Clinton versucht es nochmals

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THEMEN
Clinton versucht es nochmals
FEUILLETON
Aus dem
Nichts
Aufgewachsen in
großer Armut könnte es der Brite Benjamin Clementine
mit seinem Debütalbum ganz nach
oben schaffen. S. 26
INLAND
Vorhang auf für Hillary Clinton:
Die frühere US-Außenministerin
und Ehefrau von Ex-Präsident
Bill Clinton will bei der Wahl
2016 selbst kandidieren. [ Reuters ]
Präsidentschaftskandidatur. Der neue Versuch Hillary Clintons, US-Präsidentin zu werden, steht unter
günstigen Sternen. Die eigene Partei ist geeint, der politische Gegner zerbricht in mehrere Lager.
Von unserem Korrespondenten
OLIVER GRIMM
Washington. Am Sonntag wird Hillary Clinton
ihre Kandidatur für die amerikanische Präsidentschaft bekannt geben, doch im Grunde
genommen läuft ihre Kampagne seit dem
Herbst 1999. Damals beschloss sie, sich um
den Sitz des scheidenden demokratischen
Senators Daniel Patrick Moynihan aus New
York zu bewerben. Die Clintons erwarben ein
Haus in Chappaqua, einem Örtchen rund
eine Autostunden nördlich von Manhattan
entfernt. Als erste Gattin eines amtierenden
Präsidenten trat sie im November 2000 zur
Kongresswahl an, von 2001 bis Anfang 2009
erwarb sie sich als fachkundige und zu Kompromissen fähige Senatorin einen guten Ruf
als Macherin. Aber sie hatte auch die Nachrede, im Zug zur Macht Prinzipien über Bord
zu werfen. Üppige Parteispenden von der
Wall Street füllten ihre Kampagnenkasse.
Doch Hillary Clintons erster Anlauf auf
das Weiße Haus scheiterte spektakulär. Der
junge Senator Barack Obama erkannte die
Zeichen der Zeit und den tiefen Ärger weiter
Teile der amerikanischen Gesellschaft über
die Washingtoner Eliten. Er überholte Clinton aus der Außenseiterposition, um zuerst
zum Kandidaten der demokratischen Partei
und im November 2008 zum ersten schwar-
KOMMENTAR
zen Präsidenten der USA gewählt zu werden.
Viel böses Blut war zwischen den Lagern
Obamas und Clintons geflossen. Doch das
ist, in der politischen Zeitrechnung zumindest, lange her. Obama holte Clinton 2009 als
Außenministerin an Bord, heute wiederum
strömen Obama-Gefolgsleute in Scharen der
Wahlkampforganisation Clintons zu, die sich
in Brooklyn ein eindrucksvolles Hauptquartier eingerichtet hat. John Podesta wird diese
Kampagne leiten, er verkörpert die saumlose
Tradition Clintonscher Machtpolitik: Der
heute 66-Jährige war einst Bill Clintons
Stabschef, zuletzt sorgte er dafür, das von
Unerfahrenheit und Erschöpfung zerrüttete
Weiße Haus Obamas zu stabilisieren.
Ernsthafte interne Konkurrenz fehlt
Bis zur Wahl am 8. November 2016 kann
noch viel passieren, doch Clintons Siegeschancen stehen gut. Sie hat erstens, anders
als vor acht Jahren, keine ernsthaften parteiinternen Herausforderer. Zweitens scheint ihr
politischer Gegner aus den Fehlern der Kampagne vor vier Jahren nichts gelernt zu haben.
Ein Dutzend republikanischer Senatoren und
Gouverneure rittern um die Nominierung
und zersplittern damit nicht nur das Eintreiben jener enormen Wahlspenden, ohne die
man nicht ins Weiße Haus kommt, sondern
auch den Diskurs darüber, wohin es inhaltlich
ZUR PERSON
Hillary Clinton, 67,
hegt schon lang
Ambitionen auf das
höchste Staatsamt.
Nach der Amtszeit ihres
Mannes, Bill Clinton,
wurde sie 2001 in den
Senat gewählt. 2008
verlor sie im Rennen um
die Präsidentschaftskandidatur der
Demokraten gegen
Barack Obama, der sie
dann zu seiner Außenministerin machte.
gehen soll: Noch stärker an den ideologischen Rand rechtsaußen, wie es der demagogische texanische Senator Ted Cruz fordert?
Oder in die Mitte der Gesellschaft, wie es Jeb
Bush befürwortet, Sohn und Bruder der letzten beiden republikanischen Präsidenten?
Hillary Clinton kann das nur freuen.
Denn je radikaler sich die Republikaner geben, desto einfacher wird es für sie, jene gemäßigten Wähler für sich zu gewinnen, die
ihr angesichts diverser Finanzskandale und
der jüngsten Aufregung um die Frage, ob sie
ihre E-Mails als Außenministerin gelöscht
habe, skeptisch gegenüber stehen. Denn
eines hat Clinton in den Wahlkampagnen ihres Gatten Bill gelernt: In der Mitte liegt die
Macht – und der Schlüssel zum Wahlsieg.
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VON THOMAS VIEREGGE
Hillarys großer Traum
D
ass Hillary Clinton erneut um die
Präsidentschaft antritt, ist wahrlich
keine Sensation. Alle Welt hat es von der
einstigen First Lady, Ex-Senatorin und
ehemaligen Außenministerin erwartet –
zuvorderst ihr Mann und oberster Wahlkampf-Guru Bill Clinton, ihr Ass und zugleich ihr großer Schwachpunkt.
Der Ankündigung ihrer Kandidatur
am Sonntag geht eine ausgetüftelte Inszenierung zuvor. Am Wochenende wird die
67-Jährige, die neuerdings so gerne von
ihren Oma-Freuden schwärmt, durch
Iowa touren – den Agrarstaat im Mittleren
Westen, in dem sie bei ihrem ersten Anlauf vor sieben Jahren einen so schweren
Stand gegen Newcomer Barack Obama
hatte. Vieles soll diesmal anders werden:
Ihre Online-Wahlkampagne steuert eine
frühere Google-Managerin, ihr Wahlkampfteam aus Clinton-Veteranen versucht, die Wahlkampfmaschine Bill in geordnete Bahnen zu lenken.
Wie griechische Rachegöttinen verfolgen sie Altlasten und Affären aus der Ära
ihres Mannes, nicht zuletzt eine gewisse
Monica Lewinsky. Schon ertönt Kritik an
der Quasi-Monarchie. Hillary Clinton
muss eine klare Alternative formulieren zu
Bill Clinton und Barack Obama: Frau zu
sein allein ist zu wenig. Sonst platzt ihr
großer Traum von der ersten Präsidentin.
Mehr zum Thema:
USA/Kuba: Hoffen
auf das Ende einer
jahrzehntelangen
Feindschaft ........ S. 2, 3
Wie Obama den
Einfluss in Südamerika
stärken will ............... S. 4
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