Meine Rolle war eher, den Elfer aufzulegen

Rechtspanorama
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MONTAG, 5. OKTOBER 2015
„Meine Rolle war eher, den Elfer aufzulegen“
Schrems gegen Facebook. Vor der morgigen Verkündung des EuGH-Urteils über die Datenweitergabe an die USA zeigt sich
Kläger Max Schrems zuversichtlich. Die Massenüberwachung in den USA sei festgestellt, die rechtliche Konsequenz liege nahe.
oder Frankreich, um einige zu
nennen, die ein bisschen aktiver
sind. Damit ist das Problem auf
einer Ebene, auf der man es politisch lösen muss. Derzeit ist es ja
so, dass die Europäer eher wegschauen und sagen: Erstens haben
wir selbst eh auch Dreck am Stecken, und zweitens schauen wir
weg, weil sich die Amerikaner so
sträuben. Man wird halt ein Abkommen schließen müssen.
VON BENEDIKT KOMMENDA
Die Presse. Morgen will der Gerichtshof der Europäischen Union sein Urteil in Ihrem Streit gegen Facebook sprechen. Womit
rechnen Sie?
Max Schrems. Also die Fragen des
EuGH vor der mündlichen Anhörung waren schon sehr kritisch
auch in Richtung Safe Harbor, den
Generalanwalt Yves Bot für ungültig hält. Es ist jetzt nicht mehr die
große Überraschung, dass Safe
Harbor direkt auf dem Tisch liegt.
Dafür, dass es um die Verfahrensfrage ging, ob die irische Datenschutzbehörde für Ihre Beschwerde gegen die Übermittlung persönlicher Daten durch
Facebook in die USA zuständig
ist, ist Bot ziemlich weit gegangen. Er stellte fest, dass die Überwachung durch die US-Nachrichtendienste „massiv und nicht
zielgerichtet“ ist, deshalb sei die
Entscheidung der EU-Kommission, dass die USA ein „sicherer
Hafen“ für Daten seien, ungültig.
Die Faktenfeststellungen kommen
vom irischen High Court. Facebook
hat sich in Irland nicht dem Verfahren angeschlossen, obwohl es möglich gewesen wäre. Auch die USRegierung hat sich nach dem Motto
„Nur keine Wellen“ ferngehalten.
Erst die US-Mission in Brüssel hat
eine extrem kritische Stellungnahme zu den Schlussanträgen abgegeben, als diese vorlagen. Die Stellungnahme war sehr skurril und
hat gelautet, die USA machen gar
keine Massenüberwachung. Bei allen beteiligten Mitgliedstaaten und
bei der EU-Kommission war die
Massenüberwachung hingegen unbestritten. Davon konnte Bot gar
nicht abweichen.
Sonst haben die USA nicht versucht, das Verfahren zu beeinflussen?
Gerüchteweise habe ich gehört,
dass vor der mündlichen Verhandlung die Mitgliedstaaten und die
Kommission durchtelefoniert worden seien. Die USA hätten mit dem
Ziel interveniert, dass alle die
Sache jetzt anders als ursprünglich
sehen sollten. Es blieben aber alle
standhaft.
Der EuGH ist immer für Überraschungen gut. Die Schlussanträge von Generalanwalt Niilo Jääskinen im Fall Google Spain wurden im Urteil – zugunsten des
Rechts, im Internet vergessen zu
werden – umgedreht. Ist das bei
Ihnen auch denkbar?
Das ist alles sehr viel Glaskugelschauen, aber wir gehen davon
aus, dass Generalanwalt Bot in unserer Sache für den Datenschutz
eher das Problem war als die Richter. Bot gilt allgemein als eher konservativ und pro Law and Order.
Thomas von Danwitz ist der Berichterstatter; er hat auch das Urteil gegen die Vorratsdatenspeicherung geschrieben, publiziert
viel zu dem Thema und ist eher in
die Richtung Datenschutzrecht aktiv. Die Richter überhaupt waren
unglaublich kritisch gegenüber der
EU-Kommission; die mündliche
Verhandlung war ein ganztägiges
Kreuzverhör der Kommission. Ein
Richter hat uns einmal eine Frage
gestellt nach dem Motto: Ach süß,
da sind doch Kläger auch noch da
Die Vorstellung, man könne sich als Einzelner gegen die Verwendung persönlicher Daten schützen, ist für Schrems absurd.
. . . Meine Rolle war eher, den Fußball auf den Elfmeterpunkt zu legen. Die Richter sind dann ziemlich genau unseren Argumenten
gefolgt, warum das alles nicht sein
kann – nicht nur die Massenüberwachungsfrage, sondern auch x
andere Fragen, die wahrscheinlich
im Urteil nicht stehen werden, weil
es dann endgültig zu weit ginge.
Die Schlussanträge haben ganz
unterschiedliche
Reaktionen
ausgelöst. Politiker wie der Grüne Jan Philipp Albrecht oder der
Sozialdemokrat Josef Weidenholzer haben sie sehr begrüßt,
internationale Konzerne sind
entsetzt, weil die weitverbreitete
Übermittlung von Daten aller Art
in die USA bedroht ist. Dank Safe
Harbor ist sie bisher ohne individuelle Prüfung möglich.
Wenn Gesetze aufgehoben werden,
ist es für die jeweiligen Betroffenen
immer schlimm, weil sie sich auf
eine neue Situation einstellen müssen. An Bots Schlussanträgen hat
mich gewundert, dass er keine
Übergangsfrist vorgeschlagen hat.
Selbst wir hatten in unseren
schriftlichen Eingaben eine Grace
Period, sodass man zum Beispiel
sagen könnte: Safe Harbor ist illegal, aber man darf sich darauf noch
ein halbes Jahr berufen. Als eine
Entscheidung der EU-Kommission
ist Safe Harbor übrigens relativ
leicht änderbar im Vergleich zu irgendeiner Gesetzesänderung. Eine
meiner Ängste ist, dass der EuGH
Safe Harbor sofort killen könnte.
ZUR PERSON
Max Schrems (28), Jurist aus Salzburg,
ist Gründer der Initiative Europe versus
Facebook (europe-v-facebook.org). Mit
seiner Beschwerde über die Weiterleitung
von Daten durch Facebook in die USA ist
er bis zum EU-Gerichtshof vorgedrungen.
Nach einer Entscheidung des LG für
Zivilrechtssachen Wien (3 Cg 52/14k), die
ihm die Verbrauchereigenschaft
absprach, hält er augenzwinkernd einen
Disclaimer für angebracht: „Es wird
ausdrücklich darauf hingewiesen, dass
Mag. Schrems dieses Interview (wie
allgemein üblich) ,unentgeltlich und nicht
beruflich‘ bzw. ,gewerblich‘ iSd Art 17
EuGVVO (neu) gab.“
Man spricht immer vom SafeHarbor-Abkommen.
Ja, aber in Wirklichkeit ist es eine
Verwaltungspraxis, die koordiniert
ist. Es ist keine völkerrechtlich irgendwie bindende Geschichte.
Rechtlich ist es eine Exekutiventscheidung der EU-Kommission.
Die darf feststellen, dass einzelne
Länder ein angemessenes Schutzniveau haben. Die Schweiz hat
zum Beispiel das gleiche Datenschutzgesetz wie wir – es wäre absurd, da irgendwelche Grenzkontrollen beim Datenfluss einzuführen. Außerhalb Europas gibt es
Entscheidungen zu vier Ländern:
Kanada, Neuseeland, Israel und
Argentinien. Die USA haben einen
Sonderstatus, weil das Land kein
angemessenes Schutzniveau bietet, aber Unternehmen sich selbst
zertifizieren können. Dafür gibt es
aber überhaupt keine gesetzliche
Grundlage. Das ist eine reine privatrechtliche Selbstverpflichtung,
die durch jedes Gesetz in den USA
ausgehebelt werden könnte. Wenn
wir ein Abkommen hätten, müsste
es durch das EU-Parlament, und
damit hätten wir eine demokratische Legitimierung und wahrscheinlich ein höheres Schutzniveau. Aber die EU-Kommission ist
gegenüber den USA so schwach,
dass sie fast alles akzeptiert.
Mit einem Urteil zu Ihren Gunsten wäre für Sie noch nichts gewonnen. Es würde nur bedeuten,
dass die irische Datenschutzbehörde Ihren Fall prüfen kann.
Das wird sie nie machen.
Sie haben zwar einige Beschwerden zurückgezogen, aber eine ist
noch aufrecht.
Ja, die Prism-Beschwerde (Prism
ist ein geheimes Überwachungsprogramm, Anm.). Darin geht es um
die Frage: Facebook Irland schickt
die Daten an Facebook USA, und
die geben sie an die NSA (National
Security Agency) weiter.
Facebook bestreitet das.
Was sollen sie sonst machen?! Es
gibt die Standard-Stellungnahme,
in der drinnensteht: Mark (Zuckerberg, FB-Gründer, Anm.) hat doch
gesagt, wir tun das gar nicht. Aber
[ Daniel Novotny ]
wenn das einzige Beweisstück, das
sie vorbringen, ein Posting von ihrem CEO ist . . . Das Grundproblem
ist, dass die einen Maulkorberlass
haben und nichts sagen dürfen.
Aber die faktische Frage ist einbetoniert, und dann ist die rechtliche
Ableitung, ob Massenüberwachung
Artikel-8-konform sein kann, relativ
einfach. Denn wenn die nicht gegen
Artikel 8 der EU-Grundrechtecharta
(Schutz personenbezogener Daten,
Anm.) verstößt, dann verstößt nie
etwas dagegen.
Wer hätte rechtlich etwas von
einem Urteil gegen Facebook?
Die Entscheidung wäre Case Law,
das in ganz Europa gilt, also auch
für die Datenschutzbehörden in
Deutschland, Österreich, Belgien
Liegt es nicht am einzelnen Nutzer, seine Daten für sich zu behalten? Gegenüber Facebook muss
man im Grunde nur eine IPAdresse zeigen, sonst nichts.
Auch nicht den wahren Namen.
Das glauben viele Leute. In der
Praxis ist es so, dass recht viele Daten von Facebook selbst oder über
Freunde generiert werden. Es wird
geschaut: Mit wem verbinde ich
mich, mit wem kommuniziere ich?
Daraus kann Facebook Hochrechnungen zurück auf die Person machen. Wenn ich eine Telefonnummer und eine E-Mail-Adresse
habe, haben das hundert Leute auf
ihrem iPhone, davon haben 20
oder 30 Facebook installiert, und
die haben die Daten längst hochgesaugt. Dann kriegt man diese
tollen E-Mails: Du kennst diese 20
Leute, komm doch auch auf Facebook. Die Vorstellung, dass ich
mich als Einzelner schützen kann,
ist in der Datenschutzdebatte
wahnsinnig dominant, aber eines
der größten Bullshit-Argumente.
Selbst Universitätsprofessoren, die
über diese Dinge forschen, verstehen nicht, wie diese Systeme alle
genau funktionieren. Wie soll Lieschen Müller, die am Abend von der
Arbeit nach Hause kommt und mit
ihren Leuten chatten will und einfach ihre Fotos teilen will, das alles
verstehen? Das ist total absurd.
Und die Lösung kann keinesfalls
sein: Gehen wir alle wieder offline.
Was erwarten Sie von Ihren Anwälten?
wolftheiss.com
14 RECHTSPANORAMA
MONTAG, 5. OKTOBER 2015
Das Märchen von den immer neuen EU-Regeln
80-Prozent-Mythos. Kaum ein anderes Vorurteil über die EU hält sich in Österreich so hartnäckig wie die Mär, 80 Prozent
der nationalen Gesetze würden von Brüssel diktiert. Ein Märchen bleibt jedoch ein Märchen – so oft man es auch erzählt.
VON STEFAN BROCZA
Einfluss der EU überschätzt
Thomas König und Lars Mäder haben vor einiger Zeit an der Universität Mannheim aus einer quantitativen Perspektive untersucht, inwieweit die deutsche Gesetzgebung in einem Zeitraum von 30
Jahren auf etwaige europäische
Impulse zurückzuführen ist. Sie
haben dabei eine Qualifizierung
der Gesetzgebungstätigkeit nach
inhaltlichem Bedeutungsgrad und
monetären Implikationen vorgenommen und untersucht, ob und
in welchem Ausmaß angegebene
europäische Impulse tatsächlich
Der Output des
EU-Parlaments
(im Bild: Straßburg) an Rechtsakten war schon
einmal größer.
[ EPA/Patrick Seeger ]
mit EU-Gesetzgebungsaktivitäten
zusammenhängen. Das Ergebnis:
der Einfluss der EU wird deutlich
überschätzt. In einem Zeitraum
von 30 Jahren wurde ein 80-prozentiger Anteil bei großzügiger
Zählweise nur zu einem einzigen
kurzen Zeitraum und in einem einzigen Politikbereich erreicht: und
zwar zwischen 2002 und 2005 im
Bereich Umweltgesetzgebung. Ansonsten fällt der Anteil vor allem
bei „wichtigen“ Gesetzen bedeutend geringer aus. Nur bei der Hälfte aller Angaben zu einem europäischen Richtlinienimpuls konnte
ein eindeutiger europäischer Ursprung nachgewiesen werden.
Was in der Diskussion um die
angebliche Flut immer neuer Regeln übersehen wird: Seit Inkrafttre-
ten des Lissabon-Vertrages gibt es
eine eklatante und anhaltende Abnahme an neuen EU-Regeln. Stieg
die Zahl sogenannter Sekundärrechtsakte des Rates (Verordnungen, Richtlinien, Beschlüsse/Empfehlungen, sonstiges) bis dahin auf
jährlich 954, pendelt der Output
seither nur noch um jährlich rund
600 (eigene Berechnungen auf Basis des EU-Amtsblattes bzw. Ratsdatenbanken). Wissenschafter, etwa
Nicolai von Ondarza vom Deutschen Institut für Internationale Politik und Sicherheit in Berlin, nennen drei Gründe für den Rückgang:
den Lissabon-Vertrag, die Schuldenkrise und den kontinuierlichen
Abbau an EU-Beamten (jährlich ein
Prozent weniger Stellen).
Ein Aspekt, der beim Rückgang
LEGAL § PEOPLE
Branchen-News aus der
Welt des Rechts
neuer Regeln aus Brüssel in der aktuellen politischen Diskussion –
insbesondere in Österreich – regelmäßig unbeachtet bleibt: Besonders betroffen von der Reduktion
sind Richtlinien. Dieses Rechtsinstrument – Vorgabe eines politischen Ziels, die konkrete Umsetzung, wie es erreicht werden soll,
obliegt dem jeweiligen Mitgliedstaat – kommt kaum noch zur Anwendung. Obwohl dies ein klassisches Instrument der Subsidiarität
wäre, bevorzugen die Mitgliedstaaten in den letzten Jahren Verordnungen. Diese gelten unmittelbar.
Es bedarf keiner nationalen Umsetzung. Gleichzeitig nimmt man sich
damit jedoch den Spielraum für individuelle Ausgestaltungen. Diese
politische Selbstbeschränkung soll-
Numismatischer Füllstoff
Einige Beispiele: Jedes jährliche
Euro-Münzbild eines jeden einzelnen Euro-Staates. Über die Jahre
ein paar hundert Seiten numismatischer Fachinformation. Es werden
auch alle Stellenausschreibungen
(inklusive Bewerbungsbogen) publiziert: in den letzten 20 Jahren ein
paar tausend Seiten. In der letzten
Woche rund 250 Seiten an Entschließungen des Europaparlaments. Für Europarechts-Feinspitze
eine Fundgrube an Skurrilitäten. Als
Beleg für eine zunehmende EUNormenflut jedoch ungeeignet.
Es kann empirisch belegt werden, dass die EU seit 2010 anhaltend jährlich bedeutend weniger
neue echte Rechtsakte beschließt,
als zuvor. Ob das den 80-ProzentMythos endlich zum Verstummen
bringen wird?
Stefan Brocza ist Experte für Europarecht
und Internationale Beziehungen. Er lehrt an
der Universität Salzburg.
RECHTSPANORAMA AM JURIDICUM
© Shutterstock/Lapina
Wien. Wie oft hat man nicht schon
gehört, dass rund 80 Prozent unserer Gesetze in Brüssel gemacht
werden? Zuletzt auch wieder in
dieser Zeitung („Warum diese Flut
an immer neuen EU-Regeln?“,
26. September). Doch die Zahlen,
auf die man sich dabei stützt, sind
übertrieben und verzerrt, ja, einfach falsch. Der als angeblicher Beleg angeführte Aufsatz stammt gar
aus dem Jahr 2009 und umfasst
ganze zwei Seiten. Es gibt keine aktuelle seriöse Studie, die auch nur
im Ansatz belegt, dass die meisten
Gesetze von Brüssel diktiert werden. Als einziger Anhaltspunkt für
den unausrottbaren „80-Prozent“Wiedergänger dient eine Aussage
des ehemaligen EU-Kommissionspräsidenten Jacques Delors. Dabei
handelte es sich um eine Prognose
– und das auch nur für den Bereich
des Binnenmarktes.
te jedenfalls Gegenstand weiterer
Diskussionen sein.
Als weiterer Beleg, dass es natürlich immer mehr Regeln aus
Brüssel gibt, wird gern auf die
schiere Zunahme an Seiten des EUAmtsblattes verwiesen. „Die Presse“
hat diesbezüglich den Innsbrucker
Europarechtler Walter Obwexer zitiert: 60.000 Seiten Bestand 1995
(Österreichs Beitrittsjahr), aktuell
furchterregende 90.000 Seiten. Hier
wird geflissentlich außer Acht gelassen, was denn alles im EU-Amtsblatt veröffentlicht wird.
40 Jahre Fristenlösung: Was ist damit gelöst?
Vor 40 Jahren ist das Strafgesetzbuch 1975 in Kraft getreten. Seither sind
Schwangerschaftsabbrüche bis zum dritten Monat straffrei, in medizinisch
begründeten Fällen ist ein Abbruch auch danach und ohne Frist möglich. Über
die rechtliche Einordnung, die ethische Rechtfertigung und die praktischen Auswirkungen dieser Regelung diskutieren Fachleute aus Jus und Medizin.
Jörg Zehetner und Thomas
[ KWR]
Frad.
C. P. Schindler betreute den
[ Schindler]
Checkrobin-Deal.
Anton Fischer und Hannes
[ SSFP]
Füreder.
Event der Woche
Hans und Freddy Schmid
und der Attila-Dogudan-Privatstiftung konnte Checkrobin nun einen fünften prominenten Gesellschafter gewinnen. Das Anwaltsteam
stand unter der Leitung von
Partner Clemens Philipp
Schindler und umfasste
noch Partner Florian Cvak
sowie Assosciate Lisa Prelec.
toria Kuda, Sarah Schweiger
und Stephanie Schlager (alle
Associates) betreut.
D
ie beiden KWR-Partner,
Jörg Zehetner und Thomas Frad, gaben Ende September im 150. KWR-Seminar einen Überblick über die
wesentlichen Neuerungen
der mit 1. 1. 2016 in Kraft tretenden Strafrechtsnovelle
(Strafrechtsänderungsgesetz
2015).
Deals der Woche
D
ie Kanzlei Schindler Attorneys hat Checkrobin
GmbH und deren Gesellschafter beim Einstieg des
neuen Investors, Dietrich
Mateschitz
Beteiligungs
GmbH, beraten. Nach Hannes Jagerhofer, Gesellschaften von Niki Lauda sowie
D
ie Kanzlei Barnert Egermann Illigasch Rechtsanwälte (BEIRA) hat die Alpine
Equity Management GmbH
(Alpine Equity) bei der Erlangung einer Konzession als
Alternativer Investmentfonds Manager (AIFM) beraten. Der Konzessionsprozess
wurde unter der Federführung von Partner Michael
Barnert gemeinsam mit Vik-
S
iemer-Siegl-Füreder &
Partner Rechtsanwälte
hat die Helvetia Versicherungen bei deren gesellschaftsrechtlicher Neuordung auf
dem österreichischen Markt
beraten. Der Deal wurde vorrangig von Hannes Füreder
und Anton Fischer betreut.
LEGAL & PEOPLE
ist eine Verlagsserie der „Die
Presse“ Verlags-Gesellschaft
m.b.H. & Co KG
Koordination: Robert Kampfer
E-Mail: [email protected]
diepresse.com
Telefon: +43/(0)1/514 14-263
Diskutierende
Erwin Buchinger, Anwalt für Gleichbehandlungsfragen für Menschen mit
Behinderung
Christian Fiala, Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Ärztlicher
Leiter der Gynmed-Ambulanz Wien und Salzburg
Stephanie Merckens, Referentin für Bioethik und Lebensschutz am Institut für
Ehe und Familie der Bischofskonferenz
Ilse Reiter-Zatloukal, Institut für Rechts- und Verfassungsgeschichte der
Universität Wien
Caroline Walser, Institut für Strafrecht und Kriminologie der Universität Wien
Moderation
Philipp Aichinger, „Die Presse“
Zeit und Ort
Montag, 12. Oktober 2015, 18 Uhr
Dachgeschoß im Juridicum, Schottenbastei 10–16, 1010 Wien
Eintritt frei!
Anmeldung bis 9. Oktober 2015 per E-Mail an [email protected]
Eine Veranstaltung der „Presse“
DiePresse.com/veranstaltungen
Wir schreiben seit 1848
RECHTSPANORAMA 15
MONTAG, 5. OKTOBER 2015
Anzahl der Kinder,
14,61
die 2014 Unterhaltsvorschüsse erhielten
Burgenland
1425
Vorarlberg
2796
Salzburg
2912
Kärnten
3405
Tirol
3416
Steiermark
Unterhaltsvorschüsse vom Staat, 2014 gesamt: 134,89 Mio. €
21,04
Erfolgreich zurückgefordert (89,77)
6967
24,32
NÖ
7615
Niederösterreich
6,75
2,66
4,55
20,00
OÖ
5,24
2,80
6,34
2,20
9,41
Tirol
9268
Wien
12,29
7,71
35,65 Mio. €
Wien
Oberösterreich
in Mio. Euro
17,08
7,24
Vater Staat
Offene Forderungen (45,12)
8,54
Ktn.
8,04
Vbg.
13,08
17,63
Stmk.
5,37
2,31
7,69
Sbg.
Bgld.
1,03
2,59
3,62
14.551
Gesamt
52.355
Reingelegt: Autohalter haftet dennoch
Schadenersatz. Ein Unbekannter borgte sich mit einem gestohlenen Führerschein einen Wagen
bei einer Möbelfirma aus. Das Unternehmen haftet für Schäden, die der Unbekannte verursachte.
VON PHILIPP AICHINGER
Wien. Wer einen Wagen verleiht,
sollte besser ganz genau prüfen,
mit wem er es zu tun hat. Das zeigt
eine aktuelle Entscheidung des
Obersten Gerichtshofs.
Im Mittelpunkt stand eine Firma, die ein Möbelgeschäft betreibt.
Ein Mann lieh sich in einer Filiale
einen Pritschenwagen von der Möbelfirma aus. Er gab sich als Franz
M. (Nachname anonymisiert) aus
und wies einen Führerschein vor.
Es war tatsächlich der Führerschein
von besagtem Franz, nur dass diesem die Lenkerberechtigung gestohlen worden war. Wer hier das
Auto wirklich ausborgte, sollte im
Dunkeln bleiben. Der Mitarbeiterin
der Möbelfirma fielen jedenfalls
keine Unstimmigkeiten zwischen
dem Bild am Führerschein und der
Person, die den Wagen tatsächlich
abholte, auf. Auch beim Betrachten
der Unterschrift schöpfte die Angestellte keinerlei Verdacht.
Das Kfz brachte der mysteriöse
Entleiher freilich nicht wie ausgemacht um 22 Uhr zurück. Stattdessen wurde der Lagerleiter der Möbelfirma darüber informiert, dass
der falsche Franz mit dem Wagen in
eine Kollision verwickelt war. Zwei
Fahrzeuge wurden beschädigt. Der
Eigentümer der beschädigten Wagen klagte. Ihm sei durch die Kollision des Pritschenwagens mit zwei
von ihm abgestellten Fahrzeugen
ein Schaden in Höhe von rund
19.000 Euro entstanden. Geklagt
wurde der Betreiber des Möbelgeschäfts sowie der Haftpflichtversicherer des Pritschenwagens, die
nach dem EKHG (Eisenbahn- und
Kraftfahrzeughaftpflichtgesetz) für
die Schäden haften würden.
Keine Schuld, keine Haftung?
Zwar muss man laut dieser Norm
grundsätzlich für Schwarzfahrer,
also für Leute, die einen Wagen
ohne Erlaubnis benutzen, nicht einstehen. Hier aber schon, zumal der
Wagen ja dem falschen Franz von
der Möbelfirma überlassen wurde,
argumentierte der Kläger. Die Mitarbeiterin des Möbelgeschäfts habe
es schließlich verabsäumt, die Identität des Kunden genau zu prüfen.
Die Möbelfirma hingegen
wandte ein, dass der unbekannte
Lenker das Fahrzeug arglistig herausgelockt habe. Man hafte daher
nicht. Das sah das Wiener Landesgericht für Zivilrechtssachen auch
so. Das Möbelgeschäft habe die
Schwarzfahrt des falschen Franz
nicht schuldhaft ermöglicht, daher
gebe es keine Haftung. Ganz abgesehen davon, dass man nicht feststellen könne, wo sich wann welcher Unfall mit welchen Beteiligten
abgespielt hat.
Das Oberlandesgericht Wien
hob das Urteil auf. Es spiele gar
keine Rolle, ob jemand den Wagen
durch eine arglistige Täuschung
herausgelockt habe. Es reiche, dass
der Wagen faktisch von der Möbelfirma dem Unfalllenker überlassen
worden sei.
Vor dem Obersten Gerichtshof
brachten Möbelhändler und Versicherung dann sogar vor, der Kläger
selbst habe den Pritschenwagen
herausgelockt, um damit einen
Verkehrsunfall mit seinen Kfz vorzutäuschen. Das wurde von den
Höchstrichtern als unzulässige,
weil zu spät eingebrachte Neuerung qualifiziert.
Blieb die Frage, wem die Fahrt
des falschen Franz zuzurechnen ist.
Um das zu klären, betrachtete der
OGH die fragliche Gesetzesstelle
(§ 6, Absatz 2 EKHG) genau. Demnach gilt die Haftungsbefreiung für
Schwarzfahrer nicht, wenn „das
Kraftfahrzeug vom Halter überlassen war“. Von einer arglistigen Täuschung sei hierbei keine Rede, weswegen es auf eine solche tatsächlich
nicht ankomme, meinte der OGH.
Überlassen allein entscheidend
Der „Wortlaut legt nahe, dass es
nur auf das faktische Überlassen
des Fahrzeugs ankommt und nicht
auf die rechtliche Wirksamkeit des
zugrunde liegenden Geschäfts
bzw. der zugrunde liegenden Erklärung“, entschied der OGH (2 Ob
120/15h). Dafür würde auch der
Zweck der Norm sprechen. Wenn
sich jemand eigenmächtig ein
Fahrzeug beschaffe, hafte dieser
und nicht der Wagenhalter. Aber:
„Verschafft der Halter dem Benutzer selbst die Gewahrsame, indem
er ihm das Fahrzeug überlässt, so
trägt der Halter das Risiko allein.“
Eine Möglichkeit zu prüfen, ob der
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Fahrer vertrauenswürdig ist, habe
in diesem Fall ja auch bestanden.
Im Ergebnis müssen die Möbelfirma und ihre Haftpflichtversicherung für die Schäden, die durch die
Fahrt des falschen Franz entstanden, einstehen. Ob es überhaupt
Schäden durch den ausgeborgten
Wagen gibt und was damals eigentlich genau passiert ist, wird nun in
weiterer Folge im Verfahren geklärt.
In 52.355 Fällen leistete der Staat
im Vorjahr für Kinder Unterhaltsvorschüsse, weil der eigentliche
Schuldner der Alimente (also
etwa Vater oder Mutter) nicht
zahlte. Das zeigt die Beantwortung einer parlamentarischen
Anfrage der SPÖ-Abgeordneten
Elisabeth Grossmann durch
Justizminister Wolfgang
Brandstetter. Von den alljährlichen Kosten kann der Staat
nur einen Teil zurückholen.
Grossmann kritisiert, dass der
Staat nichts oder weniger
vorschieße, wenn er das Geld
wahrscheinlich nicht zurückbekommt. Sie will eine Unterhaltsvorschussgarantie nach
schwedischem Vorbild.
Quelle: Justizministerium · Grafik: „Die Presse“ · GK
www.fuith.eu
IMPRESSUM: RECHTSPANORAMA
Redaktion: Mag. Benedikt Kommenda,
Dr. Philipp Aichinger
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B E Z A H LT E A N Z E I G E
Verfehlungen von Rechtsanwälten schaden
der Anwaltschaft. Besonders dann, wenn sie
öffentlich bekannt werden. Wir haben als
Säule unserer Standesautonomie eine Disziplinargerichtsbarkeit zur Ahndung solcher
Verfehlungen. Nur dürfen Rechtsanwälte
aufgrund der bestehenden Gesetzeslage
über den Verlauf und die Ergebnisse eines
Univ.-Prof. Dr. Michael Enzinger
Disziplinarverfahrens grundsätzlich keine
Mitteilungen an die Öffentlichkeit machen.
Schadet diese Regelung dem Ruf der Rechtsanwaltschaft in
der Öffentlichkeit mehr, als sie nützt? Die Frage stellen, heißt
sie zu bejahen.
TRANSPARENZ und
DISZIPLINARGEWALT
In camere geführte Verfahren sind nämlich ein Nährboden
für Intransparenz! Mit der Abschaffung der Sondertribunale
durch die BVG-Novelle 2012 und damit auch der Auflösung
der OBDK hat der Gesetzgeber die versiegelte Türe einen
Spalt geöffnet: Der OGH als nunmehriges oberstes Disziplinargericht verhandelt nämlich in Strafsachen grundsätzlich
öffentlich. Etwas anderes wäre für das Selbstverständnis des
Höchstgerichtes ganz und gar undenkbar. Warum soll daher
der Präsident des Disziplinarrates oder der Kammerpräsident
nicht gegebenenfalls auch öffentlich bekannt geben dürfen,
dass ein Sachverhalt, an dem ein Rechtsanwalt beteiligt ist,
in disziplinärer Hinsicht geprüft wird, ein Rechtsanwalt von
einem Vorwurf freigesprochen oder wegen eines Disziplinarvergehens verurteilt wurde?
Es ist an der Zeit, auch in Disziplinarverfahren mehr Transparenz zu zeigen. Wir sichern damit eine wichtige Säule unserer
Standesautonomie.
Transparenz hat natürlich Grenzen, weil die meisten Disziplinarvergehen eng mit einem Mandat und damit der Verschwiegenheitsverpflichtung des Rechtsanwalts verbunden sind. Eine
Interessenabwägung wird in der Regel dazu führen, dass das
höherwertige Rechtsgut das Interesse des Klienten und nicht
das Interesse an der Strafverfolgung des Delinquenten ist.
Dass dieser durch die Unschuldsvermutung genauso zu schützen ist, wie der Verdächtige oder Angeklagte im Strafverfahren, ergibt sich aus dem Verweis des Gesetzes auf die StPO.