Partnerschaftlich begleiten – nicht gängeln!

MACHE R & MÄRK T E
Engagement
Engagement im Pächterverband
Partnerschaftlich begleiten –
nicht gängeln!
Hans-Joachim Rühlemann leitet den Berliner Tankstellenverband VGT und
ist Vorstand im Bundesverband ZTG. Partnerschaft mit den Gesellschaften
sei nur auf Augenhöhe möglich, ist der 64-Jährige überzeugt.
© Ruopp
Tankstellenpächter
Hans-Joachim
Rühlemann.
H
ans-Joachim Rühlemann ist unkompliziert. „Ich hole Sie um elf
Uhr am S-Bahnhof Tegel ab.
Dann fahren wir raus zur Tanke.“ Gemeint ist die erste Autobahnstation am
Zubringer zur A111 Richtung Hamburg,
da, wo früher die Grenzstation der DDR
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stand. Die Agip-Tankstelle fällt schon von
weitem wegen ihrer Architektur und
Großzügigkeit auf. „Dabei hat sie auch
schon wieder 20 Jahre auf dem Buckel“,
erzählt Rühlemann und ergänzt: „Offensichtlich hat der bayerische Architekt einen guten Job gemacht.“
Das ist wohl so, doch dürfte auch der
Pächter in den 21 Jahren seit Übernahme
der damals nagelneuen Tankanlage das
meiste richtig gemacht haben. Der Unternehmer, der aus der Unterhaltungselektronik kam und über einen Freund zur
Tankstellenbranche fand, schaut zufrieden
auf sein Berufsleben als Tankstellenbetreiber zurück: „Ich habe immer gut verdient, wenn auch nicht unbedingt das, was
ich woanders bei gleichem Arbeitseinsatz
bekommen hätte.“ Auch fürs Alter hat der
demnächst 65 werdende vorgesorgt.
„Aus den persönlichen Umständen darf
man nicht unbedingt schließen, dass es
allen Kolleginnen und Kollegen gleich
geht“, weiß Rühlemann aus vielen Gesprächen und Erlebnissen. Weshalb er sich seit
Jahren im Tankstellenverband engagiert.
Zum einen im VGT, dessen Vorsitzender
er ist und der sich um die Berliner Tankstellenbetreiber kümmert, „aber eigentlich um alle Kollegen in den neuen Bundesländern“. Zum anderen im deutschlandweiten Dachverband ZTG, wo er im
Herbst vergangenen Jahres ein Vorstandsamt übernommen hat.
„Es ist wichtig, dass sich Unternehmer
in den Verbänden engagieren“, begründet
Rühlemann diesen zusätzlichen Eingriff
in seine ohnehin knappe Freizeit. Denn
nur gemeinsam könne man die Probleme
der Betreiber mit den Mineralölgesellschaften, der Politik und anderen Interessengruppen lösen. Gerade um mit den
MÖGs partnerschaftlich reden und verhandeln zu können, benötige es eine Augenhöhe, die der einzelne Pächter niemals
erreichen werde. „Da kann nur der Ver-
tankstellenWelt
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Engagement MACHER & MÄR K T E
band helfen“, ist Rühlemann überzeugt,
der gleichwohl nicht verhehlt, dass er mit
seiner Gesellschaft „eigentlich immer gut
gefahren“ sei. Allerdings wohl auch deshalb, weil er eben nicht alles kommentarlos „geschluckt“ habe, was ihm seine
MÖG vorgegeben habe. „Wer sich mit
seiner MÖG nicht auseinandersetzen will,
bekommt über kurz oder lang Probleme“,
ist seine Erfahrung.
nale oder gar internationale Strukturen
und Maßnahmen allen einfach übergestülpt.“ Vor allem in der zunehmenden
„Gängelung und Kontrolle“ sieht der Tankstellenunternehmer ein Problem. „Viele
MÖGs verkennen, dass die meisten Pächter begeistert sind, gut arbeiten und sich
einsetzen wollen. Dennoch schrammen
viele am Existenzminimum entlang.“ Er
wünscht sich, dass die Gesellschaften dort,
„wo die Probleme hausgemacht sind“,
PÄCHTER WOLLEN UNTERNEHMER
durchgreifen. „Wer Tankstelle nicht kann,
SEIN – KEINE VERWALTER
darf doch nicht jahrelang angestiftet werDie Erkenntnis, dass man von sich nicht
den, weiterzumachen, bis er irgendwann
auf andere und von der Gesamtheit nicht
auch noch sein letztes Hemd verloren hat.“
Gute Pächter aber
An ze i g e
sollten partnerschaftlich begleiw w w. t an k stel l enberatu ng en .de
tet werden. Sie
permanent unter
Druck zu setzen
auf den Einzelfall schließen sollte, sorgt
sei kontraproduktiv. „Ich kenne Kollegen,
wohl dafür, dass der Berliner im Gespräch
die wollen morgens nicht mehr aufstehen.
moderat und nicht wie ein Hardliner
Manche sind medikamentenabhängig gewirkt. So habe er grundsätzlich nichts
worden, weil sie den Druck ihrer MÖG
dagegen, dass die Gesellschaften ihren
nicht mehr aushielten.“
Pächtern ein „Gerüst“ vorschreiben, in
Als VGT-Vorsitzender versteht er
dem sich die Partner bewegen müssen.
manchmal aber die eigenen Kollegen nicht:
Viele Kollegen wollten so eine Vorgabe
„Manche kommen erst, wenn alles schon
und manche brauchten das sogar. „Aber
den Bach runter ist.“ Dabei könne man sich
dieses Gerüst darf nicht so eng sein, dass
im Verband nicht nur – beispielsweise
aus dem Pächter-Unternehmer ein Verdurch Rechtsanwältin Viviane von Aretin
– fachkundig beraten lassen, sondern sich
walter wird.“
Problematisch sieht er die generelle
mit Kollegen austauschen und voneinander
Kommunikation zwischen MÖG und
lernen. „Wer nicht im Verband ist, macht
etwas falsch!“, steht für Rühlemann fest.
Pächter: „Früher wollten die GesellschafWenn in den nächsten Wochen
ten von den Pächtern wissen, was vor Ort
Hans-Joachim
Rühlemann seine Autogeht und was nicht. Heute werden natio-
bahntankstelle zurückgegeben haben
wird, will er sich auf seine zweite Station im Berliner Stadtteil Märkisches
Viertel konzentrieren. „Eine Straßentankstelle – nicht vergleichbar mit der an der Autobahn“,
sagt er über sie. Und für
sein Hobby will er sich
etwas mehr Zeit nehmen: Zusammen mit
seiner Frau auf den
zwei eigenen
Pferden ausreiten. 〱
Manfred
Ruopp
VGT
Im Interesse der Pächter
Hans-Joachim Rühlemann (64) betreibt
für die Agip seit 1994 als Pächter zwei
Stationen in Berlin: die Autobahnstation
am Zubringer zur A111 Richtung Hamburg und eine Straßentankstelle im Berliner Stadtteil Märkisches Viertel. 20 Mitarbeiter sind an der Autobahnstation beschäftigt, fünf an der Straßentankstelle.
Im Berliner Verband des Garagen- und
Tankstellengewerbes (VGT) ist Rühlemann Vorstandsvorsitzender, im Zentralverband des Tankstellengewerbes (ZTG)
Vorstand. Die Geschäftsstelle des VGT
wird von der Rechtsanwältin Viviane von
tankstellenWelt
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TECSLINE
Der neue
Aretin als Geschäftsführerin geleitet.
Standard in der
Kontakt: Verband des Garagen- und
Waschchemie
Tankstellengewerbes Nord-Ost e.V.,
im Hause der Innung des Kraftfahrzeuggewerbes Berlin,
Obentrautstraße 16-18,
10963 Berlin,
Tel.: (0 30)25 89 98 55,
Fax: (0 30) 25 89 98 58,
E-Mail: [email protected]
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