Anlagebarometer

Anlagebarometer
Veränderte Anreizstruktur
Negativzinsen – wie weiter?
Für Privatanleger | April 2015
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Wir sind stolz darauf, dass wir unseren Kundinnen und Kunden und der Bevölkerung aufgrund wertvoller
Partnerschaften als kleines Dankeschön ein Stück Schaffhauser Lebensqualität näherbringen können. Unsere
regionalen Vergünstigungen richten sich an alle Karteninhaber einer Maestro-Karte oder Maestro-STUcard
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der Schaffhauser Kantonalbank sowie an eine Begleitperson. Einfach Karte vorweisen und zu vorteilhaften
Konditionen Kultur-, Sport- und Freizeitangebote in unserer Region geniessen. Viel Vergnügen.
Die Eintrittsermässigungen gelten in der Regel beim Ticketkauf an der Tages-/Abendkasse. Diese Vorteile (Vergünstigungen, Rabatte etc.) sind teilweise zeitlich
begrenzt oder nur beschränkt verfügbar und können ohne Vorankündigung jederzeit geändert oder ersatzlos gestrichen werden. Die Bank übernimmt keine Gewähr.
KB-Schiff 2015
03. Juli – 14. August 2015
Liebe Leserin, lieber Leser
Der erste Zinsschritt der amerikanischen Notenbank wird zwar
wohl erwartungsgemäss im Sommer erfolgen. Doch der weitere
Zinserhöhungspfad dürfte wesentlich flacher verlaufen, als es
die Prognosen der Fed-Mitglieder bislang offengelegt haben.
Die Voraussagen haben sich damit den deutlich tieferen Markterwartungen für die Fed Funds Rate angenähert. Dies sind gute
Nachrichten für die Aktienbörsen, deren Übergewichtung ausgebaut wird. Die Aussichten auf einen flacher verlaufenden Zinserhöhungspfad sollten den massiven Aufwertungsdruck auf die
US-Währung abmildern.
Ihre Schaffhauser Kantonalbank
Alle Angaben ohne Gewähr. Diese Publikation finden Sie auch unter www.shkb.ch
Schaffhauser
Kantonalbank | Postfach | 8201 Schaffhausen | Tel. +41 52 635 22 22
Anlagebarometer April 2015 | 3
Negativzinsen – wie weiter?
Die Schweizerische Nationalbank greift auf unkonventionelle Massnahmen zurück und versucht
mit Negativzinsen, Anlagen in Schweizer Franken unattraktiv zu machen. Neben dem
3-Monats-Libor notierten zeitweise auch die Renditen der Schweizer «Eidgenossen» mit Laufzeit
bis zehn Jahre im negativen Bereich. Geschäftsbanken müssen zudem einen Margenschwund
im Zinsdifferenzgeschäft hinnehmen, wenn sie die Negativzinsen absorbieren. In diesem Umfeld
bietet sich für Anleger an, bei Aktien schwergewichtig in Produktionsfaktoren zu investieren.
Von Nicola Grass und David Marmet
SNB führt Negativzinsen ein
Auch Renditen von Staatsanleihen negativ
Die Schweizerische Nationalbank (SNB) kündigte am 18. Dezem-
Neben negativen Einlagesätzen notieren auch die Renditen
ber 2014 überraschend an, dass ab dem 22. Januar 2015 nega-
einiger europäischer Staatsanleihen im negativen Bereich. Bei
tive Zinsen von –0.25 % auf Giroguthaben der Geschäftsbanken
der Eidgenossenschaft traf dies teilweise sogar auf 10-jährige An-
bei der SNB gelten sollen. Zusammen mit der Aufgabe des
leihen zu (vgl. Grafiken 1 und 2). Ausländische Investoren setzen
EUR/CHF-Mindestkurses wurden diese Negativzinsen dann am
wohl auf einen langfristigen Aufwärtstrend des Schweizer Fran-
15. Januar 2015 sogar auf –0.75 % erhöht. Inländische Geschäfts-
kens. Somit wären für sie die Erträge in ihrer heimischen Währung
banken zahlen somit 0.75 % auf Sichteinlagen, die derzeit das
trotzdem positiv. Die negativen Renditen auf deutschen und fran-
20-Fache der gesetzlichen Mindestreserve überschreiten. Zudem
zösischen Staatsanleihen zeigen allerdings, dass generell ein An-
wurde das Zielband für den Leitzins auf –1.25 % bis –0.25 % ver-
lagenotstand herrscht. Folglich nehmen Investoren in Zeiten der
schoben. Ziel dieser unkonventionellen Massnahme ist es, An-
Eurokrise sogar Verluste in Kauf, um nicht der Volatilität des
lagen in Schweizer Franken unattraktiv zu machen. Der Auf-
Marktes ausgesetzt zu sein. Zudem sind Pensionskassen und Ver-
wertungsdruck auf den Franken soll damit gelindert und die
sicherer regulatorisch und statutarisch gezwungen, festverzins-
schweizerische Wirtschaft gestützt werden.
liche Anlagen zu halten. Die Nachfrage nach sicheren Anleihen
4 | Anlagebarometer April 2015
Schaffhauser Kantonalbank
bleibt somit auch bei negativen Nominalrenditen nicht aus. Kurz-
letzter Zeit angehoben, sodass Versicherungen derzeit zu den
fristig können dank der aktuell herrschenden Deflation zumindest
günstigsten Anbietern von Hypotheken gehören. Wird auf Nega-
positive Realrenditen erwirtschaftet werden.
tivzinsen verzichtet, die Nullzinsgrenze für Privatkunden also beibehalten, werden zudem Sichteinlagen bei Banken mit hoher
Negativzinsen bergen einige Gefahren
Bonität attraktiver, weil bei gleichen Zinsen eine höhere Sicherheit
geboten wird. Das führt für diese Banken bei Negativzinsen zu
Obwohl Negativzinsen eine Wirtschaft stimulieren können, ber-
einer Mehrbelastung. Überdies wird es für die Banken mit hoher
gen sie auch Gefahren. Grundsätzlich bewirken Negativzinsen,
Bonität zunehmend schwieriger, Anleihen zu emittieren, da die
dass Sparer und Anleger teilenteignet und risikoarme Geschäfts-
Renditen dieser «sicheren» Obligationen vergleichsweise unat-
politiken bestraft werden. Negativzinsen ermutigen, in risiko-
traktiv sind. Infolgedessen kann es zu Instabilitäten im Finanzsek-
reiche Anlagen zu investieren, was zu Vermögenspreisblasen
tor kommen. Falls die Geschäftsbanken die Negativzinsen jedoch
führen kann. Da Kreditnehmer bezahlt werden, dürfte die Ver-
an Privatkunden weitergeben, besteht die Gefahr eines Ansturms
schuldungsquote steigen. Negativzinsen führen zudem zu einem
auf Banken und der Bargeldhortung. Dies kann zu einem Einbruch
Anlagenotstand, weshalb Schweizer Vorsorgesysteme, die ge-
der Investitionen und des Konsums führen. In der Schweiz werden
setzlich an Quoten gewisser Anlageklassen gebunden sind, unter
Bankschliessfächer und 1000er-Noten bereits jetzt zunehmend
starken Druck geraten. Falls Geschäftsbanken die Negativzinsen
populärer, obwohl Schliessfachgebühren ähnlich wie Negativ-
auf Einlagen bei der SNB absorbieren und nicht an die Sparer
zinsen wirken.
weitergeben, sinkt ihre Profitabilität. Zum Kerngeschäft der Banken gehört das Vermitteln zwischen langfristigen Krediten und
Durchbrechen der Nullzinsgrenze
kurzfristigen Kundeneinlagen, die sogenannte Finanzintermediation. Da bei tiefen Zinsen langfristige Festhypotheken stärker
Bargeld besitzt eine Nominalrendite von 0 % und somit existiert
nachgefragt werden, steigt das Problem der Fristigkeiten und so-
theoretisch eine Nullgrenze für Depositensätze. Falls Negativzin-
mit die Verlustgefahr bei steigenden Zinsen. Die daraus resultie-
sen auf breiter Front wirken sollen, so besteht die Problematik des
renden erhöhten Zinsabsicherungskosten führen zu einem Mar-
Durchbrechens dieser Nullzinsgrenze. In der Realität bringt
genschwund im Zinsdifferenzgeschäft, was eine erhebliche
Bargeldhortung gewisse Kosten, wie Schliessfachgebühren und
Belastung für Schweizer Banken darstellt. Aus diesen Gründen
Diebstahlrisiko, mit sich. Leicht negative Zinsen dürften deshalb
haben Geschäftsbanken die langfristigen Hypothekarzinsen in
von der Bevölkerung akzeptiert werden. Sind die Negativzinsen
Grafik 1: Zinsstrukturkurven im internationalen Vergleich
Grafik 2: Schweizer Zinsstrukturkurve über die Zeit
2.5%
1.2%
1.0%
2.0%
0.8%
1.5%
0.6%
1.0%
0.4%
0.5%
0.2%
0.0%
0.0%
–0.2%
–0.5%
–0.4%
–0.6%
–1.0%
1
2
3
4
5
6
Schweiz
Deutschland
USA
UK
Quellen: Thomson Datastream, Zürcher Kantonalbank
Schaffhauser Kantonalbank 7
8
9
10
Frankreich
–0.8%
2
3
Heute
4
5
6
Vor 6 M.
7
8
9
10
Vor 1 J.
Quellen: Thomson Datastream, Zürcher Kantonalbank
Anlagebarometer April 2015 | 5
Negativzinsen – wie weiter?
( Fortsetzung )
allerdings grösser als die Kosten der Alternative (Bargeldhortung),
bedarf es aus ökonomischer Sicht weiterer Massnahmen, um Anstürme auf Banken zu verhindern. Allgemein anerkannte Ideen
sind die Einführung von Gebühren auf Banknoten oder gleich
gänzlich die Abschaffung von Bargeld, weil in einer Welt mit
ausschliesslich digitalem Geld das Durchbrechen der Nullzinsgrenze nicht allzu problematisch ist. Wäre Bargeld unattraktiv
oder ganz abgeschafft, würden zum Beispiel Investitionen mit tief-
Grafik 3: Auswirkung der SNB-Massnahme
1.25
1.20
1.15
1.10
1.05
1.00
0.95
0.90
er oder sogar leicht negativer Rentabilität getätigt, da der Verlust
0.85
nicht grösser als bei Nichttätigung (Geldhortung wird mit Nega-
0.80
tivzinsen bestraft) wäre. Die SNB könnte somit ihre Geldpolitik
auch in einem lang anhaltenden Negativzinsumfeld durchsetzen.
Ob die Bevölkerung dafür aber bereit ist, darf angezweifelt wer-
01/15
02/15
03/15
USD/CHF-Wechselkurs
EUR/CHF-Wechselkurs
Quellen: Thomson Datastream, Zürcher Kantonalbank
den, da virtuellem Geld weniger vertraut wird als physischem, die
Abhängigkeit von Computersystemen steigt und jede Transaktion
US-Dollar notierte der Franken zwischenzeitlich sogar wieder auf
verfolgbar ist. Zudem wären massive gesetzliche Anpassungen
dem Niveau von vor der Mindestkursaufhebung (Grafik 3). Der
notwendig, sind doch Depositengelder – im Gegensatz zu Bar-
Hauptgrund für die in den letzten Wochen zu beobachtende Ab-
geld – kein gesetzlich verankertes Zahlungsmittel.
wertung dürfte bei den Negativzinsen zu finden sein. Nichtsdestotrotz ist die aktuelle, rund zwölfprozentige Aufwertung gegen-
Effekt von Negativzinsen auf Realwirtschaft
über dem Euro eine schwere Bürde für die Exportindustrie und den
Tourismus. Sie dürfte für einen herben Dämpfer im Wachstum
Den Einfluss der eingeführten Negativzinsen auf die Schweizer
sorgen. Für den Schweizer Exportsektor ist allerdings die Preis-
Realwirtschaft zu quantifizieren, ist mit vielen Unsicherheiten ver-
elastizität kleiner als die Nachfrageelastizität. Ein zehnprozen-
bunden. Zwar hat die Einführung von Negativzinsen, isoliert be-
tiger Preisanstieg ist folglich weniger problematisch als ein Nach-
trachtet, einen positiven Effekt auf das kurzfristige Wirtschafts-
fragerückgang im selben Umfang. Die gestiegene Nachfrage in
wachstum: Konsum und Investitionen steigen, denn das Sparen ist
Europa und den USA vermag deshalb den Preisschock etwas ab-
unattraktiv. Das Bauwesen und die Industrie profitieren dabei von
zufedern. Wir erwarten somit, dass eine Rezession abgewendet
tiefen Fremdkapitalzinsen, während der Detailhandel seine Um-
werden kann und das reale Bruttoinlandsprodukt 2015 im Vorjah-
sätze dank wachsendem Konsum steigern kann. Längerfristig
resvergleich um 0.5 % wachsen wird. Zudem rechnen wir auf
haben Negativzinsen allerdings unserer Ansicht nach einen
Jahresfrist mit einer Seitwärtsbewegung des EUR/CHF-Wechsel-
schädlichen Effekt auf das Wirtschaftswachstum, da es wegen
kurses. Aufgrund des starken Dollar wird sich allerdings der Fran-
der veränderten Anreizstruktur zu Fehlallokationen von Kapital
ken handelsgewichtet noch leicht abwerten. Die SNB dürfte noch
kommen kann. In der Realität können Negativzinsen aber natür-
für längere Zeit am Konzept der Negativzinsen festhalten, wobei
lich nicht isoliert betrachtet werden. Insbesondere in der Schweiz
gar eine weitere Zinssenkung nicht ausgeschlossen werden kann.
ist die Wechselwirkung mit dem Devisenkurs ausschlaggebend.
Dieser Meinung scheinen auch die Marktteilnehmer zu sein,
Daher stellt sich die Frage, wie die Schweizer Volkswirtschaft den
notierte doch die 3-Monats-Libor-Futures aktuell bis 2020 im
«Doppelschock» (Negativzinsen und Aufhebung EUR/CHF-Min-
negativen Bereich.
destkurs) verdauen wird.
Für Anleger bedeutet dies, dass zurzeit kaum ein Weg an
Aktien vorbeiführt. In einem Umfeld mit Negativzinsen bietet sich
Schweiz wird eine Rezession abwenden können
an, schwergewichtig in Produktionsfaktoren – also in Humankapital, Sachkapital und Boden – zu investieren.
Seit dem 15. Januar 2015 hat sich der Schweizer Franken gegenüber allen wichtigen Währungen wieder klar abgewertet. Zum
6 | Anlagebarometer April 2015
Schaffhauser Kantonalbank
Gold lediglich
vorübergehend belastet
Auf längere Sicht mit Potenzial
als die Hälfte der globalen Nachfrage am physischen Goldmarkt
entfällt schon heute auf die Notenbanken Chinas und Indiens und
Aufgrund der massiven USD-Aufwertung, steigender US-Renditen
die wachsende Mittelschicht dieser beiden Länder.
und guter Aktienmärkte musste Gold all seine Gewinne vom Jahresbeginn wieder abgeben – forciert durch Verkäufe von Finanz-
Grafik 1: Opportunitätskosten von Gold
investoren an den Futuresmärkten. Mit weiteren Preisnachlässen
rechnen wir nun nicht mehr. So spricht klar für Goldengagements,
90
dass die Opportunitätskosten für das Halten von zinslosem Gold
70
Schweiz in den negativen Bereich gerutscht sind (Grafik 1). Zu-
50
dem profitiert Gold grundsätzlich als Alternativwährung davon,
30
2014
2011
2008
2005
2002
1999
1996
1993
1990
Opportunitätskosten von Gold aus CHF-Sicht
Der Goldpreis kam beim letzten US-Zinserhöhungszyklus in den
Jahren 2004 bis 2006 nur im Vorfeld der Zinswende für kurze
1987
–10
1984
Nur vorübergehend belastet durch Zinswende
10
1981
der Schweiz) in eine nächste Runde gehen wird.
1975
dass der globale Abwertungskampf (mit Ausnahme der USA und
1978
mit der Einführung von Negativzinsen in etlichen Ländern wie der
Quellen: Zürcher Kantonalbank, Thomson Datastream
Zeit leicht zurück. Danach konnte er im Zuge der Zinserhöhungen
zulegen (Grafik 2). Somit belastet ein Umfeld mit behutsam steigenden Leitzinsen, aber kaum anziehenden Renditen am langen
Marktende den Goldpreis höchstens vorübergehend. Auch ein
Grafik 2: Goldpreis und Zinswende 2004 – 2006
6
eher deflationäres Umfeld, wie es in der EU vorherrscht, spricht
5
nicht gegen Goldengagements, da typische Begleiterscheinungen
4
dieses Umfelds eine ausgeprägte Unsicherheit über die künftigen
Wirtschafts- und Finanzmarktaussichten sind.
750
700
650
600
550
3
500
2
Asien vor Wiederbelebung
Anders als die eher preisunempfindlichen westlichen Investoren,
bei denen vor allem die vorteilhaften Schutz- resp. Portfolioeigenschaften von Gold im Vordergrund stehen, ist die Goldnachfrage
der Anleger in den Emerging Markets sehr preiselastisch und dürf-
450
400
1
350
0
300
2003
2004
Fed Funds Rate
2005
2006
Gold (USD/Unze; rechte Skala)
Quellen: Zürcher Kantonalbank, Thomson Datastream
te sich infolge des preisgünstigen Goldes wiederbeleben. Mehr
Aktuelle Anlagethemen
Valor
Produkt
Währung
Verfall
4 753 354
ZKB Gold ETF USD
USD
Open End
13 910 159
ZKB Gold ETF CHF
CHF
Open End
4 753 352
ZKB Gold ETF EUR
EUR
Open End
Schaffhauser Kantonalbank Anlagebarometer April 2015 | 7
Wirtschaft und Finanzmärkte
Divergierende Geldpolitiken
US-Konjunkturmotor läuft rund
Die USA gegen den Rest der Welt: So sieht es zumindest bei der
Die divergierenden geldpolitischen Ausrichtungen sind die Folge
Geldpolitik aus. Mit ganz wenigen Ausnahmen (wie Brasilien)
einer unterschiedlichen Wirtschaftsentwicklung. Die USA erfreuen
sind die USA das einzige bedeutendere Land, das die Geldpolitik
sich eines soliden BIP-Wachstums von rund 3.5 % im laufenden Jahr
nicht weiter lockert – vielmehr dürfte das Fed im Sommer erstmals
und einer signifikanten Verbesserung des Arbeitsmarktes (Grafik 2).
leicht an der Zinsschraube drehen. Demgegenüber hat die Euro-
In den meisten anderen Ländern ist das Konjunkturbild weniger
päische Zentralbank (EZB) erst am 9. März mit ihrer quantitativen
rosig. Wir erwarten zwar in der Eurozone dank den tieferen Ener-
Lockerung begonnen. Die Reaktion am Anleihenmarkt blieb nicht
giepreisen und der quantitativen Lockerung eine zyklische Erho-
aus, sind doch beispielsweise die Renditen der 10-jährigen deut-
lung. Die strukturellen Probleme und die zugespitzte Situation um
schen Staatsanleihen seither um 17 Basispunkte auf 0.22 % gesun-
Griechenland werden jedoch ein anhaltend stärkeres Wachstum
ken (Grafik 1). Die japanische Zentralbank kauft seit einiger Zeit
verhindern. Auch nach dem jüngsten Abendessen von Bundeskanz-
beträchtliche Mengen an Wertpapieren. Der Umfang entspricht
lerin Merkel mit Ministerpräsident Tsipras dürften sich die weiteren
rund 90 % der neu emittierten Staatsanleihen. Da sich die Inflation
Verhandlungen zwischen Griechenland und den «Institutionen»
momentan nicht in Richtung des von den Währungshütern gesetz-
schwierig gestalten. Japan ist jüngst aus der Rezession herausge-
ten Ziels von 2 % entwickelt, dürften die Wertpapierkäufe im Lau-
kommen, doch wird das Wachstum von strukturellen Defiziten und
fe des Jahres weiter erhöht werden. Das Konjunkturbild ist nicht
der ungünstigen demografischen Entwicklung limitiert. Bei den
nur in der Eurozone und Japan, sondern auch in vielen anderen
Schwellenländern ist gesamthaft ebenfalls wenig Wachstumsdyna-
Industrie- und Schwellenländern durch eine disinflationäre oder
mik zu beobachten. Für viele aufstrebende Volkswirtschaften sind
gar deflationäre Tendenz und ein moderates Wachstum geprägt.
auch die in den letzten Jahren deutlich angestiegene Verschuldung
Da eine stärkere Währung in diesem Umfeld nicht erwünscht ist,
und ein Mangel an Strukturreformen eine Wachstumsbremse.
kam es seit Anfang Jahr in etwa 20 Ländern weltweit zu Zinssenkungen. In einigen wenigen Ländern wie der Schweiz, Schweden
Stärke des US-Dollar setzt sich fort
und Dänemark liegen die Leitzinsen nun sogar im negativen Bereich. Obwohl die Schwächung der Währung oft nicht explizit als
Die divergierenden Geldpolitiken bleiben nicht ohne Folgen für
Ziel dieser geldpolitischen Lockerungen deklariert wird, ist das
die Weltwirtschaft und die globalen Finanzmärkte. Die erwartete
Ganze doch als eine Art Währungskrieg zu betrachten.
Zinserhöhung in den USA und weitere Zinssenkungen in vielen
Grafik 1: Renditen 10-jähriger Staatsanleihen (in %)
Grafik 2: Sinkende Arbeitslosenrate in den USA
0.6
2.0
0.5
1.8
11
10
9
0.4
1.6
0.3
1.4
0.2
8
7
6
1.2
0.1
0
1.0
01/15
02/15
Deutschland
03/15
Italien (rechte Skala)
Quellen: Zürcher Kantonalbank, Thomson Datastream
8 | Anlagebarometer April 2015
5
4
2005
2007
2009
2011
2013
2015
Arbeitslosenquote (in %)
Quellen: Zürcher Kantonalbank, Thomson Datastream
Schaffhauser Kantonalbank
anderen Ländern führen zu einer Ausweitung der Zinsdifferenzen
Flucht in risikoreichere Anlagen
zugunsten der USA. Da überdies die dortige Wirtschaft solide ist,
gewinnen US-Festverzinsliche somit relativ an Attraktivität, was
Für die Anleger bedeuten die tiefen und in einigen Ländern nega-
die Nachfrage nach US-Dollars steigert. Dies spricht für eine Fort-
tiven Zinsen eine grosse Herausforderung und einen Anlagenot-
setzung der Dollarstärke auf breiter Front. Dabei kann es zu Kapi-
stand. So liegen beispielsweise die Renditen der Staatsanleihen in
talabflüssen aus den Emerging Markets kommen. Insbesondere
der Schweiz mit Laufzeiten von bis zu zehn, in Deutschland bis zu
Länder mit grossen Leistungsbilanzdefiziten und hohen Auslands-
sieben und in den Niederlanden bis zu vier Jahren im negativen
verschuldungen sind diesbezüglich gefährdet.
Bereich. Um dennoch eine ansprechende Rendite zu erzielen,
müssen die Investoren vermehrt auf risikoreichere Anlagen wie
Auslandsschulden als Belastung
Aktien oder Immobilien ausweichen. Die Höhe der Immobilienpreise wird bereits heute in diversen Ländern wie China, der
Ein stärkerer US-Dollar bedeutet, dass die Auslandsschulden (zu-
Schweiz, Hongkong, Singapur oder Australien heftig diskutiert.
meist in USD) in Lokalwährung gerechnet ansteigen. Auffällig ist,
Von der globalen Liquiditätsschwemme profitieren vor allem die
dass im Gegensatz zu früher nicht die Staaten, sondern primär
Aktienbörsen (Grafik 4). Insbesondere die europäischen Dividen-
die Unternehmen die Auslandsschulden ausgeweitet haben. Der
denpapiere dürften vom «Quantitative Easing» der EZB stimuliert
negative Effekt der stärkeren US-Währung wird teilweise dadurch
werden. Wir gehen von einer weiterhin erfreulichen Entwicklung
abgemildert, dass bei manchen Unternehmen ein Teil der Einnah-
an den Börsen aus, die zwar von der ersten Zinserhöhung in den
men ebenfalls in US-Dollar anfällt. Dennoch werden die Wäh-
USA unterbrochen, aber kaum aufgehalten werden kann. Aller-
rungsverschiebung und die tendenziell höheren USD-Zinsen für
dings birgt diese Entwicklung das Risiko, dass sich mit der Zeit
viele Unternehmen zu einer Bewährungsprobe; sie werden das
Übertreibungen an einzelnen Immobilien- und Aktienmärkten auf-
gesamtwirtschaftliche Wachstum dämpfen. Solange das Fed kei-
bauen.
nen aggressiven Zinserhöhungsprozess einleitet (was unserer Ansicht nach ohnehin sehr unwahrscheinlichen ist) und sich der
US-Dollar nicht extrem aufwertet, werden die allermeisten Schwellenländer diese Entwicklung aber ohne Krise durchstehen, da sie
sich zumeist in einer besseren fundamentalen Verfassung befinden als in früheren Krisenzeiten (Grafik 3).
Grafik 3: Verschuldung und Reserven der Schwellenländer
Grafik 4: Aktienmarktentwicklung
34
200
190
180
170
160
150
140
130
120
110
100
90
30
26
22
18
14
2001
2004
2007
2010
Auslandsschulden in % des BIP
Devisenreserven in % des BIP
Quellen: Zürcher Kantonalbank, Thomson Datastream
Schaffhauser Kantonalbank 2013
2012
2013
S&P 500
2014
DAX
2015
SPI
Quellen: Zürcher Kantonalbank, Thomson Datastream
Anlagebarometer April 2015 | 9
Anlagepolitik
Aktienübergewicht wird ausgebaut
Die Fed-Chefin Janet Yellen hat jüngst abermals ein Zeitfenster für
Aktienengagements eröffnet. Wir nutzen dieses Fenster bis zur
US-Zinswende und erhöhen noch einmal unser Aktienübergewicht.
Dies geht gleichermassen zulasten von Gold, Rohstoffen und
Bonds. Die Erhöhung des Aktienübergewichts erfolgt in erster Linie
zu Gunsten des deutschen Aktienmarktes.
Strategieüberblick (Portfolio Ausgewogen)
Liquidität
Obligationen
Aktien
Alter. Anlagen
20%
0%
40%
Takt. Asset-Allokation
Schweizer Obligationen uninteressant
CHF
wartungen halten wir nur US-Bonds für attraktiv. Ein Vergleich der
EUR
schaften spricht kaum für Schweizer Obligationen, aber auch nicht
Benchmark
Anlagepolitik Obligationen (Portfolio Zinsertrag)
Dank vergleichsweise hohem Coupon und USD-Aufwertungserverschiedenen Zinsstrukturkurven in den wichtigsten Volkswirt-
USD
für Eurozonen-Bonds. Angesichts der Rohstoffpreisbaisse und einer
JPY
hohen Verschuldung in USD bleiben wir im Emerging-Markets-
Übrige
Bondsegment untergewichtet.
0%
20%
40%
Takt. Asset-Allokation
60%
Anlagepolitik Aktien (Portfolio Kapitalgewinn)
Die ultraexpansive Geldpolitik der EZB wird einen positiven Effekt
Emerging Mar.
auf den europäischen Aktienmarkt haben, dessen Bewertung im
Asien/Pazifik
litik sprechen auch die jüngsten Konjunkturdaten für die Aktien der
Eurozone.
80%
Benchmark
Nachholbedarf bei Aktien der Eurozone
Länderquervergleich noch tief ist. Neben Bewertung und Geldpo-
60%
Nordamerika
Europa
Schweiz
0%
10%
20%
Takt. Asset-Allokation
Währungspolitik (Portfolio Ausgewogen)
Die USD-Aufwertung dürfte im Jahresverlauf voranschreiten, wenn-
Schw. Franken
gleich weniger rasant als in den vergangenen Wochen. Den Hin-
Euro
den USA einerseits und in den meisten anderen OECD-Ländern
US-Dollar
anderseits. Insbesondere in der Eurozone gestaltet sich die Geld-
Britisches
Pfund
politik bis auf Weiteres überaus expansiv, was einer weiteren
Übrige
Euroaufwertung auch gegenüber dem Schweizer Franken entgegensteht.
40%
Benchmark
USD bleibt Favorit
tergrund bildet die unterschiedliche Ausrichtung der Geldpolitik in
30%
0%
20%
Takt. Asset-Allokation
40%
60%
Benchmark
Quelle Grafiken: Zürcher Kantonalbank
10 | Anlagebarometer April 2015
Schaffhauser Kantonalbank
Investment Ausblick
Wirtschaft und Finanzmärkte
Konjunktur- und Zinsentwicklung
2014
2015
BIP
2016
2014
2015
Inflation
2016
16.03.15
3M
3M Libor
1Y
16.03.15
10j. Rendite
3M
1Y
Schweiz
2.0
0.5
1.2
0.0
–0.8
0.4
–0.81
–0.80
–0.60
–0.17
–0.20
Euro-Zone
1.1
1.4
1.3
0.4
0.0
1.4
0.02
0.05
0.05
0.61
0.50
0.30
USA
2.4
3.6
2.7
1.6
0.5
3.0
0.27
0.30
1.30
2.10
2.20
2.40
Japan
0.0
0.9
1.5
2.7
0.9
1.1
0.10
0.15
0.20
0.42
0.50
0.60
China
7.4
7.0
6.8
2.0
1.4
1.8
5.29
4.0
4.0
na
na
na
Dividendenrendite
KGV1)
26.03.15
3M
1Y
Aktienindizes
26.03.15
Fundamental
12 Monate
Wechselkurse
0.00
SPI
9 095
9 580
2.8
17.8
EUR/CHF
1.05
1.05
1.05
Euro Stoxx 50
3 670
3 850
3.7
16.7
USD/CHF
0.96
0.98
1.05
S&P 500
2 056
2 050
2.4
17.3
JPY/CHF
0.81
0.80
0.81
19 471
21 000
2.4
15.9
GBP/CHF
1.43
1.46
1.50
EUR/USD
1.09
1.07
1.00
Nikkei 225
Rohstoffe
Öl
2)
56.90
60
Gold3)
1204
1350
Silber3)
17.05
23
Anlagepolitik
Globale Sektorstrategie
Aktien4) 5)
Überblick4)
Schweiz
Liquidität
+ (+)
Energie
– (=)
Portefeuille Zinsertrag 6)
Aktien
+ (+)
Grundstoffe
– (–)
Obligationen
Obligationen
– (–)
Industrie
= (=)
Immobilien
Alternative Anlagen
= (+)
Zyklischer Konsum
+ (+)
Total
Rohstoffe
– (=)
Nichtzykl. Konsum
= (=)
Gold
= (+)
Gesundheit
+ (+)
CH-Immobilien
+ (+)
Finanzwerte
= (–)
Aktien – Regionen4)
– (–)
Versorger
= (=)
(77)
8.00
(5)
6.00
(9) 19.50
(6)
0.00
Emerging
Markets
(0)
0.00
Total
(3)
92
(95)
8
(5)
100
(100)
Portefeuille Ausgewogen 6)
Liquidität
8.00
(5)
0.00
(0)
0.00
(0)
0.00
(0)
0.00
(0)
8
(5)
Obligationen
20.00
(33)
4.00
(6) 13.00
(4)
0.00
(0)
0.00
(2)
37
(45)
Aktien
13.00
(14) 17.00
(10) 10.00
(10)
5.00
(4)
2.00
(4)
47
(42)
1
(2)
Gold
2
(2)
– (–)
Immobilien
5
(4)
+ (+)
Total
100
(100)
– (–)
Europa
+ (+)
Nordamerika
Pazifik
Bonds – Währungen
+ (+)
66.50
Pazifik
Rohstoffe
Schweiz
Emerging Markets
IT
Telekom
Nordamerika
Europa
– (–)
(52) 21.00
CHF
– (–)
Aktien
EUR
– (–)
Rohstoffe
USD
+ (+)
Gold
JPY
= (=)
Total
Übrige
– (–)
3.00
27.00
30.00
(3)
0.00
Schaffhauser Kantonalbank (0)
(33) 35.00
0.00
(23) 21.00
(36) 35.00
Auf Basis 12 Monats-Konsensgewinnschätzung, 2) Crude Oil Brent, in USD pro Barrel, 3) in USD pro Unze,
Zeichenerklärung: + Übergewichten; – Untergewichten; = Marktgewichten (ggü. Benchmark)
1)
(16) 23.00
(14)
5.00
(4)
2.00
(6)
(0)
0.00
(23) 10.00
(0)
0.00
(0)
3
(3)
(9)
4.00
(9)
97
(97)
0
(0)
Portefeuille Kapitalgewinn 6)
Liquidität
4)
41.00
(23) 21.00
4)
(23) 10.00
(9)
4.00
(9)
0
(0)
100
(100)
Vormonat in ( ), 5) MSCI World, 6) Benchmarkgwichte in ( )
Quellen: Zürcher Kantonalbank, Thomson Reuters
Anlagebarometer April 2015 | 11
04.15 – 230 Änderungen vorbehalten
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