1
Manuskript
radioWissen
SENDUNG:
15.10.2015
9.05 Uhr
AUFNAHME:
STUDIO:
BIOLOGIE, NaTe
Ab 8. Schuljahr
TITEL:
Der Dachs
Auf den Spuren von 'Meister Grimbart'
AUTOR/IN:
Christiane Seiler
REDAKTION:
Bernhard Kastner
REGIE:
Sabine Kienhöfer
TECHNIK:
Siglinde Hermann
PERSONEN:
Sprecherin
Hemma Michel
Zitator
Benedikt Schregle (PS)
Zuspielungen:
Jens Schlüter, Forstwirt in Zwiesel; Derk Ehlert, Biologe,
Wildtierbeauftragter des Berliner Senats; Stefan Achatz, Bauer im
Landkreis Regen
Besondere Anmerkungen:
Dieses Manuskript wird ohne Endkorrektur versandt und darf nur zum privaten Gebrauch verwendet werden.
Jede andere Verwendung oder Veröffentlichung ist nur in Absprache mit dem Bayerischen Rundfunk möglich!
© Bayerischer Rundfunk 2015
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42 Cent pro Minute) Fax: 089/5900-46258 [email protected]rn2.de; www.bayern2.de
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Musik Animation Z9506549 112
Zitator2 (Harry Rowohlt1)
Immer schon wollte der Maulwurf den Dachs kennenlernen. Dieser schien eine in
jeder Hinsicht wichtige Persönlichkeit zu sein, die, obschon sie selten in Erscheinung
trat, ihren unsichtbaren Einfluss überall und für jeden spürbar geltend machte.
Musik aus
OT1 Bauer
(Schritte, Kinderstimmen), Ich hab ihn bis jetzt noch nie gesehen, i kimm um die zeit
normal nit aussa, wenn der unterwegs ist wahrscheinlich. Weil, a Jaga bin i keiner
und so, du hast Familie und was weiß'n i ...
Sprecherin
Den Dachs kennenlernen möchte der Maulwurf aus dem englischen KinderbuchKlassiker von Kenneth Graham "Der Wind in den Weiden", übersetzt und gelesen
von Harry Rowohlt. Das kann schwierig werden, weiß Stefan Achatz, Bauer im
Bayrischen Wald. Auf seinem Grund und Boden beherbergt er einen großen
Dachsbau. Und hegt für den unsichtbaren Baumeister durchaus Bewunderung:
OT2 Bauer
(Bach plätschert) Der hat ungefähr 10 Kubikmeter Erdreich rausgeholt, aus dem
Boden. Des muss a Riesen-Gangsystem sein, also Wahnsinn... und der ist so stabil,
der ist direkt unter dem Weg, da fahr ich mit dem Traktor drüber. (Bach plätschert,
Stimmen)
OT3 Jens Schlüter
Der Landwirt duldet den Dachs, wahrscheinlich mag er ihn auch, oder hat nichts
dagegen, warum auch, der Dachs macht ja hier in seiner Landwirtschaft keine
Schäden ...
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Sprecherin
Jens Schlüter ist Forstwirt und Geschäftsführer des Bund-Naturschutz in Zwiesel.
Bauer Achatz hat ihn zu einer Besichtigung seines Dachsbaus eingeladen. Auf
seinen Hof bei Arnbruck im Landkreis Regen.
OT4 Jens Schlüter
Wir haben hier eben neben dem großen Waldgebiet Bayerischer Wald auch
bäuerliche Kulturlandschaft und in genau der sind wir jetzt, wir sind an einem kleinen
Waldstück einem kleinen hügligen Waldstück, umgeben von Wiesen und Weiden,
und in dem Waldstück hat der Dachs eben seinen Bau ...
Musik Selections from Pirates of the Caribbean: Dead man's chest: Jack
Sparrow
C1412910 006
Sprecherin
Der europäische Dachs ist ein Raubtier und gehört zur Familie der Marder. Sein
Lebensraum erstreckt sich von Mittelschweden bis Süditalien und von Portugal bis
zum Ural. Zur selben Gattung gehören die asiatischen Dachse. Mit dem Silberdachs
in Amerika und dem Honigdachs in Afrika und Asien ist er hingegen nur sehr entfernt
verwandt. In den Alpen siedelt der europäische Dachs bis zu einer Höhe von 2.000
Metern. Sein Gewicht schwankt, je nach Jahreszeit, zwischen sieben und 15 kg,
Männchen werden etwas größer und schwerer als die Weibchen. Vom Scheitel bis
zum Schwanzansatz messen Dachse um die 70 cm. Der Dachs ist kurzbeinig und
gedrungen, sein Fell grau meliert, am Bauch oft gelblich. Er hat runde kleine Ohren,
kleine Augen und eine rüsselförmige Schnauze. Sein Markenzeichen aber ist die
schwarz-weiße Gesichtsfärbung: Von der Nase über die Augen führen schwarze
Streifen bis hinter die Ohren. Die Oberseite des Kopfes ist weiß. Wie Bären und
Menschen sind Dachse Sohlengänger. Deshalb sind an ihren breiten Spuren deutlich
die Abdrücke von fünf Zehen zu erkennen. Die stärksten Krallen besitzen Dachse an
den besonders kräftigen Vorderpfoten. Die brauchen sie, um im Erdreich ihre Höhlen
zu graben.
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Zitator
Drei Viertel seines Lebens
Verschläft der Dachs vergebens
Musik aus
Sprecherin
… zitiert Alfred Brehm in Brehms Tierleben. Ob der Dachs vergebens schläft, sei
dahingestellt. Und drei Viertel seiner Lebenszeit wird der Schlaf auch nicht in
Anspruch nehmen. Diese Volksweisheit gehört wohl zu den vielen Irrtümern und
Geschichten, die sich um den Dachs ranken. Wie soll man auch herausfinden, was
er unter der Erde treibt, wo er die meiste Zeit seines Lebens verbringt?
Musik
2 Szenen aus Modern Times 72055320 W00
Zitator2 (Harry Rowohlt 2)
"Könntest du ihn nicht einladen – zum Abendessen oder so?", fragte der Maulwurf.
"Er würde nicht kommen", gab die Ratte schlicht zurück. "Der Dachs hasst
Gesellschaft. Und Einladungen. Und Abendessen. Die ganze Richtung hasst er."
"Und wenn wir ihn besuchten", schlug der Maulwurf vor.
"Ich bin ganz sicher, dass ihm das schon gar nicht behagen würde", sagte die Ratte
recht beunruhigt, "er ist so überaus scheu, dass er in einem solchen Fall bestimmt
beleidigt wäre."
Musik aus
Sprecherin
Tatsächlich schätzt der Dachs keine Besuche, er ist ein diskretes, vorsichtiges Tier.
Deshalb ist es auch sehr schwer, ihn zu beobachten. Jäger bekommen ihn
gelegentlich zu Gesicht, oder andere Menschen, die sich auch in der Dunkelheit viel
in der Natur aufhalten. Eher als sehen, kann man den Dachs unter Umständen
hören. Sogar am Stadtrand einer Großstadt, meint Derk Ehlert. Er ist der
Wildtierbeauftragte des Berliner Senats:
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OT5 Ehlert
Also wenn Dachse paarungsbereit sind, dann hört sich das ganz jämmerlich an, als
ob Kinder schreien, also das ist unüberhörbar, damit verbunden ist ja auch die
Partnersuche und die können so über drei Kilometer zu hören sein, übrigens haben
sie nicht nur so laute Stimmbänder, sondern auch sehr feine Nasen, die können also
den jeweiligen Geschlechtspartner über mehrere Kilometer Entfernung, bei günstiger
Witterung, riechen.
Sprecherin
Im Volksmund gilt der Dachs als mürrischer, grimmiger Einzelgänger. Grimbart heißt
er in der mittelalterlichen Versdichtung vom Reineke Fuchs. Der Name bezeichnet –
so steht es im Grimmschen Wörterbuch – einen alten, grimmigen oder mürrischen
Kerl und sei …
Zitator
… entstanden aus dem Eigennamen Grimbert, der erst nachträglich umgestaltet
wurde zu einer Bildung ähnlich Dummbart, Brummbart, Knasterbart.
Sprecherin
Johann Wolfgang von Goethe hat den Stoff des Reineke Fuchs zu einem Epos in
Hexametern umgeformt. Von einem mürrischen Naturell des Dachses ist darin nichts
zu merken. Im Gegenteil: Grimbart, Neffe des schlauen und vollkommen
skrupellosen Fuchses, zeichnet sich durch Engelsgeduld aus. In unverbrüchlicher
Treue steht er zu seinem Onkel, dem Übeltäter, selbst noch als dieser ihn verleugnet,
um seine Haut zu retten. Immer wieder versucht der Grimbart den heuchlerischen
Fuchs von seinen schlimmen Taten abzubringen – natürlich vergeblich.
Musikakzent Der schalkhafte Pinocchio begegnet dem starken Ferdinand
E0007900 106
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OT6 Bauer, Jens und Kinder
Zweige knistern
Bauer: So, jetzt sehn wir ihn schon. Des is der Aushub von dem Bau, dem größten.
Schritte, Zweige knistern, Stimmen
Sprecherin
Diese Expedition zum Dachsbau, in Gesellschaft von einem halben Dutzend
Erwachsenen und Kindern, führt natürlich nicht zu einer Begegnung mit dem
scheuen Höhlenbewohner. Aber die Ergebnisse seiner Grabungen sind überall in
dem Waldstück zu bewundern. Im Boden befinden sich große Löcher, vor einem
türmt sich hüfthoch ein beeindruckender Sandberg.
OT7 Jens Schlüter
Also an diesem Einstieg, ... sieht man ganz genau, wie tief oder groß das System
sein muss, wenn man allein den Aushub ansieht, diesen sandigen Aushub, der da
rumliegt, und natürlich sieht man auch ganz schön, wie der Dachs jeden Abend rein
und raus kommt. Durch diese Gasse im Sand.
Sprecherin
Das Loch geht schräg in den leicht abschüssigen Boden hinein. Ein Trampelpfad
führt durch den Sandhügel hinunter zu einem kleinen Waldweg, den der Dachs
offenbar nutzt, um auf die Wiese hinaus zu gelangen. Ein Musterbau, meint der
Forstwirt Jens Schlüter:
OT8 Jens Schlüter
In der Literatur kann man ja lesen, dass Dachse am liebsten ihre Bauten in
Südwestlage anlegen, dazu noch in 'nem hügeligen Teil, am besten mit Waldrand,
und alle diese drei Faktoren haben wir hier: wir haben einen Hügel, wir haben
Südwestlage und wir haben dazu noch einen Waldrand. Und des ist natürlich das
Optimale für den Dachs, damit er alles vor seiner Haustür hat. Nämlich Deckung
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durch den doch hier dichten Wald am Hügel und natürlich verschiedene
Nahrungsquellen auf der Wiese oder am Waldrand. Man sieht ja, die Nähe zum
Menschen stört ihn generell nicht ...
Sprecherin
Eine Studie zu Dachsen im Bayerischen Wald hat gezeigt, dass die Tiere in
zusammenhängenden Waldgebieten wesentlich weniger dicht beieinander wohnen,
als in der Kulturlandschaft. Erst seitdem man Tiere mit Sendern ausrüsten kann, hat
man herausgefunden, dass einzelne Dachse nachts oft weite Strecken zurücklegen,
dass sie zu mehreren zusammenleben und sich gegenseitig besuchen. Aber wie
nahe kommen sie den Siedlungen der Menschen? Wie weit dringen sie in die
Großstadt vor? Derk Ehlert aus Berlin:
OT9 Derk Ehlert
Also es gibt schon etliche Dachse, so zwischen 50 und 80 Dachse werden es wohl
sein, die in Berlin zuhause sind, aber, tatsächlich, man bekommt sie kaum zu sehen.
Grundsätzlich ist es so, dass Dachse nicht im Stadtzentrum leben, das ist wichtig,
noch mal deutlich zu machen, sie haben bevorzugte Wohnlagen, und all das finden
sie im Bereich Berlin-Brandenburg doch wunderbar, auch in der städtischen Region,
aber dann sind es immer Ecken, die doch geschützt sind. Geschützt wie zum
Beispiel viele Wasserwerksgrundstücke oder Friedhofsanlagen oder aber ähnlich
gelagerte Flächen, die zwar von der Qualität her genau das aufweisen, was der
Dachs braucht, aber doch 'nen Zaun drum rum haben, dass nicht jeder reinkommt.
Musik At the pictures 72055370 000
Sprecherin
Dennoch wurde im Jahr 2012 ein Dachs im Berliner Stadtzentrum gesichtet und
sogar gefilmt. Er hatte sich in einen Hinterhof in Charlottenburg verlaufen und fand
tagelang nicht heraus. Eine Berliner Boulevardzeitung brachte ein Foto des Tieres,
das die Treppe eines Altbaus hinunterstieg.
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Woher dieser Dachs kam und warum er sich in das Haus verirrt hatte, blieb
ungeklärt. Vielleicht sei er über einen grünen Korridor, etwa die S-Bahn Trasse, in die
Stadt hineingelangt, vermutet Ehlert. Oder es habe sich um einen
handaufgezogenen zahmen Dachs auf Wanderschaft gehandelt. Denn der Dachs ist
zwar ein Kulturfolger, aber anders als Füchse, die auf Berlins Straßen inzwischen
häufig umherstreifen, sucht er normalerweise nicht im Müll nach Futter.
Musik aus
Der Speiseplan der Dachse ist sehr vielfältig und abhängig davon, was die Saison
ihnen gerade bietet. Biologen haben Kotproben analysiert und kamen zu einem
überraschenden Ergebnis: Das Hauptnahrungsmittel dieser Raubtiere sind
Regenwürmer, nur gelegentlich erbeuten sie auch junge Mäuse oder Kaninchen. Bei
der Nahrungssuche verlassen Dachse sich weniger auf das Auge als auf die anderen
Sinne:
OT10 Jens Schlüter
Er hört gut und er riecht noch besser. Als nachtaktives Tier muss man nicht viel
sehen, und wenn man seine Beute am Boden sucht, und die nicht davon laufen kann
wie Regenwürmer oder reife Pflaumen, dann ist man auch nicht auf Schnelligkeit
angewiesen, sondern man kann eher gemütlich durchs Unterholz streifen und dann
ist er eben mit seiner Nase am Boden unterwegs, und er schnüffelt eben überall rum
und des hört man eben auch. Wenn er z. B. nach Regenwürmern oder Engerlingen
sucht, oder nach Pilzen, Trüffeln, Schnecken. Also er schnauft dann so (macht
Schnaufen nach).
Fressgeräusche
Sprecherin
Wenn es nötig ist, können Dachse sogar ganz auf pflanzliche Kost umsteigen. Wenn
im trockenen Boden kaum mehr Regenwürmer vorhanden sind, schlemmen sie
gerne Äpfel, Birnen und Zwetschgen. Und es gibt eine Feldfrucht, die ihnen
besonders köstlich schmeckt, den Mais.
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Bauer Stefan Achatz sieht die Angelegenheit gelassen:
OT11 Bauer
Bauer: I hob ihn gspürt, i hob a Maisfeld gehabt und da ist er regelmäßig nei gangen
und hat den mais ...
ich: und hat er da schaden angerichtet?
Bauer: mei, des wenn ein Prozent vom ganzen Feld war. Also Wildschweine machen
da a ganz andres Ding. So war's net ...
Musik
Résonance
M0010659049
Zitator2 (Harry Rowohlt3)
Sicherheit, Frieden und Ruhe - das gibt es doch nur unterirdisch.
Musik aus
Sprecherin
Schwärmt der Dachs in dem Kinderbuch "Der Wind in den Weiden".
OT12 Jens Schlüter
Die vielen Ausgänge zeigen auch, dass es hier ein großer Dachsbau sein muss und
der schon ziemlich lang bewohnt ist. Unter uns befindet sich ein weitverzweigtes
Tunnelsystem, und natürlich die verschiedenen Kammern, in denen der Dachs seine
Tage verbringt, und nachts ist er dann in Wald und Wiese unterwegs.
Musik
Nr. 4: Der grimmige Pluto E0007900 104
Zitator2 (Harry Rowohlt4)
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Und wenn man ehrgeizig wird und sich vergrößern will – dann kratzt man ein wenig,
schürft ein wenig, und schon ist es passiert! Ist das Haus zu groß, verstopft man
einen Gang oder zwei – und wieder ist alles in Ordnung.
Keine Baustellen, keine Handwerker, keine Bemerkungen über den Zaun und – vor
allen Dingen! - kein Wetter. Da oben kann man sich nach Herzenslust tummeln und
seinen Lebensunterhalt verdienen. Hier unten dagegen ist man zu Hause, hierher
kann man nach alldem zurückkehren. Hier ist es nach meinem Geschmack.
Musik aus
Sprecherin
Nach neuesten zoologischen Erkenntnissen ist der Dachs allerdings mitnichten der
gesellschaftsscheue Eigenbrötler, für den man ihn lange gehalten hat, meint Jens
Schlüter:
OT13 Jens Schlüter
… sondern durchaus gesellig und er lebt im Familienverband über Generationen
hinweg in seinem Höhlensystem und baut des immer wieder fleißig aus.
Sprecherin
Dachsbaue bestehen aus vielen größeren und kleineren Kammern,
Verbindungsröhren und Gängen, die nach draußen führen. Diese unterirdischen
Systeme graben die Dachse mit ihren schaufelähnlichen Vorderpfoten bis zu fünf
Meter tief in den Boden. Diese Bauten können sehr alt sein und beachtliche
Ausmaße annehmen.
Ein Bau, der bei dem mecklenburgischen Ort Pisede ausgegraben wurde, war um die
12.000 Jahre alt. Das ließ sich anhand der dort gefundenen fossilen Dachsknochen
berechnen. Und in einem englischen Dachsbau waren die Gänge insgesamt über
800 Meter lang. Dass so viele Dachsknochen verschiedensten Alters gefunden
wurden, lässt den Schluss zu, dass Dachse in der Regel auch unter der Erde
sterben. Vermutlich werden sie von ihren Mitbewohnern in einer toten Röhre
eingegraben.
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11
Musik Paddington C1562580 102
Sprecherin
Wie alle Tiere, die Winterruhe halten, können Dachse ihre Körpertemperatur
absenken, um den Stoffwechsel zu verlangsamen. Ab Oktober verlassen Dachse nur
noch selten den Bau, allenfalls an wärmeren Wintertagen stöbern sie draußen nach
Essbarem. Und damit es im Heim schön warm bleibt, wendet der Dachs einen Trick
an, weiß Jens Schlüter:
Musik aus
OT14 Jens Schlüter
Im Winter, wenn es kalt wird, dann deckt er vorher, im Herbst schon, feuchtes Laub
ein, was dann quasi als eine Art Bio-Heizung dient, und diese Zersetzungswärme,
die seine Kleinkompostieranlage im Dachsbau erzeugt, von der kann er dann im
Winter profitieren. Da verbringt er zum Beispiel seine Winterruhe.
Sprecherin
In der behaglichen Wärme und im Schutz des Baus bringt das Dachsweibchen –
Fähe genannt – im Februar ihre Jungen zur Welt, in der Regel sind es zwei bis drei.
Wird es draußen wärmer, in unseren Breiten meist Ende April, wagt sich die Mutter
mit ihrem Nachwuchs an die frische Luft, und von da ab können spielende Dachse
vor ihrem Bau beobachtet werden. Die Fähe säugt ihre Jungen zwölf Wochen lang,
im Alter von fünf Monaten haben sie meist gelernt, selbstständig ihr Futter zu suchen.
In dem Bau, in dem sie geboren wurden, halten die Jungen meist noch ihre erste
Winterruhe.
Musik Animation Z9506549 112
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Eine Verrichtung gibt es allerdings, die alle Dachse nach draußen treibt, auch bei
Wind und Wetter:
OT15 Jens Schlüter
Er ist eben sehr reinlich, der gräbt dann wirklich als eine Art Toilette kleine Gruben in
den Waldboden, wo er sich dann löst, damit er sich nicht in seinem Bau lösen muss.
Da ist der Dachs anders als der Fuchs, der macht das natürlich schon in seinen Bau.
Im Dachsbau stinkt's normalerweise nicht, das ist dann eher der Fuchs, der für den
entsprechenden Geruch sorgt.
Sprecherin
Diese sogenannten Latrinen dienen noch einem weiteren Zweck. Der Dachs
hinterlässt dort mit dem Kot ein Sekret, dass in den Analdrüsen produziert wird. Derk
Ehlert, Wildtierbeauftragter von Berlin:
OT16 Ehlert
Das ist nämlich nicht nur eine Art von Kotbeseitigung, sondern er schafft es mit
dieses Latrinen viel länger als der Fuchs seinen Geruch zu hinterlassen und vor
allem sein Revier zu markieren. Weil er viel größere Reviere hat, kommt er seltener
an dieselben Stellen. Die Reviergrenzen werden gerne angelegt an den Wegen,
deswegen findet man häufig auch an den Wegrändern die Latrinen, und die
müssen lange halten, denn vielleicht kommt er ja erst in vierzehn Tagen
wieder an dieser Stelle vorbei.
Sprecherin
Dachs und Fuchs leben also auf denselben Territorien. Füchse ziehen oft in
verlassene Dachsbauten ein, manchmal teilen sich die beiden Arten sogar ein
Tunnelsystem. Ist es weitläufig genug, dulden sie einander. Diese
Wohngemeinschaft der beiden Arten wurde dem Dachs fast zum Verhängnis, in der
Hochzeit der Tollwutbekämpfung in Deutschland:
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OT17 Jens Schlüter
In den 70er Jahren wollte man den Fuchs per Baubegasung ausrotten, um die
Tollwut zu bekämpfen, und hat damit vor allem den Dachs getroffen. Der Dachs
wurde dann durch die Begasung in seinen Bauen stark dezimiert und stand kurz vor
der Ausrottung. Und erst als man die Bekämpfung des Fuchses per Begasung der
Bauten eingestellt hat, ist die Dachspopulation wieder angestiegen.
Musik Pu sitzt fest M0011380 109
Sprecherin
Inzwischen gibt es in Deutschland wieder so viele Dachse, dass sie nicht mehr zu
den bedrohten Arten zählen. Natürliche Feinde haben Dachse in der Tierwelt nicht.
Ausgewachsene, gesunde Exemplare können sich gegen Fuchs, Luchs und Wolf gut
verteidigen. Und auch gegen andere große Tiere, die ihnen ins Gehege kommen.
Musik aus
Derk Ehlert:
OT18 Derk Ehlert
Wer sich mit Dachsen anlegt, der verliert, also zumindest als Wildtier. Ich hab schon
selber öfter beobachten können, wie sich Wildschweine mit Dachsen anlegen, und
die, die den Kürzeren ziehen, sind nicht die Dachse. Der Dachs ist zwar kleiner als
ein Wildschwein, aber er ist kräftig und weiß seine Zähne und vor allem seine
Schnauze einzusetzen, er versteht keinen Spaß,
Geräusch Dachs
er muss sich auch durchsetzen,
wenn er nämlich verjagt werden würde von Wildschweinen, dann hätte er er noch
weniger Lebensraum und den um den kämpft er.
Und letztlich sind Wildschweine Revierfeinde und dann zeigt er ihnen, was er davon
hält, dass die Wildschweine bei ihm eindringen.
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14
Sprecherin
Den Dachsen bleibt also nur ein ernst zu nehmender Feind, nämlich der Mensch. Im
19. Jahrhundert waren die Tiere noch eine begehrte Jagdbeute. Wie vielfältig ein
erlegter Dachs damals verarbeitet wurde, kann man in Brehms Tierleben nachlesen:
Zitator
Sein Fleisch schmeckt süßer als Schweinefleisch, erscheint aber manchen
Menschen als ein wahrer Leckerbissen. Die wasserdichten, festen und dauerhaften
Felle, von denen jährlich 55.000 Stück im Werte von 123.000 Mark auf den Markt
kommen, werden zu Überzügen von Koffern und dergleichen verwendet; aus den
langen Haaren, namentlich aus denen des Schwanzes, verfertigt man Bürsten und
Pinsel; das Fett gebraucht man als Arzneimittel oder benutzt es zum Brennen.
Sprecherin
Immer noch gilt Salbe aus Dachsfett als Hausmittel gegen Gelenkschmerzen, und
Rasierpinsel aus Dachshaar sind nach wie vor im Handel. Das Material dazu stammt
aber heute meistens aus Asien. In Deutschland gehören Dachse zwar wieder zum
jagdbaren Wild, werden allerdings nur noch selten geschossen. Denn die scheuen
Tiere aufzuspüren, ist schwierig und selten von Erfolg gekrönt.
Geräusch Dackel
Einen Ort gibt es allerdings, wo sie der Jäger mit großer Wahrscheinlichkeit stellen
kann: in ihrem Bau. Für die unterirdische Dachs- und auch die Fuchsjagd wurde
deshalb eine besondere Jagdmethode entwickelt,
Dackelbellen
besonders kurzbeinige Hunde wurden für die sogenannte Baujagd gezüchtet. In
England sind es die Terrier und bei uns die Dackel, jene beliebten und schwer
erziehbaren Hunde. Jens Schlüter:
OT19 Jens Schlüter
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Weil natürlich der Dachs sich nicht gerne schießen lässt, hält er sich im Bau auf, und
damit der Jäger ihn schießen kann, werden Dackel eingesetzt, die dann im
Dachsbau den Dachs aufspüren sollen, und nach draußen treiben sollen. Des
funktioniert manchmal, manchmal funktioniert es nicht, sodass dann oft schon die
Jäger den Dackel per Schaufel oder sogar per Minibagger aus dem Bau befreien
mussten. Und was der Dachs auch gern macht, der sich natürlich anders als der
Dackel in seinem eigenen Höhlensystem perfekt auskennt, wenn der Dackel sich
zum Beispiel in einer Sackgasse befindet, kann der Dachs des durchaus mit Erdreich
zuschieben. Und bis sich der Dackel, wenn überhaupt, aus dieser Lage befreien
kann, ist der Dachs schon wieder ganz woanders in seinem Höhlensystem oder der
Dackel wird nie wieder rausfinden.
Sprecherin
Dackel auf Dachsjagd leben also gefährlich. Deshalb wird in Jägerkreisen inzwischen
davon abgeraten, das Leben der kurzbeinigen Freunde bei der unterirdischen Jagd
aufs Spiel zu setzen. Ein Dachs in seinem Bau kann also zumindest in Deutschland
vor unerwünschtem Dackelbesuch einigermaßen sicher sein, auch am Stadtrand von
Berlin.
Musik Nr. 2: Der geschwätzige Donald Duck E0007900 102
Zitator2 (Harry Rowohlt5)
Wer weiß, sagte der Dachs. Die Menschen kommen … sie bleiben ein Weilchen …
sie blühen und gedeihen … und dann verschwinden sie wieder. So sind sie. Doch wir
bleiben. Man sagt, es habe hier schon Dachse gegeben, als die Stadt noch nicht
einmal geplant war. Und jetzt gibt es wieder Dachse. Wir sind ein zähes Geschlecht.
Hin und wieder ziehen wir uns für eine Zeit lang zurück, aber wir warten. Wir sind
geduldig. Und dann kommen wir wieder. Und so wird es immer sein.
Sprecherin
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Das sind die philosophischen Worte des Dachses in Kenneth Grahams "Der Wind in
den Weiden".
Musik aus
Wer weiß, vielleicht wird er recht behalten; der Bau, der in Mecklenburg ausgegraben
wurde, ist immerhin 12.000 Jahre alt.
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