Deko-Computer, -Tabellen & -Programme S.14 Tauchroboter als

caisson
www.gtuem.org | Jg. 30 | Nr. 1 | März 2015
Deko-Computer, -Tabellen & -Programme S.14
Tauchroboter als Dive Buddy S.6
PRO & CONTRA Langsamer Aufstieg S.23
BOOT-Messe 2015, Düsseldorf, 17. - 25.01.2015
BOOT 2015
Stand-Impressionen
An den 9 Messetagen standen je nach erwartetem Besucherandrang immer zwei bis drei GTÜM-Vorstandsmitglieder auf
dem gemeinsamen Stand von DAN Europe und GTÜM als Ansprechpartner zur Verfügung. An dieser Stelle möchte sich die
GTÜM noch einmal bei DAN Europe für die großzügige und gelungene Integration in das neue Stand-Konzept bedanken.
Foto li.: Messestand-Mannschaft in Halle 3: hinten v.l.n.r.: Udo Bargon, Peter Schetter, Roswitha Prohaska, Annalisa Renzetti, Wilhelm Welslau, Ulrich van Laak, Oliver Müller. Vorn v.l.n.r.: Pascal Kolb, Roberto Cocciola, Claudio DeIuliis, Mike
Schleger. Foto mi.: GTÜM-Vorstand Björn Jüttner und ÖGTH-Präsidentin Roswitha Prohaska in der Beratung. Foto re.: Die
caisson-Redaktion wird übergeben: Jochen Schipke und Wilhelm Welslau
Foto li.: Messe-Thema „Tauchen mit 55 plus“: Ulrich van Laak, DAN-Direktor Deutschland und Österreich, auf der Bühne
in Halle 3 mit Uschi und Hans-Otto Lübke und BOOT-Moderatorin Anna von Botticher. Foto mi.: Der Messestand von DAN
und GTÜM war in Halle 3 immer im Blick, auch aus dem Tauchbecken an der Aktionsbühne war er gut zu sehen. Foto
re.: Jochen Schipke erfuhr auf dem Messestand von seiner Ernennung zum Ehrenmitglied der GTÜM (v.l.n.r.: Wilhelm
Welslau, Jochen Schipke, Karin Hasmiller)
(alle Fotos: Ulrich van Laak und Roswitha Prohaska)
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caisson | Jg. 30 | Nr. 1 | März 2015
EDITORIAL
Editorial
Alles neu…
Sehr geehrte Leserinnen,
sehr geehrte Leser,
ich darf Sie an dieser Stelle
zum ersten Mal als Redakteur des caisson begrüßen.
Es ist nicht mein erstes Editorial, zu Zeiten meiner GTÜM-Präsidentschaft habe ich
mich hier bereits zu Wort gemeldet. Und es ist auch
nicht meine erste Tätigkeit als caisson-Redakteur,
unter Dr. Ulrich van Laak gehörte ich bereits 1992 2002 dem Redaktionsteam an. Aber schauen wir in
die Zukunft:
Ich freue mich auf meine neue Aufgabe und hoffe,
dass ich caisson gemeinsam mit Ihnen (!) erfolgreich weiterführen kann. Jochen Schipke hat mir ein
ziemlich großes Paar Schuhe hinterlassen. Um diese
auszufüllen, bin ich wirklich auf Ihre Mitarbeit angewiesen: als Autoren, Leserbriefschreiber, Ideengeber…
Bitte helfen Sie caisson so zu veröffentlichen, wie
Sie ihn lesen möchten. Wenn Sie mehr „Pro und
Contra“-Beiträge wünschen, schicken Sie mir bitte
Ihre Ideen hierzu. Wenn Sie Fallberichte zu Tauchtauglichkeit, Tauchunfällen oder HBO-Patienten wünschen, schicken Sie mir bitte Ihren (!) interessanten
Fall. Es muss ja nicht immer hoch-wissenschaftlich
sein, sondern „aus der Praxis, für die Praxis“. Von interessanten Fällen höre ich von Kollegen immer wieder. Geben Sie sich einen Ruck und beteiligen Sie die
caisson-Leser an Ihren tauch- oder hyperbarmedizinischen Aha-Erlebnissen.
Von Redaktionsseite möchte ich, wie Jochen Schipke, gern interessante Artikel zu unseren Kernthemen
Tauchmedizin und HBO-Therapie abdrucken, die bereits international veröffentlicht wurden, aber vielen
caisson-Lesern nicht bekannt sind. Bei sehr renommierten Journalen scheitert dies allerdings oft an den
für caisson unannehmbaren Konditionen für ein Re-
caisson | Jg. 30 | Nr. 1 | März 2015
print. Bei wichtigen Veröffentlichungen, z.B. umfassenden Reviews zu Kernthemen, will die GTÜM das
aber dennoch im Einzelfall machen.
Ein Glücksfall in dieser Hinsicht ist die enge Kooperation mit der EUBS, die auf dem EUBS/GTÜM-Kongress
2014 in Wiesbaden weiter gefestigt wurde (lesen Sie
hierzu den Brief von EUBS-Präsident Prof. Costantino
Balestra auf S. 40). Künftig werden wir regelmäßig
einzelne Artikel aus dem EUBS-Journal Diving and Hyperbaric Medicine (DHM) komplett abdrucken können.
Wir werden entweder die gesamte Arbeit übersetzen
(plus english abstract) oder alles in Englisch drucken
(plus deutsche Zusammenfassung), je nach Möglichkeit und Notwendigkeit (Leichtere Kost eher Englisch,
Schwerverdauliches möglichst Deutsch…).
Auf der BOOT 2015 in Düsseldorf habe ich mich auf
unserem Messestand sehr über die zahlreichen Kontakte gefreut, die Hilfe und Unterstützung für den
caisson angeboten haben. Ergebnisse dieser Gespräche finden sich bereits in dieser Ausgabe .
Haben Sie Ihren caisson eigentlich sofort erkannt?
Eigentlich ist der neue Titel-Schriftzug ja nicht zu
übersehen. Aber neben der Redaktionsleitung hat
sich ja doch einiges mehr verändert. Das letzte Faceliftung erhielt caisson übrigens vor neun Jahren.
Damals wurde zeitgleich auch die Website der GTÜM
generalüberholt, in ähnlichem Design. Jetzt wiederholt sich dieses Tandem. Der neue GTÜM-Webmaster
Dr. Oliver Müller ist noch mitten in der Überarbeitung.
Der komplette Neuaufbau der GTÜM-Website ist erforderlich, um Web-Inhalte auch auf Smartphones
und Tablets mit ihren etwas kleineren Bildschirmen
übersichtlich darstellen zu können. Da lag es nahe,
caisson ebenfalls zu updaten - auch hinsichtlich
der digitalen Präsenz, doch dazu mehr im Laufe dieses Jahres.
Für Anregungen und Beiträge erreichen Sie die caisson-Redaktion ab sofort unter <[email protected]>.
Auf gute Zusammenarbeit!
Ihr
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INHALTSVERZEICHNIS
14
Titelthema
Yet Another Benchmark
02
BOOT Messe
StandImpressionen
06
COGNITIVE
AUTONOMOUS
DIVING BUDDY
(CADDY)
14
Sie gaben ihr
Lebenwofür?
23
Pro und
Contra
Ganz langsam
44
Zehn Jahre
Qualitätszirkel
Zum Titelbild:
„Das Foto zeigt drei unterschiedliche Tauchcomputer am Ende eines Tauchgangs. Alle Computer befinden sich auf exakt
der gleichen Tiefe, zeigen aber 3 unterschiedliche Tiefen an ... und zeigen 3 völlig unterschiedliche Angaben der zu
berechnenden Rest-“Null-Zeiten“ (Foto: A. Salm, näheres zum Foto im Artikel „Der etwas andere Vergleich“ auf S. 14).
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caisson | Jg. 30 | Nr. 1 | März 2015
INHALTSVERZEICHNIS
Inhalt
BOOT Messe 2015
02
03
05
Stand-Impressionen
EDITORIAL
14
23
31
38
Alles neu... W. Welslau
Impressum & Hinweise für Autoren
TAUCHMEDIZIN
06
HYPERBARMEDIZIN
COGNITIVE AUTONOMOUS
DIVING BUDDY (CADDY)
- Operational Safety and Preliminary
Results, S.M. Egi, C. Balestra, M. Pieri, D.
Cialoni, G. Thomas, A. Marroni
Yet Another Benchmark
– Der etwas andere Vergleich – Teil I
A. Salm
PRO und CONTRA – Ganz langsam
- geänderte Aufstiegsgeschwindigkeit im
VDST, D. Michaelis & F. Hartig
Y-40 –
Das tiefste Schwimmbad der Welt, W. Welslau
33
Deko-Tauchgänge
– Angst und Faszination im Buddyteam
R. Herr
36
Sie gaben ihr Leben - wofür?
Einfluss der Druckluftverordnung
auf die HBO
D. Tirpitz
AKTUELLES
40
EUBS-Membership?
C. Balestra
41
Neue Ehrenmitglieder der GTÜM
K. Hasmiller
42
Tauchmedizin-Workshop, Innsbruck, 21.2.2015
ÖGTH/GTÜM/DAN Europe - Bericht
T. Grabher
44
Zehn Jahre Qualitätszirkel
Tauch- und Hyperbarmedizin in Wetzlar
W. Hühn
46
Kongress-Ankündigungen
47
Kursangebote
49
GTÜM-zertifizierte Veranstaltungen
50
GTÜM-Adressen
Impressum & Hinweise für Autoren
caisson
| Organ der Gesellschaft für Tauch- und Überdruckmedizin e.V. | ISSN 0933-3991
redaktion: Dr. Wilhelm Welslau, Seeböckgasse 17/2, A-1160 Wien, Tel.: +43 (0)699 1844 2390, [email protected]
herausgeber: Dr. med. Karin Hasmiller (Vorstand der GTÜM), BG-Unfallklinik Murnau, Prof. Küntscher-Straße 8, D-82418 Murnau
Tel.: +49 (0)8841 48 2709, [email protected]
Geschäftsstelle: GTÜM e.V., Dunja Hausmann, BG-Unfallklinik Murnau, Prof. Küntscher-Straße 8, D-82418 Murnau
Tel. +49 (0)8841 48 2167, Fax +49 (0)8841 48 2166, [email protected]
Satz, Layout: Dagmar Venus, Paderborn, Lektorat: taucherarzt.at, Wien, Druck & Versand: Druckerei Marquart GmbH, Aulendorf, Auflage 1.400.
caisson erscheint viermal jährlich, etwa zur Mitte der Monate März, Juni, Sept. und Dez., Redaktionsschluss: 15. Feb., 15. Mai, 15. Aug. und 15. Nov.
Der Bezugspreis ist im Mitgliedsbeitrag enthalten.
Alle Zuschriften an die Redaktionsadresse. Kürzungen vorbehalten. Namentlich gekennzeichnete Beiträge stellen die Meinung des Autors dar und sind
nicht als offizielle Stellungnahme der Gesellschaft aufzufassen.
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Einsendeschluss ist jeweils der 15. Tag im ersten Monat des Quartals.
Es können nur solche Arbeiten und Zuschriften veröffentlicht werden, die per E-Mail oder CD bei der Redaktion eingehen.
Datenformat: Microsoft Word, Silbentrennung: keine, Literaturverzeichnis: Nummerieren.
Die Autoren werden gebeten, nach Möglichkeit Artikel aus früheren caisson-Heften zu zitieren.
E-Mail: [email protected]
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TAUCHMEDIZIN. Cognitive Autonomous Diving Buddy (Caddy)
Cognitive Autonomous
Diving Buddy(Caddy)
Operational Safety and Preliminary Results
AUTOR
Prof. Salih Murat Egi
SM Egi1,2, C Balestra1,3, M Pieri1, D Cialoni1, G Thomas1, A Marroni1
Email:
[email protected]
DAN Europe Research Division, Roseto degli Abruzzi, Italy 2Galatasaray University Computer Eng Dept,
Istanbul, Turkey 3Haute Ecole Paul Henri-Spaak, Environmental, Occupational & Ageing Physiology Laboratory, Bruxelles, Belgium
DAN Europe Research
Division
Roseto degli Abruzzi
Italy
1
Kognitiver, autonomer TauchAssistent (CADDY): Betriebssicherheit u. erste Ergebnisse
Summary
Zusammenfassung
Egi SM, Balestra C, Pieri M, Cialoni D, Thomas G, Marroni A. Cognitive Autonomous Diving Buddy (CADDY)
- Operational Safety and Preliminary Results. CAISSON. März 2015;30(1):6-13
Divers (SCUBA, scientific, public safety and technical) operate in harsh and weakly monitored environments in which the slightest unexpected disturbances, technical malfunctions, or lack of attention of a
diver can result in catastrophic consequences. These issues are usually dealt with by pairing up divers
and adopting well defined rules for diving operations
to reduce the chance of accidents. However, during
more challenging dives these procedures may not be
sufficient to ensure almost accident-free operations,
for the divers must maneuver in complex 3D environments, carry cumbersome equipment, and focus
attention on operational details. The core of the rearch and development effort will focus on setting up
symbiotic links between a human diver and a set of
companion autonomous robots. This motivates the
Taucher (Gerätetaucher, Forschungstaucher, Einsatztaucher und technische Taucher) operieren in
rauen, unzureichend überwachten Umgebungen,
in denen kleinste, unerwartete Störungen, technische Fehlfunktionen oder die Unaufmerksamkeit
eines Tauchers zu katastrophalen Konsequenzen
führen können. Diesen Problemen wird üblicher
Weise durch das Tauchen mit Tauchpartner und der
Einhaltung detaillierter Regeln für Tauchoperationen begegnet, um das Unfallrisiko zu reduzieren.
Bei anspruchsvolleren Tauchgängen ist dies aber
eventuell nicht ausreichend, um eine möglichst unfallfreie Durchführung zu gewährleisten, wenn Taucher in komplexen 3D-Umgebungen manövrieren,
dabei mit unhandlichen Ausrüstungen hantieren,
und ihre Aufmerksamkeit auf Details der Tauchaufgabe fokussieren müssen. Der Kern der Forschungs- und Entwicklungsarbeit konzentriert sich
auf die Entwicklung symbiotischer Verbindungen
zwischen einem menschlichen Taucher und einem
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TAUCHMEDIZIN. Cognitive Autonomous Diving Buddy (Caddy)
CADDY team to develop a multi component, highly cognitive underwater robotic system capable of
learning, interpreting, and adapting to the diver’s
behavior and physical state while avoiding the complications of using a robot and the acoustical technologies underwater. This communications addresses
the safety issues and the preliminary results of the
feasibility stage.
Keywords: Acoustic communication, Autonomous
Underwater Vehicle (AUV), Telemetry, Robotics.
Introduction
Despite the advances in biomedical technology,
there have been few efforts for real time wireless
medical monitoring of divers [1-7]. This is partly
due to the inadequacy of the aquatic transmission
environment for the electromagnetic waves. In fact,
acoustic transmission remains the only information
carrier signal for marine environment, but also bring
several problems such as reflection from obstacles,
orientation etc [1]. Within the scope of the CADDY
project, an autonomous underwater vehicle, who
can track the diver for optimal position to act as an
acoustical relay station to a surface vehicle, is proposed for best real time monitoring.
As a general view, the core of the proposed envisioned concept consists of a diver, autonomous underwater robot and autonomous surface robot as it
is shown in the Fig. 1. A diver will interact with the
companion autonomous underwater robot which will
maneuver underwater in the vicinity of the diver and
exhibit cognitive behavior with regard to the diver
actions. The autonomous surface vehicle that communicates with the diver and the autonomous underwater robot is a communication relay link to the
command center but at the same time it also plays
the key role of a navigation aid to the underwater
vehicles. It must adapt its motion so as to optimize
the conditions for increased communications efficiency and navigational accuracy of the three components of the formation.
caisson | Jg. 30 | Nr. 1 | März 2015
autonomen begleitenden Robotersystem. Dies motivierte das CADDY-Team zur Entwicklung eines aus
mehreren Komponenten bestehenden Unterwasser-Robotersystems. Dieses System ist in hohem
Maße kognitionsfähig, lernfähig und interpretationsfähig; es kann sich an Verhalten und physische
Parameter des Tauchers anpassen, und kann so die
Probleme eines Roboter-Einsatzes mit akustischen
Unterwasser-Technologien vermeiden. Die vorliegende Veröffentlichung geht auf Sicherheitsfragen
ein und zeigt vorläufige Ergebnisse auf der Stufe einer Machbarkeitsstudie. (Übersetzung: W. Welslau)
Schlüsselwörter: Akustische Kommunikation, Autonomes Unterwasser-Vehikel (AUV), Telemetrie, Robotik
There are in fact 3 different models for CADDY: Observer, slave and guide. The model which is relevant for underwater physiology is the “observer”
CADDY, that monitors the diver at all times during
the dive and interprets his/her behavior by assessing for example the 3 dimensional body dynamics,
monitoring the respiratory frequency, detecting the
onset of nitrogen narcosis and signs of panic by 3–D
Fig. 1 The CADDY concept
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TAUCHMEDIZIN. Cognitive Autonomous Diving Buddy (Caddy)
enhanced video images, and interpreting symbolic
gestures communicated by the diver.
At this stage, another challenging task is ensuring
that the robotic buddy must maneuver safely around
the diver and any mechanical, acoustical, electrical
or electromagnetic hazard is avoided.
Methods
A consortium of 7 different institutions drafted the
project that will last 3 years and is funded by the European Community‘s Seventh Framework Program
FP7- Challenge 2: Cognitive Systems and Robotics under grant agreement no. 611373. Namely: University of Zagreb Faculty of Electrical Engineering and
Computing, CNR- National Research Council Italy,
Instituto Superior Técnico, Institute for Systems and
Robotics, Jacobs University, University of Vienna, Faculty of Life Sciences, Department of Anthropology,
Newcastle University, School of Electrical & Electronic Engineering, Diver Alert Network Europe. An
Advisory Board (AB) is appointed and steered by the
Executive Board. The AB shall assist and facilitate
the decisions made by the Steering Board. AB is the
body of experts in different field where the CADDY
project finds application domains. They advise, give
practical recommendations and refer to practical
problems. The User Board (UB) has been initialized
and will be maintained and enriched during the project lifetime with the intention of keeping CADDY in
relation with potential external stakeholders, likely
to be affected by and benefit from the work carried
out in CADDY. User-Board members’ feedbacks will
be collected with a dual objective: internal for advising and guidance, and external for dissemination
purpose. Until now, 14 different organizations including industry leaders such as PADI (Professional
Association of Diving Instructors) and COMEX joined
the user board.
The entire project is divided into 6 work packages
namely: Robotic diver assistance system, Seeing the
diver, Understanding the diver, Diver-robot cooperation and control, Integration and validation, Diver
safety and regulation issues.
Safety first:
During the first period, the existing vehicles that will
be adapted for the purposes of the CADDY project
were evaluated regarding safety issues. This will
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mainly focus on the vehicles’ maneuvering capabilities as an indicator of whether the vehicles are safe
to be used for interaction with divers. The hazards
of ancillary equipment such as scaling LASER2s and
acoustic modems or re-locators were addressed as
well.
Following the literature survey, the common standards of safety for Human - Machine interaction were
identified and are to be used by The AUV designers
during the entire project; to list the major ones:
• ISO 10218: Safety requirements for industrial robots • ISO 12100: Safety of machinery – General principles for design – Risk assessment and risk reduction
• ISO 13849: Safety of machinery – Safety-related
parts of control systems
• ISO 13850: Safety of machinery – Emergency
stop – Principles for design
• ISO 13854: Safety of machinery – Minimum gaps
to avoid crushing of parts of the human body
• ISO 13855: Safety of machinery – Positioning of
safeguards with respect to the approach speeds
of parts of the human body. • ISO 13857: Safety of machinery – Safety distances to prevent hazard zones being reached by
upper and lower limbs
• ISO 14738: Safety of machinery – Anthropometric requirements for the designs of workstations
at machinery
• ISO 13482: Robots and robotic devices – Safety
requirements for personal care robots service
• ANSI/RIA R15.06-1999. American National Standard for Industrial Robots and Robot Systems
— Safety Requirements American National Standards Institute, Inc. June 21, 1999
• IEC 62061 Safety of machinery – Functional safety of safety-related electrical, electronic and
programmable electronic control systems
• IEC 60204 Safety of machinery
• IEC 61310 Safety of machinery – indication, marking and actuation – Part 1 Requirements for visual, acoustic and tactile signals
• IEC 62046 Application of protective equipment
to detect the presence of persons
• IMCA D002 Battery packs in pressure housings • IMCA D039 FMEA guide for diving systems
• IMCA D045 Code of practice for the safe use of
electricity under water
• IMCA D046 Considerations for the safe operations of autonomous underwater vehicles (AUVs)
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TAUCHMEDIZIN. Cognitive Autonomous Diving Buddy (Caddy)
Potential Hazards of Man-Machine
interactions
a. Trauma
Considering the payload and the speed of the AUV‘s
used in CADDY, they are less likely to cause any let
hal trauma by direct collision except that the collision area is the face or by a direct hit of the propeller
It this case AUV‘s not only cause a deadly trauma but
may also hit the regulator and may cause the loss of
primary gas supply. A special lightweight protected
SCUBA system is developed to provide full redundancy, full face mask and helmet use against trauma’s
during system validation trials (Fig. 2 and 3).
Fig 2. Full face mask-helmet combination with acoustical communication system (OceanReef Inc, photo: DAN
Europe)
b. Electrical shock
The hazards of the use of electricity underwater
were perfectly described in IMCA document IMCA
D 045, R 015, Code of Practice for The Safe Use of
Electricity Under Water. All other risks associated
with the use of electric power under water (mechanical risks, non-electric burns, ionising radiation,
and generation of sound, ultra-sound and shock
waves) are excluded. The most obvious of these is
electric shock and the prevention of this is the primary intent of the Code. In addition, degradation
of electrical insulating material by heat can result
in the emission of toxic or explosive products, and
hot surfaces or electric arcs from faulty equipment
or switching devices can ignite some gas mixtures
and pollute the diver’s breathing gas supplies. Information on the prevention of these hazards is included in the Code.
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Fig 3. Diver with DiverNet sensors and redundant-protected SCUBA system (Innovasub LTD, photo: DAN Europe).
c. Acoustical trauma
Divers exposed to high levels of underwater sound
can suffer from dizziness, hearing damage or other
injuries to other sensitive organs, depending on the
frequency and intensity of the sound. This may include neurological symptoms such as blurred vision, light-headedness, vibratory sensations in hands,
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TAUCHMEDIZIN. Cognitive Autonomous Diving Buddy (Caddy)
arms and legs, and tremors in upper extremities
[8-10]. Sound Exposure Level (SEL), the time integral of sound pressures received over the duration
of exposure, which reflects the total sound energy
received during exposure. This measure recognizes
that the effects of sound are a function of exposure
duration as well as maximum instantaneous peak
pressure. SEL allows comparison of short exposures
to high sound pressure levels with longer exposures
to lower pressure levels. SEL is referenced to both a
reference pressure (1 μPa) and an exposure duration
(1 s), and has units of decibel (dB).
means of bubble growth initiation have been hypothesized; 1) activation of bubble nuclei (microscopic
bubbles) that are stabilized within the tissues, and
2) acoustic or mechanical cavitation [16,17]. This is
especially very important since a close cooperation
and thereby a sustained subjection to sound waves
will be expected in CADDY. During decompression
phase of the dive bubble growth might be mediated
or enhanced by the corresponding resonant sound
frequencies.
There is wide agreement that Pmax and SEL are appropriate measures for assessment of sound impacts
on marine animals [11,12]. Note that McCauley et
al. (2000) refer to SEL as “equivalent energy”. Published data from humans under water in literature
are scarce and sometimes use different terminology with regard to sound levels. For example sound
pressure levels measured in air are normally reported with a reference pressure of 20 μPa whereas levels measured in water are normally reported with a
reference pressure of 1 μPa. Therefore, in the diving
environment it is recommended to use SPL (sound
pressure level) threshold with reference pressure of
one micropascal (1 μPa) for both water and air measurements in order to compare values from different
sources [13,14].
The salt water is a very good filter for electromagnetic waves. However, there is still a potential hazard
while using LASER for scaling. On the other hand,
some diver equipment are reported to fail when subjected to high EM fields, such as the wireless air integration units.
The second mechanism of acoustical trauma is postulated to occur by resonance of the gas containing
tissues such as lungs, sinuses etc. A recent workshop
on acoustical trauma that whereas the preceding logic makes it seem unlikely that acoustic resonance
in air spaces played a primary role in tissue trauma,
nevertheless the only acceptable basis for testing
this hypothesis is empirical data. [15]
The third mechanism of trauma is by acoustically
mediated bubble growth/formation. One mechanism
of tissue damage is sonic-induced bubble formation
or growth in tissues that are supersaturated with nitrogen (or other biologically inert gases used in diving
such as helium). The amount of gas dissolved in tissues is a function of dive depth (hydrostatic pressure), dive duration, descent and ascent rates, and the
depth at which gas exchange is precluded by alveolar collapse. In humans and some other mammals,
especially those breathing compressed gas, sudden
decompression causes nitrogen to come out of solution and form bubbles (termed decompression sickness, caisson disease, or the “bends”). Two possible
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d. EM hazards
e. Psychological problems
The existence of the AUV in the vicinity of the diver
may impose a threat and reduce the work efficiency.
They can also diminish the attention span of the divers. We believe that this will be overcome to a great
extent over the time by habituation. It is also true
that even the presence of a human „new“ buddy will
diminish the task efficiency of the diver while compared to the „usual dive buddy“.
First experiments
A first feasibility study with 9 dives has been carried
out with a total bottom time of 786 min, maximum
depth 5 meters, in Pag Island, Croatia (12-16 May
2014). The main purposes of the experiments are:
• To calibrate the respiratory frequency measurements
• To use the stereo camera for interpreting the
hand signals and the body position
• To use the network of inertial sensors that gives
•
the dynamic position of the limbs, head and the
trunk. This network constitutes the backbone of
the general data acquisition system Divernet 1.0.
To use the scanning sonar to acquire diver images underwater.
Pag experiments include as well dry experiments on
land to investigate the effect of breathing through a
regulator on the breathing pattern. As the breathing
belt was not yet integrated into DiverNet version 1,
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TAUCHMEDIZIN. Cognitive Autonomous Diving Buddy (Caddy)
the experiment was carried out on land. Breathing
belt, Heart frequency sensor, Video stimulus (screen
saver), Sony Digital HD Video Camera Recorder HRXMC2000E, ADI BioAmp, PowerLab, Air tank, Regulator, Diving mask were used. The participants wore a
breathing belt (UFI Model 1132 Pneumotrace II™) as
well as a heart frequency sensor (Polar) and were filmed with a camera. During the measurements, participants focused on a computer screen with a moving screen saver in order to avoid being distracted.
Each participant was recorded for 3 minutes without
regulator and afterwards 3 minutes with regulator
(attached to a gas tank) and a diving mask. The diving mask inhibited breathing through the nose. 15
participants (8 men; mean age: 29.1 yrs; 7 women,
mean age: 25.0 yrs) were recorded.
have been carried out with a total bottom time of
408 min, maximum depth 8 meters. In addition to
the previous tasks in Pag, they were required to carry out specific tasks, to test the DiverNet and the
different states such as exhaustion and low level of
stress that is induced by clearing the mask or switching to alternate air source.
The Pag experiments were followed by the dives in
the world’s deepest swimming pool Y-40 (Padova,
Italy). 25 divers gave informed consent to join the
Y-40 experiment in 3-4 June 2014. 16 CADDY dives
Fig. 4. DiverNet Sensors are mounted prior to the dive
to test diver Robert van den Berg, DAN Europe Regional Training Coordinator, Austria. photo: DAN Europe
Results
The project completed its first year as of January
2015. No incidents and accidents were encountered
except a trip-slip incident without any damage. The
initial results revealed the efficiency of the DiverNet
1.0 in the movement reconstruction and modeling
(Fig. 4, 5, 6 and 7).
Fig. 5. Positional Image reconstructed using the DiverNet
data. Position of diver at surface is clearly identified and
shown on display. photo: DAN Europe
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For the dry experiment results, in this comparison
we get surprising results. Basically we analyzed
time series parameters. Heart activity was analyzed
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TAUCHMEDIZIN. Cognitive Autonomous Diving Buddy (Caddy)
Fig. 6. Diver with DiverNet sensors swimming at depth.
photo: DAN Europe
with the following parameters: Heart rate; General
changes over time (expressiveness); Acceleration
speed and deceleration speed; Amount of change to
max amplitude and to min amplitude; Turbulence –
a measure for deviations from regularity. Breathing
patterns were analyzed with the following parameters: Breath rate; General changes over time; Inhalation and exhalation speed; Inhalation and exhalation
amplitude; Turbulence. The differences between the
use of a regulator (WR) and free breathing (WOR)
are few. Only breath rate is affected by the regulator.
Breath rate is significantly lower in the WR condition
(Mean breath rate WR: mean = 11.30 breaths per
minute; WOR: mean = 14.48 breaths per minute;
paired t-test: t = -3.809; p = 0.003). Speed of inhalation and exhalation, turbulence (variation) and
amplitude are not affected significantly. Moreover
breath rate seems to be individual specific (breath
rate WR correlates with breath rate WOR: r = 0.617,
p = 0.043). When subjects breathe through a regulator the rate of breathing is lower. The other parameters are not affected. In contrast to breathing, heart
activity features like speed of changes goes up significantly when breathing through a regulator (WR:
3.27; WOR: 2.61, paired t-test: t = 3.359; p = 0.007,
and we find that turbulence is lower when breathing
through a regulator (WR: 0.546; WOR: 0.815; paired
t-test: t =-2.896; p = 0.016). On a physiological level this might suggest that the organism reaches an
upper threshold of possible performance when breathing through a regulator.
Conclusion
Fig 7. Positional Image of diver in Fig. 6 reconstructed
using the DiverNet data. photo: DAN Europe
The commercial divers are often monitored by ROVs
to increase safety and efficiency. Recreational and
scientific divers may also operate in harsh and weakly monitored environments in which the slightest
unexpected disturbances can result in catastrophic
consequences. The ROVs cannot be used in some
cases such as during dives with increased mobility
with SCUBA.
The CADDY project will not only enable underwater
physiological data collection and estimate the cognitive status, but also is aimed to be an important tool
of safety provided that the hazard identification and
risk assessments guidelines developed in the beginning of the project are followed together with the
general concerns of the use of any form of artificial
intelligence in autonomous robots [18].
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caisson | Jg. 30 | Nr. 1 | März 2015
TAUCHMEDIZIN. Cognitive Autonomous Diving Buddy (Caddy)
Isaac Asimov noted in writing The Three Laws
of Robotics that a robot will have to be encoded
with at least three basic rules:
1. Don‘t hurt a human being, or through inaction, allow a human being to be hurt.
2. A robot must obey the orders a human gives
3.
it unless those orders would result in a human
being harmed.
A robot must protect its own existence as long
as it does not conflict with the first two laws.
References
1. Baggeroer AB. Acoustic telemetry—An overview.
IEEE J Oceanic Eng 1984; OE-9: 229–235.
2. Egi, SM. Design of an acoustic telemetry system for
rebreathers. Undersea Hyperbaric Med 36(1), 6571, (2009).
3. Fell RB, Skutt HR, Waterfield A. A four-channel ultrasonic telemetry system for obtaining physiological
data from ocean divers. Biotelemetry 1974;1(1):509.
4. Gooden BA, Feinstein R, Skutt H.R. Heart rate responses of scuba divers via ultrasonic telemetry.
Undersea Biomed Res 1975; 2(1): 11-19.
5. Istepanian RSH. Use of microcontrollers for diver
monitoring by underwater acoustic biotelemetry in
multipath environments. Ph.D. dissertation, Loughborough Univ., U.K. 1994.
6. Kanwisher J, Lawson K, Strauss R. Acoustic telemetry from human divers. Undersea Biomed. Res 1974;
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7. Woodward B and Istepanian RSH. Physiological monitoring by underwater ultrasonic biotelemetry. J.
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4. The Diving Medical Advisory Committee (DMAC),
The Effect of Sonar Transmission on Commercial
Diving Activities, - IMCA C006, Rev 1, International
Marine Contractors Association (IMCA) ublications,
2011.
5. Steevens CC, Russell KL et al. Noise-induced neurological disturbances in divers to intense water-borne sound: two case reports. Undersea Hyperbaric
Med 1999: 26, 261-265.
6. Fothergill DM, Sims JR, Curley MD. Recreational
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sound. Undersea Hyperbaric Med 2001, 28, 9-18.
7. McCauley RD, Fewtrell, J, Duncan, AJ, Jenner C, Jenner M-N, Penrose JD, Prince RIT, Adhitya A, Murdoch
J, McCabe C, 2000. Marine seismic surveys: analysis and propagation of air gun signals; and effects
of air gun exposure on humpback whales, sea turtles, fishes and squid. Report on research conducted for The Australian Petroleum Production and
Exploration Association. CMST Report 99-15, 185 pp.
caisson | Jg. 30 | Nr. 1 | März 2015
8. Southall BL, Bowles AE, Ellison WT, Finneran JJ, Gentry RL, 2007. Criteria for Behavioural Disturbance.
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9. Parvin SJ, EA Cudahy, Fothergill DM. Guidance for
diver exposure to underwater sound in the frequency range from 500-2500 Hz. Underwater Defence
Technology 2002.
10. Ainslie MA. Review of published safety thresholds
for human divers exposed to underwater sound.
TNO report 2007- A 598.
11. Report of the Workshop on Acoustic Resonance as a
Source of Tissue Trauma in Cetaceans.April 24 and
25, 2002, Silver Spring, MD.
12. Houser DS, Howard R, Ridgway S, 2001. Can divinginduced tissue nitrogen supersaturation increase
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marine mammals? J. theor. Biol. 213:183-195.
13. Crum LA, Mao Y, 1996. Acoustically enhanced
bubble growth at low frequencies and its implications to human diver and marine mammal safety. J.
Acoust. Soc. Amer. 99:2898-2907.
14. Bostrom Nick. Superintelligence: Paths, Dangers,
Strategies. Oxford University Press; 1 edition (September 3, 2014).
CADDY is a collaborative project funded by the
European Community‘s Seventh Framework Programme FP7 Challenge 2: Cognitive Systems and
Robotics - under grant agreement no. 611373.
The authors would like to thank Karl Grammer,
Anna Schaman, Robert van den Berg, Roswitha
Prohaska and Wilhelm Welslau for their contribution.
| 13
TAUCHMEDIZIN. Yet Another Benchmark - Teil I
Yet Another Benchmark
Der etwas andere Vergleich - Teil I
AUTOR
Albrecht Salm
Physiker
PADI Master Scuba-Diver Trainer
SSI Extended Range Instructor
TL für Tauchsportcenter
Esslingen
(www.tauchturm.com)
Berater bei SubMarineConsulting
(www.SMC-de.com).
Email: [email protected]
M
it diesem Vergleich im Teil I wollten wir (SubmarineConsulting) ein paar aktuelle Tauchcomputer, (gedruckte) Tauchtabellen sowie Desktop/PC
Dekompressions-Software durch unseren berühmtberüchtigten Test-Luft-Tauchgang auf 42 m, 25
min Grundzeit, herausfordern. Für anspruchsvolle
Sporttaucher ist das mit einer Standardausrüstung
durchaus machbar: es gibt ja auch genügend attraktive Ziele in deutschen Gewässern. Das Wrack des
Schaufelraddampfers “Jura” im Konstanzer Trichter
des Bodensees ist nur eines dieser Ziele (s. Abbildung 2). Darüberhinaus wollen wir auch die Grundlagen zum Verständnis des Teils II schaffen. Der Teil
II wird das gleiche Tauchprofil behandeln, jedoch mit
einer etwas exotischeren Atemgasmischung, nämlich ein Heliox20 (20% Sauerstoff, 80% Helium). Den
Sinn mit dieser Mischung zu arbeiten werden wir
ebenfalls im Teil II erläutern. Teil II wird im nächsten
caisson erscheinen.
Aber unsere Taucherin wird relativ zügig ein gutes
Gespür für die starke Variabilität der Ergebnisse aus
Tabelle 2 entwickeln: die Extrem-Werte der sogenannten “TTS“ (time-to-surface, üblicherweise die
Summe aller Stoppzeiten + Aufstiegszeit) aus dieser
Tabelle sind für ihren Luft-Tauchgang:
• ca. 16 min mittels einer RGBM-Tabelle, über:
• 85 min (eine konservative Spezial-Tabelle für
Sporttaucher von meinem Freund Dr. Max Hahn;
mittels einem Perfusionsmodell berechnet: der
maximal erlaubte Inertgasüberdruck wurde hierbei auf 0,4 bar festgelegt [1, 4]) bis hin zu
• 102 min mit einem anderen Blasenmodell (VPM)
gerechnet.
Abb.1: Drei Tauchcomputer gegen Ende eines durchschnittlichen Tauchganges. Die Computer befinden sich
auf exakt der gleichen Tiefe, aber mit bereits 3 verschiedenen Tiefenangaben … und mit 3 völlig unterschiedlichen Angaben zu den berechneten Rest-„NullZeiten“ (Foto: A. Salm, näheres zum Foto im Text).
14 |
caisson | Jg. 30 | Nr. 1 | März 2015
TAUCHMEDIZIN. Yet Another Benchmark - Teil I
Bevor wir uns in einige Details der Tabelle 2 vertiefen, müssen wir zur Kenntnis nehmen, daß es
für die oben erwähnte TTS keinen allgemeingültigen Standard gibt, an den sich alle halten würden
… Wir fanden mehrere Wege zur Berechnung der
TTS:
TTS (time-to-surface)
A) TTS = BT + TST + AT
B) TTS = TST + AT
C) TTS = TST = TDT
Legende
Abbildung 2: Typischer Bodenseebewohner auf der Reeling des Jura-Wracks (Foto: Tauchsportcenter Esslingen,
mit freundlicher Genehmigung)
Übersicht über gängige Dekompressionsmodelle
A) Perfusionsmodelle
Die Perfusion dominiert den Sättigungs-/Entsättigungsvorgang, in zeitlicher Reihenfolge:
John Scott Haldane: 1907, Robert Dean Workman:
1965, Siegfried Ruff und Karl Gerhard Müller:
1966, Heinz R. Schreiner: 1971, Albert Alois Bühlmann: 1978 sowie Max Hahn
TTS = time-to-surface
BT = Bottom Time (effektive Grundzeit, auch hier üblicherweise die Abstiegszeit bereits eingeschloßen)
AT = Ascent Time (normalerweise die maximale geometrische Tauchtiefe dividiert durch die Aufstiegsgeschwindigkeit)
TST = Total Stop Time, die Summe aller Stopp-Zeiten
TDT = Total Decompression Time, eigentlich: TDT =
TST + AT, aber manchesmal halt auch:
TDT = Total Dive Time = BT + TST + AT
Die meisten der Tabellen und Softwareprodukte benutzen die Definition B) für die TTS. Na ja, aber eben
nicht alle und nicht immer … Schlimmer wurde es
nur noch, daß wir bei verschiedenen Tauchcomputern und den PC Softwareprodukten mit jeder Menge
Parameter zu kämpfen hatten, um eine prinzipielle
Vergleichbarkeit überhaupt erst herzustellen! Unser
Ziel war es, hierbei die sogenannte „absorbierte
B) Blasenmodelle
Der Entsättigungsvorgang wird durch Inertgasblasen dominiert, in zeitlicher Reihenfolge:
VPM (Varying Permeability Model) Yount, Hoffman:
1986,
RGBM (Reduced Gradient Bubble Model) Wienke:
1990
C) Hybrid-Modelle
Perfusions- und/oder Blasenmodelle kalibriert mit
Doppler-Messungen, z.B.: Copernicus; Brubakk et
al. 2009
Graphik 1: Inertgasdosis
caisson | Jg. 30 | Nr. 1 | März 2015
| 15
TAUCHMEDIZIN. Yet Another Benchmark - Teil I
Inertgasdosis“ zugrundezulegen: diese Dosis sollte
für alle identisch sein.
Unsere Definition der “absorbierten Inertgasdosis”
ist einfach: es ist das Zeit-Integral (die Fläche über
der roten Linie aufwärts in Graphik 1 unter dem
Tauchprofil, also die Tiefe über der Zeit.
• Hauttemperatur, und dem
• respiratorischen Koeffizienten (Volumenverhältnis von CO2-Produktion zum O2-Verbrauch), sowie bei
• Vasokonstriktion und Bradykardie durch hohen
pO2.
Für ein rechteckiges Kasten- (Topf-, Box-)Profil, das ja
üblicherweise für Tauchtabellen als Basis dient, gilt
geradewegs die Fläche für ein Rechteck:
Nur ein Produkt aus der Tabelle 2 kann alle 4 Parameter bedienen (DIVE: [12], S. 5). Benutzten die Produkte das übliche ZH-L16-System von Bühlmann [2],
so versuchten wir den “ZH-L16C” Koeffizientensatz
zwingend einzusetzen. Dieser ZH-L16C-Satz soll etwas konservativer sein als der ZH-L16A-Satz der für
die ZH86-Tauchtabelle benutzt wurde (Zürich, 1986).
Auch soll der C-Satz die Besonderheiten einer online Berechnung durch Tauchcomputer berücksichtigen ([2], s.S. 158).
Inertgasdosis ~ Tiefe * Zeit
Deshalb mußten wir an den folgenden Parametern
`rumschrauben um genau diese Dosis über den ganzen Vergleich konstant zu halten:
• Abstiegs- und Aufstiegsgeschwindigkeiten
• dem barometrischen Luftdruck zu Beginn des
Tauchganges
• Wassertemperatur, da die Wasserdichte temperaturabhängig ist
• Wasserdichte (also ob mit Süß-oder Salzwasser
gerechnet wird)
• den voreingestellten Gradientenfaktoren (zu
den Gradientenfaktoren siehe entsprechender
Infokasten)
• den Datensätzen der Koeffizienten zur Berechnung der erlaubten / tolerierten Inertgasübersättigungen.
Schwieriger noch wurde es mit intrinsischen, den
versteckten Gradientenfaktoren einiger RGBM-Implementationen. Diese rechnen üblicherweise intern, sozusagen versteckt, mit einem traditionellen
ZH-L Algorithmus. “RGBM folded over ZH-L”, wie Bruce Wienke es sagen würde ([5], S: 195, 297, 347354, 371-376, 335-339) . Dies bedeutet, daß bei diesen RGBM-Varianten die a- und b-Koeffizienten des
ursprünglichen ZH-L Algorithmus “gefaltet”, also
angepaßt wurden, so daß „RGBM-ähnliche“ Ergebnisse erzeugt werden. Der Sinn liegt in einer deutlichen Vereinfachung des relativ komplizierten RGBMAlgorithmus, nur dann kann er mit der beschränkten
Rechenkapazität eines Tauchcomputers bewältigt
werden.
Produkte für den professionellen Einsatz (z.B. “C&R”
construction & repair diving oder Sättigungstauchen) erlauben i.d.R. Änderungen in den Parametern
der Kompartimente bei:
• Arbeitslast (workload, oxygen consumption)
16 |
Wenn wir diesen Kampf verloren hatten, nämlich
bei fixierten resp. gedruckten Tabellen, so ist dies
mit einer Bemerkung in der äußerst rechten Spalte hinterlegt. Und, schließlich: wir reden hier nicht
über marginale Variationen der TTS, sozusagen im
“Sub-5 Minuten-Bereich” sondern über Phänomene
im Bereich Faktor 2 und größer! Ganz viel Spaß wird
unser/e Test-Taucher/in dann haben, wenn er/sie das
arithmetische Mittel und die Standard-Abweichung
aus allen TTS berechnet!
Eine der grundlegenden Ursachen in der TTS-Variation, speziell in der Gruppe der durchaus vergleichbaren Tauchcomputer, resultiert einfach aus dem
statistischen, dem zufälligen Meßfehler. Dieser zufällige Meßfehler tritt bei jeder Messung auf! Und
Tauchcomputer sind nun mal simple Meßgeräte, die
eben die notwendigen Meßgrößen (Druck, Zeit, Wassertemperatur und auch fO2 via Gas-Analyzer) die
in die Dekompressionsberechnung einfließen, erfassen. Nach dem, für uns Taucher ziemlich üblen, Fehlerfortpflanzungsgesetz kann sich die Summe dieser
Meßfehler recht schnell auf ca. 10 bis 20 oder auch
30% ansammeln. Da mit diesem Fehler dann auch
sämtliche Berechnungen geschlagen sind, wollen
wir hier keine Haarspaltereien über ein paar Minütchen treiben: diese kommen schon durch die Statistik, d.h. das zickige Verhalten von Mutter Natur
zustande!
Um der trockenen Tabelle 2 ein bisschen mehr Taucher-Leben einzuhauchen, betrachten wir Abbildung
1: wir sehen 3 Tauchcomputer gegen Ende eines
durchschnittlichen Tauchganges. Diese befinden
sich auf exakt der gleichen Tiefe, aber mit bereits 3
caisson | Jg. 30 | Nr. 1 | März 2015
TAUCHMEDIZIN. Yet Another Benchmark - Teil I
verschiedenen Tiefenangaben. Und, natürlich, auch
mit 3 völlig unterschiedlichen Angaben zu den berechneten Rest-„Null-Zeiten“, den verbleibenden
“NDL”s (sogenannte “no decompression limits”, die
wir deshalb in Gänsefüßchen schreiben, weil, sowas
wie ein „no decompression dive“ ist nicht von dieser
Welt …, siehe hierzu auch [9]). Alle 3 Tauchcomputer behaupten von sich, mit einem mehr oder weniger modifizierten Perfusionsmodell zu rechnen.
Cochran benutzt ein modifiziertes Workman Modell,
allerdings mit 20 Kompartimenten. Der Aladin soll
ein ZH-L benutzen, reduziert von 16 auf 8 Kompartimente. NHeO3 hat ebenfalls ein ZH-L Modell: dieses
mit den ursprünglichen 16 Kompartimenten, aber
modifiziert, um „deep stops“ oder auch Stopps zur
Vermeidung von Mikrogasbläschen, zu erzielen. Zur
leichteren Übersicht finden sich alle diese Informationen aus den Tauchcomputerdisplays von Abbildung
1 in Tabelle 1.
Tabelle 1: 3 Tauchcomputeranzeigen
Tauchcomputer:
Hersteller & Typ
aktuelleTiefenangabe [m]
„NDL“ bzw. StoppZeit [min.] (*)
COCHRAN: EMC-20 H
16,4
+5
VR Technology:
NHeO3
16,8
-3
(1‘/3m + 2‘/17m)
UWATEC: Aladin
TEC 2G
16,9
+ 10
(*) 1. Tauchgang des Tages, d.h. kein Wiederholungstauchgang, max. Tiefe ca. 31 m, aktuelle Laufzeit ca. 42
min für alle Tauchcomputer, keine speziellen Leistungsmerkmale aktiviert wie z.B.: Konservativismusfaktoren,
„Level Stops“ etc.
wie deren Produkte sind mittlerweile vom Markt verschwunden.) zwang mich allerdings bereits auf 17 m
für 2 min zu einem “micro bubble avoidance stop”,
einem „deep stop“, dem Stopp zur Vermeidung von
Mikrogasbläschen. Zusätzlich lautete die Dekoprognose auf einen 1minütigen Stopp in 3 m Tiefe (1‘/3m).
Dies ist auch der Grund, warum sich der rechte Teil
seines Displays rot eingefärbt hat: die 2 min Pause
nutzte ich, um das Photo für die Abbildung 1 anzufertigen. Abbildung 1 zeigt nun alle bereits erwähnten Problemchen auf einen Blick:
• Abweichungen in den Meßgrößen
• Abweichungen in den daraus berechneten Dekompressionsangaben
Aber die dahinterlauernde richtig schlechte Nachricht
ist die: je länger und tiefer der Tauchgang ist, desto
größer häufen sich die Abweichungen auf! Sicherlich
ist dies für einen durchschnittlichen Sporttauchgang
nicht so wahnsinning interessant: für ambitionierte
Sport- oder gar TEC-Taucher allerdings schon! Darüberhinaus dürfte sich das auch bei Tauch-Safaris
auswirken: die meisten Tauchtabellen beenden die
Oberflächenpause nach 6 oder 12 h. Beim Non-LimitTauchen von Live-Aboards wird dies mit Sicherheit
nicht eingehalten. Einzig die Tauchcomputer rechnen
bis zum bitteren Ende…
Und dann gibt es noch eine ganz andere, sehr
schlechte Nachricht, über die bereits vor 4 Jahren
hier in caisson informiert wurde: je mehr Helium das
Atemgemisch enthält, desto deutlicher treten die Abweichungen hervor [11]. Insbesondere bei schlechten
oder auch nur schlampigen Implementierungen, sei
es in einem Mischgastauchcomputer oder in einer Dekompressionssoftware für den PC.
Der EMC-20 H von Cochran, Texas (ganz links im
Bild) zeigt die kleinste Tiefe und die kürzeste verbleibende Restnullzeit/NDL. Dies Gerät glänzt nicht nur
durch eine sehr hohe Zuverlässigkeit, sondern auch
durch eine automatische Adaption der Tiefenangabe
an die Wasserdichte (via einer Leitfähigkeitsmessung). Die längste NDL zeigt das Gerät TEC 2G von
Uwatec / Scubapro (oben im Bild), programmiert für
Süßwasser und damit auch mit der größten Tiefenangabe. Unser kleiner Freund und Mischgasrechner
NHeO3 aus Großbrittannien (ganz rechts im Bild,
damals noch von der Firma VR Technology. Diese so-
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| 17
TAUCHMEDIZIN. Yet Another Benchmark - Teil I
Tabelle 2: Testtauchgang mit Luft, 42 m, 25 min. Grundzeit (Quelle [8])
Stoppzeiten/Methode
24
m
21
m
18
m
15
m
12
m
9m
6m
3m
FwDV 8
OSTC 3
TTS
min
Bemerkungen
0
Nicht erlaubt!
6
9
15
RGBM
1
2
3
3
7
16
Tabelle (s.u.)
GAP
1
3
3
3
7
17
RGBM -2
2
2
3
8
19
Konservativ = 0
U.S.N. alt
2
14
20
MDv 450/1
5
15
20
+ ca. 4,2 !
5
13
24
V 3.01
OSTC V 470
6
14
25
TDT = 50
Ultimate Planner 1.2
6
15
25
TDT = 50
3
18
26
Tabelle (s.u.)
3
22
29
EMC
Decotrainer
1
IANTD Air
1
4
MN 90
BGV C23
3
7
17
30
Nur Austauchzeit
DIVE 3_0
1
6
16
27
TDT = 52 (*)
3
22
28
F.F.E.S.S.M
OSTC V 434
1
6
16
28
TDT = 53
DIVE 2_905
2
6
16
29
TDT = 54
MNT 92
3
7
20
30
42 m / 27 min
U.S.N. 2008
26
31
140 feet
USN 09-03
28
33
140 feet
42 m / 27 min
ZH-86
4
7
19
33
4
8
16
33
Trust 2.2.17
4
7
19
34
DCIEM
7
8
17
36
1
8
21
36
Version 11/2011
3
k.A.
k.A.
36
L0 (Level Stop)
DECO 2000
NHeO3
1
26/2
2
TEC
DP
TDT = 59
1
1
3
4
9
19
37
GF: 45 / 90
GAP
1
1
1
2
4
9
19
37
GF: 45 / 90
VPM
2
2
3
4
6
8
14
39
138 feet
-
2
-
-
2
8
22
40
3 m -> 4,5 m
1
k.A.
k.A.
k.A.
40
L1
VR3
2
TEC
2
4
4
6
10
12
40
RGBM recreational
HLP 1.x
2
3
4
6
9
16
40
Default
EMC
2
1
3
4
8
19
41
Konservativ = 50
GAP
18 |
2
caisson | Jg. 30 | Nr. 1 | März 2015
TAUCHMEDIZIN. Yet Another Benchmark - Teil I
Stoppzeiten/Methode
24
m
21
m
18
m
15
m
12
m
9m
6m
3m
TTS
min
VPM
1
2
3
3
5
6
9
14
43
Bühlmann Sicherheitsfaktor = 145,4 feet
3
k.A.
k.A.
k.A.
45
L2
4
6
11
19
46
VPM: Rel 3.1.4
5
5
9
25
47
24 min GZ
TEC
DP (**)
1
2
2
Hahn DC-12
Bemerkungen
TEC
1
k.A.
k.A.
k.A.
k.A.
50
L3
TEC
3
k.A.
k.A.
k.A.
k.A.
57
L4
3
4
6
8
13
24
60
VPM 10% Safety factor
2
k.A.
k.A.
k.A.
k.A.
k.A.
65
L5
1
8
13
39
69
Cons.: 50
73
P2 / A0
85 +
Tabelle (s.u.)
102
VPM 30% Safety factor
HLP
2
TEC
NHeO3
27/2 20/2
SDP
1
1
Hahn
HLP 1.x
2
3
4
6
Legende (alphabetisch)
BGV C23 = Berufsgenossenschaftliche Vorschrift; ersetzte die alte VBG 39, vom 01.04.2001
DC-12 = UWATEC / Scubapro Tauchcomputer mit dem
P-6 Koeffizientensatz von Dr. Max Hahn; vgl.: http://
www.divetable.info/kap4.htm
8
13
22
44
F.F.E.S.S.M. = Commission Technique Regionale Bretagne & Pays de la Loire (auf M.N. 90 basierend; Auftauchgeschwindigkeit mit 15 – 17 m/min
FwDV 8 = Feuerwehr-Dienstvorschrift 8, Stand 03/2014
(geht nur bis 36 m)
GAP = GasAbsorptionProgram Version 2.3.1665
DCIEM = Defence & Civil Institute of Environmental Medicine) seit 01.04.2002: Defence R & D Canada - Toronto, DRDC Toronto, Lufttabelle aus dem “Diving Manual”
DCIEM No. 86-R-35 March 1992, S. 1B-14
Hahn = Spezialtabelle mit erlaubtem Inertgasüberdruck = 0,4 Bar, [4]
Hahn DC-12 = Uwatec Tauchcomputer, Nachfolger des
legendären MicroBrain
DECO 2000 = Luft-Tabelle von Dr. Max Hahn für Sporttaucher, 2000; erhältlich bei: www.vdst-shop.de/
HLP 1.x = HL Planner Version 1.0.2314, http://www.hlplanner.com/
Decotrainer: www.decotrainer.de
IANTD = Intl. Assoc. of Nitrox & Tec Divers; Technical
Diver Encyclopedia, May 1998, S. 233; www.iantd.com
DIVE: kostenloser download, erhältlich unter: http://
www.divetable.info/dive/kap3.htm
DP = DecoPlanner Version 2.0.40 resp.:
DP (**) = DecoPlanner Version 3.1.4, http://www.globalunderwaterexplorers.org/
EMC = Cochran EMC-20 H, Version j, www.divecochran.com
caisson | Jg. 30 | Nr. 1 | März 2015
MDv = Marine Dienstvorschrift 450/1 Anlage 6; für Lufttauchgänge entspricht dies der veralteten DRÄGER Tabelle 210, letzte Version von 1970 und 1984 (Information nur zum internen Dienstgebrauch).
MN 90 & MNT 92 = Ministere du Travail, vom 15.05.1992,
0 – 300 m Höhe, Auftauchgeschwindigkeit mit 12 m/min
| 19
TAUCHMEDIZIN. Yet Another Benchmark - Teil I
NHeO3 = Nachfolger des VR3 Mischgascomputers von
DeltaP Technologies, dieser wurde vom Markt genommen nach einer Vielzahl von Problemen. Die Nachfolgefirma, http://www.techsupport.technologyindepth.com/,
existiert nun auch nicht mehr; es war ein ziemlich kryptisch modifiziertes ZH-L (****)
OSTC = Open Source Tauchcomputer / Planner (Software); http://ostc-planner.net; V kennzeichnet die verschiedenen Softwareversionen
OSTC 3: Testgerät mit Softwareversion V 0.9 von
05/2013
RGBM = Reduced Gradient Bubble Model, Tabelle gekauft in 2003 bei: rgbmdiving.com (***),
SDP = Suunto Dive Planner 1.0.0.3, www.suunto.com
TEC = Uwatec / Scubapro Aladin TEC 2G Tauchcomputer, erlaubt vom Benutzer frei einstellbare “level stops“
(L0 → L5)
Trust : http://www.keimes.de/ dies ist eine freeware,aber
benötigt Java ( ☹ ), das ebenso freeware ist
TTS = time-to-surface (nach Ablauf der Grundzeit (GZ))
Ultimate Planner: http://techdivingmag.com/ultimateplanner.html
U.S.N. = the United States Navy; the NEDU (Naval Experimental Diving Unit) kümmert sich um diese Dinge; das
aktuelle Taucherhandbuch, die Rev. 6 von 2008 mit allen Tabellen ist da erhältlich: NAVSEA, www.supsalv.org
; resp.: http://www.supsalv.org/pdf/Dive%20Manual%20
Rev%206%20with%20Chg%20A.pdf
VPM = Varying Permeability Model, hier eine Excel Version von Eric Baker (für XP oder ältere MS-Windows Betriebssysteme, d.h.: nicht mehr erhältlich)
VR3 = Mischgascomputer von DeltaP mit bis zu 10 Gemischen, ZH-L basierend; war einst der Star unter diesen Geräten; vgl. oben beim NHeO3
ZH-86 = Zürich Lufttabelle1986, [2],s. S. 225
(*) DIVE 3_0 mit einer vollständigen numerischen Lösung
des Mischgasproblems, d.h. ohne Rundungen, im Gegensatz zu DIVE 2_905, das wie fast alle PC-Progrämmchen rechnet …
(***) Auch diese Firma ging bankrott; ca. 2004; darüberhinaus gab es etwas Unruhe nach den Rekompressionsbehandlungen von Mark Elyatt nach ein paar von
seinen Rekordtauchgängen, die mittels RGBM geplant
waren ... [6]; ein Belegexemplar gibt es da zum kostenlosen ‘runterladen: http://www.divetable.info/skripte/
ntable.pdf
(****) bitte vergleichen: http://www.divetable.info/kap8.
htm
20 |
Was uns nun so richtig den Tag verdorben hatte, war
das folgende:
• Die Variation der TTS mit einem Faktor von ca. 6
(102 / 16 = 6,3).
• Die Variationen nur bei der gleichen Software
oder dem gleichen Tauchcomputer, aber durch
verschiedene Versionen. Dieses Phänomen tritt
bei unserem Heliox20 Tauchgang (im Teil II im
nächsten caisson) besonders deutlich hervor.
Nota Bene: die Differenzen von den verschiedenen
Einträgen aus den United States Navy Tabellen sind
eben nicht „halt eine andere Version“! Diese Unterschiede rühren von einem kompletten Umdenken
bei der Dekompression her. Das Umdenken änderte das alte „Bob Workman-Arbeitspferd” von 1965
[7] zum sogenannten „VVAL18 LEM“ Modell von Ed
Thalmann. Das Workman-Modell seinerseits war
eine modifizierte Version des guten alten HaldaneModells. Es hatte ein paar mehr Kompartimente,
nämlich 8 statt 5 ([7], s.S. 10) und berechnete die
erlaubten Inertgasüberdrücke mit der berühmten
linearen „M-Wert“-Gleichung. Haldane selber zeigte
die Grenzen seiner Tabelle #1 ganz klar auf: Tiefe <
50 m, TTS < 30 min, keine Wiederholungstauchgänge (nur mit besonderen Vorsichtsmaßnahmen), nicht
für „alte“ (> 40 Jahre) Taucher und auch nicht für
„fette“ Taucher („inclined to obesity“) [3]! Darüber
hinaus betonte Haldane deutlich, daß dieses Modell
nur für eine ungestörte Dekompression („uneventful decompression”) gilt, d.h. keine Störungen durch
Inertgasblasen! Haldanes Argument war, daß Gasblasen die Perfusion mechanisch behindern, d.h. die
Durchblutung stören. Aber eine ungestörte Durchblutung ist essentiel für eine erfolgreiche InertgasEntsättigung.
Aus diesem Grunde sagte Ed Thalmann: „... at NEDU
our exponential uptake on off-gassing led us into a
brick wall. I injected the V-VAL 18 into it, the exponential uptake and linear off-gassing model”. Captain Dr. Edward D. Thalmann, Naval Forces under
the Sea: The Rest of the Story, S. 293. Sinngemäß:
„…die NEDU-Modelle mit der exponentiellen Gasaufnahme und -abgabe führten uns in eine Sackgasse.
Deshalb brachte ich das V-VAL18 ins Spiel: mit exponentieller Gasaufnahme, aber mit einer linearen
Gasabgabe“.
Die Idee der linearen Gasabgabe bedeutet einfach
eine Verlangsamung gegenüber den bisher üblichen
exponentiellen Entsättigungsrechnungen. Die neue
caisson | Jg. 30 | Nr. 1 | März 2015
TAUCHMEDIZIN. Yet Another Benchmark - Teil I
USN Tabelle (Revision 6, 2008) verlängerte aus diesem Grunde sogut wie alle Dekompressionsstopps
und verlegte darüberhinaus von 10 auf 20 feet (ca.
6 m). Es gibt in dieser Tabelle also den guten, alten
„3 m Stopp“ nichtmehr! Das die USN diese Tabelle
schon nach ca. einem Jahr wieder revidierte und die
Stoppzeiten erneut um ca. 2 min erhöht hatte (Zeile
darunter in Tabelle 2: USN 09-03), spricht eigentlich
nur für die hohe Qualität der Tauchgangsdokumentation und der verantwortlichen Tauchmediziner. Noch
während der Veröffentlichung der Rev. 6 traten 19
Fälle von DCS Type II (ZNS) bei 1629 Tauchgängen
auf, dies hauptsächlich bei den Profilen 130 bis 190
feet (im Tiefenbereich von 40 bis 60 m; Quelle [9]).
In dem Bereich, der uns hier besonders interessiert,
130 bis 150 feet (40 bis 46 m; Grundzeiten 10 bis 30
min.) traten die meisten DCS-Probleme auf: nämlich
13 der bisher 19 beobachteten Fälle ([9], s.S. 9). Die
recht naheliegende Frage beim Betrachten der Tabelle 2 ist doch:
Ist die längere TTS auch sicherer?
D.h.: ist die TTS von 100 min+ wirklich “6-mal” sicherer als die kürzeste aus dem RGBM Modell?
Hmmmmmmm: sehr wahrscheinlich nicht. Eine
Dekompressionskrankheit ist ein ziemlich seltenes
Ereignis. Es passiert so ca. 1-2 Mal bei 100.000 wissenschaftlichen Tauchgängen oder bei ca. 10.000
Sporttauchgängen, ca. 3 Mal bei ungefähr 10.000
militärischen Tauchgängen (“normal operation”),
1-2 Mal bei 1.000 bis 2.000 kommerziellen („C&R“)
Tauchgängen und war exakt 338 Mal bei 7.755 experimentellen Tauchgängen der USN NEDU (Navy
Experimental Diving Unit) zu beobachten. Es gibt
auch ein anderes hübsches Ergebnis von Dick Vann
(UHMS, Annual Scientific Meeting 2008, S. 251), das
dies bestätigt (s. Graphik 2).
Im Klartext: es handelt sich hier nicht nur um Tiefe,
Zeit und fO2! Sondern auch und ganz besonders um:
die körperliche Belastung und die Hauttemperatur!
Dieses sehr schöne Ergebnis hat die USN NEDU wie
folgt als Empfehlung zusammengefaßt; Zitat: “Divers should be kept cool during dive BT and warm
during subsequent decompression.“ (Sinngemäß:
Die Taucher kühl halten während der Grundphase und „warm halten“ während den Deko-Stopps;
Quelle [10], S. 36). Dies entspricht in der Graphik
den grünen Markierungen mit „USN Thermal ColdWarm“: dort sind die DCS Risiken dramatisch verringert, z.B. gegenüber anderen Experimenten bzw.
den TEC-Dives in Scapa Flow. Sicherlich gibt es
caisson | Jg. 30 | Nr. 1 | März 2015
Graphik 2:
DCS Risiko, abhängig von den Tauchbedingungen
auch statistisch bisher unbewertet Parameter wie:
individuelle Empfänglichkeit für DCS inklusive der
Blutchemie und den Mikro-Partikeln, Dehydration,
Fitness und das Alter ... ☺.
Schließlich und endlich sollten wir nicht vergessen,
was Michael Powell ziemlich launig im TechDiving
Magazine zum Besten gab: „No tables have been
tested with subjects haling tanks on the surface.”
[TDM, Ausgabe 10, 2013], S. 26 (Sinngemäß: “Keine
Tabelle wurde mit Tauchern getestet, die ihre Flaschen durch die Gegend schleifen.“).
Anläßlich des 15jährigen Jubiläums der Druckkammerzentren RMT am 02. Februar 2013 hielt ich einen
kleinen Vortrag über diese Themen. Im Anschluß
daran haben dann noch die Doktores Arne Sieber
(www. seabear-diving.com) und Adel Taher (der die
Deko-Kammer in Sharm el Sheikh betreibt) mit mir
disputiert: eines der Argumente war, daß trotz der
600% Spreizung der TTS die sogenannte P(DCS),
die statistische Wahrscheinlichkeit, sich eine Dekompressionskrankheit zu kontrahieren, mehr oder
weniger gleich groß wäre für alle betrachteten
Tauchprofile. Rein mathematisch betrachtet ist das
sicherlich richtig, allerdings hilft dies beim Tauchen
im echten Leben auch nicht viel weiter. Eine klare
Trennung mit mindestens 1% P(DCS)-Unterschied
von einer TTS zu einer anderen mit 0, einem oder
zwei DCS-„Hits“ mit einer vernünftigen statistischen
Genauigkeit würde ca. 300 weitere kontrollierte
Tauchgänge erfordern. Oder, um dies für uns ins
| 21
TAUCHMEDIZIN. Yet Another Benchmark - Teil I
richtige Tauchen zu übersetzen: habt ihr am letzten
Wochenende einen DCS-freien Mischgas-Tauchgang
gemacht und wollt nun wissen, ob der absolut identische Tauchgang am nächsten Wochenende ebenso DCS-frei bleibt, so bewegt sich euer statistisches
Vertrauensintervall hierfür von ca. nahezu 0% (d.h.
so gut wie unbekannt) bis ca. 90% (d.h. fast sicher!).
Darum: die ganz einfache Botschaft von Teil I ist:
Keiner dieser Inertgas-Buchhalter (Dekompressionsmodelle, Tabellen, Tauchcomputer) hat die absolute Wahrheit
gepachtet: KEINER!
…wird fortgesetzt im Teil II mit einem Heliox-Tauchgang und im Teil III mit Blasenmodellen und den statistisch basierten Tauchtabellen.
Details zu den Perfusionsmodellen
Alle Dekompressionsmodelle teilen den menschlichen Körper gedanklich in sogenannte „Kompartimente“. Diese sind Gruppen von Modellgeweben,
die identisch durchblutet werden. Die Kennzahl eines Kompartimentes ist die „Halbsättigungszeit“, im
wesentlichen der Kehrwert der Perfusionsrate. Der
Sättigungs- oder der Entsättigungsvorgang mit einem Inertgas ist damit eine Exponentialfunktion für
jedes dieser Kompartimente. Es gibt schnelle und
langsame Kompartimente. Ein schnelles Kompartiment hat eine hohe Perfusion und somit eine kleine
Halbsättigungszeit im Bereich von Minuten. Langsame Kompartimente, d.h. geringere Perfusion, können Halbsättigungszeiten im Bereich von n* 10 min
bis hinzu mehreren Stunden aufweisen.
Perfusionsmodelle (s. obiger Infokasten) berechnen
die erlaubten / tolerierten Inertgasübersättigungen
pro Kompartiment mit einer einfachen linearen Beziehung, einer Geradengleichung. Bei Haldane war
diese Beziehung ca. „2 : 1“, d.h. die Gerade hatte
eine konstante Steigung die für alle 5 Kompartimente galt. Das USN Modell von Bob Workman führte
für seine Geradengleichung eine Steigung ein (ΔM)
und einen Achsenabschnitt (M0): diese beiden Werte
waren unterschiedlich für alle 8 Kompartimente. Das
sogen. ZH-L 16 (wie ZH für Zürch, L für lineare Gleichung) besitzt 16 Kompartimente. Die beiden Parameter für die 16 Geradengleichung werden dort a- &
b-Koeffizienten genannt.
Da die klinische Grenze zwischen „DCS“ und „keine
DCS“ sich nicht unbedingt an diese scharfe Geraden
22 |
anschmiegt, werden in der Rechen-Praxis sogenannte „Gradientenfaktoren“ (GF) eingefügt: hiermit werden die erlaubten / tolerierten Inertgasüberdücke
empirisch nach unten korrigiert. Alle o.g. Forscher
haben diese Faktoren benutzt, jedoch unterschiedlich bezeichnet und auch argumentiert.
Albrecht Salm
Literatur
1. Hahn MH. 1995. Workman-Bühlmann algorithm
for dive computers: A critical analysis. In: Hamilton RW, ed. The effectiveness of dive computers
in repetitive diving. UHMS workshop 81(DC)6-1-94.
Kensington, MD: Undersea and Hyperbaric Medical
Soc.
2. Tauchmedizin, Albert A. Bühlmann, Ernst B. Völlm
(Mitarbeiter), P. Nussberger; 5. Auflage in 2002,
Springer, ISBN 3-540-42979-4
3. Boycott, A.E., Damant, G.C.C., & Haldane, J.S.: The
Prevention of Compressed Air Illness, Journal of Hygiene, Volume 8, (1908), pp. 342-443.
4. Hahn M, Wendling J: No-Bubbles Decompression
Tables. In: Safety Limits of Dive Computers, UHMS
workshop 1992, pp. 68 – 72
5. Wienke, Bruce R. (2008) Diving Physics with Bubble Mechanics and Decompression Theory in depth,
Best Publishing Company, ISBN 978-1-930536-33-3
6. Ellyatt, Mark: Ocean Gladiator, Battles beneath the
Ocean, 2005, Emily Eight Publications Ltd., ISBN
978-0-9551544-0-9
7. Workman, Robert D. „Calculation of Decompression
Tables for Nitrogen-Oxygen and Helium-Oxygen Dives,“ Research Report 6-65, U.S. Navy Experimental Diving Unit, Washington, D.C. (26 May 1965)
8. Salm, Albrecht (2001) “Dekompression” Manual
zum deco workshop des Tauchsportcenters Esslingen, Version 2015, S. 211
9. Navy Experimental Diving Unit, TA 04-12, NEDU TR
09-03, January 2009: RISK OF CENTRAL NERVOUS
SYSTEM DECOMPRESSION SICKNESS IN AIR DIVING
TO NO-STOP LIMITS
10. Navy Experimental Diving Unit TA 03-09, NEDU TR
06-07, November 2007: The Influence of Thermal
Exposure on Diver Susceptibility to Decompression
Sickness
11. CAISSON 26. Jg./2011/Nr. 3, S. 4 - 12: Dekompressionsberechnungen für Trimix-Tauchgänge mit PCSoftware: Reparieren Gradientenfaktoren defekte
Algorithmen oder defekte Software-Implementierungen?
12. TechDivingMag, Issue 17, December 2014, Between
Bounce & Saturation: Diving the Tarbela Dam, by
Ben Reymenants
caisson | Jg. 30 | Nr. 1 | März 2015
TAUCHMEDIZIN. Pro und Contra
PRO und CONTRA
Unter dieser Überschrift veröffentlicht caisson in unregelmäßiger Folge kontrovers diskutierte Themen.
Zuletzt haben wir das in caisson 4-2011 zum Thema „HNO-ärztliche IGeL-Liste zur Tauchtauglichkeits-Untersuchung“ gemacht. Gern veröffentlicht caisson auch Ihre Leserbriefe zu diesen Themen oder nimmt Ihre
Ideen für neue Pro und Contra-Themen auf.
Heute geht es um Pro und Contra zu den vom VDST in 2013 veröffentlichten und inzwischen in Ausbildungsunterlagen umgesetzten neuen Empfehlungen zur Aufstiegsgeschwindigkeit. Die Red.
GANZ LANGSAM
Geänderte
Aufstiegsgeschwindigkeit
Die VDST-Ausbildung folgt neuesten Erkenntnissen und reduziert die Aufstiegsgeschwindigkeiten auf den letzten
Metern zur Oberfläche. „5 Minuten für die
letzten 5 Meter“ heißt die Devise – gute
medizinische Gründe sprechen dafür. Und
praktikabel ist es auch, wie Tests bei
Tauchlehrer-Prüfungen zeigten.
Abdruck aus sporttaucher Nr. 5, 2013, S. 6‑7 mit
freundlicher Genehmigung
caisson | Jg. 30 | Nr. 1 | März 2015
Betrachtet man die üblichen Aufstiegsgeschwindigkeiten im Tauchen über die letzten 50 Jahre hinweg, so stellt man fest, dass sie sich immer weiter
reduziert haben. Die wichtigen Versuche zur Dekompressionsforschung wurden durch John Haldane in England durchgeführt. Er teilte den Körper in
fünf fiktive Gewebe ein, denen er unterschiedliche
Halbwertszeiten zuteilte. Nach Beobachtung postulierte er, dass eine Halbierung des Umgebungsdruckes keine klinisch fassbaren Symptome hervorrufen. Dieses 1:2-Verhältnis behielt lange Jahre seine
Gültigkeit – auch im Sporttauchbereich. Haldanes
Druckkammerversuche mit Ziegen erlangten weltweite Berühmtheit. Seine hier gesammelten Erfahrungen und Daten wurden mit denen von englischen
Navy-Tauchern erweitert. Ernsthafte Versuche der
US-Navy folgten ab 1910 – nun mit System und festen Parametern. Das Ziel war es, ein besseres Verständnis zu schaffen und Richtlinien für den Tauchbetrieb zu erstellen. Hierzu benutzte die Marine
| 23
TAUCHMEDIZIN. Pro und Contra
einen Kran, mit dem die „Probanden“ auf Tiefe gebracht und anschließend nach gewissen Vorschriften dekomprimiert wurden. Dieser Kran arbeitete
mit einer Geschwindigkeit von 18 Meter pro Minute.
Vielen Tauchern ist diese Aufstiegsgeschwindigkeit
noch bekannt - sie galt bis in die 80er Jahre auch im
VDST, als noch nach den US-Navy Tabellen getaucht
wurde – ein rein pragmatischer Ansatz also.
Später änderte die US-Navy die Geschwindigkeit auf
10 Meter pro Minute für den Bereich von 20 Meter bis
zur Oberfläche. Anfang der 80er Jahre führte Alfred
Bühlmann selbst Versuchsreihen durch. Er arbeitete mit einer Aufstiegsgeschwindigkeit von 10 Meter
pro Minute und entwickelte entsprechende mathematische Verfahren, die zu den Tabellen „Bühlmann/
Hahn“, zur „Deco 92“ und schließlich zur „Deko
2000“ führten. Die mathematischen Verfahren waren die Grundlage zur Entwicklung von Tauchcomputern. Diese Algorithmen wurden in den folgenden
Jahren von Tauchcomputerherstellern verfeinert und
erweitert. In einigen aktuellen Modellen werden nur
noch Geschwindigkeiten von 10 Meter pro Minute in
tieferen Bereichen und 6 Meter pro Minute im Bereich ab 10 Meter toleriert. Inzwischen ist die Zahl
der Berechnungsverfahren und der Parameter durch
die Vielzahl der Hersteller schier unübersichtlich.
Aber überall ist der gleiche Trend zu sehen: Die Aufstiegsgeschwindigkeiten haben sich in den letzten
Jahren schrittweise deutlich reduziert.
Woran liegt das?
In den letzten 20 Jahren hat sich vieles im Bereich der
Dekompressionsforschung getan. Eine verbesserte
Medizintechnik machte es möglich, auf breiter Basis mehr über die Entwicklung von Stickstoffblasen
nach Tauchgängen zu erforschen. Sonographie und
Doppleruntersuchungsmethoden fanden Einzug in
die Welt der Taucher. Es wurden Tiefenstopps diskutiert und neue mathematische Modelle – sogenannte
blasenorientierte Modelle (VPM, RGBM) – eingeführt.
Die Sättigung und Entsättigung der Gewebe folgen
einem exponentiellen Verlauf. Rein mathematisch
müsste ein Gewebe in der gleichen Geschwindigkeit,
wie es gesättigt wird, auch wieder entsättigen. Dem
ist aber nicht so. Verschiedenste physiologische
Faktoren wie unterschiedlicher Fettgehalt, unterschiedliche Durchblutung oder Temperatur bringen
Veränderungen – jeder Taucher „entsättigt“ anders.
Auch reagieren die verschiedenen Gewebe unterschiedlich auf Druckentlastung. Das von Haldane
propagierte 1:2-Verhältnis trifft nicht auf jedes Ge24 |
webe zu, gerade die langsameren Gewebe haben
hier eine geringere Toleranz. Auch welche Einflüsse
die unterschiedlichen Gewebe aufeinander haben,
ist noch nicht sicher bekannt. Hier gilt es noch zu
forschen. Auch die Taucher verändern sich: Dem
demographischen Wandel folgend steigt auch das
Durchschnittsalter der Taucher. Hinzu kommen weitere Risikofaktoren wie beispielsweise Übergewicht.
Nach WHO-Angaben sind 50 Prozent der Menschen
in Industriestaaten übergewichtig. Die Auswirkungen
auf die Dekompression sind hinreichend bekannt.
Dekostress vermeiden
Unter „Dekostress“ versteht man eine deutliche Abgeschlagenheit nach Tauchgängen. Oft kann diese
nicht nur mit körperlicher Belastung begründet werden. Beim Auftreten dieser Symptome gilt äußerste
Vorsicht. Früher galt der anstrengende Tauchgang
als Begründung für die Abgeschlagenheit – man
hatte ja beim Aufstieg alles richtig gemacht. Heute
weiß man: Dieser Dekostress ist als Vorstufe einer
Dekompressionserkrankung zu werten. Eigene Beobachtungen zeigten, dass dieser Dekostress mit
den neuen Aufstiegsgeschwindigkeiten deutlich reduziert ist, zumindest subjektiv.
Drosselt man nun die Aufstiegsgeschwindigkeit vor
allem im flacheren Bereich, werden die Tauchgänge
zwar minimal länger – aber der Zugewinn an Sicherheit wächst. Ziel dieser Maßnahmen ist es, die Blasenbildung zu reduzieren und somit dem Auftreten
einer Dekompressionskrankheit (DCS) vorzubeugen.
Der VDST-Fachbereich Ausbildung hat die Empfehlungen des Fachbereichs Medizin aufgenommen und
umgesetzt. Viele Ausbildungsunterlagen (VDST-Folien, Prüfungsfragen) sind schon geändert. Die Erfahrungen zeigen, dass dieses langsame Austauchen
gelernt werden muss. Im Rahmen von Tauchlehrerprüfungen hat es sich aber positiv bewährt und keinerlei Schwierigkeiten für die Teilnehmer dargestellt.
Auch bei Seegang oder Strömung ist ein gezielt
langsames Auftauchen möglich. Es gilt in der VDSTAusbildung: Aufstiegsgeschwindigkeit bis 10 Meter
Tiefe mit 10 Meter pro Minute. Im Bereich von 10
bis 5 Metern Reduktion auf 5 Meter pro Minute, und
ab 5 Meter bis 0 Meter mit 1 Meter pro Minute. Eine
Reduktion der Aufstiegsgeschwindigkeit geht mit einer Reduktion der Blasenbildung einher – und diese
Blasen machen nun einmal die Symptome.
Dr. med. Dirk Michaelis
caisson | Jg. 30 | Nr. 1 | März 2015
TAUCHMEDIZIN. Pro und Contra
Abb. 1: Aktuelle Empfehlung des VDST zur Aufstiegsgeschwindigkeit. Bis 10 Meter Tiefe: 10 Meter pro Minute, im Bereich von 10 bis 5 Metern: 5 Meter pro Minute, ab 5 Meter bis 0 Meter: 1 Meter pro Minute.
Studien zum Aufstieg
• In einer medizinischen Studie von Prof. Alessandro Marroni zeigte sich bereits 1981, dass
eine Reduktion der Aufstiegsgeschwindigkeit
von 18 Meter pro Minute auf 9 bis 10 Meter
pro Minute das Auftreten von Gasblasen von
80,3 auf 20,3 Prozent reduzierte. Signifikante Gasblasen der Größe 2 bis 3 (Indikator für
eine schlechte Dekompression) gab es nur in
der Gruppe mit durchgehend 18 Meter pro
Minute bis zu Oberfläche. Das Auftreten von
DCS-Symptomen konnte durch die Reduktion
der Geschwindigkeit in dieser Studie auf 0 Prozent gesenkt werden. Aufgrund dieser Daten
wurde im Italienischen Verband die Auftauchgeschwindigkeit auf 9 bis 10 Meter pro Minute
gesenkt.
caisson | Jg. 30 | Nr. 1 | März 2015
• Peter Bennet untersuchte von 1995 bis 1997
den Unterschied von 9 Meter pro Minute und
17 Meter pro Minute bei gleichen Tauchgängen
(Dekotauchgänge: 35 Meter, 25 Minuten). 37,5
Prozent der Untersuchten zeigten bei einer Geschwindigkeit von 9 Meter pro Minute Blasen
der Größe 2 bis 4. In der Gruppe mit 17 Meter
pro Minute zeigten sich die entsprechenden
Blasen aber bei über 50 Prozent der Probanden. Auch das Alter hatte einen entscheidenden Einfluss. Eine Blasenbildung trat bei 11,8
Prozent der Teilnehmer unter 40 Jahren auf, bei
den über 40-Jährigen waren es dagegen 64,3
Prozent. Ein weiterer Faktor für ein erhöhtes
Auftreten von Blasen zeigte sich im Körpergewicht. Unter 76 Kilo Körpergewicht zeigten
11,8 Prozent signifikante Blasenbildung, über
76 Kilo Gewicht waren es 50 Prozent. Auch
Tierversuche bestätigten diese Daten.
| 25
TAUCHMEDIZIN. Pro und Contra
PRO
„Ganz langsam“
AUTOR
des o.g. sporttaucherArtikels und der ergänzenden PRO-Stellungnahme
Dr. med. Dirk Michaelis
Facharzt für Anästhesie |
Intensivmedizin | Notfallmedizin | Betriebswirt (VWA)
Hessischer Landesverbandsarzt (VDST)
Ärztlicher Leiter der
Druckkammerzentren
Rhein-Main-Taunus
Schiersteiner Straße 42,
D-65187 Wiesbaden
klassische Entsättigungskurve an, so findet man an
keiner Stelle eine Erklärung für das Einlegen eines
Sicherheitsstopps. Die Gase entsättigen nach unseren Modellvorstellungen kontinuierlich. Es wird eine
Kurve beschrieben, die asymptotisch gegen Null
(Oberfläche) geht. Somit ist es nur logisch, diesem
Kurvenverlauf beim Tauchgang zu folgen. Dieses
Verhalten bildet am besten eine in den letzten Metern immer langsamer werdende Auftauchgeschwindigkeit ab.
Studien, die zeigen konnten, dass die Unfallrate mit
abnehmender Aufstiegsgeschwindigkeit sinkt, gibt
es bereits (siehe sporttaucher-Artikel oben).
Nullzeittauchgänge
Analyse von Tauchgangdaten
I
n den von uns ausgewerteten Tauchgangsdaten
von Tauchunfällen fiel sehr häufig auf, dass trotz
„Nullzeittauchgängen“ Sicherheitsstopps in unterschiedlicher Art und Weise durchgeführt wurden.
In vielen Tauchgängen konnte man erkennen, dass
zum Ende des Tauchganges aus 3-5 Metern Tiefe innerhalb weniger Sekunden der Tauchgang beendet
wurde bzw. förmlich ein „hochploppen“ zur Oberfläche erfolgte. Gerade in den letzten Metern ist die
Auswirkung durch das Gesetz von Boyle-Mariotte
prozentual am größten.
Da somit, trotz Ausschluss anderer Faktoren und
trotz Durchführung von Sicherheitsstopps, Dekompressionsunfälle auftraten, könnte man den Nutzen
von Sicherheitsstopps bezweifeln. Provokant muss
man fragen, warum überhaupt Sicherheitsstopps
durchgeführt werden, da normale Nullzeittauchgang
laut mathematischer Modelle keinen Sicherheitsstopp vorsehen.
Weiterhin gibt es keine Studie, die den Nutzen eines Sicherheitsstopps belegt. Schaut man sich eine
26 |
Gerade der Begriff „Nullzeittauchgang“ suggeriert
den Tauchern oft eine falsche Sicherheit. Immer wieder hört man die Meinung, wenn man in der Nullzeit
bleibt kann man keinen Dekompressionsunfall erleiden. Dies ist schlichtweg falsch.
Mehrere unserer ausgewerteten Tauchunfälle waren
klassische Nullzeittauchgänge. Trotzdem hatten die
Taucher Symptome einer Dekompressionskrankheit.
Oft wird der Nullzeittauchgang bis an das Maximum
ausgereizt, um keine Deko machen zu müssen und
sich somit sicher zu fühlen. Der gleiche Tauchgang
nur eine Minute länger durchgeführt würde zu einer Dekopflicht führen und wird von vielen Tauchern
dann als der unsicherere Tauchgang „gefühlt“. Dabei sind beide Tauchgänge bzgl. der Stickstofflast
annähernd identisch – das Unfallrisiko ebenfalls.
Praktische Erkenntnisse
Wir führen dieses Verfahren bereits seit sechs Jahren
sehr erfolgreich bei Tauchlehrerprüfungen durch. Die
Durchführung gestaltet sich sehr einfach. Sowohl an
einem Riff als auch bei Freiwasseraufstiegen, die obligatorisch mit einer Markierungsboje durchgeführt
werden, lässt sich das bewusst langsame Auftauchen
caisson | Jg. 30 | Nr. 1 | März 2015
TAUCHMEDIZIN. Pro und Contra
CONTRA
„Ganz langsam“
in den letzten Metern mühelos durchführen – auch
bei Wellengang und Strömung.
Aussagen von erfahrenen Tauchern zeigen uns, dass
diese sich mit der langsamen Aufstiegsgeschwindigkeit subjektiv deutlich besser nach Tauchgängen
fühlen. Viele dieser Taucher haben in ihrer Verganheit gleiche Tauchgänge, jedoch mit normalem Austauchen, durchgeführt. Ausnahmslos wird berichtet,
dass man sich mit der langsamen Auftauchgeschwindigkeit „nicht so kaputt“ fühlt. Diese Symptomatik
wurde von anderen Autoren bereits beschrieben und
findet sich unter dem Begriff „Dekostress“. Somit
hilft die langsamere Auftauchgeschwindigkeit den
Dekostress zu reduzieren.
AUTOR
Dr. Frank Hartig,
Taucherarzt (ÖGTH)
Referat Tauchmedizin der ÖGTH
Examiner für Trimixtauchlehrer,
Instructor-Trainer für
Sporttaucher bei Barakuda
IDS/CMAS/RSTC
FA Innere Medizin, Intensiv- u.
Notfallmedizin
OA der Universitätsklinik
Innsbruck
Email: [email protected]
Insgesamt basieren die Überlegungen die Aufstiegsgeschwindigkeit zu reduzieren auf drei Säulen:
1. Analyse von Tauchgangsdaten, die zu Dekompressionssymptomen geführt haben.
2. Theoretisch-mathematische Überlegungen bzgl.
bewährter Entsättigungskurven.
3. Eine größere Anzahl von erfahrenen Tauchern
mit durchwegs positiven Aussagen.
Eine evidenzbasierte Studie existiert hierzu nicht. Allerdings existieren zu den allermeisten Regeln, die in
der Taucherei angewendet werden, ebenfalls keine
entsprechenden Studien. Vieles basiert auf Erfahrungen und Expertenmeinungen. Aus eben genau
solchen Erfahrungen wurden auch die Deep Stops
geboren – heute weltweit angewandt und letztlich
immer noch kontrovers diskutiert. Ich hoffe, dass
sich die langsame Aufstiegsgeschwindigkeit im
Sporttauchbereich etabliert, genauso wie sie bereits
im TEC-Bereich fest und diskussionslos verankert ist.
Dr. Dirk Michaelis
caisson | Jg. 30 | Nr. 1 | März 2015
P
rinzipiell gilt es, Sporttauchen in der heutigen
Definition (keine Dekotauchgänge, Auftauchen
jederzeit möglich) und mit der heutigen Ausrüstung
klar vom technischen Tauchen zu unterscheiden. Eine
1:1-Übernahme von Ausrüstungskonfigurationen
oder tauchtechnischen Regeln ist nur begrenzt sinnvoll.
Vergleich technisches Tauchen und Sporttauchen
Hierzu ist die folgende Analogie vielleicht nützlich:
Formel 1-Bolide vs. Familienauto. Beide Fahrzeuge
haben unterschiedliche Einsatzgebiete und unterscheiden sich daher gehörig, haben aber dennoch
einige Gemeinsamkeiten. Sicherheitsrelevante technische Aspekte aus der Formel 1 wie ABS, ESP oder
Airbags machen absolut Sinn, wenn sie im Familienauto eingebaut sind. Niemand würde aber auf die
Idee kommen, den Hochgeschwindigkeitsspoiler an
das Familienauto zu schrauben oder in einen Formel
1-Boliden einen Kindersitz einzubauen.
Gewisse Trainingsprinzipien wie bedingungsloses
Buddy-Prinzip und Awareness, adaptierte Flossen| 27
TAUCHMEDIZIN. Pro und Contra
schlagtechniken, exakte Tauchgangsplanung und
kontrollierte Auftauchgeschwindigkeit sind zweifellos sinnvoll und sollten von Sporttauchern genauso
beherzigt werden wie die Erkenntnis, dass körperliche Fitness und Normalgewicht wesentliche Voraussetzungen für blasenarmes Tauchen sind.
Auch die ursprünglich aus dem technischen Tauchen
stammenden Deepstops können bei inzwischen
guter Datenlage von Sporttauchern übernommen
werden, in vielen Verbänden existieren auch bereits
entsprechende Empfehlungen hierzu. Natürlich fehlt
eine eindeutige Beweisführung, ob durch Einführung solcher Deepstops das Sporttauchen auch tatsächlich sicherer geworden ist. Die Blasenreduktion
selbst ist zwar untersucht, der Rest ist aber konsensusbasiertes Empfehlungswissen von Experten, also
Evidenz auf geringem Niveau (wie im Übrigen zu den
meisten Fragestellungen im Tauchen).
Keine relevante Aufsättigung der langsamen
Gewebe bei Sporttauchgängen
Beim technischen Tauchen wird in der Regel auf den
letzten 6 Metern bis zur Oberfläche in horizontaler
Wasserlage mit 1 m/min schrittweise (statt kontinuierlich) aufgetaucht. Auf diesen letzten Stopps werden die durch lange und tiefe technische Tauchgänge mit Inertgasen (N2, He) beladenen langsamen
Gewebe entsättigt. Bei langen Explorationstauchgängen ist sogar diese Auftauchgeschwindigkeit
noch zu schnell und wird auf ca. 0,3 m/min (also 3
min/m) reduziert. Wichtig ist aber die Tatsache, dass
bei solchen Tauchgängen Trimix-Gase und Dekompressionsgase eingesetzt werden.
Dieses dekompressionstechnische Austauchen kann
natürlich nicht auf Sporttauchgänge mit max. Tauchtiefen von 30-40 m, Grundzeiten von unter 15 min
und Verwendung von Luft oder Nitrox ohne Dekogase umgemünzt werden. Die langsamen Gewebe sind
bei derartigen Sporttauchgängen aus dekompressionsphysiologischer Sicht kaum relevant mit Inertgas
aufgesättigt. Darüber hinaus haben Sporttaucher
durch Verwendung von Luft/Nitrox eine gänzlich andere Inertgaskinetik, daher ist ein Austauchprocedere wie für technische Tauchgänge weder gerechtfertigt noch sinnvoll.
Keine evidenzbasierte Reduktion der Blasenbildung
Dass, wie im o.g. sporttaucher-Artikel „Ganz langsam“ argumentiert wird, die Blasenbildung durch
Reduktion der Auftauchgeschwindigkeit auf den letzten Metern vermindert werden kann, kann anhand
der angegebenen Studien von Marroni und Bennett
nicht nachvollzogen werden. In den zitierten Studien
wurden zwei verschiedene Aufstiegsgeschwindigkeiten ab Verlassen der Zieltiefe verglichen (9-10 m/
min vs. 17-18 m/min), das Austauchen auf den letzten Metern nach Verlassen des Sicherheitsstopps
mit 1 m/min wurde in keiner der angeführten Studien untersucht.
Im Gegenteil, in der Studie von Marroni et al. von
2004 [1] (s. Abb. 1) wurde festgestellt, dass eine
Verlängerung der Gesamtaufstiegszeit durch Reduktion der Aufstiegsgeschwindigkeit auf 3 m/min
zu einer signifikant erhöhten Blasenlast führte. Auch
in dieser Arbeit wurden verschiedene Aufstiegsgeschwindigkeiten (3 m/min, 10 m/min und 18 m/
min) für die gesamte Dekompression verglichen und
nicht explizit die Aufstiegsgeschwindigkeit der letzten 5 m. Es ist aber nicht möglich, aus diesen Daten
auf eine Beeinflussung der Blasenlast (Verringerung
oder Vergrößerung) durch Reduktion der Aufstiegsgeschwindigkeit auf den letzten 5 m zu schließen.
Abb. 1: Die Daten von Marroni et al. (2004) zeigen die
Reduktion
der
Blasenbildung
durch
Deepstops
Häufigkeit der
Taucher
mit vielen bzw.
sehr vielen
venösen Gasblasen-Detektionen (VGE) bei einem Tauchgang
(25 m Tiefe und 25 min Grundzeit) mit verschiedenen
Aufstiegsgeschwindigkeiten.
28 |
caisson | Jg. 30 | Nr. 1 | März 2015
TAUCHMEDIZIN. Pro und Contra
Demgegenüber gibt es auch für Sporttauchprofile
bezüglich der Deepstops einen dekompressionsphysiologischen Nutzen, der mehrfach untersucht
wurde. Gerade die beliebten sog. Bounce Dives oder
tiefen Tauchgänge (auf 30 bis 40 m) mit raschem
Aufstieg können zu vermehrtem Auftreten von
Mikroblasen und zu kritischer Übersättigung der
ultraschnellen Gewebe führen. Durch einen taucherisch einfach durchzuführenden Deepstop können
diese Mikroblasen mit noch kleinem Durchmesser in
2-3 Minuten zur Lunge transportiert und dort effektiv
abgeatmet werden. Interessanterweise zeigen die
Daten von Bennett et al. von 2007 [2] sogar, dass
ohne Einhaltung eines Deepstops die Verlängerung
des Sicherheitsstopps auf 10 min (das entspricht
in etwa der Gesamtauftauchzeit mit 1 m/min plus
Sicherheitsstopp) die Blasenlast in keinster Weise so
effektiv reduzieren konnte, wie durch Einhaltung eines Deepstops (s. Abb. 2 &. Abb. 3). Darüber hinaus
zeigte die Länge des Sicherheitsstopps (zwischen 1
und 5 min) keinen großen Einfluss auf die Blasenlast,
wenn ein 2,5 min Deepstop eingehalten wurde (s.
Abb. 2).
Abb. 2: Die Daten von Benett et al. (2007) zeigen den
Bubble Score Index (BSI) bei verschiedenen flachen
Stopp- (shallow stops, ss) und tiefen Stoppzeiten (deep
stops, ds).
Aufgrund dieser Datenlage ergibt sich zum momentanen Stand des Wissens eine klare Empfehlung für
die Durchführung von Deepstops und keinerlei Hinweise für einen Benefit durch Verlängerung der Austauchzeit der letzten 5 m. Zudem ist das Austauchen
auf den letzten Metern im Freiwasser technisch oft
schwierig (Wellengang!) und für Tauchanfänger nicht
anwendbar. Hier als repräsentative Gruppe Tauchlehrer anzuführen macht wenig Sinn, da der Großteil
der Taucher wenig routiniert (Urlaubstaucher) und
nicht im Training ist. Dass ein oft zu beobachtendes
promptes „Herausschießen“ Richtung Oberfläche
oder zur Bootsleiter nach Absitzen des Sicherheitsstopps ungünstig ist, liegt auf der Hand und wird in
keinem Verband für Sporttaucher unterrichtet. Gelehrt wird in fast allen Verbänden ein kontrolliertes
Auftauchen nach Beendigung des Sicherheitsstopps
in ca. 1-2 min bis zur Oberfläche.
Erwähnenswert ist abschließend noch, dass mittlerweile manche Tech-Tauchverbände dazu übergehen
auch Sporttaucher in Tech-Ausrüstungskonfiguration
(Wing, Backplate, Longhose/Backup, horizontale
Wasserlage, schrittweise Aufstiege) auszubilden, um
sie so von Anfang an an die zukünftigen Tauchtechniken des Technical Diving zu gewöhnen. In einem solchen Setting kann natürlich eine schrittweise, kontrollierte und horizontale Auftauchgeschwindigkeit
caisson | Jg. 30 | Nr. 1 | März 2015
Abb. 3: Die Daten von Marroni et al (2004) zeigen die
Häufigkeit der Taucher mit vielen bzw. sehr vielen venösen Gasblasen-Detektionen (VGE) bei einem Tauchgang
(25 m Tiefe und 25 min Grundzeit) mit verschiedenen
Stoppverfahren beim Auftauchen.
| 29
TAUCHMEDIZIN. Pro und Contra
von Beginn an und in technischer Konfiguration diskutiert werden. Aber auch diese recht neue Generation von „Recreational Divers“ taucht in der Regel
mit lediglich 3 m/min (stufenweise) aus. Mit „stufenweise“ ist ein rasches Auftauchen auf die nächst höhere Stufe und dann ein Sistieren bis zum Ende der
Stufenzeit gemeint.
Studientechnisch gibt es zum Thema ‚Austauchgeschwindigkeit auf den letzten 6 m beim Sporttauchen im Gegensatz zum Thema Deepstops keine
auch nur annähernd überzeugenden Daten. Somit
gibt es aus tauchtechnischer und dekompressionsphysiologischer Sicht keinen überzeugenden Grund,
die derzeitige Austauchempfehlung „Sicherheitsstopp von 3 min auf 5-6 m, anschließend kontrolliertes Auftauchen in ca. 1-2 min bis zur Oberfläche“ in
irgendeinem Punkt zu ändern.
Das Fazit „Eine Reduktion der Aufstiegsgeschwindigkeit geht mit einer Reduktion der Blasenbildung
einher“ ist nicht immer ganz richtig und kann daher nicht generell für das Austauchen übernommen
werden. Aus meiner Sicht wäre ein Richtliniencharakter (in den Ausbildungsstandards vorgegebene
Austauchregel statt Empfehlung) einer solchen Auftauchregel mit 1 m/min für das Sporttauchen recht
heikel, da sie auf wenigen Autorenmeinungen fußt
und weder konsensusbasiert noch validiert ist.
Dr. Frank Hartig
Literatur
1. Marroni et al (2004). A deep stop during decompression from 82 fsw (25 m) significantly reduces
bubbles and fast tissue gas tensions. Undersea Hyperb Med. 2004 Summer;31(2):233-43.
2. Bennett et al. (2007). Effect of varying deep stop
times and shallow stop times on precordial bubbles
after dives to 25 msw (82 fsw). Undersea Hyperb
Med. 2007 Nov-Dec;34(6):399-406.
Mit 40 Meter Tiefe ist
das „Y-40“ in Montegrotto Therme bei Padua die
derzeit tiefste öffentlich
zugängliche Indoor-Tauchanlage weltweit (Foto:
Rene Lipmann (duiken),
mit freundlicher Genehmigung).
30 |
caisson | Jg. 30 | Nr. 1 | März 2015
TAUCHMEDIZIN. Y-40
Y-40
das tiefste
Schwimmbad
der Welt
AUTOR
Dr. Wilhelm Welslau
Redaktion caisson
[email protected]
I
m Juni 2013 begannen die Arbeiten in Montegrotto
Terme (bei Padua) in Italien am weltweit tiefsten
Schwimmbecken. Am 5. Juni 2014 fand die Eröffnungsfeier statt. Y-40 (so der Name der Installation)
verfügt über einen 21 x 18 m messenden Pool, eine
Maximaltiefe von 40 m, Plattformen in unterschiedlichen Tiefen (1,3m, 5m, 6m, 8m, 10m, 12m, 40m),
vier künstliche Unzerwassergrotten und insgesamt
4.300 Kubikmeter Wasser. Bei einer Wassertemperatur von 32 bis 34 °C kann bequem ohne Nasstauchanzug geschnorchelt und getaucht werden. Die Anlage ist ganzjährig geöffnet und bietet besondere
Trainingszeiten für Apnoetaucher und Sporttaucher
an. Y-40 ist Bestandteil der 4-Sterne-Anlage Hotel
Terme Millepini, wo auch ein Kongresszentrum, SpaPools, ein Wellnesscenter und ein Restaurant zu finden ist.
Y-40 ist ein rein Italienisches Projekt, die Konstruktion stammt vom Architekten Emanuele Boaretto,
caisson | Jg. 30 | Nr. 1 | März 2015
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TAUCHMEDIZIN. Y-40
der sich bei der Realisierung von Experten aus der
Tauchszene beraten ließ.
Die max. Tauchtiefe von 40 Meter ist tauchmedizinisch nicht ohne Risiken. Im Vergleich zum vergleichbaren Projekt „NEMO 33“ in Brüssel mit max.
33 Meter Tauchtiefe sind im Y-40 deutlich kürzere
Nullzeiten auf Maximaltiefe zu berücksichtigen.
Leider liegen caisson derzeit keine Informationen
zum tauchmedizinischen Sicherheitskonzept vor
(Gesundheitscheck, Tauchbrevet-Kontrolle, Tauchzeitbegrenzung, Bereitstellung von Reserve-Luft/
Deko-Gasen, Rettungskette, Transport zur Druckkammer).
Weitere Informationen und Bilder s. www.y-40.com.
Wilhelm Welslau
Abb. oben und unten: Y-40 The Deep Joy, mit freundlicher Genehmigung)
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caisson | Jg. 30 | Nr. 1 | März 2015
TAUCHMEDIZIN. Deko-Tauchgänge
Deko-Tauchgänge
Angst und Faszination im Buddyteam
I
n Zweier-Gruppen springen wir ins Wasser zur Bojenleine, ein kurzer Blick zum Partner und wir tauchen an der Leine ab in das tiefdunkle Blau. Erneute prüfende Blicke mit kaum merkbarem Stopp auf
5 und 20 m: alles klar und es geht weiter. Wegen
der Strömung halten wir die Leine im offenen Griff
und sausen immer tiefer, bis fast aus dem Nichts
ab 30 m schemenhafte Umrisse zu sehen sind: die
Donator. Nicht wegen der Anstrengung rast unser
Puls, sondern die Faszination des Wracks nimmt
uns ein. Kaum zu überblicken sind die zahllosen
Fischschwärme, deren Zuhause wir besuchen.
AUTOR
Roland Herr
CMAS TL2/1788
Freier Journalist
und Autor
Bielefeld/Bangkok
[email protected]
können. Es geht auf Höhe der Reling um das Wrack,
zum Steuerrad, ein Blick in die Laderäume des
nach Ende des 2. Weltkriegs auf eine Mine gelaufenen Frachters und an den Außenseiten des Hauptdecks vorbei zum Bug. Der kontrollierende Blick
zum Computer mahnt uns, die Bojenleine wieder
aufzusuchen und den Aufstieg zu beginnen.
Abb. 1: Die Donator ist ein beliebtes Tauchziel für erfahrene Taucher. Sie liegt vor Giens-Hyeres an der französischen Mittelmeerküste in einer Tiefe, die einen Besuch
innerhalb eines „Nullzeittauchgangs“ praktisch nicht erlaubt. Foto: Roland Herr
Die Bojenleine ist auf 40 m Tiefe an der Reling der
Donator fest gemacht. Ein Blick mit „OK“-Zeichen
bestätigt uns, dass wir den Tauchgang mit nur 12
bis 15 Minuten Grundzeit um das Wrack beginnen
caisson | Jg. 30 | Nr. 1 | März 2015
Bei ca. 20 m ein Tiefenstopp von 1 Minute, der
Computer zeigt Dekozeiten auf 6 m und 3 m an,
von denen die Dekostufe auf 6 m schon bald wieder verschwindet. Dekostopp von 6 min auf 3 m,
die Signalboje setzen und nach dem Sicherheitsstopp von 3 min auf 3 m tauchen wir mit leuchtenden Augen auf. Ein Deko-Tauchgang, wie er im
Idealfall und tagtäglich abläuft. Aber es kann auch
anders kommen...
Warum haben so viele Taucher allergrößten Respekt, gar Angst vor
Dekompressions-Tauchgängen?
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TAUCHMEDIZIN. Deko-Tauchgänge
bedingt. Mehrmalige Blicke zum Tauchpartner und
nicht zu schnelles Abtauchen helfen, dies zu vermeiden.
Auf der Zieltiefe von 40 m genügt ein tiefer Blick in
die Augen um zu erfahren, ob sich der Mittaucher
tatsächlich wohl fühlt. Krampfhaftes festhalten an
der Leine ist ein weiteres Indiz für beginnende Panik, der man leicht durch anfassen, in die Augen
schauen und beruhigen schon im Ansatz begegnen
kann. Ab 30 m Tiefe kann uns bereits der Tiefenrausch (oder auch Stickstoffnarkose) zu den seltsamsten Reaktionen verleiten. Schlimm ist dieser
Zustand nicht, erkennt man die Symptome rechtzeitig und verlässt die Tiefe zügig. Bei 30 bis 25 m
verschwindet er bereits wieder.
Abb. 2: Die Bojenleine ist auf 40 m Tiefe an der Reling der
Donator fest gemacht. Ein Blick mit „OK“-Zeichen bestätigt, dass der Tauchgang mit 12 bis 15 Minuten Grundzeit
um das Wrack beginnen kann. Foto: Roland Herr
Zum Einen sind natürlich im Vergleich zum Tauchen
ohne Dekompressionsstufen einige Regeln zu beachten bezüglich Ausrüstung, Tauchverhalten und
Taucherfahrung. Zum Anderen stehen da immer
wieder Geschichten von Tauchunfällen im Raum
die uns zeigen, wie es nicht sein sollte. Wichtigster
Grundsatz insbesondere bei Deko-Tauchgängen ist
das Vertrauen zum kompetenten Tauchpartner. Der
Einfluss des psychologischen Faktors ist hier sehr
stark. Sicherheit gibt ein ausführliches Briefing vor
dem Tauchgang mit Besprechung aller möglichen
Situationen. Je höher die Brevetierung und Erfahrung mit Deko-Tauchgängen des Tauchpartners ist,
desto sicherer fühlt sich der Neuling.
Insbesondere das Wissen um die möglichen Gefahren und wie darauf in der Tiefe zu reagieren
ist, schafft Sicherheit. Nicht zu schnell nach dem
Sprung ins Wasser abtauchen und noch an der
Wasseroberfläche erst einmal wieder zu Atem
kommen, ist der beste Beginn des Tauchgangs.
Denn wer bereits mit erhöhtem Atem-Minuten-Volumen abtaucht, wird dies unter Wasser nicht mehr
in den Griff bekommen. Schon beim Abstieg kann
es zu Problemen mit dem Druckausgleich kommen,
ob nun psychologisch oder tatsächlich körperlich
34 |
Gefährlich kann ein Essoufflement (französisch "außer Atem geraten") werden, wird es nicht schnell
erkannt. Aufregung, zu schnelles Abtauchen, hoher
Atemwiderstand in der Tiefe, zu enger Tauchanzug,
zu starke Anstrengung etwa bei Strömung führen
dazu, dass die Atemfrequenz zunehmend höher
wird, was deutlich an den vermehrten Ausatemblasen zu erkennen ist. Auch hier hilft anfassen, Ursachen für die Anstrengung abschaffen und die Tiefe
verlassen.
Selbst nach dem Tauchgang an der Oberfläche
kann uns der Deko-Tauchgang noch verfolgen, da
der Stickstoff im Körper erst langsam abgeatmet
bzw. abgebaut werden muss. Anstrengung, Sauna
und zu knapp anschließende, noch tiefere Wiederholungs-Tauchgänge sind zu vermeiden.
Viel ist bei einem Deko-Tauchgang zu berücksichtigen. Dennoch lohnt es sich, in Tiefen vorzudringen,
deren Eindrücke und Faszination uns auch später an der Wasseroberfläche noch lange strahlen
lassen.
Roland Herr
caisson | Jg. 30 | Nr. 1 | März 2015
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TAUCHMEDIZIN. Sie gaben ihr Leben - wofür?
Sie gaben ihr Leben –
wofür?
AUTOR
Dr. med.
Karl-Peter Faesecke
Facharzt für
Arbeitsmedizin
Taucherarzt (Bw/USNavy)
Praxis
Dr. Clara C. Schlaich MPH
& Dr. Karl P. Faesecke
Schanghaiallee 14
20457 Hamburg
W
er für einen Nachmittag der Shoppinghektik
auf Helgolands Hauptstraßen entfliehen will,
hat außer dem Oberland nur die kleine Nachbarinsel
als Alternative, die zwar „Düne“ heißt, aber deutlich
mehr als Sand und den Flugplatz zu bieten hat. Auch
hier gibt es touristische Trampelpfade, aber wer diese verlässt, trifft irgendwann auf den „Friedhof der
Namenlosen“. Ursprünglich als letzte Ruhestätte für
angetriebene Seemannsleichen angelegt, finden
sich inzwischen eine Vielzahl von Gedenksteinen
und -plaketten, die an dramatische Seeunfälle erinnern, die sich in das kollektive Gedächtnis der Küstenbewohner eingegraben haben - hier sei nur der
Rettungskreuzer „Adolph Bermpohl“ genannt. Seit
einigen Jahren gibt es auch den hier abgebildeten
Findling, der auf ein dunkles Kapitel der deutschen
Unterwasserforschung hinweist.
Das wissenschaftliche Tauchen hatte in Deutschland
schon eine lange Tradition (wie in früheren Caissons
beschrieben), als man sich in den 60er Jahren auf
eine neue Technik fokussierte, die für alle unter Was-
36 |
ser forschenden Wissenschaftler längere Standzeiten ermöglichen sollte: man wollte das von Albert
Behnke postulierte und dann von George Bond und
Jacques Cousteau etablierte Sättigungsverfahren anwenden. Wegen der geringen Wassertiefen auf dem
deutschen Festlandssockel war hier die Verwendung
von Atemluft möglich, während die US-Navy und die
Franzosen auf teure Mischgase angewiesen waren.
Auf medizinischem Gebiet übernahm die DFVLR (damals noch in Bad Godesberg, heute als DLR in Köln)
die Führung. Von dort waren schon vorher wichtige Forschungsergebnisse zur Caissonarbeit von Dr.
Wünsche erschienen, und im Jahre 1963 wäre die
Rettung von drei in Lengede im Überdruck tagelang
eingeschlossenen Bergleuten ohne die vorbereitenden Arbeiten aus Godesberg und die dann vor Ort
durchgeführte Dekompression mit Sauerstoff nicht
erfolgreich gewesen. Bei diesen Einsätzen war auch
Dr. Hartmann als ärztlicher Mitarbeiter der DFVLR
beteiligt.
Als erste Unterwasserbasis lieferte die Fa. Babcock
1968 das 2-Personen-Habitat „BAH 1“ (für „Biologische Anstalt Helgoland“), das im Sommer in der
Flensburger Förde zum ersten Mal erfolgreich in
verschiedenen Wassertiefen eingesetzt wurde. Bei
ersten orientierenden Tauchgängen zur Festlegung
eines Aufstellortes in der Kieler Förde kam es dann
zu dem tragischen Unfalltod von Dr. Hartmann, als
er am 21. September nach einem kurzen Tauchgang
bei stürmischem Wind und Seegang auf maximal 5
Meter Tiefe mit allen Anzeichen einer akuten Lungenüberdehnung an die Wasseroberfläche kam.
Erstmaßnahmen blieben erfolglos, der Hubschraubertransport nach Kiel konnte ihn nicht mehr retten.
Die Erfahrungen mit „BAH 1“ wurden dann beim zeitgleichen Bau des Nachfolgers berücksichtigt: „UWL
Helgoland“ wurde bereits 1969 von den Drägerwerken in Lübeck ausgeliefert und am 28. Juli vor Helgoland auf 23 m WT verankert. Die als „Aquanauten“
bezeichneten Biologen konnten nun kontinuierlich
caisson | Jg. 30 | Nr. 1 | März 2015
TAUCHMEDIZIN. Sie gaben ihr Leben - wofür?
die Fischbestände studieren und sich den Wanderungen des Helgoländer Hummers widmen.
Zur Vorbereitung von Wartungsarbeiten wurden
am 6. Dezember die Leitungen zur schwimmenden
Versorgungsboje abgeschlagen. Zwei Forschungstaucher sollten am Grund dafür sorgen, dass keine
Kabel sich beim Anheben am UWL verhaken. Dabei
fanden beide den Tod; Vermutungen gingen in die
Richtung, dass die Verbindungen zu den Notbatterien des UWL nicht gelöst waren und ihnen ein Stromschlag zum Verhängnis wurde.
Während der 24jährige Kieler Student Winfried Kreytenberg schnell auf dem Meeresgrund gefunden und
noch Wiederbelebungsmaßnahmen eingeleitet wurden, vertrieb der Leichnam des 29jährigen Doktoranden und Zoologen Karl-Heinz Schumann und wurde
erst im folgenden Sommer gefunden; Nasstauchanzug und Kopfhaube noch angelegt, Pressluftflaschen
auf dem Rücken - allerdings fehlten das komplette
Gesicht und die Hände bis zu den Gelenken: sein Forschungsobjekt Hummer hatte ihn nicht verschmäht.
Dieses Foto erschien damals im „Stern“ und wurde
vom Chronisten, der 1969 noch Student der Ozeanografie in Hamburg war, später als Taucherarzt in
Unkenntnis der Zusammenhänge bei Vorträgen verwendet - jetzt, wo dieses Bild einen Namen hat, nicht
mehr…
Beim Stöbern in den Publikationen der BAH anlässlich eines Besuchs im letzten September fanden sich
keine Hinweise auf diese tragischen Vorkommnisse;
auch in den abschließenden Forschungsberichten
der DFVLR / DLR werden die drei Todesfälle nicht erwähnt. So ist denn dieser Stein auf der Helgoländer
Düne noch immer die einzige Erinnerung an drei Opfer der deutschen wissenschaftlichen Unterwasserforschung, die den Betrachter mit der Frage zurücklässt: wofür gaben sie ihr Leben?
Sicher nicht für die Erforschung des Meeresgrundes,
denn sie fanden ihren Tod nicht bei Forschungsarbeiten. Ihr Opfer war dennoch nicht umsonst, weil
es langfristig zu erheblichen Verbesserungen der Sicherheit von Forschungstauchern geführt hat, deren
Standard inzwischen dem der gewerblichen Taucher
gleichwertig ist: bei ihrer Ausbildung und Tätigkeit
caisson | Jg. 30 | Nr. 1 | März 2015
sind sie gesetzlich versichert, ihre Tauchgeräte sind
modern, ihre gesundheitliche Eignung wird jährlich
von qualifizierten Ärzten nach denselben Kriterien
wie die der gewerblichen Taucher festgestellt, ihre
Ausbildung führt nach den Erfahrungen des Chronisten zu einem deutlich höheren Kompetenzlevel als
in der gewerblichen Taucherei, der auch durch qualifizierte Fortbildung permanent gehalten wird und im
internationalen Vergleich führend ist.
Deshalb dürfen diese Namen und Schicksale nicht
in Vergessenheit geraten – sie verloren ihr Leben,
damit wir sicherer tauchen sollen.
Dr. Karl-Peter Faesecke
Gedenkstein auf der „Düne“ bei Helgoland,
Foto: Karl-Peter Faesecke
PS: Der Autor dankt seinem Kollegen und Freund Dr.
Antony Low, der von 1969 bis 1979 mit der weltweiten taucherärztlichen Betreuung des UWL Helgoland
betraut war, für die wertvollen Hinweise zum Tode
von Dr. Hartmann.
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HYPERBARMEDIZIN. Einfluss der DLV auf die HBO
Einfluss der DruckluftVerordnung auf die HBO?
AUTOR
Dr. Dietmar Tirpitz
FA Chirurgie,
FA Arbeitsmedizin
Diving & Hyperbaric
Medicine
Consultant (GTÜM)
Email
[email protected]
D
ie Hyperbare Oxigenation als therapeutische
Maßnahme ist seit Boerema (1960) eine etablierte klinische Behandlungsmethode. In Deutschland ist sie seit den Veröffentlichungen von Wandel
(1967) eine akzeptierte klinische Behandlungsform,
besonders in der Notfallmedizin. Die Indikationsgebiete, Anwendungsformen wurden weiterentwickelt.
Es wurden wissenschaftliche Fachgesellschaften
weltweit gegründet (UHMS, EUBS, ECHM, GTÜM), die
deutsche GTÜM wurde in die Arbeitsgemeinschaft
wissenschaftlicher medizinischer Fachgesellschaften
(AWMF) 1996 aufgenommen.
Die Anwendung ist heute zum großen Teil an private
Einrichtungen gebunden, einige stationäre Einrichtungen gibt es noch, aber bis heute keine bindenden gesetzlichen Vorschriften, besonders im Arbeitsschutz. Es gibt seit 04/2004 eine BGI 5120: Sicheres
Arbeiten mit therapeutischen Druckkammern. Eine
BGI ist aber keine Vorschrift, sondern eine berufsgenossenschaftliche Informationsschrift. Per definitio-
38 |
nem sind Berufsgenossenschaftliche Informationen
(BGI) von den Berufsgenossenschaften herausgegeben und sind nicht rechtlich bindend. Typischerweise
werden in ihnen verschiedene rechtliche Grundlagen
zu je einem Thema der Arbeitssicherheit zusammengefasst um Arbeitnehmern und Arbeitgebern einen
Überblick über nötige Maßnahmen zu geben. Neben
den Vorschriften von Arbeitsschutzes (ArbMedVV)
und Unfallverhütung gibt es keine spezifischen Vorschriften für Arbeit mit erhöhtem Umgebungsdruck
für die HBO.
Die einzige bindende Vorschrift für Arbeiten unter
erhöhtem Umgebungsdruck ist die Druckluftverordnung (DruckluftV). Sie ist seit Oktober 1972 als staatliche Rechtsvorschrift Nachfolgerin der preußischen
Pressluft-Verordnung (Sicherheitsvorschriften für die
Preßluftarbeiten, Juni 1908) [Faesecke KP. Arbeit in
Überdruck - die Forschungsarbeiten von Arthur und
Adele Bornstein beim Bau des ersten Hamburger
Elbtunnels 1909-1910. Universität Hamburg, 1997].
Bis dahin gab es nur Ärztliche Bestimmungen für
Arbeiten in Druckluft (Wien 1895). Auch in anderer
Hinsicht war Hamburg ein Wendepunkt für Arbeiten
in Druckluft. Die Arbeiten wurden ursprünglich nach
übernommenen Gepflogenheiten weitergeführt – bis
zum ersten tödlichen Zwischenfall. Darauf wurde
vom Senator für das Gesundheitswesen der Freien und Hansestadt Hamburg (Bernhard Nocht) ein
Pressluftarzt aus Gießen verantwortlich für die Tunnelbaustelle bestellt – Dr. Arthur Bornstein. Er sorgte
für geordnete Arbeitsabläufe, enge Dokumentation,
Kasernierung der Arbeiter, ihre gesundheitliche Betreuung und eine Änderung der Dekompression von
linearer zur stufenweisen nach John Scott Haldane
(1907).
Die Überwachung durch den Staat war aus logistischen Gründen sicherlich nicht unklug. Die Druckluftverordnung ist bis heute eine staatliche Rechtsvorschrift für die Arbeitssicherheit bei Arbeit in
caisson | Jg. 30 | Nr. 1 | März 2015
HYPERBARMEDIZIN. Einfluss der DLV auf die HBO
Druckluft. Die letzte Änderung der „Verordnung über
Arbeiten in Druckluft (Druckluftverordnung)“ trat am
31. Oktober in Kraft. Der Geltungsbereich (§ 1) und
die Begriffsbestimmungen (§ 2) haben sich nicht geändert:
§ 1 Geltungsbereich
(1) Diese Verordnung gilt für Arbeiten in Druckluft,
soweit diese von einem Arbeitgeber gewerbsmäßig ausgeführt werden.
(2) Diese Verordnung gilt nicht für Arbeit in Taucherglocken ohne Schleusen und für Taucherarbeiten.
§ 2 Begriffsbestimmungen
(1) Im Sinne dieser Verordnung sind
[Satz 1. bis 4. nicht wiedergegeben]
5. Krankendruckluftkammern. Räume, die unabhängig vom Arbeitsdruck einer Arbeitskammer
zur Behandlung drucklufterkrankter Personen sowie zur Probeschleusung nach ärztlicher Anweisung dienen.
Zusammenfassend darf ich feststellen, dass die Sorge eines Arbeitsverbots für Mitarbeiter bei einem Arbeitsdruck von mehr als 3,6 bar unberechtigt ist. In
der ehemaligen BGI 5120 – jetzt DGUV Information
207-001 steht unter 3.1 Allgemeine Anforderungen
und rechtliches Umfeld: Die Druckluftverordnung
regelt nicht den Betrieb therapeutischer Druckkammern. Gleiches gilt für die Unfallverhütungsvorschrift
„Taucherarbeiten“ (BGV C 23). Die Druckluftverordnung gilt nach § 1 für gewerbsmäßige Arbeiten in
Druckluft. HBO ist Dienstleistung, nicht gewerbliche
Arbeit. Die Hyperbare Oxygenation ist eine ärztliche
Behandlung und da wo in der Druckluftverordnung
ärztliche Behandlungsmaßnahmen angenommen
werden (§ 17 Krankendruckluftkammern), wird in
den Krankendruckluftkammern ein Arbeitsdruck von
mindestens 5,5 bar angeordnet.
Die jetzigen Arbeitsdrücke unserer Druckkammern
zu therapeutischen Zwecken sind demnach gesetzeskonform nach der alten und der aktuellen Gesetzeslage.
Dr. Dietmar Tirpitz
§ 9 Beschäftigungsverbot
(1) In Druck von mehr als 3,6 bar Überdruck dürfen Arbeitnehmer nicht beschäftigt werden.
(2) In Druckluft dürfen Arbeitnehmer unter 18 Jahren oder über 50 Jahren nicht beschäftigt werden.
Ausnahmebewilligung für (2) s. § 6.
§ 17 Krankendruckluftkammern, Erholungsräume und sanitäre Einrichtungen
(1) Der Arbeitgeber hat dafür zu sorgen, dass
dort, wo die Arbeitskammer betrieben wird, die
nachstehenden Einrichtungen vorhanden sind:
1. bei einem Arbeitsdruck von 0,7 bar oder mehr
eine Krankendruckluftkammer, die für einen Arbeitsdruck von mindestens 5,5 bar ausgelegt sein
muss.
caisson | Jg. 30 | Nr. 1 | März 2015
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AKTUELLES. EUBS-Membership
EUBSMembership?
AUTOR
Prof. Dr.
Costantino Balestra PhD
President of European Underwater & Baromedical Society
Professor of Physiology
Haute Ecole Paul Henri-Spaak
Head of the Environmental,
Occupational & Ageing Physiology Laboratory
VP. Research & Education
DAN Europe
Motor Sciences Department
Université Libre de Bruxelles
Email: [email protected]
Dear readers of caisson,
for a European Scientific Society, increasing membership nowadays is a challenging and not so
simple task.
We have to keep in mind that almost every country in Europe has its own Baromedical, Hyperbaric or
diving Scientific Society, like GTÜM in Germany or
ÖGTH in Austria. Those who are already a member
of these “national” societies may not see a benefit
to become member of a “supranational”, European,
society in the same field. There may be linguistic
difficulties, as not every European speaks English
fluently. Nevertheless, in practice we often see that
this is really no difficulty at all – one only has to look
at the attendees of EUBS meetings, in the meeting
rooms, at the annual banquets and social events!
A good example of it was this last meeting in September 2014 in Wiesbaden, Germany (I should say
Wissenschaftsbaden for our German friends!)
The “Diving and Hyperbaric Medicine” journal is one
of the most appreciate benefit, its impact factor increases every year and its reference in Pubmed is a
40 |
great achievement. The journal is published by EUBS
together with SPUMS (South Pacific Underwater Medicine Society), is printed 4 times a year and is included in EUBS membership fees. Actual membership
fees are 100 Euro annually. From 2016 on we will
have to increase our membership fee slightly (it has
not changed since 2007!).
In addition, a very clear change in our membership
profile is the proportion of members under 30 years of age. This may be due to the recent European
project on diving physiology research (PHYPODE)
that by design involved young researchers, but I remember some years ago that a former EUBS President (not to name him: Alf Brubakk) was continuing
urging to increase the number of youngsters in our
community. We are very glad to see young researchers coming more and more to our meetings; the
“Young Researchers Session” that was started some
years ago will continue to be organised and we even
have some a proposition to constitute a “Young Researcher Committee” within ExCom [Executive Committee of EUBS] - those are of course encouraging
ideas and we will discuss them within the next ExCom face-to-face meeting.
Our next Annual Meetings are in the (advanced)
planning stage and the organising committees already working to achieve what’s needed. Please
already bookmark our next meeting in Amsterdam,
The Netherlands (in fact, if is high time to send an
abstract and to register! The meeting takes place
earlier this year, on 19-22 August, 2015. Switzerland
(Geneva) will organise the meeting in 2016, and for
the years beyond, we have Italy, Israel, Czech Republic, Portugal, etc. lining up, although a proposal for
a definite location or organising committee is not for
all of them finalised.
As you can see, we still have a lot planned and we
are very positive for the future to come. Come and
join us in the EUBS.
All the Best,
Costantino Balestra
caisson | Jg. 30 | Nr. 1 | März 2015
AKTUELLES. EUBS-Membership. Ehrenmitglieder
Sehr geehrte caisson-Leser,
Sie werden künftig regelmäßig ausgewählte Artikel aus Diving and Hyperbaric
Medicine (DHM) im caisson als ungekürzte Reprints der DHM-Originalveröffentlichung lesen, ergänzt um eine deutschsprachige Zusammenfassung.
Werden Sie Mitglied der EUBS, um DHM
viermal jährlich direkt zu lesen.
Näheres auf www.eubs.org/Applicat.htm
Die Red.
Neue Ehrenmitglieder
Dr. Jochen Freier und Prof. Dr. Jochen Schipke wurden
auf der Vorstandssitzung am 07.01.2015 in Frankfurt
am Main mit einstimmigem Beschluss die Ehrenmitgliedschaft in der GTÜM e.V. für Ihre herausragenden
Verdienste für die Gesellschaft verliehen.
Dr. Jochen Freier gehörte dem Vorstand von 1993 bis
2014 an. Als Schatzmeister
von 1993 bis 2005 bewahrte
er bei der Übernahme den
Verein vor der Auflösung und
sorgte für eine solide Finanzlage. Von 2005 bis 2008 nahm
er das Amt des Vizepräsidenten war, danach kümmerte er
sich als Beisitzer um das Resort Weiterbildung.
Dr. med. Jochen Freier
Anästhesist, Ehrenmitglied der GTÜM
Prof. Dr. Jochen Schipke gehörte von 2003 bis 2014 als
Redakteur des CAISSON dem
Vorstand der GTÜM e.V. an.
Unter seiner Leitung entwickelte sich die Verbandszeitschrift zur heutigen Form
einer
wissenschaftlichen
Fachzeitschrift, die über die
GTÜM hinaus bekannt geworden ist.
Prof. Dr. rer. nat. Jochen D. Schipke
Physiologe, Ehrenmitglied der GTÜM
Sowohl Dr. Jochen Freier als auch Prof. Dr. Jochen
Schipke versprachen, auch in Zukunft die Belange
der GTÜM tatkräftig zu unterstützen. Wir bedanken
uns herzlich bei ihnen für ihr unermüdliches Engagement in der Vereinsarbeit und freuen uns, dieses mit
einer Ehrenmitgliedschaft würdigen zu können.
Titelseite des EUBS-Journals „Diving and Hyperbaric
Medicine“ (DHM), Beispiel
caisson | Jg. 30 | Nr. 1 | März 2015
Dr. Karin Hasmiller
Präsidentin der GTÜM
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AKTUELLES. Tauchmedizin-Workshop, Innsbruck, 21.02.2015
Tauchmedizin-Workshop von
ÖGTH, GTÜM und DAN Europe
AUTOR
cand.med.
Tobias Grabher
Tauchen, Kindertauchen und Berufstauchen wären
gezielte Tauchunfallmanagement-Empfehlungen indiziert und sollen in einer Arbeitsgruppe unter Einbeziehung aller relevanten Experten und Gruppenvertreter in Österreich erstellt werden.
Gemeinsame Einrichtung
für internistische Intensivund Notfallmedizin der
Universitäts-klinik für
Innere Medizin Innsbruck
[email protected]
student.i-med.ac.at
nlässlich des 3. Tyrolean Apnea Cup 2015 in Innsbruck am 22. Februar fand - wie auch schon 2013
und 2014 - am Vortag ein Tauchmedizin-Workshop
der ÖGTH statt; in diesem Jahr in Kooperation mit
der GTÜM und mit DAN Europe. Aufgrund der guten
Resonanz in den letzten beiden Jahren waren trotz
kurzfristiger Ankündigung über 80 Teilnehmer in
Innsbruck dabei. Sowohl Tauchärzte als auch erfahrene (Apnoe-)Taucher waren vor Ort, das machte die
Diskussionen sehr spannend.
A
Im ersten Teil stellten Dr. Roswitha Prohaska (ÖGTH)
und Dr. Wilhelm Welslau die Überlegungen für ein
Update der „Leitlinie Tauchunfall“ für Österreich vor.
Die bisher gesammelten Ideen für Änderungen der
bisherigen Leitlinie von 2011 wurden eingehend
diskutiert, hierfür war genügend Raum vorhanden.
So wurde etwa das Thema „Apnoetauchen“, das
bisher in der Leitlinie noch gar nicht berücksichtigt
ist, als zunehmend wichtig für Ergänzungen identifiziert (Verhalten, Diagnostik und Therapie bei Lung
squeeze, blackout, Pneumothorax und ImmersionsLungenödem). Auch in den Bereichen technisches
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Abb. 1: Über 80 Teilnehmer kamen zum TauchmedizinWorkshop in der Univ. Innsbruck
Nach einer kulinarischen Pause wurden von Dr. Ulrich van Laak (DAN Europe) in einer schönen Zusammenfassung mit erfrischendem Humor und fachlichem Tiefgang aktuelle Fragen der Tauchmedizin
aufgezeigt. Dr. van Laak beschrieb den derzeitigen
medizinischen Wissensstand zur Entstehung und
Problematik der „Bubbles“ und erläuterte die Hintergründe der aktuellen Sicherheitskampagnen von
DAN zu: „Tauchen mit 55+“, „Dehydratation“ und
„Atemluftqualität“. Die Zuhörer waren sich danach
wieder einmal im Klaren, wie komplex Dekompression in Wirklichkeit ist, und wie viel Verbesserungspotential es in der weltweiten Tauchsportszene gibt.
Im zweiten Teil des Workshops ging es im Speziellen um die Thematik Apnoetauchen. Bereits in den
letzten beiden Jahren wurden wissenschaftliche
Untersuchungen zur Thematik hypoxischer Encephalopathie und professionelles Apnoetauchen
vorgestellt. Dr. Lars Eichhorn (GTÜM) gab einen Einblick in die Studien, die an der Universität Bonn zur
Thematik Apnoetauchen und Herz-Kreislaufsystem
caisson | Jg. 30 | Nr. 1 | März 2015
AKTUELLES. Tauchmedizin-Workshop, Innsbruck, 21.02.2015
durchgeführt werden. Er beleuchtete vor allem die
erhebliche kardiologische Belastung dieses Sports
und klärte über die Kompensationsmechanismen
des Körpers zum Schutz der Blutversorgung lebenswichtiger Organe auf.
OA Dr. Martin Sojer (Univ.klinik für Neurologie) begeisterte das Publikum mit seinem Vortrag über
motorische Aktivitäten während Bewusstlosigkeit.
Er erklärte anschaulich Zusammenhänge zwischen
„Samba“, „Blackout“ und Synkopen und wie sich
diese trotz ähnlichem Erscheinungsbild von epileptischen Ereignissen unterscheiden. Dr. Sojer setzte
mit seinen Ausführungen ein Fragezeichen hinter
das gängige im Oberflächenprotokoll verpflichtend
aufzusagende „I am okay !“
Ich selbst durfte ein Studienprojekt vorstellen, in
dem untersucht wird, wie sich das Farbensehen
nach Apnoetauchgängen verschiedener Disziplinen
verändert und in welchem Zusammenhang dies mit
den diversen Stressarten (psychisch, physisch usw.)
steht. Beobachtungen lassen vermuten, dass sich
ein neues kognitiv basiertes und nicht motorisches
Oberflächenprotokoll möglicherwiese gut eignen
könnte. Erfreulicherweise stellten sich nach entsprechender Bewilligung durch die Judges am Wettkampftag alle Athleten freiwillig zur Verfügung und
machten neben dem üblichen Oberflächenprotokoll
beim experimentellen Farbkartenversuch mit. Die Ergebnisse waren hoch interessant und werden demnächst veröffentlicht. Den Abschluss des Workshops
gestalteten OA Dr. Frank Hartig (Univ.klinik für Innere Medizin) und OA Dr. Sojer mit einem spannenden
Selbstversuch. Die Teilnehmer konnten live auf der
Leinwand verfolgen, wie sich die Hirndurchblutung
binnen Sekunden durch Hyperventilation, Apnoe
und „lung packing“ erheblich verändert (kontinuierliche Ultraschall-Messung in der A. cerebri media).
In geradezu erschreckender Weise konnten nicht nur
extreme Veränderungen der cerebralen Perfusion
bei extremen lung packing demonstriert werden,
sondern es konnten auch cerebralembolische HITS
nachgewiesen werden, die einerseits durch geöffnete Lungenshunts, andererseits aber auch durch vermutlich lung packing-assoziierte spontane pulmonale Mikrobarotraumen ausgelöst wurden.
Als take home message konnte den Zuhörern überzeugend demonstriert werden, dass solche extremen Lungenmanöver wie in diesem Einzelfall (Dr.
Hartig) mit gesundheitlichen Risiken verbunden sein
können.
Abb. 3: Normaler Flow in der A. cerebri media bei Ruheatmung (Live-Vorführung im Hörsaal)
Abb. 4: Deutlich veränderter Flow in der A. cerebri media während Apnoe (Live-Vorführung im Hörsaal),
alle Fotos Wilhelm Welslau
In der abschließenden Diskussionsrunde nutzten
die Anwesenden die Zeit für offene Fragen an die
Referenten. Die immer wiederkehrende Frage nach
einem Gesundheitsrisiko für Apnoetaucher wurde
mit der Konklusion beantwortet, dass viele Aspekte dafür sprechen, dass professionelles und extremes Apnoetauchen auf mehrere Organsysteme unangenehme Nebenwirkungen hervorrufen können.
Dennoch fehlen evidenzbasierte wissenschaftliche
Beweise hierfür und viele Untersuchungen beruhen
leider auf nur wenigen Probandendaten.
Abb. 2: Referent Dr. Frank Hartig mit Gerät zur kontinuierlichen Flussmessung in der A. cerebri media
caisson | Jg. 30 | Nr. 1 | März 2015
Zusammengefasst ein gelungener Workshop, der
angesichts des bisherigen Trends und der spontanen
Rückmeldungen im nächsten Jahr wohl einen noch
größeren Hörsaal benötigen wird.
Tobias Grabher
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AKTUELLES. Zehn Jahre Qualitätszirkel
Zehn Jahre Qualitätszirkel
Tauch- und Hyperbarmedizin in Wetzlar
AUTOR
Dr. med. Wolfgang Hühn
Facharzt für
Allgemeinmedizin
Diving & Hyperbaric Medicine
Friedenstr. 44
D-35576 Wetzlar
Tel.
+49 (0)152 29457399
Email
[email protected]
U
nter diesem Thema fand zum Jahresende 2014
im Reha-Zentrum Wetzlar eine Festveranstaltung statt. Referent und Ehrengast war Benjamin
Franz, ehemaliger Apnoeweltrekordler im Non-LimitTauchen, der in einem bewegenden Vortrag seine
Laufbahn als Apnoetaucher und seinen tragischen
Unfall schilderte. Nach einem scheinbar unauffälligen Tauchgang hatte er seinerzeit eine Halbseitenlähmung erlitten mit komplettem Verlust der Sprachfähigkeit und auch der Fähigkeit zu lesen.
Er erzählte uns, mit welcher Leichtigkeit er seinerzeit
seine Rekorde erzielt hatte – ohne an eine Gefährdung durch Unfälle zu denken, da ja jederzeit alles
problemlos verlaufen war. Auch Beinahe-Unfälle wie
zum Beispiel beim Tandemtauchen mit einer anderen Weltkoryphäe konnten ihn nicht aus seiner
glücklichen Bahn bringen. Das brutale Erwachen geschah erst im Krankenhaus als er sein kleines Kind
auf dem Schoß hatte ohne mit ihm sprechen zu können. Mit bewunderungswürdigen Einsatz schaffte er
es, Sprach- und Lesevermögen zurückzugewinnen
und auch seine motorischen Funktionen weitgehend wieder herzustellen. Es blieb eine inkomplette
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Parese auf der rechten Seite und eine nur von ihm
selbst empfundene leichte Verlangsamung der Sprache. An die Ausübung seines ursprünglichen Berufes
als Holzbildhauer war nicht mehr zu denken. Heute
arbeitet er als freier Fotograf.
Zwei Dinge waren für die Zuschauer faszinierend:
zum einen die medizinische Präzision, mit der er seine erlittenen Schäden klassifizierte und dabei fundiertes tauchmedizinisches Wissen erkennen ließ.
Kein ausgebildeter Tauchmediziner hätte diesen Vortrag besser gestalten können. Zutiefst beeindruckt
waren zum anderen die Teilnehmer von der Souveränität, ja Weisheit, mit der sich Benjamin Franz von
seiner damaligen Rekordjagd distanzierte. Als seinen
größten sportlichen Erfolg bezeichnet er heute seinen letzten Platz unter 6800 Teilnehmern bei einem
Halbmarathon in Nürnberg, zwei Jahre nach seinem
schweren Unfall. Sein Ziel dabei sei es gewesen,
vor dem Schließen des Zieleinlaufes anzukommen
und das sei ihm mit 3 Minuten Vorsprung geglückt.
Niemand, so Benjamin Franz, müsse ohne Sauerstoff auf dem Mount Everest, müsse aus höchsten
Höhen mit dem Fallschirm abspringen oder mit aller
Gewalt an die physiologischen Grenzen beim NonLimit Tauchen herankommen. Alle Aktive der letzten
Jahre, die zum Teil selber- manche sogar tödlich verunfallt sind, haben seine Geschichte gekannt und
z.T. sogar an seinen Vorträgen teilgenommen. Die
Rekordjagd siegte über die Vernunft.
Der Abend klang aus mit einem gemeinsamen Buffet und intensiven Gesprächen der Teilnehmer untereinander und vor allen Dingen auch mit Benjamin
Franz. Viele verabschiedeten sich persönlich bei ihm
und dankten nachdrücklich für seinen zutiefst beeindruckenden Vortrag. Einen würdigeren Rahmen
für die Festveranstaltung hätte man sich nicht wünschen können.
Vorausgegangen waren diesem Abend zehn Jahre
intensiver Arbeit. 2004 gründete ich in Wetzlar mit
den wohnortnahen Absolventen seiner durchgeführten Taucherarztlehrgänge den bundesweit ersten
„Qualitätszirkel Tauch und Hyperbarmedizin“. Schon
im KV-Moderatorentraining hatte ich die „Rolle“ des
caisson | Jg. 30 | Nr. 1 | März 2015
AKTUELLES. Zehn Jahre Qualitätszirkel
Moderators des ersten Qualitätszirkels Tauch- und
Hyperbarmedizin gespielt. Qualitätszirkel -also freiwillige ärztliche Fortbildungsgemeinschaften- gibt
es in Deutschland wie Sand am Meer. Aber leider
ist nach zehn Jahren immer noch der Wetzlarer
Qualitätszirkel der erste und einzige zur Tauch- und
Hyperbarmedizin in Deutschland. Dabei sind die
Formalitäten recht einfach. Man benötigt einen Consultant für die Anerkennung durch die GTÜM (zwei
Refresherpunkte pro Abend) und -möglichst in Personalunion- einen von der KV anerkannten Moderator
für die 4 CME Punkte pro Abend. In Wetzlar beginnen
die Abende grundsätzlich mit einem gemeinsamen
Buffet um den Tagesstress zunächst einmal im gemeinsamen Gespräch abzuladen. Danach kommt
die intensive Bildungsarbeit und im Anschluss daran wird die Diskussion beim weiteren Abräumen des
Buffets fortgesetzt. Nach ca. drei Stunden ist jeweils
Schluss. Dieser Rahmen ist seit zehn Jahren fest.
Veranstaltung anläßlich „Zehn Jahre Qualitätszirkel
Tauch und Hyperbarmedizin Wetzlar“ mit Referent
Benjamin Franz (li.), Foto: Klaus Rösing
Anfangs fanden die Abende im seinerzeitigen HBO
Zentrum Mittelhessen statt, später dann in der Praxis Dr. Hühn, mittlerweile schon in den Räumen von
Dr. Hühn junior. Aus dem Qualitätszirkel hat sich inzwischen auch ein fester Freundeskreis etabliert mit
jährlichen gemeinsamen Tauchsafaris nach Ägypten.
Trotz der immer wieder beklagten Probleme durch
den nur geringen wissenschaftlichen Fortschritt der
Tauch- und Hyperbarmedizin haben wir es in den
zehn Jahren geschafft, keine Themen doppelt zu
diskutieren. Dass ist aus den Protokollen zu ersehen, die nebst Teilnehmerlisten nach jedem Abend
sowohl an die GTÜM als auch an die kassenärztliche
Vereinigung geschickt werden.
Es begann mit einem Vortrag zum Kindertauchen,
ging weiter mit der praktischen Übung „notfallmäßige Pleurapunktion“ , als nächstes mit Theorie und
caisson | Jg. 30 | Nr. 1 | März 2015
Praxis der AED-Ausbildung. Da Dr. Hühn seinerzeit
für den VDD Mitglied der Leitlinienkommission Tauchunfall war, wurden vor jeder Revision der Leitlinie diese gründlich im Qualitätszirkel diskutiert
und die vorgeschlagenen Änderungen der Leitlinienkommission zugänglich gemacht. Es wurden die
Sicherheitsmaßnahmen auf Bohrplattformen in der
Erdölindustrie vorgestellt, wir sprachen über Tauchunfälle und Gerätesicherheit, über Leistungsmessung im Tauchsport, über giftige Meerestiere mit
einem Vortrag von Professor Mebs -Fachbuchautor-,
über Drehschwindel und Kinetosen, über Reiseimpfungen, vorgetragen durch den Tropenmediziner
Doktor Holst. Ausführlich beschäftigten wir uns seinerzeit mit dem tödlichen Unfall beim Eistauchen in
Niederkleen mit zwei Opfern. Dabei waren z.T. die
am Einsatz beteiligten Notärzte, die obduzierende
Gerichtsmedizinerin und als Gast viele Verantwortliche aus den Tauchsportverbänden zugegen. In einer
zweiten Sitzung zu diesem Thema hatten wir den
technischen Gutachter Dr. Dietmar Berndt zu Gast,
der uns über die massiven Gerätefehler bei diesem
tragischen Tauchgang und auch bei anderen Tauchgängen berichtete.
Man könnte diese Reihe fortsetzen, denn zehn Jahre mit vier Vorträgen im Jahr heißt 40 Fortbildungsabende, heißt auch 80 Refresherpunkte bzw. 160
CME Punkte. Stärke des Qualitätszirkels ist zum einen der feste Kern der Teilnehmer, die von Anfang
an dabei sind. Auch die neu hinzugekommenen - aus
weiteren Taucherarztlehrgängen oder mittels Flüsterpropaganda geworben - bringen alle das hohe
Fachwissen ihrer unterschiedlichen Facharztgruppen, verbunden mit unterschiedlichen auch taucherischen Erfahrungen mit ein. Dadurch ist es möglich,
dass die meisten Veranstaltungen nicht von externen Referenten, sondern von Teilnehmern Qualitätszirkels gestaltet werden konnten. Mittlerweile sind
wir im Schnitt 12 Teilnehmer pro Abend. Auch für
2015 stehen alle Termine und drei von vier Themen
bereits fest.
Diese Darstellung hat natürlich auch das Ziel zu motivieren. Im Prinzip kann jeder unserer Consultants
so etwas durchführen. Falls er nicht selber kassenärztlich tätig ist, dürfte es kein Problem sein, einen tauchmedizinisch interessierten kassenärztlich
zugelassenen Moderator zu finden. Wir werden in
Wetzlar sicherlich noch einige Jahre weitermachen.
Im Moment wird sogar eine Expansion in ein anderes
Bundesland angedacht. Aber wo bitte schön bleiben
die Nachahmer? Rat und Unterstützung aus Wetzlar
können wir gerne geben.
Dr. Wolfgang Hühn
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AKTUELLES. Kongresse Tauchmedizinischer Fachgesellschaften
Kongresse der
Fachgesellschaften
SPUMS 44th ASM 2015
Termin:
Tagungsort:
Nähere Auskünfte: 16. - 23. Mai 2015
Palau, Micronesia
[email protected]
Anerkannt für GTÜM-Diplome, 16 Punkte anrechenbar für Weiterbildung
UHMS Annual Scientific Meeting 2015
Termin: Tagungsort:
Nähere Auskünfte:
17. - 20. Juni 2015
Montréal, Quebec, Kanada
www.10times.com/uhms-annual-scientificmeeting
Anerkannt für GTÜM-Diplome, 16 Punkte anrechenbar für Weiterbildung
41th Annual Scientific Meeting of the
European Underwater and Baromedical Society (EUBS) /
Diving Medical Center, Royal Netherlands Navy
Termin: Nähere Auskünfte: 19. - 22. August 2015
www.eubs2015.org
Anerkannt für GTÜM-Diplome, 16 Punkte anrechenbar für Weiterbildung
46 |
caisson | Jg. 30 | Nr. 1 | März 2015
AKTUELLES. Kursangebote
Kursangebote
Wenn auch Sie Ihre Institution und Seminare oder Kurse im caisson aufgeführt wissen wollen, senden Sie bitte Ihre Daten
gemäß ‘Hinweise für Autoren’ an die Redaktion – bitte auf Datenträger oder via E-Mail: [email protected] Wir können leider anderweitig eingereichte Daten nicht berücksichtigen und bitten in eigenem Interesse um Verständnis. Daten, die die
Homepage der GTÜM (www.gtuem.org) betreffen, senden Sie bitte an: [email protected]
Das aktuelle Angebot der uns gemeldeten Kurse gemäß GTÜM-Richtlinien finden Sie im Internet auf unserer Homepage
www.gtuem.org unter ‘Termine/Kurse’. Grundsätzlich können nur Kurse im caisson oder auf www.gtuem.org veröffentlicht
werden, die von der GTÜM anerkannt wurden. Näheres finden Sie in der Weiterbildungsordnung der GTÜM.
Die Red.
Universitätsklinikum Halle
Kontakt:
Dr. C. Pohl/ OÄ Dr. B. Schenk
Klinik für Anästhesie und operative
Intensivmedizin
- Hyperbare Oxygenation -
Dryanderstraße 4
06110 Halle (Saale)
Tel.: 0345/5574350
Fax: 0345/5574352
[email protected]
Thema:
Termin:
Ort:
GTÜM-Kurs I+IIaTauchtauglichkeit+Taucherarzt
23.03. - 29.03.2015
Halle/Saale
DLRG Tauchturm Berlin
Kontakt:
Thema:
Termin:
Ort:
Dr. Wilhelm Welslau
Seeböckgasse 17/2
A-1160 Wien
Tel.: +43 (699) 18 44-23 90
www.taucherarzt.at
GTÜM-Kurs I – Tauchtauglichkeit
13. 05. - 17. 05. 2015
Berlin
Universität Düsseldorf
Kontakt:
Institut für Arbeits- und Sozialmedizin
Heinrich-Heine-Universität
Dr. T. Muth / S. Siegmann
Universitätsstraße 1
D-40225 Düsseldorf
Tel.: 02 11/8 11 47 21
[email protected]
www.uniklinik-duesseldorf.de
caisson | Jg. 30 | Nr. 1 | März 2015
Thema: GTÜM-Kurs I – Tauchtauglichkeit
Termin: 04.12. - 06.12.2015
Ort:
Düsseldorf
Druckkammerzentren Rhein-Main-Taunus
Kontakt:
im AGZ Wiesbaden (1. OG)
Schiersteiner Straße 42
D-65187 Wiesbaden
Tel.: 06 11 / 84 72 71 70
[email protected]
www.hbo-rmt.de
Thema: GTÜM-Kurs I - Tauchtauglichkeit
Termin: 20.03.15 - 22.03.2015
Ort:
Wiesbaden
Thema:
Termin:
Ort:
GTÜM-Kurs IIa - Taucherarzt
17.04. - 19.04.2015
24.04. - 26.04.2015
Wiesbaden
Thema: GTÜM-Kurs IIb - Druckkammerarzt
Termin: 15.06. - 21.06.2015
Ort:
Wiesbaden
Druckkammerzentrum Murnau
Kontakt:
Thema:
Termin:
Ort:
BG-Unfallklinik Murnau
Sekretariat Druckkammerzentrum-HBO
Postfach 1431
D-82418 Murnau
Tel.: 0 88 41/48 27 09
[email protected]
www.bgu-murnau.de
GTÜM-Kurs IIb – Druckkammerarzt
09.10. - 18.10. 2015
Murnau
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AKTUELLES. Kursangebote
Institut für Überdruck-Medizin
Regensburg
Kontakt:
Thema:
Termin:
Ort:
Institut für Überdruck Medizin
Im Gewerbepark A45
D-93059 Regensburg
Tel.: 09 41/4 6614-0
[email protected]
www.HBO-Regensburg.de
Thema:
Termin:
Ort:
Tauchmedizin-Refresher
(8 UE/Tag für GTÜM-Diplome I und IIa)
03.10. - 04.10.2015
Inst. für Überdruck-Medizin Regensburg
GTÜM-Kurs I – Tauchtauglichkeit
02. 10. - 04.10.2015
Inst. für Überdruck-Medizin Regensburg
Thema: GTÜM-Kurs IIa – Taucherarzt
Termin: 05.10. - 10.10.2015
Ort:
Inst. für Überdruck-Medizin Regensburg
Thema:
Termin:
Ort:
Tauchmedizin-Refresher-Workshop 2015
(16 UE für GTÜM-Diplome I und IIa)
7-10 Tage KW 43/44 2015
Liveaboard / Safari südl. Red Sea
taucherarzt.at - Wien
Kontakt:
Dr. Wilhelm Welslau
Seeböckgasse 17/2
A-1160 Wien
Tel.: +43 (699) 18 44-23 90
Fax: +43 (1) 944-23 90
www.taucherarzt.at
Thema:
Termin:
Ort:
Tauchmedizin-Workshop
(inkl. 16 UE für GTÜM-Diplome I und IIa)
08.04. - 18.04.2015
Malediven, M/S Nautilus Two
Thema: GTÜM-Kurs I – Tauchtauglichkeit
Termin: 29.04. - 03.05. 2015
Ort:
Wien
Thema:
Termin:
Ort:
2)
GTÜM-Kurs IIa - Taucherarzt
13.08. - 16. 08. 2015 (Teil 1) und
03.12. - 06.12. 2015 (Teil 2)
Weyregg am Attersee (Teil 1) + Wien (Teil
Thema:
Termin:
Ort:
Tauchmedizin-Workshop
(inkl. 16 UE für GTÜM-Diplome I und IIa)
08.04. - 18.04. 2016
Malediven, M/S Nautilus Two
Anzeige
Tauchmedizinisches
Seminar Mallorca
Termin:
Ort:
25.10. bis 31.10.2015
Hotel Villamil, Paguera und
Tauchbasis ZOEA, Santa Ponsa / Mallorca
Lehrgangsleitung:
Dr. Wolfgang Hühn
Diving & Hyperbaric Medicine Consultant (GTÜM e.V.)
Nähere Auskünfte:
Gunter Schendel, [email protected]
Tel.: 0172 / 383 86 56
Zertifizierung mit 16 GTÜM-Refresherpunkten und 60 CME - Punkten (bei der LÄK Hessen beantragt)
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caisson | Jg. 30 | Nr. 1 | März 2015
AKTUELLES. GTÜM-zertifizierte Veranstaltungen
Zertifizierte Veranstaltungen
11. Intensivseminar Tauchunfall
Termin:
20. - 21. März 2015
Tagungsort:
Regensburg
Veranstalter: H. Bartmann, Traubenweg 6, 93309 Kelheim, +49 (0)9441/4222, [email protected]
anerkannt mit 13 UE für GTÜM-Diplome I und IIa
15. Bonner Tauchersymposium – Wasserrettung + Notfallmedizin
Termin: 18. April 2015
Tagungsort:
Biomedizinisches Zentrum der Universitätsklinik Bonn (Venusberg)
Veranstalter:
Prof. Dr. med. Stefan Schröder
Nähere Auskünfte:
[email protected];
www.bonner-tauchersymposium.de
anerkannt mit 8 UE für GTÜM-Diplome I und IIa
DAN Tauchsicherheitstage 2015
Termin: 19. - 20. September 2015
Tagungsort:
Pörtschach am Wörthersee, Österreich
Veranstalter:
DAN Europe und Ärztekammer für Kärnten
Nähere Auskünfte: www.aekktn.at (Download des Anmeldeformulars)
anerkannt mit 16 UE für GTÜM-Diplome I und IIa
11. Symposium für Tauchmedizin in Hannover
Termin: 10. Oktober 2015
Tagungsort:
MHH, Hörsaal R, Carl-Neuberg-Straße 1, 30625 Hannover
Veranstalter:
Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin der MHH und GTÜM
Nähere Auskünfte: [email protected]
anerkannt für GTÜM-Diplome I und IIa (Anzahl der UE stehen noch nicht fest)
DLRG Tauchmedizin-Symposium 2015
Termin: 17. Oktober 2015
Tagungsort:
Karlsruhe, Pädagogische Hochschule (Bismarckstraße 10)
Veranstalter:
DLRG Landesverbände Baden, Rheinland-Pfalz, Saar und Württemberg
Nähere Auskünfte: http://tauchmedsymp.dlrg.de
anerkannt mit 8 UE für GTÜM-Diplome I und IIa
14. Medizinseminar Essen
Termin: Tagungsort:
Veranstalter:
Nähere Auskünfte: GTÜM-Punkte beantragt
28. - 29. November 2015
Univ.-Klinikum Essen
TSV NRW e.V.; Sachabteilung Medizin; Dr. med. K.H. Schmitz
[email protected]
caisson | Jg. 30 | Nr. 1 | März 2015
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AKTUELLES. GTÜM-Adressen
Kontaktadressen GTÜM
Engerer Vorstand
Präsidentin
Dr. med. Karin Hasmiller
Anästhesistin
BG – Unfallklinik Murnau
Prof. Küntscherstraße 8
D-82418 Murnau
Tel.: +49 (0)88 41-48 2709
[email protected]
Vize-Präsident
FLA Prof. Dr. Andreas Koch
Sektion Maritime Medizin am Inst.
für Experim. Medizin des UKSH
Christian-Albrechts-Univ. zu Kiel
c/o Schifffahrtmed. Inst. d. Marine
Kopperpahler Allee 120
D-24119 Kronshagen
Tel.: +49 (0)431-5409/1503
[email protected]
Sekretär
PD Dr. med. Kay Tetzlaff
Internist/Pneumologie
Medizinische Klinik,
Abteilung Sportmedizin
Universitätsklinikum Tübingen
Hoppe-Seyler-Straße 6
D-72076 Tübingen
Tel.: +49 (0)151-15 02 17 84
Schatzmeister
Dr. med. Lars Eichhorn
Klinik f. Anästhesie und
Operative Intensivmedizin
Universitätsklinikum Bonn
Sigmund-Freud-Straße 25
D-53127 Bonn
Tel.: +49 (0)171-233 6037
[email protected]
Erweiterter
Vorstand
Redakteur CAISSON
Dr. med. Wilhelm Welslau
Arbeitsmediziner
Seeböckgasse 17
A-1160 Wien
Tel.: +43 (699)18 44-23 90
Fax: +43 (1)944-23 90
[email protected]
50 |
Stand 16.02.2015
Beisitzer
Ansprechpartner
Dr. med. Christian Beyer
Facharzt f. Kinder-Jugendmedizin
Wandsbecker Marktstraße 69-71
D-22041 Hamburg
Tel.: +49 (0)40-682400
Fax: +49 (0)40-685520
[email protected]
Geschäftsstelle GTÜM
Dr. med. Andreas Fichtner, MME
Klinik f. Anästhesiologie u. Intensivtherapie
Klinikum Chemnitz gGmbH
Flemmingstraße 2
D-09116 Chemnitz
Tel.: +49 (0)3 71-333333 72
[email protected]
PD Dr. med. Björn Jüttner
Anästhesist
Medizinische Hochschule Hannover
Carl-Neuberg-Straße 1
D-30625 Hannover
Tel.: +49 (0)176-15 32 36 89
[email protected]
Dr. med. Dirk Michaelis
Anästhesist/Betriebswirt
Druckkammerz. Rhein-Main-Taunus
Schiersteiner Straße 42
D-65187 Wiesbaden
Tel.: +49 (0)6 11-84 72 7170
[email protected]
Oliver Müller
Anästhesist
Vivantes Klinikum im Friedrichshain
Landsberger Allee 49
D-10249 Berlin
Tel.: +49 (0)30-130231570
[email protected]
Prof. Dr. med. Claus-Martin Muth
Leiter der Sektion Notfallmedizin
Universitätsklinikum Ulm
Prittwitzstraße 43
D-89075 Ulm
Tel.: +49 (0)731-5006 0140
Fax: +49 (0)731-50 06 0142
[email protected]
Vorsitzender des VDD e.V.
Michael Kemmerer
Druckkammerzentrum RMT
Schiersteinerstraße 42
D-65187 Wiesbaden
Tel.: +49 (0)6 11-84727170
Fax: +49 (0)6 11-8472 7179
[email protected]
Frau Dunja Hausmann
BG-Unfallklinik Murnau
Prof. Küntscherstraße 8
D-82418 Murnau
Tel.: +49 (0)88 41-48 2167
Fax: +49 (0)88 41-48 2166
[email protected]
Druckkammer-Liste
Dr. med. Ulrich van Laak
DAN Europe Deutschland
Eichkoppelweg 70
D-24119 Kronshagen
Tel.: +49 (0)4 31-54 42 87
Fax: +49 (0)4 31-54 42 88
[email protected]
Forschung
Prof. Dr. med. Andreas Koch (s.o.)
Literatur-Datenbank
Prof. Dr. Jochen D Schipke
Wildenbruchstraße 10
D-40545 Düsseldorf
Tel.: +49 (0)211-579994
[email protected]
Recht
Benno Scharpenberg
Präsident des Finanzgerichts Köln
Brandenburger Straße 11
D-41539 Dormagen
Tel.: +49 (0)171-748 35 13
[email protected]
Taucherarzt-Liste
[email protected]
Tauchmedizin
PD Dr. med. Björn Jüttner (s.o.)
Dr. med. Dirk Michaelis (s.o.)
Webmaster
Müller, Oliver (s.o.)
Weiterbildung
Dr. med. Andreas Fichtner (s.o.)
(Erstdiplome)
Dr. med. Dirk Michaelis (s.o.)
(Verlängerungen)
Prof. Dr. Claus-Martin Muth (s.o.)
(Veranstaltungen/Kurse)
caisson | Jg. 30 | Nr. 1 | März 2015
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Ausbildung & Refresher-Kurse
Direkte internationale Anerkennung seit 2008:
DMAC / EDTCmed & ECHM / ECB (einzige deutschsprachige Kurse mit DMAC Approval für
Level I und Level IIa), GTÜM- & ÖGTH-anerkannt.
Refresher (16 UE): Malediven, M/S Nautilus Two 8.-18.4.15
unsere
Kurs I Tauchtauglichkeits-Untersuchungen: Wien 29.4.-3.5.15
nächsten Kurs I Tauchtauglichkeits-Untersuchungen: Berlin 13.-17.5.15
Termine Kurs IIa Tauchmedizin: Attersee 13.-16.8.15 (Teil 1) / Wien 3.-6.12.15 (Teil 2)
Refresher (16 UE): Malediven, M/S Nautilus Two 8.-18.4.16
Einzelheiten & aktuelle Kurse: www.taucherarzt.at. Fragen bitte an: [email protected]
Kursankündigungen auch auf: www.gtuem.org (GTÜM) und www.oegth.at (ÖGTH)
Praxis Attersee (Kurs IIa)
42 Kurse in den letzten 11 Jahren. Deutschland, Österreich, Thailand, Malediven > 800 Absolventen aus:
Deutschland, Österreich, Schweiz, Italien, Luxemburg, Niederlande, GB, Malediven, Thailand...
Leitung: Wilhelm Welslau, Taucherarzt seit 1988, Tauchmedizin-Kurse seit 1992, Diving & Hyperbaric
Medicine Consultant seit 2002, Member of EDTC/ECHM Joint Educational Committee seit 2009.
Referenten (v.l.n.r): Wilhelm Welslau, R. Prohaska (ÖGTH-Präsidentin), U. van Laak (Direktor DAN
Europe D, A und H), J. Zimmermann (ehem.Techn. Direktor von HAUX), K.P. Faesecke (Caisson-Experte – tunneldoc.de), F. Hartig, (TecDive-Experte, diving-concepts.at), P. Kemetzhofer (notfallmedizin.
or.at), A. Männer (ehem. Berufstauchfirma Nautilus, www.nautilus-two.at)
Druckkammer (Refresher, Malediven)
Refresher, Nautilus Two, Notfallübung
Als Experten verfügen alle Referenten über große praktische Erfahrung in ihren Fachbereichen:
Tauchtauglichkeit, Tauchen mit Handicap, Tauchunfall-Behandlung, Tec. Tauchen, Apnoe, Forschungstauchen, Berufstauchen, Druckluftarbeit, HBO-Therapie, Druckkammer-Technik und Notfallmedizin.
Zu Spezialthemen laden wir jeweils weitere Experten ein.
caisson | Jg. 30 | Nr. 1 | März 2015
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caisson
Vorstand der GTÜM
BG Unfallklinik Murnau
Prof. Küntscher-Straße 8,
82418 Murnau
PVSt, Deutsche Post AG,
Entgelt bezahlt, Z K Z 62369
Y-40 in der Nähe von Padua, Italien, ist mit 40 Meter Tiefe der zur Zeit tiefste Indoor-Tauchpool weltweit (näheres auf S. 31) Foto: Rene Lipmann (duiken)