Ausfallraten in der deutschen Wirtschaft 2014

MARKTANALYSEN
APRIL 2015
Ausfallraten in der deutschen
Wirtschaft 2014
Ausfallraten in der deutschen Wirtschaft 2014
MANAGEMENT SUMMARY
1.
Von den rd. 2,8 Mio. deutschen Un-
Ausfallquoten mit zunehmender Unterneh-
ternehmen fielen im abgelaufenen Jahr 48.415
mensgröße stärker zurück. Am deutlichsten
Firmen aus, was einer Quote von 1,72% ent-
sank die Ausfallrate der Großunternehmen
spricht. In 2013 hatte der entsprechende
mit einem Jahresumsatz von mehr als 250 Mio.
Wert mit 1,79% noch höher gelegen. Somit
Euro. Demgegenüber fiel der Rückgang bei
setzte sich die im mittleren Zeitfenster seit
den Kleinstunternehmen mit Jahreserlösen
2009 zu beobachtende Tendenz zu rückläufi-
von bis zu 0,5 Mio. Euro relativ gering aus.
gen Ausfallraten auch in 2014 fort.
2.
4.
Betrachtet man die Ausfallquote unter
Wesentlich kräftiger als in der Ge-
geographischen Gesichtspunkten, so zeigt sich,
samtwirtschaft fiel der Rückgang der Ausfall-
dass der Berliner Unternehmenssektor am
raten im kapitalmarktrelevanten Segment aus.
krisenanfälligsten zu sein scheint. Anders als
Waren in 2013 noch 0,86% der Unternehmen
im Vorjahr, als Bayern den Spitzenplatz inne-
mit einem Jahresumsatz von mindestens 20
hatte, stellt Thüringen in 2014 das Bundesland
Mio. Euro von einem Ausfall betroffen, sank
mit der niedrigsten Ausfallquote.
der Wert im vergangenen Jahr auf nur noch
0,60%. Der vom vorherigen Tiefststand in
2010 (0,61%) ausgehende, dreijährige Trend
zu steigenden Ausfallquoten bei Großunternehmen wurde somit in 2014 gebrochen.
3.
5.
Die deutsche Wirtschaft könnte mit
einer Expansionsrate von jahresdurchschnittlich 1,7 bis 1,9% wachsen. Vor dem Hintergrund der grundsätzlich positiven konjunkturellen Perspektiven sollte die empirische Aus-
Bei der Betrachtung der Ausfallraten
fallrate weiter nach unten tendieren. Insge-
nach Unternehmensgröße ist grundsätzlich
samt erwarten wir für das Gesamtjahr 2015,
festzustellen, dass die Ausfallraten der Unter-
dass die Ausfallrate auf 1,68% sinken wird.
nehmen aller Größenklassen gesunken sind.
Jedoch stellt sich das Ausmaß des Rückgangs
differenziert dar. In der Tendenz gingen die
Ansprechpartner
Dr. Benjamin Mohr, Chefvolkswirt
Tel.: +49 2131 109-5172 / E-Mail: b.mohr@creditreform-rating.de
Ausfallraten in der deutschen Wirtschaft 2014
1. Definitionen und Datenbasis
Das Ziel der vorliegenden Analyse besteht darin, anhand der empirischen Ausfallraten die derzeitige Risikosituation deutscher Unternehmen zu beleuchten.
Datengrundlage der Untersuchung ist die Creditreform Wirtschaftsdatenbank,
die rd. drei Millionen wirtschaftsaktive Unternehmen und selbstständig Tätige
Analyse auf
Basis der größten Datenbasis
zu deutschen
Unternehmen
mit Sitz in Deutschland sowie Datensätze zu krisengefährdeten und insolventen
Unternehmen umfasst. Damit gibt sie ein vollständiges Abbild des deutschen
Unternehmenssektors und gilt als umfangreichste Datenbasis zu deutschen
Unternehmen weltweit. Die Datenbank enthält aktuelle Finanz- und Bonitätsinformationen sowie eine Reihe von Strukturmerkmalen. Zu den Merkmalen
zählen u.a. Angaben zu Mitarbeiter- und Umsatzzahlen sowie zur Unternehmenstätigkeit, die Rechtsform des Unternehmens oder vorhandene gerichtliche
Negativmerkmale zu einem Unternehmen (siehe genauer im Anhang).
In der vorliegenden Analyse wird eine Basel-III-konforme Definition des Ausfallereignisses gewählt. Das Vorliegen harter Negativmerkmale in Form (i) eines
unternehmerischen Insolvenzverfahrens; (ii) eines Verbraucherinsolvenzverfah-
Basel IIIkonforme Definition des Ausfallereignisses
rens von unternehmerisch tätigen Personen; sowie (iii) einer Haftanordnung
oder der Abgabe einer eidesstattlichen Versicherung führt dazu, dass ein Unternehmen als ausgefallen gewertet wird. Ein Unternehmen gilt zudem als ausgefallen, wenn davon ausgegangen werden muss, dass das Unternehmen auf
Basis von Creditreform-Informationen seinen Zahlungsverpflichtungen mit einer hohen Wahrscheinlichkeit nicht nachkommen kann. Diese bankenübliche
Ausfalldefinition umfasst somit mehr als die unternehmerischen Insolvenzen,
die in den amtlichen Statistiken abgebildet werden – z.B. den Zahlungsverzug
von 60 bzw. 90 Tagen.
In dieser Analyse werden einjährige Ausfallraten dargestellt. Unternehmen
werden als ausgefallen gewertet, die zum Stichtag 31.12.2014 einen Zahlungsverzug oder ein hartes Negativmerkmal aufwiesen – jedoch ein Jahr zuvor
2,817 Mio.
wirtschaftsaktive
Unternehmen
(31.12.2013) als zahlungsfähig eingestuft wurden. Ende 2014 existierten in
Deutschland insgesamt rd. 2,817 Millionen wirtschaftsaktive Unternehmen.
Dabei handelt es sich um Unternehmen, die aktive Wirtschaftsbeziehungen
unterhalten und Finanzmittel nachfragen. Bei allen im Folgenden dargestellten
Schichtungssegmenten handelt es sich unabhängig vom jeweils betrachteten
Strukturmerkmal um repräsentative Grundgesamtheiten.
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Ausfallraten in der deutschen Wirtschaft 2014
2. Ausfälle im deutschen Unternehmenssektor
Die deutsche Wirtschaft kam im Jahr 2014 nur allmählich voran – erwies sich
aber in einem schwierigen weltwirtschaftlichen und von hoher Unsicherheit
geprägtem Umfeld als robust. Dass die deutsche Wirtschaft in 2014 um „nur“
Robuste konjunkturelle
Dynamik in
2014
1,6% wuchs, nachdem noch bis ins zweite Quartal hinein mit Wachstumsraten
von 1,8 bis 2,0% gerechnet wurde, ist auf das unerwartet gemäßigte Wachstum
der Weltwirtschaft und insbesondere die ausgebliebene wirtschaftliche Erholung des Euroraums zurückzuführen. Die angespannte geopolitische Lage in
einigen Krisenregionen hatte ebenfalls dämpfende Effekte auf das deutsche
Wachstum. Dennoch expandierte das reale BIP im vergangenen Jahr deutlich
stärker als in den beiden vorangegangenen Jahren, als die Konjunktur mit Expansionsraten von 0,4% (2012) und 0,1% (2013) nahezu stagnierte. Positive
konjunkturelle Impulse gingen in erster Linie vom privaten Konsum aus, wohingegen die Auslands- und Investitionsnachfrage nur verhalten zur Ausweitung
der Wirtschaftsleistung beitrugen.
▐ Abbildung 1: Entwicklung der Ausfallraten
Angaben in %
Einhergehend mit der robusten konjunkturellen Entwicklung in 2014, sank auch
die Ausfallrate im deutschen Unternehmenssektor (siehe Abb. 1). Von den rd.
2,8 Mio. deutschen Unternehmen fielen im abgelaufenen Jahr 48.415 Firmen
Ausfallrate im
Jahr 2014 mit
1,72% unter
Vorjahresniveau
aus, was einer Quote von 1,72% entspricht. In 2013 hatte der entsprechende
Wert mit1,79% noch höher gelegen. Somit setzte sich die im mittleren Zeit-
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Ausfallraten in der deutschen Wirtschaft 2014
fenster seit 2009 zu beobachtende Tendenz zu rückläufigen Ausfallraten nach
einem kurzen Rücksetzer – die empirische Ausfallrate war von 2012 auf 2013
noch von 1,66 auf 1,79% gestiegen – auch in 2014 fort.
Wesentlich kräftiger als in der Gesamtwirtschaft fiel der Rückgang der Ausfallraten im kapitalmarktrelevanten Segment (Jahresumsatz von mindestens 20
Mio. €) aus. Waren in 2013 noch 0,86% der kapitalmarkrelevanten Unterneh-
Deutlicher Rückgang im kapitalmarktrelevanten
Segment…
men von einem Ausfall betroffen, sank der Wert im vergangenen Jahr auf nur
noch 0,60%, was gleichzeitig den niedrigsten Wert im Analysezeitraum markiert. Der vom vorherigen Tiefststand in 2010 (0,61%) ausgehende, dreijährige
Trend zu steigenden Ausfallquoten bei Großunternehmen wurde somit in 2014
gebrochen.
▐ Abbildung 2: Anzahl der Unternehmen nach Umsatzgrößenklassen
Dieses kapitalmarktrelevante Segment bedarf einer gesonderten Betrachtung,
da die Unternehmen dieses Größensegments den deutschen Wachstumsmotor
darstellen (siehe Abb. 2). So sind für die deutsche Unternehmenslandschaft
…das den Motor
des deutschen
Wirtschaftswachstums darstellt
zwar nach wie vor die Kleinunternehmen prägend, die einen Jahresumsatz unter 1 Mio. Euro erwirtschaften. Insgesamt fallen neun von zehn deutschen Unternehmen in diese Umsatzkategorie. Die Bedeutung der mittelgroßen deutschen Unternehmen für den hiesigen Wirtschaftsstandort wird allerdings deutlich, wenn man die Zahl der Betriebe ins Verhältnis setzt zum Umsatzanteil,
den diese auf sich vereinigen. Unternehmen mittlerer Größe machen insgesamt
0,7% des gesamten Unternehmensbesatzes aus, erzielen jedoch mehr als ein
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Ausfallraten in der deutschen Wirtschaft 2014
Drittel (36%) des Gesamtumsatzes der deutschen Wirtschaft. Die Kleinunternehmen kommen dagegen auf lediglich 8%.
Bei der Betrachtung der Ausfallraten nach Unternehmensgröße ist zu konstatieren, dass die Ausfallraten der Unternehmen in allen betrachteten Größenklassen gesunken sind (siehe Abb. 3). Jedoch stellt sich das Ausmaß des Rückgangs differenziert dar. In der Tendenz gingen die Ausfallquoten mit zunehmen-
Ausfallraten gingen mit zunehmender Unternehmensgröße
stärker zurück
der Unternehmensgröße stärker zurück. So sank die Ausfallrate der Großunternehmen mit einem Jahresumsatz von mehr als 250 Mio. Euro am deutlichsten. Nach 0,64% in 2013 fielen im vergangenen Jahr nur noch 0,16% der Unternehmen in dieser Größenklasse aus. Da diese Unternehmen jedoch einen relativ geringen Anteil der deutschen Wirtschaft ausmachen, ist der Rückgang der
gesamtwirtschaftlichen Ausfallquote relativ moderat ausgefallen. Zum Vergleich: In der Umsatzkategorie 0,5 bis 2,0 Mio. Euro sank die Ausfallquote von
1,58% in 2013 auf aktuell 1,44%. Noch geringer fiel der Rückgang bei den Kleinstunternehmen mit Jahreserlösen von bis zu 0,5 Mio. Euro aus. Nachdem in
2013 noch 1,85% dieser Betriebe ausfielen, war in 2014 mit 1,80% ein marginal
geringerer Prozentsatz der Kleinstunternehmen von einem Ausfall betroffen.
▐ Abbildung 3: Ausfallraten nach Unternehmensgröße
Angaben in %, Umsatzgrößenklassen in Mio. €
2,00
0,16
0,20
0,64
0,82
0,56
0,40
0,70
0,60
0,92
0,86
0,80
2014
1,17
1,24
1,00
1,43
1,20
1,44
1,40
1,58
1,80
1,60
2013
1,85
1,80
0,00
< 0,5
0,5-2
2-10
10-20
20-50
50-250
>=250
Neben Größenunterschieden spielt auch die Branchenzugehörigkeit eine Rolle,
wenn es um die Beurteilung des Ausfallsrisikos eines Unternehmens geht (siehe
Abb. 4). Im Vorjahresvergleich sind mit Ausnahme des Baugewerbes branchen-
Grundstoffindustrie am
wenigsten
risikobehaftet
übergreifend rückläufige Ausfallquoten zu beobachten. Wenngleich die Ausfall-
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Ausfallraten in der deutschen Wirtschaft 2014
quote im Verkehrs- und Logistiksektor von 3,12% im Jahr 2013 auf 2,91% in
2014 zurückgegangen ist, so weist die Branche dennoch weiterhin das höchste
Ausfallrisiko auf. Ebenfalls klar über dem gesamtwirtschaftlichen Durchschnitt
liegt die Ausfallrate im Baugewerbe mit 2,18% sowie im konsumnahen Dienstleistungssektor, wo in 2014 1,85% aller Betriebe ausgefallen waren. Dagegen
weist die eher azyklische Konsumgüterindustrie ein vergleichsweise niedriges
Ausfallrisiko auf. Nachdem in dieser Branche bereits 2013 mit1,65% relativ
wenige Unternehmen ausgefallen waren, sank die Ausfallquote im vergangenen
Jahr auf 1,43% – branchenübergreifend der stärkste Rückgang auf Jahressicht.
Nur in der Chemie- und Kunststoffbranche sowie der Grundstoffindustrie
werden mit 1,20% bzw. 0,84% noch geringere Ausfallraten verzeichnet.
▐ Abbildung 4: Ausfallraten nach Wirtschaftszweig
Angaben in %
Betrachtet man die Ausfallquote unter geographischen Gesichtspunkten, so
zeigt sich, dass Berliner Unternehmenssektor am krisenanfälligsten zu sein
scheint (siehe Abb. 5). Mit einer Ausfallquote von 2,55% fallen hier bundesweit
Thüringen mit
geringster Ausfallquote – vor
Bayern
die meisten Betriebe aus. Damit ist die bereits hohe Ausfallrate von 2013
(2,49%) in der Bundeshauptstadt abermals leicht angestiegen. Berlin ist zudem
neben Brandenburg das einzige Bundesland in dem im Vorjahresvergleich keine
positive Entwicklung hin zu einer sinkenden Ausfallquote festzustellen ist. Weitere Bundesländer mit Ausfallraten oberhalb des deutschen Durchschnitts sind
Nordrhein-Westfalen (2,02%), Sachsen-Anhalt (1,85%) sowie Hessen (1,81%).
Dagegen zeigen sich die im Süden und Südosten ansässigen Firmen auch in 2014
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mehrheitlich solide aufgestellt. Anders als im Vorjahr, als Bayern den Spitzenplatz innehatte, stellt Thüringen in 2014 das Bundesland mit der niedrigsten
Ausfallquote. Mit 1,30% ausgefallener Betriebe lag das ostdeutsche Bundesland
knapp vor Bayern (1,35%). Auf den weiteren Plätzen folgen Baden-Württemberg (1,53%) sowie Sachsen (1,63%).
▐ Abbildung 5: Ausfallraten nach Bundesland
Angaben in %
Berlin
2,55
Nordrhein-Westfalen
2,02
Sachsen-Anhalt
1,85
Hessen
1,81
Hamburg
1,79
Rheinland-Pfalz
1,79
Brandenburg
1,73
Deutschland
1,72
Niedersachsen
1,67
Bremen
1,67
Saarland
1,67
Schleswig-Holstein
1,67
Mecklenburg-Vorp.
1,63
Sachsen
1,63
Baden-Württemberg
1,53
Bayern
1,35
Thüringen
1,30
0,00
0,50
1,00
1,50
2,00
2,50
3,00
Auf Ebene der Landkreise und kreisfreien Städte ist Dingolfing-Landau mit
0,64% ausgefallener Unternehmen in 2014 der Kreis mit dem bundesweit geringsten Ausfallrisiko (siehe Abb. 6). Knapp dahinter rangieren die beiden thü-
Bayerische
Landkreise mit
niedrigsten Ausfallraten
ringischen Landkreise Saale-Orla und Greiz mit Ausfallraten von 0,67 bzw.
0,69%. Ein mittleres Ausfallrisiko ist für die Städte Stuttgart, Unna, Nienburg
und Wolfenbüttel zu konstatieren. Die genannten Kommunen haben gemein,
dass die Quote der Unternehmensausfälle hier genau dem deutschen Durchschnittswert von 1,72% entspricht. Relative hohe Ausfallquoten sind dagegen in
den Städten Offenbach (3,01%) und Herne (3,07%) zu beobachten. Höher ist
das Ausfallrisiko nur noch in Duisburg, das mit 317 Ausfällen pro 10.000 Unternehmen die Kommune mit der deutschlandweit höchsten Ausfallrate ist.
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Ausfallraten in der deutschen Wirtschaft 2014
▐ Abbildung 6: Ausfallraten nach Landkreisen in 2014
Anteil der ausgefallenen
Unternehmen nach Kreis
< 1,20%
1,20% - 1,49%
1,50% - 1,74%
1,75% - 1,99%
2,00% - 2,49%
>= 2,50%
Die im Rahmen des Ländervergleichs gewonnene Einschätzung, nach der sich
die Ausfallsituation besonders vorteilhaft in Süd- und Südostdeutschland darstellt, bestätigt sich somit auch auf Kreisebene. So sind unter den 25 Landkrei-
Rhein-Ruhr und
Berlin leiden
unter hohen
Ausfallraten
sen mit den niedrigsten Ausfallquoten alleine 17 bayerische und vier thüringische Kreise vertreten. Des Weiteren weisen ländliche Regionen meist deutlich
geringere Ausfallrisiken auf, als Kernstädte und Ballungsräume. Insbesondere im
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Ausfallraten in der deutschen Wirtschaft 2014
Großraum Berlin sowie dem Ballungsgebiet Rhein/Ruhr finden sich eine Vielzahl
von Kreisen und Städten mit vergleichsweise hohen Ausfallrisiken. Unter den
25 Kreisen mit bundesweit höchsten Ausfallraten liegen alleine 13 zwischen
Rhein und Ruhr.
▐ Abbildung 7: Ausfallraten nach Kreisen in 2009
Anteil der ausgefallenen
Unternehmen nach Kreis
< 1,20%
1,20% - 1,49%
1,50% - 1,74%
1,75% - 1,99%
2,00% - 2,49%
>= 2,50%
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Ausfallraten in der deutschen Wirtschaft 2014
Im längerfristigen Vergleich seit 2009 zeigt sich, dass die Ausfallraten auf Kreisebene seither deutlich zurückgegangen sind (siehe Abb. 7). Der fortdauernde
konjunkturelle Erholungsprozess in Folge der Finanz- und Wirtschaftskrise
2009 trug dazu bei, dass der Anteil der Kreise und Städte mit sehr geringen
(<1,20%) oder geringen Ausfallquoten (<1,49%) seitdem deutlich gewachsen ist.
Fiel in 2009 lediglich einer von zehn Kreisen (9,7%) in diese Kategorie, so traf
Längerfristiger
Vergleich zeigt
deutlichen Rückgang der Ausfallgefahr – nicht so
in Rhein/Ruhr
und Berlin
dies in 2014 auf 39,7% der Kreise zu. Spiegelbildlich ging der Anteil der Kreise
mit sehr hohen Ausfallraten stark zurück. Noch vor fünf Jahren war mehr als
jeder fünfte Kreis (21,1%) von sehr hohen Ausfallquoten betroffen (>=2,50%).
Zum Vergleich: In 2014 war dies nur noch bei 2,7% der Kreise der Fall.
Auch bei einer Segmentierung der Firmen nach Unternehmensalter lassen sich
interessante Erkenntnisse gewinnen. Auffallend ist, dass die kritischste Phase
für das Fortbestehen eines Betriebes nicht die unmittelbare Zeit nach der
Gründung ist. Von neugegründeten Unternehmen (Unternehmensalter <2 Jah-
Unternehmen im
Alter zwischen 2
und 5 Jahren
besonders ausfallgefährdet
re) mit Jahresumsatz unter 20 Mio. Euro fielen 0,90% in 2014 aus (siehe Abb.
8). Zur Orientierung: Im selben Umsatzsegment der Unternehmen zwischen
zwei und fünf Jahre lag die Ausfallquote mit 1,42% deutlich höher. Dieses Muster kann mitunter darauf zurückgeführt werden, dass viele Gründer in der Anfangsphase bewusst Verluste akzeptieren um sich am Markt zu etablieren. Dies
lässt sich jedoch nur begrenzte Zeit durchhalten, zumal steuerliche Vergünstigungen und Zuschüsse für Gründer meist nur wenige Jahre gewährt werden.
Kann sich das Unternehmen zu diesem Zeitpunkt immer noch nicht selbst finanzieren, ist die Folge häufig der Ausfall. Ist diese kritische Phase überstanden,
sinkt das Ausfallrisiko mit zunehmender Bestandsdauer des Unternehmens.
Etablierte bzw. alteingesessene Firmen weisen Ausfallquoten von 2,06 bzw.
1,12% auf. Dasselbe Muster bei den Ausfallraten ist auch bei größeren Unternehmungen (Jahresumsatz >=20 Mio. Euro) zu beobachten, wenn auch auf
deutlich niedrigerem Niveau. Im Vorjahresvergleich ist in der Breite eine rückläufige Tendenz bei den Ausfallquoten zu vermerken. Am stärksten ging das
Ausfallrisiko bei den umsatzstarken, jungen Unternehmen zurück Von 2,38% in
2013 auf 0,96% im vergangenen Jahr. Einzig im Segment der Neugründungen
mit einem Jahresumsatz unter 20. Mio. Euro stiegen die Ausfallraten entgegen
dem Trend von 0,47% (2013) auf 0,90% (2014).
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Ausfallraten in der deutschen Wirtschaft 2014
▐ Abbildung 8: Ausfallraten nach Unternehmensalter
Angaben in %
3. Fazit und Ausblick
Die Analyse der empirischen Ausfallraten ist die Basis für eine risikoadäquate
Gestaltung des Kreditmanagements. Dabei können Vergleichsrechnungen der
Ausfallquote in spezifischen Kundengruppen von Kreditinstituten mit repräsen-
Risikosituation
hat sich in
2014 aufgehellt
tativen Benchmarks helfen, Bandbreiten der Risikostruktur zu definieren. Die
Untersuchung der Risikosituation der deutschen Wirtschaft hat gezeigt, dass
die Ausfallrate im Jahr 2014 gesunken und damit ihrem in der Tendenz rückläufigen Trend weiter gefolgt ist. Es ist zudem deutlich geworden, dass eine Untersuchung der einem Kundenportfolio zugrunde liegenden Risiken stets in Abhängigkeit von Strukturmerkmalen durchgeführt werden sollte. Eine hervorgehobene Stellung nimmt die Segmentierung der Unternehmensgröße ein. Insbesondere das kapitalmarktrelevante Segment, also Unternehmen mit einem Jahresumsatz von mehr als 20 Mio. Euro, zeichnet sich durch ein besseres Risikoprofil aus. Im letzten Jahr war die gesamtwirtschaftliche Ausfallrate sogar
dreimal so hoch wie die des kapitalmarktrelevanten Segments.
Wie gestalten sich die Perspektiven für die Risikosituation im laufenden Jahr?
Da die deutsche Wirtschaft auch in 2015 auf Wachstumskurs bleiben dürfte,
Guter Start ins
neue Jahr
grundsätzlich positiv. Im Schlussquartal des vergangenen Jahres konnte das
deutsche BIP um 0,7% (gg. Vq.) kräftig ausgeweitet werden, so dass die Phase
der konjunkturellen Stagnation des Sommerhalbjahrs zum Jahresende überwunden worden ist. Die im ersten Quartal 2015 verfügbaren Daten signalisie-
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Ausfallraten in der deutschen Wirtschaft 2014
ren, dass das Wachstumstempo gehalten werden könnte. Die Umsatzentwicklung im Verarbeitenden Gewerbe zeugt davon, dass die Industriekonjunktur
wieder anzieht (Jan-15: plus 1,1% gg. Vm.). Der Bausektor liefert kräftige Impulse – die Bauproduktion lag im Januar 2015 5,0% über dem Niveau des Vormonats. Und der Einzelhandelsumsatz übertraf im Februar das Niveau des Vorjahres deutlich um 3,6%.
▐ Abbildung 9: Prognose der Ausfallrate für 2014
Angaben in %
Auch die Frühindikatoren sprechen dafür, dass die konjunkturelle Entwicklung
in den kommenden Monaten nicht an Kraft verlieren dürfte. Der ifo Geschäftsklimaindex für die Gewerbliche Wirtschaft hat sich im Februar 2015 den vier-
Weiterer Rückgang der Ausfallrate zu
erwarten
ten Monat in Folge verbessert und notiert bei 106,8 Punkten, nachdem er im
Oktober des letzten Jahres noch lediglich 103,4 Punkte betragen hatte. Unterdessen deutet der GfK-Konsumklimaindex auf einen anhaltenden Optimismus
der deutschen Verbraucher hin. Nach einem Indexstand von 9,3 im Februar
2015 verbesserte sich das Konsumklima weiter auf einen Wert von 9,7 im März
– den höchsten Wert seit Oktober 2001. Dementsprechend sollte die deutsche Wirtschaft ihre Erholung in 2015 fortsetzen können, wobei sich die Auftriebskräfte im Verlauf des Jahres verstärken werden. Die deutsche Wirtschaft
könnte mit einer Expansionsrate von jahresdurchschnittlich 1,7 bis 1,9% wachsen. Vor dem Hintergrund der grundsätzlich positiven konjunkturellen Perspektiven sollte die empirische Ausfallrate weiter nach unten tendieren. Insgesamt erwarten wir für das Gesamtjahr 2015, dass die Ausfallrate auf 1,68% sinken wird (siehe Abb. 9).
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Anhang
Datengrundlage und Abgrenzung der Wirtschaftszweige
Die Creditreform Wirtschaftsdatenbank enthält aktuelle Finanz- und Bonitätsinformationen, wobei
jedes Quartal ein Datensatz aller zu diesem Zeitpunkt aktiven Unternehmen angefertigt und archiviert wird. Mittels dieses Datenpanels lassen sich z.B. Entwicklungen unter einzelnen Unternehmen
und Branchen analysieren. Die Merkmale, die zu den Unternehmen in der Datenbank hinterlegt sind
und selektiert werden können, bestehen u.a. aus:
vollständige Firmenadresse, Bundeslandkennzeichen, Kreiskennzeichen und PLZ
Gründungsdatum, Angaben zu Mitarbeiter- und Umsatzzahlen, Rechtsform des Unternehmens, Bonitätsinformationen
Eigentümer- und Gesellschafterstruktur, Besitzanteile sowie weitere Informationen zu den
Firmeninhabern bzw. Gründern (bspw. Anzahl, Alter, Geschlecht)
vorhandene gerichtliche Negativkennzeichen zu einem Unternehmen
Wirtschaftszweig in Form eines fünfstelligen WZ-Codes gemäß der Systematik der Wirtschaftszweige des Statistischen Bundesamtes von 2008.
Der oben genannten Systematik der Wirtschaftszweige des Statistischen Bundesamtes folgend, wurden im Zuge der vergleichenden Analysen nach Wirtschaftszweigen Branchenaggregate gebildet (siehe Abb. 10).
▐ Abbildung 10: Schlüssel Wirtschaftszweige nach WZ 2008
BRANCHENAGGREGATE
Baugewerbe
Chemie/Kunststoffe
Einzelhandel
Großhandel
Grundstoffe
Konsumgüter
Konsumnahe Dienstleistungen
Metall/Elektro
Unternehmensnahe Dienstleistungen
Verkehr/Logistik
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WZ 2008
41-43
20-22
47
46
01-09, 19, 23
10-18, 31-32
55-56, 79, 86-93, 95-96
24-30
61-66, 68-74, 77-78, 80-82
49-53
15
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und darauf beruhende Ergebnisse stellen keine Anlageempfehlungen dar.