Tatort Stadion - Hamburger Sport

supporters news # 81 | 12.2015
Das Magazin des HSV Supporters Club
Abgetaucht:
Der tiefe Fall von
Nottingham Forest
Seitenlinie:
Jeder kann
Trainer werden
Tradition:
Eishockey
im HSV
Tatort
Stadion
Bjarne Mädel über seinen HSV
Preis: 2,00 Euro
INTRO
Editorial
Foto: Miroslav Menschenkind
Moin!
Ich freue mich sehr, dass Ihr auch die 81. Ausgabe der Supporters
News in den Händen haltet. Wir haben uns wieder viel Mühe
gegeben, aus interessanten Geschichten ein spannendes Magazin zu machen, und hoffen, dass für jeden etwas dabei ist.
Stets aktuell ist das Thema Nordtribüne. Wir haben uns mit den
Initiatoren des Nordtribünen e.V. getroffen und über die Stimmung auf den Rängen gesprochen.
Tim-Oliver Horn
Lange her, aber nicht vergessen: 1980 waren sie unser Gegner
im Finale der Landesmeister. Nach tiefem Fall spielen sie heute wieder zweitklassig. Die bewegende Geschichte des einstigen Spitzenklubs Nottingham Forest beleuchten wir in dieser
Ausgabe.
Viele interessante Menschen haben eine Verbindung zum HSV,
wir haben zwei davon zu einem Interview getroffen. Der Scharner Paul erzählt von seinem Intermezzo in Hamburg und Bjarne
Mädel, besser bekannt als der Tatortreiniger, berichtet über seine Verbindung zum Verein und zur Stadt.
Selbstverständlich sind die Hamburger auch gut im Reisen. Die
Länderspielberichte der Hamburger Reisegruppe dürfen daher
genauso wenig fehlen wie die HSV-Erlebnisse von Klößchen.
Nicht vergessen!
Mitgliederversammlung
des Hamburger SV e. V.
Termin:
17.01.2016 · Beginn: 11 Uhr
Ort:
CCH Hamburg, Saal 3;
Am Dammtor/
Marseille Straße,
20355 Hamburg
(S-Bahn Dammtor)
Den Schlusspunkt in dieser Ausgabe setzt die Kolumne von
Axel Formeseyn. Etwas mehr als sechs Monate sind bis zu dieser Ausgabe seit der Nacht von Karlsruhe vergangen. Gänsehaut
haben wir noch immer.
Bleibt mir zum Schluss nur, allen Lesern, allen HSVern und Euren Familien ein frohes Weihnachtsfest, ein tolles neues Jahr
und eine Rückrunde ohne Abstiegssorgen zu wünschen. Und
natürlich, allen an diesem Heft mitwirkenden Personen vielen
Dank für die Unterstützung zu sagen.
Alle Mann an Bord – für den HSV Supporters Club
Euer
Unbedingt mitzubringen:
aktuellen Mitgliedsausweis und Lichtbildausweis
Themen, u. a.:
Satzungsänderungs­vorschläge,
Berichte, Entlastungen,
Verschiedenes.
Tim-Oliver Horn
Titelbild: Christoph Voy
3
INTRO
Inhalt
32
42
38
26
48
4
14
Inhalt
INTRO
VEREIN
Editorial3
Sonntagmittag am Ochsenzoll
42
Dialog6
Fotostrecke über die Kreisklasse-Kicker
des HSV V.
Schnappschuss: Tschüss, Helmut.8
Schlag auf Schlag 48
Kurzes aus dem Verein
51
Lange Tradition
52
Nur ein Blick in den Bus
54
Kurzmeldungen10
TRIBÜNE
Tatort Stadion
14
Schottisch-irische Wochen
18
Schauspieler Bjarne Mädel spricht im Interview
über seinen HSV.
Die DFB-Freunde Hamburg sind mit der
deutschen Nationalmannschaft auf Tour.
Nordtribüne20
Der Förderkreis Nordtribüne e. V. setzt sich
für mehr Stimmung auf den Rängen ein.
News aus den Fanclubs
24
SPIELFELD
In der Abteilung HSV-Boxen sollen in Zukunft
echte Champions geformt werden.
Eishockey beim HSV: Die Abteilung trommelt
um Zuschauer und steckt sich hohe Ziele.
Vom Busfahrer zum Datenschützer:
Jürgen Ahlert ist seit 21 Jahren beim HSV.
SCHLUSSPHASE
Schöner als der Titel
56
HSV kompakt
59
Axel Formeseyn blickt auf eine emotionale
Saison zurück.
Abgetaucht26
Nottingham Forest war einst ein großer Klub.
Heute vesuchen die „Reds“ den Anschluss zu halten.
Von wegen nur eine Unterschrift
30
An der Seitenlinie
32
Der Querdenker
36
Hauptsache, HSV
38
Wie funktioniert ein Transfer? Bis ein Spieler
den Verein wechselt, gilt es, viele Hürden zu nehmen.
Nicht so einfach, wie es aussieht: Zum Trainerberuf
gehört mehr als wildes Gestikulieren.
Paul Scharner spricht über sein
Intermezzo beim HSV.
Ob Fußball, Handball oder Basketball
– Andreas Kloß bleibt seinem Verein treu.
Impressum
Herausgeber: Hamburger Sport-Verein e. V., Supporters Club, Sylvesterallee 7 , 22525 Hamburg, Telefon: 040/4155-1500, Fax: -1510
Verantwortlich für die Inhalte: Abteilungsleiter Tim-Oliver Horn (V. i. S. d. P.), Stellvertreter Martin Oetjens sowie die Beisitzer Mathias Helbing und Thomas Kerfin
Erscheinungsweise: vierteljährlich | Auflage: 56.000 Exemplare
Autoren: Axel Formeseyn, Andreas Kloß, Thorsten Langenbahn, Stephanie Lehnert, Jan-Walter Möller, Alexander Nortrup, Martin Oetjens, Mathis Paus, Peter Petersen und Frank Willig
Fotografen: Andreas Kloß, Johannes Kühner, Roman Pawlowski, Christoph Voy, Lucas Wahl, Witters Sport-Presse und sonstige genannte Bildquellen
Koordination und Realisierung: publish!, Hannover | Druck: Quensen Druck+Verlag, Hildesheim
Namentlich gekennzeichnete Artikel, Leserbriefe und Kommentare geben nicht unbedingt die Meinung der Abteilungsleitung des Supporters Clubs als Herausgeber der supporters news wieder.
Wir bitten freundlichst um Beachtung der Anzeigen und danken allen Anzeigenkunden für ihre Treue.
5
INTRO
Zur sn 80
Zur sn 80
Gratulation zu den neuen Supporters News
(ab Sommer). Kritische, aber trotzdem sachliche Artikel, ohne die Polemik vergangener Jahre. Ich bin zwar immer noch gegen die Ausgliederung in eine AG, aber die
­Meinung der jetzigen Supporters-Führung
kann ich tolerieren. Gefallen haben mir in
der letzten Ausgabe: gute Interviews mit
Abschlach! und Bernd Wehmeyer sowie die
düsteren Fakten über die geplante Ticketpreiserhöhung und die ebenfalls geplante
Anstoßzeit-Zerstückelung.
Lesenswert auch wie immer die Spiel­
berichte von Andreas Kloß. Die Highlights
waren für mich aber ganz klar die beiden Gänsehaut erzeugenden Artikel über
das Ende der letzten Saison, „Alle Mann
an Bord“ und „Tomorrow my friend“. Man
fühlte sich noch einmal an das Zitter­
finale erinnert und schien hautnah dabei zu sein. Dem Leserbrief von Karsten
Doneck über die Hetzkampagne der Medien nach dem Saisonende kann ich nur
voll und ganz zustimmen. Das war unterste Schublade und ganz übel. Einen kleinen Kritikpunkt hätte ich trotzdem: Muss
die sn auf so einem dicken, schweren Papier gedruckt werden? Ich denke, etwas
dünnere Seiten wären billiger, würden die
Umwelt und die Ressourcen schonen und
wären auch handlicher. Aber wie schon erwähnt, das ist nur eine ganz kleine Kritik.
Ansonsten: Denn man tau!
Da ich weiß, dass positive Kritik selten geäußert
wird, möchte ich Euch ausdrücklich für Eure Arbeit
loben. Das gilt generell
für das Supporters-News-­
Magazin, besonders aber
für die jüngste Ausgabe. Ich
habe alles gelesen und fand
die Berichte spannend und
informativ. So stelle ich mir
ein Magazin mit Infos rund
um meinen Verein vor. Ganz
toll, macht weiter so!
Gerd Bayer
Zur Meldung „Matz down?“
in der sn 80
Ein schönes Heft. Aber auf Seite 10 ist dann
doch ein Fehler. Dieter Matz war niemals
Sportchef des „Hamburger Abendblatts“.
Edgar Wieschendorf
6
Foto: Witters
Dialog
Logos ausschließen, die Tiere
(6), Menschen (2), Naturphänomene (Blitz, Hurrikan je 1) und
Sterne (1) enthalten, wären
immer noch drei übrig: ein geflügeltes Rad, ein Flugzeug auf
einem Ahornblatt und eine
Musiknote.
Mit der Änderung des Wortes
Sportverein in Fußballverein
fallen diese ganzen Gegenbeispiele natürlich weg. Allerdings muss man hier auch
nicht lange suchen. Man
muss sich nicht einmal in anderen nationalen Ligen auskennen oder die ersten Runden
der Euro-League-Qualifikation verfolgen.
Nein, es reicht, einen Blick in die Champions
League zu werfen. Der letztjährige Finalist
hat zwar einen Bären, einen Erdbeerbaum
und sieben Sterne im Emblem. Sicherlich
nicht schlicht, aber ohne Buchstaben oder
Ziffern. Die Rede ist von Atlético Madrid.
Weitere bekannte Gegenbeispiele finden
sich in der zweiten englischen Liga.
Die Wolverhampton Wanderers haben ein
schlichteres Logo als Madrid: einen stilisierten Wolfskopf in einem Hexagon. Das
Trikot von Derby County ziert ein stilisierter Schafsbock. Wohl ebenfalls bekannt,
aber aktuell nicht professionell unterwegs,
ist der Portsmouth FC mit Stern und Halbmond. Inzwischen ist der Vereinsname wieder aus dem Logo verschwunden.
Da so schnell auch im Fußball Gegenbeispiele gefunden waren, bezweifle ich, dass
die Behauptung „einziger professioneller
Fußballverein ohne Buchstabe, Zahl, Tier
oder Stern im Logo“ einer genaueren Überprüfung standhalten würde.
Das macht aber auch gar nichts, denn unsere Raute ist auch so unverwechselbar. Und
der Text funktioniert auch, wenn man den
falschen Satz ersatzlos streicht.
Preis: 2,00 Euro
supporters news # 80
| 10.2015
Das Magazin des HSV
Supporters Club
Eintrittspreise:
Ist Fußball noch
bezahlbar?
Interview mit
Geschäftsführer
Jörn Spuida
Foto-Reportage:
„Am Stellinger“
Grantler
mit Herz
Bernd Wehmeyer spricht
über Ernst Happel
Michael Koch
Zum Artikel „Alle Mann an Bord“
in der sn 80
Ich finde die Raute und ihre Ableitung ja
auch großartig, kann die Mär vom einzigen
Logo weltweit ohne Buchstaben und Ziffern aber nicht mehr hören. Reicht es nicht,
dass sie schön und schlicht ist? Muss man
ihr auch noch Eigenschaften andichten,
die sich sofort wie frei erfunden anhören/­
lesen? Wer soll denn glauben, dass es auf der
ganzen Welt keinen professionellen Verein
gibt, der neben dem HSV auf Buchstaben
und Zahlen im Logo verzichtet? Dass sich jedes Logo angeschaut wurde? Bei allen Profisportvereinen? Weltweit?
Tatsächlich reicht schon ein Blick in die NFL
(American Football). Dort enthalten von
32 Logos ganze 21 weder einen Buchstaben
noch eine Zahl. Zwölf bestehen aus einem
Tier oder Tierkopf, vier im weitesten Sinne
aus einem Menschen (drei Köpfe und ein Totenkopf auf einer Piratenflagge). Es bleiben
ein Stern, ein Hufeisen, ein leerer Footballhelm, ein Blitz und eine heraldische Lilie.
Auch in der NHL (Eishockey) sind die Hälfte der Teams (15 von 30) ohne Buchstaben
und Zahlen unterwegs. Würde man auch
Sönke Petersen
Dialog
Zur HSV-Fanfreundschaft und dem
Artikel über die Glasgow Rangers in
der sn 78
Foto: Witters
TRIBÜNE
Foto: Witters
Über die Jahre wurde mir von einem bestimmten Typ des Fußballfans immer wieder erzählt, in diesem wundervollen Sport
gebe es keinen Platz für Politik. Doch das ist
einfach falsch. Ob Fans, die sich gegen Rassismus und Homophobie wehren, oder Fans,
die mit ihrer Gemeinschaft gegen die „Gentrifizierung“ des Fußballs eintreten – es gab
immer Verflechtungen zwischen Sport und
Politik.
Aber was passiert, wenn ein Klub oder ein
signifikanter Anteil seiner Fans sich für eine
Politik starkmachen, die moralisch fragwürdig ist? Es bleibt in der Verantwortung derjenigen, die den Klub unterstützen, diese Bigotterie zu bekämpfen.
Ich will es gleich von Anfang an klarmachen: Ich habe keine sportliche Sympathie für die Rangers. Die langjährige und
anhaltende Nutzung von Symbolen britischer L­ oyalisten und extrem rechter Gruppen von einem großen Teil der Rangers-Fans
lässt viele Fragen über die Verbindungen
zwischen dem Verein und diesen Organisationen aufkommen. Der frühere Rangers-­
Torwart Andy Goram war bekannt für seine Sauftouren in der Rex Bar an der Shankill
Road in Belfast, dem Hauptquartier der Ulster Volunteer Force (UVF). Die UVF war eine
der vielen loyalistischen Organisationen,
die von der britischen Regierung mit Informationen und Waffen versorgt wurden, die
sie dann in einer staatlich gedeckten Terrorkampagne gegen die nationalistische
Bevölkerung Irlands einsetzten. Hunderte Katholiken wurden von dieser Organisation ermordet, um eine extreme Form des
britischen Nationalismus am Leben zu erhalten. Der Konflikt in Irland sprang nach
Glasgow Rangers
Von Joachim Eybe
Follow, follow,
Rangers!
Innerhalb von 40 Jahren hat sich zwischen dem HSV und den Glasgow
Rangers eine große Fan-Freundschaft entwickelt. Die Ursprünge liegen auch in der gegenseitigen Unterstützung gegen die Liga-Rivalen.
U
ngewöhnlich. So lässt sich
die Freundschaft zwischen
den Fans des HSV und den
Anhängern der Glasgow
Rangers beschreiben. Denn
im Gegensatz zu den meisten Fan-Freundschaften ist diese Beziehung nicht daraus
hervorgegangen, dass einzelne Gruppen
innerhalb zweier Fan-Szenen gut miteinander auskamen und sich die Freundschaft
sich so auf die ganze Szene ausbreitete. Ihr
Ursprung liegt vielmehr in Einzelkontakten, die rund 40 Jahre zurückliegen.
Und zwar in den frühen 1970er-Jahren. Zu
dieser Zeit spielte der HSV vor heimischem
Publikum zwei Freundschaftsspiele (1970
und 1974) gegen die damals – auch europäisch – überaus erfolgreichen Rangers aus
Glasgow. 1972 hatten diese unter anderem
den Europapokal der Pokalsieger gewonnen.
Ein sangesfreudiger und trinkfester Anhang begleitete die Gers.
So ergab sich für viele HSVer ein erster Kontakt mit Fußballanhängern von der britischen Insel, die den deutschen Fußball-Fans
in Sachen Fankultur gefühlt Lichtjahre voraus zu sein schienen. Zur Erinnerung: Den
ersten Fanclub des HSV – die „Rothosen“ –
gibt es erst seit 1972. Aber es waren Mitglieder gerade dieser „Rothosen“, bei denen der
Besuch von der Insel einen dermaßen bleibenden Eindruck hinterließ, dass sie selbst
nach Glasgow wollten, um dort ein Spiel der
Rangers mitzuerleben.
Ältester Rangers-Fanclub
auf dem Kontinent
Die HSV-Fans Kay Giese und Michael
Burzlaff waren die ersten, die damals zu
einem Spiel der Rangers reisten. Von ihrem
Besuch in der schottischen Metropole waren sie so begeistert, dass sie bald darauf
einen eigenen Rangers-Fanclub gründeten:
den „Hamburg Loyal Rangers Supporters
Club“. Er existiert bis heute und ist damit
der älteste Rangers-Fanclub auf dem europäischen Kontinent.
Die Touren der beiden Hamburger Rangers-Fans zu Spielen der Gers häuften sich
und damit auch die Geschichten, die sie ihren Freunden zuhause zu erzählen hatten.
Mit Beginn der 1980er-Jahre und der Gründung des Dachverbands der HSV-Fanclubs
erschien erstmals auch dessen Mitteilungsorgan, die Fanzeitung „Westkurve“.
Die „Rothosen“ waren stets daran beteiligt,
dieses Heft mit Inhalt zu füllen. Darüber
erfuhren HSV-Fans deshalb auch von den
Spielen und Geschehnissen rund um die
Glasgow Rangers. Bei nicht wenigen HSVFans schaffte dies ein Bewusstsein für die
Existenz dieses Clubs, und es entstanden
Sympathien. Die Mitgliederzahl des „Hamburg Loyal RSC“ stieg folglich an.
Anfang der 1990er-Jahre trieben ein paar
Aspekte die Entwicklung der Freundschaft
voran: Die Rangers mussten im Dezember
1992 gegen den ZSKA Moskau im Bochumer Ruhrstadion antreten. Das Spiel fand
auf deutschem Boden statt, weil die Wetterverhältnisse in Russland zu schlecht
waren. HSV-Fans der damaligen Allesfahrer-Szene nutzten die Gelegenheit, das
Spiel zu besuchen. Wieder waren sie fasziniert vom Anhang der Rangers. Kurz darauf folgte ein Spiel der deutschen Nationalmannschaft gegen Schottland im
Glasgower Ibrox-Park, zu dem etliche
HSVer mitfuhren. Mitte 1996 schließlich
begann sich die Fan-Freundschaft endgültig zu festigen: Erst wechselte HSV-Kapitän und Publikumsliebling Jörg Albertz
zum schottischen Rekordmeister. Kurz darauf bekam der HSV in der ersten Runde des
UEFA-Cups den Erzrivalen der Rangers zugelost: Celtic Glasgow.
Der noch junge HSV Supporters Club nutze damals zur Organisation der angebotenen Reisen diverse Kontakte, insbesondere
zum Redaktionsteam des Rangers-LinfieldChelsea-Fanzines „The Blues Brothers“ (in
dem in der Folge auch etliche Berichte über
Spiele des HSV zu finden waren). Viele angereiste HSV-Fans deckten sich am IbroxPark mit Fanartikeln der Rangers ein, und
nicht wenige genossen die Gastfreundschaft der Rangers-Fans in einem der zahlreichen Pubs der Stadt. Nicht nur aufgrund
des 2:0-Sieges war diese Reise eine großartige Erfahrung. Vor allen Dingen der sehr
freundliche Empfang seitens der RangersFans blieb hängen.
19
Schottland über. Dort gibt es eine große Gemeinschaft irischer Migranten und viele Verbindungen zwischen schottischen
­Loyalisten und ihrem Gegenüber im Norden Irlands.
Das Ausmaß dieser Verbindungen lässt
sich am besten am Verhalten von Andy Goram aufzeigen. Ein Beispiel: Billy Wright
war ein berüchtigter loyalistischer Mörder,
1997 wurde er im Maze-Gefängnis von einer Gruppe republikanischer Gefangener
der Irish National Liberation Army (INLA)
hingerichtet. Fünf Tage nach dieser Exekution trug Andy Goram eine schwarze Armbinde als Zeichen seiner Sympathie für Billy
Wright. Auch wenn er später behauptete, er
trauere um seine vier Monate zuvor verstorbene Tante. Doch das war nicht der einzige Vorfall dieser Art von Goram. Und Goram
war nicht allein mit seinen Verbindungen
mit britischen Loyalisten in Irland und seiner Bigotterie. 2013 bekannte sich der Rangers-Vorsitzende Charles Green dazu, seinen
Kollegen Imran Ahmad als seinen „kleinen
Paki“ zu bezeichnen und verstand nicht,
warum dies anstößig sei.
Die historischen Verbindungen zwischen
dem Verein und Loyalisten geht zurück auf
den Anfang des 20. Jahrhunderts, als der
Schiffsbauer Harland and Wolff aus Belfast
eine neue Produktionsstätte in Glasgow eröffnete. Die Firma hatte ihre berüchtigte
sektiererische Einstellungspraxis und entsprechendes Personal im Gepäck. Eine Identität konservativer Werte und Loyalität zu
Monarchie und Empire entstand. Dazu kam
die Ablehnung von Katholiken, später zudem die Ablehnung von Migranten und anderen Minderheiten.
Erst in diesem Jahr entgingen Rangers-Fans
einer Strafe für das Singen von Liedern über
eine faschistische Gang aus Glasgow aus
den Dreißigern, deren Anführer später versuchte, einen Ableger des Ku-Klux-Klans zu
gründen. Der Text des Liedes enthält eine
Zeile, in der es heißt: „Wir stecken bis zu unserem Hals im Blut der Fenian.“ Fenian ist
ein abfälliger Begriff, der für Katholiken benutzt wird. Zu diesen Vorfällen kam es trotz
einer Uefa-Geldstrafe über 40.000 Pfund im
Jahr 2011 und einem Fanreiseverbot für ein
Spiel in Rom für ähnliches Verhalten.
Die Fans der Glasgow Rangers haben solche
Elemente lange toleriert oder waren nicht in
der Lage, etwas gegen sie zu unternehmen.
Ich möchte nicht sagen,
dass jeder Rangers-Fan
ein Rassist oder sektiererisch ist. Trotzdem besteht
ein institutionalisiertes und
endemisches Problem der Tolerierung von sektiererischen Symbolen und
Songs bei den Rangers.
Wer die Nutzung dieser Symbole und Songs
fördert, muss auch Verantwortung dafür
übernehmen, was diese Symbole und Songs
auslösen können: 1999 wurde der 16-jährige Celtic-Fan Thomas MacFadden von zwei
Rangers-Fans erstochen, als er den Sieg seines Teams feierte. Menschenverachtende
Parolen auf der Tribüne können also sehr
wohl mit Blut auf der Straße enden.
Ich möchte all diejenigen, die die Rangers
aufrichtig unterstützen, darum bitten, die
reaktionären Elemente zurückzudrängen,
die diese Flecken auf der Weste des Vereins
zu verantworten haben, der ansonsten beeindruckende Leistungen erbracht hat.
Clemens Glismann
Euer Feedback ist wichtig:
Leserbriefe, Kritiken und Anregungen zur supporters news,
dem Supporters Club und zum
HSV bitte an [email protected]
Leserbriefe geben nur die Meinung des Einsenders wieder.
Die Redaktion behält sich bei
Zuschriften die Auswahl und
das Recht der sinnwahrenden
Kürzung vor.
Der Supporters Club ist auch bei
7
INTRO
Tschüss, Helmut
8
Schnappschuss
S
o ganz eindeutig hat er es ja
nie gesagt, und für Fußball
soll sich Helmut Schmidt nicht
wirklich interessiert haben.
Dennoch: Wenn es um Sym-
pathiebekundungen für einen Verein ging,
dann ließ sich der am 10. November 2015
verstorbene Altbundeskanzler (1974–1982)
einmal entlocken, „ein ganz weit entfernter
Anhänger des HSV“ zu sein, der „es ungern
sehen würde, wenn der HSV aus der Bundesliga absteigen würde“. In einem Interview mit der „Zeit“, deren Mitherausgeber
er war, erklärte er, dass dies mit seiner Herkunft zusammenhänge: In seiner Generation habe man eben zu jenem Verein gehalten, in dessen Nähe man aufgewachsen sei.
Am 21. März 1981 sah er denn auch als einer
von 61.648 Zuschauern – neben ihm: HSVPräsident Wolfgang Klein – ein Heimspiel
im Volksparkstadion gegen Bayern MünFoto: Witters
chen. Felix Magath und Horst Hrubesch erzielten die Führung, die Karl-Heinz Rummenigge und Paul Breitner jedoch noch
zum 2:2 ausglichen. |
9
Foto: Kinder der Westkurve
INTRO
Auswärtsmob: HSV-Fans 1977 beim Supercup in Liverpool.
Dickes Danke Wir, die Autoren des Fanbuches „Kinder
der Westkurve“, möchten uns auf diesem
Wege herzlich bei allen, die uns durch den
Kauf dieses Buches oder die aktive Mitarbeit daran unterstützt haben, bedanken. Ohne die vielen Berichte, Geschichten
und Fotos von Euch wäre das Buch in dieser Form nicht möglich gewesen. Stellvertretend für Hunderte „Lieferanten“ möchten wir hier die Namen Joachim Eybe,
Dirk Mansen und Christoph Schughardt
nennen.
Des Weiteren möchten wir uns, nach Abverkauf nahezu aller Bücher, besonders
beim HSV bedanken, der uns in jeglicher Hinsicht unterstützt hat. Auch hier
möchten wir stellvertretend für den gesamten Verein ein paar Namen nennen:
Walter Rehmer, HSV-Archivar, Andreas
Birnmeyer, Geschäftsführer des HSV Supporters Clubs, Oliver Scheel, ehemaliges
Vorstandsmitglied, sowie Timo Kraus, Chef
des HSV-Merchandise.
Nach Rücksprache und Austausch mit
vielen HSV-Fans war die Hauptaussage zu dem Buch: „Klasse, dass diese
Geschichte(n) endlich einmal zu Papier gebracht worden sind.“ Um nur einige Fakten zu nennen: das 3,1 Kilogramm schwere
und 660 Seiten starke Werk wurde in vier
Jahren und in circa 5000 Stunden Arbeitszeit fertiggestellt.
Beachtlich fanden wir die ehrliche Anerkennung vieler anderer, rivalisierender
Vereine. Stellvertretend für diese sei der
Name des ehemaligen Bremer Funktionärs Willi Lemke sowie die „Kollegen“ der
schreibenden Zunft vom „Übersteiger“ des
Hamburger Fußball im Nationalsozialismus
In Deutschland war nach dem 30. Januar
1933 ein selbstbestimmtes Leben und Handeln nicht mehr möglich. Die rassistische
Ideologie der NSDAP durchdrang alle Lebensbereiche, alles wurde „nazifiziert“. Dies
galt auch für die Sportvereine. Die kommende Ausstellung „Hamburger Fußball im
Nationalsozialismus. Einblicke in eine jahrzehntelang verklärte Geschichte“ im Rathaus Hamburg greift diese Thema auf.
Die vielfältige, „bunte“ Sportbewegung der
Weimarer Republik – und mit ihr der Fußballsport – wurden „gleichgeschaltet“:
Linien­treue Vereinsführer ersetzten die bisherigen Vorsitzenden, Vereinsmitglieder
wurden aus rassistischen und politischen
Gründen ausgegrenzt und ausgeschlossen und militärischer Drill, sogenannter
„Wehrsport“, eingeführt. Zu den sportpolitischen Maßnahmen der Nationalsozialisten
in Hamburg gehörten das Verbot und die
10
Verfolgung der traditionsreichen Arbeitersportbewegung. Sportlerinnen und Sportler, die sich den „neuen Verhältnissen“ nicht
anpassten oder als „rassisch minderwertig“
galten, wurden in Gefängnissen und Konzentrationslagern inhaftiert und ermordet.
Die Ausstellung „Hamburger Fußball im
Nationalsozialismus. Einblicke in eine jahrzehntelang verklärte Geschichte“ dokumentiert an Beispielen aus dem Fußballsport die Sportpolitik der NSDAP. Ergänzend
erfolgt auch ein Blick auf die Neuorganisierung des Sports nach Kriegsende in der britischen Besatzungszone, die – späte – Aufarbeitung der Geschichte der Fußballvereine
und -verbände im Nationalsozialismus sowie aktuelle Entwicklungen in den heutigen Hamburger Fußballfanszenen.
Weitere Informationen auf :
www.kz-gedenkstaette-neuengamme.de |
Text: Jan-Walter Möller
FC St. Pauli genannt. Nach unserem Wissen nutzen derzeit einige Fanszenen das
Buch als Muster für ihre Vereine.
Unterstützt durch die Verkaufserlöse wurden unter anderem – teilweise in Zusammenarbeit mit dem HSV – ein SOS-Kinderdorf, die Kleiderkammer für Flüchtlinge
in den Messehallen und die Kranken­stube
für Obdachlose im ehemaligen Hafenkrankenhaus. Wir haben uns auch an den Beerdigungskosten zweier verstorbener HSVer
beteiligt (R. I. P. Guido Bülles und Rainer
Becker).
Habt alle nochmals vielen Dank für die
großartige Unterstützung und Mitarbeit!
Man sieht sich auf den Straßen, in den Stadien und den Zügen dieser Republik.
Eure Kinder der Westkurve |
SC-Versammlung
Am 17. Oktober hat die ordentliche Abteilungsversammlung der Abteilung Fördernde Mitglieder/Supporters Club im
Volksparkstadion stattgefunden. Neben
der Abstimmung zur Reduzierung der Abteilungsleitungsmitglieder wurde auch
das aktuelle Profil des SC „Alle Mann an
Bord“ vorgestellt. Abteilungsleiter Tim-­
Oliver Horn verlas den Bericht des Delegierten der Abteilung für den Beirat.
So blickt der Beirat auf einen regen Austausch mit dem Präsidium zurück und hat
den Vereins­etat genehmigt. Anschließend
stellte die Abteilungsleitung den Antrag
zur Reduzierung der Anzahl ihrer weiteren
Mitglieder von drei auf zwei. Diesem Antrag stimmten die Mitglieder mit großer
Mehrheit zu. Zudem informierte Martin
Oetjens, stellvertretender Abteilungsleiter,
alle Anwesenden über das aktuelle Profil
„Alle Mann an Bord“. |
Kurzes
Ungleiche Verhältnisse
Ein Blick auf die Höhe der Fernsehgelder in den europäischen Top-Ligen verdeutlicht den extremen Vorteil der Premier League: England nimmt fast so viel ein wie alle anderen zusammengenommen. Der Klub mit den höchsten TV-Einnahmen ist aber der FC Barcelona, der damit satte
20 Prozent vom gesamten spanischen TV-Kuchen erhält. In der Bundesliga geht es noch vergleichsweise solidarisch zu.
Paris St. Germain
45,5 Mio. Euro
Chelsea FC
138,6 Mio. Euro
Pilgern für
den HSV
Ligue 1
470 Mio. Euro
Premier League
2.250 Mio. Euro
Serie A
840 Mio. Euro
La Liga
760 Mio. Euro
Bundesliga
580 Mio. Euro
Juventus Turin
94,0 Mio. Euro
Hamburger SV
27,7 Mio. Euro
FC Barcelona
160,0 Mio. Euro
FC Bayern
50,6 Mio. Euro
Quelle: Ligaverbände
Blick zurück: supporters news 64
Im Oktober 2010 erscheint die Ausgabe 64 der supporters news. Die
Mannschaft ist nach vielen Jahren im Europapokal unter der Woche wieder spielfrei, und der Klub
macht im Sommer abermals einen
Neustart: Armin Veh unterstreicht
als neuer HSV-Coach in der sn seine guten Absichten, längerfristig im
Volkspark zu arbeiten; diese Aussage
hindert den gebürtigen Augsburger
aber nicht daran, schon einige Monate später seinen Job aufzugeben.
Nicht, weil der HSV in dieser Epoche so viele Trainer „gesammelt“
hat, beschäftigt sich die Ausgabe
des Magazins mit dem Hauptthema
„Sammelleidenschaft“. Die sn stellt
in mehreren Geschichten echte
Hardcore-Sammler aus der HSV-Fanszene vor, die jegliche Fußball-Devotionalien mit Akribie und Hingabe horten: im heimischen Haushalt
in Form von Pins, Schals, Trikots, Eintrittskarten, Stadionheften und Autogrammen – oder in der Kategorie
„Groundhopper“ in Form von Stadien, Ligen oder Länderpunkten.
Die Leidenschaft kennt keine Grenzen, wie der zugehörige Artikel und
die Geschichten der Sammler zeigen. |
Von München nach Hamburg kann man fahren oder
gar fliegen. Aber laufen? Zu
Fuß? Warum? Für eine Meisterschaft oder gar einen
Champions-League-Sieg? Ja,
dann leuchtet das ein.
Vor Beginn der letzten Saison ging es los, nach vier Wochen wollte Volker pünktlich
zum ersten Heimspiel gegen Paderborn den Volkspark
erreichen.
So lässt er uns teilhaben an
den normalen Vorbereitungen, die Mitnahme von gefühlten tausend HSV-Trikots
in einem uralten Rucksack
ist dann aber schon hanseatisch klassisch. Quer durch
die Republik führt sein Weg,
immer nach Norden. Über
„Stock und Stein“, bei Wind
und Wetter, mal allein, mal
in Begleitung von Freunden.
Immer auf der Suche nach
Unterkünften.
Volker nimmt uns mit auf
eine kuriose Reise, lässt uns
vieles miterleben – wir lernen so Land und Leute, Speisen und Getränke kennen.
Nie wird es langweilig, und
trotz der Strapazen bleibt
Volker immer frohen Mutes.
Es ist nicht zu viel verraten,
wenn ich sage, dass er es geschafft hat.
Lesbar nicht nur für HSVer/­
‑innen, sondern e
­ igentlich
für alle. | Text: Thomas Kerfin
Volker Keidel: „Mein Ditmar Jakobsweg – 850 km für den HSV“,
Ausgabe 64 als PDF
www.hsv-sn.de/sn64.pdf
192 Seiten, Verlag Die Werkstatt,
ISBN 978-3-7307-0180-5
11
Tankstellentalk
Alle drei bis vier Monate findet im HSVSportpub „Tankstelle“ in der Gerhardstraße 7, 20359 Hamburg (nahe dem Hans-­
Albers-Platz) eine regelmäßige und offene
Talkrunde zu aktuellen Themen um unseren Verein und die Fanszene statt. Gäste
waren bisher unter anderem der HSV-Vorstand Didi Beiersdorfer, HSV-Präsident Jens
Meier, Joachim Eybe vom 1887-Store, der
ehemalige HSV-Profi Stefan Schnoor und
Markus Scholz vom „Hamburger Abendblatt“ sowie weitere führende Köpfe aus
dem HSV und der Fanszene. Durch diese
„Haribo Color-Rado“-Mischung an Gästen
ist jeweils ein intensiver Austausch zwischen den einzelnen Ebenen in unserem
Verein gewährleistet.
Der nächste Tankstellentalk findet am
19.1.2016 um „18:87“ statt. Bereits zugesagt
hat Michael Wendt (Sänger der HSV-Band
Abschlach!), Fanny Boyn (HSV Behinderten-Fanbeauftragte) und Axel Formeseyn
(ehemaliger HSV-Aufsichtsrat). Achtet in
den Print- und Onlinemedien auf weitere
Ankündigungen. |
„Auswärts
brauchen wir
nicht schön
zu spielen.
Unsere Trikots
sind schön
genug!“
(Dr. Peter Krohn, 1976)
12
Der Tod fährt mit
Lange Auswärtsfahrten mit dem Auto
sind nicht nur beschwerlich und lästig –
insbesondere an einem Sonntagabend. Sie
können auch zum akuten Sicherheitsrisiko für alle Mitfahrenden werden wie die
jüngsten Unfälle von Fußballfans zeigen.
Ein Kommentar.
„Augsburg Anhänger verunglücken nach
Spiel in Gladbach, zwei Tote“; „Zwei BVBFans auf Rückreise von Klagenfurt tödlich
verletzt“. Diese und ähnliche Schlagzeilen
häufen sich – nicht wirklich verwunderlich, denn jedes Wochenende machen sich
Zigtausende Fußballfans auf den Weg,
um Ihren Verein in der Ferne zu unterstützen. Und das Auto ist dabei ein beliebtes Reisemittel. Wenn dann auch noch unter der Woche international gespielt wird,
steigt die Belastung für die Fahrzeugführer immens.
Auch wenn man sich am Steuer auf Fahrten quer durch die Republik eigentlich
nur den Arsch breit sitzt, ist die körperliche Beanspruchung doch sehr hoch – insbesondere die Konzentration schlaucht
den Fahrer. Vor allem auf der Rückfahrt,
wenn die meisten Mitfahrer es sich gemütlich machen und das eine oder andere Pils schlafend verdauen, hat der Fahrer die Aufgabe, hoch konzentriert und
wach zu bleiben. Wer so wie ich, schon
einmal kurz am Steuer eingenickt ist, den
Rasen der Mittelleitplanke auf der Autobahn gemäht hat, kennt das Schreckgespenst des nächtlichen Fahrzeuglenkers:
Sekundenschlaf!
Den Moment, als ich aufgewacht bin, werde ich wohl nie vergessen, was auch gut
so ist. Dieser Augenblick hat mich geprägt:
Seither fahre ich auch bei den geringsten
Anzeichen von Müdigkeit runter von der
Autobahn, Beine vertreten und zur Not
einfach mal ein halbes Stündchen schlafen – das wirkt Wunder. Zum Glück hatte
Foto: Kichigin |shutterstock.com
Foto: Witters
INTRO
Text: Daniel Eglite
ich noch die Chance aufzuwachen und
richtig zu reagieren. Die Augsburger Fans
sind laut der Presse nachts um 1.50 Uhr ungebremst unter den Auflieger eines Sattelzuges gefahren …
Ein oft thematisiertes Problem sind die
Spielansetzungen. So sollten vor allem
Spätspiele für die jeweiligen Fans einen
maximalen Anreiseweg nicht überschreiten – doch die Realität sieht anders aus.
Nehmen wir das diesjährige Eröffnungsspiel der Bundesliga in München an einem
Freitagabend. Wer sich ein Hotel nicht leisten und auch den ICE nicht finanzieren
kann, setzt sich ans Steuer und fährt die
rund 800 Kilometer von Hamburg nach
München und zurück, um dann irgendwann morgens wieder daheim zu sein.
Am 12. Spieltag durfte unser HSV in Darmstadt ran – Samstag um 18.30 Uhr! Die
Entfernung: rund 520 Kilometer für eine
Strecke ab Hamburg! Auch am Samstag
spielten um 15.30 Uhr die Kölner in Leverkusen, ein Anreiseweg von knapp 18 Kilometern. In Worten: ACHTZEHN!!! Da frage
ich mich, ob die Spielansetzer keinen Routenplaner zur Hand haben?
Solange kein Protest der Vereine erfolgt
und dieses Problem auch nicht in der Presse thematisiert wird, ist wohl mit einer
Entschärfung dieses Risikos nicht zu rechnen. Ganz im Gegenteil: Nach dem irrsinnigen TV-Milliardendeal in England ist zu
befürchten, dass die Spieltage noch mehr
zerstückelt werden und somit noch mehr
Spiele am Abend in der Woche stattfinden
werden.
Abschließend ein Appell an all diejenigen,
die ihre Freunde heile in die Heimat befördern: Bleibt sauber! Alkohol hat am Steuer nichts zu suchen! Und wenn die Augen
schwer werden – fahrt auf den nächsten
Parkplatz! Wenn gar nichts mehr geht, ist
ein kleines Nickerchen Gold wert! |
Kurzes
Mit Stil ins Stadion
In der Hamburger Neustadt gibt es seit
Oktober ein Herrenbekleidungsgeschäft,
das das Herz des modebewussten Fußballfans höher schlagen lässt. Die Verbindung von Fußball und Mode hatte in den
Siebziger Jahren in Liverpool ihren Beginn und breitete sich schnell über ganz
Großbritannien aus. Auch in Hamburg ist
der „Casual Lifestyle“ schon längst angekommen. Hier eröffnete mit „Casual Couture“ das erste Modegeschäft, das sich
ganz der „Casual Mode“ annimmt. Feinste Stoffe von Marken wie C.P. Company,
Lyle & Scott oder Penfield findet man hier
genauso wie die exklusiv geführten Marken MA.Strum. Weekend Offender, Peaceful Hooligan oder Casual Connoisseur. Ein
Besuch lohnt sich allemal, denn das Barambiente des Ladens – mit britischem
Tresen und Snooker-Tisch – Männerherzen das Shoppen so angenehm wie noch
nie macht. www.casualcouture.de |
Aus der Traum
Austria Salzburg, österreichischer Zweitligist, ist insolvent. Auf dem Verein lasten
rund 1,3 Millionen Euro Verbindlichkeiten. Gläubiger des Vereins sind Baufirmen und sogar Spieler. Als Insolvenzursache gab der Verein die Mehrkosten im
Zusammenhang mit dem Stadionumbau an. Austria will den Spielbetrieb bis
zum Saisonende aber aufrechterhalten.
Bekannt wurde der Verein, als Getränkehersteller Red Bull ihn übernahm und daraufhin die Salzburg-Fans einen neuen
Klub gründeten, um von der untersten
österreichischen Liga den Neustart zu
wagen. Insgesamt dauerte es neun Jahre, ehe Salzburg im Frühjahr dieses Jahres den Aufstieg in die zweite Liga perfekt
machte und somit wieder im Profifußball
vertreten war. |
Gone – but not forgotten!
Als stille Erinnerung an Töffel (l.) und Bomben-Ole. Zwei Legenden der organisierten HSV-Fanszene,
welche im Jahre 2009 beziehungsweise 2012 nach langer und schwerer Krankheit viel zu früh von uns
­gegangen sind. Aufgenommen beim Freundschaftsspiel Türkei–Deutschland im Oktober 2005 in Istanbul.
13
TRIBÜNE
Grimme-Preis
gegen Henkelpott!
Interview: Thorsten Langenbahn · Fotos: Christoph Voy
14
Bjarne Mädel
Seine Rolle als „Tatortreiniger“ ist für
Bjarne Mädel eine Herzensangelegenheit – genau wie der HSV. Der GrimmePreis-Träger plaudert übers Fußball­
gucken am Set, Massagen von Hermann
Rieger und fehlende Autogrammkarten
beim Stadionbesuch.
Würdest Du einen Deiner Grimme-Preise gegen
­einen Pokal für den HSV eintauschen?
Da ich zwei habe, würde ich einen abgeben. Natürlich.
Für den Gewinn der Champions League. Das wäre mir
sehr recht.
Oha, Champions League. Darunter geht’s nicht?
Wenn schon, denn schon. Wenn ich mir das schon aussuchen darf, komme ich nicht mit dem DFB-Pokal. Ist ja
auch lange her.
Wie ist Deine erste Erinnerung an den HSV?
Meine erste Erinnerung ist ein Uefa-Pokal-Spiel bei
Flutlicht. Da war ich mit meinem Vater und meinem
Onkel. Ich habe Erinnerungen an Stadionwürstchen,
die sensationell lecker waren, und an den Moment, wo
man bei Flutlicht ins Stadion kommt und das Gefühl
hat, man ist auf einem anderen Planeten gelandet. Diese Atmosphäre, dieser grüne Rasen, das hat mich von
Anfang an fasziniert.
Wie alt warst Du damals?
Ich war noch sehr jung, ich schätze, so sieben oder acht
Jahre alt. Mit dem Auto zum Stadion zu fahren war
schon toll, dass ich überhaupt so lange aufbleiben durfte, das war alles ein Riesenabenteuer. Dann hatten wir
keine Karten und mein Onkel hat gesagt: „Ich besorge die.“ Dann hat er auf dem Schwarzmarkt mit irgendwelchen halbseidenen Leuten Geldscheine und Karten
hin und her getauscht. Das war natürlich aufregend.
Ab diesem Tag war klar: Ich bin HSV-Fan und werde es
auch immer bleiben.
Wie oft kommst Du heutzutage noch ins Stadion?
(seufzend) Viel zu selten. Ich bin halt beruflich immer
unterwegs. Ich habe Skygo und gucke mir die Spiele da an, wo ich gerade bin. Jedes Spiel, aber eben leider nicht im Stadion. Ich schaffe es vielleicht zweimal
im Jahr ins Stadion. Und wenn ich zwischendurch mal
wieder für eine Woche zu Hause bin, insgesamt sowieso nur sechs Wochen im Jahr, dann kann ich nicht sagen: „Ich fahre mal kurz von Berlin nach Hamburg,
weil ich zum HSV muss.“ Ich glaube, dann hängt der
Haus­segen schief.
Hast Du eigentlich Kinder, die Du für den HSV
­begeistern kannst?
Nee, aber ich habe einen Patensohn. Vor seiner Einschulung hat er davon geredet, dass er Bayern München ganz toll findet. Dann bin ich zur Einschulung
mit einer Schultüte hingefahren und da hat er von
mir ein HSV-Trikot bekommen. Da musste ich einfach
dazwischengrätschen.
Mit was für einem HSV bist Du groß geworden?
Ich habe noch die großen Zeiten miterlebt, ’82 und so.
Und ich habe die ganz großen Spieler gesehen: Keegan,
Hrubesch, Magath. Meine absoluten Lieblingsspieler
waren Kevin Keegan und Jürgen Milewski. „Wer wird
deutscher Meister?“ war damals kein zynischer Song.
Die Fans haben das gegrölt, weil es für den HSV immer
möglich war, Meister zu werden.
Dein Berufswunsch als Kind: Fußballer. Warum ist
daraus nichts geworden?
Ich habe beim TSV Reinbek gespielt, rechter Läufer, aber
ich war einfach zu klein. Wenn man die Mannschaftsfotos von früher sieht, stehen wir alle da wie die Orgelpfeifen von links nach rechts – und ganz am Ende, der
Allerkleinste, das war immer ich. Wenn wir früher auf
dem Grand gespielt haben, da kamen Typen, die waren
schon im Stimmbruch und zwei Köpfe größer als ich.
Die haben mich einfach umgerannt, da hatte ich keine
Chance. Technisch war ich schon ganz gut, aber nicht
so herausragend wie ein Lionel Messi oder Icke Häßler.
Irgendwann war klar, dass ich nicht zu den herausragenden Begabungen zähle. Da muss man einfach ehrlich mit sich sein.
Ein Spieler bist Du ja trotzdem geworden, nur Schaustatt Fußballspieler. Gibt es Parallelen zwischen
­beiden Professionen?
Es gibt jedenfalls wahnsinnig viele Schauspieler, die
gern Fußball gucken. Es ist schon ähnlich, dieses ImHier-und-Jetzt-Sein, diese neunzig Minuten. Man hat
feste Regeln, wie man auch auf der Bühne feste Verabredungen hat, aber wie es dann ausgeht, das weiß man
nicht. Das ist ja auch das Spannende beim Fußball.
Man hofft ja immer, bei diesem einzigartigen 4:4 dabei
zu sein oder wenn man noch 5:4 gewinnt. Das hat man
beim Theater als Zuschauer auch. Dass man denkt, das
wird heute ein ganz besonderer Abend.
Wo stehst Du, wenn Du im Volksparkstadion bist?
Ich sitze. Im Norden – oder so, dass ich am Norden dran
bin. Ich mag das, auf die Kurve zu gucken, wenn man
15
TRIBÜNE
Was ist Dein liebster Schlachtruf oder Fangesang?
„Nur der HSV!“ finde ich als aktuellen Schlachtruf
schon gut. Besonders toll finde ich daran, dass der sich
so reingemogelt hat. Der kam von den Fans, und jetzt
steht er hinten auf den Trikots im Kragen. „Hamburg,
meine Perle“ ist für mich natürlich die schönste Hymne, die es gibt. Das ist schon Gänsehaut, wenn man im
Stadion steht, das mitsingt und sich der Stadt verbunden fühlt, weil man da geboren wurde.
Hast Du bestimmte Rituale am Spieltag?
Wenn ich zu Hause vor dem Fernseher sitze, habe ich
oft ein Trikot an. Ich habe ein altes Trikot, auf dem
ich die Unterschriften von drei wichtigen HSV-­L euten
drauf habe, nämlich von Herman Rieger, Uwe Seeler
und Felix Magath. Bei besonders wichtigen Spielen ziehe ich das an und hoffe, dass es Glück bringt. Das ist
aber auch schon mal schiefgegangen.
Was ist das für ein Trikot?
Da steht vorn drauf: „HSV – Deutscher Meister 1982“.
Das hat mir mal eine Kostümbildnerin geschenkt.
Christian Ulmen sollte das in dem Film „Herr Lehmann“ anziehen, da ist er auch HSV-Fan. Da hatten sie
mehrere Trikots, und dieses kam gar nicht zum Einsatz. Das ist ein Original.
quasi direkt in der Ecke der Osttribüne sitzt. Ich bin
gern nah bei den Fans. Mittlerweile sitze ich schon
gern, das bringt das Alter mit sich. Aber ich muss jetzt
nicht in den VIP-Bereich oder mit einem Sekt in der
Loge sitzen, das ist nicht meine Welt. Es ist in Ordnung,
dass es solche Firmenlogen gibt, denn so finanziert sich
das ja auch und so kann der Verein die Preise für die anderen Karten erträglich gestalten.
Was für ein Typ Fan bist Du auf der Tribüne? Der
Schreihals, der Gegnerbeleidiger oder der stille
Taktikanalyst?
Ich bin eher der Stille. Wenn man sieht, das war ein
Foul, dann muss man das einfach auch so hinnehmen.
Oder wenn es abseits war, dann muss man nicht grölen: „Schiri, Du Arschloch!“ Klar rege ich mich auch auf,
wenn es umstrittene Szenen gibt, aber ich bin eigentlich da, um Fußball zu gucken, und nicht, um meine
Aggressionen loszuwerden.
16
So wie der 2014 verstorbene HSV-Kult-­Physio
­Hermann Rieger, mit dem Du ein besonderes
­Erlebnis hattest?
(aufgeregt) Ja. Hermann Rieger hat mir mal die Beine massiert. Immer, wenn ich kann, spiele ich in Hamburg bei „Kicken mit Herz“ mit, einem Benefizspiel
für herzkranke Kinder. Einmal wusste ich vorher,
dass Hermann Rieger bei uns in der Kabine der Physio ist. Da habe ich das Trikot mitgenommen und gesagt: „Hermann, das musst Du mir unterschreiben!“
Der war ein ganz toller Typ, so auf dem Boden geblieben. Der hat keinen Unterschied gemacht, ob Du Nationalspieler bist oder Amateurfußballer – Bein ist
Bein, Muskeln sind Muskeln und Mensch ist Mensch.
Irgendwann während des Spiels taten mir die Beine weh, und dann hat er gesagt: „Komm, Burschi, leg
Dich mal hin!“ Und dann hat er mir die massiert. In
dem Moment dachte ich: Mensch, jetzt sind die Finger an deiner Wade, die auch Kevin Keegan schon massiert haben. Das war für mich als HSV-Fan ein sehr erhebendes Erlebnis.
Als HSV-Supporter anno 2015: Worauf kann man
stolz sein?
Auf das Stadion und auf die Fans. Dass das Stadion
wieder Volksparkstadion heißt, finde ich sensationell.
Egal, wie man zu Kühne als Investor steht, dass er diesen Namen zurückgekauft hat, finde ich ganz großartig. Damit hat er sich ja nicht in sportliche Sachen eingemischt, sondern einfach nur Tradition zurückgeholt.
Bjarne Mädel
Hast Du aus der aktuellen Mannschaft einen
Lieblingsspieler?
Im Moment machen mir HH – Holtby und Hunt – großen Spaß. Die beiden sind so ein bisschen die Mittelfeld-Schaltzentrale geworden. Ich glaube, mit Hunt
und Holtby, das kann was werden, dass dieses Duo das
Herzstück ist, das die anderen mitzieht. Mit Doppel-H
habe ich ein gutes Gefühl. Und wenn Adler in Form ist,
da kann man sich als Abwehr auch dran hochziehen.
Ich habe das Gefühl, das im Moment etwas wie ein
Team entsteht, mit Spielern die zusammenhalten und
füreinander kämpfen.
Warum ist der HSV unabsteigbar?
Das ist das Dinsoaurier-Gen. Bayern hat doch dieses Gewinner-Gen, wir haben das Dinosaurier-Gen.
Beim HSV hat sich das in den Köpfen festgesetzt: Wir
können einfach nicht absteigen! Nee, das ist einfach
unvorstellbar.
Was wünschst Du dem HSV für das kommende Jahr?
Eine unaufgeregte, stabile Saison, sodass wir nichts mit
dem Abstieg zu tun haben. Das Relegationstriple brauche ich nicht. Das war zuletzt aufregend genug.
Inwiefern kannst Du an Dreh- und Spieltagen die
HSV-Spiele verfolgen?
Das ist teilweise schwierig, weil ich zeitgleich oft am
Set oder auf der Bühne bin. Auf dem Handy Fußball
gucken ist zwar nicht so richtig toll, aber das ist dann
oft die einzige Chance, etwas mitzukriegen. Ganz
schlimm war es letztes Jahr: Relegation, Hinspiel. Da
habe ich mit Julia Jentsch für einen Kinofilm gedreht,
der nächstes Jahr rauskommt und „24 Wochen“ heißt.
Ich sollte vor die Kamera und stand mit dem Handy ein paar Meter weit weg vom Set und habe dieses
Spiel geguckt. Es waren noch so zehn Minuten bis zum
Ende und ich wurde immer gerufen, dass ich kommen
soll, und alle haben auf mich gewartet. Dann hat Julia
Jentsch gesagt, sie sollten doch erst eine andere Szene
drehen. Das war total nett. Normalerweise ist das beim
Film so: Wenn es heißt, du musst kommen, dann musst
du kommen. Aber es hatten alle so viel Verständnis für
mich, dass ich das Spiel zu Ende gucken konnte.
Also steckt in der Rolle schon viel Bjarne Mädel drin?
Ja, klar. Einmal aus privaten Gründen, aber es gab auch
die Überlegung, dass Axel Prahl im „Tatort“ aus Münster schon ein St.-Pauli-Vertreter ist. Und das will man ja
dann auch nicht noch mal sehen.
In den neuen „Tatortreiniger“-Folgen trägt Schotty
auch wieder seinen HSV-Schal. Stammt der von Dir?
Der kam tatsächlich von mir. Ich bin ja Mitglied, Nummer 60.000. Das war ganz toll, dass der HSV mich irgendwann gefragt hat, denn ich habe mich in so ziemlich jedem Interview angebiedert und gesagt, dass ich
HSV-Fan bin und dass es mein Wochenende schöner
macht, wenn der HSV gewinnt. Daher kam dann irgendwann die Anfrage, sie hätten eine runde Nummer zu vergeben. Das ist natürlich eine große Ehre,
eine runde Nummer zu haben. Aber ich zahle ganz normal meinen Mitgliedsbeitrag. Ich finde es einfach cool,
wenn ich auf meinen Ausweis gucke und da 60.000
draufsteht. Daher hatte ich auch diesen SupportersSchal, den ich Schotty immer mal wieder ausleihe.
Guckst Du Dir im Stadion von den unterschiedlichen
Typen auf den Rängen etwas für Deine Rollen ab?
Nee, da bin ich eigentlich mehr aufs Spiel konzentriert.
Aber auf dem Weg dahin schon, das bleibt nicht aus.
Wir saßen einmal im Bus voller HSV-Fans vom Bahnhof Stellingen bis zum Stadion. Da sagte einer: „Du
bist doch der aus dem Fernsehen, hier, der Bjarne Mädel. Hast Du mal ’ne Autogrammkarte?“ Worauf ich
meinte: „Nee, ich bin ja hier zum Fußballgucken.“ Und
er: „Das ist scheiße!“ Der hat mich total angepampt,
weil ich keine Autogrammkarte dabei hatte. Das war
auch wieder total lustig. Anstatt zu sagen: Okay, unterschreib doch auf meinem Schal. So eine Direktheit mag
ich sehr. Das hat Schotty ja auch, dass er sagt, was er
denkt, und sein Herz auf der Zunge trägt.
Zur Person:
Bjarne Ingmar Mädel
erblickte am 12. März
1968 in Hamburg das
Licht der Welt. Aufgewachsen ist er in
Reinbek, wo er mit der
Jugend des dortigen
TSV mehrmals norddeutscher Meister –
und mit einem Sieg
über den HSV auch
Hamburger Pokalsieger wurde. Als Schauspieler gehörte er von
2000 bis 2005 zum
Ensemble des Hamburger Schauspielhauses. Bekannt wurde er in der Rolle des
Berthold „Ernie“ Heisterkamp in der TV-Serie „Stromberg“. Seit
2011 spielt er die in
Hamburg angesiedelte Serie „Der Tatortreiniger“. Für die
Darstellung des Heiko „Schotty“ Schotte bekam er 2012 und
2013 den GrimmePreis. Die neue Staffel strahlt der NDR in
Doppelfolgen aus: am
17. und 21. Dezember
sowie am 7. Januar.
Gibt es in den neuen Folgen neben dem Schal noch
mehr HSV-Bezüge?
Ja, eine Folge heißt „Anbieterwechsel“, da dürfen sich
alle HSV-Fans auf jemanden freuen, der bei uns mitgespielt hat. Eine HSV-Persönlichkeit, die einen Kurzauftritt hat. Mehr darf ich nicht verraten. Nur so viel: Es
geht um Religion, Glauben und um Schottys Gott. Und
der taucht dann tatsächlich auf.
Erleben die „Tatortreiniger“-Fans Schotty
­irgendwann auch am Tatort Stadion?
Das haben wir echt schon überlegt, ob er mal in der Kabine schrubben muss. Aber dann ist die Frage: Wer ist
da gestorben? Du kannst ja keinen Spieler sterben lassen. Aber im Stadion, das wäre mal sensationell. |
Foto: Thorsten Jander/NDR
Der Tatortreiniger, Heiko „Schotty“ Schotte, ist
wie Du glühender HSV-Fan. War das für Dich eine
­Bedingung, diese Rolle anzunehmen?
Nee, das war keine Bedingung. Aber irgendwann
war klar, dass das ein norddeutscher Charakter sein
muss. Dann gab es die Frage: Wenn man in Hamburg ist, nimmt man St. Pauli oder den HSV? Wir haben uns überlegt: Welches ist eigentlich der traditionelle Arbeiterverein. Ich war natürlich der Meinung,
es ist der HSV. Der Regisseur (Arne Feldhusen, Anm. d.
Red.) ist auch eher Pauli-Sympathisant, aber da konnte
ich mich glücklicherweise durchsetzen. Und die ganze
Zeit einen St.-Pauli-Fan zu spielen, das wäre schon
hart gewesen. Irgendwo hat die Schauspielkunst auch
­Grenzen. (lacht)
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Fotos: patrice6000 | Shutterstock.com
TRIBÜNE
Text: Peter Petersen
Schottischirische Wochen
Einmal mehr sind die DFB-Freunde Hamburg der Nationalmannschaft
nachgereist, um das Team vor Ort zu unterstützen. Diesmal nach Schottland
und Irland. Dabei wurde ein ganz besonderes Jubiläum begangen.
D
ie Auslosung der Qualifikationsrunde für die EM in
Frankreich 2016 hatte es so
vorgesehen: Für die deutsche Nationalmannschaft
ging es im Herbst gleich zweimal innerhalb eines Monats auf die Insel, Anfang
September gegen Schottland in den Hampden Park zu Glasgow und nur knapp vier
Wochen später gegen die Republik Irland
in das Aviva Stadium in Dublin. Wie schon
erwartet, war das Interesse der Hamburger Länderspielfahrer an der Tour nach
Schottland deutlich größer als an der nach
Irland. Gekoppelt an ein Wochenende und
mit der seit einem Jahr feststehenden Sicherheit über den Spieltag begannen die
Reisepläne bereits im Herbst des vergangenen Jahres.
Der Großteil der Schlachtenbummler
wählte in die Heimat der Kilts und Dudelsäcke die bequeme Anreise per Flieger und
genoss sonnige Tage in Edinburgh, Glasgow und in den Highlands. Sehr interessante Ausflüge wurden vor Ort unternommen: So wurde ein Spiel der Glasgow
Rangers besucht, Brauereien- sowie Whiskydestillerien besichtigt und Tagestouren an die Küste unternommen. Auch alte
Fanfreundschaften wurden gepflegt; viele
HSVer übernachteten bei Rangers-Fans.
Am Abend vor dem Länderspiel gab es
noch ein Jubiläum zu feiern: 15 Jahre DFBFreunde Hamburg. Im „Bellrock“ (ehemals
Prost: Die DFB-Freunde Hamburg haben
bei den Länderspielen in Schottland und Irland
viel zu feiern gehabt.
18
„Doctor’s Bar“) trafen sich befreundete
Schlachtenbummler aus diversen Ligen,
Vereinen und Regionen Deutschlands, um
auf dieses Jubiläum anzustoßen. Eine Karaokeanlage und die Sangeskraft taten
ein Übriges und ließen diesen gelungenen Abend pünktlich nach der Last Order
ausklingen.
Am Spieltag selbst war die gesamte Stadt
vom bevorstehenden Spiel elektrisiert. Für
beide Mannschaften war bei noch neun
zu vergebenden Punkten noch nichts entschieden. Die Stimmung war den ganzen Tag über prächtig, auch das Wetter
zeigte sich mit viel Sonnenschein von seiner besten Seite. Für Unmut sorgte leider
zum wiederholten Male der DFB selbst,
der pünktlich um 19 Uhr die Kasse am Stadion schloss, wo bereits bezahlte Karten
auf ihre Abholer warteten. Auch der Hinweis auf das Verkehrschaos (man war zu
Fuß schneller als mit dem ÖPNV) und dass
befreundete Fans kurzfristig erscheinen
würden, zählte nicht („Ich arbeite hier nur
nach Anweisung“), und so mussten später eintreffende Fans sich ein zweites Mal,
diesmal auf dem Schwarzmarkt, mit Karten eindecken. Weltmeisterlicher Umgang
mit den eigenen Fans sieht zum wiederholten Male anders aus.
Allein die schottische Hymne sorgte für
pure Gänsehaut, und auch bei anderen Gesängen der Tartan Army stimmten viele der 6000 mitgereisten deutschen Fans
Länderspielreise
mit ein, wie bei „We Are Coming Down the
Road“. Nach dem überzeugenden Sieg ging
es für die meisten Anhänger in ihre Unterkünfte, denn mehrere Tage Schottland
seien nach Aussage eines Freundes „Belastung für Mensch und Maschine“. Nach
einem ereignisreichen verlängerten Wochenende ging es wieder zurück in die Heimat. Einhelliger Tenor: Schottland ist immer eine Reise wert.
In Irland war die Luft raus
Das Auswärtsspiel in Dublin gegen Irland
bewegte wie erwartet nur wenige Fans,
und so war die Zahl der Mitreisenden aus
Hamburg überschaubar. Die Luft war nach
den Quali-Spielen 2015 in Georgien, Gibraltar und Schottland bei den meisten raus.
Vor Ort traf man sich im bekannten Touristenviertel Temple Bar und beobachtete
das emsige Treiben. Sehr viele in Deutschland lebende Iren waren ebenfalls zu diesem entscheidenden Spiel angereist, um
ihre „The Bhoys in Green“ zu unterstützen.
Die Stimmung im Stadion war von irischer
Seite wie erwartet sehr gut. Der deutsche
Block bestand zu einem großen Teil aus
Pauschaltouristen und Neckermännern
und konnte sich bis auf wenige Male nicht
in Szene setzen. Die Elf von Jogi Löw verlor trotz Chancen im Dutzend und sorgte
damit für Spannung bis zum letzten Spieltag der Gruppe D. Dank einer sehr guten
Verbindung nach Hamburg waren viele
Fans von der Elbe bereits um 10 Uhr wieder
in heimischen Gefilden.
Fazit: zwei Spiele mit toller Kulisse und ein
fader Beigeschmack. Die Saat des DFB ist
durch den Fanclub Nationalmannschaft
aufgegangen. Man erkennt immer mehr
ein Auswärtspublikum (von Heimspielen ganz zu schweigen), welches unterhalten und gern zu Hause eingesammelt und
auch wieder abgeliefert werden will. Eigeninitiative aus der Fanszene verliert teilweise leider ihren Stellenwert und muss
sich neben dem neuen und stärker werdenden Phänomen „organisierte deutsche
Fans des Fanclubs Nationalmannschaft“
behaupten.
Auch zum letzten Auswärtsspiel in Frankreich reiste eine Abordnung der DFBFreunde Hamburg nach Paris und nach
dem Spiel komplett gesund und schockiert
wieder in die Hansestadt. Unser Mitgefühl
gehört den Opfern und Angehörigen dieses
feigen Attentats. |
TRIBÜNE
Interview: Jan Walter Möller
Die Ultraszene will wieder mehr Fankultur auf der Nordtribüne
­erlebbar ­machen. Darum wurde bereits Anfang 2015 der Förderkreis
­Nordtribüne e. V. gegründet. Ein Gespräch über Ziele, Hoffnungen und das
Verhältnis zum Supporters Club.
20
Nordtribüne
A
nfang 2015 wurde nach einer Idee aus
der Ultraszene unseres Vereins der
„Förderkreis Nordtribüne e. V.“ gegründet. Offiziell im Hamburger Vereinsregister eingetragen, haben sich die
Vereinsgründer auf die Fahnen geschrieben, eine Anlaufstelle für Fans zu schaffen, welche sich aktiv und
passiv in die Fanarbeit auf der Nordtribüne und bei
Auswärtsspielen einbringen wollen – und zwar unabhängig von Verein und Supporters Club.
Wir hatten die Möglichkeit, uns mit den Machern
des neuen Vereins zu treffen, um allen Lesern
der SC-News und Fans im Stadion ein Bild zu geben, welche Inhalte die neue Gruppierung vermitteln möchte und sich bei Interesse auch persönlich
einzubringen.
21
TRIBÜNE
Mehr Stimmung auf der Nordtribüne: Der Förderkreis
Nordtribüne e. V. setzt sich für mehr Fußballkultur im
Stadion ein.
Moin, moin! Klasse, dass es mit unserem Treffen geklappt hat. Nach der Ausgliederung im Jahr 2014
gab es auch im Bereich der Fanszene starke Veränderungen. Die Chosen Few haben sich einen Tag vor
dem Rückspiel in der Relegation in Karlsruhe dieses
Jahr komplett aufgelöst, ein neuer Fußball­verein
HFC Falke e. V. wurde gegründet und hat einige damals sehr aktive Fans mitgenommen. Die Lücken
wurden teils von anderen Gruppen und Einzel­
personen geschlossen und die Jungs und Mädels
der Ultrabewegung von Poptown wachsen nach anfänglichen Startschwierigkeiten fortlaufend besser
in ihre Aufgabe als führende Ultrabewegung hinein
und erfahren immer stärkeren Zuspruch und Anerkennung. Was war der Hintergrund, dass Ihr einen
eigenen Verein gegründet habt?
Danke ebenfalls, dass wir uns in der größten Fan­
zeitung unseres Vereins kurz vorstellen können. Unser Ziel ist es, die Fankultur bei Heim- und Auswärts­
spielen zu verbessern. Wir wollen den bereits
organisierten und besonders auch den unorganisierten Fans die Möglichkeit geben, aktiv und strukturiert
in der Fanszene mitzuarbeiten, bieten aber auch eine
passive Fördermitgliedschaft an. Des Weiteren wollen wir die für alle Fans wichtigen Themen aufgreifen
und bei Bedarf und wenn es unsere Möglichkeiten erlauben verbessern. Das wären etwa: Informationen
zu Treffpunkten bei Heim- und Auswärtsspielen sowie unter der Woche. Technische und finanzielle Umsetzung von Choreografien. Förderung einer offenen
und bunten Kurve für Fans, welche sich der Unterstützung unseres HSV verschrieben haben. Unterstützung
bei Problemen mit der judikativen und exekutiven
Staatsmacht (Justiz und ausführende Staatsorgane
wie Polizei) im Zusammenhang mit den Spielen des
HSV.Bewusstsein für diskriminierende Strukturen in
unserem Verein schaffen und dagegenarbeiten.
Die letzen anderthalb Jahre waren für den Verein
und seine Fanszene mit den bereits beschriebenen
drastischen Veränderungen verbunden. Warum
habt Ihr einen eigenen Verein gegründet, welcher
erst neu aufgebaut werden muss, und gliedert Eure
Arbeit nicht in die bereits bestehenden Strukturen
des Supporters Clubs ein?
Unser Grundgedanke war, dass wir etwas eigenes,
etwas Selbstständiges auf die Beine stellen wollen.
Losgelöst vom Verein und der Arbeit des Supporters
Clubs, welche wir unabhängig von der neuen Organisation schätzen. Leider wächst auch in einer großen
Organisation wie dem SC bei einigen Fans das Verlangen nach noch mehr Macht und Einfluss im Gesamtverein. Das kann und soll nicht unser Anspruch
sein. Wir erlegen uns selbst auf, dass wir uns um fanspezifische Themen kümmern und uns einbringen
möchten. Themen, welche über diese beschriebenen hinausgehen, verfolgen wir natürlich auch sehr
22
interessiert. Es kann aber nicht unser Bestreben sein,
uns um Fragen der Finanzstruktur oder Transferpolitik zu bemühen. Zum einen befinden sich in unseren
Gremien hoch bezahlte Fachleute, welche wir natürlich mit Interesse von außen beobachten. Zum anderen ist unser Kernbereich die Kurve und die Fankultur.
Hier sind wir die (leider nicht hoch bezahlten) Fachleute und wollen unsere Expertise zum Gesamtwohl
und Erfolg unseres Vereins einbringen.
Wir sehen uns auch in keiner Weise als Konkurrenz
zum Supporters Club, sondern eher als unabhängige
Instanz in unserem Verein für die Interessen der Fans.
Allein von den Größenordnungen und Schnittmengen
sind wir nicht vergleichbar. Stand Mitte Oktober hatten wir circa 150 Mitglieder, der Supporters Club ungefähr 67.000, auch wenn wir sicherlich noch weiter
wachsen werden.
Zum Kerngeschäft der Fankultur gehören Choreografien und Auswärtsfahrten. Wie sind dort Eure
Pläne und Vorstellungen?
Wir wollen uns natürlich weiterhin intensiv mit dem
Thema Choreografien beschäftigen, um so unseren
Verein zu unterstützen und auch anderen Stadion­
besucherinnen und ‑besuchern dadurch ein gutes Gefühl im Stadion zu geben, welches sich wiederum
(hoffentlich) auf dem Rasen widerspiegelt.
Ein weiterer Schwerpunkt unserer Arbeit wird das
Thema organisierte Auswärtsfahrten sein. Wir wollen
nicht im größeren Rahmen organisierte Fahrten zu jedem Spiel anbieten. Punktuell wollen wir hier jedoch
auch aktiv sein und planen die Fahrt nach Wolfsburg
Mitte Dezember mit mehreren Bussen, sozusagen die
Foto: Witters
Nordtribüne
Jungfernfahrt des Nordtribüne e. V. mit hoffentlich
vielen Mitgliedern und Gästen.
Eine führende Rolle in einer Kurve zu übernehmen
bringt natürlich nicht nur positive Aspekte mit sich.
Viele, insbesondere ältere Kurvenbesucher stehen
der Ultrabewegung kritisch gegenüber. Wie plant
Ihr mit etwaiger Kritik umzugehen?
Uns ist natürlich klar, dass mit diesem neu gegründeten Verein auch sehr viel Verantwortung verbunden
ist. Deswegen stehen wir auch im regelmäßigen Austausch mit altgedienten HSV-Fans aus der Kurve, um
deren Erfahrung zu nutzen und Meinungen zu hören.
Wir werden mit Sicherheit auch Fehler machen, wollen und werden aber daraus lernen. Konstruktive und
offene Kritik ist bei uns sehr gern gesehen/gehört, sei
es persönlich an unserem Stand in der Nord-Ost-Ecke
zwischen Fanprojekt und Volksparkett hinter Block
25a, bei unseren Treffen im Fanhaus oder unter der
E‑Mail-Adresse [email protected]
Jedes Jahrzehnt und jede Generation haben eigene
Gruppen und Bewegungen der Subkultur, welche in
ihrer ersten Zeit das Establishment durcheinander­
gewirbelt haben. Uns geht es darum, neue Impulse in
unserem Verein zu setzen. Nicht gegen etwas zu sein,
sondern für eine bunte und laute Kurve zum Wohl unseres Vereins einzutreten, das ist unser Ziel.
Wie gelangen auswärtige Fans an Informationen
über den neuen Verein?
Online über die Homepage www.nordtribuene-­
hamburg.de. Wer Fördermitglied wird, kann sich auch
in einen Mailverteiler von uns eintragen.
„Uns geht es darum,
neue Impulse
in unserem Verein
zu setzen.“
Auch ein Verein wie Nordtribüne e. V. kann nicht
ohne Einnahmen und Beiträge arbeiten. Was kostet
es, bei Euch aktives/passives Mitglied zu werden?
Für 18,87 Euro für sechs beziehungsweise 35,00 Euro
für zwölf Monate ist eine Fördermitgliedschaft in unserem Verein möglich. Für Schüler/­i nnen, Studierende, Arbeitslose, Senioren/Seniorinnen reduziert
sich dieser Betrag auf 10,00 Euro beziehungsweise 20,00 Euro. Aufnahmeanträge liegen an unserem
oben beschriebenen Stand aus oder werden nach Anforderung per Mail versendet. Darüber hinausgehende Beiträge oder Spenden sind natürlich gern gesehen.
Alle Einnahmen fließen zu hundert Prozent in die beschriebenen Projekte.
Gibt es zum Schluss noch etwas, das Ihr unseren
Fans und Lesern mitteilen möchtet?
Wir haben auf jeden Fall Bock, die Nordtribüne wieder ein bisschen mehr an den Start zu bringen, und
freuen uns über alle, die dabei mitmachen wollen.
Nur der HSV! |
23
TRIBÜNE
OFCNews
Von Fans für Fans
Ihr tragt die Raute nicht nur allein im Herzen, sondern teilt die Leidenschaft für den
HSV mit vielen Mitstreitern in Eurem Fanclub. Auf diesen Seiten der supporters
news kommen die OFCs des HSV zu Wort.
Ihr seid deshalb herzlich eingeladen, uns
mit interessanten Geschichten, lustigen
Anekdoten und schönen Erlebnissen aus
eurem Fancluballtag zu versorgen.
Mailt uns Eure (bitte nicht allzu langen) Texte sowie Fotos an die Adresse
­[email protected] Wir freuen uns auf
Eure hoffentlich zahlreichen Rückmeldungen und euer Mitwirken. |
Zehnjahresfeier OFC Schwarzenbek 2005
Zehn Jahre „Wirgefühl“
Zehn Jahre: Diesen runden Geburtstag feierte der OFC Schwarzenbek 2005 am 13. November ausgiebig in seinem Clublokal Zum
Schinderhannes. Vor der Geburtstagsfeier standen zudem Ehrungen für alle Mitglieder an, die den Club vor zehn Jahren
gegründet haben und bis heute aktiv dabei sind. Außerdem sind das Präsidium,
der Schriftführer und der Kassenwart für
weitere zwei Jahre in ihren Ämtern bestätigt worden.
Dem OFC liegt es seit jeher besonders am
Herzen, durch Freundschaften mit anderen Fangruppierungen das „Wirgefühl“
beim HSV zu stärken und auszuleben. So
besuchen Mitglieder aus Schwarzenbek
nicht nur regelmäßig Spiele des HSV, sondern sind auch ehrenamtlich für den Verein tätig. Besonders in den vergangenen
beiden Jahren hat sich gezeigt, wie wichtig
der Zusammenhalt des OFC Schwarzenbek
2005 mit der gesamten HSV-Familie ist.
Die Zusammenarbeit mit dem HSV und die
Freundschaften mit anderen OFCs wollen
die Schwarzenbeker kontinuierlich fortsetzen und vertiefen – und natürlich werden
sie dem HSV weiterhin bei Heim- und Auswärtsspielen die Treue halten. |
Text: OFC Schwarzenbek 2005
Besonderer Fanclub
Fotos: privat
Morgens halb elf in Manhattan
24
Zweimal Relegation in zwei Jahren: Für die
Mitglieder des „Fanclubs New York“ ging
es dabei nicht nur um die Erstliga-­Zukunft,
sondern auch um eine Art persönlichen
Kampf gegen den Abstieg. Denn ihre
Stammbar – das Legends direkt neben dem
Empire State Building – zeigt keine Zweitliga-Spiele. Umso mehr fieberten die Mitglieder mit – schließlich ging es darum, ob
sie auch zukünftig morgens um 10.30 Uhr
bei Burger und Bier würden beisammensitzen können.
Auch Oliver Lunt war dabei, als der HSV
den Klassenerhalt schaffte. Vor elf Jahren hat es den Hamburger Spediteur in die
USA verschlagen – und da suchte er nach
Gleichgesinnten, die er im ältesten offiziellen HSV-Fanclub in Übersee fand: Vor
15 Jahren, am 9. Januar 2001, hatten Daniel
Salchow, seine Schwester Dorothee sowie
deren Bekannter Olaf Schmitt-Kilian den
Club gegründet. In dieser langen Zeit gab
es freilich immer wieder Veränderungen:
Von den 20 Mitgliedern beispielsweise sind
15 mittlerweile wieder nach Deutschland
gezogen – so wie Philipp Keyser, der nun
wieder regelmäßig ins Volkspark­stadion
geht und dort das New Yorker Fanclub-­
Banner aufhängt.
Außerdem ist es für die Mitglieder nicht
mehr ganz so leicht wie früher, ins Legends
zu gehen. Allein für Oliver Lunt dauert eine
Fahrt in die Kneipe eine Stunde. „Und viele von uns haben Kinder bekommen. Man
sitzt dann halt morgens nicht mehr so häufig im Pub, sondern schaut eher zu Hause.“
Dennoch: Bei jedem Livespiel sind HSVer
im Legends. Gut zu wissen für alle, die mal
Urlaub im Big Apple machen: Gleichgesinnte treffen sie – unverfehlbar – in einer
Sportsbar direkt neben dem Empire State
Building. |
OFC-News
Zehn Jahre OFC Totale Offensive
Auch Kinder und Jugendliche sind da.
Beim Jubiläumwochenende des christlichen HSV-Fanclubs Totale Offensive. Das
war von Anfang an ein Hauptziel der Totale-Offensive-Gründer: Dem Fannachwuchs
ein positives Vorbild sein. Schon sieben
Monate nach der Gründung im Jahr 2005
organisiert die Totale Offensive (TO) die
erste Kidsbegleitung und seitdem immer
wieder. Bis zu 170 Kinder und Jugendliche
nehmen teil. Bevor es ins Volksparkstadion
geht, gibt es ein Präventionsprogramm: gegen Gewalt, gegen Hass und für ein suchtfreies Leben. Kindgerechte Bühnenshows
vermitteln spielerisch christliche und soziale Werte – und die Freude am Fußball.
So führt die TO Kinder unterschiedlicher
sozialer Herkunft zusammen und hilft,
Spannungen und Vorurteile aufzulösen.
Bekannte Schirrmherren wie Zé Roberto,
Bastian Reinhardt, Collin Benjamin und
Olli Scheel unterstützen dabei die TO.
Die Begeisterung für den Fußball miteinder leben, dieses Motto durchzog das Jubiläumswochenende. Passend zum zehnten Jahrestag richtete die TO am 10.10. um
10.10 Uhr ein Fußballturnier aus. Zwölf
Teams waren in der Soccerhalle im Sportpark HH-Öjendorf dabei. Neben zwei
TO-Mannschaften auch die HSV-Fanclubs Rautenherz, HSV-Diamanten und
die Schlümpfe. Auch von auswärts kamen Freunde: Neben zwei Spielern der
TO Bremen waren 18 Fans der TO Dortmund weit angereist. Das Finale gewannen „The Saints“ gegen die Schlümpfe
mit 3:0. Im kleinen Finale besiegte die Arche Alstertal Rautenherz mit 9:1. Den Pokal „Bester Torwart“ bekam Keeper Dirk
von der TO BVB: Er brach sich das Handgelenk, beendete noch das Spiel und wurde
ins Krankenhaus gebracht mit den Worten
„aber gehalten“. Der „Fair Play“-Pokal ging
an Rautenherz, die ihren Torwart an die
TO BVB ausliehen.
Der Höhepunkt des Festes folgte einen
Tag darauf. Mehr als 200 Gäste ließen sich
Kaffee und Kuchen, Thüringer Bratwürste und Getränke schmecken, die die TO gegen Spende für eine neue Flüchtlingsinitiative in Barmbek anbot. Wer nicht spenden
konnte, war natürlich auch herzlich willkommen und wurde bewirtet. Die TO bedankt sich beim HSV für die Spende eines Trikots mit Originalunterschriften der
Spieler, dessen Versteigerung dazu beitrug, dass insgesamt 1000 Euro der neuen
Flüchtlingshilfe zugute kamen.
Der Festakt zum Jubiläum zeigte deutlich,
wofür die Herzen der TOler schlagen:
Fairness im Fußball, Freundschaften zu
anderen Fanclubs und Engagement im sozial-diakonischen Bereich. 14 christliche
TO-Fanclubs gibt es mittlerweile in ganz
Deutschland. Sie alle gratulierten der TO
und Uwe Grantien, dem Mitgründer und
Vorsitzenden in Hamburg, seit mehr als
sechzig Jahren HSV-Fan. „Ohne euch gäbe
es auch bei uns keine TO.“
Weitere Schirmherren ehren Uwe an diesem Tag. „Deine Begeisterung und dein Einsatz für andere motivieren die Mitglieder
immer wieder“, sagt Wolfram Kopfer­mann,
Schirmherr der ersten Stunde. „Deine Vision für den Fanclub hat Bodenhaftung.“ Und
Tillmann Krüger, Pastor der Anskar-Kirche,
ermutigt: „Es liegt noch viel vor euch.“
320 Mitglieder hat die TO Hamburg inzwischen. In der Fanszene ist bekannt: Die tun
was. Als im Winter vor drei Jahren Dortmunder Ultras anreisten und vorm Stadion
gegen teure Stehplatzpreise demonstrierten, versorgten Uwe Grantien und die beiden TOs sie mit Keksen und warmen Getränken. Kein Alkohol, das ist allen klar.
Denn Uwe hatte selbst mit Alkoholproblemen zu kämpfen, er fand einen Ausweg
und schaffte einen Neuanfang. „Vision
mit Bodenhaftung“ heißt heute: Hilfe für
suchtgefährdete Fans und solche, die Probleme mit Gewalt haben. Ein Angebot von
HSV-Fans für HSV-Fans. Uwe ist Ansprechpartner, vermittelt auf Wunsch Fachleute
und eröffnet wieder Lebensperspektiven.
„You will never walk alone“ war deshalb
das zentrale Thema der Ansprache von Joschi Stahlberg aus Lüneburg. Er hat als Jugendlicher beim HSV gespielt und weiß:
bei Schicksalsschlägen und Niederlagen
braucht jeder einen Anker. Die Totale Offensive helfe vielen, Ankerpunkte im Leben zu finden, weil sie christliche Werte
und damit die Botschaft Gottes den Menschen nahebringe. „Und das Beste daran“,
so Joschi weiter, „auch du kannst dabei
sein. Mach mit und komm zur TO.“
Wer die TO kennenlernen will, kann das
am besten bei öffentlichen TV-Übertragungen von Auswärtsspielen auf Großbildleinwand. Termine finden sich unter:
www.totale-offensive.de. |
Text: OFC Totale Offensive
25
SPIELFELD
Absturz
eines Meisters
Text: Frank Willig
Nottingham Forest bietet alles, was Fußball auszeichnet:
Tradition, ein altes Stadion, leidenschaftliche Anhänger.
Die „Tricky Trees“ waren vor langer Zeit ganz oben in Europa.
35 Jahre später versuchen sie, den Anschluss zu halten.
Nottingham Forest
Foto: imago (2)
H
enri Lansburys öffentlicher
Dank an die Fans lässt erahnen, wie groß die Anspannung der Forest-Kicker vor
dem Anpfiff der Partie gegen Derby County Mitte November gewesen sein mag – und wie immens die Erleichterung nach dem wichtigen 1:0-Erfolg im
gesamten Umfeld. Acht Spiele hatten die
„Tricky Trees“ von Mannschaftskapitän
Lansbury, wie die Spieler vom Nottingham
Forest in Anspielung an den dargestellten
Baum im Vereinswappen genannt werden,
nicht mehr gewonnen: fünf Niederlagen,
drei Remis, lediglich vier magere Tore und
zuletzt ein deprimierendes 0:1 bei Aufsteiger Preston North End, der mit dem Erfolg in
der Tabelle an Nottingham vorbeizog. Platz
19 in der zweitklassigen Football League
Championship mit direktem Kurs auf Liga
drei, der Football League One.
Hätte NFFC-Coach Dougie Freedman im
heimischen City Ground gegen den nur
16 Meilen entfernt kickenden Erzrivalen
Derby County keinen Sieg eingefahren, wären seine Tage im Verein wohl gezählt gewesen – wie jene seiner fünf Vorgänger innerhalb der letzten drei Jahre. Trotz der
schwierigen sportlichen Situation waren
die Fans des Traditionsklubs, der in diesem
Jahr seinen 150. Geburtstag begeht, im Vorfeld der Partie aber ruhig geblieben.
Auch Robert Tesche fiel mit dem 1:0-Erfolg
gegen die „Rams“ – die Widder von Derby
County – ein Stein vom Herzen. Der gebürtige Wismarer schnürte seine Buffer von
2009 bis 2014 für den HSV und kickt seit
vergangener Saison gemeinsam mit Michael Mancienne, der ebenfalls 2014/15 die
Raute auf der Brust gegen das Wappen von
Nottingham Forest tauschte, für den englischen Traditionsklub gut hundert Kilometer südöstlich von Manchester. Für die
Fans freut es Tesche, der aufgrund eines
Mittelfußbruchs verletzungsbedingt im
Derby passen musste, besonders: „Überall in der Stadt kannst du den Klub mit seiner riesengroßen Tradition spüren“, sagt
der 28-Jährige, der zudem die zahlenmäßig große Unterstützung auch bei Auswärtspartien schätzt. „Die gesamte Woche
vor dem Derby wurde nur noch über dieses
Spiel gesprochen.“
Trotz sportlich zuletzt eher bescheidener
Jahre strömen immer noch über 20.000
Zuschauer im Schnitt in den historischen City Ground, dem Tesche eine „coole
Stehen hinter ihrem Team: Die Nottingham-Fans sorgen für gute Stimmung auf den Rängen.
Atmosphäre“ bescheinigt – wenn auch bei
den Spielen etwas weniger als in Deutschland gesungen werde. 30.500 Zuschauer
fasst die immer wieder veränderte Spielstätte mit den roten Sitzen und dem Flutlicht auf Gittermasten, die bereits seit dem
Jahr 1898 Heimstätte ist. Am Südufer des
Flusses Trent in Nachbarschaft zu typisch
englischen Häusern liegt sie lediglich rund
300 Meter Luftlinie entfernt vom Stadtrivalen und Viertligisten Notts County auf
der anderen Seite des Flusses, gegen den
1866 das nachweislich erste Fußballderby weltweit bestritten wurde. Schafft Nottingham Forest irgendwann einmal die
Rückkehr auf die höchste englische Ebene,
soll ein Ausbau des EM-Stadions von 1996
in Angriff genommen werden. Davon aber
sind sie in der 300.000-Einwohner-Stadt
derzeit noch weit entfernt.
Die Goldene Ära Clough
Anknüpfen an die späten Siebziger und
frühen Achtziger, als der Verein seine besten Zeiten erlebte – das wollen sie vor jeder Saison immer wieder aufs Neue. „Als
Spieler verspürt man vonseiten der Fans
trotz der Aufstiegsambitionen jedoch nur
positiven Druck“, sagt Robert Tesche. „Die
Trainer haben da schon einen schwierigeren Stand und wenig Zeit, um ihrer Arbeit einen Stempel aufzudrücken.“ Ende
der Siebzigerjahre lehrten die nach ihren
roten Trikots „Reds“ genannten Nottingham-Spieler dem englischen Fußball-Establishment das Fürchten – wie einst Robin
Hood im Sherwood Forest den Reichen; ärgerten unter der Fuchtel des unvergessenen Traineridols Brian Clough die Großen
und wirbelten den europäischen Spitzenfußball kräftig durcheinander. 1977 unter
dem Traumduo aus Brian Clough – einst
ein treffsicherer Stürmer, der für Middlesbrough und Sunderland in 274 Spielen stolze 251 Tore erzielte – und seinem Freund
und Assistenten Peter Taylor auf der Bank
frisch in die Erste Liga aufgestiegen, holte sich Forest sensationell vor dem FC Liverpool die bisher einzige Meisterschaft
des Klubs.
Und es sollte noch besser kommen: Während in den zahlreichen Pubs der Stadt
noch der nationale Titelgewinn gefeiert
wurde, begannen die Clough-Kicker auch
international ihren Siegeszug. Zweimal
hintereinander sicherten sie sich den Pokal der Landesmeister, zunächst 1979 in
München mit einem 1:0-Erfolg gegen den
schwedischen Meister Malmö FF. Beim
zweiten Coup am 28. Mai 1980 musste sich
leider auch der HSV mit 0:1 im Finale geschlagen geben, der mit Manni Kaltz, Ditmar Jakobs, Horst Hrubesch, Kevin Keegan, Branko Zebec an der Seitenlinie und
einem historischen 5:1-Halbfinalsieg gegen Real Madrid im Gepäck hoffnungsvoll
27
SPIELFELD
Eine 1980 neu erbaute Tribüne wurde zu Ehren der Trainerlegende Brian Clough Stand genannt.
zum Endspiel ins madrilenische Estadio
Santiago Bernabéu gereist war. „Für uns
war die Niederlage damals sehr enttäuschend“, blickt Claus Linnemann, Mitbegründer des HSV Supporters Clubs, zurück.
Dreißig Stunden hatte er auf der Hinfahrt
im Bus gesessen, nach dem Spiel ging es
unmittelbar wieder gen Heimat. „Insgesamt waren wir die bessere Mannschaft,
da war viel Pech dabei.“
Clough, Taylor, Nottingham Forest: Das
passte ideal zusammen! Mit der selbstbewussten und bisweilen rauen Trainertype Clough auf der einen sowie Taylor mit
seinem ausgeprägten Näschen für gute
Spieler auf der anderen Seite hatte der Verein ein Tandem gewonnen, welches dem
auch in Nottingham praktizierten „Kick
and Rush“ eine Absage erteilte und stattdessen auf gepflegtes Kurzpassspiel setzte: „Wenn Gott gewollt hätte, dass Fußball
in den Wolken gespielt wird, dann hätte er
keinen Rasen auf dem Boden wachsen lassen“, bemerkte Clough in diesem Zusammenhang einmal.
Spielklasse, musste jedoch immer wieder
mit Abgängen wichtiger Spieler zurechtkommen – und zunehmend auch mit dem
Alkohol. Im Gründungsjahr der Premier
League 1992/93 war es dann so weit: Nottingham trudelte auf dem letzten Tabellenplatz über die Saisonziellinie und stieg
in die zweite Liga ab. Clough trat zurück
und wurde ein letztes Mal beim abschließenden Saisonheimspiel gegen Sheffield
United von den Fans beider Lager für seine überwältigenden Erfolge gefeiert. Zwar
Alkohol, Abstieg, Investoren
Nach dem zweiten Pokaltriumph ging es
jedoch langsam, aber stetig abwärts: Zumal Peter Taylor nach der Saison 1981/82
den Klub verließ und ein halbes Jahr später bei Derby County als Trainer anheuerte. Brian Clough machte zwar in Nottingham weiter und hielt den Klub die
kommenden elf Jahre in der höchsten
gelang dem Verein unter Neutrainer Frank
Clark der direkte Wiederaufstieg, doch
konnte der Klub das erstklassige Niveau
auf Dauer nicht halten. 2005, ein Jahr nach
dem Tod von Brian Clough, ging es für Nottingham Forest sogar für drei Spielzeiten
in die dritte Liga. Seit dem Wiederaufstieg
2008 ist Nottingham Dauergast auf Ebene zwei. Diese wollen die Fans natürlich
28
möglichst schnell wieder nach oben verlassen; und auch die Ziele des Klubs sind
nach einem Wechsel an der Führungsspitze vor gut drei Jahren unverändert. Nachdem der langjährige Forest-Besitzer Nigel
Doughty im Jahr 2012 verstarb, veräußerten dessen Erben einige Monate später
den Verein an die vermögende kuwaitische Familie al-Hasawi, die den Weg Doughtys mit Fawaz al-Hasawi im Vorsitz fortführen will.Nicht jeder Forest-Anhänger
sieht jedoch in al-Hasawi die ideale Beset-
„Überall in der Stadt
kannst du den Klub
mit seiner riesengroßen
Tradition spüren.“
zung für den obersten Posten des verschuldeten Vereins; auf der Internet-Fanseite
Seatpitch gehen die Meinungen über den
Chairman und der mit ihm verbundenen
Zukunft von Nottingham Forest vielmehr
auseinander: „Fazal ist weder der Messias, noch ist er böse. Aber: Er ist inkompetent, launisch und naiv“, schreibt Autor Elliott Stanley über den Forest-Boss, dessen
Fotos: imago (4)
Nottingham Forest
Robert Tesche am Ball für Forest.
Erfolgstrainer: Brian Clough.
Fußballkultur: Vor dem Stadion gibt es eine große Auswahl an Fan-Devotionalien.
Abgang er begrüßen würde. Stanley begründet seine Einschätzung unter anderem damit, dass der Verein besonders auf
längere Sicht zunehmend in eine Abhängigkeit von al-Hasawi gerate und sich bereits jetzt Sponsoren abwendeten. Zudem
sei bisher nur in verschwindend geringem Maße in Stadion oder Infrastruktur
investiert worden. Andere Forest-Anhänger wiederum sind froh, dass al-Hasawi da
ist. Mit dessen finanziellem Hintergrund
sei der Klub bereits stabiler geworden und
dauerhaft auf der sicheren Seite. Fehler im
Management wären vor der Zeit des neuen Vorsitzenden gemacht worden. Einhelligen Unmut zog al-Hasawi hingegen mit
der Entlassung des in Nottingham äußerst
beliebten und langjährigen Ex-Forest-Kickers Stuart Pearce auf sich, der nach nur
sieben Monaten im Traineramt Anfang
2015 geschasst wurde.
Erschwert wurden die Kaderplanungen
zur aktuellen Saison von Financial-FairPlay-Sanktionen, die über Nottingham
Forst verhängt wurden: Seit Dezember
2014 unterliegen die „Reds“ einem Trans­
fer­embargo, weil 1,5 der insgesamt 5,5 Millionen Pfund Ablöse für den kongolesischen Stürmer Britt Assombalonga nicht
an Peterborough United gezahlt wurden.
„Die Gehälter sind limitiert, es dürfen nur
ablösefreie Spieler verpflichtet oder ausgeliehen werden“, weiß Robert Tesche. Ferner kamen Abgänge von Leistungsträgern hinzu. So musste Coach Freedman
beispielsweise kurzfristig Michail Antonio
Richtung West Ham in die Premier League
ziehen lassen. Immerhin: 7,0 Millionen
Pfund kassierte Nottingham für den Flügelspieler – das Siebenfache von dem, was
eine Saison zuvor an Sheffield Wednesday
überwiesen wurde.
Unabhängig vom Status quo, den Auf und
Abs und allen Schwierigkeiten der letzten
Jahre: Die Nottingham-Fans haben stets
treu hinter ihrem Klub gestanden. Seite
an Seite mit dem auch in Deutschland bekannt gewordenen Duisburger „Jahrhundertfan“ Eberhard „Ebby“ Kleinrensing, der
sich über Jahre hinweg bei NottinghamHeimspielen sogar aus Nordrhein-Westfalen mit dem Flieger nach England aufmachte. Um nicht nur hinter dem Verein
„zu stehen“, sondern ihren Einfluss auf die
Zukunft der „Tricky Trees“ zu stärken, haben die Fans aktuell begonnen, sich übergreifend zu organisieren. Antrieb ist dabei
immer wieder ein Blick nach hinten auf
die erfolgreichen Zeiten – auf „Cloughie“.
Brian Clough ist auch elf Jahre nach seinem Tod bei den „Reds“ immer noch allgegenwärtig: in Internetforen, im Stadion, auf Straßenschildern, in Gesprächen.
Sogar Chelsea-Coach José Mourinho zollte Clough im Zusammenhang mit dem
jüngst erschienenen Forest-Film „I Believe
in Miracles“ höchsten Respekt – entdeckte
sogar identische positive Eigenschaften an
sich und ihm. „‚Cloughie‘ would rip him to
bits; José, shut up!“ – „Cloughie“ würde ihn
in Stücke reißen; José, halt den Mund!, so
die Reaktion einiger Fans auf Mourinhos
Vergleich, die unterstreicht, welch hohes
Ansehen die Trainerlegende in Nottingham immer noch genießt.
Dem Klub wäre ein Anknüpfen an erfolgreiche Zeiten zu wünschen. Vielleicht können Robert Tesche und Michael
Man­cienne ja ihr Scherflein dazu beitragen, damit in der Robin Hood Suite, dem
Forest-­V IP-Raum, einmal wieder wie in
alten Zeiten die Korken knallen. Und gegen ein Wiedersehen auf internationaler Ebene hätte wohl auch der HSV nichts
­einzuwenden. |
Tipp:
Die erfolgreichen Forest-Zeiten unter Trainer Brian Clough verfilmte Regisseur Jonny
Owen unter dem Titel
„I Believe in ­M iracles“.
In dem neunzigminütigen Kinofilm, der seit Mitte November auch auf DVD und Blu-Ray erhältlich ist, kommen auf unterhaltsame
Weise beteiligte Spieler zu Wort und
werden Spielausschnitte gezeigt.
29
SPIELFELD
Text: Mathis Paus
Von wegen nur
eine Unt erschrift
In der Winterpause haben die Klubs die Möglichkeit, ihre Kader
umzukrempeln. Vielleicht öffnet auch der HSV das Vereinsportemonnaie.
Bis ein Spieler den Verein wechselt, gibt es einige Hürden zu nehmen.
A
m 1. Januar 2016 öffnet in der FußballBundesliga erneut das Transferfenster.
Manche Vereine werden Spieler abgeben, andere aufnehmen. Bis ein Transfer aber als „perfekt“ gemeldet werden
kann, ist es ein langer Weg. Spieler, Berater und Verein müssen sich über Gehalt, Vertragslaufzeit sowie
so manche Klausel einig sein. Wenn dieser oft langwierige Findungsprozess abgeschlossen ist, folgt das
bürokratische Prozedere. Über das neue Transfer-­
Online-Registrierungssystem (TOR) – die gute alte
Transferliste hat ausgedient – werden nun alle Transfermodalitäten abgewickelt.
Dabei bleibt der Ligaverband verantwortlich für die
Erteilung oder den Entzug der Spielberechtigung. So
prüft die DFL, ob Verträge fristgerecht gekündigt oder
ausgelaufen sind. Eine Spielerlaubnis kann nur erteilt
werden, wenn der aufnehmende Verein alle Unterlagen bis spätestens 18 Uhr am letzten Tag der Wechselfrist digital der DFL vorlegt. Die beiden Transferperioden reichen vom 1. Juli bis 31. August sowie vom 1. bis
zum 31. Januar. Eine Verlängerung ist nicht möglich,
30
außer der letzte Tag der Transferfrist fällt auf einen
Feiertag oder ein Wochenende. Dann verlängert sich
die Frist bis zum nächsten Werktag.
Kompliziert wird es, wenn ein Vereinswechsel über
die Landesgrenzen hinausgeht. Zusätzlich zu allen Unterlagen muss ein sogenanntes Freigabezertifikat des
ausländischen Verbandes vorliegen. Für diesen in der
globalisierten Fußballwelt nicht untypischen Transferfall hat der Weltverband Fifa ein eigenes onlinebasiertes System eingeführt: das „Transfer Matching
System“, kurz TMS. In dieser Datenbank sind alle wichtigen Parameter zum bevorstehenden Wechsel eingetragen. Weltweit sind rund 6000 Vereine mit mehr
als 80.000 Spielern gelistet. Auch 6000 Spieleragenten finden sich im System. Die Plattform soll gewährleisten, dass trotz unterschiedlicher nationaler Reglements der jeweiligen Verbände einheitliche Standards
herrschen. Bis sich also ein Spieler einem neuen Klub
anschließen kann, gilt es, viele Hürden zu meistern.
Wie die einzelnen Schritte dazu aussehen, zeigt im Folgenden eine Infografik, die den Transferprozess in der
Bundesliga veranschaulicht. |
Spielertransfer
So funktioniert ein Transfer
Voraussetzung
Zwischen dem Spieler, seinem Berater und dem künftigen Verein sind alle Vertrags­
interna geregelt. Spieler und Klub
schließen einen Vertrag.
Registrierung
Der aufnehmende Verein
muss alle relevanten Daten
des Transfers in die zentrale Datenbank TOR eingeben.
Prüfung
Es liegen nun alle wichtigen Daten vor. Die Direktion
Spielbetrieb der DFL prüft die Vollständigkeit und Korrektheit der
Vertragsdokumente.
Bestätigung
Sind alle Voraussetzungen erfüllt
– Vertragswerk ist vollständig, Spielerlizenz liegt vor –, erfolgt die Aufnahme in die Datenbank der DFL.
Freigabe
Die DFL erteilt die Freigabe für einen Wechsel, wenn dieser auf der
Spielberechtigungsliste des neuen Klubs
aufgenommen worden ist.
Wechsel
Die Spielberechtigung für
den neuen Verein wird erteilt.
Der Spieler darf offiziell eingesetzt
werden und der Transfer gilt als
abgeschlossen.
31
SPIELFELD
Text: Alexander Nortrup · Fotos: Roman Pawlowski
Psychologe.
Motivator. Mutti.
Wer ein guter Trainer sein will, muss sicher nicht nur am
Spielfeldrand stehen und wild mit den Armen f­ uchteln.
Aber was gehört zum kompetenten ­Übungsleiter? Und
wie genau lernt man dieses komplexe Handwerk?
32
Trainerausbildung
E
s gibt zwei Dinge, die ziemlich
gut erklären, was einen Fußballtrainer von anderen Menschen unterscheidet: Hütchen
und kleine Zettel. Christian Kroll zum Beispiel ist ein meisterhafter Hütchenspieler. Er verteilt sie vor der
Übungseinheit seiner Mannschaft auf
Platz eins des Norderstedter HSV-Trainingsgeländes, schiebt sie liebevoll hin
und her, bis aus seiner Sicht alles passt. Mit
ihnen erschafft er farbige Formationen auf
dem Rasen, die Ungeübte wohl selbst aus
der Vogelperspektive kaum verstünden.
Doch Krolls Spielerinnen von der ersten
Frauenmannschaft des HSV begreifen den
Plan nach wenigen Worten ihres Coaches
und setzen ihn um: Sie passen sich die Bälle flink hin und her, wechseln dabei in den
von roten und blauen Hütchen begrenzten
Feldern laufend die Positionen und stoßen
Wolken heißen Atems in die kalte Hamburger Luft.
Es regnet an diesem Donnerstagabend.
Christian Kroll steht in seinem roten Trainingsanzug mit der Raute inmitten der
Passübung, brüllt ab und zu Kommandos („Tempowechsel! Bewegt euch!“) und
schaut auf einem kleinen Zettel nach,
wie er die Mannschaften für die folgende Übung aufgeteilt hat. Nun muss er im
Hamburger Nass hoffen, sein aufgeweichtes Gekritzel noch entziffern zu können:
fünf gegen fünf, angreifen über die Flügel,
hohes Pressing.
Krolls Team mit einem Altersschnitt unter
zwanzig Jahren trifft in der Regionalliga regelmäßig auf Mannschaften, deren Spielerinnen durchschnittlich mehr als fünf Jahre älter sind. Entsprechend viel lernen muss
die Truppe noch. Denn sie kämpft gegen
den Abstieg und soll doch auf mittlere Sicht
in die 2. Bundesliga aufsteigen. Dieser Spagat gelingt nur, wenn ein guter Plan vorhanden ist; wenn die Spielerinnen ihn umsetzen können und wollen; und wenn bei
alldem der Trainer weiß, was er tut.
Trainer – sie sind diejenigen, die am meisten das Geschehen auf dem Platz beeinflussen, ohne selbst mitzuspielen. Sie werden gefeiert und gefeuert, arbeiten aus
dem Bauch heraus oder mit dem Laptop.
Sie stellen das Gesicht von ganzen Klubs
dar und sind im Zweifelsfall der Blitzableiter, wenn es schlecht läuft. Saisonplanung,
Trainingsplanung, Coaching rund um das
Spiel, Einzelgespräche mit Spielern, Pressevertretern – Trainer haben an vielen Fronten zu kämpfen. Die vielfältigen Aufgaben
der Übungsleiter umreißt eine aktuelle
DFB-Kampagne für den Amateurfußball
treffend: „Trainer. Psychologe. Motivator.
Mutti.“
Christian Kroll sitzt nach Trainingsende
gegen 21.30 Uhr noch in seinem Trainerraum im Untergeschoss des Norderstedter Vereinsheims. Auf den Fluren riecht
es nach Rasen und Schweiß, an der Wand
hängen Wimpel der Frauenabteilung. Nebenan massiert der Physiotherapeut eine
Spielerin, die sich beim Training heute etwas gezerrt hat und leise flucht. Wieder
ein Name auf Krolls Zettel, der für das Pokalspiel am nächsten Tag gestrichen werden muss. Eine andere Spielerin liegt mit
einer schweren Knieverletzung im Krankenhaus, eine dritte fällt mit geplatztem
Trommelfell aus. Für Kroll sind solche Risiken durchaus beruflicher Alltag: Der Versicherungsfachwirt berät zu Kranken- und
Unfallversicherungen, hat einen Bürojob.
Nebenher spielte der 29-Jährige aus Kappeln schon immer Fußball, bis zur Hamburger Bezirksliga brachte er es als Spieler.
„Trainer wollte ich eigentlich nie werden“,
sagt er und grinst. „Dann wollten ein paar
Freunde eine Mannschaft gründen und
brauchten halt jemanden an der Seitenlinie. Eine Spaßtruppe, aber meine Startrampe für das, was ich heute mache.“
„Spieler wollen überzeugt werden“
Nachdem er sich in Kappeln als erfolgreicher Trainer mit Konzept einen Namen
machen konnte, wurde Kroll im Sommer
2015 vom HSV für den Neustart der ersten Frauenmannschaft engagiert und leitet seitdem dreimal wöchentlich das Training – ehrenamtlich. Dazu wird fast jedes
Wochenende gespielt. „Leistungsorientierten Breitensport“ nennt er den Status quo,
viele Spielerinnen gehen noch zur Schule. Beim Abschlusskreis nach dem Training
johlen und klatschen sie für eine, die morgens eine „Eins“ in Bio bekommen hat. Und
wenn Kroll eine etwas härter kritisiert,
33
SPIELFELD
Zeigt beim Training der HSV-Frauen, wo es langgeht: Fußballlehrer Christian Kroll.
sie gar zum Straflaufen schickt, kann es
auch mal passieren, dass sie das Feld verlässt und wütend ihre Sachen packt. „Als
Trainer musst du auch immer pädagogisch
denken“, sagt Kroll. Umso dankbarer ist er,
2010 den Schritt gewagt und den Lizenzlehrgang absolviert zu haben. „Das hat eigentlich alles umgekrempelt. Seitdem plane ich völlig anders.“
Vorher habe er immer auf Ereignisse reagiert: Gab es eine Klatsche, wurde Defensivverhalten trainiert. Ließen seine Spielerinnen reihenweise Chancen liegen, hatte
Torschusstraining Priorität. „Heute agiere ich viel mehr anstatt nur zu reagieren,
baue eine ganze Saison systematisch auf“,
erklärt er. „Dann sind wenige Themen im
Fokus, zum Beispiel Passspiel, das sowieso
die Basis für vieles andere bildet. Drumherum bastele ich dann den Rest. Im Moment
geht es uns vor allem darum, durch Pressing und frühes Stören Unordnung beim
Gegner zu erzeugen und schnelle Gegenangriffe zu fahren. Alles trainieren kannst
du sowieso nicht, du musst Schritt für
Schritt denken.“
25.324 Vereine zählte der Deutsche Fußballbund (DFB) 2014 in seiner Jahresstatistik und 161.727 Mannschaften, die am
Spielbetrieb teilnehmen. Sie alle haben einen Trainer – manchmal hilft die Mutter
oder der Vater eines Spielers spontan aus,
oft ist der Verantwortliche seit Jahren dabei. Und manchmal bekommt ein erfahrener Coach mit Lizenz sogar ein paar Euro
als Aufwandsentschädigung. „Eine Mannschaft braucht jemanden, der sagt, wo es
34
langgeht“, sagt Jürgen Klopp. Und DFBChefausbilder Frank Wormuth, der die
höchste Instanz der Trainerausbildung, die
Hennes-Weisweiler-Akademie des DFB in
Hennef, leitet, ist sich sicher: „Spieler wollen Argumente haben, sie wollen überzeugt
werden.“ Darum brauchen Trainer, um gut
zu werden und zu bleiben, möglichst viel
Wissen. Und am besten selbst einen Trainer. Einen wie Martin Mohs.
Mohs, ein hagerer, lang gewachsener Mann
mit Schirmmütze, steht auf dem Kunstrasenplatz der Sportschule Barsinghausen
und beobachtet, wie seine 15 angehenden
Trainer, angeleitet von einem Lehrgangsteilnehmer, bei Stabilisierungsübungen
Beine und Arme in die Luft recken. „Wie oft
sollte eine solche Übung wiederholt werden?“, fragt der Verbandssportlehrer des
Niedersächsischen Fußballverbandes (NFV)
anschließend mit spitzbübischem Lächeln
in die Runde. „Wie intensiv sollte sie durchgeführt werden? Eher am Anfang oder am
Ende des Trainings?“ Mohs fragt und spielt
den Trainerlehrlingen so den virtuellen
Ball zu.
Von Montagmorgen bis Freitagmittag dauert ein solcher B-Lizenz-Lehrgang, den man
braucht, um ab der Oberliga zu trainieren.
Dreimal eine solche Lehrgangswoche plus
die erfolgreiche Abschlussprüfung ergeben die Lizenz. Wer in der Kreisliga trainieren will, braucht formal keine Lizenz, kann
aber mit der C-Klasse (Breitensport) wertvolles Wissen ergattern. Ab der Oberliga ist
dann die B-Lizenz nötig, ab der Regionalliga die A-Lizenz, für die oberen drei Ligen
muss schließlich der einjährige Fußballlehrerkurs absolviert werden.
Der B-Lizenz-Kurs in Barsinghausen kostet etwa 850 Euro inklusive Vollpension.
Die meisten Teilnehmer nehmen dafür Urlaub, auch wenn die Weiterbildung als Bildungsurlaub anerkannt ist. Die Ausbildung ist in Theorie und Praxis unterteilt,
man wohnt für eine Woche gemeinsam
in der Sportschule, tagsüber wird trainiert
und gelehrt, abends in Gruppenarbeiten
der Stoff vertieft. Es geht inhaltlich richtig zu Sache: Das richtige Defensivverhalten heißt plötzlich SSSDK (sichern, stellen,
schieben, doppeln, kommunizieren), der
sinnvolle Aufbau von Trainingseinheiten
wird an Flipcharts leidenschaftlich diskutiert, das „propriozeptive Training“ in der
Sensorik angerissen. Dabei sollen die Muskeln in Knie und Beinen durch Training
darauf eingestellt werden, etwa beim Aufprall nach dem Kopfball wieder belastet
zu werden.
Ein guter Trainer muss nicht
höherklassig gespielt haben
Abends werden dann Erfahrungen ausgetauscht: Mancher trainiert schon seit
zehn Jahren Jugendteams, andere wollen
nach der aktiven Karriere auf die Trainerseite wechseln. Gökay Isitan etwa spielte in der HSV- und St.-Pauli-Jugend, später
für den MSV Duisburg und Arminia Bielefeld. Der türkische Jugendnationalspieler
sieht seine Spielerperspektive schonungslos ehrlich: „Man macht doch eigentlich,
was einem vom Trainer gesagt wird. Ich
Trainerausbildung
denke erst jetzt, durch den Lehrgang, wirklich über einzelne Übungen und ihren Sinn
nach.“
Auch das Trainerverhalten wird hinterfragt. Sind emotionale und erfolgreiche
Typen wie Klopp, Tuchel und Guardiola
etwa Vorbilder? „Das kann für einen Trainer funktionieren“, sagt DFB-Chefausbilder
Frank Wormuth. „Es kann aber auch gut
sein, sich einmal zurückzunehmen und
nicht gleich alle Emotionen rauszulassen.
Ich bewerte das nicht. Aber ich halte den
Lehrgangsteilnehmern einen Spiegel vor
und zeige ihnen, wie sie arbeiten. Sie entscheiden letztlich selbst, ob sie immer so
weitermachen wollen.“
Und wie eng sollte der Draht zu den Spielern sein? Auch darauf gibt es keine endgültigen Antworten. Der wohl populärste Vertreter seines Fachs, Liverpool-Coach
Jürgen Klopp, hat eine überraschende Replik parat: „Natürlich rede ich mit den
Jungs. Aber ich denke die ganze Woche
über unser Spiel nach“, sagt er. „Wenn ich
dann einen Spieler frage, wie er darüber
denkt, und er hat vielleicht nur dreißig Sekunden darauf verwendet, warum sollte
ich mich daran orientieren?“ Auch Christian Kroll kämpft um die richtige Ba­lance
zwischen Nähe und Distanz: „Ich muss
schließlich auch immer in der Lage bleiben, einer Spielerin ins Gesicht zu sagen,
dass sie morgen nicht spielt!“
Lehrgangsleiter Mohs ist ein ambitionierter Mann, ein Fußballabhängiger im besten
Sinne. Er möchte mit dafür sorgen, dass sich
das Weltmeisterland Deutschland nicht
ausruht, sondern weiter verbessert. Etwa
durch mehr Dribbler. „Vor ein paar Jahren
wurde im Jugendbereich noch viel elf gegen
elf oder sieben gegen sieben trainiert“, sagt
Mohs. „Dabei wäre jede Spielform mit weniger Spielern besser, um häufiger das Einsgegen-eins zu trainieren.“
Diese Botschaft gibt er seinen mehr als
200 Lizenzabsolventen jährlich mit. Auch
Christian Kroll hat bei ihm die Lizenzverlängerung nach drei Jahren abgelegt. Wie
Kroll haben inzwischen einige ambitionierte Trainer nicht hochklassig gespielt – obwohl etwa ehemalige Kreisklassespieler ab
der B-Lizenz schon noch die Ausnahme bilden. Das sportliche Auswahlverfahren soll
dabei die Spreu vom Weizen trennen: Einen
Pass über zwanzig Meter etwa muss man
schon sicher spielen und verarbeiten können. Aber wie gut muss man tatsächlich
Christian Kroll begutachtet eine Trainingsübung. Heute agiere er als Trainer mehr, statt zu reagieren.
gespielt haben, um ein guter Trainer zu
sein? „Es hilft natürlich und imponiert sicher auch manchem Spieler, wenn man
selbst gut kicken und Übungen vormachen
kann“, sagt Martin Mohs.
Aber kann mit Fleiß und Talent letztlich jeder als Trainer Karriere machen? Martin
Mohs überlegt kurz, dann sagt er: „Ja. Es
ist von Vorteil, aber es ist keine Voraussetzung. Manchmal geht man dann auch sensibler an bislang unbekannte Dinge heran,
denkt genauer darüber nach.“ Schließlich haben auch immer mehr Bundesligatrainer heute nicht mehr selbst hochklassig gespielt.
Auch Christian Kroll sieht eher den Weg
als Ziel: „Ich möchte auf jeden Fall die
nächste Lizenzstufe machen. Und dann
mal schauen, was kommt.“ Die schlechteste Ausgangslage hat Kroll als Trainer der
HSV-Frauen nicht – er muss einfach weiterhin immer einen guten Plan haben. |
35
SPIELFELD
Interview: Martin Oetjens · Foto: Daily’s
Der Querdenker
In Österreich und England war Paul Scharner ein großer Spieler.
Dann folgte ein kurzes Intermezzo beim HSV und das Karriereende.
Ein Gespräch über die schwierige Zeit in Hamburg.
Paul, wie geht es Dir und Deiner Familie nach Beendigung Deiner aktiven
Fußballerkarriere?
Wir sind mittlerweile wieder in Österreich
zu Hause. Nach meinem Karriereende im
September 2013 sind wir noch bis Sommer
2014 in Hamburg geblieben. Meine Frau
und ich wollten unseren Kindern die Möglichkeit geben, das Schuljahr zu beenden.
Mir persönlich geht es gut und ich habe bis
jetzt über weite Strecken die fußballfreie
Zeit mit meiner Familie sehr genossen.
Nach den vielen Jahren im Ausland habt
Ihr Euch in Österreich wieder eingelebt?
Es war am Anfang nicht leicht, sich nach
zehn Jahren im Ausland wieder in Österreich einzuleben. Insbesondere wenn man
aus einer so schönen Stadt wie Hamburg
wegzieht und viele nette Leute, die wir im
Laufe der Jahre kennengelernt haben, zurücklässt. Wir haben mittlerweile Fuß gefasst und unseren Alltag wiedergefunden.
Auch das soziale Umfeld wächst, wir haben uns gut eingelebt.
Juckt es bei Dir manchmal in den Füßen?
Sehr, sehr selten. Ich habe sehr bewusst
und sehr entschlossen die Entscheidung
getroffen aufzuhören, und das macht es
für mich einfacher. Außerdem bin ich U-9und U-14-Trainer in unserem örtlichen Verein SV Wienerwald. Da habe ich meine Zeiten auf dem Fußballplatz.
Wenn nicht mehr der Fußball, wie steht
es mit anderen Sportarten?
Durch den Hausbau, da habe ich mich
stark miteingebracht, war es eher schwierig, regelmäßig Sport zu treiben. Aber
wenn ich Zeit finde, spiele ich liebend
gern Tennis. Oder ich bin mit meinen
Kids mit dem Rad unterwegs. In unserer Gegend ist das richtiges Training,
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denn die Landschaft ist sehr hügelig. Wir
selbst wohnen rund 500 Meter über dem
Meeresspiegel.
Du hast eine bewegte Fußballerlaufbahn
hinter Dir. Würdest Du mit der Erfahrung
von heute einige Dinge anders angehen?
Natürlich ist es immer einfach, im Nachhinein die Situationen anders zu betrachten.
Aber einer meiner Grundsätze in meiner
Karriere war: Fehler gehören dazu und gehören gemacht, um sich als Mensch zu entwickeln. Und der Fokus lag bei mir immer
auf der Persönlichkeitsentwicklung.
Was war Dein schönstes, was Dein
schlimmstes und was Dein prägendstes
Erlebnis in Deiner Laufbahn?
Mein schönstes Erlebnis war eindeutig
der FA-Cup Sieg mit Wigan Athletic gegen
Man City im Mai 2013 vor 87.000 Zuschauern im Wembley-Stadion. Mein schlimmstes Erlebnis die Gelb-Rote Karte gegen Freiburg im November 2012. Ausgerechnet bei
meinem Debüt für den HSV. Das war die
einzige Chance, die ich beim HSV bekommen habe, und ich hab’s vermasselt. Wäre
ich damals aber nicht vom Platz gestellt
worden, wäre ich nie nach Wigan verliehen worden und hätte den FA-Cup nicht
gewonnen. So nahe liegen Freud und Leid
beieinander. Das Aufnahmeritual bei Austria Wien hat mich doch sehr geprägt, bei
dem ich von meinen Kollegen „gepastert“
(demütigendes Aufnahmeritual; Anm. d.
Red.) wurde.
Du hast Dich damals für den HSV entschieden, obwohl Du auch ein Angebot
aus Frankfurt hattest. Im Rückblick eine
richtige Entscheidung?
Natürlich habe ich schon öfter darüber nachgedacht, warum ich nicht bei
Frankfurt unterschrieben habe. Aber der
Kontakt zum HSV hat schon über Jahre bestanden und ich dachte, jetzt kommt meine Chance. Und wie in meiner Biografie
„Position Querdenker: Wie viel Charakter
verträgt eine Fußballkarriere?“ beschrieben, haben die drei Buchstaben H, S, V gereicht, um mich zu entscheiden.
Hast Du trotz der sportlichen Schwierigkeiten etwas Positives aus Deiner Hamburger Zeit ziehen können?
Fans, Stadion und die Stadt sind Welt­
klasse. Beruflich ist es nicht rund für mich
gelaufen, dafür habe ich privat aber schöne Verbindungen schließen können. Privat
hui, Beruf pfui!
Wie hast Du die Hamburger Fanszene
wahrgenommen?
Auf alle Fälle bleibt mir das Spiel gegen
Hannover zum 125-Jährigen in Erinnerung. Unfassbar, was da abgegangen ist –
mit dem Weltrekord an Doppelhaltern. Außerdem war der weihnachtliche Besuch
bei den Fanklubs eine neue Erfahrung für
mich. Und es macht mich stolz, noch immer Ehrenmitglied bei den Old Sailors zu
sein. Schön waren auch die zahlreichen Zuschauer beim Training.
Wirst Du dem Profifußball erhalten bleiben oder verwirklichst Du Dich in einem
völlig neuen Berufsfeld?
Wir werden sehen. Natürlich würde ich
gern meine Erfahrungen weitergeben. An
welchem Ort, in welcher Position und in
welcher Branche, das kann ich heute nicht
beantworten.
Würdest Du einer Einladung folgen, um
ein Spiel des HSV anzuschauen – oder haben wir Dich hier zu sehr geärgert?
Wenn die Einladung von den Fans kommt,
dann würde ich gern kommen. |
Buchautor
Egoist oder leidenschaftlicher Fußballprofi?
So steht es in dicken roten Lettern auf
der Rückseite des Buches von Paul Scharner und Lars Dobbertin, der den Paul
beim Verfassen seiner Autobiografie unterstützte. „Oh“, dachte ich, als ich das
erste Mal von Paul Scharners Buch hörte, „noch ein Exprofi, der seine persönliche Abrechnung versucht.“
Kurz darauf erhielt ich eine Einladung
zur Lesung des Buches in den Hamburger
Kammerspielen, im Logensaal. „Oh“, dachte ich wieder, „das gucke und höre ich mir
an.“ Hatte ich doch gleich wieder den Paul
Scharner mit seiner roten Brille und seinen großen, wachen Augen vor mir, so wie
er im Trainingslager im Zillertal vor mir
saß, kurz bevor die Situation beim HSV eskalierte. Damals wusste ich Paul Scharner nicht richtig einzuordnen, Exzentriker,
Egoist oder doch nur ein Profi, der weiß,
was er will. Nett war er an dem Abend
und machte einen ziemlich geerdeten Eindruck auf mich.
Nun aber zu seinem Buch, das er unter
Mithilfe von Lars Dobbertin geschrieben
hat. Eine Reise durch das Fußballerleben
von Paul Scharner, unserem Ex-HSVer, der
in dem Buch auf den ersten Blick kein gutes Haar an unserem Verein lässt. Liest
man zwischen den Zeilen, zollt er jedoch
den Fans und auch dem Verein, trotz seiner kurzen, turbulenten und chaotischen
Zeit beim HSV, einen gewissen Respekt.
Allgemein geht er in seiner Autobiografie mit den Protagonisten auf seinen Stationen nicht zimperlich um, spricht Defizite
klar an und begründet auch seine Sichtweise. Er gibt in seinem Buch aber genauso den Gescholtenen Gelegenheit, Stellung zu beziehen. Auch das spricht für den
Charakter des Paul Scharner, dass er seinem Gegenüber Raum zur „Gegenrede“
gewährt.
Insgesamt ist es ein sehr kurzweiliges und
interessantes Buch, in welchem Scharner dem geneigten Leser Einblicke in seine
Psyche, seine Einstellung zum Fußball und
in sein Leben gewährt. Die Reise geht von
den Anfängen seiner Karriere über Austria Wien und Salzburg, der Zwischenstation im norwegischen Bergen und seiner
großen Vision England bis hin zum HSV. Er
beschreibt sein Verhältnis zur österreichischen Nationalmannschaft, seine große
Hassliebe, seine Arbeit und Freundschaft
mit Valentin Hobel, seinen in der Öffentlichkeit umstrittenen Personal Coach und
Freund. In „HSV: Und aus – das war’s mit
Fußball“, dem vorletzten Kapitel des Buches, schreibt Paul Scharner über seine
letzten Tage als Fußballprofi und die Wirren bei unserem Verein. Besonders erwähnenswert, wie ich finde, ist, dass seine Frau Marlene ein ganzes Kapitel in dem
Text: Martin Oetjens
Buch beisteuerte. In diesem beschreibt
sie die Zeit, die sie und ihre gemeinsamen
Kinder mit Paul in Bergen verbrachten.
Und wie sehr diese Zeit ihr Familienglück
aufzehrte.
Paul Scharner beschreibt sich als zielorientierten, charakterstarken und strikt seinen selbst vorgegebenen Werten folgenden Menschen, der während seiner Zeit
als Fußballprofi alles seinem Beruf und
seinen persönlichen Zielen unterordnete,
ohne dabei seine Familie aus den Augen
zu verlieren. Um die Eingangsfrage noch
einmal aufzunehmen: Für mich ist Paul
Scharner eher der leidenschaftliche Fußballprofi, mit vierzig Auswahlberufungen
und einigen nationalen Titeln. Ein Brillant
mit Ecken und Kanten, an denen man sich
schon einmal stoßen kann.
Ich kann dieses Buch nur empfehlen. Meine Frau und meine Tochter konnten es
nicht fassen, dass ich die 212 Seiten dieses
Buches innerhalb von drei Abenden durchgelesen hatte, bin ich doch eigentlich nicht
das, was man im Allgemeinen als Leseratte bezeichnen würde. Dieses Buch hat
mich gefesselt durch seine Sprache, seine
Aussagekraft und den fairen Umgang mit
seinen Kritikern. In manchen Momenten
hatte ich beim Lesen die Stimme von Paul
in den Ohren, als ob er neben mir steht
und das Buch selbst vorliest. |
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SPIELFELD
Text und Fotos: Andreas Kloß
Profis, Amateure oder Jugend? Fußball,
Handball oder Basketball? Völlig egal!
Andreas Kloß verfolgt seinen HSV auf allen
Plätzen. Auszüge aus seinem Tagebuch.
21. August 2015, Landesliga Hammonia,
HSV 3 – TuS Alstertal-Langenhorn 5:2 (3:1)
Freitagabend auf der HSV-Anlage in Ochsenzoll. Ein tolles Heimspiel der Dritten
mit einem hochverdienten Sieg! Zwei nette Journalisten des schwedischen Fußballmagazins „Offside“ waren auch im Stadion: Sie schrieben eine Geschichte über
Albin Ekdal, den HSV – und ein klein wenig auch mich.
22. August 2015, B-Jugend Bundesliga,
St. Pauli – HSV 1:0 (0:0)
Auf der Anlage von Germania Schnelsen
gab es eine Niederlage gegen die BraunWeißen. Gefühlt habe ich im Nachwuchsbereich nur Niederlagen gegen dieses
Team gesehen – das nervt.
22. August 2015, HSV – VfB Stuttgart 3:2 (1:2)
Von Schnelsen ging es direkt weiter in
den Volkspark zum Spiel der Profis gegen
den VfB Stuttgart. Heimspielpremiere –
und das Spiel gedreht! Richtig klasse, tolle
Stimmung und ein toller Heimauftakt.
23. August 2015, Regionalliga Nord,
ETSV Weiche Flensburg – HSV (A) 3:2 (2:0)
Nach einer Kurzvisite beim Sonntagstraining und Verabschiedung der schwedischen Journalisten ging es mal wieder
zu Weiche Flensburg. Die ersten drei Tore
waren alle dem böigen Wind an der Küste geschuldet. Herrlich eine vorgelesene
Werbung: „Der ETSV Weiche spielt heute
mit mehr Liebe, das Spiel präsentiert der
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Orion-Verlag. Wir wünschen viele sportliche Höhepunkte.“
30. August 2015, Landesliga Hammonia,
FC Teutonia 05 – HSV 3 1:1 (1:1)
Sonntagmorgen, 10.45 Uhr, die perfekte Amateurfußballzeit, schön auf Grand
an der Kreuzkirche! Noch allerdings, denn
auch dort wird fleißig für einen Kunstrasen gespart und gesammelt. In einem rassigen und packenden Spiel stand es am
Ende leider nur 1:1.
30. August 2015, Regionalliga Nord,
HSV (A) – SV Drochtersen/Assel 2:1 (1:0)
Und weiter ging es direkt zur Hagenbeckstraße. Rund die Hälfte der 540 Zuschauer dürfte auf der Seite der Gäste gewesen
sein. Das Spiel gewannen wir trotzdem,
wenn auch etwas glücklich.
03. September 2015, Testspiel,
HSV – VfL Osnabrück 4:1 (3:0)
Ein Testspiel vor dem Länderspiel-Wochenende (ich finde diese Pausen echt nervig!).
Auf den Trainingsplätzen ging es gegen
den VfL Osnabrück. Das schönste Tor erzielte Altintas zum Endstand von 4:1, ein
schöner Seitfallzieher nach perfekter Flanke von Marcos!
11. September 2015,
Borussia Mönchengladbach – HSV 0:3 (0:2)
Mit der Supporters-Botschaft ging es am
Freitagabend an den Niederrhein (es soll
Leute gegeben haben, die sich von ihrem
Navi nach Bergisch-Gladbach haben leiten lassen). Hoffentlich haben sie den Doppelpack von Lasogga in der ersten Halbzeit
noch gesehen. Der HSV legte sogar noch
das 3:0 durch Müller obendrauf. Und hier
die Autobahngleichung zum Sieg: A 24+A
1+A 43+A 52+B 224+A 2+A 3+A 40+A 57+A
44+A 52+A 61 = 3 Auswärtspunkte!
13. September 2015, Regionalliga Nord,
HSV – Borussia Hildesheim 1:2 (0:1)
Regionalliga-Alltag an der Hagenbeck­
straße. Oder sollen wir es Tristesse nennen? Nur 270 Zuschauer sahen ein sehr
mäßiges Spiel. Direkt nach dem Abpfiff
gab es noch auf dem Platz deutliche Worte
von Trainer Zinnbauer an die Mannschaft.
Da konnte noch keiner ahnen, dass es sein
letzter Auftritt war; ein paar Tage später
wechselte er zum FC St. Gallen.
16. September 2015, Testspiel,
HSV (A) – SC Condor 6:1 (2:0)
Soner Uysal übernahm die Amas, und im
ersten Testspiel gegen den Oberligisten SC
Condor gab es einen deutlichen 6:1-Sieg
mit einem Hattrick des nach der Pause
eingewechselten Benkarit!
19. September 2015, B-Jugend Bundesliga,
HSV – Leipzig 0:1 (0:0)
Norderstedt, Ochsenzoll, 11 Uhr, B-Jugend,
strömender Regen. Und Ordner Gerd ist so
nett, mir einen seiner Schirme zu schenken! Die Gäste waren spielerisch besser, doch der HSV war mit seinen Kontern
Illustration: Franko Schiermeyer
Hauptsache,
HSV
Tagebuch
immer gefährlich. Leider ging das Spiel
dennoch verloren.
19. September 2015, A-Jugend Bundesliga,
HSV – VfL Wolfsburg 3:1 (1:0)
Von Norderstedt ging es gleich weiter zur
Hagenbeckstraße zum Spiel der A-Jugend.
Ein paar Minuten verspätet, aber pünktlich zum 1:0 für den HSV war ich da. Der
HSV als Tabellenzehnter spielte richtig
stark und siegte am Ende hochverdient!
Eine Werbung für den Jugendfußball.
19. September 2015,
HSV – Eintracht Frankfurt 0:0
Und noch mal durfte ich auf die Hilfe der
Power-Ordner zurückgreifen und wurde im Auto in den Volkspark mitgenommen, sodass ich stressfrei und pünktlich
zum dritten Spiel des Tages kam. Größter Aufreger des ansehnlichen 0:0 war da
eher das beleidigende Transparent gegen
­A aron Hunt, der sein erstes Pflichtspiel für
den HSV bestritt.
22. September 2015,
FC Ingolstadt – HSV 0:1 (0:0)
Dienstagabend in Ingolstadt. Bis 12 Uhr
musste ich noch arbeiten, dann ging es
in fünf Stunden mit dem Zug nach Ingolstadt. Im Stadion sollte es weitere 87 Spielminuten dauern, bis endlich das erlösende 0:1 fiel. Im Auto ging es die Nacht durch
zurück nach Hamburg, zu Hause kurz unter die Dusche und pünktlich ins Büro. Alles für den HSV!
26. September 2015, Regionalliga Nord,
Eintr. Braunschweig U 23 – HSV (A) 2:0 (1:0)
Allein fuhr ich mit dem Auto nach Braunschweig. Und wie das immer so ist, wenn
man es eilig hat (denn um 18.30 Uhr wollte ich wieder im Volkspark sein, um das
Spiel gegen Schalke zu sehen), hatten die
Schiedsrichter Probleme mit ihrem Headset. Leute, wir haben doch keine Zeit! In einem überwiegend ausgeglichenen Spiel
hatten wir dann letztlich durchaus gute
Möglichkeiten, aber ohne Tore kann man
halt keine Punkte holen!
26. September 2015,
HSV – FC Schalke 04 0:1 (0:0)
Trotz Megastau am Elbtunnel ­erreichte ich
wieder rechtzeitig das Volkspark­stadion,
um mir die Heimniederlage gegen die
Schalker anzuschauen. Auch wenn es
kämpferisch eine gute Leistung war, kann
man sich dafür am Ende leider nichts
kaufen.
1. Oktober 2015, A-Jugend Bundesliga,
HSV – St. Pauli 3:1 (1:0)
Derby! Und was für eins! Der HSV besiegte in einem tollen, schnellen Spiel hochverdient den Tabellenzweiten! Richtig
gut! Vor allem die sensationelle Vorarbeit
von Ronstadt vor dem 2:0 durch Köhlert
war schon das Kommen wert! Und endlich, endlich mal ein Sieg gegen die ach so
anderen!
4. Oktober 2015, B-Jugend Bundesliga,
HSV – VfL Wolfsburg 3:2 (1:1)
Ein erneut langer HSV-Tag begann mit
dem Spiel der B-Jugend gegen Wolfsburg.
Die Gäste gingen früh mit 1:0 in Führung,
kreischend bejubelt von einigen Spielermüttern. Der HSV drehte das Spiel aber
und gewann am Ende verdient mit 3:2! Da
kreischen wir doch einfach mal zurück!
4. Oktober 2015, Holsten-Pokal 4. Runde,
SC Condor II – HSV III 1:2 n. V.
Von der Hagenbeckstraße ging es einmal quer durch die Stadt zum Pokalspiel
der Dritten beim SC Condor. Hier erwartete mich ein unglaublich intensives Spiel,
welches nicht nur dramatisch, sondern
auch mit Verlängerung, einem Platzverweis gegen den HSV und leichten Tumulten sehr hitzig war!
4. Oktober 2015, Eishockey Oberliga Nord,
HSV – MEC Halle 06 4:5 n. V.
Wieder zurück zur Hagenbeckstraße zum
ersten Heimspiel unserer Kufencracks.
Die Oberliga Nord reicht seit dieser Saison bis tief in den Osten, ins Ruhrgebiet –
und sogar nach Holland. Gegen Halle war
das Zuschauerinteresse leider deutlich geringer als gedacht. In einem spannenden Spiel unterlagen wir am Ende nach
Verlängerung.
8. Oktober 2015, Testspiel,
HSV – Viborg FF 3:0 (2:0)
Wieder eines dieser nicht öffentlichen
Testspiele auf den Trainingsplätzen –
aber die wenigen anwesenden Zuschauer
konnten trotzdem etwas sehen. Verstärkt
mit einigen Youngsters und Spielern der
Amateure gewannen wir am Ende verdient mit 3:0.
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SPIELFELD
9. Oktober 2015, Regionalliga Nord,
TSV Havelse – HSV 1:0 (0:0)
Inventur in meiner Firma – nicht gut,
wenn man abends noch zum Fußball will.
Am Ende waren wir aber einigermaßen
pünktlich damit durch, sodass ich mich
um kurz nach 17 Uhr entschloss, noch nach
Havelse aufzubrechen. Alternativ wäre
sonst um 20 Uhr mit dem Spiel der D
­ ritten
gegen HEBC aber eine Alternative da­
gewesen. Trotz Staus war ich nur knapp
vier Minuten zu spät einer von 482 Zuschauern im Wilhelm-Langrehr-Stadion –
und sah eine Niederlage.
10. Oktober 2015, B-Jugend Regionalliga,
HSV – TSV Havelse 4:1 (1:0)
Schon wieder gegen Havelse, dieses Mal
aber mit der jüngeren B-Jugend in der Regionalliga – und mit einem neuen Trainer:
Cardoso war nach sechs Niederlagen in
Folge beurlaubt worden, Achim Fiefel hatte übernommen. Die starke zweite Halbzeit brachte dem neuen Trainer den ersten Sieg ein.
10. Oktober 2015, Handball Oberliga,
Niendorfer TSV – SG BSV/HSV 21:24 (11:9)
Freie Fußball-Bundesliga-Wochenenden
bieten die Gelegenheit, auch mal andere
HSV-Sportarten zu besuchen. Heute ging
es zum Handball. Vor knapp hundert Zuschauern gab es in Niendorf ein richtig
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spannendes, dramatisches und erfolgreiches Spiel – vor allem in der zweiten Halbzeit. Das hat Spaß gemacht!
Getränke- und Wurstverkauf zusammenzuschrauben. Respekt, Jungs! So geht
Verein!
11. Oktober 2015, Basketball Oberliga,
HSV – BG Hamburg-West II 67:63 (32:33)
Und noch eine andere Sportart: Basketball. Vor Jahren, bei meinem ersten Spielbesuch, hatte ich mich zuerst zur falschen
Mannschaftsbank gestellt: Ich konnte mir
17. Oktober 2015,
HSV – Bayer Leverkusen 0:0
Eine seltene Situation während eines Fußballspiels: Die Ersatzspieler wechselten
beim Warmmachen die Seiten, damit die
Leverkusener Spieler vor der Nordtribüne
„Auswärtsspiel an
einem fucking Friday“
damals nicht vorstellen, dass der HSV in
Blau-Gelb spielt. Lange her: Heute trugen
die Spieler Weiß und hatten die Raute auf
der Brust, was damals auch nicht der Fall
war. Vor nur einer Handvoll Zuschauern
lagen wir zur Halbzeit knapp zurück, gewannen zu meiner Überraschung aber am
Ende; eigentlich hatte ich aufgrund der
Trefferquote eher die Gäste vorn gesehen.
15. Oktober 2015, Testspiel,
HSV III – SC Poppenbüttel 1:4 (0:1)
Während des Spiels waren einige HSVFans damit beschäftigt, einen neuen Lagerschuppen für den ehrenamtlichen
von Bierduschen verschont blieben. Insgesamt ein gutes und verdientes 0:0, sowohl
der HSV als auch Leverkusen hatten Chancen zum Sieg.
20. Oktober 2015, Testspiel,
Curslack-Neuengamme – HSV (A) 0:4 (0:1)
Das Schöne an den zahlreichen Testspielen der HSV-Mannschaften: Man kann sie
manchmal mit dem Groundhoppen verbinden. Im Stadion vom SVCN war ich
zum Beispiel zuvor noch nie. Schöne neue
Tribüne übrigens; eine Treppe nach hinten zu den Toiletten kommt sicherlich
noch irgendwann ...
Tagebuch
23. Oktober 2015,
TSG Hoffenheim – HSV 0:1 (0:0)
Und mal wieder ein Auswärtsspiel an einem fucking Friday. Nervt echt. Vor allem
weil morgens mein Auto nicht ansprang
und somit doch leichte Hektik aufkam.
Der Gästeblock war auch an diesem Freitag wieder ausverkauft, auch wenn ein
Großteil der HSV-Fans natürlich aus dem
erweiterten Umland kam. Wir sind einfach überall! Das Spiel hatten wir sowohl
auf dem Platz als auch auf den Rängen im
Griff.
24. Oktober 2015, Regionalliga Nord,
Schwarz-Weiß Rehden – HSV (A) 0:3 (0:0)
Nachdem wir mal wieder die ganze Nacht
zurückfahren mussten, rief ich morgens
den ADAC, der mein Auto schnell wieder flott bekam. Glück gehabt, war ich
doch als Fahrer zum Spiel der Amateure in Rehden eingeteilt! So ging es zwar
ohne Schlaf, dafür aber mit einer guten
Portion Vorfreude in die Samtgemeinde
in der Nähe von Vechta. Nach einer wirklich schwachen ersten Halbzeit drehten
wir nach dem Wechsel ordentlich auf und
gewannen am Ende verdient mit 3:0! Endlich wieder ein Erfolgsergebnis.
25. Oktober 2015, Eishockey Oberliga,
HSV – Wedemark Scorpions 1:2 n. P.
Zum Abschluss des Wochenendes ging
es nach ein wenig Groundhopping in der
Oberliga (Buchholz–Lurup) am Sonntagabend zum HSV-Eishockey, leider erneut
vor sehr kleiner Kulisse. In einem spannenden Spiel unterlagen wir den Scor­
pions am Ende 1:2 nach Penalty-Schießen.
Glück bringe ich den Kufengöttern irgendwie nicht ...
30. Oktober 2015, Landesliga Hammonia,
TuS Osdorf – HSV III 3:1 (2:1)
Auf dem kleinen Grandplatz entwickelte sich über neunzig Minuten eine hitzige
Partie, wobei es einige Spieler des Gastgebers übertrieben und während der ersten
Hälfte permanent die HSV-Anhänger provozierten. Insgesamt waren die Osdorfer
galliger und gewannen am Ende verdient.
3. November 2015, Testspiel,
HSV (A) – SV Rugenbergen 8:0 (4:0)
Nebel des Grauens über Trainingsplatz 4
im Volkspark, trotzdem ging dieses Testspiel gegen den Oberligisten SV Rugenbergen über die Bühne. Unter anderem vier
Tore von Kulikas sicherten dem HSV am
Ende ein klares 8:0.
6. November 2015, Landesliga Hammonia,
HSV III – TSV Sasel 0:6 (0:2)
Vor rund 250 Zuschauern gingen die Gäste bereits nach zwei Minuten in Führung
und legten nach sieben Minuten das 0:2
nach, da war der Drops eigentlich schon
gelutscht. Entsetzt war ich darüber, dass
unsere Ersatzspieler nach dem dritten
Wechsel die Bank verließen und zum Duschen gingen. Was ist das denn für ein
Mannschaftsgeist?
8. November 2015, Regionalliga Nord,
VfB Oldenburg – HSV (A) 5:1 (2:0)
Mit nur wenig Schlaf und ein klein wenig Hoffnung auf einen Punkt im Rücken
ging es am Sonntag nach dem Bundes­
liga-Auswärtsspiel gegen Darmstadt weiter nach Oldenburg. Nach einer schwachen ersten HSV-Halbzeit führte der VfB
verdient mit 2:0. Direkt nach dem Wechsel
die beste Phase der Amas und der verdiente Anschlusstreffer. Vielleicht wäre sogar
noch mehr drin gewesen – doch dann fiel
das 3:1. Dieser Gegner war heute einfach
zu stark. |
Info:
Einen Liveticker und Bilder von Spielen,
die Klößchen besucht, gibt es bei
twitter.com/kloesschen1887 und
facebook.com/kloesschenhsv.
41
VEREIN
Sonntagmittag
am Ochsenzoll
Fotos: Lucas Wahl
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Fotoreportage
43
VEREIN
Verfolgerduell in der
Kreisklasse 2
Vor dem Spitzenspiel am
14. Spieltag gegen den Tabellenvierten TuS Hasloh hat Trainer Michael Daasch seinen Spielern nur leichte Kost verordnet.
Kein üppiges Frühstück, schon
gar kein Mittagessen, schließlich ist um 12.30 Uhr Anstoß und
der HSV V, Sechster im Meisterschaftsrennen, hat mit einem
Sieg die Chance, auf Schlagdistanz zu den oberen Rängen zu
bleiben. Fit und motiviert geht
der HSV das Spiel an und bis kurz
vor Spielende scheint wenigstens ein Punkt eingetütet. Doch
Fußball ist grausam – auch in
der Kreisklasse 2. Die Rot­hosen
lassen sich auskontern und müssen sich mit 3:4 geschlagen geben, trotz couragierten Auftretens und bundesligareifer
Fanunterstützung. Was bleibt,
Herr Daasch? Nur eine alte Hamburger Trainerweisheit: „Wenn
man die Hütte vorn nicht macht,
kriegt man hinten eine.“ |
44
Fotoreportage
45
VEREIN
46
Fotoreportage
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VEREIN
HSV-S
ERIE:
ALLE
AUSSES
FUSSI R
!
Text: Mathis Paus · Fotos: Lucas Wahl
Schlag auf Schlag
Das HSV-Boxen entstand 2009 aus dem Nichts. Zwischenzeitlich war die
Abteilung die am schnellsten wachsende im gesamten HSV. In Zukunft
sollen hier echte Champions geformt werden.
E
in treibender Viervierteltakt
durchschneidet die zuvor noch
abendliche Stille. Laute HouseMusik strömt aus zwei zu kleinen Lautsprechern, sodass
ein blechernes Echo den hell erleuchteten
Raum füllt. Thomas Ritter gibt mit kräftiger Stimme Anweisungen: „Arme lang.
Konzentriert bleiben. Gebt noch einmal alles. Noch drei, zwei, eins.“ Der Sekundenzeiger auf der überdimensionierten Stoppuhr in Ritters linker Hand kommt zum
Stehen und er blickt zufrieden auf die keuchende Meute.
Thomas Ritter ist Trainer und Abteilungsleiter vom HSV-Boxen in Personalunion.
48
Heute leitet Ritter wie jeden Montagabend
im Hankook-Sportcenter in Hamburg die
Trainingseinheit. Sechs Leute haben sich
in der Halle eingefunden. Ihre Gesichter
sind bereits nach dem Aufwärmprogramm
gut durchblutet und Schweiß zeichnet sich
auf den Leibchen ab. Ritter, Rockabilly-Typ,
Pomade im Haar, Tätowierungen auf den
Oberarmen, gibt die Richtung vor. Nach
kurzer Verschnaufpause sollen die Boxer
das Meiden, auch Ausweichen genannt,
üben – ein technisches Mittel, um einen
gegnerischen Angriff durch flinke Beinarbeit und Positionsveränderung des Körpers zu parieren. „Geht es locker an und
haut euch nicht auf die Glocke“, ruft Ritter
schmunzelnd den Trainierenden zu, nachdem er die Schlag- und Schrittfolge erklärt
hat. „Zeit läuft. Los geht’s!“
Schlag für Schlag und Schritt für Schritt
aufwärts geht es für das HSV Boxen seit
nunmehr sechs Jahren. Anfang 2009 wurde die Abteilung von Michael Wendt und
Mirko Beyer gegründet. Wendt, heute stellvertretender Abteilungsleiter, glühender
HSV-Fan und Sänger der bekannten Hamburger Band Abschlach!, erinnert sich an
die Anfänge: „Damals habe ich selbst aktiv geboxt. Ich habe mich gefragt, warum
mein Verein, der so viele Sportarten unter seinem Dach vereint, keine eigene Boxabteilung hat. Gemeinsam mit Mirko
Boxen im HSV
Box-Basics
Boxhandschuh
Der Boxhandschuh
ist das Arbeitsgerät des Boxers.
Preis und Qualität
vari­ieren bisweilen stark. Wichtig
ist vor allem eine
gut gepolsterte Schlagfläche, die der Hand sowohl beim Training als auch beim Sparring
einen guten Komfort bietet und Verletzungen
vorbeugt. Der Klettverschluss sollte hochwertig verarbeitet sein, um dem Handgelenk ausreichend Stabilität zu bieten.
Bandagen
Für einen optimalen Basisschutz sollten die Hände zunächst bandagiert
werden, ehe man
die BoxhandschuAnstrengender, als es aussieht: Beim Schattenboxen werden Schlagkombinationen einstudiert.
he anlegt. Die Bandagen stärken nicht nur die Gelenke, sondern
schützen den Handrücken auch vor Schürfwunden. Langlebige Bandagen sind nicht teu-
habe ich dann ein Konzept ausgearbeitet, mit dem wir uns an den HSV gewandt
haben.“ Die Idee überzeugte, der Rest ist
Geschichte.
Gleich am ersten Trainingstag schrieben
sich fünfzig Mitglieder in die neue Boxabteilung ein. Die Kampfsportart Boxen,
die aufgrund der körperlichen Härte auch
heute noch mit Imageproblemen ringen
muss, war eine Zeit lang die am schnellsten wachsende Abteilung im gesamten Verein – was 2011 mit dem HSV-Ehrenpreis des
Amateursports honoriert wurde. Auch prominente Mitglieder wie der ehemalige HSVBundesligaprofi Stefan Schnoor und der
Gastronom und TV-Koch Steffen Henss­ler,
der in den Neunzigerjahren sogar vier Amateurkämpfe bestritt, sind der jungen HSVAbteilung beigetreten und gaben dem HSVBoxen einen zusätzlichen Schub.
Heute stagniert die Mitgliederzahl auf
dem hohen Niveau von rund 110 aktiven
und 65 fördernden Mitgliedern. Bereits
zehn Prozent der Mitglieder sind Frauen
und es dürfen gerne mehr werden. In der
Zukunft sollen die Mitgliederzahlen wieder steigen. Die Abteilung wird daher verstärkt über den HSV-„Tellerrand“ schauen müssen, sagt Boxchef Ritter. Der Plan
dahinter: Noch ist die Boxabteilung primär auf den Breitensport ausgerichtet,
doch in den nächsten Monaten, soll der Fokus auch auf den Leistungssport ausgeweitet werden. Nach Ritters Vorstellung
und in Zusammenarbeit mit A-Lizenz-Boxtrainer Olaf Jessen, zu seiner aktiven Zeit
in den Achtzigerjahren mehrfacher hamburgischer und norddeutscher Meister, sollen Kämpfer ausgebildet werden, die um
Meisterschaften mitboxen können. „Unser Ziel: Bis 2020 wollen wir zwei Hamburger Meister in unseren Reihen haben“,
sagt Ritter. Um dieses ambitionierte Fernziel zu erreichen, startet im nächsten Jahr
eine Mit­glieder­kam­pagne, die den Vorsatz
hat, die Zahl von insgesamt 200 Mitgliedern zu erreichen sowie drei weitere Trainer einzustellen.
Der Spaß am Boxen soll trotz der professionelleren Strukturen und sportlichen Zielsetzungen aber nicht zu kurz kommen.
„Denn jeder trainiert bei uns so, wie er
will und kann“, erläutert Ritter und beugt
damit dem aufkommenden Gedankenspiel vor, dass zukünftig nur angehende
Wettkampfboxer beim Training willkommen seien. „Davon kann wirklich nicht die
Rede sein!“
Ausgleich für Kopf und Körper
Doch einen gewissen Leistungsanspruch
hat der Boxtrainer auch im Breitensport.
er und können schon für unter 15 Euro erworben werden.
Mundschutz
Der Mundschutz
­gehört zu den elementaren Sicherheitsvorkehrungen beim Boxen. Er ist ein absolutes Muss, da
er Zähne und Kiefer vor schweren Verletzungen bewahren soll. Durch eine schlagabsorbierende Schicht verhindert der Mundschutz
das Aufeinanderschlagen von Ober- und Unterkiefer, dämpft die Schlagweiterleitung
zum Kopf und vermindert so das Risiko einer
Gehirnerschütterung. Es gibt den einfachen
Mundschutz für den Oberkiefer sowie den
doppelten für Ober- und Unterkiefer.
Kopfschutz
Beim Wettkampf­boxen
ist der Kopfschutz ein
Streitthema, beim
Sparring ein wichtiges
Utensil. Der Kopfschutz
soll Schläge auf Stirn
und Ohren abdämpfen. Insbesondere Treffer auf die Ohren können Schäden beispielsweise am Trommelfell
nach sich ziehen.
49
VEREIN
Boxen im HSV
Trainer Thomas Ritter.
Boxen ist auch Frauensache: Bereits zehn Prozent der Mitglieder sind weiblich.
Ritter beäugt bei der Partnerübung seine Schützlinge kritisch, weil manche Bewegungsabläufe noch nicht die Grazie eines Muhammed Ali haben. Er verbessert,
mahnt und korrigiert, bis die Stoppuhr
das tänzelnde Schauspiel beendet. Exakt
drei Minuten dauern die einzelnen Übungen, danach folgt eine Minute Pause. Dann
beginnt das Spiel von vorn. Trainer Ritter erklärt die Taktung: „Jeder Trainingsbaustein orientiert sich in der fortgeschrittenen Gruppe an der Rundenzeit aus dem
beim HSV-Boxen und trainieren zwei- bis
dreimal in der Woche. So, wie sie Zeit haben. Neben der sportlichen Herausforderung kommen sie hier vor allem her, weil
eine „gute Atmosphäre“ unter den Trainierenden herrsche. „Es wird geflachst und
gelacht“, sagt Schwergewicht Thorsten,
während er seinen Mundschutz behutsam mit der Schlagfläche seines Boxhandschuhs zurechtrückt.
Trainer Ritter freuen solche Äußerungen.
Sie zeigen ihm, dass die Grundausrichtung
Trainierende, alle hängen sich hier, im
Haus Nummer 10 an der Straße Nieland,
voll rein. Doch nicht nur die Abteilung
harmoniere sehr gut, wie Ritter sagt, sondern auch die Zusammenarbeit mit dem
gesamten Verein. Hakt es irgendwo, dann
seien die Wege sehr kurz und die Kommunikation miteinander funktioniere klasse.
„Es gibt nichts zu meckern.“
Reibereien oder versehentliche Tiefschläge gibt es nur im Boxring. Das bringt der
Sport so mit sich. |
„Beim Boxen geht es um
Fairness und Respekt.“
Wettkampfboxen und den Pausen zwischen den Runden.“ Ziel sei es, eine ähnliche Belastung zu simulieren, wie sie auch
im Ring herrschen würde.
Thorsten sind die Strapazen anzumerken.
Er schnauft tief und japst anschließend
nach Luft, dabei lächelt er zufrieden. „Klar
ist das Training anstrengend, aber das soll
es ja auch sein.“ Für ihn, erklärt der vierzigjährige Buchhalter, sei der Boxsport ein
körperlicher und geistiger Ausgleich zum
oft stressigen Alltag. Toni, sein Gegenüber aus der Partnerübung, pflichtet ihm
bei: „Hier kannst du deinen Körper fit halten und den Kopf frei kriegen.“ Thorsten
und Toni sind bereits seit ein paar Jahren
50
der Abteilung die richtige ist. „Im Kern“,
sagt der 49-Jährige, „geht es bei uns und
generell im Boxen um Fairness und gegenseitigen Respekt.“ Darum gebe es beim
HSV-Boxen auch keine „Typen, die sich nur
prügeln wollen“. Und wenn das so wäre?
„Dann wird eine richtige Ansage gemacht.
Und wem das nicht passt, der passt nicht
zu uns.“ Wie sehr aus den einzelnen Boxern eine verschworene Gemeinschaft
geworden ist, zeigen auch die Aktivitäten abseits des Boxrings. In den vergangenen Jahren haben die HSVer an Wohltätigkeitsläufen in der Stadt teilgenommen.
Mit ihren Boxhandschuhen, was zu großer Aufmerksamkeit führte. Trainer,
Info:
Die Trainingszeiten sind montags
um 18.30 Uhr (Fortgeschrittene) und
19.30 Uhr (Anfänger), dienstags um
19.30 Uhr (Fitnessboxen), mittwochs
um 18.30 Uhr (Fortgeschrittene) und
19.30 Uhr (Anfänger), donnerstags
um 20.30 (Fitnessboxen) und freitags um 18.30 Uhr (Fortgeschrittene) sowie 19.30 Uhr (Anfänger).
Die Einheiten finden alle im Han­
kook-Sportcenter (Nieland 10, 22525
Hamburg) statt. Ein kostenloses
Probetraining ist nach vorheriger
Anmeldung im Anfänger- oder Fitnessboxen-Kurs möglich. Kontakt:
[email protected]
News
Neues aus dem Klub
Aktion
für Flüchtlinge
Matchplay
Vereinsmeisterschaft
Trainingszeiten
Eisstocksport
Der Hamburger SV hat Anfang November erstmals gemeinsam mit seiner Stiftung „Der Hamburger Weg“ ein kostenfreies Sportangebot für junge Flüchtlinge auf
der vereinseigenen Paul-Hauenschild-Sportanlage in Norderstedt angeboten. Die Veranstaltung stand unter dem Motto „Willkommen im Sportverein“. Sie ist Teil des Projektes
„Nachbarschaftshilfe für junge Geflüchtete“, das von der HSV-Stiftung „Der Hamburger Weg“ ins Leben gerufen wurde und wird
im Rahmen des Projektes „Willkommen im
Sport“ über die Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration und den HSB gefördert.
Bei strahlendem Sonnenschein waren rund
neunzig Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene aus Flüchtlingseinrichtungen
aus Norderstedt gekommen, um sich in verschiedenen Sportarten zu üben. Neben einem Fußball-Sichtungstraining wurden
Hockey, Badminton, Tischfußball sowie Fitness und Capoeira angeboten.
Nach dem gelungenen Auftakt werden zeitnah weitere Veranstaltungen für Flüchtlinge auf der Paul-Hauenschild-Sportanlage in
Norderstedt folgen. |
Ein spannendes Golfjahr liegt hinter uns.
Das interessante und abwechslungsreiche Turnierformat der Matchplay Vereinsmeisterschaft wurde in diesem Jahr erstmals eingeführt. Ab April traten insgesamt
64 Spielerinnen und Spieler an, um offizieller
HSV-Golf-Vereinsmeister zu werden.
Zwischen April und September wurden im
Matchplayformat über neun Löcher mit Dreiviertelvorgabe, insgesamt fünf Runden inklusive Halbfinale gespielt. Das Finale fand
am 11. Oktober in Lüdersburg über 18 Löcher
statt. Dabei konnte sich Ronny Bolzendahl gegen Alexander Grünberg durchsetzen und ist
somit Klubmeister 2015.
Wir bedanken uns bei allen Teilnehmern dieses neuen Formats. Wie erhofft lernten sich
dabei viele HSV-Golf-Mitglieder kennen und
es entstanden neue Freundschaften. Die Neuauflage der Matchplay Clubmeisterschaft
folgt in 2016. |
Seit dem 1. Juli 2015 gibt es mit dem Eis- und
Rollsport eine neue Abteilung im Hamburger SV. Neben Rollkunstlauf haben zahlreiche neue Wintersportarten ihren Weg in das
Sportangebot des HSV gefunden. Möglich
wurde dies durch die Aufnahme des Hamburger Eislauf Verein von 1922 e. V. Zu den neuen
Sparten gehören Eiskunstlaufen, Eisschnelllauf und auch der Eisstocksport.
Das Eisstockschießen hat in Hamburg und
hatte Jahrzehnte im Hamburger EislaufVerein von 1922 e. V. eine lange, erfolgreiche
Tradition. Wer in dieser Sportart aktiv werden möchte, hat aktuell beim Wintertraining in der Volksbank Arena in Stellingen
die Möglichkeit dazu.
Das Training findet noch bis März 2016 immer montags von 20 bis 22 Uhr statt. Gäste
sind jederzeit zum Schnuppertraining herzlich willkommen. Benötigtes Trainings­
material wird von der Abteilung gestellt.
Bei Nachfragen kann gern die Abteilungsleitung per E-Mail unter [email protected]
kontaktiert werden. |
Erfolgreich auf Punktejagd
+++ Erste Heimspiele unserer BG Baskets 2016: Nach einem etwas holprigen Saisonauftakt aufgrund fehlender Nationalspieler ist der
Kader unserer Rollstuhlbasketballer inzwischen wieder komplett und erfolgreich auf Punktejagd. Am 17. Januar steht das nächste Heimspiel in der Arena im Inselpark in Hamburg-Wilhelmsburg an. Außerdem qualifizierten sich unsere HSVer nach einem Sieg gegen Hannover United für das Viertelfinale beim DRS-Pokal. Unter www.BGBasketsHamburg.de findet sich die neu gestaltete Internetpräsenz der
HSV-Rollies, die sich mit Profilen in den sozialen Netzwerken Facebook, Twitter und Instagram ergänzt. Die nächsten Heimspiele unserer
Rollstuhlbasketballer auf einen Blick: Sonntag, 17.01.16 HSV – 1. FCK Rolling Devils, Sonntag, 31.01.16 HSV – Doneck Dolphins Trier +++ |
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VEREIN
Text: Stephanie Lehnert · Fotos: HSV-Archiv
Lange Tradition
Vor achtzig Jahren trat das Eishockey erstmalig im HSV in Erscheinung.
Siegreiche und weniger glorreiche Jahre folgten. Heute gibt sich die
­Abteilung kämpferisch, trommelt um Zuschauer und steckt sich hohe Ziele.
S
eit dieser Saison werden im Hamburger SV herausragende Mannschaften und Spitzenathleten im
Rahmen eines Sportförderkonzepts unterstützt. Die derzeitigen
Amateur-Aushängeschilder, die zahlreiche
Fans bei ihren Spielen begeistern, werden
unter der Bezeichnung „Team Raute“ zusammengefasst. Nicht nur unsere Fußballer vom HSV III, die aktuell in der Winterpause sind, gehören zu diesem Team Raute,
sondern auch unsere Eishockeyherren aus
der Oberliga. Grund genug, einmal einen
genaueren Blick auf die Historie des Eishockeysports im HSV zu werfen.
Vor genau achtzig Jahren, so lässt es sich in
einem Auszug der Vereinsnachrichten nachlesen, konnten Interessierte zum ersten Mal
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den Sport mit Schlittschuh, Puck und Eishockeyschläger im Verein ausprobieren.
Damals noch auf einer Eislaufbahn im
„Zoo“. Am 22. November 1935 fand dann
die erste Versammlung der neu gegründeten Eishockeyabteilung statt, die zu dieser
Zeit bereits 26 Mitglieder zählte. Ob die Abteilung durchgängig auch nach dem Ende
des Zweiten Weltkriegs Bestand hatte, lässt
sich heute nicht mehr zweifelsfrei klären.
Sicher ist jedoch, dass der 1. Oktober 1968
als der Tag in die Annalen einging, an dem
die Eishockeysparte durch die Aufnahme des Hamburger Schlittschuh-Club von
1881 im HSV wiedergegründet wurde. Nicolaus Pethes gilt dabei als Motor und ist derjenige, der Eishockey zusammen mit Holger Frank, Knut Frank, Peter Kronefeld und
anderen wieder in Hamburg ansiedelte.
Die Ausübung des Sports erwies sich zunächst als beschwerlich. Ab 1969/70 konnte eine Eisbahn in der Radrennbahn Stellingen genutzt werden. „Diese war jedoch
nicht überdacht“, sagt Paul Karner, langjähriger Obmann beim HSV-Eishockey.
Das bedeutet, dass bei jedem Wetter, egal
ob es regnete oder schneite, draußen gespielt wurde, was wiederum Auswirkungen auf die Zuschauerzahlen hatte. „Bei gutem Wetter waren 500 Zuschauer vor Ort,
bei schlechtem vielleicht dreißig“, so Karner in der Rückbetrachtung. 1978 wurde
eine überdachte Eissporthalle in Farmsen
eröffnet, die Platz für 2200 Zuschauer bot.
Aufgrund des steigenden Publikumsinteresses war diese aber schnell ausgelastet
Eishockey
Großer Einsatz, noch größerer Wille:
Das Oberligateam des Hamburger SV.
und damit zu klein. Spielerisch ließen sich
die Eishockeyherren nicht beirren. So wären sie im Jahr 1979/80 in die 2. Bundesliga aufgestiegen, nachdem sie zuvor gegen
den Verein für Eis- und Rollsport e. V. Selb
die Deutsche Oberliga-Meisterschaft erkämpften. Doch aufgrund unzumutbarer
Bedingungen für die Nutzung der Eishalle und durch Kostendruck wurde zunächst
auf den Aufstieg verzichtet. Nicolaus Pethes gelang 1980/81 ein großer Coup, indem
er durch Verhandlungsgeschick und unter
Mithilfe des Wiener Konsuls mit Alexej Mischin den ersten russischen Eishockeyspieler für einen Verein in der Bundesrepublik
verpflichten konnte. Der verdiente Aufstieg
der HSVer in die 2. Bundesliga erfolgte dann
in der Saison 1981/82.
Der Vereinsvorstand entschied sich jedoch
aus Kostengründen 1984 für eine Rückstufung der Eishockeymannschaft in die
Oberliga-Nord, was Entsetzen und eine Gegenreaktion auslöste. So gründeten im
Sommer 1984 nun viele Ex-HSVer ­einen
neuen Verein, den 1. EHC Hamburg, der bis
Anfang der Neunzigerjahre bestand. ­­Für
HSV-Eishockey ging es derweil auf und
ab, runter in der Liga, dann wieder hinauf.
1995/96 schließlich, als der HSV wieder in
der 2. Bundesliga angekommen war, verkündete die Deutsche Eishockey­l iga, dass
künftig das amerikanische Modell verfolgt werde. Das bedeutete, dass Eis­hockey­
mann­schaften nicht mehr einfach in die
1. Bundesliga aufsteigen konnten, sondern
sich stattdessen einkaufen mussten. Der
HSV verabschiedete sich nach diesem Beschluss aus der Bundesliga und betreibt
seitdem Amateureishockey.
Fotos: Shooter Bob Square Lenses | shutterstock.com
Einmalige Nachwuchsförderung
Seit gut fünf Jahren leitet Peter Hallwachs
die Sparte Eishockey im HSV und möchte größere Anerkennung für die Sportart
aufbauen. Die Herausforderungen, mit denen er und der Sport zu kämpfen haben,
sind jedoch in den Jahren und Jahrzehnten
gleich geblieben. So ist das Thema Finanzen aufgrund rückläufiger Zuschauerzahlen und hoher Kosten, die beispielsweise
durch Fahrten zu weit entfernten Spielen am Wochenende aufkommen, nach
wie vor schwierig. Auch die geringe Anzahl an Eiszeiten, die den einzelnen Mannschaften zur Verfügung stehen, setzt den
HSV-Eishockeyspielern zu. Hallwachs gibt
sich dennoch kämpferisch. „Mit unserem
sportlichen Auftritt zeigen wir unermüdlich, dass es Eishockey in Hamburg gibt
und dass wir etwas können.“
Einmalig in Norddeutschland ist außerdem die Förderung des Nachwuchses. Die
Kleinsten können im HSV schon mit drei bis
vier Jahren beginnen. Junge Spieler werden
hier sehr gut ausgebildet, was unter anderen die Berufungen eines männlichen und
zwei weiblicher Spielerinnen in die Jugendnationalmannschaft zeigen. „Wir messen
uns mit den Besten“, gibt Hallwachs zu verstehen und verweist darauf, dass der Verein
mit den Schülern in der Schülerbundes­liga
aufläuft, einen Kader in der DNL hat und
den eigenen Nachwuchs damit fit für die
spätere Oberliga macht.
Der Nachwuchs aus der Schülerbundes­
liga und der DNL wird im Rahmen des HSVSportförderkonzepts in der Kategorie „Junior-­
Top-­Team“ unterstützt. Zudem besteht für
die Ausbildung der Jugend eine Kooperation mit den Freezers. Das System funktioniert, wie Maximilian Franzreb beweist. Der
Nachwuchstorwart, der die Ausbildung im
HSV-Eishockey durchlaufen hat, steht zum
einen für die Oberligamannschaft im Tor,
hat aber auch einen Vertrag bei den Freezers
und zeigt dort seine Stärke.
Ziel in dieser Saison ist es, den Nachwuchs im Knabenbereich um die deutsche Meisterschaft spielen zu lassen. Die
Chancen dafür sind gut. Für unsere Herren in der Oberliga steht der Klassenerhalt
klar im Fokus. Gleichzeitig sollen die Zuschauerzahlen von derzeit im Schnitt 150
auf 300 steigen. „Eine unserer wichtigsten Aufgaben ist es, den Sport transparenter zu machen und im Verein neben einem
Fußballgefühl auch ein ausgeprägtes Vereinsgefühl zu schaffen“, sagt Hallwachs
abschließend. |
Die nächsten Spieltage des
HSV-Eishockeyteams
So., 03.01.16, 19.00 Uhr
ESC Wedemark Scorpions (H)
So., 10.01.16, 18.30 Uhr
Füchse Duisburg (H)
Fr., 15.01.16, 19.30 Uhr
Tilburg Trappers (H)
So., 17.01.16, 17.00 Uhr
Icefighters Leipzig (A)
Fr., 22.01.16, 19.30 Uhr
ECC Preussen Berlin (A)
So., 24.01.16, 18.30 Uhr
Hannover Scorpions (H)
Fr., 29.01.16, 19.30 Uhr
Rostock Piranhas (H)
So., 31.01.16, 19.00 Uhr
Rostock Piranhas (A)
So., 07.02.16, 19.00 Uhr
EHC Neuwied (A)
Fr., 12.02.16, 19.30 Uhr
Rostock Piranhas (H)
Fr., 19.02.16, 20.00 Uhr
Herner EV (A)
So., 21.02.16, 18.30 Uhr
FASS Berlin (H)
Fr., 26.02.16, 19.30 Uhr
Hannover Indians (H)
So., 28.02.16, 18.00 Uhr
EC Harzer Falken (A)
53
VEREIN
Jürgen Ahlert
Text: Frank Willig · Foto: Johannes Kühner
Nur ein Blick
in den Bus
Seit 21 Jahren ist Jürgen Ahlert beim HSV, Fan ist er schon um einiges
länger. Hunderte Spieler hat er über die Jahre kennengelernt – und bei
Problemen stets vermittelt.
E
s läuft die 67. Spielminute:
Als dem gerade erst 19-jährigen „Manni“ Kaltz ein Eigentor zum 1:2-Anschluss für Werder Bremen unterläuft, wird
das Derby noch einmal spannend. Und
nur drei Minuten später raufen sich die
meisten der rund 14.000 Zuschauer am
Rothenbaum ein zweites Mal die Haare: Werders Herbert Laumen trifft zum
2:2-Endstand, der HSV bleibt bis auf Weiteres Bundesligaschlusslicht.
Auch Jürgen Ahlert ärgerte sich im November 1972 vor Ort. „Damals war ich schon
längst vom HSV-Virus infiziert“, erinnert
sich der aktuelle Leiter des HSV-­Profi-­
Teammanagements. Mit seinem älteren
Bruder hatte sich der damals Zwölfjährige
zum Sportplatz aufgemacht – es waren die
Anfänge einer langen und intensiven Partnerschaft zwischen Ahlert und „seinem“
Verein. „Von Kindesbeinen an war ich fasziniert vom HSV, habe den Klub als etwas
ganz Großes gesehen.“ Seit stolzen 21 Jahren
ist der gebürtige Schenefelder nunmehr
offizieller Teil dieses großen Ganzen. Ein
Rad, welches sich bereits an verschiedenen
Stellen im Vereinsgetriebe drehte – denn
aus der Herzensbeziehung zum HSV wurde
bald auch eine berufliche.
Als Jürgen Ahlert Ende 1994 bei einem
Training zuschaut und den Mannschaftsbus der Bundesligakicker entdeckt, späht
er durch die geöffnete Tür. Der damalige HSV-Manager Heribert Bruchhagen
spricht ihn an, die Chemie passt sofort –
einige Tage später nimmt Ahlert auf dem
Sitz des aus Altersgründen scheidenden
Exbusfahrers Platz. Den erforderlichen
Führerschein besitzt er aus seiner Zeit bei
den Pinneberger Verkehrsbetrieben, die
aktuelle Tätigkeit als Imbissunternehmer
hängt er zugunsten des HSV-Jobs an den
Nagel. Hunderttausende Kilometer legt
der gelernte Polizist, der seinen Dienst
aufgrund von Knieproblemen quittieren
und seine Fußballerkarriere bei Halstenbek-Rellingen früh beenden musste, im
HSV-Bus zurück und erlebt unterwegs
manch kuriose Geschichte. Nach und
nach kommen viele Aufgaben im Bereich
des Teammanagements hinzu, dringend
benötigte Entlastung bringt 2005 Miroslav
Zadach, der fortan hinter dem Steuer
einspringt.
Vom Busfahrer zum Datenschützer
Etliche Trainer erlebte Ahlert über die Jahre: Benno Möhlmann behielt er beispielsweise in bester Erinnerung, Felix Magath
und Kurt Jara schätzte er menschlich.
Eine tolle Zeit verbrachte er mit Thomas
Doll, und über die Rückkehr des aktuellen
HSV-Coaches Bruno Labbadia hat er sich
ebenfalls sehr gefreut. Weniger freudig
denkt Jürgen Ahlert hingegen an das Jahr
2011 zurück; als sich einiges beim HSV
änderte. „Viele Abläufe wurden im Verein
neu geordnet, und auch das Teammanagement wurde anders aufgestellt.“ Zunächst
ohne Ahlert, der fortan und bis Ende 2014
ausschließlich bei der U 23 eingesetzt wurde. Zwar erlebte er auch hier erfolgreiche
Zeiten, dennoch war die Freude groß, als
ihn der Direktor Profifußball, Peter Knäbel,
vor gut einem Jahr „nach oben“ zurückbeorderte. Heute sitzt der 55-Jährige mit
Jochen Langbein in einem Büro und kümmert sich um alles, was an Unterstützung
für die HSV-Profis vonnöten ist: Behördengänge, Wohnungssuche, PR-Aktionen und
anderes mehr.
Seit vergangenem Sommer zeichnet er
zudem als Datenschutzbeauftragter der Fußball AG und Arena GmbH dafür verantwortlich, dass aus datenschutzrechtlicher Sicht
alles korrekt abläuft; beim Aufbau der Statue
seines verstorbenen Freundes Hermann
Rieger war er federführend.
Sich selbst sieht der langjährige Motorradfahrer als „Mensch des Ausgleichs“. Die
Vermittlungsgabe hilft dem stets ruhig
und zielorientiert auftretenden HSVer bei
den Gesprächen mit den Profis, die einen
wesentlichen Teil seiner Zeit beanspruchen. Bei deren Spielen drückt Ahlert seit
dem Wechsel auf die Position des Team­
management-Leiters zumeist wieder von
der Tribüne aus die Daumen.
Wirkung zeigte dies schon 1972/73 – trotz
des 2:2 gegen Werder und der Roten
Laterne, die noch über den Jahreswechsel
hinweg an der Elbe brannte. Am Ende
belegten die Unabsteigbaren immerhin
Platz 14. |
55
VEREIN
SCHLUSSPHASE
Schöner als der
ChampionsLeague-Titel
Axel Formeseyn kriegt immer noch feuchte Augen, wenn er an
Karlsruhe und den 1. Juni 2015 denkt. Hier blickt er noch mal zurück
auf aufregende HSV-Tage und diese eine Nacht für die Ewigkeit.
N
icht, dass wir uns hier
falsch verstehen. Ich weiß
das doch selbst, HSV-Fans!
Ich weiß das doch selbst!!!
Es gibt im ganzen Weltfußball wohl wirklich keinen Klub, der jahrelang so drum gebettelt hätte, endlich auch
einmal absteigen zu dürfen, wie unser tief
und fest vor sich hin schnarchender Möchtegernriese aus Hamburg! Unser HSV! Allein schon dieses böse Ührchen hätte den
Abstieg verdient gehabt, nervt doch voll,
sagen Fans anderer Klubs. Soll es ja geben.
Wir dagegen gehen in die Offensive: Die
Anzeige der Jahre muss dreistellig! Sollen
ruhig alle wissen: Die 100 Jahre Bundesliga machen wir auch noch voll! Ach, was
sag ich! Die 1000 Jahre machen wir auch
noch voll! Seit dem 1. Juni 2015 wissen wir
das sicher. Seit der Nacht der Nächte. Relegationsrückspiel in Karlsruhe.
Der HSV hatte auf der letzten Felge und
mit mehr Glück als in den vergangenen
Jahren Fußballverstand und ohne einen
Sieg in der Relegation im Frühsommer
2014 in Fürth den erstmaligen Abstieg aus
der Bundesliga abgewendet. Was hatten
wir bis dahin schon alles erlebt und stets
geglaubt, das Schlimmste läge nun hinter uns. Oder? Ausscheiden im Uefa-CupHalbfinale in Fulham und gegen Papierkugeln im DFB-Pokal. Eine Niederlage gegen
das blinde Huhn vom Kiez. Dann Fürth.
Und danach die Rückfahrt und ein Schwur
56
unter Männern: Das Schlimmste liegt nun
hinter uns!
Wenige Tage später wurde die Fußballabteilung aus dem e. V. ausgegliedert. Nun
denn. Exsportchef Beiersdorfer kam zurück.
Jetzt als AG-Boss. Nun musste erst Sportchef Kreuzer, später dann – da war die neue
Saison schon in Gang und es wollten weder
HSV-Tore noch Punkte her – Trainer Slomka gehen. Der damals von allen gehypte Regionalliga-Coach Joe Zinnbauer übernahm.
Das funktionierte eine Zeit lang ein wenig.
Dann so gar nicht mehr. (Als ich irgendwo
hörte, er wäre ein guter Buddy von Thorsten Fink, hatte ich ihn persönlich innerlich
längst entlassen.)
Wie war das noch mit dem Schlimmsten,
das hinter uns lag? Meinetwegen, aber erst
mal das hier: Für Jay-Z wechselte Sportchef
Knäbel auf die Bank. Als Platzhalter für Tuchel, der später doch nicht kommen mochte. Und wir rollten verdrossen mit den Augen und erinnerten uns an die fabulösen
Punks von Turbostaat, die so treffend sangen: „Es geht doch immer weiter, zumindest bergab!“ Nach zwei erneuten Klatschen, nach denen man als HSVer nun aber
endgültig und so was von glaubte, es könne wirklich und in echt nicht mehr schlimmer kommen, kam es tatsächlich schlimmer – zumindest dachten wir das doch
alle, gebt es zu: Bruno Labbadia wurde als
neuer HSV-Coach vorgestellt.
Ich meine: Der Abstieg war damals eh klar.
(Wer heute behauptet, er oder sie wäre
trotz allem immer noch voller Überzeugung gewesen, der lügt doch!) Nun allerdings schwand auch die Hoffnung auf einen echten HSV-Neuaufbau in Liga zwei.
Was auch immer das hätte bringen sollen,
man hatte zumindest immer das Gefühl,
dass das mit einem wie Tuchel hätte klappen können. Stattdessen Labbadia. Puh.
Und wir HSVer schwenkten – fast schon –
die weiße Fahne. Und die übrige Fußballwelt lachte und lachte und lachte. Und im
Internet profilierte sich jeder noch so große Dödel mit Witzen über die Rothosen.
Und in den Stadien der Republik schallte es uns entgegen: „Zweite Liga, Hamburg
ist dabei!“
Die Truppe spielte immer noch scheiße
Aber am Arsch! When you walk through
a shitstorm, hold your head up high, HSV!
Doch wie schwer das fiel, bei all der Häme
und dem Spott, der um uns herum tobte. „Du musst still halten, wenn du rasiert
wirst.“ Sagte das nicht einmal Louis van
Gaal? Ich war kurz davor. Aber Decke über
den Kopf und dem feixenden Internetmob
das Feld überlassen? Nachdem wir in blauweiß-schwarzer Bettwäsche groß geworden waren und all die Scheiße der letzten
Jahre ertragen hatten, ausgerechnet in dieser schweren Zeit kapitulieren? Vor Fans
aus Leverkusen, Wolfsburg und anderen
komplett Irren, die Fußball vielleicht als
Kolumne
nettes Anhängsel, nicht aber als reinen Lebensinhalt sehen? Niemals!
Wobei ich es so manchem „Fan“ und ganz
besonders den Schalkern, deren Spieler
uns am letzten Spieltag so wunderbar bei
der Mission Klassenerhalt unterstützten,
deren Fans uns dagegen mit Taschentüchern etwas voreilig „Adieu“ gesagt haben,
doch irgendwie gegönnt hätte: statt nach
Hamburg mal jahrelang nach (bei allem Respekt) Karlsruhe und Fürth zu fahren. Das
schockt doch! Nach Gelsenkirchen müssen
die Königsblauen ja eh zweiwöchentlich.
Na, dann viel Spaß dabei!
Ich weiß immer noch nicht, wie, aber es
kam alles anders. Der seitdem nicht mehr
nur schöne, sondern wunderschöne Labbadia machte die abgetakelte Fregatte HSV,
nun ja, nicht unbedingt flott, aber immerhin, der HSV gewann mal wieder Fußballspiele, schoss Tore, wenn auch meist spät
und oft glücklich und durch längst von einem der tausend Labbadia-Vorgänger aussortierten Spieler. Okay, die Truppe spielte
immer noch größtenteils scheiße, aber sie
gab plötzlich endlich alles, holte die Punkte,
die nötig waren, um doch noch zumindest
die Relegation zu packen. Und als ich mit
Tränen der Erleichterung in den Augen vom
Schalke-Heimspiel nach Hause fuhr, da
dachte ich schon: Kommt mir hier grad alles vor wie einem werdenden Vater, der das
Krankenhaus unbeschadet erreicht, obwohl
er mit geschlossenen Augen über sechs
stark befahrene Kreuzungen bei Rot rüber
ist. Ein reines Fußballmärchen also.
Und dann, endlich, der 1. Juni. Die Nacht
von Karlsruhe. Die Fahrt da hin. Mit Onni
und Glüsing und lauter Gitarrenmusik zur
Beruhigung. Dann im Stadion. Ich habe gehofft, ich habe zu Spielbeginn von meiner
Frau ein Foto meiner beiden Kinder in HSVTrikots zugeschickt bekommen. Dann habe
ich geheult. Und dann habe ich restlos alles
gegeben. Und ich habe bis zuletzt daran geglaubt, so schwer es mir auch fiel: sechsmal
deutscher Meister, dreimal Pokalsieger, immer erste Liga, HSV.
Seien wir ehrlich. Als das 1:0 für den KSC gefallen war, als wir die Pille anschließend
so partout nicht reinbekommen wollten,
da schwand auch der allerletzte Rest Hoffnung. All die vergebenen Chancen! Als
die neunzigste Minute näher und näher
rückte, da war sie fast nicht mehr da. Meine Schwester war stets diejenige, die immer sagte, in den ausweglosesten Situationen: „Axel! Die steigen nicht ab!“ Selbst sie
gab später zu: „Axel, in dem Moment dachte
auch ich, das allererste Mal: Jetzt steigen die
doch ab.“ Und ich bekam eine Gänsehaut.
Und meine Frau Inga erzählte später, dass
unsere Kinder unentwegt „HSV! HSV!“ riefen, als der Zeiger auf die Neunzig und der
HSV auf Liga zwei zusteuerte. Und dann
kam der Mut der Verzweiflung. Und dann
der Schuss von Rajkovic. Und dann eine
Karlsruher Hand. Und dann kam Gräfe. Und
dann Freistoß. Und dann stehen da Marcelo
Díaz und Rafael van der Vaart.
Ausgerechnet vdV! Die personifizierte HSVEnttäuschung. Und ich guckte auf der Tribüne meinen Kumpel Onni an. Und Onni
guckte mich an. Und er sagte: „Das ist unsere allerletzte Chance.“ Oft hatte ich sie in
den Jahren zuvor beschworen: Die letzte Patrone. Nun war sie endgültig im Lauf. Und
ausgerechnet Rafael van der Vaart sollte
uns jetzt den Arsch retten?
Doch dann Díaz. Tor. Es stand 1:1. Und ich
lag irgendwo, deutlich weiter unten. Im
Gästeblock in Karlsruhe. Und van der
Vaart? „Tomorrow, my friend.“ Díaz nun
wieder. Was auch immer vdV am besagten
„Ich habe bis zuletzt
daran geglaubt, so
schwer es mir auch fiel!“
57
SCHLUSSPHASE
2. Juni 2015 dann – also tomorrow – getan
haben mag ... stand wahrscheinlich in der
„Gala“.
Der Rest ist schnell erzählt. Nach dem Hinspiel-1:1 gibt es Verlängerung. Die Ersatzspieler des HSV machen die Kurve weiter
heiß. Lewis Holtby wird zum Helden neben
dem Platz. Die ganze Bank geht ab. Der ganze Block eh. Und dann Adler auf Diekmeier. Der KSC-Anhang beginnt laut den Calland-Response-Gesang: „KSCehe! KSCehe!“
Ich weiß das genau. Ich habe die TV-Übertragung des Spiels jetzt bummelig dreißigmal gesehen. Dann Díaz. Wieder er. Pass auf
Stieber. Das erste gute Dribbling des HSV in
der ganzen Saison. Pass links in den Strafraum zu Cleber. Der erste gute Pass des HSV
in der ganzen Saison. Cleber mit linkem Fuß
in die Mitte. Da steht Nicolai Müller. Ausgerechnet. Und 2:1. Und Klassenerhalt. Und
Eskalation!
Allein die Spielernamen. Im Grunde hatten alle zuvor versagt, hatten alle diese typische HSV-Krankheit, die jeden Spieler,
der zum HSV kommt, schlechter spielen
lässt als jemals zuvor. Das war nun egal.
Und am Ende war nur noch Jubel. Und das
tollste Gefühl, das man als Fußballfan haben kann. Champions League oder Meisterschaft eingeschlossen.
So manch Fan eines anderen Klubs denkt
bei der ganzen Schose natürlich: „Damit
kann er MICH nicht meinen. Ich fand das
nämlich alles total scheiße, was da in Sachen HSV abgelaufen ist. Allein dieser
58
Kolumne
Freistoß!“ Diesen Menschen sage ich hiermit noch mal: Ich weiß das doch. Und klar,
freies Land und so, jeder darf selbstredend
seine Meinung überall ungefragt rausblasen (wie ich hier ...) und/oder sein persönliches Mütchen am notorisch rumpeligen
HSV kühlen. Denn, dass wir uns noch einmal richtig verstehen: Klar doch, die Liste
an HSV-Versagen ist unendlich. Brauchen
wir nicht drüber zu reden. Und über den
Freistoß kann man sicher diskutieren. Meinetwegen. Aber die Immer-erste-Liga-Nummer in Karlsruhe, die war alles: An dem
Abend einfach nur verdient, geil emotional,
spannend ohne Ende, dramatisch, Fußball
pur, meinetwegen auch durchaus glücklich.
Nur eines nicht: unfair erstritten. Und genau das scheint vielen besonders auf den
Keks zu gehen: Dass der HSV in Karlsruhe
den emotionalen Champions-League-Titel
des kleinen Mannes erreicht hat und man
als Nicht-HSVer, Paulianer, Werderaner, als
was auch immer hilflos vor der Glotze sitzen und fassungslos mit anschauen muss,
wie dieser Luschenklub HSV und seine Dödelfans diesen einen, nicht für möglich gehaltenen Wahnsinnstriumph tatsächlich
erleben dürfen. (Nebenbei: Ist es jetzt eigentlich wieder diese ewige HSV-Großmannssucht, den Klassenerhalt wie blöde zu feiern, oder sollten wir demütig sein
und das als normal abhaken und von Europa reden? Ich komme damit immer wieder komplett durcheinander, wie wir HSVer
uns jetzt eigentlich verhalten sollen, damit
es für alle anderen okay geht.) Das ruft nach
Rache. Und so haut man also fleißig in die
Tasten. Ein Hoch auf Facebook und all die
anderen Internetforen! Welch wunderbarer Tummelplatz für all die Idioten in unserem Land ...
Ich weiß schon: Irgendwer oder -was muss
doch schuld sein, dass der Dino – allem jahrelangen Herumdilettieren zum Trotz – seit
Karlsruhe unsterblicher denn je erscheint.
Schnief. Scheiß Schiri. Was haut der Gräfe
den Freistoß auch gleich direkt selbst rein.
Nur seinetwegen bleibt der Hasenpfau drinne. Himmel, Arsch und Zwirn! Wohin nun
bloß mit all meinem Ärger!? (Und wisst ihr
was? Das kann ich ja auch nachvollziehen.
Ähnlich fühlte ich mich, als Hoffenheim
vor Jahren in Dortmund gewann und doch
noch in die Relegation kam, als WOB mal
in Aachen gewann und doch nicht abstieg.
Jahre her. Noch mal schnief. Diesmal von
mir ...) Ehrlich. Es wird mir nicht gelingen,
den Kreis quadratisch zu machen. Ich werde damit leben müssen, dass der HSV nicht
von restlos allen geliebt wird. Um es mal diplomatisch auszudrücken. Und vielleicht ist
er all die Jahre ja auch ein reiner Scheißverein gewesen. Vielleicht. Aber wisst ihr was?
Es ist halt unser Scheißverein. Und ich kann
kaum in Worte fassen, wie glücklich ich bin,
HSV-Fan zu sein. Immer noch. Trotzdem.
Und gerade deswegen.
Sechsmal deutscher Meister, dreimal Pokalsieger, immer erste Liga – HSV! Und das today, tomorrow und forever and ever. |
Foto: Witters
HSV kompakt
HSV kompakt
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Öffentliche
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Das genaue Datum und den Ort der öffentlichen Abteilungsleitungssitzung veröffentlichen wir jeweils rechtzeitig auf unserer
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zuzuhören oder auch mitzudiskutieren.
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Gemeinschaft der Senioren
Der Seniorenrat veranstaltet an jedem
ersten Montag im Monat eine nicht öffentliche Versammlung. Beginn ist um 19 Uhr
im Hotel Elysée, Rothenbaumchaussee 10,
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Onlinestore
Unter www.hsv-tickets.de könnt Ihr Karten
und Fahrten für Auswärtsspiele des HSV
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Die Kollektion des Supporters Clubs könnt
Ihr unter www.hsv-sc-shop.de bestellen.
Botschaft des SC
Auch an der Botschaft des Supporters Clubs
könnt Ihr bei Heim- und Auswärtsspielen
des HSV Artikel aus der Kollektion des Supporters-Merchandise erwerben (Hinweis:
Verkauf nur an Mitglieder gegen Vorlage
des Mitgliedsausweises). Die Botschaft steht
bei Heimspielen des HSV im Stadion auf
der Westplaza. Der jeweilige Standort bei
Auswärtsspielen wird im Vorfeld des Spiels
auf www.hsv-ev.de und in der „Unterwegs“
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Ticketservice
Heimspielkarten können über die HSVBestellservice-Hotline unter 040/41551887,
im Internet unter www.hsv.de, im ServiceCenter im Stadion oder in einem der HSVFanshops gekauft werden.
Auswärtstickets und -fahrten können im
Internet unter www.hsv-tickets.de, im
Service-Center im Stadion oder in den HSVFanshops gekauft werden. Bitte beachtet
auch die Ankündigungen und Informationen im Internet unter www.hsv.de
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Das Museum befindet sich neben dem
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des Stadions. Die Öffnungszeiten des Museums sind täglich von 10 bis 18 Uhr*.
Stadionführungen** finden täglich statt. Mitglieder erhalten auch hier einen Rabatt. Für
Gruppen gibt es auf Anfrage auch Sondertarife und Führungen zu anderen Zeiten.
Weitere Informationen gibt es telefonisch
unter 040/4155-1550 oder online unter
www.hsv-museum.de.
* Bei Heimspielen ist der Zutritt ab zwei Stunden vor Spielbeginn nur mit Eintrittskarte für das Spiel möglich.
** An Spieltagen oder anderen Veranstaltungstagen entfallen die Stadionführungen.
OFC-Gründungen
Alle Informationen hierzu findet Ihr im
Netz unter www.hsv-ofc.de.
Mitgliederwesen
Bei Umzug, Namens- oder Bankverbindungsänderung steht Euch das Mitgliederwesen genauso wie bei allen anderen
Fragen rund um die Mitgliedschaft im
HSV zur Verfügung. Das Mitgliederwesen
erreicht Ihr per Telefon (040/4155 1501), per
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Post (Hamburger Sport-Verein e. V., Mitgliederwesen, Sylvesterallee 7, 22525 Hamburg).
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Sylvesterallee 7, 22525 Hamburg
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Mo.–Sa. 9.30–20 Uhr
»» HSV Fan Shop (AEZ)
Heegbarg 31, 22391 Hamburg
Mo.–Sa. 9.30–20 Uhr
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in der Nord-Ost-Ecke der Arena.
Im Service-Center gibt es Tickets
(Heim- und Auswärtsspiele), Infos rund
um den HSV, Fundsachen vom Spieltag
und vieles mehr.
Kontakt: Persönlich Mo.–Fr. 10–18 Uhr,
Sa. 10–16 Uhr
Telefonisch unter 040/4155-1887
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