Patienteninformation zu Lebererkrankungen

PATIENTENINFORMATION
Lebererkrankungen
Oktober 2015
ERHÖHTE LEBERWERTE –
WAS BEDEUTET DAS?
Foto: © ag visuell±)RWROLDFRP
LIEBE LESERIN, LIEBER LESER,
die Leber ist ein Organ mit vielen Aufgaben. Arbeitet
sie nicht mehr richtig, kann dies schwerwiegende
Folgen für den gesamten Körper haben.
In dieser Information erfahren Sie mehr über die Aufgaben der Leber, die Bedeutung der „Leberwerte“ und die
häufigsten Lebererkrankungen. Sie erhalten Hinweise,
was Sie selbst für eine gesunde Leber tun können.
Auf einen Blick: Lebererkrankungen
■ Häufige Ursachen für Lebererkrankungen sind:
Alkohol, Überernährung und Fettleibigkeit, Diabetes mellitus, Bewegungsmangel, Medikamente
und Hepatitis-Viren.
■ Veränderte Leberwerte im Blut können auf Lebererkrankungen wie Fettleber, Fettleberentzündung,
Virusinfektion oder Leberzirrhose hindeuten.
■ Die Leber kann sich von Schäden gut erholen,
wenn die Ursache rechtzeitig behoben wird.
■ Eine gesunde Lebensweise kann Leberschäden
vorbeugen und bei Lebererkrankungen helfen.
Hierzu gehören: Verzicht auf Alkohol, ausgewogene Ernährung, Bewegung, wenn nötig Abnehmen und eine gute Blutzuckereinstellung.
■ Manchmal helfen bei Leberentzündungen Medikamente. Gegen einige Viren gibt es Impfungen.
DIE LEBER
Die Leber liegt im rechten Oberbauch, direkt unter
dem Zwerchfell. Sie ist mit etwa 1,5 kg Gewicht eines
der größten inneren Organe. Die Leber hat sehr viele
lebenswichtige Aufgaben. Zum Beispiel speichert sie
Nahrungsbestandteile wie Fette oder Zucker. Sie baut
Schadstoffe wie Alkohol oder Medikamente ab. Und
sie bildet Hormone und Stoffe für die Blutgerinnung.
WAS SIND DIE „LEBERWERTE“?
Alle Zellen brauchen bestimmte Eiweißstoffe für ihren
eigenen Stoffwechsel. Für die Leberzellen sind folgende bezeichnend:
■ Aspartat-Aminotransferase (AST)
■ Alanin-Aminotransferase (ALT)
■ Gamma-Glutamyltransferase (Gamma-GT)
■ alkalische Phosphatase (AP)
Zudem gibt es Werte, die zeigen, ob ein Organ richtig
arbeitet. Bei der Leber sind dies:
■ Bilirubin: Abbauprodukt der roten Blutkörperchen
■ Albumin: von der Leber hergestelltes Bluteiweiß
■ Cholinesterase (ChE): von der Leber gebildetes Eiweiß
■ Quickwert (TPZ): Wert der Blutgerinnung
All diese Werte zusammen bezeichnet man als Leberwerte. Sie lassen sich im Blut messen.
WAS SIND „ERHÖHTE LEBERWERTE“?
Sind Leberzellen geschädigt, verändern sich die
Leberwerte. Einige steigen an: AST, ALT, Gamma-GT,
AP, Bilirubin. Andere sinken: Albumin, ChE, TPZ. Veränderte Leberwerte kommen häufig vor. Dabei ist die
Veränderung nur eines Wertes wenig aussagekräftig.
Sind mehrere Werte verändert, kann dies auf einen
Leberschaden hindeuten. Häufige Ursachen sind:
■ Alkohol, Drogen und andere Schadstoffe
■ Medikamente
■ Erreger wie Viren oder Bakterien
■ dauerhaft fettreiche Ernährung
■ Gallenwegs- und Gallensteinerkrankungen
Veränderte Leberwerte können auch bei anderen Erkrankungen auftreten, die nicht direkt mit der Leber zusammenhängen.
PATIENTENINFORMATION
Lebererkrankungen
ANZEICHEN FÜR LEBERSCHÄDEN
Bei einer Leberschädigung sind körperliche Anzeichen
meist sehr allgemein, etwa Abgeschlagenheit, Müdigkeit oder Druckgefühl im rechten Oberbauch. Viele
Lebererkrankungen machen sich deshalb lange nicht
bemerkbar. Hinweisende Zeichen wie Gelbfärbung der
Augen und Haut, Juckreiz, Erbrechen oder Schmerzen
treten oft erst sehr spät auf.
FETTLEBER UND FETTLEBERENTZÜNDUNG
Muss die Leber mehr Fette speichern, als sie abgeben
kann, entwickelt sich eine Fettleber. Sie ist nicht
schmerzhaft und bleibt in der Regel über viele Jahre
unbemerkt. Betroffen sind etwa 25 von 100 Personen.
Die häufigsten Ursachen sind Alkohol, Überernährung
und Fettleibigkeit (Adipositas), Bewegungsmangel, Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) und Medikamente.
Von 100 Personen mit Fettleber entwickeln 5 bis 20
eine Fettleberentzündung.
Fällt die Ursache für den Leberschaden weg, kann sich
die Leber von beiden Veränderungen erholen. Helfen
können daher: keinen Alkohol trinken, Gewicht abnehmen, sich bewegen, normale Blutzuckerwerte anstreben.
Eine Behandlung mit Medikamenten gibt es derzeit nicht.
VIRUSINFEKTIONEN DER LEBER
Eine Leberentzündung kann durch verschiedene Hepatitis-Viren ausgelöst werden. Hepatitis-Viren werden über
Nahrung, Kot oder Körperflüssigkeiten wie Blut übertragen. Meist heilen diese Entzündungen von allein aus.
Manchmal bleibt die Leberentzündung dauerhaft bestehen. Dann können mitunter Medikamente helfen. Gegen
einige Hepatitis-Viren gibt es vorbeugend eine Impfung.
LEBERZIRRHOSE
Die Leberzirrhose (Schrumpfleber) ist das Endstadium
vieler dauerhafter Krankheiten der Leber: Leberzellen
sterben ab und an ihre Stelle tritt Bindegewebe. Die
Leber kann ihre Aufgaben nicht mehr erfüllen. Es kann
zu Störungen des Stoffwechsels, des Hormonhaushalts oder der Blutgerinnung kommen. Schadstoffe
werden nicht mehr ausreichend abgebaut. Im Gegensatz zu anderen Lebererkrankungen kann sich eine Leberzirrhose in der Regel nicht zurückbilden. Durch eine
gesunde Lebensweise lässt sich ein Fortschreiten der
Erkrankung aufhalten. Etwa die Hälfte aller Leberzirrhosen ist durch Alkohol bedingt, ein Viertel durch dauerhafte Virusinfektionen der Leber. In etwa 2 von 100
Fällen entsteht aus einer Leberzirrhose Leberkrebs.
WAS SIE SELBST TUN KÖNNEN
■ Eine gesunde Lebensweise kann Leberschäden vorbeugen und bei Lebererkrankungen helfen. Achten Sie
auf eine ausgewogene, nicht zu fettreiche Ernährung.
■ Bewegen Sie sich regelmäßig. Experten empfehlen,
etwa 3 Stunden pro Woche körperlich aktiv zu sein.
■ Verringern Sie langsam Ihr Gewicht, wenn Sie übergewichtig sind. Vermeiden Sie aber Hungerkuren
oder Nulldiäten, diese belasten die Leber stark.
■ Für alle dauerhaften Erkrankungen der Leber gilt:
Alkohol verschlechtert den Verlauf erheblich. Verzichten Sie daher auf Alkohol. Falls Ihnen dies
schwerfällt, nehmen Sie professionelle Hilfe in
Anspruch.
■ Gegen Hepatitis-A- und Hepatitis-B-Viren gibt es
wirksame Impfungen. Besprechen Sie mit Ihrem
Arzt, ob Sie sich impfen lassen sollten.
MEHR INFORMATIONEN
Quellen, Methodik und weiterführende Links
Diese Patienteninformation beruht auf aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen und der Patientenleitlinie „Leberkrebs“.
Alle benutzten Quellen, das Methodendokument und weiterführende Links finden Sie hier:
www.patienten-information.de/kurzinformationen/quellen-und-methodik/lebererkrankungen
Kontakt zu Selbsthilfegruppen
Wo Sie eine Selbsthilfegruppe in Ihrer Nähe finden, erfahren Sie bei der NAKOS (Nationale Kontakt- und
Informationsstelle zur Anregung und Unterstützung von Selbsthilfegruppen): www.nakos.de, Tel.: 030 3101 8960
Verantwortlich für den Inhalt:
Ärztliches Zentrum für Qualität in der Medizin (ÄZQ)
Im Auftrag von: Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV)
und Bundesärztekammer (BÄK)
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