstützt wird er dabei von
der Bürgerinitiative »Zwangsbejagung ade« Österreich und
dem Österreichischen Tierschutzverein.
Dr. Martin Balluch erklärt: »Die Jägerschaft hält Österreich
in einer eisernen Umklammerung, überall in den Landtagen
haben sie ihre Lobbyisten sitzen.« Die Zwangsbejagung stelle
eine große Belastung für die Grundeigentümer dar. Daher will
der Verein gegen Tierfabriken Grundeigentümer unterstützen,
um eine Änderung des Jagdrechts zu erwirken.
Jagdgegner aus Kärnten zieht vor
Verfassungsgerichtshof
Auch bei der Bürgerinitiative »Zwangsbejagung ade« und
dem Österreichischen Tierschutzverein haben weitere Grundstückseigentümer bereits angekündigt, die Jagd auf ihrem
Grund und Boden nicht länger dulden zu wollen.
Der Antrag eines Waldeigentümers aus Kärnten beschäftigt
mittlerweile den Verfassungsgerichtshof. Der Tierfreund
besitzt rund 6,5 Hektar Wald im Bezirk Spittal an der Drau.
Im Oktober 2014 hatte er die Befriedung seines Grundstücks
aus tierschutzethischen Gründen beantragt, aber auch, weil die
Jagdpraxis mit ständigen Fütterungen den Wildbestand so
erhöht hatte, dass der Wald Schaden nahm. Das Landesverwaltungsgericht Kärnten wies am 18. Mai 2015 den Antrag des
Waldbesitzers ab. Er beschreitet nun den Weg zum Verfassungsgerichtshof, um zu seinem Recht zu kommen.
Dr. Martin Balluch, Obmann des Vereins gegen Tierfabriken
VGT, begleitet den Fall: »So oft schon haben uns Grundstückseigentümer kontaktiert, die die Jägerschaft auf ihrem Besitz
quasi als bewaffnete Besatzungsmacht betrachten. Die Jagdpächter würden einfach Fütterungen und Jagdstände errichten.«
Auf Basis der mittlerweile gefestigten Rechtssprechung des
Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte sei kein anderes Ergebnis möglich, als die Zwangsbejagung für verfassungswidrig zu erklären.
20 Freiheit für Tiere 4/2015
So wollen einige Bauern aus Niederösterreich die Jagd in ihren Wäldern und Feldern verbieten lassen. Ein Vegetarier und
Tierfreund aus Braunau will den ersten Antrag auf jagdrechtliche Befriedung in Oberösterreich stellen.
Informationen:
Bürgerinitiative »Zwangsbejagung ade« Österreich
Dr. Christian Nittmann · Postfach 21 · A-1090 Wien
e-mail: [email protected]
www.zwangsbejagung-ade.at
Österreichischer Tierschutzverein ÖTV
Mag. Christian Hölzl, Sprecher des ÖTV
Berlagasse 36 · A-1210 Wien
e-mail: [email protected]
www.tierschutzverein.at
Verein gegen Tierfabriken VGT
Meidlinger Hauptstraße 63/6 · A-1120 Wien
e-mail: [email protected]gt.at · www.vgt.at
Bild: Archiv
Jagdgesetze in Deutschland
und Österreich sind ähnlich
Friedrich Schiller:
Der Alpenjäger
Willst du nicht das Lämmlein hüten?
Lämmlein ist so fromm und sanft;
Nährt sich von des Grases Blüten,
Spielend an des Baches Ranft.
»Mutter, Mutter, lass mich gehen,
Jagen nach des Berges Höhen!«
Willst du nicht die Herde locken
Mit des Hornes munterm Klang?
Lieblich tönt der Schall der Glocken
In des Waldes Lustgesang.
»Mutter, Mutter, laß mich gehen,
Schweifen auf den wilden Höhen!«
Willst du nicht der Blümlein warten,
Die im Beete freundlich stehn?
Draußen ladet dich kein Garten;
Wild ist's auf den wilden Höhn!
»Lass die Blümlein, lass sie blühen!
Mutter, Mutter, lass mich ziehen!«
Auf der Felsen nackten Rippen
Klettert sie mit leichtem Schwung,
Durch den Riss gespaltner Klippen
Trägt sie der gewagte Sprung;
Aber hinter ihr verwogen
Folgt er mit dem Todesbogen.
Jetzo auf den schroffen Zinken
Hängt sie, auf dem höchsten Grat,
Wo die Felsen jäh versinken
Und verschwunden ist der Pfad.
Unter sich die steile Höhe,
Hinter sich des Feindes Nähe.
Mit des Jammers stummen Blicken
Fleht sie zu dem harten Mann,
Fleht umsonst, denn loszudrücken
Legt er schon den Bogen an.
Plötzlich aus der Felsenspalte
Tritt der Geist, der Bergesalte.
Und mit seinen Götterhänden
Schützt er das gequälte Tier.
»Musst du Tod und Jammer senden,«
Ruft er, »bis herauf zu mir?
Raum für alle hat die Erde;
Was verfolgst du meine Herde?«
Fotos: Freiheit für Tiere
»Was verfolgst
du meine Herde?«
Und der Knabe ging zu jagen,
Und es treibt und reißt ihn fort,
Rastlos fort mit blindem Wagen
An des Berges finstern Ort;
Vor ihm her mit Windesschnelle
Flieht die zitternde Gazelle.
FREIHEIT
FÜR
TIERE
Schluss mit der Hobbyjagd!
Erfolg in Luxemburg: Füchse
werden weiterhin nicht bejagt
Die Abgeordnetenkammer in Luxemburg hat entschieden, dass es beim Verbot der Fuchsjagd bleibt.
In Luxemburg ist die Fuchsjagd seit 1. April 2015 verboten.
Zunächst sollte das Verbot für ein Jahr gelten. Die Jäger
liefen gegen das ganzjährige Verbot der Fuchsjagd Sturm und
sammelten 10.327 Unterschriften gegen das Fuchsjagdverbot.
Bei der Anhörung malten die Jäger wieder ihr bekanntes
Jägerlatein an die Wand: Die Fuchs-Population werde sich
verfünffachen, behauptete Jäger-Präsident Georges Jacobs.
Staatsekretär Camille Gira entgegnete: »In den vergangenen
Wochen war immer von einer Verdreifachung die Rede. Die
Jäger sollen jetzt endlich einmal belegbare Zahlen bringen.«
In Luxemburg können Fuchseltern ihre Kinder jetzt in
Frieden aufziehen.
Auch die angebliche Gefahr der Verbreitung des Fuchsbandwurms wies der Staatsekretär erneut zurück: Es seien in
Luxemburg nur zwei Fälle von Fuchsbandwurm-Erkrankungen
belegt, keiner sei tödlich verlaufen. »In Deutschland hat es im
letzten Jahr zwei Tote durch eine Fuchsbandwurminfektion
gegeben, die Zahl der Toten durch Jagdunfälle lag bei 40«,
zitierte das Luxemburgische Tagblatt Staatssekretär Gira.
Wann kommt das Fuchsjagdverbot
in Deutschland?
Füchse werden in Deutschland ganzjährig bejagt und haben
keine Schonzeit. Jahr für Jahr töten die Jäger über eine halbe
Million Füchse. Dabei erfüllen Füchse eine wichtige ökologische
Aufgabe in der Natur (»Gesundheitspolizei des Waldes«).
In unbejagten Gebieten reguliert das Sozialsystem der Füchse
die Population weit effektiver, als es der Mensch jemals könnte.
Ganz im Gegenteil: Je stärker Füchse bejagt werden, desto mehr
Nachwuchs gibt es. Und dies dient wiederum nur denen, die
Freude daran haben, Jagd auf Füchse zu machen.
22 Freiheit für Tiere 4/2015
Fotos: Pim Leijen · Fotolia.com
Mehr Tote durch Jagdunfälle
als durch Fuchsbandwurm
Die Grünen-Landtagsfraktion im Saarland hat inzwischen
eine Anfrage an die Landesregierung zur Fuchsjagd gestellt,
warum die Landesregierung die Fuchsschonzeit verkürzt hat und
generell weiter an der Fuchsjagd festhält. »Die Fuchsjagd hat
keinen regulierenden Einfluss auf die Fuchspopulation. Dies
haben wissenschaftliche Studien hinlänglich gezeigt«, so der
Fraktionsvorsitzende Hubert Ulrich. »Aus diesem Grund hat
Luxemburg im April 2015 die Fuchsjagd zunächst für die Dauer
von einem Jahr verboten, um im Anschluss eine Bestandsaufnahme
zu machen. Man sah auch in Bezug auf die verschwindend
gering gewordene Gefahr durch Tollwut oder den Fuchsbandwurm
keine Legitimation für die Tötung von Füchsen mehr.«
Quellen: · Luxemburgisches Tagblatt, 11.5.2015
· gruene-fraktion-saar.de, Pressemitteilung vom 31.5.2015
· Wildtierschutz Deutschland, 5.6.2015, www.wildtierschutz-deutschland.de
Foto: francescodemarco - Fotolia.com
Am 11. Mai 2015 fand darüber eine öffentliche Anhörung
vor der Abgeordnetenkammer statt. Wildtierschutz Deutschland
übergab an diesem Tag gemeinsam mit »Luxemburg for Foxes«
mehr als 12.000 Unterschriften für die Beibehaltung des Fuchsjagdverbots an Camille Gira, den Staatssekretär des Umweltministeriums. Parlamentspräsident Mars di Bartolomeo sagte
in seiner Einleitung, dass Tierschützer drei Petitionen für die
Beibehaltung des Fuchsjagdverbots vorgelegt hätten.
»Ethik gegenüber dem Menschen und Rohheit gegenüber den Tieren
sind zwei Verhaltensweisen, die sich nicht vereinbaren lassen,
denn die Grausamkeit gegen die Tiere geht nahtlos
in Grausamkeit gegen den Menschen über.«
Robert Jungk (1913 - 1994), Zukunftsforscher
FREIHEIT
FÜR
TIERE
Schluss mit der Hobbyjagd!
Mit der Kamera zu Gast in
Reinekes geheimer Kinderstube
Von Jürgen Heimann
Kleine Tiere sind, Nacktmull, Blobfisch oder
Titicaca-Frosch mal außen vor gelassen, per se knuffig.
Während bei letzteren ja schon die Eltern krass
aussehen, weshalb auch von den Kids keine optischästhetischen Wunder zu erwarten sind. Ansonsten gilt
in der Fauna die Faustregel, dass Tierbabys einfach (zu)
süß aussehen. Ganz besonders aber bei den oft so
angefeindeten Füchsen. Da sind die Nachkommen,
wenn sie denn erst mal die Augen geöffnet und den
Bau für erste Erkundungstouren verlassen haben, in
ihrer unschuldigen, tapsigen Putzigkeit kaum zu toppen.
24 Freiheit für Tiere 4/2015
Der bekannte Eschenburger Naturfotograf Uwe Schäfer
kennt seine Pappenheimer, und er kennt jene verschwiegenen,
versteckten Orte, an denen sich Mama Reinecke im Frühjahr
mit ihrem putzigen Nachwuchs aufzuhalten pflegt. Das hält er
aber geheim. Denn: Touristenverkehr kann die alleinerziehende
Mutter bei der Aufzucht ihrer Racker eigentlich nicht gebrauchen. Wobei »alleinerziehend« lediglich eine Vermutung
ist. Von »ihm« war zumindest beim Fotoshooting nichts zu sehen.
Kann aber durchaus sein, dass sich Papa lediglich bedeckt und
versteckt hielt, weil er dem Frieden nicht traute.
Zwar ist die Fähe sehr wohl in der Lage, ihre Kleinen alleine
aufzuziehen, die Betreuung durch beide Elterntiere (oder
Verwandte) erhöht jedoch deren Überlebenschancen deutlich
und wird deshalb in der Regel, wo möglich, auch praktiziert.
Alle Bilder: Uwe Schäfer
Süße Babyfüchse
Einfach zum Knuddeln: Mama Reinekes Nachwuchs gibt sich
auch angesichts der Linse eines Fotografen völlig unverkrampft.
In den ersten Wochen nach der Geburt verlässt die Füchsin
ihren Bau nur selten. Sie wird während dieser Zeit von ihrem
»Mann« mit Nahrung versorgt. Die oft beschriebene Dominanz
der Mütter bei der Aufzucht kann mehrere Gründe haben,
beispielsweise den, dass der Rüde im Winter zuvor einen
»Jagdunfall« erlitten hat oder unter die Räder gekommen ist.
»Glatze« und Co. entdecken die Welt
Genau an jener Stelle, an der ihm die kleinen Füchse vor
die Linse tapsten, hatte der Naturfotograf vor zwei Jahren schon
einmal Freundschaft mit einer Fähe und ihren Jungen geschlossen. Vermutlich ist es dieselbe, die nun erneut einigen
putzigen Welpen auf die Welt verholfen hat und dem Tierfreund
stolz Einblicke in die Kinderstube gewährt. Unermüdlich war
Mutti um das Wohlergehen der kleinen Racker bemüht.
Dennoch hatte das Muttertier einen großen Teil seiner sonst
gegenüber Menschen üblichen Scheu abgelegt. Offenbar besitzt Uwe Schäfer in den einschlägigen Kreisen einen hervorragenden Leumund.
Eines seiner knuddelig-goldigen Fotomotive hatte er »Glatze«
getauft - wegen der auffälligen, im Stirnbereich etwas lichten
Älter als vier, fünf Wochen dürfte der kleine Racker auf diesem
Foto noch nicht gewesen sein.
Frisur. Sie kann aber auch dem aktuellen Haartrend, wie er derzeit unter Jungfüchsen »in« ist, geschuldet sein. Wächst sich
aber schon wieder aus. Für »Glatze« und seine Geschwister,
die inzwischen dem Säuglingsalter längst entwachsen und zu
aufgeweckten Teenagers gereift sind, gab (und gibt) es viel
Aufregendes zu entdecken. An jeder Ecke, hinter jedem
Strauch wartet eine neue Überraschung. Mögen ihnen solche
der bösen Art in ihrem weiteren Leben erspart bleiben…
»Glatze« hat Uwe Schäfer den putzigen Kerl unten getauft - wegen seiner auffälligen Frisur.
Gemeinsam mit seinem Kumpel, der ja eigentlich sein Bruder ist, erkundet der Babyfuchs neugierig die Welt.
Freiheit für Tiere 4/2015
25
FREIHEIT
FÜR
TIERE
Schluss mit der Hobbyjagd!
Gnadenlos verfolgt, gequält und massakriert:
Von Jürgen Heimann
Hierzulande ist der Waschbär ja auf dem besten Wege,
den ach so bösen Fuchs als »Public Enemy Nr. 1«
abzulösen. Der zwielichtige Maskierte, angeblich von
Natur aus schlecht, stellt eine existentielle Bedrohung
unserer Zivilisation dar. Zumindest möchte man uns
das glauben machen. Viele Gründe werden genannt,
die die Notwendigkeit unterstreichen, diesen Tieren
26 Freiheit für Tiere 4/2015
noch vehementer als bisher den Pelz über die Ohren
zu ziehen. So sollen die Waschbären zum Beispiel den
Bestand der europäischen Sumpfschildkröte bedrohen,
die es allerdings nur (noch) in Brandenburg gibt - in
einer Stückzahl von 70 Exemplaren. Macht aber nix.
Als Totschlagargument, den Tieren bundesweit nachstellen zu müssen (und zu dürfen) - und das noch
exzessiver als bis dato -, reicht das allemal.
Foto: Amadeus Persicke - Fotolia.com
Waschbären haben
(fast) keine Lobby
Foto: Artemtation/Pixabay
Das personifizierte Böse. Da hilft nur eins: Abknallen. Feuer
frei! In der vergangenen Jagdsaison wurden in Deutschland
75.762 dieser Tiere »neutralisiert«.
Andere, zumeist von Jägern angeführte, und angeblich
zwingend für einen solchen tierischen Genozid sprechende
»Fakten« sind von vergleichbarer inhaltlicher Stringenz. Die
kleinen Bären gelten als die Terror-Prädatoren des deutschen
Naturhaushaltes. Ausgeburten der Hölle, Manifestation des
Schreckens. Deshalb: Feuer frei und Fallen auf! Das einschlägige
PR-Trommelfeuer der schießenden Interessenverbände zeigt
auch in der öffentlichen Wahrnehmung dieses Problems Wirkung.
Headlines wie »Der maskierte Jäger erobert das Land«, »Wilder
Waschbär wütet in Wohnung«, »Terror-Waschbär macht
Regierungsviertel unsicher« (wenn der Hintergrund nicht so
ernst wäre, müsste man drüber lachen), »Aggressive Waschbären
killen Jagdhunde« oder »Waschbären für Artensterben verantwortlich« rascheln in Endlosschleife durch den gedruckten
und den digitalen Blätterwald. Irgendetwas bleibt schon hängen.
Woher diese Informationen kommen und wer das größte
Interesse an ihrer Verbreitung hat, ist offensichtlich. Und
deren Wahrheitsgehalt entspricht, auch was die suggestive
Aufbereitung anbelangt, oft dem von Aufmachern der
Schmuddelzeitung mit den vier großen Buchstaben. Das zu
Grunde liegende Prinzip ist aber nicht neu und ein gängiges
Hilfsmittel der Manipulation und gezielten Desinformation. So
etwas begegnet uns in vielen Bereichen.
Die Jäger verkaufen uns Waschbären
als »Public Enemy Number 1«
Im Jagdjahr 2013/2014 haben die germanischen Nimrods laut
Jagdstatistik 75.762 »Raccoons«, so der englischsprachige
Begriff für den Waschbären, zur Strecke gebracht - offiziell. Die
Dunkelziffer könnte darüber liegen, deutlich. Der Gesamtbestand
dieser Allesfresser wird auf bundesweit 500.000 Exemplare
>>>
geschätzt. Tendenz: angeblich rasant steigend.
Vor diesen »Bestien« kann einem ja auch angst und bange werden… In Amerika wird die Jagd auf diese Tiere zur
Volksbelustigung erhoben. Speziell dafür ausgebildete Hunde scheuchen die Kleinbären auf Bäume, Herrchen knallt sie
dann heldenhaft ab. Dafür gibt es Wettbewerbs-Punkte.
Freiheit für Tiere 4/2015
27
FREIHEIT
FÜR
TIERE
Schluss mit der Hobbyjagd!
Erschlagen, ausgeweidet, zerlegt: Zu was »Menschen« fähig
sind! Die Jungen dieser im mittelhessischen Lauterbach
geschlachteten Waschbärin konnten trotz intensiver Suche
nicht gefunden werden. Sie dürften inzwischen jämmerlich
verhungert sein.
Foto: Dr. Francesco Dati
Ein amerikanischer Held: Hat unter Einsatz seines eigenen
Lebens das zweier maskierter Pelz-Monster beendet.
Tolle Leistung!
Bei unseren Verbündeten jenseits des großen Teiches, deren
Wertvorstellungen mit den unseren angeblich deckungsgleich sind,
leben ein paar mehr von diesen Gesellen. Waschbären stammen
ja ursprünglich aus Nordamerika, lebten aber auch schon vor 25
Millionen Jahren in »Good old Europe«. Die Schusswaffenverliebten US-Amerikaner sind wesentlich erfahrener, erfolgreicher
und auch rigoroser darin, den üblen Burschen mit der putzigen
Physiognomie den Garaus zu machen. Vielleicht mag der ein oder
andere Kollege hierzulande insgeheim von solchen paradiesischen
Voraussetzungen träumen: Denn amerikanische Jäger haben die
Waschbärenjagd zur Volksbelustigung erhoben. In dem kleinen
Städtchen Parsons in Tennessee wird Jahr für Jahr die (laut
Veranstalter) größte Waschbären-Hatz der Welt ausgetragen.
Aufgezogen ist diese grenzwertige Show wie eine große Kirmes ein allen Ernstes als »Fun-Event für die ganze Familie« deklarierter
Mordsspaß. It’s partytime! Organisator ist die Montgomery
County Waschbärenjagdgesellschaft (Montgomery County Coon
Hunters Association). Man muss sich das einmal vorstellen: ein
Verein oder eine Interessengemeinschaft, dessen/deren »Zweck«
einzig und allein darin besteht, einer bestimmten Tierart den
Garaus zu machen. Zum Einsatz kommen bei diesem »sportiven
Wettstreit« vor allem so genannte »Coonhounds«. Das sind
speziell für die Waschbärenjagd gezüchtete Hunde, deren Aufgabe
es dabei ist, die bärige Beute aufzuspüren, zu stellen und gegebenenfalls auf einen Baum zu scheuchen. Herrchen braucht dann nur
noch ritterlich abzudrücken. Wessen Waldi die meisten »Coons«
stellt, hat gewonnen: »The candidate scored 18 points!« Wobei
jeder Punkt für einen in diesem ungleichen Kampf besiegten
Gegner steht. Dafür winken stattliche Preisgelder.
Foto: Youtube-Screenshot
Tennessee: Waschbärenjagd
als Volksbelustigung
Und die unterhaltsame Sause dient auch noch einem guten
Zweck - in doppelter Hinsicht. Einmal dem natürlich, den
Waschbären zu zeigen, wo der Hammer hängt. Und zum Zweiten:
Ein caritativer Anstrich steigert Akzeptanz und Vergnügen um
ein Vielfaches, macht die Teilnahme an diesem Zinnober quasi
zur patriotischen Pflichtübung. Der Reinerlös dieser unter
Schießbudenbedingungen ablaufenden Grausamkeits-Olympiade
war auch in diesem Jahr für das St. Jude-Children’s ResearchHospital in Memphis/Tennessee bestimmt, einem der führenden
Krankenhäuser der USA für Leukämieforschung und -behandlung.
So lassen sich Lust am Töten und gelebte Nächstenliebe miteinander verknüpfen. Eine Geschmacklosigkeit, die an Perfidität
eigentlich nicht mehr zu toppen ist.
Diese wenige Tage alte Jungen wurden nach der bestialischen
Tötung ihrer Mutter von tierlieben Menschen gefunden.
Sie müssen zunächst mit Hilfe einer Einwegspritze ernährt
werden. Später tut‘s auch ein Fläschchen. Die Waschbärenbabys sind nur wenige Zentimeter groß und völlig hilflos.
28 Freiheit für Tiere 4/2015
Das war auch ein Vorfall nicht, der sich im Frühjahr im mittelhessischen Lauterbach ereignet hatte. Im Vogelsbergkreis, aber nicht
nur dort, gibt es offenbar mehr als genug Gestörte, bei denen
die Propaganda-Salven Wirkung zeigen: Waschbären müssten
ausgerottet oder zumindest massiv und exzessiv verfolgt werden,
weil sie uns und die Artenvielfalt der Natur bedrohen. Hier fällt
die von irrationalen Urängsten gespeiste Saat des Hasses auf
fruchtbar-mörderischen Boden.
Foto: Dr. Francesco Dati
Grausame Waschbärenjagd in Hessen
Waschbärenmütter brutal getötet Ehepaar nimmt hilflose Babys auf
Ein beispielloser Akt von unfassbarer Brutalität: Auf einem
Wiesengrundstück waren zwei Waschbärinnen nach einem
entsetzlichen Martyrium geschlachtet worden. Sie hatten gegen ihre
Verfolger keine Chance. Ihre Jungen auch nicht: In irgendeiner
Höhle der zahlreichen dort stehenden Bäume verborgen, dürften sie
nach spätestens drei Tagen verhungert sein. Wenigstens in einem
Fall gelang es, das Nest ausfindig zu machen. Die fünf wenige Tage
alten Tierbabys fanden bei einem Ehepaar im Nachbarort Aufnahme und wurden dort mit der Flasche aufgezogen.
Aufgrund der Spuren lässt sich Folgendes rekonstruieren: Die
Waschbärinnen waren zunächst mit und in so genannten Gitterfallen festgesetzt worden. Eines der Tiere zog sich beim panischverzweifelten Versuch, sich zu befreien, tiefe Verletzungen an den
Vorderpfoten zu. Es wurde in Folge von seinen Peinigern mit
einem Knüppel erschlagen, dann mit einem Messer ausgeweidet
und förmlich in Streifen geschnitten. Ein großer Teil des Körpers
fehlte. Nicht ausgeschlossen, dass das Fleisch im Bräter gelandet
ist. So etwas soll es ja auch geben. Allein bei dieser Vorstellung
dreht sich normal veranlagten Zeitgenossen schon der Magen um.
Inzwischen propagieren aber selbst prominente Fernsehköche
die entsprechende Verwertung von Waschbärenfleisch, während
solchem sogar Vertreter des Naturschutzbundes das Wort reden.
So wird versucht, der exzessiven Jagd auf die Pelzträger einen
vermeintlichen Sinn zu geben.
Das zweite Tier hatte seinen Häschern offenbar zunächst entkommen können und war unter einen Baum geflüchtet, wo es dann
aber von seinen Verfolgern mit einer Latte, in deren vorderem
Teil ein langer Nagel steckte, brutal erschlagen und aufgeschlitzt
wurde. Aber das Tier hatte auch in Todesgefahr seine Mutterinstinkte nicht unterdrücken können und vermutlich bewusst eine
falsche Spur gelegt, indem es die Verfolger an eine unverfängliche
Stelle lockte. Ihre fünf Jungen wusste die Bärin so in einem ganz
anderen, in der Nähe stehenden Baumstumpf in Sicherheit, wo
die Babys später, wenn auch halbverhungert, gefunden wurden.
Aufgepäppelt: Nach sechswöchiger Rund-um-die-UhrBetreuung sind die kleinen Waschbären übern Berg.
Fotos: Jürgen Heimann
Die Eigentümer des weitläufigen, nicht völlig eingezäunten
Anwesens dulden die Anwesenheit der schwarz-weißen Kleinbären
seit Jahren nicht nur, sondern freuen sich auch über ihre regelmäßigen Besuche. Und vor allem auch darüber, dass sie sich hier
so wohl und sicher fühlen, ihre Jungen zur Welt zu bringen und
aufzuziehen. Die Horror-Bilder, die sich dem tierliebenden
Ehepaar boten, haben ein Weltbild zerstört.
Unglaublich: Vertreter der Jägerschaft erhoben gegenüber der
Polizei den Vorwurf, der Vorfall sei inszeniert worden,
und zwar nur deshalb, um die Waidmann- und -frauschaft zu
diskreditieren und gegen die Jagd auf Waschbären Stimmung zu
machen. In welcher Welt leben wir eigentlich?
Bild rechts: Hier sind sie in Sicherheit. Harald Roth betreibt
mit seiner Frau eine private Auffang- und Aufzuchtstation im
hessischen Lauterbach. Teilweise betreuen die beiden hier bis
zu 70 verwaiste Tiere, deren Eltern von Jägern erschossen
oder im Straßenverkehr getötet wurden.
Freiheit für Tiere 4/2015
29
FREIHEIT
FÜR
TIERE
Lebensräume: Wildtiere in den Alpen
Tierbeobachtungen in der Schweiz
Wanderungen zu Murm
Viele Menschen möchten Wildtiere
in freier Natur erleben und reisen
um die halbe Welt, um Löwen und
Elefanten in der Serengeti oder
Erdmännchen in Südafrika zu sehen.
»Für spannende Tierbeobachtungen
müssen wir aber gar nicht weit reisen.
Auch in der Schweiz bieten Säugetiere spannende Naturerlebnisse«, so
Lorenz Heer. »Hautnah eine Hirschbrunft zu erleben, dem Balgen junger
Murmeltiere oder den ritualisierten
Kämpfen von Steinböcken zuzuschauen, stehen Naturbeobachtungen
in fernen Ländern kaum nach.« Das
Röhren eines Hirsches kann ebenso
eindrucksvoll sein wie das Brüllen
eines Löwen oder der Ruf eines
Elefanten.
Den Gämsen gelang es als einziger großer
Wildtierart, der Ausrottung zu entgehen.
Bei Gefahr flüchten sich die Gämsen
blitzschnell in die Felsen - so konnten sie
überleben. Bevorzugter Lebensraum der
Gämsen sind Rasenhänge und felsige
Regionen oberhalb der Waldgrenze, teilweise oder ganzjährig auch Bergwälder.
30 Freiheit für Tiere 4/2015
Alle Fotos und Poster nächste Seite: Lorenz Heer · Aus: Wanderungen zu Murmeltier, Steinbock & Co., Haupt, 2015
Hirsche in freier Natur, spielende
junge Murmeltiere oder Steinböcke
und Gämsen, die akrobatisch die
steilsten Felsen erklimmen: Das neue
Buch »Wanderungen zu Murmeltier,
Steinbock & Co.« von Lorenz Heer
stellt die besten Tierbeobachtungsgebiete in der Schweiz vor. Hier
können Wildtiere einfach beobachtet
werden, ohne sie zu stören.
meltier, Steinbock & Co.
Dr. Lorenz Heer ist Biologe und studierte am Zoologischen
Institut der Universität Bern. Seit jeher interessieren ihn
Säugetiere, Vögel und Pflanzen der Alpen. Natur- und Landschaftsfotografie ist seine Leidenschaft. Seine Fotoziele erreicht
er mit öffentlichen Verkehrsmitteln, mit dem Fahrrad und zu
Fuß. Mit seinen wunderbaren Aufnahmen in diesem Buch
möchte Lorenz Heer die fragile und schützenswerte Hochgebirgswelt der Öffentlichkeit näher bringen und die Naturschätze der Alpen vorstellen.
So können Naturfreunde im Schweizer Justistal oder in
der Val Trupchun unvergleichliche Hirschbeobachtungen
machen. Wer Glück hat, kann am Augstmatthorn Steinböcke
aus wenigen Metern Entfernung erleben. In der Greina kann
man freilebende Murmeltiere beobachten. Wer mit Kindern
unterwegs ist, kann Eichhörnchen bei Arosa oder Murmeltiere
bei Saas-Fee beobachten.
Die meisten in dem Buch beschriebenen Beobachtungsgebiete liegen in Eidgenössischen oder Kantonalen Jagdbanngebieten und im Schweizerischen Nationalpark. Die Wildtiere
im Nationalpark oder in den Jagdbanngebieten haben sich an
Wanderer auf den häufig begangenen Wanderwegen gewöhnt
und zeigen hier eine geringe Fluchtdistanz.
Der Schweizerische Nationalpark:
Natur ohne Jagd seit über 100 Jahren
Dass in der Schweiz Steinbock & Co. wieder in freier Natur zu
beobachten sind, ist vor allem dem Schweizerischen Nationalpark
zu verdanken. Vor 150 Jahren waren Steinböcke, Hirsche und
Bartgeier durch intensive Jagd in der Schweiz ausgerottet und alle
anderen Wildtierarten sehr selten.
Murmeltiere beschnuppern sich zur Begrüßung an der Nase.
Sie halten sich stets in der Nähe ihrer Baue auf und zeigen
entlang häufig begangener Wanderwege kaum Scheu.
In Zermatt, Avers, Arolla, auf der Bettmeralp und weiteren
Tourismusorten in der Schweiz wurden Murmeltierpfade eingerichtet. Hier sind Beobachtungen aus nächster Nähe möglich,
was nicht nur für Kinder ein bleibendes Erlebnis ist.
Als Anpassungskünstler besiedeln Füchse alle Lebensräume und
sind in der Schweiz bis über die Waldgrenze im alpinen Gebiet
zu finden - nur die höchsten Gipfel und Gletschergebiete meiden
sie. Längst haben Füchse auch die Städte wie Zürich, Bern,
Basel und Genf erobert, wo sie vor den Jägerflinten sicher sind
und in Parks und Gärten Lebensraum und Nahrung finden.
Am 1. August 1914 wurde mit der Gründung des Schweizerischen
Nationalparks eine einzigartige Wildnisoase geschaffen - und der
erste Nationalpark in den Alpen überhaupt. Hier sollte sich die
Natur ohne das Dazutun des Menschen frei entwickeln können.
Darum war von Anfang an die Jagd verboten. Dieses bemerkenswerte Naturexperiment wird seit hundert Jahren wissenschaftlich
begleitet und dokumentiert.
Im Schweizerischen Nationalpark können die Besucher
Steinböcke, Gämsen, Hirsche, Rehe, Murmeltiere, Bartgeier und
Steinadler beobachten. Dabei mussten Steinböcke und Bartgeier
hier erst wiederangesiedelt werden. Die Rothirsche kamen von
>>>
selbst zurück.
Freiheit für Tiere 4/2015
31
FREIHEIT
FÜR
TIERE
Murmeltiere in den Alpen
FREIHEIT
FÜR
TIERE
Lebensräume: Wildtiere in den Alpen
Für die Wildtiere ist das Hochgebirge der Lebensraum,
in dem sie leben und überleben müssen. Dieses Leben
beinhaltet für die Tiere Herausforderungen wie das
Wetter, die Brunft und das Aufziehen von Jungen.
Hinzu kommen Gefahren und Störungen durch den
Menschen, vor allem durch die Jagd, aber auch durch
rücksichtslosen Freizeitsport, der zu energiezehrenden
Fluchten von Bergtieren führt.
Wenn wir also Wildtiere in ihrem Lebensraum beobachten wollen, dann sollten wir dies rücksichtsvoll
tun. Aus diesem Grund hat Lorenz Heer in seinem Buch
einige nützliche Verhaltensregeln zusammengestellt, mit
denen wir Störungen von Wildtieren vermeiden können:
● Zum Schutz der Wildtiere stellen wir unsere eigenen
Beobachtungsinteressen hinter die Bedürfnisse der Tiere. Reagieren
die Tiere mit Anzeichen von Störungen (Aufmerken, Warnpfiff,
kurze Flucht, Verhaltensänderung, Sträuben der Nackenhaare usw.),
so setzt man sich am besten langsam hin und genießt die Beobachtung aus dieser Entfernung.
● Die schönsten Wildtiererlebnisse erzielen wir, wenn wir uns
an einem günstigen Ort hinsetzen und warten (eine kleine
Isoliermatte ist hierbei sehr dienlich). Nahrung suchende oder
ziehende Tiere sind immer in Bewegung und kommen einem
sitzenden Beobachter viel näher, als wenn man sich selber auf sie
zu bewegen würde.
● Bereits bei der Planung einer Wanderung rechnet man längere
Beobachtungszeiten ein. So bleibt genügend Zeit, bei der Sichtung
von Wildtieren zu warten. Die reine Wanderzeit in der in diesem
Buch vorgeschlagenen Routen beträgt selten über vier Stunden. Sie
sind aber als Tagesausflüge inklusive Beobachtungszeit gedacht.
● Auf ein Wildtier sollte man nie direkt zulaufen. Möchte man
trotz allem einer Gämse oder einem Steinbock noch etwas näher
rücken, so sollte man die Route diagonal am Tier vorbei wählen
respektive sich im Zickzack nähern.
● Im Nationalpark gilt striktes Wegegebot. Aber auch in den
Eidgenössischen Jagdbanngebieten sollte man die Wege nicht verlassen. Für die Beobachtung von Wildtieren ist dies ohnehin vorteilhafter, denn sie haben sich an Wanderer auf Wegen gewöhnt.
Bewegt sich nun eine Person abseits der gängigen Routen, bedeutet
das für die Tiere größere Gefahr und sie flüchten öfter. Welche
Wege wann begangen werden dürfen, kann auf der Homepage
www.respektiere-deine-grenzen.ch/karte/ geprüft werden.
● Wildtiere reagieren besonders auf Bewegungen. Deshalb
sollte man sich in ihrer Nähe nur langsam bewegen. Mit dem Arm
oder gar einem Wanderstock auf Wildtiere zu zeigen, kann eine
Flucht auslösen.
● Mithilfe eines Feldstechers, Fernrohrs oder eines starken
Teleobjektivs können Tiere aus größerer Distanz beobachtet
beziehungsweise fotografiert werden.
Tipps von Lorenz Heer aus: Wanderungen zu Murmeltier, Steinbock & Co. · Haupt 2015
34 Freiheit für Tiere 4/2015
Bild rechts: Der Steinbock ist das Symboltier des Hochgebirges.
Sommer wie Winter hält er sich meistens oberhalb der Baumgrenze in Höhen zwischen 1400 und 3200 Metern auf.
1809 war der letzte Steinbock in der Schweiz erschossen worden.
Anfang des 20. Jahrhunderts wurden einige Steinböcke aus dem
italienischen Gran Paradiso geschmuggelt und gelangten in den
Wildpark »Peter und Paul« in St. Gallen. Nach Zuchterfolgen
konnten die ersten Steinböcke 1911 im Weißtannental in die
Freiheit entlassen werden. 1920 wurden im Schweizerischen
Nationalpark einige Steinböcke ausgesetzt. Von hier aus haben
sie sich in den höheren Lagen der Vor-, Zentral- und Südalpen
verbreitet. Heute leben in der Schweiz etwa 17.000 Steinböcke.
Die schönsten Wildtierbeobachtungen sind in den frühen
Morgenstunden möglich, bevor die Tiere ihre Tageseinstände
aufsuchen, oder am Abend, wenn sie diese wieder verlassen.
Ideal für Wildtierbeobachtungen ist auch trübes und regnerisches
Wetter, weil dann die Tiere bisweilen auf den offenen Flächen
bleiben und sich nicht in ihre Tageseinstände zurückziehen.
Die beste Jahreszeit für Wildtierbeobachtungen sind Frühling
und Herbst, wenn sich Gämsen und Steinböcke in den tieferen
Lagen aufhalten und leichter zu entdecken sind.
50 Wandervorschläge für
Wildtierbeobachtungen in den Alpen
Wenn auch Sie Steinböcke, Gämsen, Murmeltiere & Co. in
freier Natur erleben möchten, ist das Buch »Wanderungen zu
Murmeltier, Steinbock & Co.« genau das Richtige für Sie.
Lorenz Heer hat 50 Wandervorschläge in den Schweizer Alpen
vom Bergwald bis hoch in die alpine Stufe zusammengestellt, bei
denen Begegnungen mit Wildtieren wahrscheinlich sind. Mit
vielen Fotos und Informationen zu Tieren und Landschaft sowie
Tipps für einen respektvollen Umgang mit der Natur (schließlich
wollen wir die Tiere bei unseren Beobachtungen nicht stören oder
gar vertreiben) bietet der großformatige Bildband Inspiration
und Grundlage für eigene Entdeckungsreisen zu den Wildtieren
der Schweiz. Ausgerüstet mit diesem guten Hintergrundwissen kann
es dann eigentlich schon losgehen!
>>>
Großformatiger Bildband, hochwertig ausgestattet, mit
zahlreichen Fotos, ausführlichen Portraits alpiner Tierarten,
50 Wandertipps und Kartenskizzen.
Lorenz Heer:
Wanderungen zu
Murmeltier, Steinbock & Co.
Die besten Gebiete für Tierbeobachtungen in der Schweiz
gebunden, 1088 g, 208 Seiten,
260 Farbfotos, 36 Karten
Haupt Verlag 2015
ISBN 978-3-258-07882-3
Preis: 58 Euro
Foto: Lorenz Heer · Aus: Wanderungen zu Murmeltier, Steinbock & Co., Haupt, 2015
Rücksichtsvolle Wildtierbeobachtung
FREIHEIT
FÜR
TIERE
Lebensräume: Wildtiere in den Alpen
Rothirsche waren im 19. Jahrhundert in der Schweiz durch
Jäger ausgerottet. Langsam
wanderten sie ab Ende des 19.
Jahrhunderts aus Österreich
in den Kanton Graubünden ein.
Im Schweizerischen Nationalpark
finden Hirsche zwei Vorteile:
Schutz vor menschlicher Störung
und ausreichend Nahrung. Sie
haben sich an die Gegenwart
von Menschen auf den Wanderwegen gewöhnt und lassen sich
auch tagsüber gut beobachten vor allem in der Val Trupchun,
der Val Mingèr und am Murtersattel. Nationalparkeffekt nennt
man das - und er ist erst möglich
durch das Jagdverbot im Park.
Zur Brunftzeit ziehen die Hirsche
an ihre traditionellen Plätze an
der oberen Baumgrenze, die sie
am Ende der Brunft wieder verlassen. Im Winter wandern sie
meist in tiefer gelegene Waldgebiete.
Außerhalb von Jagdbanngebieten
bewohnen die Rothirsche meist
steile Hanglagen und schwer
zugängliche Gebiete. Sie sind
anpassungsfähig und schlau und
wissen, wo und zu welcher
Jahreszeit kein Jäger lauert.
Dann suchen sie vermehrt
Tallagen wie das Rheintal auf,
in die sie früher nicht kamen.
Im jagdfreien Kanton Genf
haben Hirsche und auch die
Rehe ihre unnatürliche Scheu
verloren: Sie kommen auch am
hellichten Tage aus der Deckung.
Rehe waren im 19. Jahrhundert
in der Schweiz fast ausgerottet.
Geringerer Jagddruck und bessere
Schutzbestimmungen führten ab
1930 zur Erholung der Bestände.
Heute leben in der Schweiz
wieder mehr als 110.000 Tiere.
40.000 Rehe werden pro Jahr
durch Jäger erlegt.
36 Freiheit für Tiere 4/2015
Ein Jahr im Leben alpiner Säugetiere
Von Lorenz Heer · Aus: Wanderungen zu Murmeltier, Steinbock & Co.
Januar und Februar
Das Jahr beginnt fulminant mit der
Brunft der Steinböcke. Die kapitalen
Böcke geben vorübergehend ihr einzelgängerisches Leben auf und sind nun bei
den Geißrudeln zu finden.
Lorenz Heer:
Wanderungen zu
Murmeltier,
Steinbock & Co.
Haupt Verlag 2015
Ein Teil der Gämsen kehrt im Winter dem Hochgebirge den Rücken und
weicht in tiefere Lagen aus. Auf offenen
Weideflächen in den Tälern ist die
Schneedecke dünner und sie gelangen
einfacher an Nahrung.
März und April
Das erste Grün in den Tieflagen lockt Steinbock, Gämse und
Rothirsch in den Talgrund. Ausgezehrt nach einem langen
Winter lassen sie sich hier besonders leicht beobachten. Wir
sollten aber ihre geringe Scheu nicht ausnutzen und uns in dieser
Jahreszeit ihnen gegenüber besonders rücksichtsvoll verhalten.
Alle Fotos: Lorenz Heer · Aus: Wanderungen zu Murmeltier, Steinbock & Co., Haupt, 2015
Im April beenden die Murmeltiere ihren Winterschlaf und erscheinen meist bei noch vollständig geschlossener Schneedecke
erstmals außerhalb ihres Baus.
Mai und Juni
Fuchsmütter haben hungrige Junge an ihrem Bau. Dies zwingt
sie, auch am Tag Nahrung zu suchen. So sieht man nun Füchse
viel öfter als sonst.
Gämse und Steinbock wandern mit der Schneeschmelze und
den sprießenden Krautpflanzen langsam wieder in höhere Lagen.
Bei Reh, Gämse, Steinbock und Rothirsch kommen die Jungen
auf die Welt. Mit etwas Glück kann man die jungen Kitze beobachten.
September und Oktober
Im Herbst liefert die Brunft der Rothirsche ein beeindruckendes
Spektakel. Röhrende Hirsche, Brunftkämpfe oder das Buhlen
der Stiere um die Weibchen sind ein kaum übertroffenes Naturschauspiel.
Die Eichhörnchen sammeln Vorrat für den Winter und sind nun
besonders aktiv.
Erwachsene Murmeltiere sind rundum fett und verhalten sich
träge, wogegen die diesjährigen Jungtiere aktiver sind und sich
noch so viel Gewicht wie möglich anfressen. Mit dem Eintrag von
Gras in ihren Bau bereiten sich die Tiere auf den kommenden
Winterschlaf vor.
November und Dezember
Das Wildtierjahr schließt mit der Brunft der Gämsen mit
einem weiteren Höhepunkt ab. Obschon ein langer Winter
bevorsteht, wenden die älteren Gämsböcke viel Energie für das
Dominieren von Geißrudeln auf.
Hermeline tragen ihr weißes Winterkleid. Auch im hohen
Schnee sind sie flink auf der Jagd.
Rothirsche haben ihre Wintereinstandsgebiete in tieferen
Lagen erreicht und können bisweilen auf Weiden im Talgrund
beobachtet werden. Hirschstiere müssen sich eiligst wieder die Fettreserven anfressen, die sie während der Brunft verloren haben.
Rehe sind von Natur aus tagaktiv. Durch die Jagd haben
sie ihre Hauptaktivität auf offenen alpinen Weiden häufig
in die Nacht verlagert. Am Morgen ziehen sie sich wieder
in den Wald zurück.
Im Juni erkunden die jungen Hermeline erstmals die Umgebung
des Baus. Ihre Mutter ist nun besonders oft auf der Jagd, um dem
hungrigen Nachwuchs genügend Nahrung zu bringen.
Juli und August
Anfang Juli erscheinen Murmeltierjunge erstmals vor ihrem
Bau. Es ist sehr kurzweilig, den niedlichen Fellknäueln beim
Spielen und Balgen zuzusehen.
Die Hauptbrunft der Rehe fällt in den Hochsommer. Sie verhalten sich nun auffälliger, an geeigneten Orten kann man die
Rehe abends oder morgens bei der Brunft beobachten.
Sonst ist der Hochsommer für Wildtierbeobachtungen wenig
ergiebig. Gämsen und Steinböcke halten sich in den höchsten
Lagen auf, legen tagsüber lange Ruhepausen ein und verstecken
sich vor der Sommerhitze in schattigen Regionen.
Freiheit für Tiere 4/2015 37
FREIHEIT
FÜR
TIERE
Tierschutz international
Erfolgreiches Auswilderungsprojekt in Botswana
Lebensraum für Eland- und
Gnu-Antilopen in der Kalahari
SAVE Wildlife Conservation Fund Deutschland
und das Wildlife Department Botswana haben in
diesem Frühsommer 400 Streifengnus und 100 Eland
Antilopen im Central Kalahari Game Reserve in
Botswana ausgewildert. Der Nationalpark ist das
zweitgrößte Wildreservat der Welt und mit seinen
52.800 km² größer als die Schweiz.
Es war die bisher größte Anzahl an Wildtieren, die auf einmal in die Freiheit des Tierreservats in der Kalahari-Sandwüste
entlassen wurde. Nach der verspäteten Regenperiode waren alle
Wasserlöcher des Reservats gut gefüllt und bieten den Tieren
eine gute Überlebenschance.
Gnus und Antilopen: Dramatischer Rückgang
durch Einschränkung des Lebensraums
Jahrzehnte lang war das Central Kalahari Game Reserve der
Lebensraum und die Verbindungsstrecke zwischen dem Kalahari Transfrontier Park und dem Makgadikgadi-Pans-Nationalpark
für wandernde Gnus und Antilopen. Durch großflächige Viehzucht, fortschreitende Landnutzung und das Errichten von
Zäunen wurde die Wanderung der Paarhufer in den letzten Jahrzehnten stark beeinträchtigt, wenn nicht gar ganz verhindert.
38 Freiheit für Tiere 4/2015
Diese fortschreitenden Veränderungen des Lebensraums haben
gravierenden Auswirkungen auf die Wildtierpopulationen des
Nationalparks. Untersuchungen des Ministeriums für Wildtiere und
National Parks in Botswana zeigen, dass die Gnu-Population
in den letzten 30 Jahren um 90 Prozent und damit dramatisch
zurückgegangen ist. Auch die Zahl der Antilopen ist stark
dezimiert.
SAVE African Animals: Sicherung des
Artbestands durch Wiederansiedlung
Deshalb war es ein wichtiges Anliegen von SAVE, eine
große Anzahl dieser Tierarten wieder in den angestammten
Gebieten anzusiedeln, um den Artbestand zu sichern.
Die Gnus und Eland-Antilopen wurden von der privaten
Game Farm Grassland Safari Lodge gekauft, welche sich in etwa
100 Kilometer Entfernung vom Central Kalahari Game Reserve
befindet. Um die Tiere schonend in Herden einzufangen und
auszuwildern, bedurfte es des Einsatzes von Profis und Tiermedizinern des Wildlife Departments Botswanas und der Luftunterstützung eines Helikopters.
Die Herden wurden in drei verschiedenen Gebieten des Wildreservats mit dazugehörigen Wasserlöchern frei gelassen,
nämlich Motopi, Piper Pan und Xade.
Das Ziel der Wiederansiedlung ist die signifikante Erhöhung
des Artbestandes der Gnu- und Eland-Antilopen, damit sich die
natürliche Population endlich erholen kann. Dadurch gibt es
wieder mehr Beute im Central Kalahari Game Reserve für die dort
lebenden Löwen, Afrikanischen Wildhunde, Geparden und
Leoparden. Sie müssen somit nicht mehr auf Farmland auswandern, um Nahrung zu finden. Der Mensch-Wildtier-Konflikt
wird durch weniger Nutztier-Verluste entschärft. Dies hat wiederum weniger Tötungen von Raubtieren zur Folge.
Central Kalahari Game Reserve:
Zweitgrößtes Wildreservat der Welt
Das Central Kalahari Game Reserve wurde 1961 in Botswana
gegründet und liegt in der Kalahari, einer von breiten Trockenflusstälern durchzogenen Halbwüste im südlichen Afrika. Der
Nationalpark ist mit einer Fläche von 52.800 km² das weltweit
zweitgrößte Wildreservat.
Die Naturschutzgebiete in Botswana zählen zu den artenreichsten der Erde: Elefanten, Nashörner, Büffel, Giraffen,
Antilopen, Zebras, Gnus, Löwen, Leoparden, Geparden, Wildhunde, Flusspferde, Krokodile sowie viele Vogelarten sind hier
beheimatet.
In Botswana sind Jagdtourismus und Trophäenjagd seit 2014
per Gesetz verboten. Die Regierung setzt auf ökologischen
Wildtiertourismus, der inzwischen 12 Prozent des Bruttoinlandsprodukts ausmacht. Wildtiere in ihren natürlichen Lebensräumen erleben zu können, fasziniert Urlauber aus der ganzen Welt.
Informationen: SAVE Wildlife Conservation Fund Stiftung
Dieselstraße 70 · D-42489 Wülfrath
Internet: www.save-wildlife.org
Bild : SAVE Wildlife Conservation Fund
Nach dieser erfolgreichen ersten Auswilderungsaktion
beabsichtigt SAVE weitere Projekte dieser Art, um den Fortbestand der Wildtierpopulationen und das ökologische Gleichgewicht im Central Kalahari Game Reserve aufrecht zu erhalten.
Zudem ist ein Monitoring der bereits ausgewilderten Tiere
geplant. Dieses Monitoring soll die Ergebnisse und Auswirkungen
der Wiederansiedlung festhalten und die Daten für künftige
Auswilderungen nutzbar machen.
Streifengnus haben eine Schulterhöhe von etwa 140 cm und
können bis zu 270 Kilogramm Körpergewicht erreichen.
Bild unten: Eland-Antilopen lieben es gemächlich, können
aber bis zu 70 Stundenkilometer schnell laufen und sind sehr
gute Springer.
Bild: mikefoto58 - Fotolia.com
Diese Gebiete sind teilweise über 70 Kilometer voneinander
entfernt. Dadurch werden Ballung und Überweidung in
einzelnen Zonen verhindert.
Die gemeinnützige Natur- und Artenschutzstiftung SAVE
engagiert sich in Botswana für den Schutz der Wildtiere in
ihren angestammten Lebensräumen.
Bild: SAVE Wildlife Conservation Fund
Bild: luminatephotos · fotolia.com
Links: Einst streiften riesige Herden von Streifengnus durch
die Kalahari, stets auf der Suche nach Nahrung und Wasser.
Auch heute noch ist die große Wanderung der Gnus im südlichen und östlichen Afrika eine der faszinierendsten und
erstaunlichsten Tierwanderungen der Welt.
Freiheit für Tiere 4/2015 39
FREIHEIT
FÜR
TIERE
Wissenschaft: Gesunde Ernährung
Fleisch ade:
Bilder Fische + Wild:
Freiheit für Tiere
Bild: Shawn Hempel Fotolia.com
Etwa 70 Prozent der aus
Lebensmitteln aufgenommenen Dioxine und Polychlorierte Biphenyle (PCB)
erfolgen über den Verzehr
von tierischen Lebensmitteln wie Eier, Milch,
Milchprodukte, Geflügel,
Rind und Schweinefleisch.
Obwohl die Dioxin- und
PCB-Freisetzung in die Umwelt
in den letzten 20 Jahren deutlich
rückgängig ist, können diese
Schadstoffe als Altlasten in den
Böden und Sedimenten enthalten sein. Betroffen ist vor allem
der Grund von Gewässern.
Durch Fische können über
die Nahrungskette immer noch
erhebliche Mengen an Dioxinen
und PCB aufgenommen werden.
Gewarnt wird auch vor einer
Dioxin- und PCB-Belastung in
Dorschleber sowie in der Leber
Fisch enthält immer
von Lämmern, Schafen und
mehr toxische Substanzen
Wild.
Generell warnt das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau- und Reaktorsicherheit
vor dem Verzehr von Innereien
wild lebender Tiere wie Hasen,
Rehe und Wildschweine, da
diese erheblich mit Schwermetallen und Schadstoffen wie
Dioxinen und PCB kontaminiert sein können.
Wildfleisch kann mit
Knapp 30 Jahre nach dem
Schwermetallen, SchadAtomunglück von Tschernobyl
stoffen und radioaktiven
sind immer noch viele WildCäsium belastet sein.
schweine in Bayern und Thüringen extrem radioaktiv belastet. Der zulässige Grenzwert von
600 Becquerel pro Kilogramm wird zum Teil um mehr als das
Zehnfache überschritten. Quelle: fleisch-macht-krank.de
Etwa 70 % der über
Lebensmittel aufgenommenen
Umweltgifte wie Dioxine,
PCB und Cäsium stammen
aus Fleisch, Fisch, Eiern,
Milch.
40 Freiheit für Tiere 4/2015
Krebsgefahr durch Viren in
Rindfleisch und Milch?
Medizin-Nobelpreis träger Harald zur Hausen
erforscht am Deutschen
Krebsforschungszentrum
die Rolle von Viren in
Rindfleisch und Milchprodukten bei Dickdarmund Brustkrebs.
Epidemiologische Studien Nobelpreisträger Harald
zeigten »auffallende Häufungen zur Hausen vermutet:
dieser Krebsarten in bestimmten Viral infizierte Rinder und
Arealen der Welt«. Harald zur die aus ihnen gewonnenen
Hausen führt dies auf den re- Fleisch- und Milchprodukte
gional unterschiedlichen Ver- sind ein Krebsfaktor.
zehr von Rindfleisch und Milchprodukten zurück.
In Indien sei der Milchkonsum in den vergangenen Jahrzehnten
deutlich in die Höhe gegangen, Kinder würden früh der Mutterbrust entwöhnt und mit Kuhmilch gefüttert: »Mit fast 20-jähriger
Verzögerung hat parallel dazu dort der Brustkrebs zugenommen«,
zitiert die Frankfurter Rundschau den Nobelpreisträger.
Die Theorie des Nobelpreisträgers: Krebsfaktor sind viral
infizierte Rinder und die aus ihnen gewonnenen Milchprodukte.
Die Saat für eine spätere, durch virale Erreger mitverursachte Brustkrebserkrankung werde bereits in der frühen Kindheit gelegt: »Die
Entwicklung bis zum Karzinom dauert viele Jahrzehnte.«
Quelle: KREBS - Die Milch, die nicht gesund ist. Frankfurter Rundschau, 19.5.15
Antimikrobielle Medikamente in
Zuchtfischen nachgewiesen
Zuchtfische sind stark mit antimikrobiellen Medikamenten belastet. Bei Untersuchungen im Rahmen des
Europäischen Schnellwarnsystems für Lebensmittel
meldeten die Prüfer des Bundes in 183 Fällen Nachweise von pharmakologisch wirksamen Stoffen.
Laut dem SPIEGEL liegen der Bundesregierung alarmierende
Zahlen über antimikrobielle Medikamente in Fisch- und Krustentierprodukten aus Zuchtbetrieben vor. Insbesonders häufig
wurden Rückstände der Fischarznei Malachitgrün gefunden, einem
Stoff, der im Verdacht steht, krebserregend zu sein. Aber auch Antibiotika und Antiseptika konnten nachgewiesen werden.
Quelle: DER SPIEGEL 19/2015
Bild: Fotolyse - Fotolia.com
Umweltgifte: Dioxine, PCB und
Cäsium in Fleisch, Fisch, Eiern, Milch
Gesünder leben und
Tiere leben lassen
FREIHEIT
FÜR
TIERE
Lifestyle: Tierfreundlich leben
Bild: AlexQ - Fotolia.com
Große Langzeitstudien
kommen weltweit zu dem
Ergebnis, dass Menschen,
die viel rotes Fleisch - das
heißt Rind-, Schweineoder Lammfleisch - essen,
ein erhöhtes Risiko für
Typ-2-Diabetes haben.
Forscher vom Deutschen Institut
Der tägliche Verzehr von
150 Gramm rotem Fleisch für Ernährungsforschung (DIfE)
haben in einer großen Studie
geht mit einem um ca.
im Blut identifiziert,
Biomarker
80 Prozent erhöhten
Erkrankungsrisiko einher. die mit dem Fleischverzehr in
Beziehung stehen: So hatten Studienteilnehmer mit einem
hohen Ferritinspiegel und einem niedrigen Spiegel des Eiweißbausteins Glyzin ein erhöhtes Diabetesrisiko. Hohe Ferritinspiegel
(Eisenüberschuss) führen zu oxidativem Stress und Entzündungsreaktionen, die nach neuestem Wissensstand zur Typ-2-DiabetesEntstehung beitragen. Quelle: Deutsches Institut für Ernährungsforschung,
Pressemitteilung vom 2.6.2015
Millionen Tote durch
multiresistente Keime möglich
Eine neue Studie warnt: Der massenhafte Einsatz
von Antibiotika in der Massentierhaltung könnte zu
Millionen Toten durch multiresistente Keime führen.
Die Studie, die im Auftrag der
der Grünen-Bundestagsfraktion
vom Institut für Hygiene und
Umweltmedizin der Charité durchgeführt wurde, kommt zu dem
Ergebnis: Die Zahl der Toten
durch multiresistente Keime
könnte sich von jetzt etwa Ohne massenhaften
700.000 Toten weltweit bis Einsatz von Medikamenten
2050 auf zehn Millionen Tote würden die Tiere unter
pro Jahr erhöhen. In Europa diesen Haltungsbedingungen
könnte die Zahl der Toten von nicht überleben.
jetzt 23.000 auf 400.000 Tote pro Jahr steigen. Damit würden
mehr Menschen an multiresistenten Keimen sterben als an Krebs.
In Deutschland wurden allein 2013 1.452 Tonnen Antibiotika
in der Tiermast eingesetzt - mehr als in der Humanmedizin.
Quellen: Millionen Tote durch multiresistente Keime möglich. welt.de, 3.6.2015
· Antibiotikaresistenz: Wenn nichts mehr wirkt. gruene-bundestag.de, 2.6.2015
Krankenkasse empfiehlt
vegane Ernährung
Ernährungsbedingte Krankheiten wie Übergewicht,
Diabetes mellitus II, Herz-Kreislauf-Erkrankungen
nehmen in den westlichen Ländern dramatisch zu.
Für das Gesundheitswesen bedeutet dies hohe Kosten
für Behandlung, Klinikaufenthalte, Krankengeld und
vor allem Arzneimittel. Die größte US-amerikanische
Krankenversicherung Kaiser Permanente empfiehlt
zur Prävention von Erkrankungen und Verbesserung
der Lebensqualität von Patienten die vegane Ernährung.
Die US-Krankenversicherung Kaiser Permanente hat eine
18-seitige Broschüre mit dem Titel »The Plant-Based Diet A healthier way to eat« herausgegeben, die über die Vorteile
veganer Ernährung aufklärt und zahlreiche praktische Tipps für
den Ernährungsumstieg gibt. Neben Ernährungsplänen werden
Informationen zu den wichtigsten Nährstoffen bereitgestellt.
Am Ende der Broschüre heißt es: »Wenn Sie die pflanzenbasierte
Ernährung nicht zu 100 Prozent durchführen können, streben
Sie 80 Prozent an. Jede Bewegung zu mehr pflanzlichen und
weniger tierischen Produkten kann Ihre Gesundheit fördern.«
In der Broschüre »The PlantBased Diet - A healthier way to
eat« werden folgende Vorteile
veganer Ernährung aufgeführt:
● Niedrigerer Cholesterinspiegel,
Blutdruck und Blutzucker,
● Prävention und Therapie von
Herz-Kreislauf-Erkrankungen
● Längeres Leben
● Gesünderes Gewicht
● Reduziertes Risiko für Krebs
und Diabetes
● Kann die Progression von
verschiedenen Krebserkrankungen
verringern
● Verringerte Symptome bei
rheumatoider Arthritis
● Weniger Medikamente
Quelle:mydoctor.kaiserpermanente.org/ncal/Images/New%20Plant%20
Based%20Booklet%201214_tcm28-781815.pdf
Freiheit für Tiere 4/2015 41
Bild: www.peta.de
Viel rotes Fleisch erhöht
Diabetesrisiko
FREIHEIT
FÜR
TIERE
Wissenschaft: Gesunde Ernährung
Gesünder leben mit Pflanzenkraft
Das ABC von Vitaminen & Co.:
Welche Nährstoffe sind wo drin?
Von Julia Brunke
Immer mehr Studien beweisen, dass eine pflanzliche
Ernährung vielen Krankheiten wie Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, Schlaganfall, Adipositas,
42 Freiheit für Tiere 4/2015
chronischen Erkrankungen und Allergien vorbeugt.
Es ist eine Ernährung für das Leben: für die eigene
Gesundheit und Lebensqualität, gegen das Töten unschuldiger Tiere und für den Schutz der Natur.
FREIHEIT
FÜR
TIERE
Wissenschaft: Gesunde Ernährung
Vitamin A
Bild: felinda - Fotolia.com
Vitamin A kann aus Provitamin A (Betacarotin) gebildet
werden. Es ist wichtig für unser Immunsystem und für den
Zellschutz (Krebsschutz), für Haut (Schutz vor Hautalterung
durch UV-Licht), Augen, Haare und das Knochenwachstum.
Carotinreich sind gelbe und orange Früchte und Gemüse
wie Karotten, Tomaten, Kürbisse, Mango, Aprikosen, aber
auch Salat, Grünkohl, Spinat und Brokkoli.
Vitamin B 1 (Thiamin)
Vitamin B1 ist ein wichtiges Vitamin im Kohlenhydratund Energiestoffwechsel. Es ist auch an der Signalübertragung
zwischen den Nervenzellen und am Neurotransmitterstoffwechsel beteiligt. Gute pflanzliche Quellen für Vitamin B1
sind Vollkornprodukte, Quinoa und Amaranth, Hirse,
Hülsenfrüchte, Nüsse und Sonnenblumenkerne.
Karotten sollten am besten täglich gegessen oder als Saft (am
besten frisch gepresst) getrunken werden. Sie sind Fänger
von Freien Radikalen und damit die beste »Medizin« für
unser Immunsystem und den Zellschutz (Krebsschutz).
Vitamin B 2 (Riboflavin)
Bild: drubig-photo - Fotolia.com
Vitamin B2 erfüllt Aufgaben im Eiweiß- und Energiestoffwechsel. Es wird für die Entgiftung von Schadstoffen benötigt.
Vitamin B2 ist reichlich enthalten in Vollkornprodukten,
Hirse, Quinoa und Amaranth, Hülsenfrüchten, Mandeln,
Kürbiskernen, Champignons.
Vitamin B 3 (Niacin)
Vitamin B 6 (Pyridoxin)
Vitamin B6 spielt eine wichtige Rolle im Aminosäurestoffwechsel. Gute Vitamin B6-Quellen sind Hülsenfrüchte,
Vollkorn, Quinoa, Amaranth, Hirse, Kartoffeln, Walnüsse.
Folsäure (Vitamin B9)
Bild: Gina Sanders · Fotolia.com
Folsäure spielt eine zentrale Rolle bei der Zellerneuerung,
bei der Blutbildung und beim Abbau des giftigen
Stoffwechselprodukts Homocystein. Salate aus grünem
Blattgemüse und frischen Kräutern, Vollkornprodukte und
Hülsenfrüchte sind reich an Folsäure.
Vollkorn (mit Randschichten und Keim), Quinoa, Amaranth,
Hirse, Hülsenfrüchte wie Linsen, Erbsen, Erdnüsse, Soja
und Sojaprodukte versorgen uns mit B1, B2, B3 und B6.
Quinoa und Amaranth enthalten viele Vitamine und
Mineralstoffe, mehr als übliche hochgezüchtete Getreidearten. Eigentlich sind die »Inkagetreide« gar kein Getreide,
sondern Gänsefußgewächse. Da sie kein Gluten enthalten,
sind sie auch für Allergiker optimal. Quinoa und Amaranth
sind auch eine ideale Eiweißquelle.
Vitamin B 12 (Cobalamin)
Vitamin B12 ist wichtig für die Bildung von roten Blutkörperchen, für die aktive Zellteilung und die Zellneubildung.
Das Vitamin-B12-Molekül wird von Bakterien gebildet.
Pflanzen stellen B12 nicht her. Auch Menschen, die oft
tierische Produkte essen, können einen B12-Mangel haben.
Eine Blutuntersuchung ist zu empfehlen. Veganer sollten
unbedingt Vitamin B12 als Nahrungsergänzung zuführen!
>>>
Freiheit für Tiere 4/2015 43
Bild: Brent Hofacker - Fotolia.com
B3 und die daraus gebildeten Coenzyme sind notwendig
für die Verstoffwechselung der Nährstoffe und von zentraler
Bedeutung für die Ernergiebildung in der Zelle. Vitamin B3
ist enthalten in Vollkornbrot, Quinoa und Amaranth,
Hülsenfrüchte, Avocados, Datteln, Tomaten, Broccoli,
Karotten, Süßkartoffeln oder Spargel.
FREIHEIT
FÜR
TIERE
Wissenschaft: Gesunde Ernährung
Bild: Siegi - Fotolia.com
Vitamin C
Bild: Archiv
Vitamin C ist ein idealer Fänger von Freien Radikalen.
Es entgiftet, kräftigt das Bindegewebe und verbessert die
Calcium- und Eisenaufnahme. Die besten Vitamin C-Quellen
sind frisches Obst und Gemüse.
Shiitake-Pilze gelten in der Naturheilkunde als Anti-KrebsLebensmittel, weil in ihnen eine einzigartige Mischung aus
Polysacchariden, Aminosäuren und Mineralien enthalten ist.
Neben anderen Pilzen wie Champignons oder Steinpilzen
sowie Avocados zählen sie zu den wenigen pflanzlichen
Lebensmitteln mit einem nennenwerten Gehalt an Vitamin D.
Salate und grüne Gemüse versorgen uns nicht nur mit
Vitamin C, Vitamin E, Vitamin K und Folsäuse. Sie sorgen
auch für einen hohen Vitalstoffspiegel im Blut und sind
damit ideal für die Gesundheit.
Vitamin C verbessert die körpereigene Abwehr und ist ein
wichtiges Antioxidans. Antioxidantien schützen die Zellen
vor freien Radikalen. Vitamin C ist außerdem an zahlreichen
Syntheseleistungen des Stoffwechsels beteiligt und fördert
die Eisenaufnahme aus pflanzlichen Nahrungsmitteln und
die Entgiftung der Leber. Sehr gute Vitamin-C-Quellen sind
Frischobst, frisch gepresste Säfte, Sanddornsaft und Sauerkrautsaft sowie Frischgemüse, vor allem Petersilie, Paprika,
Grünkohl, rohes Sauerkraut und Kartoffeln. Die Kartoffel
wird auch als die »Zitrone des Nordens« bezeichnet: Eine
mittelgroße gekochte Kartoffel enthält ca. 10 mg (etwa ein
Achtel des Tagesbedarfs eines Erwachsenen).
Vitamin D
Vitamin D ist an sehr vielen Regulierungsvorgängen in
den menschlichen Körperzellen beteiligt, unter anderem an
der Blutdruckregulation, der Muskelfunktion und dem
Knochenstoffwechsel. Es ist wichtig für den Schutz vor
Osteoporose und Krebs. Vitamin D kann durch UV-Licht
gebildet werden. Doch hohe Lichtschutzfaktoren von
Sonnencremes verhindern die Bildung von Vitamin D, zu
ausgiebiges Sonnenbaden kann zu Hautalterung und Hautschäden führen. Sehr viele Menschen leiden an einem
chronischen Vitamin-D-Mangel, oft ohne es zu wissen.
Zumindest im Winterhalbjahr ist eine gezielte Zufuhr von
Vitamin D in Form von geeigneten Vitamin-D-Präparaten
wie zum Beispiel veganem Vitamin D3-Öl sinnvoll.
Avocados und einige Pilze wie Steinpilze, Pfifferlinge,
Champignons oder Shiitake sind die wenigen pflanzlichen
Lebensmittel mit einem nennenswerten Gehalt an Vitamin D.
Vitamin E
Vitamin E ist ein wichtiges Antioxidans und wirkt
unter anderem als Zellschutz. Besondes hohe Vitamin-EGehalte finden sich in pflanzlichen Ölen wie Weizenkeim-,
Sonnenblumen- und Olivenöl sowie in Nüssen und
Mandeln. Außerdem enthalten grüne Pflanzen Vitamin E.
Biotin (Vitamin H)
Bild: Dan Race - Fotolia.com
Biotin hilft bei der Energieversorgung unseres Gehirns und
sorgt für gesunde Haut, Haare und Nägel. Gute pflanzliche
Biotinquellen sind Walnüsse, Erdnüsse, Haferflocken,
Vollreis, Spinat, Blumenkohl und Champignons.
Vitamin K
Vitamin K ist für die Blutgerinnung erforderlich, kann vor
Arterienverkalkung schützen, ist für die Knochenbildung
erforderlich und schützt möglicherweise vor Krebs.
Besonders reich an Vitamin K sind grüne Blattgemüse,
Kräuter sowie Weizen-/Gerstengras.
44 Freiheit für Tiere 4/2015
Mineralstoffe & Spurenelemente
Calcium
Calcium ist wichtig für die Knochengesundheit und zahlreiche Stoffwechselvorgänge. Es ist in grünem Gemüse
(z.B. Fenchel, Broccoli, Mangold, Petersilie), Hülsenfrüchten, Sesam und Nüssen enthalten. Wichtig: Ein
Mangel an Vitamin D kann zu Calciummangel führen!
Bild: ARTICHAUD · Fotolia.com
Magnesium
Magnesium ist der Antistress-Mineralstoff. Ein Mangel an
Magnesium kann zu Übererregbarkeit, Muskelkrämpfen,
Nervosität und Herzrhythmusstörungen führen. Magnesium
ist in allen grünen Gemüsen und Blattsalaten vorhanden
sowie in den Inkagetreiden Amaranth und Quinoa (70 %
mehr Magnesium als in Weizen oder Roggen) Haferflocken,
Vollkornbrot und Nüssen.
Kalium
Grüne Gemüse enthalten viel Calcium und Magnesium.
Der Körper benötigt Kalium für das Säure-Basen-Gleichgewicht, die Muskelfunktionen und das Nervensystem.
Kalium ist in Getreide, Gemüse und Obst zu finden.
Besonders reich an Kalium sind Bananen, Hülsenfrüchte,
Spinat und Kartoffeln.
Bild: svl861 · Fotolia.com
Natrium
Zu viel Natrium in Form von Kochsalz kann Bluthochdruck
und Osteoporose verursachen. Fleisch und Fleischprodukte
sowie bestimmte Käsesorten enthalten besonders viel Natrium.
Eine pflanzenbasierte Ernährung ist nachweislich blutdruckregulierend.
Eisen hat eine Vielzahl wichtiger Funktionen im Stoffwechsel, z.B. Sauerstofftransport, Sauerstoffspeicherung,
Regulierung der Blutgefäße, Energiestoffwechsel, Immunkompetenz etc. Vegetarisch lebende Erwachsene haben in der
Regel geringere Eisenspeicher als Nichtvegetarier. Das
Dogma, Fleisch sei für die Eisenversorgung notwendig, ist
falsch. Vielmehr kann eine hohe Eisenaufnahme bei regelmäßigem Fleischkonsum gesundheitsschädlich sein. Gute
pflanzliche Eisenquellen sind Haferflocken, Hirse, Kürbiskerne, Leinsamen und Weizenkleie. Vitamin C erhöht die
Aufnahme von Eisen aus der Nahrung.
Nüsse, Kürbis- und Sonnenblumenkerne, Hülsenfrüchte,
Vollkornprodukte, Haferflocken, Quinoa und Amaranth
sowie grüne Gemüse und Kräuter (vor allem Wildkräuter)
versorgen uns optimal mit Mineralstoffen.
Bild: Elena Schweitzer - Fotolia.com
Eisen
Kupfer
Kupfer wird benötigt für das Wachstum, das Immunsystem, den Knochenstoffwechsel und für die Gehirnfunktion. Es ist unentbehrlich für die Zellatmung. Gute
Kupferlieferanten sind Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte,
Nüsse und Kakao.
>>>
Freiheit für Tiere 4/2015 45
FREIHEIT
FÜR
TIERE
Wissenschaft: Gesunde Ernährung
Selen
Die Selenversorgung ist aufgrund der selenarmen Böden
in Mitteleuropa insgesamt unbefriedigend. Verantwortlich
für den gravierenden Selenmangel ist die Übersäuerung der
Böden durch sulfathaltige Dünger und Mist und Gülle.
Selen hat eine entzündungshemmende Wirkung und ist
wichtig für das Immunsystem. Sesam, Paranüsse, Kokosnüsse (Kokosöl, -milch, -flocken), Hülsenfrüchte, Hirse
und Sonnenblumenkerne sind gute Selenquellen.
Zink
Bild: sarsmis - Fotolia.com
Zink spielt eine zentrale Rolle für das Immunsystem, für die
Wundheilung, den Hautstoffwechsel, die Fortpflanzung und
für alle Sinnesfunktionen. Mehr als 300 Enzymreaktionen sind
zinkabhängig. Generell ist die Zinkversorgung in Deutschland nicht optimal, doch Vegetarier und Veganer haben in
der Regel eine ausreichende Zinkzufuhr. Gute pflanzliche
Zinkquellen sind Vollkorn, Haferflocken, Weizenkleie,
Mais, Hülsenfrüchte, Kürbis- und Sonnenblumenkerne.
Chrom
Obst und Beerenfrüchte sind reich an Antioxidantien
Antioxidantien
Antioxidantien schützen unsere Zellen vor freien Radikalen.
Freie Radikale greifen unsere Zellen an und können diese
funktionsuntüchtig machen. Je mehr Zellen eines Organs
auf diese Weise geschädigt werden, umso schlechter geht es
dem betreffenden Organ. Krankheiten treten auf. Die Zellschäden durch freie Radikale können auch zu Entartungen
der Zelle führen (Krebs).
Zu den Antioxidantien zählen Vitamine (Vitamin C und
E, Betacarotin), Mineralien, Spurenelemente (Selen, Eisen
und Zink), Aminosäuren (wie Glutathion), Enzyme und
Sekundäre Pflanzenstoffe (Polyphenole, z. B. Flavonoide,
Anthocyane, Isoflavone etc.).
Früchte und Beerenobst (von Heidelbeere bis Aronia),
Gemüse, Salate, Wildpflanzen (Löwenzahn, Brennnessel,
Giersch & Co.), Keimlinge, naturbelassene Öle, Ölsaaten,
Nüsse, Knoblauch sowie grüner und weißer Tee, Matcha,
Gersten- und Weizengras sind optimale und reichhaltige
Quellen wertvoller Antioxidantien.
Achten Sie auf hochwertige Bio-Qualität, da Herbizide,
Fungizide und Pestizide die Zahl der Freien Radikalen
erhöhen. Eine pflanzliche Ernährung auf Grundlage von
Bio-Lebensmitteln schützt daher vor Krankheit und vorzeitiger Alterung.
46 Freiheit für Tiere 4/2015
Chrom ist an der Blutzuckerregulation beteiligt. Eine
optimale Chromversorgung kann auch bei Diabetikern
häufig die Blutzuckerspiegel verbessern. Chrom kommt in
Vollkorngetreide, Hefe, Pfefferkörnern, Nüssen, Pflaumen
und Kakao vor.
Mangan
Mangan wirkt im Körper als Zellschutz und ist wichtig für
den Knochenstoffwechsel. Pflanzliche Lebensmittel enthalten
im Allgemeinen größere Mengen Mangan als tierische
Produkte. Hohe Gehalte weisen z.B. grüner und schwarzer
Tee sowie Nüsse, Vollgetreide und grünes Blattgemüse auf.
Ballaststoffe
Ballaststoffe sind gesund und sollten möglichst häufig auf
dem Speiseplan stehen. Studien zeigen, dass Ballaststoffe
das Risiko für verschiedene Krankheiten senken können. Dazu
gehören Bluthochdruck, Herzinfarkt, koronare Herzkrankheit,
Dickdarmkrebs und Übergewicht. Ballaststoffe verursachen
durch ihr hohes Quellvermögen einen größeren Sättigungseffekt und wirken einer Verstopfungsneigung entgegen. Sie
haben einen positiven Effekt auf den Blutzuckerspiegel und
eignen sich somit gut für die Ernährung von Diabetikern. Nur
pflanzliche Nahrungsmittel enthalten Ballaststoffe, tierische
hingegen nicht!
Ballaststoffreich sind die Randschichten des Getreides im
Vollkornbrot, die Pflanzenfasern in Gemüse oder Obst, aber
auch Quellstoffe wie das Pektin im Apfel.
Kohlenhydrate
Leere Kohlehydrate (Zucker, Weißmehl, stark verarbeitete
Produkte) sollten vermieden werden, weil sie zum Anstieg
des Blutzuckerspiegels und zu Übergewicht führen. Der
Anteil komplexer Kohlehydrate in der täglichen Kost sollte
hoch sein: Günstig sind Gemüse, Kartoffeln, Vollkorn und
Hülsenfrüchte.
Kohlenhydrate sind unsere Energielieferanten. Kartoffeln,
Hülsenfrüchte und Vollkorn-Produkte enthalten die guten
Kohlehydrate. Leere Kohlehydrate (Zucker, Weißmehl, stark
verarbeitete Produkte) sollten vermieden werden.
Bild: Giuseppe Porzani · Fotolia.com
Versorgung der Zellen mit Energie. Selbst hartes Training
kann keinen Muskelaufbau bewirken, wenn Kohlenhydrate
fehlen. Bei Vegetariern und Veganern ist die Kohlenhydrataufnahme aus der Nahrung günstiger als bei Mischköstlern,
da pflanzliche Nahrungsmittel die Hauptkohlenhydratträger
sind. Kohlenhydrate werden eingeteilt in:
● Monosaccharide (Glucose und Fructose, in Süßigkeiten und
Obst)
● Disaccharide (in vielen Gemüsesorten, in einigen Obstsorten)
● Polysaccharide, auch komplexe Kohlehydrate genannt, weil
sie lange Molekülketten haben (Ballaststoffe, Stärke - in
Getreide, Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten, einigen
Gemüsesorten, in wenigen Obstsorten).
Bild: Balin · Fotolia.com
Die wichtigste Funktion der Kohlenhydrate ist die
Fette
Bei den Fetten haben Veganer deutliche Vorteile gegenüber
den so genannten Mischköstlern: Die pflanzliche Ernährung
ist nahezu cholesterinfrei. Wichtigste Quellen für ungesättigte
Fettsäuren sind Nüsse, Avocados und hochwertige pflanzliche Öle. Ernährungswissenschaftler empfehlen den Verzehr
von Leinsamenöl, Leinsaat und Hanföl sowie grünen
Blattsalaten (Quelle für Alpha-Linolensäure) für ein ausgewogenes Verhältnis von Omega-6-Fettsäure und Omega-3Fettsäure (Alpha-Linolensäure).
Avocados, Nüsse und pflanzliche Öle (Oliven, Leinssaat,
Hanf, Sonnenblumenkerne, Kürbiskerne,...) enthalten
reichlich von den gesunden ungesättigte Fettsäuren. Und:
Die pflanzliche Ernährung ist nahezu cholesterinfrei!
Der Mensch braucht kein tierisches Eiweiß für seine
Ernährung. Im Gegenteil: Tierisches Protein kann Krebs,
Bluthochdruck und Diabetes fördern. Hinzu kommt: In
den Industrieländern wird viel zu viel Eiweiß konsumiert.
Der Abbau von überflüssigem Protein kann zu Gicht und
Osteoporose führen.
Studien haben ergeben, dass der Verzicht auf tierische
Proteine einen günstigen Effekte auf die Blutdruckregulation
hat. Getreideproteine (enthalten reichlich Methionin) und
Proteine der Hülsenfrüchte wie Erbsen, Bohnen, Linsen,
Kichererbsen (enthalten mehr Lysin) ergänzen sich in
idealer Weise. Die eiweißreichen Inka-Getreide Quinoa und
Amaranth sowie Hanf und Lupinen enthalten alle essentiellen, also lebensnotwendigen, Aminosäuren.
>>>
Bild: Tesgro Tessieri · Fotolia.com
Pflanzliches Eiweiß
Eiweißreiche Hülsenfrüchte wie Erbsen, Bohnen, Linsen,
Kichererbsen ergänzen sich in idealer Weise mit Proteinen
aus Getreide. Die eiweißreichen Inka-Getreide Quinoa und
Amaranth sowie Hanfeiweiß und Lupinenmehl enthalten
alle essentiellen Aminosäuren.
Freiheit für Tiere 4/2015 47
FREIHEIT
FÜR
TIERE
Wissenschaft:
Leserbeiträge Gesunde Ernährung
Essentielle Aminosäuren
Bild: hansenn - Fotolia.com
Tryptophan
Bild: Sergiogen - Fotolia.com
Die Lupine ist nicht nur wunderschön anzusehen und leicht
anzubauen, vor allem ist sie eine hervorragende Quelle für
hochwertiges Eiweiß. Das Lupineneiweiß enhält alle acht
essentiellen Aminosäuren, die der Mensch benötigt. Eine
Besonderheit: Lupineneiweiß ist ein basisches Eiweiß!
Lupinenmehl enthält 32 bis 41 Prozent Eiweiß und ist
vielseitig einsetzbar: Es kann ganz einfach in Smoothies
(Proteindrink) und in Müsli gerührt werden oder aber auch
ganz einfach in viele Back-Rezepte integriert werden, denn
Lupinenmehl eignet sich als Ei-Ersatz. Außerdem kommen
immer mehr Bratlinge und Vegi-Würstchen aus Lupinen auf
den Markt. · Bild unten: Lupinenkerne
Tryptophan ist eine Aminosäure, die im Gehirn für die
Herstellung des »Glückshormons« Serotonin gebraucht
wird. Ein Mangel an Serotonin führt häufig zu Depressionen,
Schwermut und Trübsinnigkeit. Nüsse (besonders Cashew),
Kakao, Bananen, Lupinen, Kichererbsen, Amaranth und
Quinoa sind sehr reich an Tryptophan. Amaranth und
Quinoa gibt es (z.B. als »»Inkagold«) feinst vermahlen
fertig zu kaufen (einfach auf leeren Magen in etwas
Wasser eingerührt trinken).
Tryptophan gelangt am besten ins Gehirn, wenn es
zusammen mit Kohlenhydraten zu sich genommen wird:
Durch den Stoffwechsel von Insulin werden dem Tryptophan
dann Stoffwechselvorteile verschafft. Das Tryptophan kann
ins Gehirn gelangen und Serotonin bilden. Dies sorgt für
eine gelassene Wohlfühlstimmung, Stress kann besser
bewältigt werden.
Lysin
Lysin ist ein wichtiger Baustein unterschiedlichster
Proteine: es ist wichtig für die Bildung von Enzymen, das
Immunsystem, das Wachstum und sorgt für die Stabilität
von Kollagen im Bindegewebe. Quinoa und Amaranth
(auch als Müsli oder gepuffter Amaranth), Lupinen- und
Hanfmehl, Hülsenfrüchte (Erbsen und Erbsenprotein,
Bohnen, Linsen, Soja, Erdnüsse) sowie Weizenkeime
enthalten große Mengen Lysin.
BCAA (Leucin, Isoleucin und Valin)
Nachteile von tierischem Eiweiß
Niemand braucht tierisches Eiweiß. Im Gegenteil: Immer
mehr Studien weisen darauf hin, dass tierisches Eiweiß aus
Fleisch und Milchprodukten zu Krankheiten wie Krebs,
Herzinfarkt, Bluthochdruck, Arteriosklerose, Arthrose,
Osteroporose und Rheuma führen kann. Tierisches Eiweiß
übersäuert unseren Körper. Dadurch kann sich Eiweiß an
den Wändern der Blutgefäße und im Bindegewebe ablagern.
Die Folge: Einerseits werden die Zellen und Organe
schlechter mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt, andererseits funktioniert die Ausleitung der vorhandenen Schadstoffe nicht mehr richtig.
Eiweißreiche pflanzliche Lebensmittel wie Erbsen, Bohnen,
Linsen, Lupinen, Vollkorngetreide, Quinoa, Amaranth,
Nüsse, Kürbiskerne usw. und liefern nicht nur Proteine,
sondern auch Vitalstoffe, Mineralstoffe, Ballaststoffe,
Spurenelemente und sekundäre Pflanzenstoffe.
48 Freiheit für Tiere 4/2015
Leucin, Isoleucin und Valin sind verzweigtkettige Aminosäuren (in der Fachsprache BCAAs genannt) und spielen für
den Muskelstoffwechsel eine zentrale Rolle. Hülsenfrüchte
(Kichererbsen, Sojaprotein und Tofu), Lupinen, Hanfprotein, Weizenkeime, Haferflocken, Vollreis, Quinoa und
Walnüsse enthalten viel BCAA.
Threonin und Phenylalin
Phenylalin ist Ausgangssubstanz für die Bildung verschiedener Hormone. Theonin ist wichtig für den
Verdauungstrakt und für das Immunsystem. Hülsenfrüchte
(Soja, Linsen, Limabohnen, Erbsen, Erdnüsse), Lupinen,
Hanfmehl, Weizenkeime, Getreide (Dinkel, Haferflocken),
Vollreis, Mandeln und Cashewkerne enthalten viel dieser
essentiellen Aminosäuren.
Buchtipps:
Methionin
Methionin ist Bestandteil vieler Proteine und hat insgesamt eine sehr große Stoffwechselbedeutung. Ein langanhaltender Mangel an Methionin kann Angstzustände
und Depressionen herbeiführen. Viel Methionin finden
Sie in grünem Gemüse wie Brokkoli, Spinat und Erbsen,
Vollreis, Hanfmehl und Lupinen.
Histidin
Histidin ist wichtig für das Blut (weiße und rote Blutkörperchen) und das Immunsystem. Einen hohen Histidingehalt haben Hülsenfrüchte (Sojabohnen, Linsen, Bohnen,
Erdnüsse), Quinoa und Amaranth, Lupinen- und Hanfmehl,
Weizenkeime, Cashews, Avocados, Auberginen, aber auch
Früchte wie Äpfel, Birnen, Bananen und Erdbeeren.
Die ideale Ernährungsweise
Der Ernährungswissenschaftler Prof. T. Colin Campbell,
Autor der berühmten »China Study«, fasst in seinem Buch
»InterEssen« die ideale Ernährungsweise in wenigen Worten
zusammen: »Verwenden Sie Nahrungsmittel auf pflanzlicher
Basis, am besten naturbelassen (vollwertig). Essen Sie
viele unterschiedliche Arten von Gemüse und Früchten,
außerdem rohe Nüsse und Samen, Bohnen und Hülsenfrüchte sowie volles Korn. Meiden Sie stark verarbeitete
Nahrungsmittel und tierische Produkte sowie Produkte
mit zusätzlichen Salz-, Öl- und Zuckerbeigaben.«
Immer wieder werde er bei Vorträgen gefragt, wie viel
Gramm Blattgemüse man täglich essen sollte oder in welchem
Verhältnis Kohlenhydrate, Eiweiße, Fette zueinander stehen
sollten, wie viel Vitamin C oder Magnesium man benötige.
Seine Antwort: »Entspannen Sie sich!« Denn bei einer
pflanzenbasierten Ernährung müssen wir uns mit solchen
Detailfragen gar nicht mehr beschäftigen: »Essen Sie einfach so viele verschiedene pflanzliche Nahrungsmittel wie
möglich, dann löst Ihr Körper die Rechenaufgaben allein!«
Lebendige Nahrung
Die Natur hält die gesündeste Ernährung für uns bereit:
Früchte, Gemüse, Getreide, Samen und Nüsse - Nahrung
voller Leben. Lebendige Nahrung ist ein Gewinn an Lebensqualität, mehr Gesundheit, mehr Vitalität und ein gutes
Gewissen: Für mich muss kein Tier mehr leiden und sterben!
Wer Fleisch von seiner Speisekarte gestrichen hat, kann
oft schon nach kurzer Zeit nicht mehr verstehen, wie es ihm
vor kurzem noch möglich war, Tierleichenteile - Muskeln,
Hinterteile, Hirn, Blut, Nieren, Leber, Magen... - zu essen.
Er entwickelt mehr und mehr Dankbarkeit für die Früchte,
die die Mutter Erde für uns bereithält.
Prof. Dr. Claus Leitzmann,
Dr. Markus Keller:
Vegetarische
Ernährung
3., aktualisierte u. erweiterte
Neuauflage 2013
Taschenbuch, kartoniert
380 Seiten
Verlag UTB / Ulmer
ISBN: 9783825238735
Preis: 22,99
Für jeden, der sich vegetarisch oder vegan ernährt,
liefert das Standardwerk »Vegetarische Ernährung« von
Prof. Dr. Claus Leitzmann und Dr. Markus Keller viel
Wissenswertes und wichtige Argumente.
Dr. Hans Günter Kugler:
Vegetarisch essen Fleisch vergessen.
Ärztlicher Ratgeber für
Vegetarier und Veganer
4., überabeitete u. erweiterte
Neuauflage 2014 · 128 Seiten
Gabriele-Verlag Das Wort
ISBN: 978-3892013679
Preis: 9,80 Euro
Ärzte mit langjähriger Praxiserfahrung geben in diesem
Buch die Ergebnisse der wichtisten Ernährungsstudien
leicht verständlich wieder und zeigen die Vorteile der
pflanzlichen Ernährung auf.
T. Colin Campbell:
InterEssen
Ernährungswissenschaft
zwischen Ökonomie
und Gesundheit
336 Seiten, Flexocover
Verlag systemische Medizin,
2014
ISBN: 978-3-86401-034-7
Preis: 29,80 Euro
Der Autor der »China Study« zeigt in diesem wichtigen
Aufklärungsbuch, wie einfach und hochwirksam es ist,
sich gesund zu ernähren.
FREIHEIT
FÜR
TIERE
Lifestyle: Tierfreundliche Rezepte
Gourmet
Rohkost
Buchvorstellung von Julia Brunke
»Ein ganzheitliches Wohlbefinden besteht unserer
Meinung nach aus drei Säulen: Einer ausgeglichenen
Gefühlswelt, einer gesunden, vitalstoffreichen Ernährung und körperlicher Betätigung«. Davon sind Sofia
Rab und Michael Brönnimann überzeugt. In ihrem
Buch »Gourmet Rohkost« stellen sie 70 Rezepte vor:
50 Freiheit für Tiere 4/2015
von Smoothies über Salate bis zu köstlichen Desserts.
Denn: »Vegane Rohkost schenkt Lebensfreude und
fördert die Selbstheilungskräfte, die in jedem von uns
schlummern.« Es geht um eine Ernährung mit naturreinen und unerhitzten Früchten, Gemüse, Nüssen und
Saaten für mehr Energie und Vitalität.
Und das geht ganz einfach und in kurzer Zeit: Sich einen
Smoothie, einen köstlichen Chia-Pudding mit pürierten
Früchten oder ein Rohkost-Süppchen zuzubereiten, braucht
nur wenige Minuten Zeit, schenkt jedoch viel Lebensenergie.
Die leckeren Rohkost-Rezepte lassen sich ganz einfach in jeden
Alltag einbauen und bereichern unsere tägliche Ernährung. Auch
wenn wir nicht völlig zu Rohköstlern werden: Wer einmal
damit angefangen hat, will Smoothies & Co. nicht mehr missen:
»Je mehr Rohkost Sie genießen, um so mehr wird ihr Körper
nach naturbelassener Nahrung verlangen«, schreibt Sofia Rab.
Eine Ernährung, die reich ist an Vitaminen, Mineralstoffen
und Enzymen vitalisiert den gesamten Körper, schützt die
Organe und ist auch noch ideal für eine schlanke Linie.
Im Gegensatz dazu steht bei herkömmlichen Diäten zum
Abnehmen die Quantität der Nahrung im Vordergrund und nicht
die Qualität. Mit einer vollwertigen, naturbelassenen pflanzlichen
Ermährung braucht niemand mehr Kalorien zu zählen!
»Die Nahrung soll euer Heilmittel sein«
Lebendige Nahrung enthält heilende Kräfte. »Die Nahrung
soll euer Heilmittel, die Heilmittel sollen eure Nahrung sein«,
wusste Hippokrates schon vor fast 3000 Jahren. In dem Buch
»Gourmet Rohkost« heißt es dazu: »Eine heilende Ernährung
ist ein ganzheitlicher Weg, der zu langfristiger Gesundheit und
Vitalität führt.« Unerhitzte, lebendige pflanzliche Lebensmittel
versorgen uns mit Enzymen, winzigen Eiweißmolekülen, die eine
bedeutende Rolle für unsere Organe, die Verdauung, den Stoffwechsel und die Zellerneuerung spielen.
Unterschieden werden die »guten« ungesättigten Fettsäuren
in Pflanzenölen und die gesättigten Fettsäuren aus tierischen
Produkten wie Fleisch, Milch und Eiern. Ein hoher Konsum
tierischer Fette und Transfette (gehärtete Fette in Fastfood) sind
eine Ursache von Zivilisationskrankheiten wie Übergewicht und
Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Arterienverkalkung, Herzinfarkt und Schlaganfall.
»Pflanzliche Öle aus Nüssen, Samen und Früchten sind die
kostbarsten Öle. Sie haben einen hohen Anteil an ungesättigten
Fettsäuren, also den besonders wichtigen essentiellen Fettsäuren,
und sind sehr reich an Fettbegleitstoffen«, schreibt die Autorin
in »Gourmet Rohkost«. Die Fettbegleitstoffe enthalten Vitamine
und wertvolle sekundäre Pflanzenstoffe wie Flavonoide und
Phytosterole. Essentielle Fettsäuren sind lebenswichtig, weil sie
nicht vom Körper hergestellt werden können, sondern über die
Nahrung aufgenommen werden. »Essentielle Fettsäuren halten
die Arterien von Ablagerungen frei, unterstützen die Fettverbrennung und den Stoffwechsel, wirken ausgleichend auf den
Blutdruck, verbessern die Gehirnfunktion und die Zellfunktionen
der Organe. Sie beteiligen sich am Aufbau der Zellmembranen,
beeinflussen das Immunsystem positiv und vermindern Entzündungen«, erklärt Sofia Rab. Sie weist darauf hin, dass durch
Erhitzen die wichtigen essentiellen Fettsäuren, Vitamine,
Mineralien und Enzyme verloren gehen. Daher ist es wichtig,
schonend kalt gepresste Öle zu verwenden. Beim Kauf hochwertiger Pflanzenöle in Bio-Qualität mehr Geld auszugeben, ist
eine lohnende Investition in die eigene Gesundheit. Achten
Sie bei pflanzlichen Ölen auf Rohkostqualität, also eine Kaltpressung unter 42 Grad.
Ab Temperaturen von über 42 Grad nehmen die Enzyme jedoch Schaden. Je höher die Temperaturen und je länger die Kochzeit, desto mehr Enzyme gehen in der Nahrung verloren. Wenn
wir Nahrung roh zu uns nehmen, wird die Enzymaktivität im
Körper erhöht. »Jede lebendige Nahrung enthält von Natur aus
die für sie bestimmten Enzyme, die sie benötigt, um ihre eigenen
Nährstoffe zu verdauen«, so Sofia Rab. »Es gibt mehrere tausend
Enzyme und jedes einzelne spielt eine wichtige Rolle bei der
Steuerung der verschiedenen Körperfunktionen und Organe.«
Übrigens sind diese hochwertigen Pflanzenöle nicht nur ein
Gesundbrunnen in unserer Ernährung, sondern auch als Hautpflege. In »Gourmet Rohkost« werden die verschiedenen Pflanzenöle mit ihren wertvollen Inhaltsstoffen und Eigenschaften
vorgestellt. Darüber hinaus gibt es einen eigenen Rezeptteil für
natürliche Schönheitspflege mit Masken & Peelings.
Einen besonders hohen Anteil an Enzymen haben Keimlinge
und Sprossen. »Beim Keimen findet ein Umbauprozess statt, der
den Nährwert erheblich steigert und die enzymhemmenden
Stoffe aus den Nüssen und Samen herauslöst«, erklärt Sofia Rab.
»Gourmet Rohkost« enthält 70 Rezepte für Smoothies,
Müslis, Suppen, Snacks, Salate, Nudeln, Cracker & Desserts.
Die Heilkraft der Natur gewinnt in unserer Zeit an Bedeutung:
Immer mehr Menschen interessieren sich für heimische
Wild- und Heilkräuter sowie die so genannten Superfoods wie
Acai, Baobab, Chia-Samen, Moringa und Weizengras, die in dem
Buch »Gourmet Rohkost« vorgestellt werden.
Kostbare Pflanzenöle
Auch heilende Pflanzenöle können sich sehr positiv auf
unsere Gesundheit und Vitalität auswirken. Denn bekanntlich
ist Öl nicht gleich Öl und Fett nicht gleich Fett.
Smoothies & Rohkost-Leckereien
Hinzu kommen einige Rezepte
für natürliche Schönheitspflege
mit Masken & Peelings. Auf etwa
40 Seiten wird viel Wissenswertes
über die naturgesunde pflanzliche
Ernährung komprimiert vorgestellt.
Sofia Rab, Michael Brönnimann:
Gourmet Rohkost
Flexicover · 264 Seiten
Unimedica-Verlag, 2015
ISBN: 978-3-944125-46-6
Preis: 29 Euro
Freiheit für Tiere 4/2015 51
FREIHEIT
FÜR
TIERE
Lifestyle: Tierfreundliche Rezepte
Nussmilch & Co.
Diese traumhaft seidige Nussmilch verwöhnt Körper und Seele. Das süßliche Aroma der Mandelmilch, der verzaubernd nussige
Geschmack der Haselnussmilch, der erdige Touch der Paranussmilch und das duftende Kokosaroma bieten einen Genuss,
der seinesgleichen sucht.
Für Nussmilch kann im Grunde jede Nussart verwendet werden. Nussmilch ist nährstoffreich und leicht verdaulich.
Hergestellt wird sie entweder aus rohköstlichen Nussmusen oder aus eingeweichten Nüssen.
Steingemahlene Nussmuse in Rohkostqualität enthalten das ganze Nährstoff- und Ballaststoffspektrum der Nüsse und verleihen
der Nussmilch einen samtig-weichen Geschmack. Eingeweichte Nüsse werden mit der 2- bis 3-fachen Menge Wasser püriert.
Nussmilch aus rohen Nüssen
Zutaten für 3 Gläser
Zubereitung
500 ml Quellwasser
200 g Nüsse (je nach Geschmack auch
mehr oder weniger)
1 Prise Himalayasalz
Etwas Bio Vanillepulver
Die rohen Nüsse einweichen. Die eingeweichten Nüsse mit der 2- bis 3-fachen
Menge Quellwasser in einem Standmixer pürieren.
Durch einen Nussmilchbeutel pressen und nach Absieben je nach Geschmack
mit Salz, Gewürzen und Süßungsmitteln anreichern.
Nussmilch in Gläser füllen.
Im Nussmilchsack verbliebene Faserstoffe können im Dörrgerät bei maximal
42 °C getrocknet und dann im Standmixer zu feinem Nussmehl verarbeitet
werden. Das Mehl luftdicht verschlossen im Kühlschrank aufbewahren.
Bild: © Sofia Rab und Michael Brönnimann
Nussmilch aus Nussmus
Zutaten für 2 Portionen
Zubereitung
400 ml Quellwasser
3-4 EL Nussmus (je nach Geschmack)
1 Prise Himalayasalz
Etwas Bio Vanillepulver
Alle Zutaten in einem Standmixer pürieren, bis eine glatte und cremige
Konsistenz entsteht.
Die Nussmilch lässt sich gut mit 2–3 Stück Datteln oder (etwas)
Agavennektar süßen.
Aus:
Freiheit für Tiere 4/2015 53
FREIHEIT
FÜR
TIERE
Lifestyle: Tierfreundliche Rezepte
Kokos-Thai-Suppe
Bild: © Sofia Rab und Michael Brönnimann
Der exotische, köstliche Geschmack dieser mit heilenden Gewürzen angereicherten Suppe verwöhnt Sie und Ihre Gäste.
Dazu schmecken hervorragend marinierte Curry-Cashewkerne und gedörrte Karotten, die gleichzeitig als Dekoration dienen.
Kurkuma gilt seit Jahrtausenden als wichtiges Heilmittel im Ayurveda. Dieses Gewürz wirkt stark entzündungshemmend,
unterstützt die Verdauung, stärkt das Immunsystem und verjüngt die Haut. Kurkuma ist fettlöslich. Lösen Sie für dieses Rezept
eine kleine Menge davon in Sesamöl auf.
Obwohl Rohkostsuppen nicht gekocht werden, wirken Gewürze wie Ingwer und Koriander wärmend und machen die Suppen
bekömmlicher. Koriander wie auch Ingwer verleihen nicht nur einen fantastischen Geschmack, sondern wirken auch entgiftend
und schmerzstillend.
Zutaten für 1 Portion
Zubereitung
Marinierte Cashewkerne
150 g Cashewkerne
1 1/2 EL Bio Tamari Soße
1-2 EL Agavennektar
1 TL Curry
1/2 TL Kurkuma
Marinierte Cashewkerne
Die Cashewkerne mit Tamari, Agavennektar und den Gewürzen mischen.
(Evtl. anschließend im Dörrgerät bei maximal 42 °C, 8-10 Stunden trocknen
lassen.)
Marinierte Karotten
1-2 Karotten
1 EL Agavennektar
1/2 EL Bio Tamari Soße
Marinierte Karotten
Die Karotten waschen, schälen und mit dem Spiralschneider in dünne Spiralen
schneiden. Die so entstandenen Karotten-Spaghetti mit Agavennektar und
Bio Tamari würzen. (Evtl. im Dörrgerät schonend 6-8 Stunden trocknen lassen.)
Korianderöl
6 EL Sesamöl
10 g Koriander
Korianderöl
Sesamöl mit Koriandergrün im Mixer vermengen.
Suppe
4 kleine Karotten
5 g frischer Koriander
1/3 Knoblauchzehe
1 Scheibe Zwiebel
1 Ingwerstück (ca. 1 cm), ungeschält
1-2 Stück getrocknete Mango
Suppe
Die Karotten waschen und in grobe Stücke schneiden. Knoblauchzehe und
Zwiebeln schälen. Alle Zutaten in den Standmixer geben und glatt pürieren.
Die fertige Suppe mit dem Korianderöl und den marinierten Nüssen sowie
Karotten dekorieren.
Aus:
Freiheit für Tiere 4/2015 55
FREIHEIT
FÜR
TIERE
Lifestyle: Tierfreundliche Rezepte
Mangotorte
Für eine Springform mit 24cm Ø
Zubereitung
Zutaten Boden
80 g Mandeln, geschält
50 g Kokosnuss, geraspelt
20 g Kokosblütenzucker
4 EL Kokosöl
1 Prise Himalayasalz
Tortenboden
Kokosöl schonend über einem Wasserbad schmelzen lassen. Geschälte Mandeln
mit Kokosraspeln, Kokosblütenzucker und Salz im Küchengerät fein zerkleinern,
anschließend geschmolzenes Kokosöl beigeben und alles gut mischen.
Den Teig auf dem Boden der Tortenform verteilen und gut andrücken.
Kurz in den Kühlschrank stellen.
Zutaten Creme
200 g frisches Mangofleisch
60 g getrocknete Mango
(eingeweicht: etwa 120 g)
20 g Irish Moss Paste *
80 g Agavennektar
Schale einer unbehandelten Limette
1 Limette, ausgepresst
1 Prise Himalayasalz
55 g Kokosöl
55 g Kokosnussmus
5 g Sonnenblumen-Lecithin
Creme
Das frische und das eingeweichte Mangofleisch mit der Irish Moss-Paste,
Agavennektar, Limettensaft und Limettenschale im Standmixer fein pürieren.
Das Kokosöl und das Kokosnussmus schmelzen und mit dem Lecithin unter
die Creme rühren.
Die Masse auf dem Teigboden verteilen und über Nacht in den Kühlschrank
stellen.
Die fertige Torte mit Kokosraspeln bestreuen und mit Limettenscheiben,
einigen Veilchenblüten und Zitronenmelisseblättern dekorieren.
Dekoration
Halbierte Limetten
Kokosraspeln
Veilchen
Etwas Zitronenmelisse
Aus:
56 Freiheit für Tiere 4/2015
* Irish Moss-Paste
Irish Moss ist die gesunde pflanzliche Alternative zu Gelatine. Es ist eine Rotalge
und eine excellente Quelle von Mineralien wie Jod, Zink, Beta-Carotin, Kalzium,
Eisen, Magnesium, Phosphor, Mangan, Selen, Pektin u.v.m. Mit ihrer gelartigen
Konsistenz stabilisiert sie Kuchen, Puddings und Cremes in der Rohkostküche.
30 g Irish Moss in einer Schüssel für 4 Stunden oder über Nacht im Kühlschrank in Quellwasser einweichen. Das eingeweichte Irish Moss gründlich
unter fließendem Wasser abwaschen und danach im Standmixer mit 180 ml
Wasser pürieren, bis eine geschmeidige Masse entsteht.
Die Mixtur in ein Glas füllen und das Ganze in den Kühlschrank stellen,
damit die Masse dicker wird und sich eine gelartige Konsistenz entwickelt.
Die Paste ist gut 1 Monat haltbar und lässt sich portionsweise auch tiefkühlen.
Bild: © Sofia Rab und Michael Brönnimann
Dieser Mango-Cheesecake mit Limette und Kokosnussmus verwöhnt den Gaumen.
Seine helle Farbe und der intensive Mangogeschmack in Kombination mit erfrischender Limette
wirkt aufhellend auf Geschmackssinn und Seele. Kokosnussmus verleiht der Torte eine cremige Konsistenz.
Sie ist leicht verdaulich und auch für Nussmusallergikerinnen und -allergiker geeignet.
FREIHEIT
FÜR
TIERE
Neues Messethema im Herbst 2015
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für Tiere
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Ernährungsbewusste Menschen finden
Mitmach-Kochen, Smoothie Werkstatt und
auf der veggie & frei von ein leckeres An-
Verkostungen. Im Fokus stehen außerdem
gebot gesund und vegetarisch bzw. vegan
„frei von-Produkte“, die Lösungen bei
zu genießen. Mit aktiven Bereichen wie
Allergie und Unverträglichkeiten bieten.
FREIHEIT
FÜR
TIERE
Leserbeiträge
Vegetarismus als ein »den Tieren das
Futter wegfressendes« Bakterium
Von Anja Engelhardt, 16 Jahre, Leipzig
(Aus persönlichen Einstellungen und Gründen
bin ich Vegetarier und habe auch nicht vor,
meine Einstellung zu revidieren)
In der heutigen Zeit sind Vegetarier
unter den Allesfressern keine Seltenheit mehr. Vielmehr laufen sie einem
ständig über den Weg - und ihre
eigenen ideellen Weltanschauungen
verbreiten sich wie das Bakterium im
Europa des 14. Jahrhunderts, genannt
Pest, an unschuldige Mitbürger.
Tagtäglich isst man Fleisch vom
Schwein, Rind und Geflügel. Wenn ich
so darüber nachdenke, sieht mein Hund
doch auch gleich ganz lecker aus. Zu
dumm nur, dass er den Part »bester
Freund des Menschen« eingenommen hat
- und somit in unseren Kreisen ein deftiger
Hunderücken doch eher als unsittlich gilt.
Ähnliches gilt für Katzen oder Meerschweine. In
anderen Teilen der Welt sieht dies jedoch etwas anders aus.
Schätzungsweise rund 20 Millionen Schweine landen bei uns
jährlich ungenutzt in der Mülltonne. Im wahrsten Sinne des
Wortes weggeschmissenes Leben.
Am interessantesten ist jedoch die Reaktion der Menschen,
wenn sie mit ansehen sollen, wie ein Tier geschlachtet wird,
bzw. wenn sie die zu verzehrenden Tiere zuvor lebend gesehen
hatten. Nicht untypisch sind Sätze wie »Och Gott, der Arme!«,
»Den kann ich jetzt aber nicht mehr essen, das tut mir zu leid!«
oder »Ich kann den einfach nicht töten, schau mal, wie der
guckt!« Dass der Anblick des Tieres einen davor abschreckt,
es zu essen, kann ich sehr gut nachvollziehen, allerdings weiß
man doch gewöhnlicher Weise auch, was man da auf seinem
Teller liegen hat, beispielsweise ein junges Kalb. Oder ist die
Gier, es zu essen, so groß, dass alles andere unwichtig erscheint?
Ähnliches passiert bei provozierenden Bildern und Videos:
Man nehme ein paar Bilder von kopflosen Hühnern, aufgeschlitzten Schweinen, von in den Kopf geschossenen Pferden
und in Stücke zerteilte Ochsen und ein paar Videos von Kühen
in Blutlachen, um ihr Leben schreiende Schweine und heraus
kommt eine Mischung aus absonderlichem und ekelhaftem
Material - perfekt, um sich darüber aufzuregen, es als unangebracht
zu melden und währenddessen genüsslich in ein Schinkensandwich zu beißen, obwohl die Message eine ganz andere war.
Ein Herz ähnlich meinem, zwei Augen ähnlich meinen, vielleicht ein bisschen besser, vielleicht ein bisschen schlechter, eine
Nase im Gesicht und zwei Ohren zum Hören, ähnlich meinen,
vielleicht ein bisschen besser, vielleicht ein bisschen schlechter.
Leben ist doch letztendlich Leben und Gleiches bleibt gleich.
Wahllos Tiere zu töten, ohne die Absicht zu haben, sie zu
verspreisen, ist verboten. Der Radiosender Radio24syv aus
Dänemark provoziert mit einer Tötung eines Kaninchens
während einer Livesendung. Die Message sollte lauten, dass
Tausende Tiere täglich sterben müssten und es somit darum
ginge, auf die grausamen Methoden der Agrarwirtschaft aufmerksam zu machen.
Soll ich nun eine Livesendung aufnehmen, in der ich vorher
Videos und Bilder von einem Flüchtling in einem Boot präsentiere, um ihn dann später ertrinken zu lassen und dies zu
filmen, nur um zu zeigen, wie schlimm es doch ist, über das
Mittelmeer zu flüchten? Tierquälerei und der Ruf nach Aufmerksamkeit - mehr ist aus dieser Aktion einfach nicht rauszuholen.
Die Reaktion der Bevölkerung auf diese Propaganda-Aktion
repräsentiert jedoch das schon eben angesprochene Phänomen.
Die Tatsache ist: Egal, wo man hinkommt als Vegetarier, muss
man sich Sprüche anhören wie: »Du frisst den Tieren das
Futter weg!«, »Du weißt aber schon, dass die Tiere, obwohl du
Vegetarier bist, trotzdem sterben?« oder »Und wie viele
Tabletten musst du schlucken? Dir fehlt doch so viel in deiner
ungewöhnlichen Ernährung!« Das Schönste, welches mir je zu
Ohren gekommen ist, war allerdings: »Wenn du die Leute um
dich herum überreden wollen würdest, auch Vegetarier zu
sein und somit auf Fleisch zu verzichten, würde ich dich hassen.«
Ich dachte, es wäre an der Zeit, dass solche Geschichten der
Vergangenheit angehören, in denen beispielsweise Anfang des
12. Jahrhunderts in Südfrankreich ganze Dörfer ausgerottet wurden,
nur weil man den Verdacht hatte, es könnten Vegetarier und
Veganer unter ihnen sein. Freiheit bedeutet, seine eigene
Meinung frei zu äußern und dafür akzeptiert und respektiert
zu werden. Wieso versucht man, dagegen anzukämpfen?
Wieso schafft es niemand, die Gewohnheiten und Vorlieben
anderer kennenzulernen, bevor man sie verurteilt?
Es soll Menschen geben, die nicht ohne Fleisch leben
können. Mit keiner Silbe will ich darauf hindeuten, dass es
schrecklich, gar ein Verbrechen wäre, wenn man Fleisch isst.
Vielmehr möchte ich darauf hinweisen, bewusster mit den
Lebensmitteln umzugehen und darauf zu achten, was man isst.
»Man ist, was man isst.« Dieses Sprichwort ist in diesem
Zusammenhang gar nicht mal so verkehrt.
Freiheit für Tiere 4/2015 59
FREIHEIT
FÜR
Leserbeiträge
TIERE
LESERBEITRÄGE
Tierschutzgerechtes Fleisch?!
Unserem örtlichen Blättchen lag ein Werbeangebot von
REWE für Fleisch bei. Und weil es auf Seite 4 oben das
Zeichen von »Vier Pfoten« trägt, also deren Empfehlung, bin
ich geradezu entsetzt.
Demnach soll der Mensch also Fleisch fressen, so viel er kann?
Es heißt: »Erleben Sie den allerhöchsten Fleischgenuss aus aller
Welt!« Und : »Delikat, exklusiv, einzigartig: American Beef«
und »Ursprünglich, saftig, intensiv: Köstliches Beef von der
grünen Insel«. So geht es in dem Prospekt seitenlang.
Ich bin so platt, dass ich zittere und kaum schreiben kann.
Ich dachte, es ist wohl ein Aprilscherz - aber nein! Was meinen
Sie?
Eva Maria Zwicker, 82057 Icking
Antwort der »Freiheit für Tiere«-Redaktion:
»Vier Pfoten« hat ein angebliches Gütesiegel »Tierschutzkontrolliert« eingeführt: Es »kennzeichnet Produkte von
Tieren, die unter besseren Bedingungen leben als in der
konventionellen Tierhaltung«, behauptet Vier Pfoten.
Auch der Deutsche Tierschutzbund hat ein angebliches
Tierschutzlabel »Für Mehr Tierschutz«: Damit »werden Produkte
tierischen Ursprungs gekennzeichnet, denen Tierschutzstandards
zugrunde liegen, die für die Tiere einen wirklichen Mehrwert
an Tierschutz gewährleisten«, behauptet der Tierschutzbund.
Solche angeblichen »Tierschutz-Siegel« auf Fleischprodukten
sind mit echtem Tierschutz nicht zu vereinbaren: Tiere kann
man nur schützen, wenn man sie NICHT für die Schlachtung
einsperrt und mästet. Echte Tierschützer essen keine Tiere.
Übrigens hat auch der Vegetarierbund sein Logo an die
Firma »Rügenwalder« vergeben, deren vegetarische »Schinken
Spicker« und »Mühlen Frikadellen« 67 bis 71 % Hühnerei enthalten. Dabei heißt es auf der Internetseite des Vegetarierbunds
unmissverständlich: »Die Hühner leiden unter der ihnen angezüchteten unnatürlichen Legeleistung. Alle Legehennen
werden nach einer Legeperiode im Alter von knapp eineinhalb Jahren geschlachtet. Ihre Brüder werden direkt nach
dem Schlüpfen getötet. (…) Der beste Weg, das Leiden der
Legehennen zu verhindern, ist, keine Eier und Produkte, die
Ei-Bestandteile enthalten, zu konsumieren.«
Natürlich ist es eine positive Entwicklung, wenn große
Fleischprodzuzenten neuerdings vegetarische Alternativen anbieten. Sicherlich können Rügenwalder Vegi-Würste für so
manchen ein Einstieg sein, den Fleischkonsum zu reduzieren.
Bis Ende 2016 will Rügenwalder 30 Prozent des Gesamtumsatzes mit vegetarischen Produkten erzielen. Auch die
anderen Mega-Fleischfabriken wollen auf den Veggie-Boom aufspringen: Wiesenhof und Tönnies (u.a. mit der Wurstmarke
Marke »Gutfried«) bringen neuerdings Veggie-Fleisch auf den
Markt. »In einem wahnsinnigen Tempo baut die Fleischindustrie
auf einen lukrativen Trend«, meldete das Agrarmagazin DLZ
am 24.4.2015. Der Grund: Der Wurstumsatz in Deutschland
geht seit Jahren immer weiter zurück.
Allerdings werden deswegen in Deutschland nicht weniger
Tiere geschlachtet: Die Fleischproduzenten setzen (ebenso
wie die Milchproduzenten) auf den Export nach Afrika und
Asien. Vor allem China ist ein wachsender Markt.
Wenn Sie dies nicht unterstützen möchten, kaufen Sie
Veggie-Wurst nicht bei von den Fleischproduzenten, sondern
bei Herstellern, die ausschließlich pflanzliche und damit tierleidfreie Produkte anbieten.
DER TIERLEICHEN-FRESSER
»Wahre menschliche Kultur gibt es erst, wenn nicht nur Menschenfresserei,
sondern jede Art des Fleischgenusses als Kannibalismus gilt.« Wilhelm Busch
92 Prozent aller Deutschen essen regelmäßig gewürzte, gesottene und gebratene Leichenteile.
In ihrem Auftrag töten Schlächter Millionen von Tieren, schneiden die Kadaver auseinander und
hängen sie ab. Der Verwesungsprozess beginnt. Den Leichenteilen werden Gewürze und Geschmacksverstärker hinzugegeben. Im Supermarkt findet der Kunde die Tierleichen unter der Bezeichnung »Fleisch« in der Kühltheke wieder.
DER TIERLEICHENFRESSER wirft einen Blick hinter die Kulissen von Massentierhaltung und
Schlachthöfen: Was tun wir eigentlich den Tieren an? Und was ist mit Fleisch-Skandalen, Antibiotikamissbrauch und anderen gesundheitlichen Gefahren? Auch Welthunger, Klimakatastrophe und Umweltzerstörung sind eine Fleischfrage.
Nach der ersten Auflage 2001 mit vielen Tausend Exemplaren wurde die Kult-Broschüre
DER TIERLEICHENFRESSER immer wieder nachgedruckt, überarbeitet und aktualisiert.
DER TIERLEICHENFRESSER · 4. überarbeitete und erweiterte Auflage 2014
48 Seiten, A4, mit vielen Farbbildern · Preis: 4,- Euro - Bestellen im Brennglas-Shop, Seite 63
60 Freiheit für Tiere 4/2015
FREIHEIT
FÜR
TIERE
Leserbeiträge · Impressum
FREIHEIT
für Tiere
Anschrift der Redaktion:
Verlag Das Brennglas GmbH
Hernster Str. 26
D-97892 Kreuzwertheim
Bestell-Telefon: 09391/50 42 36
Fax 09391/50 42 37
e-mail: [email protected]
www.freiheitfuertiere.com
www.brennglas.com
www.facebook.com/
Freiheit.fuer.Tiere.Magazin
»Freiheit für Tiere« beim Infostand der »Initiative zur Abschaffung der Jagd« auf dem
Umweltfestival in Berlin am 14. Juni 2015
Umweltfestival in Berlin
Es waren wieder viele interessierte Menschen
am Stand, von jung bis alt, vom Naturschützer
bis zum Jäger. Ein älterer Herr hat alle Ausgaben
von »Freiheit für Tiere« durchgeblättert, weil
er eine bestimmte Karrikatur von Bruno
Haberzettl so gut fand und mitnehmen wollte.
Das Hauptthema waren natürlich wieder die
Wildschweine. Danach kam das Thema Wolf.
Insgesamt, denke ich, haben wir wieder ein
gutes Stück zur Aufklärung über die Jagd und
damit zu ihrer Abschaffung beigetragen.
Ralf Böhm, Berlin
Herausgeber: German Murer
Verlag Das Brennglas GmbH
Redaktioneller Inhalt:
Julia Brunke (verantw.)
Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben
nicht unbedingt die Meinung der Redaktion
wieder. Für unverlangt eingesandtes und nicht
mit Urhebervermerk gekennzeichnetes Bildund Textmaterial haftet die Redaktion nicht.
Druck:
Klardruck GmbH, Marktheidenfeld
gedruckt auf 100% Recycling-Papier
EU-Ecolabel · FSC zertifiziert
»Auch wenn es gute Nachrichten aus
Luxemburg gibt, es ist immer noch der
blanke Horror, was da im Wald passiert«,
Jürgen Matthes, Berlin
Vergünstigtes Jahresabo
(nicht kostendeckend):
Deutschland: 15,- Euro
Österreich: 16,50 Euro
Schweiz: SFr. 23,50
Förder-Abo: 30 oder 50 Euro jährlich
Bericht über Anti-Schlachthoftage
»Tierisch« gefreut
Vielen Dank, dass Sie wieder über die tollen
Tierschützer von Respektiere in »Freiheit für
Tiere« (3/2015) berichtet haben. Bitte unterstützen Sie diese aufopfernden Tierschützer
weiterhin in ihrer so wichtigen Arbeit und für
den mutigen Einsatz für die Tiere. Über
weitere Berichte aller Tierschützer würde ich
mich freuen. Nochmals vielen Dank!
Susanna Sikorski per e-mail
Hallo liebes »Freiheit für Tiere«-Team! Ich
bin vor kurzem Abonnent geworden und freue
mich nach ihrer ersten Zusendung »tierisch«
über die Zeit und den Raum, den sie meinen
Herzgeschichten damit einräumen.
Als Mitglied von www.veggruf.at liegt
unser Herzbestreben im gleichen Bewusstsein,
wie Sie es mit Ihren Zeitschriften schreiben...
Roswitha Rhomberg, A-3680 Persenbeug
NEU: Fuchs-Flyer · GRATIS
Füchse - Gejagte Überlebenskünstler
Füchse haben zu Unrecht einen schlechten Ruf, und
so ist es wichtig, jede Gelegenheit zu nutzen, falsche
Annahmen zu korrigieren und Sympathie zu wecken.
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Dadurch soll das Leid der Tiere,
z.B. in den Versuchslabors, in der
Massentierhaltung etc. vermindert
bzw. gestoppt werden. Die Gesellschaft verfolgt ausschließlich und
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Freiheit für Tiere 4/2015 61
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Ausgabe 1/2016 Dez. /Jan. / Feb. erscheint Ende November
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Freiheit für Tiere - Die Zeitschrift, die den Tieren eine Stimme gibt
Freiheit für Tiere setzt sich kompromisslos sowohl für
unsere Haustiere als auch für die Millionen Schlachttiere,
Versuchstiere und die Wildtiere in unseren Wäldern ein.
Die Vision von Freiheit für Tiere ist ein friedfertiges
Zusammenleben von Mensch und Tier.
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