Wozu gibt es Zentralbanken?

 Wozu gibt es Zentralbanken?
In früheren Zeiten gaben etliche Geschäftsbanken eigene Banknoten aus. Seit etwa 100
Jahren ist dies das Monopol staatlich privilegierter Zentralbanken, die deshalb auch
Nationalbanken oder Notenbanken heißen. In der Eurozone bilden die Nationalbanken der
Euroländer das Euro-System und haben mit der Europäischen Zentralbank eine
gemeinsame Notenbank.
Zentralbanken lassen Banknoten drucken, bringen sie in Umlauf und dürfen die Banknoten
auch wieder einziehen und vernichten. Geschäftsbanken müssen bei der Zentralbank
gewisse Mindesteinlagen halten und können sich von der Zentralbank Geld leihen. In
außergewöhnlichen Situationen kaufen Zentralbanken auch Staatsanleihen und helfen mit,
Ländern ihre Staatschulden günstiger zu finanzieren. In vielen Ländern sind die
Zentralbanken auch an der Aufsicht über die Geschäftsbanken beteiligt.
Wie funktioniert die Geldpolitik der Notenbanken im Detail?
Die Zentralbank steuert ihre Geldpolitik einerseits über die Zinsen für Einlagen bzw. ihre
Kredite, andererseits über die von den Banken geforderte Mindesteinlage. Der von der
Zentralbank geforderte Zins ist das Hauptinstrument der Zentralbank: Dies ist der
sogenannte Leitzins. Er wird in regelmäßigen Abständen mit Blick auf die wirtschaftliche
Lage neu festgesetzt. Über Kredite an Geschäftsbanken bringt die Zentralbank Geld in
Umlauf. Das bedeutet: Die Zentralbank schafft Geld, das sie an Geschäftsbanken verleiht
und das diese wiederum an ihre KundInnen weiterverleihen. Um mehr Geld in Umlauf zu
bringen, wird es den Geschäftsbanken von der Zentralbank zu einem besonders günstigen
Zinssatz angeboten. Dies ermöglicht es den Banken, das geliehene Geld günstig
weiterzugeben. Droht die Geldmenge zu rasch zu wachsen, erhöht die Zentralbank den
Leitzins und die Mindesteinlage der Banken.
Damit sind wir bei einer weiteren Kernaufgabe der Zentralbanken: Sie sind gesetzlich
verpflichtet, die Inflation niedrig zu halten. Außerdem ist die Zentralbank für die Verwaltung
der Gold- und Währungsreserven eines Staates verantwortlich. Diese werden als „eiserne
Reserve“ für Interventionen im Devisenmarkt und zur Finanzierung des Außenhandels
benötigt.
Was ist eine „Seigniorage“?
Zentralbanken erwirtschaften durch die Geldschöpfung einen Gewinn. Man nennt dies
Seigniorage. Denn Zentralbankgeld wird den Geschäftsbanken in der Regel nur gegen
Zinsen zur Verfügung gestellt, selbst trägt es aber keine Zinsen. Den Gewinn kann die
Zentralbank für sich abschöpfen. Ein Teil dieses Gewinns landet im Staatshaushalt.
Im Rahmen der derzeitigen Krise greifen Zentralbanken zunehmend zu unorthodoxen
Maßnahmen. Sie halten den Leitzinssatz deutlich unter der Inflationsrate. Sie leihen den
Geschäftsbanken zu sehr niedrigen Zinsen Geld, um deren wirtschaftliche Basis zu stärken.
Und sie kaufen in größerem Umfang Staatsanleihen, um Anleihenmärkte liquid zu halten und
das Zinsniveau zu reduzieren.
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