Nr. 70 1. Quartal 2013 Das Vereinsmagazin der Vereinigung

Nr. 70
1. Quartal 2013
Das Vereinsmagazin der
Vereinigung Krefelder Sternfreunde e.V.
Kuppelgebäude des „Großen Refraktors“ in Potsdam
© Uwe Winderling
Der Sternenbote
Ausgabe 1/2013
In dieser Ausgabe:
3
Der Vorstand hat das Wort
4
Die lange Nacht der Wissenschaften
11 Deep Sky Objekte für das kommende Quartal (12)
Wolfgang Verbeek
Uwe Winderling
Stephan Küppers
14 Dasburg 2012
Dieter Malschützky
17 Neues aus der astronomischen Forschung (41)
Wolfgang Verbeek
22 Termine, Veranstaltungen und Vortragsreihen der
VKS
Impressum:
Herausgeber: VKS - Vereinigung Krefelder Sternfreunde e.V.
Redaktion: Stephan Küppers – ask99@gmx.de
Telefon: 02151 – 59 22 90 (1. Vorsitzender Dr. Dipl. Chem. Wolfgang Verbeek)
Postfach 102310, 47723 Krefeld
Bankverbindung: Sparkasse Krefeld, BLZ 320 500 00, Konto Nr. 339 259
VKS-Homepage: http://www.vks-krefeld.de
E-Mail: krefelder_sternfreunde@gmx.de
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Der Sternenbote
Der Vorstand hat das Wort
Wolfgang Verbeek
Es ist Freitagabend kurz vor 20 Uhr. In
der Sternwarte ist keine besondere
Veranstaltung vorgesehen, nach und
nach sind die Plätze am großen Tisch
besetzt mit ca. acht bis zwölf
Mitgliedern. Die einen lesen in den
ausgelegten astronomischen Zeitschriften, andere diskutieren über
Sport oder Politik und wieder andere
tauschen sich über ihre neuesten
Astrofotos samt ihrer diffizilen Entstehung und Nachbearbeitung aus.
Es ist wieder Freitagabend kurz vor 20
Uhr. Heute steht ein interessanter
Vortrag auf dem Programm, wofür
sich der Referent auch intensiv
vorbereitet hat. Nach und nach sind
die Plätze am großen Tisch wieder
besetzt mit ca. acht bis zwölf
Mitgliedern. Na ja, vielleicht sind es
diesmal auch dreizehn oder vierzehn.
Aber im Wesentlichen fast immer die
Gleichen.
Als Vorsitzender der Vereinigung
Krefelder
Sternfreunde
bin
ich
natürlich sehr froh, dass es nach
Umzug und Beitragsanhebung keine
wesentliche Austritte gegeben hat. Ich
bin aber auch recht unfroh, dass in
unserer neuen Räumlichkeit, von
Sternwarte können wir ja leider noch
nicht richtig sprechen, bislang vielleicht
erst ca. ein Drittel unserer Mitglieder
zu Besuch war.
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Ich kann mir vorstellen, dass es eine
durchaus verständliche Hemmung bei
manchen unter uns gibt, nach längerer Abwesenheit sich mal wieder
sehen zu lassen. Da drohen einem
doch die bekannten dummen Sprüche
und Fragen wie : ….na, mit dir hätten
wir ja nicht mehr gerechnet…., oder
….. gibt es dich denn auch noch
……usw. Wir werden uns große Mühe
geben, dass es nicht zu solchen
Situationen kommt, und dass wir jeden
mit Achtung und Verständnis begegnen und uns über jeden Besucher
freuen.
GOETHE hat sich bekanntlich in
seinem langen Leben stets mit vielen
Menschen umgeben. Alleinsein war
nichts für ihn. Aus seinen Gesprächen
mit ECKERMANN stammt der Satz,
dessen Anfang GOETHE vielleicht aus
der Bibel entlehnt hat :
Es ist nicht gut, dass der Mensch allein
sei, und besonders nicht, dass
dass er allein
arbeitet.
Vielmehr bedarf er der Teil
Teilnahme und
Anregung, wenn etwas gelingen soll.
Ich wünsche mir, dass dies auch eine
Anregung zu einer häufigeren Teilnahme an unseren Veranstaltungen
sein möge. Ich wünsche unseren
Sternfreunden ein recht gesundes und
hoffentlich friedvolles Jahr 2013.
Clear Sky !
Ihr / Euer
W.Verbeek
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Der Sternenbote
Die lange Nacht der WissenWissenschaften
Uwe Winderling
Letztes Jahr im Sommer besuchte ich
meinen Sohn in Berlin. Ich weiß, ganz
in der Nähe, in Potsdam, auf dem
„Telegrafenberg“, befindet sich der
Wissenschaftspark „Albert Einstein“.
Auf diesem Gelände sind die folgenden Forschungs-Institute beheimatet.
Da wären das Deutsche GeoForschungsZentrum (GFZ) (HeimholtzZentrum-Potsdam), das Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung (AWI), das Potsdam-Institut
für Klimafolgenforschung (PIK), das
Astrophysikalische Institut Potsdam
(AIP), Deutscher Wetterdienst (DWD)
und die Nutzergemeinschaft des Wissenschaftsparks. Seit ich weiß, dass
dieser Wissenschaftspark existiert,
hatte ich den Wunsch einmal hierher
zu kommen. Also immer noch letztes
Jahr, machte ich meinem Sohn den
Vorschlag, mit dem Fahrrad hier von
Charlottenburg nach Potsdam zu
fahren und bei der Gelegenheit zu
erkunden, wo sich der Eingang dieses
Forschungsparks befindet und in
wieweit wir, wenn wir einmal da sind,
spontan rein kommen können. Jedenfalls wurde mein Vorschlag angenommen,
obwohl
mein
Sohn,
jedenfalls früher, nicht der „freiwillige
lange Touren-Fahrer“ ist oder war. Am
nächsten Morgen gegen 8:30 Uhr
fuhren wir los.
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Ausgabe 1/2013
Das Wetter war günstig, wenig Wind –
so war es ideal. Wir machten einige
Pausen. U. A. am Wannsee und
natürlich an der Glienicker Brücke mit
einer langen Foto-Pause. Es war schon
sehr eindrucksvoll, hier auf dieser
berühmt-berüchtigten
Brücke
zu
stehen, die im „Kalten Krieg“ als
weltbekannter Austauschort hauptsächlich für Agenten war. So gegen
Mittag kamen wir in Potsdam an. An
Hand der Beschilderung wussten wir
schnell wo wir hin mussten. Und der
„Telegrafenberg“ war auch nicht mehr
weit. Nur führte jetzt noch ein Weg
hoch auf ca. 80 m Höhe. Ich merkte,
dass mein Sohn schon etwas zu
kämpfen hatte. Wir kamen also am
Eingang beim Pförtner an und ich
fragte, ob die Möglichkeit besteht,
einen kleinen Blick in das GFZ zu
werfen, was mich am brennendsten
interessierte. Schließlich lag das
extrem starke Erdbeben in Japan mit
seinen bekannten Folgen erst 5
Monate zurück. Ich hatte seiner Zeit
wie ein Wilder jeden Tag am Computer die immer aktualisierte Erdbeben-Seite in mich eingesogen. Ich
konnte gar nicht glauben was ich da
sah, denn es hörte überhaupt nicht auf
an der Bruchstelle zu beben. So extrem
lange hatte ich es jedenfalls nicht bei
den starken Beben in Haiti und Chile
beobachtet.
Aber es bestand keine Möglichkeit,
außerhalb der bestehenden Besuchsterminen und Tagen der offenen Tür
auf das Gelände zu kommen.
Der Sternenbote
Der Pförtner konnte leider nichts
machen. Ich berichtete ihm vom
Geologischen Dienst (GLD) in Krefeld
und dass ich mich sehr für die
Forschungsarbeit im Bereich Erdbeben
interessiere. Wir wollten mit einem
Dank für das Gespräch wieder gehen
und verabschiedeten uns. Da hielt uns
der Pförtner auf, mit dem Hinweis auf
noch eine Idee. Er führte ein Telefonat
und zeigte uns anschließend in ca.
150 m das „Haus G“ worin sich u. a.
das „GFZ“ befand. Dort wird ein
Mitarbeiter des Instituts auf uns warten, er hat was für uns. Oben
angekommen – wurden wir kurz
begrüßt mit dem Hinweis, dass es ihm
leid tut, aber es gibt keine Besuchszeit
außerhalb der Terminabsprache. Wir
unterhielten uns noch kurz und er
überreichte uns je einen Beutel mit
GFZ-Aufdruck in dem reichlich InfoMaterial war. Der Pförtner wies uns
noch auf den Juni 2012 hin, da dann
in Berlin und Potsdam die „Lange
Nacht der Wissenschaften“ stattfindet
und dann auch der „Telegrafenberg“
mit seinen Instituten für Jedermann
geöffnet ist. Wir sagten nochmal
danke und Tschüss. Ich bemerkte,
dass sich dieser Besuch auf jeden Fall
gelohnt hat. Jetzt fuhren wir den
gleichen Weg wieder zurück. Gegen
18:00 waren wir wieder nach ca. 62
km in Charlottenburg und mein Sohn
war platt.
Das war im August 2011.
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Juni 2012
Weihnachten war vorbei - 2012 war
fast halb rum.
Nun durfte ich dank eines Geburtstagsgeschenks für 4 Tage über ein
Wochenende nach Berlin zu meinem
Sohn mit Freundin reisen. Das
Besondere war, dass ich an diesem
Samstag, den 2. Juni 2012, einige
Institute im Rahmen der „Lange Nacht
der Wissenschaften" besuchen durfte.
Da "nur" 8 Stunden (17:00 - 1:00 Uhr
zur Verfügung standen, habe ich mir
mit meinem Sohn 3 Wissenssäulen
gesetzt und dafür einen Zeitplan
erstellt.
Diese
Säulen
waren
Erdbeben/Tektonik, Wetterforschung
und Astronomie.
Nachdem wir zum frühen Spätvormittag schon in Berlin-Mitte waren
und uns dann am „Alex“ etwas
gestärkt hatten, gingen wir nochmal
unseren Zeitplan durch. Es war zu
schaffen. Also fuhren wir dann gegen
15:00 Uhr mit der S-Bahn nach
Potsdam.
Dort
angekommen,
bekamen wir direkt den ersten ShuttleBus zum Telegrafenberg.
Zuerst besuchten wir einen Vortrag im
Gebäude des großen Refraktors mit
dem Titel: „Die Erde lebt? - Die Erde
bebt!“. Der Seismologe gab uns einen
Einblick in unseren dynamischen
Planeten. Er sagt: "Erdbeben sind
Fenster in das Erdinnere, ohne sie
wüssten
wir
wenig
über
den
Erdaufbau".
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Der Sternenbote
Das "GEOFON", ein vom GFZ entwickeltes und weltweit eingerichtetes
Netz von Erdbebenstationen sendet bei
einem Erdbeben wo immer auf der
Erde die Daten nach Potsdam, wo sie
innerhalb von wenigen Minuten
ausgewertet werden. Das ist dann
aber nur der erste Prozess. Denn je
mehr Erdbebenstationen von den
Erdbebenwellen erfasst werden, je
mehr Daten werden gesammelt - je
genauer ergibt sich ein Bild über die
Stärke und den Ort des Bebens. Das
ist dann auch wertvolle Zeit, in der die
Hilfe früher einsetzen kann. Jedes
Beben weltweit wird auch zeitnah im
Netz online gestellt. Verknüpft mit
Google_Earth kann über ein Link
direkt die Erdposition des Bebens
gesehen werden.
Man muß wissen: Die Stärke eines
Erdbebens wird anhand der international
gültigen
„Richter-Skala“
gemessen. Der Name stammt von
dem amerikanischen Seismologen
Charles Francis Richter. Er legte die
Erdbeben-Stärken in einer Skala fest –
der sogenannten „Richter-Skala“. Nun
musste „Richter“ seine Skala nach den
Stärken der Beben festlegen. Bei dem
Wert -0- musste er anfangen und nach
oben hin hatte er die Skala offen
gelassen. So hat „Richter“ ganz
willkürlich seiner Zeit bei einem sehr
schwachen
Beben
mit
seinen
damaligen Messgeräten den „0-Punkt“
festgelegt. Und dieser „0-Punkt“ gilt
seit den 30er Jahren des letzten
Jahrhunderts bis heute.
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Nun gibt es heute viel genauere und
empfindlichere Seismographen, die
noch weniger starke Beben messen
können, als es der „0-Punkt“ wäre.
Das heißt: Heute werden täglich viele
Beben gemessen, die mit einem –
(Minus) vor der „0“ auf der heute auch
nach unten offenen „Richter-Skala“
registriert werden. Aber diese schwachen Beben werden wir nicht spüren.
Das Spüren eines Bebens fängt je
nach Ort und Situation erst bei ca.
Magnitude 2 – 3 auf der nach oben
offenen Richter-Skala an. Die Stärke
eines Bebens – also die Bodenbewegung – bei einer Magnitude „4“
ist 10 mal so stark wie ein Beben mit
der Magnitude „3“ und die freigesetzte
Energie wirkt sich sogar 30 mal stärker
aus. Das sogenannte RoermondBeben vom 13. April 1992 morgens
gegen 03:20 Uhr, welches wir alle in
guter Erinnerung haben, hatte eine
Magnitude von 5,9. Das stärkste
registrierte Beben wurde 1960 in Chile
registriert und hatte eine Magnitude
von 9,5. Eine höhere Magnitude wie
10,6 wird von den international
tätigen Seismologen ausgeschlossen.
Denn dann würde auf Grund der
Beschaffenheit unserer Erdkruste eben
selbige auseinanderbrechen.
Anschließend hörten wir uns im selben
Raum noch einen Vortrag über
Tsunamis an. An der Planung des
Tsunami-Warnsystems, was als Folge
des verheerenden Tsunami am 26. 12.
2004 im Indischen Ozean installiert
wurde, war das „GFZ“ federführend
beteiligt.
Der Sternenbote
Das ist so ein komplexes Messverfahren, weil da diverse unterschiedliche Sensoren auf dem Meeresgrund sowie in vielen Bojen auf
offener See und das wiederum GPSund Satelliten unterstützt zusammen
arbeiten. Das wäre mal ein Stoff für
einen
spezifischen
Bericht
über
Tsunamis und seine Erforschung. Wir
blieben noch eine Weile auf dem
„Telegrafenberg“. Übrigens hat der
„Telegrafenberg“ seinen Namen seit
1832. Damals wurde eine optische
Telegrafenstation zwischen Berlin und
Koblenz errichtet.
Danach schauten wir uns den großen
Refraktor an. Ihn gibt es seit dem 26.
August 1899 und wurde als Hauptteleskop
des
Astrophysikalischen
Observatoriums Potsdam in Dienst
gestellt.
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Es ist sogar ein Parallelrefraktor mit 2
fest
miteinander
verbundenen
Fernrohren,
welches
auf
einer
parallaktischen Montierung installiert
ist. Das größere Rohr hat 80cm
Durchmesser und 12,2m Brennweite.
Es hat ein korrigiertes Objektiv für den
fotografischen Spektralbereich und ist
das viertgrößte Linsenteleskop- aber
als fotografisch korrigiertes sogar das
größte der Welt. Das kleinere ist für
den
visuellen
Spektralbereich
bestimmt, hat einen Durchmesser von
50cm und auch eine Brennweite von
12,2m. Der bewegliche Teil des
Refraktors wiegt 7 Tonnen. Als wir in
den Kuppelbau eintraten und den
Refraktor sahen, war der erste
Eindruck überwältigend. So ein großes
Teleskop hatten wir noch nie gesehen.
Allein wie es in dem Kuppelgebäude
eingebaut
war.
Über
Zahnradsysteme, Antriebsmotoren, die stählerne Montierung,
Treppenaufgang
zum
Beobachtungsort in einiger
Höhe bis hin zur
Kuppelöffnung
war der Anblick
gigantisch. Sollte
jeder mal gesehen
haben. Seit 1983
steht der Refraktor
samt
Kuppelgebäude
unter
Denkmalschutz.
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Der Sternenbote
Nun kamen wir zum Gelände des
Deutschen Wetterdienstes (DWD) auch
hier auf dem Telegrafenberg. Es ist
eine von 12 Klimareferenzstationen
bundesweit. Der DWD hat ca. 2.200
Mess- und Beobachtungsstandorte. Es
ist eines der leistungsstärksten und
dichtesten Messnetze zur Wetter- und
Klimabeobachtung
weltweit.
Die
Wetterwerte werden halbstündlich
rund um die Uhr das ganze Jahr über
von den zentralen meteorologischen
Größen erfasst. Es gibt drei Gruppen
von Messverfahren. Messen durch
Augenbeobachtung und Messsensorik,
nur durch Augenbeobachtung und nur
durch Messsensorik. Also die Beobachtung durch den Menschen wird
auch in Zukunft weiter große
Bedeutung haben. Z.B. Wettererscheinungen wie Schnee, Regen,
Hagel und Nebel usw. - Wolken wie
Gesamtbedeckung, Gattung und Art
– Neu- und Gesamtschneehöhe –
Erdbodenzustand
z.B.
feucht,
gefroren, nass usw. - horizontale
Sichtweite
und
optische
Erscheinungen. Mit der Sen-sorik
kann man genauere Messungen
vornehmen wie z.B. Luftdruck, Temperatur, Niederschlagsmenge, Frosttiefe und Sonnenscheindauer nur um
einige zu nennen. Eine Besonderheit
hier in Potsdam ist die Messung der
Erdbodentemperatur. Sie wird seit
1895 an vier Terminen (feste
Uhrzeiten) pro Tag in 2, 5, 10, 20, 50,
100cm, mittags auch in 2, 4, 6m und
montags gar in 12m Tiefe gemessen.
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Die Wetterwarte kann auf eine
besonders
umfangreiche,
nahezu
lückenlose Klimabeobachtung seit
1893 hier auf dem Telegrafenberg
zurückblicken. Allein das Geschilderte
und „mehr“ über das Wetter und die
Geschichte dieser Station zu erfahren,
war sehr interessant.
Inzwischen war es 21:00 Uhr. Zeit uns
auf den Weg zur Archenhold-Sternwarte in Berlin-Alt-Treptow zu machen,
was wir mit S- und U-Bahn und
Shuttle-Bus auch gut bewältigten. Ca.
21:50 Uhr kamen wir dort an. Den
Anfang machte eine Vorführung im
Zeiss-Kleinplanetarium.
Sie zeigte uns den Fixsternhimmel im
Laufe eines Jahres. Auch wurde
veranschaulicht, was man sieht, wenn
keinerlei Lichtverschmutzung stört. Das
war ein phantastisches Bild. Natürlich
wurden auch die abend- und
morgendlichen Dämmerungszeiträume gezeigt.
Der Sternenbote
So
ein
Kleinplanetarium
würde
bequem in eine Ecke auf unserem
Schulhof passen. Das Planetarium
hatte 1959 den ersten künstlichen
Himmel an sein Kuppeldach projiziert,
nach
der
Wende
wurde
es
modernisiert und 1982 neu in Betrieb
genommen. Inzwischen war es fast
dunkel geworden, der Mond stand
etwas „störend“ am Himmel.
Der nächste Besichtigungspunkt war
das 21 m große „Archenholdsche
Riesenfernrohr“.
Es ist bis heute mit seinen 21 m
Brennweite das größte Linsenfernrohr
der Erde. Es ist über 110 Jahre alt.
Von 1977 bis 1983 ist es einer umfangreichen Rekonstruktion unterzogen
worden und steht seitdem auch als
Denkmal den Besuchern zur Verfügung. Als es sich bei der Vorführung
in Bewegung setzte und das riesige
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Getriebe seine Arbeit tat, kam nicht
nur bei mir große Begeisterung auf.
Bis auf die exakte Senkrechte wurde es
ausgerichtet und sah dann aus wie ein
Industrieschornstein.
Anschließend
wurden uns Besuchern noch einige
Dreh- und Neigeeinstellungen gezeigt.
Dadurch
konnte
auch
jede
Himmelsposition angefahren werden,
die konstruktionsabhängig möglich
war. Ich hatte Angst, dass es sich
verrenken könnte. Durch die nur 4
Stahlstreben an 4 Seiten des Rohres
kann es immer stabil
gehalten werden. Zur
letzten
Position
gingen wir über ein
freies Gelände des
Sternwartenbereichs.
Etwas
freier
im
Gelände stand eine
kleinere Kuppel, in
der ein 500 mm
Cassegrain-Spiegelteleskop des „VEB“
Carl
Zeiss
Jena
unterbracht war. Wir
mussten ein paar
Stufen hoch steigen,
um in den kleinen,
dunklen nur mit etwas Rotlicht
beleuch-teten Innenraum zu gelangen.
Auch
dieses
Teleskop
wirkte
beindruckend wenn man dicht dabei
stand. Der Astronom hatte wechselweise Saturn, Mars und den Mond
eingestellt. Der Blick zu Saturn mit
seinen Ringen durch dieses Teleskop
war toll.
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Der Sternenbote
Der
Andrang
war
trotz
fortgeschrittener Zeit noch recht groß.
Besonders als wir wieder raus gingen,
hatten sich noch viele Leute um die
auch
von
privat
aufgestellten
Teleskope eingereiht. Es waren ein
Dopson-Spiegelteleskop und zwei
Refraktoren dabei. Irgendwie kam mir
die Situation bekannt vor. Ich scheute
mich nicht auch mal das ein oder
andere Teleskop neu auszurichten.
Schließlich
kam
noch
ein
Hobbyastronom
mit
einem
Museumsstück von Linsen-Teleskop.
Das hölzerne Stativ oder das worauf
das Gerät drauf montiert war, sah
aus, wie ein schmaler alter Barhocker.
Das Gegengewicht ähnelte einem
Schwengel einer alten Wanduhr. Aber
das tolle war, ich lag gar nicht so weit
weg mit dem Eindruck. Denn er hatte
ein Nachführsystem was wirklich mit
Ketten, Gewichten und einem eben
aufziehbaren Zahnradgetriebe aus
einer alten Standuhr funktionierte. Ich
fühlte mich mit dem Eindruck um 100
Jahre zurückversetzt.
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100 Jahre und mehr, so lange
reicht die Geschichte dieser
Sternwarte zurück. Einer der
bekanntesten Astronomen in
Berlin war Wilhelm Foerster
(1832-1921).
Einer
seiner
Studenten war Friedrich Simon
Archenhold (1861-1939). Er
hatte viele Ideen, welche von
Wilhelm
Foerster
nachhaltig
unterstützt wurden. Darunter war
auch
die
Errichtung
des
Riesenfernrohres. Früher war es
die Treptower Sternwarte, später
wurde sie in Archenhold-Sternwarte
umbenannt. Neben dieser Sternwarte
gibt es auch die Berliner Sternwarte,
von der aus im Jahre 1846 der Planet
Neptun entdeckt wurde.
Und so verging mit vielen neuen
Eindrücken die Zeit, die dann auch
schnell bei 1:00 Uhr morgens ankam.
Damit
endete
diese
überaus
faszinierende,
wissensreiche
und
beeindruckende
„Nacht
der
Wissenschaft“ hier in Potsdam und
Berlin-Alt-Treptow. Da wir am Bahnhof
Friedrichstraße umsteigen mussten,
genehmigten wir uns gegen 01:45
Uhr dort noch eine der leckersten
Curry-Würste hier in Berlin, natürlich
mit Pommes und Mayo. Das musste
noch sein – da waren wir uns einig.
Wir hatten ja keinen Zeitdruck, denn
die U- und S-Bahnen fuhren ja die
ganze Nacht. Gegen 02:45 Uhr waren
wir
dann
aber
wieder
in
Charlottenburg.
Alle Bilder © Uwe Winderling
Der Sternenbote
Deep Sky Objekte für das kommende Quartal (12)
Stephan Küppers
Als erstes Objekt, das man auch zeitig
im Quartal aufsuchen sollte, habe ich
den Offenen Sternhaufen M48 in der
Wasserschlange ausgewählt. Dieser
kulminiert Ende Januar gegen Mitternacht.
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Es handelt sich um einen hellen (5,8
mag) und großen (54’) Sternhaufen im
Sternbild Wasserschlange an der
Grenze zum Sternbild Einhorn, der allerdings nicht so sehr hoch über den
Horizont kommt. Der Sternhaufen ist
1.500 Lichtjahre entfernt und ca. 300
Millionen Jahre alt.
Bereits unter gutem Krefelder Himmel
im 5-Zöller sieht man „ca. 35 recht
helle Sterne in Form einer Parabel, an
einem Ende sternleeres
Gebiet, davor aber stärkere Verdichtung von
Sternen“.
(Martin
Schoenball,
16.02.2001).
Mit 10 Zoll und unter
gutem Landhimmel kann
sich dagegen folgender
Anblick ergeben: “Bei
50x passt der Haufen
noch schön in das Gesichtsfeld, allerdings sollte man nicht höher vergrößern. Im Zentrum
stehen die Sterne dichter
wie in den Randbezirken. Insgesamt sind ca.
80 Sterne zu erkennen,
die mehr oder weniger
alle dieselbe Helligkeit
haben. Es sind jedoch
auch noch schwächere
Mitglieder
erkennbar.
Der Haufen ist nicht
sonderlich konzentriert,
hebt sich jedoch gut vom
Umfeld ab.“
(Christian Busch, 2003)
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Der Sternenbote
In der gesamten ersten Jahreshälfte
gibt es eine Unmenge von sehenswerten Galaxien, von denen ich nachfolgend zwei präsentieren möchte, NGC
2841 im Großen Wagen und NGC
4490 in den Jagdhunden.
Bei NGC 4490 handelt es sich um eine Balkenspiralgalaxie mit einer Winkelausdehnung von 6,3’ * 3,1’ und
einer scheinbaren Helligkeit von 9,5
mag. Sie bildet mit der benachbarten
Galaxie NGC 4485 ein wechselwirkendes Paar. NGC 4490 wurde am
14.01.1788 von Wilhelm Herschel
entdeckt.
Bereits im 3“-Refraktor ist die Galaxie
zu sehen: „Hell und rund bis leicht oval. Beta Canum Venaticorum hilft
beim Aufsuchen. Gut sichtbares System.“ (Matthias Juchert, 12.05.2001)
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Im 8“ Dobson und unter gutem Landhimmel steigert sich der Anblick: „Die
Galaxie erscheint bei 100x wirklich
sehr hell und hat auch noch eine recht
große Ausdehnung. Sie erscheint mit
einer Elongation von 2-2.5:1 oval bis
leicht länglich. Die Helligkeit nimmt
mäßig zur Mitte hin zu und im Zentrum kann man einen helleren, stellaren Kern ausmachen. Die Ränder
laufen diffus nach
außen hin aus. Die
Galaxie bildet mit
zwei helleren Sternen ein Dreieck.
Wirklich ein sehr
schönes Objekt.“
(Christian
Busch,
14.04.2004)
NGC 2841 ist ebenfalls eine Spiralgalaxie, die ca. 50 Millionen Lichtjahre
entfernt ist. Sie besitzt eine Winkelausdehnung von 8,1’ * 3,5’ und eine
scheinbare Helligkeit von 9,3 mag.
Diese Galaxie wurde von Wilhelm
Herschel ca. 2 Monate nach NGC
4490 entdeckt, und zwar am
09.03.1788.
Der Sternenbote
Die Galaxie ist bereits für kleine Geräte ein dankbares Objekt. Im 3“Refraktor, allerdings unter gutem
Landhimmel, ergibt sich folgender Anblick:
„Liebe auf den ersten Blick. Diese Galaxie ist einfach wunderschön. Sie
stand ideal halbhoch, war durch einfaches Starhopping zu finden und sofort zu erkennen. Im 25mm Okular
zeigte sie sich dann deutlich langgestreckt. Auffällig war ein heller Stern
der sie am Rande in gediegenem Abstand begleitete. …. Ausdehnung etwa
3:1.“
(Matthias Juchert, 14.01.2002)
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Mit einem 8“-Dobson, ebenfalls unter
gutem Landhimmel, entfaltet sich die
ganze Pracht dieses Objektes:
„Hier hat man wieder eine sehr schöne, vor allem helle Galaxie vor sich.
Sie befindet sich in einem sternreichen
Umfeld aus hellen Sternen und bei
100x ist eine helle Lichtnadel zu sehen, die ca. 2.5-3:1 elongiert ist. Da
sie eine sehr hohe Flächenhelligkeit
besitzt, ist sie auch mit direktem Sehen
sehr einfach zu erkennen. Im Zentrum
kann man einen sehr hellen, stellaren
Kern ausmachen. Die Helligkeit der
Koma nimmt zur Mitte hin mäßig zu.
Auch wieder ein sehr schönes Objekt
für kleine Teleskope.“
(Christain Busch, 04.12.2003)
Seite 13
Der Sternenbote
Dasburg 2012
Dieter Malschützky
Am 12.10. war es wieder soweit:
Frank hatte erneut dazu aufgerufen,
uns in Dasburg zu treffen. Und wir
kamen: Rüdiger Patommel, Heike und
Michael Köppl, Ogle und Regina Burian, Gert Külkens, Dietmar Stache,
Jens Naujoks, Frank Thielen und der
Autor. Gert hatte wie immer seine
Hündin
Erna
mitgebracht.
Der
aufmerksame
Dasburg-ReportagenLeser merkt natürlich sofort, dass zwei
Vierbeiner fehlen: Liebling ist schon
was älter und ihr ging es nicht so gut,
sowie Sandy. Sie war die Woche zuvor
gestorben.
Der Tag hatte sehr trüb angefangen
und es wurde überhaupt nicht hell.
Von daher war mir klar, dass ich
nichts warmes mitzunehmen brauchte,
da wir eh nicht draußen beobachten
können. Nun ja...
Um 20 Uhr trafen wir uns zum Abendbrot und wie immer in Dasburg: mit
Dicken Bohnen. Jens sprach von seinem Beamer mit 2500 Asi-Lumen (OTon) und ich lernte das Ehepaar Burian kennen. Sie waren das erste Mal
hier in Dasburg und hatten auf Ihrer
Hinfahrt bei ihrem Navi nur Dasburg
eingestellt, was bei einem Ort mit 200
Einwohnern natürlich kein Problem
darstellt, wenn man eine von 3 Gaststätten sucht...
Seite 14
Ausgabe 1/2013
Mit der einsetzenden Nacht nahm das
Unheil seinen Lauf: Es klarte auf und
bald war keine Wolke mehr zu sehen.
Das sollte Folgen haben: Jens hatte
sich in unserem Domizil teleskoptechnisch bereits häuslich eingerichtet und
war nicht bereit, alles wieder einzupacken und auf unseren Hausberg zu
gehen. Desgleichen Gert: Er brauchte
ein paar Nachhilfestunden von Dietmar, da er sich eine neue Montierung
besorgt hatte und von einem erfahrenen Astronomen gezeigt bekommen
wollte, wie man sie richtig justiert. Die
Burians hatten auch ihr Teleskop mitgenommen und waren mit dem Balkon durchaus zufrieden und die
Köppls bevorzugten die warme Rückzugsposition im Wohnzimmer vor der
kalten Hochebene.
Nicht so Frank und Rüdiger. Nach einem kleinen verbalen Disput zwischen
Frank, Jens und Gert zogen Frank und
Rüdiger zum Guckmal. Ich zog kurze
Zeit später hinterher und sollte dafür
reichlich belohnt werden. Das war der
beste Sternenhimmel, den ich in Mitteleuropa je gesehen habe. Und das
gar nicht so weit von zu Hause entfernt. Anders ausgedrückt: Der Unterschied zwischen Krefeld und Dasburg
ist nachthimmeltechnisch etwa genauso groß wie zwischen Dasburg und
Namibia. Die Experten unter den
Nachtschwärmern wissen natürlich,
dass es nachts oft umso klarer ist, je
mehr es tagsüber geregnet hat. Und
umgekehrt kann es im Sommer bei tagelanger Hitze eher trübere Nächte
geben.
Der Sternenbote
Aber von Hitze konnte in dieser Nacht
keine Rede sein. Nach 1 Stunde und
ein paar Fotos vom Jupiter mit meiner
Digitalkamera war ich vollkommen
durchgefroren, und zog unter Protesten von Frank und Rüdiger vondannen.
In unserem Domizil wieder angekommen, traf ich auf eine zweigeteilte Gesellschaft: Diejenigen, die auf dem
kalten Balkon heiße Sterne guckten
und die, die im warmen Wohnzimmer
eiskaltes Bier tranken. Selbst hier, in
dieser hellen Umgebung, konnte man
extrem viele Sterne sehen. Und in der
warmen Stube konnte man sich aus
dem prall gefüllten Kühlschrank bedienen und extrem viel Bier trinken.
Nach Mitternacht
kamen unsere Teletubbies
nach
Hause:
TinkyWinky (zur Erinnerung: das war der
große blaue) alias
Frank und Po (rot)
alias Rüdiger. Wir
gingen dann in
den
inoffiziellen
Teil über. Wie jedes Mal verteilte
Gert
seine
mit
Sternen bedruckten
Notizblöcke
und
Frank packte seine
Zimtsterne aus. So hatte jeder zum
Gelingen des Abends etwas mitgebracht. Mit einer Ausnahme: Der Autor, der alte Schmarotzer, hatte natürlich mal wieder nichts beizutragen.
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1/2013
/2013
Dann folgte eine stundenlange heiße
Diskussion über viele innen- und außenpolitische Themen, deren Inhalt
traditionsgemäß größter Geheimhaltung unterliegt und das Wohnzimmer
niemals verlassen darf.
Mein Zimmergenosse Gert und ich
streckten so gegen 3 Uhr früh die Flügel und versuchten so wenigstens ein
paar Stunden zu schlafen. Frank gehörte natürlich wie immer zu denjenigen, die es am längsten aushielten.
Sein Wahlspruch lautet ja schließlich:
Schlafen kann man immer noch, wenn
man tot ist...
Nach einer kurzen Nacht ging es dann
am nächsten Morgen um 10 Uhr zum
Frühstück.
Zurück im Hotel sah man sich dann
die Fotos der letzten Nacht an. Und
Gert ließ sich von Dietmar die richtige
Orientierung gen Norden an seiner
neuen Montierung erläutern.
Seite 15
Der Sternenbote
Gert wurde an dieser Stelle nicht müde, immer wieder zu betonen, dass bei
der ersten „offiziellen“ VKS-NamibiaFahrt die Fachleute 3 Tage brauchten,
um festzustellen, dass ihr Teleskop
fälschlicherweise auf den Nordpol und
nicht auf den Südpol ausgerichtet
war...
Frank und ich hatten dagegen etwas
anderes im Sinn: Wir fuhren nach
Luxemburg Stadt: Er, um vom Turm zu
springen, ich, um mir die Hauptstadt
des einzig verbliebenen Großherzogtums der Welt anzuschauen (Anm.: Es
gab tatsächlich mal ein Großherzogtum Niederrhein!). Die Innenstadt
stand ganz im Zeichen der Vorbereitung der Hochzeit des Erbgroßherzogs
Guillaume mit Stéphanie am darauffolgenden Wochenende.
Luxemburg ist nicht nur interessant für
alle Euromünzensammler, sondern hat
auch eine eigene Sprache mit Fernsehund Radiosender. Kostprobe gefällig?
„Doosber ass eng Uertsgemeng am
Äifelkrees Béibreg-Prüm a RheinlandPfalz am Däitschland. Um Fouss vun
der Uertschaft fléisst de Grenzfloss
Our“. (Quelle: Wikipedia) Alles klar?
Auf dem Weg zurück in die westlichste
Gemeinde von Rheinland-Pfalz begann es in Strömen zu gießen. Bei
dem vielen Wasser lag es nicht fern,
dass ich eine allgemeine Unterweisung
im Turmspringen bekam. Auch nach
dem Abendessen war an Astronomie
zunächst nicht zu denken. Daher
schlug zunächst die Stunde von Jens
und seinem reichhaltigen Bestand an
Höhepunkten der amerikanischen
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Ausgabe 1/2013
Filmgeschichte. Zunächst schauten wir
uns „Nachbarn der 3.Art“ an. Ich habe
mich ernsthaft gefragt, wieso Ben Stiller seinen Namen für solch einen
Schwachsinn hergibt. Der zweite Film
war „Ohne jede Spur“. Hier sucht eine
komplett entstellte Frau ihren Mann im
Krankenhaus nach seiner Operation.
Sie hätte dagegen besser den Arzt
nach ihrer Schönheitsoperation auf
Schmerzensgeld verklagt...
Am restlichen Abend passierte nicht
mehr viel. Teils wegen der schlechten
Wetterverhältnisse, teils wegen des
langen Vorabends; vielleicht aber
auch, weil nicht mehr jede Biersorte in
ausreichender Menge im Kühlschrank
vorhanden war.
Die Highlights sind schnell erzählt: Erna versuchte, ihren Genen folgend, so
Gert, ein Loch in den Teppich zu graben. Und man konnte die von dem
Scheinwerfer angestrahlte Burg (genau: die Dasburg!) in der dahinterliegenden Wolkendecke gut wiedererkennen.
Nach einer deutlich längeren Nacht
trafen wir uns zum Frühstück wieder
und verabredeten uns danach fürs
nächste Mal. Wir treffen uns nächstes
Jahr natürlich wieder in Dasburg und
zwar diesmal ausnahmsweise, wegen
des Feiertags, schon vom Mittwoch,
den 2.Oktober bis zum Sonntag, den
6. Oktober. Also noch mehr Sterne
und vor allem noch viel mehr Bier...
Der Sternenbote
Neues aus der astronomischen
Forschung (41)
Wolfgang Verbeek
1. Tropische Methanseen auf Ti
Titan.
Bereits beim Abstieg der Sonde Huygens im Januar 2005 auf den Saturnmond Titan waren Flusslauf-ähnliche
Strukturen entdeckt worden. Bei weiteren Untersuchungen der Sonde Cassini waren in hohen polaren Breiten Methanseen entdeckt worden. Nun sind
im Bereich des Titanäquators auch
große mit Flüssigmethan bedeckte
Gebiete mittels Infrarot-Aufnahmen
aufgefunden worden mit einer Ausdehnung von 2400 Quadratkilometern (SuW.9/12,S.14).
2. Startschuss
Startschuss für den Bau von FAIR.
Das Bundesministerium für Bildung
und Forschung hat im Juli 2012 Fördermittel in Höhe von 526 Millionen
Euro für den Bau von FAIR (Facility for
Antiproton and Ion Research) bewilligt.
Mit dem zu bauenden doppelten Ringbeschleuniger von 1,1 Kilometer Umfang sollen die Eigenschaften des
Quark-Gluon-Plasmas erforscht werden, das Millionstel Sekunden nach
dem Urknall existierte
(SuW.9/12,S.15).
3. Mission Euclid genehmigt.
Die ESA gab im Juni 2012 die Genehmigung zum Bau des Weltraumteleskops Euclid bekannt.
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Das Teleskop wird einen Spiegel von
1,2 Meter Durchmesser haben und soll
mit diversen Geräten im sichtbaren
und nahinfraroten Licht die dreidimensionale Verteilung von ca. zwei Milliarden Galaxien erfassen.
© Foto: dpa, C. Carreau
Daraus werden sich auch genauere
Hinweise zur Dunklen Materie ergeben
(SuW.9/12,S.15).
4. Extrem enge Doppelsterne.
Mit einem Infrarot-Teleskop haben
Astronomen vom Observatorium in
Leiden vier Doppelsternsysteme aus
Roten Zwergen entdeckt, die in weniger als vier Stunden ihren gemeinsamen Schwerpunkt umrunden
(SuW.9/12,S.16).
Seite 17
Der Sternenbote
5. Herakles hat einen Mond.
Der 3,6 Kilometer große erdnahe
Kleinplanet Herakles wird von einem
600 Meter großen Mond in einem Abstand von ca. vier Kilometern umrundet. Für einen Umlauf benötigt der
Mond zwischen 40 und 57 Stunden
(SuW.9/12,S.16).
6. Ein uralter Einschlagkrater.
Dänische Wissenschaftler haben auf
Grönland die Reste eines riesigen Einschlagkraters entdeckt, der vor ca. drei
Milliarden Jahren entstand. Die Forscher schätzen den Krater auf einen
Durchmesser von 500 bis 600 Kilometer und den verursachenden Meteoriten auf bis zu 30 Kilometer Durchmesser. Ein Einschlag dieser Größenordnung gilt unter Impaktforschern als
globaler Killer, für höheres Leben auf
der Erde absolut fatal
(SuW.9/12,S.18).
7. Plutos Monde.
Bei Untersuchungen zur Vorbereitung
auf den 2015 geplanten Vorbeiflug
der Sonde New Horizons beim Zwergplaneten Pluto wurden zwei weitere
Monde entdeckt. Während Pluto und
sein großer Mond Charon ein enges
Doppelsystem
mit
gemeinsamen
Schwerpunkt bilden, umkreisen dieses
die Monde P 5, Nix, P 4 und Hydra
von innen nach außen. Bei einer Umrundung bei der im gesamten Sonnensystem bislang unbekannten doppelt
gebundenen Rotation benötigen Pluto
und Charon sechs Tage, neun Stunden
und 17 Minuten (SuW.9/12,S.22).
Seite 18
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8. Aus für zwei UK Teleskope.
Der United Kingdom Science and
Technology Council muss aus Geldmangel zwei Telescope auf dem Mauna Kea außer Betrieb nehmen. Falls
keine neuen Sponsoren gefunden
werden, wird das 3,8 Meter InfrarotTeleskop UKIRT sowie das James Clark
Maxwell Teleskop von der Schließung
betroffen sein. Das United Kingdom ist
aber weiterhin an ALMA und dem EELT beteiligt und betreibt auf den Kanarischen Inseln weitere drei Teleskope (SaT.9/12,S.14).
9. Curiosity auf dem Mars.
Eine Bilderbuch-Landung vollzog der
neueste NASA Mars-Rover Curiosity,
als er am 6. August 2012 pünktlich
um 7.31 Uhr MESZ auf dem Roten
Planeten aufsetzte. Der vorgesehene
Landepunkt im Krater Gale wurde nur
um 2,1 Kilometer verfehlt. Der mächtige Zentralberg Aeolis Mons überragt
den Landeplatz um rund 5500 Meter
und soll bei einer Entfernung von ca.
sechs Kilometern von Curiosity in etwa
einem
Jahr
erreicht
werden
(SuW.10/12,S.12).
10.
10. Kollision von
von M 31 mit der MilchMilchstraße.
Neuere Messungen des Hubble Space
Telescope sowie sorgfältige Computersimulationen erlauben Aussagen über
die Kollision der Andromeda-Galaxie
mit der Milchstraße in ca. vier Milliarden Jahren.
Der Sternenbote
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11.
Chang’eChang’e-2 auf
dem Weg zu Tou
Toutatis.
Die ehemalige Mondsonde Chang’e-2 der
Volksrepublik
China
befindet sich seit Juni
2012 auf dem Weg zum
Asteroiden Toutatis. Sie
wird den kleinen Himmelskörper am 12. Dezember 2012 erreichen.
Chang’e-2 hielt sich
nach Abschluss ihrer
Mondmission für zehn
Monate in einer Parkposition am Lagrangepunkt L 2 auf
(SuW.10/12,S.18).
Danach wird M 31 die Milchstraße auf
ihrer schmalen Seite treffen, wodurch
das Sonnensystem weiter nach außen
befördert wird. Wie tröstlich, dass wir
dies
nicht
miterleben
müssen
(SaT.9/12,S.18).
12. Erdähnliche PlanePlaneten all
allüberall.
Bislang war man davon
ausgegangen, dass metallarme Sterne, die also
fast nur aus Wasserstoff
und Helium bestehen,
kaum erdähnliche, felsige und daher metallreiche Planeten bilden
können. Nun fanden dänische Astronomen bei der Untersuchung der
Spektren von 152 Sternen, bei denen
das Weltraumteleskop Kepler insgesamt 226 Kandidaten von Exoplaneten
gefunden hatte, dass erdähnliche, also
metallreiche Planeten bei allen Sterntypen in etwa gleich häufig anzutreffen
sind (SuW.10/12,S.22).
Seite 19
Der Sternenbote
13. Der Quasar J1120+0641.
Der Quasar mit seinem extrem massereichen Schwarzen Loch von ca. zwei
Milliarden Sonnenmassen ist nach
heutiger Erkenntnis das am weitesten
entfernte Objekt seiner Art. Seine heiße Akkretionsscheibe macht ihn bei
einer Rotverschiebung von z=7,1 zum
hellsten Objekt im frühen Universum.
Besonders erstaunlich ist, dass der
Quasar in seiner Akkretionsscheibe
große Mengen atomaren Kohlenstoffs
enthält, obwohl die Welteninsel bei einer Entfernung von ca. 13 Milliarden
Lichtjahren erst ein Alter von ca. 740
Millionen Jahren nach dem Urknall
aufweist (SuW.10/12,S.27).
14. NEONEO-Suche.
Zur Auffindung von gefährlichen
NEO’s (Near Earth Objects) hat sich
eine private Gruppe ehemaliger Astronauten, Spacecraft-Designers und
Asteroid-Spezialisten zusammengefunden, die ca. 2017 die Sonde Sentinel
auf eine Umlaufbahn um die Sonne im
Abstand der Venus bringen wollen.
Sentinel wird mit einem 0,5 Meter
Spiegelteleskop samt Infrarotdetektor
ausgestattet sein und kann auf ihrer
siebenmonatigen Reise um die Sonne
in 26 Tagen den gesamten Himmel
nach Objekten ab einer Größe von ca.
140 Metern absuchen. Derzeit werden
die Mittel für Sonde und Transport in
Höhe von ca. 500 Millionen Dollar
eingeworben (SaT.10/12,S.13).
Seite 20
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15. Dunkle Materie.
Deutsche Astronomen der Uni München haben offenbar deutliche Hinweise für die Existenz der Dunklen Materie entdeckt. Bei der Beobachtung
des ca. drei Milliarden Lichtjahre entfernten Superclusters Abell 222/223
mit Hilfe des Subaru-Teleskops auf
Hawaii und des ESA-Weltraumteleskops XMM-Newton wurde über
den Gravitationslinseneffekt eine massereiche Wolke zwischen den beiden
Galaxienhaufen entdeckt, die auf
Grund ihrer Unsichtbarkeit aus Dunkler Materie bestehen muss
(SaT.10/12,S.14).
© Jörg Dietrich, University of Michigan /
Universitätsobservatorium München
Der Sternenbote
16. Zucker im All.
Mit Hilfe des Radiointerferometers
ALMA (Atacama Large Millimeter Array) konnten Astronomen der Universität Kopenhagen in der zirkumstellaren
Gaswolke um den jungen Doppelstern
IRAS 16293-2422 Glycolaldehyd, einen einfachen Zucker, nachweisen.
Desweiteren wurden Moleküle wie Ethylenglycol und Ethanol gefunden
(SuW.11/12,S.14).
17. Ein Doppelstern mit zwei PlanePlaneten.
Das System Kepler 47 besteht aus einem sonnenähnlichen Stern und einem um zweidrittel masseärmeren Roten Zwerg, die sich mit einer Periode
von 7,45 Tagen umkreisen. Das Weltraumteleskop Kepler konnte nun zwei
Exoplaneten identifizieren, von denen
sich der äußere der beiden bei einer
Umlaufzeit von 303,2 Tagen in der
habitablen
Zone
befindet
(SuW.11/12,S.15).
© DPA / NASA / JPL-Caltech / T. Pyle
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18.
WISE entdeckt Millionen von
Schwarzen Löchern.
Der Wide-field Infrared Survey Explorer (WISE) stieß bei seiner Durchmusterung des gesamten Himmels im Infraroten auf rund 2,5 Millionen
Schwarze Löcher, die sich in den Zentren von Galaxien verbergen und derzeit größere Mengen an Material verschlingen (SuW.11/12,S.16).
19. Jupitersonde Juno auf Kurs.
Durch ein halbstündiges Antriebsmanöver wurde am 30. August 2012 die
Jupitersonde Juno auf den Weg zur
Erde gebracht, die sie am 9. Oktober
2013 in geringem Abstand passieren
soll. Sie holt dort bei einem Swing-ByManöver Schwung, um den Riesenplaneten Jupiter am 4. Juli 2016 erreichen zu können (SuW.11/12,S.16).
20. Ein Su
Superkomet im Anflug?
Der am 21. September 2012 von zwei
russischen Amateurastronomen entdeckte
Komet
C/2012
S1
(ISON)
könnte
nach vorsichtigen
Prognosen zu einem Jahrhundertkometen werden.
Er wird am 28.
November 2013
in einem Abstand
von nur 1,8 Millionen Kilometern
an der Sonne vorbeiziehen
und
dürfte
ab
der
Seite 21
Der Sternenbote
zweiten Novemberhälfte am Nordhimmel bereits mit dem bloßen Auge
sichtbar sein. Optimisten vermuten
gar, dass er mit einer Helligkeit von 15 mag heller leuchten könnte, als der
Vollmond und sogar am Taghimmel
zu sehen sein müsste
(SuW.11/12,S.17).
21. H.E.S.S. II in Betrieb ge
genommen.
Inmitten der vier seit dem Jahr 2004 in
Betrieb befindlichen H.E.S.S. I Teleskope wurde mit H.E.S.S. II ein deutlich größeres Tscherenkow-Teleskop
installiert und Ende September 2012
in Betrieb genommen. Das Gerät hat
einen Spiegeldurchmesser von 28 Metern und bei einer Brennweite von 36
Metern eine Spiegelfläche von 614
Quadratmetern. Die Kamera mit ihren
hochempfindlichen Detektoren hat eine effektive Belichtungszeit von 16
Nanosekunden und eine Bildaufnahmerate von 3600 Bildern pro Sekunde
(SuW.11/12,S.34).
Ausgabe 1/2013
22. Die USUS-Mondflaggen.
Mondflaggen.
Der NASA Lunar Reconnaissance Orbiter hat mit Hilfe seiner hervorragend
scharfen Kamera gezeigt, dass fünf
der sechs seinerzeit von den ApolloMissionen auf dem Mond zurück gelassenen US-Flaggen noch stehen, aber auf Grund von Sonnenwind und
Weltraumstrahlung weiß verblichen
sind. Die Flagge von Apollo 11 ist, wie
Astronaut Buzz Aldrin seinerzeit berichtete, beim Rückstart umgeblasen worden (SaT.11/12,S.16).
23. Frühe Spiralgalaxien sind sel
selten.
Die frühe Galaxienbildung führt normalerweise zu unregelmäßig aufgeblähten und ungeordneten Strukturen.
So war es höchst verwunderlich, dass
bei der Untersuchung der erst drei Milliarden Jahre nach dem Urknall entstandenen Galaxie Q 2343 eine Spiralstruktur gefunden wurde, eine einzige Galaxie von 306 Exemplaren
ähnlichen Alters. Man vermutet, dass
der gravitative Effekt einer vorbeidriftenden Zwerggalaxie die
Spiralstruktur hervorgerufen hat.
Auch die Milchstraße könnte
durch die Interaktion mit der
Zwerggalaxie Sagittarius ihre
Form
bekommen
haben
(SaT.11/12,S.18).
SuW. Sterne und Weltraum
SaT. Sky and Telescope
Image Courtesy: H.E.S.S. Collaboration
Seite 22
Der Sternenbote
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/2013
Termine, Veranstaltungen u. Vortrags
Vortragsreihen der VKS
Stand: 22.
22. Dezember 2012
Kurzfristige Termine und Änderungen entnehmt bitte unserer Homepage
(http://www.vks-krefeld.de)
Beginn der Vorträge
Vorträge in der Sternwarte jeweils 20:30 Uhr
(Wer einen Vortrag halten möchte, bitte bei Rainer Gorissen melden!)
Januar 2013
2013
Do.
Do. 17.0
17.01.
7.01.
18:00 Uhr
Die „Rollende Sternwarte“
KiTa Maria Waldrast, Krefeld-Forstwald
Mo. 21.01.
21.01.
18:00 Uhr
Die „Rollende Sternwarte“
Jugendzentrum Willich, Bonhöferstraße Willich
Do. 24.01.
24.01.
18:00 Uhr
Die „Rollende Sternwarte“
KiTa Fugendonk, Krefeld-Oppum
Fr. 25.0
25.01.
20:30 Uhr
Nukleosynthese im Universum
Dr. Wolfgang Verbeek - Sternwarte
Februar 2013
Fr. 15.02.
20:30 Uhr
Einfache und ausgefallerene Beobachtungsobjekte im
Frühling
Gert Külkens, Stephan Küppers - Sternwarte
Mo.
Mo. 18.
18.02.
02.
18:30 Uhr
Die „Rollende Sternwarte“
KiTa Lüderstraße, Krefeld-West
Di.
Di. 19.02.
02.
19:00 Uhr
Die „Rollende Sternwarte“
Stahldorfschule, Krefeld
Fr. 22.0
22.02.
20:30 Uhr
Chemische Moleküle im Universum
Dr. Wolfgang Verbeek - Sternwarte
Seite 23
Der Sternenbote
Ausgabe 1/2013
Februar 2013 Fortsetzung
Ab Mo.
25.02. (7x)
20:00 Uhr –
21:30 Uhr
Orientierung am Sternen
Sternenhimmel (VHS(VHS-Kurs)
Klaus-Michael Köppl
Krefelder Sternwarte, Danziger Platz 1
(Neubau, Eingang über Schule Linn, Oppum)
Kosten: 34,40 EUR
März 2013
Fr.
Fr. 15.03.
15.03.
20:00 Uhr
Sa. 16.03.
16.03.
Astrodinner
Krefelder Hof, Uerdinger Straße, Krefeld
Bundesweiter Tag der Astronomie
Sternwarte – Näheres folgt
Mo.
Mo. 18.03
18.03.
8.03.
19:00 Uhr
Die „Rollende Sternwarte“
Johannsenschule, Krefeld-Linn
Di. 19.03.
19.03.
19:00 Uhr
Die „Rollende Sternwarte“
Jahnschule Krefeld (1. Termin)
Di. 19.03.
19.03.
19:30 Uhr
Auf der Jagd nach den höchstenergetischen Teichen
im Universum
Professor Dr. Karl-Heinz Kampert
Volkshochschule Krefeld, VHS-Haus
Kosten: 5 EUR
Mi. 20.03.
20.03.
19:00 Uhr
Die „Rollende Sternwarte“
Jahnschule Krefeld (2. Termin)
Fr. 22.03
22.03.
2.03.
19:30 Uhr
Jahreshauptversammlung 2013
Sternwarte, Krefeld-Linn, Danziger Platz 1
Seite 24