Nieder mit den Imagekampagnen! Marken bilden sich durch

Nieder mit den Imagekampagnen!
Marken bilden sich durch Spitzenleistung, nicht durch Kommunikation. Letzterer fällt allein
die Aufgabe zu, diese Spitzenleistungen glaubwürdig und zielgruppengerecht zu vermitteln.
Auch und gerade in Phasen tiefer ökonomischer Krisen bedeutet das in der Konsequenz, auf
leistungslose Kommunikation zu verzichten. Brand:Trust nennt die wahren Erfolgstreiber.
Derzeit vernehmen Marketer und Kreative hierzulande viel Richtiges, aber auch nicht immer
Sinnvolles zu Markenführung und Marketing in der Krise. Bisweilen misslingt der Versuch,
aus theoretischen Modellen heraus allgemein Gültiges für ein Navigieren durch die schwerste
Rezession seit mindestens 1945 zu formulieren. Doch wie nutzt man in der täglichen Praxis
wirklich die Kraft der eigenen Marke, um diese Krise erfolgreich zu überwinden? Brand:Trust
hat in Gesprächen mit rund 100 Unternehmern und Top-Managern aus fünf Ländern und neun
Branchen die Erfolgstreiber identifiziert. Hieraus leiten wir folgende Empfehlungen ab:
1. Exzellenz: Keine Marken und Produkte ohne eindeutige Spitzenleistung und Top-Position
Gerade in der Krise schwindet die Bereitschaft der Kunden für risikoreiche Experimente. Im
Konsumgütergeschäft ebenso wie bei komplexen B2B-Entscheidungen genießt das Vertraute
nun Vorrang. Davon profitieren Anbieter und Lieferanten, die über berechenbare, konsistent
geführte Marken mit eindeutigen Spitzenleistungen verfügen. Vertrautheit wandelt sich aber
zur Schwäche, wenn diese Marken nicht kontinuierlich geschärft und ihre Topleistungen nicht
immer wieder neu im Gedächtnis der Kunden wach gerufen werden. Je unvergleichlicher die
Überlegenheit und Exzellenz der Markenleistungen dramatisiert werden, desto eher sind die
Kunden bereit, für dieses Mehr an Kauf- und Entscheidungssicherheit den geforderten Preis
zu bezahlen. Ist die Leistung unvergleichbar sind auch die Preise unvergleichbar.
2. Wertschätzung: Konzentration auf die Stammkunden und diese zur Multiplikation nutzen
Die besten Verkäufer für eine Marke sind ihre langjährigen Kunden. Sie machen nicht nur
Umsatz, sondern reden über ihre positiven Erfahrungen und empfehlen die Marke dadurch
weiter. Das Beste: Diese positiven Multiplikatoren verlangen noch nicht einmal Geld dafür,
sondern wären schon froh, wenn ihnen das Markenunternehmen etwas mehr Aufmerksamkeit
schenken würde. Erfahrungsgemäß konzentrieren sich Marketing und Vertrieb allerdings in
über 80 Prozent der Fälle auf die Gewinnung von Neukunden anstatt auf die Pflege ihrer
Stammkunden. In der Krise gilt es aber, diese unverzichtbare Kundenbasis neu zu entdecken,
zu pflegen und mit ihrer Hilfe neue Kunden zu gewinnen. Das ist nicht nur billiger, es bringt
vor allem deutlich mehr als jeder als Neukundengewinnungsaktion getarnter Preisverhau.
3. Vertrauen: Herkunft als Zukunft dank einer bewussten Nutzung historischer Leistungen
Vertrauen herzustellen und kaufhemmende Bedenken dadurch weitgehend auszuschließen, ist
das oberste Ziel des Markenmanagements. Vertrauen lässt sich am einfachsten durch bereits
erbrachte Leistungsbeweise aufbauen. Zukunftsorientiertes Markenmanagement ist also auch
immer Geschichtsmanagement, eine Marke das Scharnier zwischen eigener Vergangenheit
und Zukunft. Alles, was Vertrautheit fördert und woran der Kunde seine tiefe Sehnsucht nach
Vertrauen fest machen kann, wird das Wachstum fördern. Hilfreich ist die Rückbesinnung auf
Stärken, die schon bei der Bewältigung früherer Krisen geholfen haben. Geplante MarkenRelaunches sollten tunlichst zurück gestellt werden, Packung und Design, der Werbeauftritt
oder die Botschaften streng auf Aufbau und Erhalt von Vertrauen ausgerichtet sein.
4. Fokussierung: Umlenken der Budgets auf nachweislich wirksame Maßnahmen
Im Marketing für Marken können nachweislich 25 Prozent eingespart werden ohne dass die
Wirkung in irgendeiner Weise nachlässt. Fraglich ist, wo diese Einsparungen getätigt werden
sollten. Selbst wenn keine Budgetkürzungen nötig sind, müssen die zur Verfügung stehenden
Mittel auf die Maßnahmen gelenkt werden, die nachweisbar wirken. Dies ist von Fall zu Fall
verschieden und höchst individuell zu entscheiden. Doch sollte jeder Kontaktpunkt zwischen
Marke und Anspruchsgruppen auf Wirksamkeit und Verbesserungspotenzial hin analysiert
werden. Die Zeit für prestigeträchtige, aber wirkungslose Sponsoringmaßnahmen oder Events
ist vorbei. Auch jede klassische Werbemaßnahme, die mit viel zu geringem Etat ausgestattet
ist, um jemals wirksam sein zu können, ist letztlich ein teures Fehlinvestment.
5. Konsequenz: Markenführung ist vor allem strategisches Wahrnehmungsmanagement
Was bringt die kreativste Kampagne, wenn dann der Kundendienst versagt? Was bringt der
pfiffigste Slogan, wenn ihn die Verkäufer nicht kennen oder nicht beherzigen? Was bringen
die perfektesten Markenwerte, wenn sie die Mitarbeiter nicht zur Maxime ihres täglichen
Handelns machen? Eine Marke wird nicht nur an der Oberfläche der schönen Kommunikation
erzeugt, sondern dort, wo der Kunde die Leistungen der Marke unmittelbar wahrnimmt. Dies
bedingt zugleich ein konsequentes Wahrnehmungsmanagement. An allen Kontaktpunkten der
Marke muss es gelingen, ihre Werte, eigenständige und damit differenzierende Positionierung
und die Spitzenleistungen für alle Anspruchsgruppen spürbar werden zu lassen. In einer Krise
ist kein Platz für Oberflächlichkeit, denn die erzeugt bestenfalls Mittelmaß.
6. Value-Selling: Markenbotschaften aussenden, die das Wertempfinden bei Kunden erhöhen
Der Preis einer Leistung resultiert nicht länger aus Herstellungskosten plus Gewinn. Niemand
interessiert sich noch für Kosten, schon gar nicht in einer Krise. Es geht um Nutzen und Wert.
Wenn einem Kunden ein Produkt zu teuer erscheint, dann kann man davon ausgehen, dass vor
der Nennung des Preises Wertbeitrag respektive Kundenutzen nicht richtig vermittelt wurden.
Markensysteme mit ihrer einzigartigen Fähigkeit, die Spitzenleistungen des Unternehmens zu
speichern und zu verdichten, stellen in Krisenzeiten eine besondere Wettbewerbsfunktion dar.
Hier gewinnt immer der, der das maximale Wertempfinden bei seinen Kunden erzeugt. Damit
muss eine Leistung faktisch gleich zweimal erzeugt werden: einmal bei deren Herstellung und
einmal im Kopf des Kunden. Wer das besser hin bekommt, bekommt den Auftrag.
7. Bewegung: Trends und Moden, die zur eigenen Marke passen, konsequenter nutzen
Menschen sind extrem beeinflusst durch den Kontext, in dem sie sich bewegen. Steigt etwa
der Ölpreis über 100 US-Dollar je Fass, setzt ein Run auf Hybridautos an. Fällt er unter 50
Dollar zurück, sinkt der Absatz wieder. Nährböden für Marken existieren auch in der Krise,
man muss sie nur finden und lernen, sie konsequent für sich zu nutzen. Zu beobachten sind
dabei Trends, die über Jahrzehnte wirksam sind und zur strategischen Markenpositionierung
herangezogen werden können. Und es gibt Moden, die eine Halbwertszeit von nur wenigen
Monaten haben und daher allein taktisch nutzbar sind. Eines haben Nährböden jeder Laufzeit
allerdings gemeinsam: Sie helfen massiv, Marketinggelder einzusparen, senken das Risiko
möglicher Flops und können das Wachstum nachhaltig unterstützen.
8. Pragmatismus: Antizyklisch agieren, um Wahrnehmungslücken auszunutzen
Um einen bleibenden Eindruck in den Köpfen der eigenen Klientel zu hinterlassen, gibt es
kaum einen besseren Zeitpunkt. Wie sehr Unternehmen auch ihre Kosten kürzen oder die
Etats für Kommunikation herunterfahren – Aufmerksamkeit und Wahrnehmungsfähigkeit
ihrer Kunden bleibt dieselben. Es wird nur nicht mehr so erbittert darum gekämpft wie in
Boomphasen. Wer die passenden Botschaften hat, hat nun gute Chancen, diese zu einem
ausgezeichneten Preis-Leistungsverhältnis zu platzieren. Jetzt lassen sich mit vergleichsweise
wenig Aufwand Wahrnehmungen akkumulieren. Gewiss darf dies weder aus Opportunismus
noch in unüberlegter Form geschehen. Aber auf Basis einer tief im Unternehmen verankerten,
scharf entwickelten Markenstrategie ist jetzt die Zeit, die Zukunft anzugehen.
9. Eigenartigkeit: Radikale Differenzierung durch Betonung der eigenen Stärken
„Me-too“-Konzepte werden den Krieg um Kunden in der Krise verlieren. Gleichheit ist der
Feind der Marke und führt zwangsläufig zu Preisverfall. Wenn schon sämtliche vermeintlich
verlässlichen Säulen eines Lebensplans weg brechen, dann werden Menschen wieder sensibel
für das Originale und für echtes Bemühen, das Beste zu leisten. Das tief sitzende Gespür für
Authentizität wird stärker denn je befragt, seinen Einfluss auf Kaufentscheidungen ausbauen.
Menschen nehmen in der Krise verstärkt das wahr, was ihnen wichtig ist. Botschaften, die
Relevanz besitzen, werden auch empfangen. Eine Marke kann Relevanz aber nur aufbauen,
wenn sie ihre bewussten Spitzenleistungen radikal dramatisiert. Wer kopiert, statt zu kapieren,
wird als Kopie entlarvt, als irrelevant eingestuft und aus der Wahrnehmung ausgeblendet.
10. Stolz: Finger weg von der Droge Preisnachlass, hin zu mehr eigener Wertschätzung
Viele Unternehmen glauben, in der Krise helfe doch nur eines: runter mit den Preisen. Eine
Preispositionierung wirkt aber lediglich dann nachhaltig, wenn sie langfristig geplant und
superkonsequent umgesetzt wird. Panikgetriebene Kurzfristaktionen bringen nachweislich gar
nichts. Entweder basiert die Preisführerschaft auf Kostenführerschaft und diese bildet den
Kern des Geschäftsmodells oder man konzentriert sich besser auf seine eigenen Stärken und
lernt diese so zu vermitteln, dass sie das Wertempfinden bei den Kunden steigern. Würden
manche Unternehmen hierauf so viel Zeit, Geld und Energie verwenden wie auf kurzfristige
Preisaktionen, dann wären sie nicht nur ein großes Stück weiter auf ihrem Weg zu einer
echten Star-Brand, sondern unterdessen auch ein bisschen reicher geworden.
Fazit: Jede Krise ist ein Lackmustest für die Nachhaltigkeit einer Markenstrategie. Alles, was
auf Oberfläche, viel Geld und extensives, aber leistungsfernes Marketing aufgebaut ist, wird
unerbittlich entlarvt. Mühsam aufgebaute Markenillusionen werden als solche enttarnt und
fallen in sich zusammen. In dieser Phase schlägt die Stunde der glaubwürdigen, der ehrlichen
Leistungsmarken; es ist der Tod der auf unhaltbaren Illusionen aufgebauten Imagemarken.
Achim Feige, Markenzukunfts-Spezialist und Executive Brand Consultant bei
Brand:Trust, Brand Strategy Consultants/ Nürnberg und freier Partner des
Zukunftsinstituts von Matthias Horx/ Kelkheim im Taunus.
Er ist erreichbar unter: [email protected].de