Aktuelle Webversion

AKTUELL
Rotary international Distrikte 1800-1900, 1930-1950
04/2015
Pakistans Regierung greift durch
Haft für Impfverweigerer
STOPpT KInderlähmung jetzt !
eine Herausforderung - ein Ziel - ein Logo
Liebe Leserinnen und Leser,
„2014 war das Jahr vieler
Erfolge für Rotary. Nummer
eins auf der Liste ist natürlich der Fortschritt, den
wir bei der Ausrottung der
Kinderlähmung erzielen
konnten… Dabei wissen
wir, wie anfällig dieser
Fortschritt ist, wie leicht er
wieder zunichte gemacht
werden kann.“
Mit diesen Worten charakterisierte John
Hewko, der Generalsekretär von Rotary
International, in San Diego die derzeitige
Polio-Situation. Gewiss, wir waren erfolgreich
beim Sammeln von Spenden, aber genauso
wichtig ist es, sich immer wieder zu Wort zu
melden, wenn es darum geht, rechtzeitig
z.B. die G-8 Staaten um weitere Beiträge für
PolioPlus zu bitten. Im Klartext bedeutet das,
wir müssen mit unseren Abgeordneten, wo
immer es möglich ist, ins Gespräch kommen,
um aus dem Haushalt der Bundesregierung
Mittel für den Kampf gegen die Kinderlähmung bewilligt zu bekommen.
In diesem Zusammenhang sind auch
unsere Aktionen in der Öffentlichkeit zu
sehen. Wenn dort der Bürger auf der Straße
nicht nur Interesse zeigt, sondern auch
ins Portemonnaie greift, also eine starke
Resonanz zu spüren ist, haben es auch unsere Abgeordneten leichter, sich für solche
Anliegen einzusetzen. Wenn jetzt die ersten
Überlegungen für das kommende RotaryJahr angestellt werden, müssen wir in diese
Richtung denken und planen, um die weitere Kampagne erfolgreich zu gestalten.
Also frisch ans Werk!
Herzlichst, Ihr Hans Pfarr
„Hunderte Festnahmen in Pakistan wegen Polio-Impfverweigerung“ – die Schlagzeilen in der ausländischen Presse lassen aufhorchen. Nach fruchtlosen Drohungen griff
die Regierung jetzt an der Grenze zu Afghanistan zu drastischen Maßnahmen und
ließ 500 Impfverweigerer verhaften, die ihren Kindern die Impfung vorenthielten.
I
m Grenzgebiet der beiden Polio-endemischen Länder hatten die Taliban in der
Vergangenheit immer wieder die angesetzten Impftage dadurch verhindert, dass sie
Impfteams angriffen. Viele Eltern brachten daraufhin ihre Kinder nicht mehr zur Impfung,
die Fälle von Kinderlähmung stiegen drastisch
an. Darüber hinaus wurden in zunehmendem
Maß in den grenznahen Gebirgsregionen Afghanistans eingeschleppte Polioviren entdeckt.
Damit war auch der bislang erzielte Rückgang
der Fallzahlen in Afghanistan akut gefährdet.
Man darf dabei nicht vergessen, wie schwierig es ohnehin ist, in den schwer zugänglichen
Gebirgsregionen und angesichts der starken
Bevölkerungsbewegungen alle Kinder bei den
Impfungen zu erreichen.
Der von der WHO geforderte Impfnachweis
für alle ausreisenden pakistanischen Bürger
zeigte dann auch Wirkung. Die Regierung
musste handeln und tat dies in spektakulärer
Weise.
H.P.
Polio Champions: Beim PETS des Distrikts 1940 konnte Gov. Gerhard Lintner (rechts) 13 Clubs Auszeichnungen der Rotary Foundation – sogenannte Certificates of Appreciation – überreichen, deren Beitrag zur
Polio-Kampagne 2013/14 über 1000 US-Dollar lag. Es sind dies die Clubs Berlin-Brandenburger Tor, BerlinGendarmenmarkt, Berlin-Humboldt, Berlin-Kurfürstendamm, Berlin-Lilienthal, Berlin-Nord, Berlin-Tiergarten, Brandenburg/Havel, Guben, Güstrow, Heiligendamm, Neustadt-Ostsee und Stralsund-Hansestadt.
Ziel
2018:
Helfen
Sie
mit !
END POLIO NOW braucht weiterhin Spenden, um bis 2018
die Unterbrechung der Infektionskette auch in den letzten
drei Polio-endemischen Ländern zu schaffen.
Helfen Sie mit: Organisieren Sie im Club Spendenaktionen für die Polio-Kampagne und nutzen Sie dabei die
200-Prozent-Förderung der Bill & Melinda Gates Foundation. Das gilt auch für Spenden aus dem District Designated
Fund (DDF). Distrikte können ungenutzte DDF-Mittel nicht
besser einsetzen als für dieses Jahrhundertprojekt.
Spendenkonto: Rotary Deutschland Gemeindienst e.V.
Deutsche Bank AG, Düsseldorf • Konto-Nr. 0940 940 • BLZ 300 700 10
IBAN DE56300700100094094000 • BIC DEUTDEDD • Verwendungszweck: Polio
Clubnummer nicht vergessen !
Foto: RI
Ein Tag der Freude
Am 12. April 1955 ...
gelang der entscheidende Durchbruch
in der Bekämpfung der Kinderlähmung. Vor genau 60 Jahren wurde
der von dem US-Virologen Jonas Salk
entwickelte Impfstoff (Injektion) aus
abgetöteten Viren als „sicher und wirkungsvoll“ für den Schutz vor Polio
anerkannt. Damit konnte eines der
erfolgreichsten Gesundheitsprogramme
der Menschheitsgeschichte beginnen,
mit dem in wenigen Jahren die Kinderlähmung ganz verschwinden wird.
Voraussetzung für die Bekämpfung
der Kinderlähmung war eine Erkenntnis, zu der der österreichisch-amerikanische Pathologe Karl Landsteiner
(Medizin-Nobelpreis 1930 für Entdeckung des Systems der Blutgruppen)
bereits 1908 gekommen war: dass
Polio durch Viren hervorgerufen wird.
Die einsetzende Suche nach einem
Gegenmittel wurde zum Wettlauf
gegen die Zeit, denn immer mehr Menschen fielen der Krankheit zum Opfer.
Allein 1916 wurden für die USA 27.000
Infektionen und 6000 Todesfälle gemeldet.
Salk (1914-1995) begann zunächst
mit Forschungsarbeiten zur Entwicklung eines Grippe-Impfstoffs. Erkenntnisse daraus wurden später für die
Polio-Forschung nutzbar, die der Virologe 1947 an der Universität von Pittsburgh aufnahm. 1952 konnte er die
Fertigstellung eines Impfstoffs melden,
der zunächst in mehreren Testreihen in
den USA, Kanada und Finnland seine
Wirksamkeit unter Beweis stellte und
1955 die amtliche Zulassung erhielt.
In den folgenden beiden Jahren sank
die Infektionsrate in den USA um fast
90 Prozent. 1961 gelang Albert Sabin
die Entwicklung der Schluckimpfung,
mit der die flächendeckende Immunisierung auch ohne medizinisches Fachpersonal möglich wurde.
Während die Schluckimpfung dafür
sorgt, dass in absehbarer Zeit die
Polio-Infektionskette weltweit unterbrochen sein wird, ist der von Salk
entwickelte injizierte Impfstoff das Mittel der Wahl für die Routineimpfungen,
mit denen der Status „Polio-frei“ auf
Dauer abgesichert werden muss. 2015
werden 120 Länder diese Impfungen in
ihre Vorsorgeplanungen aufnehmen.
Quelle:
www.polioeradication.org
Wo Vorbehalte
gegen Impfungen
bestehen, genießen
Frauen einen Vertrauensvorschuss
Die wichtige Rolle der Frauen
Der Erfolg hat viele Mütter
E
s ist eine Tatsache, dass die bahnbrechenden wissenschaftlichen Leistungen
zur Bekämpfung der Kinderlähmung
von Männern erbracht wurden (s. nebenstehenden Beitrag). Es ist aber ebenso eine Tatsache, dass die Polio-Kampagne ein Erfolg der
Frauen ist: „Ohne die Millionen von Frauen
– Mütter, Tanten, große Schwestern – die
ihre Kinder zu den Impfstellen gebracht, ihre
Häuser den Impfhelfern geöffnet oder gleich
selbst als Impfhelfer gearbeitet haben, wären
wir heute nicht so nah am Sieg über Polio“,
betonte Melinda Mailhot von der Weltgesundheitsorganisation anlässlich des Weltfrauentages am 8. März.
In einigen der Länder, die nach wie vor
gegen Polio kämpfen, sind Frauen der entscheidende Erfolgsfaktor. Denn der wahre
Kampf gegen Polio findet auf den Türschwellen der Wohnungen statt. Hier werben Frauen
mit Überzeugung für die Impfungen. Sie
Die aktuelle Lage:
D
genießen von vornherein mehr Glaubwürdigkeit und finden leichter Zugang, denn
sie können in der Regel als besorgte Mütter
argumentieren. Im Übrigen dürften in Afghanistan und Pakistan Männer die Wohnhäuser gar nicht betreten. In allen Regionen,
in denen Polio noch zu bekämpfen ist, haben
Frauen selbst in den rückständigsten Orten
sozial akzeptierte Wege gefunden, das PolioProgramm voranzubringen.
Das lässt sich in Pakistan, wo Fortschritte
am schwierigsten zu erzielen sind, sogar
in Zahlen ausdrücken. Hier erreichen die
Impfhelferinnen auch die Kinder unter zwei
Jahren, die im Gegensatz zu älteren Geschwistern das Haus nicht allein verlassen können,
also auf Hausbesuche von Impfhelferinnen
angewiesen sind. Tatsächlich entfielen 80
Prozent der Polio-Infektionen 2014 auf genau
diese Altersgruppe.
GPEI
April 2015
er erste Polio-Fall in Afghanistan in
diesem Jahr wurde am 24. Januar gemeldet. 2014 gab es dort insgesamt 28
Fälle. Am aktuellen Bild lässt sich ablesen, wie
sich die Endphase der Kampagne abspielen
wird: Während Nigeria wohl demnächst den
dreijährigen Zertifizierungsprozess beginnen
kann, wird sich das Schicksal der Nachbarn
Afghanistan und Pakistan daran entscheiden,
ob die Behörden in Pakistan die notwendigen
Impfungen sicherstellen können. Die WHO
jedenfalls ist wachsam und erhöht den Druck.
(Stichtag jeweils 25. März)
Gebiet Infektionen 2015
(2014)
Afghanistan
Nigeria
Pakistan
1
0
20
(4)
(1)
(36)
Nicht-endemische Länder
Gesamt
21
0
21
(41)
(6)
(47)
Quelle: www.polioeradication.org
Impressum
End Polio Now - Aktuell wird herausgegeben vom Rotary Magazin und Past-Gov. Hans Pfarr,
R.C. Ebingen, Zone Challenge Coordinator Zone 14 und deutschsprachige Teile von Zone 19
Redaktion: Matthias Schütt, c/o Rotary Verlags GmbH, Raboisen 30,
20095 Hamburg, Tel. 040-34 99 97-0; • Zuschriften an endpolionow@rotary.de
Gestaltung: Cäcilie Cichonski • Produktion: Rotary Verlags GmbH, Hamburg