Informationsblatt Haarausfall - Krebsinformationsdienst, Deutsches

DEUTSCHES
KREBSFORSCHUNGSZENTRUM
KREBSINFORMATIONSDIENST
HAARAUSFALL DURCH KREBSBEHANDLUNG
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Einige der wichtigsten Behandlungen gegen Krebs können zu Haarverlust führen: Chemotherapie, Strahlentherapie und zielgerichtete Medikamente.
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Vielen Patientinnen und Patienten macht Haarausfall besonders zu schaffen – auch wenn diese Nebenwirkung oft vorübergehend ist.
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Betroffene erfahren von ihrem Arzt, wie wahrscheinlich bei ihrer Krebsbehandlung Auswirkungen auf die
Haare sind.
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Bisher gibt es keine Möglichkeit, den Haarausfall sicher
zu vermeiden.
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Die gesetzlichen Krankenversicherungen zahlen für
Frauen eine Perücke. Für Männer ist dies nicht einheitlich geregelt.
© bobbieo - Getty Images
HAARAUSFALL: VERSCHIEDENE URSACHEN
Eine Krebsbehandlung kann Haarausfall (Alopezie) verursachen. Daneben gibt es andere Gründe, warum Haare ausfallen können: Hormonveränderungen, Autoimmunerkrankungen, Infektionen oder Eisenmangel. Manchmal spielen
mehrere Faktoren eine Rolle.
HAARAUSFALL DURCH CHEMOTHERAPIE
ÎÎ Wer ist betroffen?
Viele Chemotherapie-Medikamente (Zytostatika) wirken
besonders auf schnell wachsende und sich häufig teilende
Zellen. Dazu zählen auch Haarwurzelzellen. Deshalb fallen
manchen Krebspatienten während der Behandlung die
Haare aus. Das gilt aber nicht für alle Menschen, die mit Zytostatika behandelt werden. Ob die Haare ausfallen, hängt
unter anderem davon ab, welches Medikament in welcher
Dosierung verabreicht wird. Medikament und Dosierung
beeinflussen ebenfalls, ob auch Augenbrauen, Wimpern
und Körperbehaarung betroffen sind.
Greifen Zytostatika in den Wachstumszyklus der Haare ein,
beginnen etwa 2–4 Wochen später die Haare mehr oder
weniger stark auszufallen. Bei niedrig dosierter Chemotherapie können weniger Haare ausfallen, der Haarausfall
kann langsamer voranschreiten. Sind mehr als die Hälfte
der Haare auf dem Kopf ausgefallen, fällt der Haarverlust
auch Außenstehenden auf.
ÎÎ Vorbeugung gegen Haarausfall: Wirkung nicht
gesichert
Es gibt verschiedene Ansätze, Haarausfall bei Chemotherapie vorzubeugen. Für ihre Wirksamkeit fehlt bislang
entweder ein Nachweis, oder es sind Nebenwirkungen zu
befürchten. In den Behandlungsleitlinien der einzelnen
Krebserkrankungen spielen solche Verfahren keine Rolle.
Kühl- oder Kältehauben setzen darauf, dass die Zytostatika weniger auf die empfindlichen Haarwurzeln einwirken.
Dies soll erreicht werden, indem die Kopfhaut gekühlt und
dadurch schlechter durchblutet wird. In einigen Studien
kam es zu einem geringeren Haarausfall. Konkrete Empfehlungen zur Anwendung gibt es derzeit nicht. Theoretisch
könnten aus der Anwendung Nachteile entstehen: Würde
das Prinzip funktionieren, wären die Krebsmedikamente im
Umfeld der Kältehauben auch gegen Krebszellen weniger
wirksam.
Einige Shampoos und Kurspülungen sollen den Haarausfall
verzögern. Sie sind jedoch nicht als Medikamente zugelassen und müssen wie normale Körperpflegemittel bezahlt
werden. Ihre Wirksamkeit ist nicht belegt. Wissenschaftler suchen nach Medikamenten, die die Haarwurzelzellen
schützen. Ob dies gelingt, ist noch nicht abzusehen.
ÎÎ Wann wachsen die Haare wieder nach?
Haare fangen an nachzuwachsen, wenn die Zytostatika
im Körper abgebaut sind. Etwa 3 Monate nach der letzten
Chemotherapie sind die Kopfhaare meist schon wieder so
lang, dass viele Patienten ohne Perücke oder eine Kopfbedeckung auskommen. Körperhaare benötigen etwas länger, um nachzuwachsen. Viele Betroffene berichten, dass
nach einer Chemotherapie das Haar eine Zeit lang anders
aussieht: Manchmal ist es ein bisschen gelockt oder die Farbe hat sich verändert. Ernsthafte oder dauerhafte Schäden
durch Zytostatika an den Haaren erleben nur sehr wenige
Patienten. Ganz ausgeschlossen ist ein dauerhafter Haarverlust jedoch nicht. Fachleute berichten von einzelnen
Betroffenen, bei denen die Haare nicht wieder nachwuchsen: Dies waren vor allem Patienten, die eine HochdosisChemotherapie mit anschließender Knochenmarkstransplantation erhalten hatten.
Fragen zu Krebs? Wir vom KID sind für Sie da! 0800 - 420 30 40 kostenlos, täglich von 8 bis 20 Uhr
HAARAUSFALL DURCH STRAHLENTHERAPIE
ÎÎ Betroffen sind nur Haare in bestrahlten Bereichen
Auch durch eine Strahlentherapie des Kopfes können Haarwurzeln geschädigt werden. Eine Strahlentherapie gegen
einen Tumor in einer anderen Körperregion beeinflusst die
Kopfhaare aber nicht. Ob, wann und wie stark die Haare
ausfallen, hängt nur von der Strahlendosis ab, die direkt
auf die Haarwurzel auftrifft. Bei Kopfbestrahlungen sind
die Haarwurzeln selbst bei hohen Strahlendosen deutlich
geringer belastet als das Zielgebiet, der Tumor.
Falls die Haare doch ausfallen, müssen sich Patienten länger als nach einer Chemotherapie gedulden, bis ein erster
Flaum sichtbar wird. Aber auch nach einer Bestrahlung erholen sich die meisten Haarwurzeln. Wenn ein Tumor im
Gehirn durch eine Bestrahlung vollständig geheilt werden
soll, sind bei manchen Patienten allerdings so hohe Strahlendosen notwendig, dass das Haar auf Dauer schütterer
als vorher bleibt. Vorbeugende Methoden gibt es in diesem
Fall nicht.
Kommt es durch die Behandlung mit „targeted therapies“
zu Haarveränderungen, lassen sich diese nicht beeinflussen. Nachdem die Medikamente abgesetzt wurden, bilden
sich die Veränderungen in der Regel zurück. Sie können die
Patienten aber stark belasten, da sich die Behandlung mit
zielgerichteten Wirkstoffen meist über Monate erstreckt.
ALTERNATIVE UND KOMPLEMENTÄRE KREBSMEDIZIN
HARRAUSFALL DURCH ZIELGERICHTETE
KREBSTHERAPIE
Zielgerichtete Therapien (englisch: „targeted therapies“)
sind eine neue Art der medikamentösen Krebstherapie. Die
Wirkstoffe greifen Strukturen der Zelle an, die eine wichtige Rolle bei der Krebsentstehung und dem Tumorwachstum spielen. Die neuen Wirkstoffe beeinflussen Prozesse,
die vor allem in Krebszellen ablaufen. Deshalb erhofft man
sich, dass diese „zielgerichteten Therapien“ besser gegen
die Krankheit wirken und gleichzeitig gesunde Körperzellen schonen.
Dennoch sind auch diese Krebstherapien nicht ganz ohne
Nebenwirkungen: Die Zielstrukturen vieler neuer Wirkstoffe kommen zum Teil auch an gesunden Zellen vor. Diese
können dann durch die Behandlung geschädigt werden.
Hiervon sind neben Haut und Nägeln auch die Haare betroffen.
Haarveränderungen treten nicht bei allen Personen auf.
Sie sind, sofern sie überhaupt auftreten, erst nach 2–3 Monaten Therapie zu beobachten: Die Haare können brüchig
und dünner werden oder auch gelockt nachwachsen. Es ist
auch möglich, dass z.B. Wimpern verstärkt wachsen. Selten
können die Haare (teilweise) ausfallen. Bei Männern kann
der Bartwuchs zurückgehen. Auch die Farbe der Haare kann
sich ändern.
Ergänzende Informationen zu zielgerichteten Therapien bietet das Informationsblatt: „Zielgerichtete Krebstherapien:
Wie funktionieren sie?“
HAARAUSFALL DURCH ANTIHORMONTHERAPIE
Auch unter einer Antihormontherapie kann Haarausfall auftreten, da sowohl Östrogene als auch Androgene
auf die Haarfollikel wirken. Es wird diskutiert, ob erbliche
(genetische) Veranlagungen hierbei eine Rolle spielen.
PERÜCKE: WER ÜBERNIMMT DIE KOSTEN?
Frauen können sich bereits vor Beginn einer Chemotherapie oder einer Bestrahlung eine Perücke verordnen lassen,
wenn Haarausfall wahrscheinlich ist. Voraussetzung ist,
dass ein Arzt den Haarersatz verordnet. Gesetzliche Krankenkassen übernehmen die Kosten oder zahlen zumindest
einen Zuschuss. In welchem Umfang sich Versicherungen
beteiligen, ist unterschiedlich. Bevor sich Patientinnen eine
Perücke kaufen, sollten sie deshalb bei ihrer Krankenkasse
nachfragen, bis zu welcher Höhe die Kosten übernommen
werden. Bei privat versicherten Frauen hängt es vom gewählten Beitragstarif ab, welche Regelungen gelten.
Etwas unklar ist zurzeit die Situation von Männern mit
Chemotherapie-bedingtem Haarausfall: Nicht alle Krankenkassen finanzieren in diesem Fall eine Perücke.
Viele Männer und auch Frauen entscheiden sich heute
dafür, den Haarverlust nicht immer und überall mit einer
Perücke zu kaschieren. Tücher, Mützen und sogar Bemalungen des Kopfes sind nicht nur bei jungen Menschen beliebt.
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© Krebsinformationsdienst KID 15.01.2016 (Quellen beim KID)