fhocus Nr. 26 / März 2015

fhocus
Das Magazin der Fachhochschule Münster
Ausgabe 26 | Sommersemester 2015
Charaktere für eine »Star Wars«-Episode
zeichnete Stian Dahlslett,
Absolvent des Fachbereichs Design der FH Münster.
Aktuell Erfolgreich abgeschlossen: Projekt FAM²TEC
International Sauberes Nutzwasser: Desinfektionsanlage in Tansania
Facetten Sichtbare Partikel: 2-Photonen-Mikroskopie für die Krebstherapie
Zur Person Ganz individuell: Alumni, Studierende und Berufene berichten
EDITORIAL
Vom Studienstart bis zur
Nachwuchsingenieurin
Nicht nur der Illustrator hat einen
Traumberuf. Nicht nur Gärtnern ist
cool. Und nicht nur Training macht
Spaß. Auch wenn der Chemieingenieur
zu tiefer liegenden Krebszellen forscht,
ist es fast wie eine große Spielwiese.
Aber dabei müssen wir beweglich bleiben – im Denken und im Handeln.
Dann ist alles hakuna matata, also kein
Problem. Außer Schwäbisch. Wichtig
ist ja, das Wesentliche immer im Blick
zu behalten, die Vielfalt der Welt zu genießen und sie anzuerkennen.
Hiermit haben Sie die Überschriften
der folgenden Beiträge nun kennengelernt – diese ganz zu lesen, dazu möchte ich Sie ermuntern. Denn sie spiegeln
die Buntheit und den Reichtum in Lehre und Forschung an unserer Hochschule wider!
Viel Spaß bei der Lektüre wünscht Ihnen
Prof. Dr. Ute von Lojewski
Präsidentin der Fachhochschule Münster
Das Titelbild zeigt eine Illustration von Stian Dahlslett. Der Absolvent der Fachhochschule Münster hatte
schon während des Studiums eine Mappe an Lucasfilm geschickt – und seine Initiativbewerbung gefiel
den Filmbossen: Er entwickelte erste Entwürfe von Charakteren für eine »Star Wars«-Episode. Seit gut
drei Jahren lebt Dahlslett nun als freischaffender Illustrator und Grafiker in Berlin. Lesen Sie mehr über
den »Traumberuf Illustrator« auf den Seiten 26/27.
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INHALT
6
Anschub für
8
Hakuna matata
12
Gärtnern ist cool!
16
Nachwuchsingenieurinnen
Vier bis zehn Prozent. Zwischen diesen
beiden niedrigen Werten bewegt sich
der Anteil von Studentinnen an den
Fachbereichen Maschinenbau, Elektrotechnik und Informatik sowie Energie · Gebäude · Umwelt. FAM²TEC will
technische Berufe attraktiver für junge
Frauen machen.
AKTUELLES
06
Anschub für Nachwuchsingenieurinnen
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24 »Es ist fast wie eine große
bleiben …«
Kein Problem war die Verständigung:
Chemieingenieurin Claudia Süssemilch lernte Suaheli, um in Tansania
ihr Wissen weiterzugeben. In Mtwara
hat sie für Ingenieure ohne Grenzen
eine Zisternenanlage um eine Desinfektionsanlage erweitert und die Angestellten geschult, damit sie die Anlage selbst warten können.
INTERNATIONAL
Inzwischen ist es Trend, in Münster
aber waren sie die Trendsetter: Nicole
Rogge und Anna Rechenberger. Warum dieses für junge Leute eher seltene
Hobby zu ihrer Leidenschaft und zum
Bestandteil des Masterstudiengangs
Dienstleistungs- und Ernährungswirtschaft wurde, erzählen sie in einem Interview.
FACETTEN
Wie bei einer Silberhochzeit fragt man
sich: Waren es gute 25 Jahre? Haben
wir alle Hürden erfolgreich genom
genommen? Ja, sagte Dr. Stefan Gesmann.
Weiterbil
Was dem Leiter des Referats Weiterbildung am Fachbereich Sozialwesen
beim Jubiläum durch den Kopf ging,
hat fhocus aufgezeichnet.
ZUR PERSON
08
Hakuna matata
12
Gärtnern ist cool!
26
Traumberuf Illustrator
10
Die Vielfalt der Welt
genießen
16
»Wir müssen beweglich
bleiben – im Denken und im
Handeln«
28
Er kann alles.
Außer Schwäbisch.
30
4
»Wir müssen beweglich
18
Studienstart leicht gemacht
20
Chemieingenieur forscht zu
tiefer liegenden Krebszellen
22
Vielfalt anerkennen
24
»Es ist fast wie eine große
Spielwiese!«
32
Das Wesentliche immer
im Blick
»Das Training mit den Mädels
macht mir riesigen Spaß«
30 Das Wesentliche immer
Spielwiese!«
im Blick
Sie sind zwischen 34 und 37 Jahre alt. … hat Anna-Lena Euwens. Egal ob als
Ihre Forschungsschwerpunkte: IT-Si- Studentin und Tutorin am Fachbecherheit, Industrieelektronik und reich Architektur, als Trainerin im
Nachrichtentechnik. Die Professoren Sportverein oder Patin in der Stiftung
Götz Kappen, Falk Salewski, Christian Mitmachkinder. Wenn sie ihr MasterStörte und Sebastian Schinzel berich- studium beendet hat, würde sie am
ten über ihren Wechsel von der Indus- liebsten ein Drogenentziehungsdorf
trie an die Hochschule.
bauen und ein Altenheim, in dem niemand einsam ist.
33
Neu an der FH
Prof. Dr. Jörg Harnisch
Prof. Dr. Anke
Menzel-Begemann
Prof. Dr. Florian Altendorfner
Prof. Dr. David Hochmann
Prof. Dr. Götz C. Kappen
Prof. Dr. Stefan Wolf
Prof. Martin Ebert
ÜBER UNS
37
Die Fachhochschule Münster
in Zahlen und Fakten
38
Studiengänge an der
Fachhochschule Münster
IMPRESSUM
39
39
Impressum
Kontakt
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AKTUELL |
Projekt FAM 2 TEC
Anschub für
Nachwuchsingenieurinnen
Vier bis zehn Prozent. Zwischen diesen beiden niedrigen Werten bewegt sich die Quote der weiblichen
Studierenden an den Fachbereichen Maschinenbau, Elektrotechnik und Informatik sowie Energie · Gebäude · Umwelt. Wie können technische Berufe attraktiver werden für junge Frauen? Welche Unterstützung
brauchen Studentinnen, um Studium und Einstieg in die Technikbranche optimal zu meistern? Damit hat
sich das Projekt »FAM²TEC – Mehr Frauen in MINT« beschäftigt. Und mit neuen Angeboten mancher
weiblichen MINT-Karriere Anschub gegeben.
»N
ach dem dritten
Semester hatte ich
ein Tief«, erinnert
sich Nina Borgert.
Ist das Studienfach das richtige für
mich? Soll ich lieber eine Ausbildung
bei den Stadtwerken beginnen? Diese Fragen kreisten in ihrem Kopf. Dass
die 22-Jährige ihr Studium der Energie-, Gebäude- und Umwelttechnik dennoch fortgesetzt hat, nun im 5. Semester studiert und optimistisch in ihre Zukunft als Ingenieurin schaut, daran hat
FAM²TEC einen Anteil.
Borgert war eine von 25 Studentinnen
aus den technischen Fachbereichen,
die am Mentoring-Programm des Projekts teilnahmen. Die Spielregeln: Jeweils ein Semester lang bildeten eine
Studentin und eine Mentorin oder ein
Mentor aus einem der 14 FAM²TECPartnerunternehmen ein »Tandem«.
Durch den intensiven Austausch mit ihrer Mentorin Melanie Hoppe-Wolf von
der Netz Ingenieurbüro GmbH bekam
Borgert neuen Mut für ihr Studium.
Fachliche Verständnisfragen, der Alltag
im Ingenieurbüro, die Planung einer
Praxisphase im Ausland, die Gestaltung
von Bewerbungsunterlagen, der Berufseinstieg – die Themen der Gespräche
deckten ein breites Spektrum ab. Auch
Tipps, wie man sich als Frau in einer
männerdominierten Arbeitswelt verhält, nahm die Studentin dankbar an.
Das Mentoring-Programm gehörte zu
den vielfältigen Angeboten, die die beiden FAM²TEC-Projektpartner, der Fach-
Waren an der FH
Münster für das
Projekt FAM²TEC
verantwortlich:
Eva Keller und Prof.
Dr. Jürgen Scholz
vom Fachbereich
Maschinenbau.
6
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bereich Maschinenbau und HeurekaNet
e.V., in den vergangenen zweieinhalb
Jahren auf die Beine gestellt haben. Der
Hintergrund der Bemühungen: Besonders in den MINT-Berufen ist der Bedarf an Fachkräften groß, gerade in
ländlichen Gebieten wie dem Münsterland. Große Potenziale und Chancen sehen Experten bei den Frauen. Die entscheiden sich allerdings nach wie vor
relativ selten für naturwissenschaftlichtechnische Berufe und Studiengänge.
Deshalb richteten sich einige FAM²TECVeranstaltungen direkt an die potenziellen Studentinnen von morgen: technikinteressierte Schülerinnen. Mädchen der Mittelstufe absolvierten beim
jährlichen »Girls’ Day« einen MINT-Parcours mit vielen Mitmach-Experimenten – und bekamen spielerisch einen
ersten Einblick in die technischen Fachbereiche. Für Schülerinnen der Oberstufe entwickelte das FAM²TEC-Team
gemeinsam mit der Zentralen Studienberatung und dem Schulnetzwerk das
mehrtägige
Herbstferien-Programm
»DiscoverING Camp«. Workshops, eigenes Ausprobieren im Labor, Exkursionen zu Unternehmen und Fragerunden in lockerer Atmosphäre brachten
den Teilnehmerinnen die Welt der Ingenieurinnen näher. »Bei den Veranstaltungen haben wir deutlich gemerkt,
wie viel Potenzial in den interessierten
jungen Frauen steckt. Es ist wichtig und
nötig, sie zu ermutigen, eine Karriere
im MINT-Bereich anzustreben«, so das
Fazit von Prof. Dr. Jürgen Scholz, der
gemeinsam mit Eva Keller das Projekt
FAM²TEC vonseiten der FH Münster
Vor
betreute. Mut sollen auch positive Vorbilder machen, deshalb unterstützte das
FAM²TEC-Team die Entwicklung der
»Frau
kürzlich erschienenen Broschüre »Frauen in MINT«, in der 22 Absolventinnen
der FH Münster von ihrem Werdegang
berichten.
Frau
Dass sich relativ wenige junge FrauStudi
en für eine Ausbildung oder ein Studium in MINT-Fächern entscheiden, liegt
be
laut Experten auch daran, dass sie befürchten, einen technischen Beruf und
be
Familie nicht unter einen Hut zu bekommen. Deshalb war ein weiteres Ziel
von FAM²TEC, Unternehmen aus der
familienbewuss
Region beim Ausbau familienbewussUnter
ter Strukturen zu helfen. »Die Unternehmensleitungen sehen, dass es für
wich
ihre Personalgewinnung immer wichattrak
tiger wird, auch für Frauen ein attraktiver Arbeitgeber zu sein«, so Andreas
Heu
Schulte Hemming, Vorstand von Heu-
»FRAUEN IN MINT«
Unter dem Motto »Entdecke die Welt der Ingenieurinnen!« lernten
MINT-interessierte Oberstufenschülerinnen beim »DiscoverING Camp” in den
Herbstferien die technischen Studiengänge kennen.
Beim jährlichen Girls' Day bot FAM²TEC Schülerinnen einen »MINT-Parcours«
auf dem Steinfurter Campus. An verschiedenen Experimentierstationen
erforschten die Mädchen naturwissenschaftliche Phänomene.
In der Projektlaufzeit vom 1. Mai
2012 bis 31. Dezember 2014 bot
»FAM²TEC – Mehr Frauen in
MINT« insgesamt rund 130 VerVer
anstaltungen an und erreichte
Teilnehmerin
damit etwa 500 Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Angebote
gab es für Schülerinnen, StudenStuden
rekaNet e.V. Für Geschäftsführer und
Personalverantwortliche standen etwa
Workshops zu Themen wie Diversity,
familienbewusste Schichtarbeit und
Vereinbarkeit von Beruf und Pflege auf
dem Programm.
Partnerunternehtinnen sowie Partnerunterneh
men aus dem Maschinen- und
Anlagenbau und angrenzenden
Branchen. Finanzielle Förderung
erhielt das Projekt von der Bun
Bundesinitiative »Gleichstellung von
Frauen in der Wirtschaft«, vom
Fachbereich Maschinenbau und
der Gleichstellungsbeauftragten
der FH Münster.
Zum feierlichen Projektabschluss kamen im vergangenen Dezember viele Beteiligte im Parkhotel Schloss Hohenfeld in Münster zu einer Transferveranstaltung zusammen. »Projekte
wie FAM²TEC leisten einen wichtigen
Beitrag, um mehr Frauen für technische Berufe zu begeistern«, lobte NRWLandtagsabgeordnete Nadja Lüders in
ihrem Grußwort.
Im Fall von Nina Borgert hat dies funktioniert. Die Studentin plant derzeit
eine Praxisphase in Bolivien und ihre
Bachelorarbeit in der Umwelttechnik.
Sie möchte erforschen, wie die Phosphatrückgewinnung aus Klärschlamm
gelingen kann. Und wer sie über dieses
Thema sprechen hört, spürt ihre Begeisterung.
KONTAKT
Prof. Dr. Jürgen Scholz
[email protected]
www.fam2tec.de
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INTERNATIONAL |
Ingenieure ohne Grenzen
»Mit Sonnenlicht lassen sich Keime im Wasser abtöten«, be
beschreibt die Ingenieurin die einfache Methode, die sie durch
Titandioxidpartikel, die als Katalysator wirken, noch effizien
effizienFachbeter machte. Im Labor von Prof. Dr. Thomas Jüstel am Fachbe
reich Chemieingenieurwesen entstand ihre Idee, die sie dann
in Mtwara während eines zweieinhalbmonatigen Aufenthalts
realisierte.
»Uns war es wichtig, Materialien zu verwenden, die es auch
dort zu kaufen gibt.« So baute die Ingenieurin aus Plexiglas
Waseinen großen Behälter, in dem zweimal täglich 200 Liter Was
ser in dem vierstündigen Prozess mit Sonnenlicht und dem
Katalysator desinfiziert werden können. Das gereinigte Was
Wasser wird in einem Tank gesammelt.
Zudem schulte Süssemilch die afrikanischen Studentinnen
und verdeutlichte die Gefahren von mangelnder Hygiene
beim Trinkwasser. Sie unterwies die jungen Frauen im Um
Umgang mit der Desinfektionsanlage und bildete die Angestell
Angestellten der Wohnheimanlage aus, die die Wasserqualität dort re
regelmäßig überprüfen. Dabei sei die Verständigung »hakuna
matata«, also kein Problem gewesen, denn sie hatte vor ihrem
Afrikaprojekt Suaheli gelernt.
Hakuna matata
Claudia Süssemilch vom Fachbereich Chemieingenieurwesen reiste für Ingenieure ohne Grenzen nach
Tansania. Dort erweiterte sie eine Zisternenanlage in einem Studentinnenwohnheim, um täglich rund 400
Liter Wasser von Kolibakterien und Enterokokken zu befreien: mit Sonnenlicht und Titanoxid.
»J
etzt können die Studentinnen in Mtwara das
Wasser bedenkenlos zum Zähneputzen oder
Salatwaschen verwenden.« Mit Stolz berichtet
Claudia Süssemilch von dem Wasserprojekt in
Tansania. Die Masterabsolventin des Fachbereichs Chemieingenieurwesen verwendete ein preiswertes Verfahren zur Desinfektion des Zisternenwassers, das die rund 200 Bewohnerinnen nun problemlos selbst anwenden können. »Bisher hatte sich einfach niemand um die Beschaffenheit des Wassers
gekümmert«, erzählt die 29-Jährige, die selbst Mitglied der
Regionalgruppe Ingenieure ohne Grenzen ist. Diese Gruppe
hatte bereits im Jahr 2012 den Bau der unterirdischen Zisterne mit studentischer Hilfe von Martin Lenting aus dem Fachbereich Bauingenieurwesen realisiert.
»Zunächst musste ich mir einen Eindruck von der Wasserqualität machen.« Deshalb reiste die Chemieingenieurin zu
Beginn des Projekts für zwei Wochen nach Tansania und untersuchte das Wasser der 45.000 Liter fassenden Zisterne, die
durch Niederschläge vom Dach der Wohnheimanlage und
Stadtwasser gefüllt wird. »Eigentlich sollte das Wasser nur
zum Duschen, Waschen und für die Toilettenspülung genutzt
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Derzeit freut sich die Ingenieurin, die mittlerweile bei der Fir
Firma Tailorlux in Münster arbeitet, auf ihren nächsten Besuch
in Mtwara. Noch in diesem Jahr möchte sie sich davon über
überzeugen, dass die Anlage weiterhin optimal läuft.
werden. Aber im Notfall trinken die Studentinnen es auch,
denn es sieht sauber aus und oft fehlt das Geld, um Trinkwasser zu kaufen.« Deshalb sei es sehr wichtig gewesen, genau zu
schauen, wie hoch die mikrobiologische und chemische Belastung ist.
Auf Trockennährböden wies Süssemilch schon während ihres Aufenthalts die Verunreinigung des Wassers mit durchfallerregenden Kolibakterien und Enterokokken nach. Um
das Wasser chemisch zu untersuchen, nahm sie Proben mit
zurück nach Deutschland. »Das größte gesundheitliche Problem stellte die Keimbelastung dar, die durch das heiße subtropische Klima noch verschärft wird«, fasst die Ingenieurin
ihre Ergebnisse zusammen. Nun musste sie nach einem Verfahren zur Desinfektion suchen, das sich auch in Tansania
problemlos umsetzen lässt.
LINKS | Claudia Süssemilch und die afrikanischen Studentinnen
freuen sich über die fertige Desinfektionsanlage im Wohnheim.
RECHTS | Die Desinfektionsanlage für das Zisternenwasser baute
Claudia Süssemilch aus Materialien, die in Mtwara erhältlich waren.
Angestellten
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KONTAKT
Claudia Süssemilch
sü[email protected]
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INTERNATIONAL |
Auslandspraktikum
Arbeiten in einem internationalen
Team: Alexander South im Labor
mit Marco Forni und Dott Andrea
Rossi (v.l.). Als Vertriebsingenieur
bleibt er FMI erst mal erhalten.
Die Vielfalt der Welt genießen
»Die Vielfalt in der Welt ist zu schön, um sein ganzes Leben an nur einem Ort zu verbringen«, sagt
Alexander South. Ein Auslandsaufenthalt, das bedeutet für ihn Gewinn von Freiheit, das Kennenlernen
von interessanten Menschen, fremden Kulturen und anderen Sprachen. Das Entdecken neuer Denk- und
Verhaltensweisen. Und die Förderung von Kreativität, das Erleben neuer Erfahrungen und das Stärken
der eigenen Mentalität. Deshalb war es sein Wunsch, neben seinem Studium am Fachbereich Physikalische
Technik möglichst viele Auslandserfahrungen zu sammeln. Und diesen hat sich der 24-Jährige erfüllt.
P
alazzolo Sull'Oglio ist eine
wunderschöne mittelalterliche
Kleinstadt im Norden Italiens.
Und sie ist sechs Monate lang
Wohnort von einem jungen Bachelorstudenten aus Ochtrup. Dorthin zog es
ihn nach einer Projektarbeit, die die italienische Firma FMI S.p.A. gemeinsam
mit dem »Center of Sealing Technologies« (CST) des Fachbereichs Physikalische Technik der FH Münster durchge-
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führt hatte. Während des Projekts hatte
South zeitweise als studentische Hilfskraft am CST gearbeitet, das von Prof.
Dr. Alexander Riedl geleitet wird. Mit
Abschluss des Projekts ergab sich für
ihn die Chance, bei der Firma in Italien zunächst ein Praktikum zu absolvieren und anschließend seine Bachelorarbeit zu schreiben. »FMI S.p.A. ist einer
der weltweit größten Hersteller von industriellen Flachdichtungen zum Ab-
dichten von Maschinen, Rohrleitungen in Chemieanlagen«, sagt South,
der in Steinfurt das Bachelorstudium
Physikalische Technik in der Studienrichtung Biomedizinische Technik absolviert und sich für die Dichtungstechnik interessiert. »Physik, Technische
Mechanik, Werkstofftechnik sowie
Mess- und Regelungstechnik reizen
mich sehr. Das alles wende ich bei FMI
S.p.A. in der Praxis an.«
Je nach Einsatzgebiet stellt FMI bidirek
bidirekver
tionale Dichtungen und Platten aus verschiedensten Materialien und ZusamZusam
mensetzungen her, beispielsweise aus
modiGraphit oder aus gefülltem und modi
fiziertem Polytetrafluorethylen (PTFE).
Bidirektional bedeutet, dass die Kunst
Kunststoffplatten während der Kalandrierung
nach einer Formel gefaltet und gedreht
werden, sodass sich eine Netzstruktur
der Kunststofffasern bildet, mit dem
Eigenschaf
Ziel, bessere mechanische Eigenschaften zu erlangen. Kalandrierung nennt
Kunststoff
man dabei das Walzen des Kunststoffgranulats zusammen mit dem Füllstoff
Siliciumoxid bis hin zu jenen Platten,
aus denen die Dichtungen geschnitten
werden. Hauptaufgabe während seines
Praktikums war die Unterstützung bei
den internen Qualitätskontrollen mit
in
Messgeräten und Testmethoden nach inBa
ternationalen Normen. Während der Bachelorarbeit variierte er die Fertigung
un
der PTFE-Halbzeuge so, dass sich unterschiedliche Kristallinitäten ergaben.
Sein Ziel: Er möchte das Verfahren so
weit verändern, dass eine Verbesserung der mechanischen Eigenschaften erreicht wird. »Das
mechanische Verhalten charakterisiert die Dichtung und gibt
Hinweise auf ihre Belastungsfähigkeit im später montierten Zustand«, erklärt South. Deshalb
untersucht er die mechanischen
Dichtungskennwerte mithilfe
eines Verformungsprüfstandes
und die kristallinen Strukturveränderungen im Material mit
dem dynamischen Differenzkalorimeter (DSC). Nebenbei lernt
er Italienisch. »Nur wenige meiner Kollegen und neu gewonnenen Freunde sprechen Englisch, sodass
ich gezwungen bin, an meinem Italienisch zu arbeiten«, schmunzelt South.
Nach sechs Monaten klappt das schon
ganz gut. Bereits im August 2014 hat er
einen Intensivsprachkurs in Perugia absolviert, einer Stadt zwischen Rom und
Florenz. »Ich habe es sehr genossen, mit
verschiedenen Studierenden aus unterschiedlichsten Ländern eine neue Sprache zu lernen!«
Er fühlt sich wohl in Italien, und das
liegt auch an seinem guten Start im
fremden Land. »Dank der Hilfe meiner Chefin und den Mitarbeitern habe
ich schnell ein kleines und bezahlbares Appartement in der Nähe der Firma gefunden.« Ein Leben ohne Familie
und Freunde ist einsam, sodass South
schnell in verschiedene Bars zog und
aufgeschlossene, herzliche und tolerante
Italiener traf. Viele von ihnen sind gute
Freunde geworden. »Die Italiener sind
lebensfroh, gesellig, lebendig und sehr
leidenschaftlich. Sie unterhalten sich
oft sehr ausdrucksvoll, laut und gestenreich. Und die italienische Küche ist
wirklich sehr gut!« Für den 24-Jährigen
ist es bereits der zweite Auslandsaufenthalt während seines Studiums. Zuvor
hatte er ein Auslandssemester in Warschau absolviert und auch diese Erfahrung sehr genossen. »Polen ist ein tolles Land, und die Menschen sind sehr
herzlich!« Und neben Studium und Nebenjob nutzt er jede freie Minute, um
andere Länder zu entdecken. Ob lange Radtouren quer durch Europa oder
ausgedehnte Wanderungen auf dem Jakobsweg – die Vielfalt der Welt ist zu
schön, um sein ganzes Leben an nur einem Ort zu verbringen.
Und auch beruflich bleibt South der internationalen Schiene treu: Er wird auf
jeden Fall mindestens ein Jahr lang weiter für FMI arbeiten – als Vertriebsingenieur in Italien und Deutschland.
KONTAKT
Alexander South
[email protected]
fhocus
26 | 2015 11
FACETTEN |
Ernährungswissenschaft
fhocus | Wie sind Sie auf diese Idee gekommen?
Nicole Rogge | Meine Mutter hatte einige Beete im Garten, aber mein Interesse fürs Urban Gardening ist erst
Cosbei einem Praktikum im ökologischen Landbau in Cos
ta Rica geweckt worden. Ein paar Pflanzen auf dem Bal
Balkon brachten uns dann endgültig auf die Idee: So ein
MasterproGarten wäre toll! Diese Idee wollten wir als Masterpro
jekt umsetzen. Das war 2012.
Anna Rechenberger | Mein Interesse hat sich schon
während des Bachelorstudiums entwickelt, und ich
habe damals eine Arbeit über Community Gardening
in New York geschrieben. Mit Nicole habe ich dann im
Master endlich eine Mitstreiterin gefunden, mit der ich
meine Ideen in die Praxis umsetzen konnte.
fhocus | Wie sah der Start aus?
Rechenberger | Wir haben uns zunächst in einem Probe
jekt bei Prof. Dr. Carola Strassner theoretisch damit beschäftigt, viel darüber gelesen, Gespräche geführt – bis
wir das Gefühl hatten, jetzt können wir damit starten,
einen Garten aufzubauen. Prof. Strassner fand unsere
Idee von Anfang an gut, wollte aber zu Recht, dass wir
die Umsetzung gut planen und einen Leitfaden dafür
entwickeln.
Rogge | Der Leitfaden beinhaltet solch praktische Fragen wie etwa den Bau von Hochbeeten. Viel dazugelernt
haben wir beim Machen selbst, aber das ist ja normal.
Öffentlichkeits
Es lief auch unerwartet gut, selbst die Öffentlichkeitsarbeit.
Gärtnern ist cool!
Passend zum Thema der Veranstaltungsort:
ein Seminar über Urban Gardening –
Rechenberger | Ein wesentlicher Vorteil war, dass das
eingebun
Ganze in ein Projekt und damit ins Studium eingebunUnterstüt
den war. Somit hatten wir von Beginn an Unterstützung aus dem Fachbereich und konnten ab da relativ
schnell wichtige Kontakte knüpfen.
natürlich im Campusgarten.
Inzwischen ist es Trend, in Münster aber waren sie die Trendsetter: Nicole Rogge und Anna Rechenberger.
Sie lernten sich im Masterstudiengang Nachhaltige Dienstleistungs- und Ernährungswirtschaft kennen und
hatten eine Idee. Eine Projektarbeit später gründeten sie den Campusgarten GrüneBeete. Er entwickelte
sich zu einem Gemeinschaftsgarten für Studierende der Hochschulen in Münster – und für alle, die gern
im Garten arbeiten. Immerhin geben 30 Prozent der Bevölkerung genau dies als Lieblingsbeschäftigung in
Rogge | Am längsten hat eigentlich gedauert, eine FläGebäudema
che zu finden – dank des AStA und des Gebäudemaoptima
nagements der Hochschule haben wir nun eine optimale. Wichtig war uns und Prof. Strassner, sicherzustellen,
dass es weitergeht, selbst wenn wir uns einmal nicht
mehr kümmern können.
Rechenberger | Unser im letzten Jahr gegründeter Verein »GrüneBeete e.V.« soll einer der Garanten dafür sein.
der Freizeit an. Statistiken speziell zu jungen Menschen weisen dieses Hobby aber erst gar nicht auf.
Allerdings wächst das Interesse an alternativen Lebens- und Ernährungsformen. Warum der Gemeinschaftsgarten am Leonardo-Campus zu ihrer Leidenschaft geworden ist, darüber sprach fhocus mit den
Gründerinnen.
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fhocus | Wie ging es dann weiter?
Rogge | Alles hat sich schneller entwickelt als erwartet,
nach einem Jahr hatten wir eine Gruppe im Garten, die
regelmäßig kommt. Nachhaltigkeit, Handwerk, Gemeinschaft, Natur, Spaß am Gärtnern – das sind sicher die
Stichworte, die die Motivation dafür beschreiben.
Rechenberger | Und es war spannend zu sehen, wie
sich die Gruppe entwickelt, denn die meisten kannten
sich ja vorher gar nicht.
fhocus | Wie ist das Feedback auf dem Campus?
Rogge | Eine Mitarbeiterin aus der Bibliothek hat mir
gemailt, wie gern sie hier mit Kolleginnen Mittagspause macht, ob sie Zucchini ernten dürfe und Stühle vorbeibringen könne – für sie sei es eine Oase mitten auf
dem Campus.
Rechenberger | Schön ist es auch zu sehen, wenn Kunststudierende im Garten zeichnen.
fhocus | Was sagen eigentlich Ihre Freunde dazu?
Rechenberger | »Ich finde cool, was ihr da macht!« Und
unsere Familien steuern Wissen und Material bei, Saatgut für Pflanzen etwa – die Idee zieht einfach Kreise.
Rogge | Auf Facebook lesen wir darüber, FoodsharingGruppen reden dort über unser Projekt.
fhocus | Wie soll es sich weiterentwickeln?
Rechenberger | Wir wollen die vorhandene Fläche
noch besser nutzen. Wenn noch mehr Leute mitmachen, wird dies auch möglich sein.
ANNA RECHENBERGER
› 28 Jahre alt
› schrieb Masterarbeit zur Partizipation von
Konsumenten in der Lebensmittelwirtschaft
› beginnt demnächst ein neunmonatiges Praktikum in
einem landwirtschaftlichen Projekt an der DeutschAmerikanischen Handelskammer in Chicago
NICOLE ROGGE
› 27 Jahre alt
› schrieb Masterarbeit über Gardening
am Leonardo-Campus
› plant eine Promotion zur urbanen
Landwirtschaft
fhocus
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FACETTEN |
Ernährungswissenschaft
Rogge | Ich würde mich auch freuen, wenn es noch
mehr Kooperationen gäbe.
Rechenberger | Ja, an der Hochschule beschränkt sich
dies auf die Fachbereiche Architektur und Design sowie
den Bereich »Studium im Alter« an der Uni Münster.
Rogge | Schön wäre die Beteiligung der Kunstakademie oder auch von Schulen und Kindergärten. Eine Idee
wäre ein Ableger »Schulgarten GrüneBeete«. Den Campusgarten kennen schon viele, wir werden oft darauf
angesprochen. Aber insgesamt könnte er in Münster
noch bekannter werden, damit noch mehr Leute aktiv
dabei sind. Toll wären Ableger in der Stadt unter dem
Dach des Vereins.
fhocus | Hatten Sie Vorbilder dafür?
Rogge | Wir haben uns natürlich den Prinzessinnengarten in Berlin angeschaut und das Gartendeck in
Hamburg. Dort holten wir uns einige Inspirationen und
das Wissen etwa über Anbaumethoden, aber auch zur
Organisation.
Rechenberger | Mittlerweile sind wir selbst Vorbild für
Nachahmer und geben unsere Erfahrungen weiter, wie
etwa einer Studentin in Bochum, die dort eine Fläche
dafür organisiert hat. Auch die Landschaftsökologen
der Uni Münster haben uns zu einem Symposium eingeladen, damit wir berichten und Tipps geben.
fhocus | Hat sich Ihr Leben dadurch geändert?
Rogge | Mit dem Campusgarten habe ich etwas gefunden, was mich glücklich macht und mit Stolz erfüllt. Er
ist zu einer Leidenschaft geworden.
Rechenberger | Zu sehen, dass das Gärtnern und der
Garten auch andere begeistern, bereitet mir viel Freude. Wir als Gruppe haben einfach viel Spaß zusammen
und machen immer wieder die Erfahrung, wie erholsam und entspannend auch die gemeinschaftliche Gartenarbeit sein kann.
fhocus | Stellen Sie sich vor, Sie hätten einen Wunsch
frei.
Rechenberger | Mehr Relevanz auf politischer Ebene.
Dieses Thema sollte vor allem auf die kommunale Agenda – weil diese Gärten gemeinschaftsbildend sind, Wissen vermitteln, einen kreativen Raum erschaffen und
einen interkulturellen Austausch ermöglichen. Gemeinschaftsgärten fördern viele Kompetenzen und können
viel Positives für eine Stadt leisten.
Rogge | Eine »essbare« Stadt, von vielen Bürgern und
Bürgerinnen getragen, die Stadt als großer Gemeinschaftsgarten.
KONTAKT
fhocus | Was empfehlen Sie denn Nachahmern?
Rechenberger | Ganz wichtig ist eine klare Regelung
der Finanzierung, gut ist es, dafür Institutionen ins
Boot zu holen.
Rogge | Wir mussten anfangs viel improvisieren, und
natürlich ist es zu zweit auch anstrengender. Schneller
geht es mit vielen engagierten Mitstreitern, die sich als
Kerngruppe langfristig einbringen.
Rechenberger | Ein dritter kritischer Punkt ist die Fläche. Wenn da die Stadt, Kirchengemeinden oder – wie
bei uns – Hochschulen zu gewinnen sind, ist das ein
großer Vorteil.
Rogge | Nicht zu unterschätzen ist eine gute Infrastruktur im Umfeld, man denke nur an die nötigen Wasseranschlüsse.
Nicole Rogge
Anna Rechenberger
[email protected]
www.campusgarten-gruenebeete.de
OBEN LINKS
Alt und Jung: Der Gemeinschaftsgarten soll für alle da
sein – das ist einer der Wünsche, die Nicole Rogge und
Anna Rechenberger mit ihrem Projekt verwirklichen.
MITTE LINKS
Im letzten Sommersemester wurde das 23 QuadratmeQuadratme
ter große Gewächshaus eingeweiht. Entstanden ist es
am Fachbereich Architektur im Kurs »Living Archive«.
Die drei besten Ergebnisse flossen als Gruppenarbeit in
den finalen Entwurf ein.
MITTE RECHTS
Nicole Rogge freut sich über eine Ladung Erde, die die
Abfallwirtschaftsbetriebe Münster geliefert haben.
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fhocus
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FACETTEN |
25 Jahre Weiterbildung am Fachbereich Sozialwesen
»Wir müssen beweglich
bleiben – im Denken
und im Handeln«
Wie bei einer Silberhochzeit fragt man sich:
Waren es 25 gute Jahre? Haben wir alle Hürden
erfolgreich genommen? Waren die richtigen
Unterstützer zur richtigen Zeit da? Freuen wir uns
auf die nächsten 25 Jahre? Ja und noch mal ja –
und deshalb feiern wir, sagte sich Dr. Stefan
Gesmann. Was dem Leiter des Referats Weiterbildung
am Fachbereich Sozialwesen der Fachhochschule
Münster beim Jubiläum durch den Kopf
ging, hat fhocus aufgezeichnet
WEITERBILDUNG AM FACHBEREICH SOZIALWESEN
Fachtage, ein- bis dreitägige Einzelveranstaltungen, Weiterbildungsreihen mit mehreren Modulen, Zertifikatskurse – über
100 Angebote macht der Fachbereich Sozialwesen pro Jahr. Darüber hinaus organisiert das Team vom Referat Weiterbildung
eine Vielzahl an Inhouse-Veranstaltungen. Die Themen reichen
von Altenarbeit bis zu Sozialmanagement, die Angebote richten sich an Fachkräfte in der Sozialen Arbeit und im Gesundheitswesen. Ein Ausschuss am Fachbereich unter der Leitung
von Prof. Dr. Luise Hartwig berät das Referat bei der Konzeption
D
ie Metapher der Silberhochzeit gefällt mir! Vor allem,
weil man die Entwicklung
des Referats Weiterbildung
am Fachbereich Sozialwesen durchaus
diemit einer Ehe vergleichen kann – in die
sem Fall haben sich die Weiterbildung
und der Fachbereich vermählt.
Wie bei einer Beziehung zwischen zwei
Menschen auch, fällt es rückblickend
manchmal schwer, festzustellen, ab
wann die Weiterbildung und der FachFach
bereich wirklich »zusammen« waren.
Ende der 80er-Jahre hat man zunächst
damali
vermutet, dass es sich bei dem damaligen »Projekt Weiterbildung« nur um ei
eiflüchti
nen kleinen Flirt, maximal ein flüchtiges Abenteuer handeln würde. Ab An
Anfang der 90er-Jahre war dann aber klar:
Die Weiterbildung und der Fachbereich
gehören zusammen.
Eine besonders bedeutsame Rolle hat
einge
hierbei damals Prof. Dr. Grohall eingenommen, der quasi die Weiterbildung
und den Fachbereich »verkuppelt« hat.
Die weitere Beziehungspflege hat dann
zunächst Prof. Dr. Horst Blatt und an
anschließend – und das bis heute – Prof.
Dr. Luise Hartwig übernommen, die
als Beauftragte für Weiterbildung am
Fachbereich Sozialwesen die zentrale
Schnittstelle zwischen Fachbereich und
Referat bildet und die Geschicke der
Weiterbildung maßgeblich geprägt hat.
und Umsetzung der Angebote.
www.fh-muenster.de/weiterbildung-sozialwesen
16
fhocus
26 | 2015
Ähnlich wie in einer guten Ehe hat sich
über die Jahre eine vertrauensvolle Be
Beziehung zwischen dem Fachbereich
und dem Referat Weiterbildung entwi
entwickelt, die von gegenseitigem Respekt
und einem »Geben und Nehmen« ge
geprägt ist. Innerhalb des Referats Weiter
Weiterbildung profitieren wir ungemein von
der hohen Bereitschaft vieler Kollegen,
sich bei uns einzubringen. Sei es ak
aktiv als Referent in einer unserer vielen
Veranstaltungen oder als Mitglied im
Die Gäste der
Jubiläumsfeier waren
sich einig: Dem eigenen
Anspruch »Wir bringen
Sie weiter« ist das
Weiterbildungsteam
auch mit der Feier und
den Beiträgen gerecht
geworden.
Weiterbildungsausschuss, der uns fachlich berät, oder passiv, indem uns – oftmals zwischen Tür und Angel – Ideen
für neue Weiterbildungen mit auf den
Weg gegeben werden. Im Gegenzug bieten wir den Kollegen die Möglichkeit,
in einen engen Kontakt mit Praxisvertretern zu kommen. Nicht selten entwickeln sich hieraus Projektideen, die
auch über das Weiterbildungssetting hinausgehen. Außerdem tragen wir maßgeblich dazu bei, dass Absolventen des
Fachbereichs nach Eintritt in das Berufsleben zurück an die FH kommen,
eine Situation, die in der Regel sowohl
für die Dozenten als auch die ehemaligen Studierenden sehr bereichernd ist.
Wenn ich auf die letzten sieben Jahre zurückblicke – dies ist der Zeitraum,
den ich am besten bewerten kann –,
dann kann ich durchaus von guten,
aber zugleich auch turbulenten Zeiten
sprechen. Die interne Umsetzung der
EU-Trennungsrechnung bei zeitgleich
schrumpfenden
Weiterbildungsbudgets in vielen Einrichtungen der Sozialen Arbeit hat uns zusehends gefordert. Wir mussten innovative Weiterbildungskonzepte entwickeln, die trotz
widriger Rahmenbedingungen auf große Nachfrage treffen. Dies ist uns gelun-
gen: Dass wir in dieser Zeit nicht nur
die Anzahl an Weiterbildungsangeboten, sondern auch die Anzahl von Mitarbeitenden mehr als verdoppeln konnten, freut mich ungemein!
Manchmal vergleiche ich unsere Arbeit mit dem Streichen der Golden
Gate Bridge: Wenn man hinten fertig
ist – also das aktuelle Programm gerade erscheint –, fängt man vorne wieder
an: mit der Planung des nächsten Programms. Dieser Umstand führt dazu,
dass wir sowohl im Denken als auch
im Handeln beweglich bleiben müssen.
Das große Netzwerk von Kooperationspartnern, Referenten und Absolventen
hilft uns hierbei und versorgt uns immer wieder mit neuen Impulsen. Deshalb zweifele ich nicht am Halt dieser Ehe. Im Gegenteil: Mit Spannung
schaue ich in die Zukunft und freue
mich auf die goldene Hochzeit.
KONTAKT
Dr. Stefan Gesmann
[email protected]
fhocus
26 | 2015 17
FACETTEN |
Mentoring für Erstsemester
Studienstart leicht gemacht
Hier lernen die Masterstudierenden
mit dem Speed-Dating eine von vielen
möglichen Lernmethoden kennen.
Lehre muss nicht immer nur frontal ausgerichtet
sein. Dies zeigt ein besonderes Lehr-Lern-Konzept
am Fachbereich Wirtschaft, in dem Masterstudierende einen Teil der Lehrverantwortung übernehmen. Dafür haben Prof. Dr. Sonja Öhlschlegel-Haubrock, Studiendekanin Dr. Jutta Rach und Prof. Dr.
Juliane Wolf zwei sich ergänzende Veranstaltungsformate entwickelt: Erstsemester des Bachelorstudiengangs Betriebswirtschaft bekommen in der
Veranstaltung »Studieren lernen« Unterstützung
Entwickelten das Lehr-Lern-Konzept, um aktives Lernen von
beim Studienstart. Masterstudierende leiten sie
Studierenden zu fördern (v.l.): Prof. Dr. Sonja Öhlschlegel-
dabei an, nachdem sie ihrerseits in der Veranstal-
Haubrock, Dr. Jutta Rach und Prof. Dr. Juliane Wolf.
tung »Coaching & Mentoring« Lernkonzepte für
die Studienanfänger erarbeiteten. Beide Veranstal-
coachinging&
mentor
»C
oaching & Mentoring« belegen die Masterstudierenden als Wahlpflichtmodul.
Dort bilden die Dozentinnen sie in Schulungen und Beratungen zu Mentoren aus,
um die Studienanfänger im Lernprozess zu begleiten. »Dabei
können die Mentoren ihre Führungskompetenzen ausbauen«,
beschreibt Öhlschlegel-Haubrock einen Vorteil der Veranstaltung.
Viola Schier engagiert sich als Mentorin. Die 22-Jährige hat
früher bereits Nachhilfe gegeben und war auch schon als Tutorin für Sozialkompetenzen aktiv: »Es macht mir großen
Spaß, in einer Gruppe zu arbeiten, und ich habe durch das
Feedback schon viel über mich selbst gelernt.« Sie sei zufrieden mit ihrer Entscheidung, die Veranstaltung ausgewählt zu
haben. Der hohe Arbeitsaufwand wird in Form von Kreditpunkten honoriert: Schier erhält sechs Leistungspunkte für
das Modul.
Die Verknüpfung mit der Veranstaltung »Studieren lernen«
funktioniert so: Zwei bis drei Mentoren betreuen jeweils un18
fhocus
26 | 2015
Viola Schier (l.) und Jochen Jüttermann (r.) hatten
beide eine Idee für eine Lehrmethode, am Ende
tungen sind Teil des hochschulweiten Projektes
kombinierten sie ihre Vorstellungen und erhielten
»Wandel bewegt«, das das Bundesministerium für
so ein noch besseres Ergebnis.
Bildung und Forschung im »Gemeinsamen BundLänder-Programm für bessere Studienbedingungen
und mehr Qualität in der Lehre« fördert.
gefähr zwölf Erstsemester. Mit selbst entwickelten Methoden
erarbeiten sie gemeinsam mit der Gruppe in vier Lehr-LernEinheiten Strategien für das Lern- und Selbstmanagement.
Dazu Mentor Jochen Jüttermann: »Ich hätte diese Hilfe im
ersten Semester gerne gehabt. Vor allem Kleinigkeiten, beispielsweise wie man Struktur ins Lernen bringt, helfen einem enorm weiter.« Er hatte sein Bachelorstudium an einer
anderen Hochschule absolviert, die nicht mit Mentoren arbeitet. »Diese neue Form von Lehre soll Erstsemester frühzeitig dazu anregen, ihre Studienmotivation und Ziele zu klären, ihre Lernstrategien zu überdenken, weiterzuentwickeln
und eventuell zu verändern, um Wissen nachhaltig zu verankern«, so Wolf.
Und dies funktioniert gut, so das Feedback von Erstsemester
Adrian Hein. Er jedenfalls findet »es gut, dass mit der Veranstaltung ‚Studieren lernen‘ der Studienstart erleichtert wird«.
Professorin Wolf hat eine Erklärung dafür parat: »Es hat eine
ganz andere Qualität, wenn Studierende von ihren eigenen
Lernstrategien berichten, weil sie so nah am Thema sind.«
Bei Hein ist die Unterstützung durch die Mentoren gut ange-
kommen: Er hat sich vorgenommen, zukünftig mehr in Lern
Lerngruppen, mit Lernpostern und mit Zeitplänen zu arbeiten, in
denen er konkrete Ziele festhält. »Ich bin gespannt, was ich
in der letzten Lehreinheit noch mitnehmen kann«, sagt der
23-Jährige und sieht dabei zuversichtlich aus.
Zum neuen Lehrformat haben Öhlschlegel-Haubrock, Rach
und Wolf in der »Zeitschrift für Hochschulentwicklung« ei
einen wissenschaftlichen Aufsatz publiziert. Darin belegen sie
Selbst
die Wirksamkeit des neuen Konzepts: »Es fördert die Selbstwirksamkeitserwartung der Studienanfänger als aktive Ler
Lernende stärker als klassische Lehrveranstaltungen und min
mindert die psychische Belastung durch das Studium«, fasst
Rach die Ergebnisse des Forschungsberichtes zusammen.
Mento
Im kommenden Sommersemester startet ein neuer Mentorenjahrgang mit der Ausbildung. Thilo Harth, Wissenschaft
Wissenschaftlicher Leiter des hochschulweiten Projektes »Wandel bewegt«,
ist stolz auf den Erfolg des Programms. »Ich freue mich sehr,
dass der Fachbereich Wirtschaft die Veranstaltung auch über
die Projektlaufzeit hinaus anbietet.«
studieren
lernen
KONTAKT
Prof. Dr. Sonja Öhlschlegel-Haubrock
[email protected]
Dr. Jutta Rach
[email protected]
Prof. Dr. Juliane Wolf
[email protected]
fhocus
26 | 2015 19
FACETTEN |
2-Photonen-Mikroskopie
Sebastian Schwung (l.) und
Prof. Dr. Thomas Jüstel
erklären die Nutzung eines
Druckreaktors, mit dem die
Partikel hergestellt wurden.
Sebastian Schwung zeigt
die Partikel, die in den
Chemieingenieur forscht zu
tiefer liegenden Krebszellen
menschlichen Körper eingeschleust und dort selektiv
an Krebszellen gebunden
werden.
Wenn Sebastian Schwung von seiner Doktorarbeit berichtet, ist ihm sein Forscherdrang deutlich
anzumerken. Der 27-Jährige untersucht an der Fachhochschule Münster ein Verfahren, mit dem bösartige
Tumore dreidimensional sichtbar gemacht werden können – und setzt sich somit dafür ein,
Krebserkrankungen schneller zu diagnostizieren und zu therapieren.
G
emeinsam mit Forschern
aus einem interdisziplinären Konsortium ist es ihm
gelungen, Partikel herzustellen, die in den menschlichen Körper
eingeschleust werden sollen und dort
selektiv an Krebszellen hängen bleiben.
Durch die Koppelung von modernster Lasertechnik mit Lichtmikroskopie,
der sogenannten 2-Photonen-Mikroskopie, werden die Krebszellen anschließend sichtbar gemacht. Im Fachjargon
heißt das detektieren. Besonderheit dabei ist, dass die Partikel im Unterschied
zu anderen Methoden viel tiefer detektiert und Krebszellen dadurch dreidimensional abgebildet werden können –
für Schwung ein wichtiger Durchbruch.
»Bislang existierte dieses Konzept nur
auf dem Papier. Sebastian Schwung
hat bewiesen, dass die Krebsdetektion
durch die 2-Photonen-Mikroskopie wirklich funktioniert«, sagt Prof. Dr. Thomas
Jüstel vom Fachbereich Chemieingenieurwesen der FH Münster, der die Doktorarbeit betreut. Das Detektieren von
20
fhocus
26 | 2015
Krebszellen
sei
nicht neu, doch
dank einer Frequenzvervielfachung sind
die Partikel
e i n d e ut i g e r
nachweisbar.
»Dadurch unterscheiden wir
unsere
Partikel
von Störsignalen. Das
macht unsere Methode
sehr genau«, erklärt Schwung.
Indem bösartige Tumore dreidimensional sichtbar gemacht werden, lasse sich
beobachten, was in einem Tumor passiert. Längerfristig sei es sogar möglich,
die Größe des Tumors oder die Wirkung
der Behandlungsmethode zu überprüfen.
noch ein weiter
Weg mit vielen Fragezeichen.«
Der
erste Schritt
sei jedoch gemacht, und
Labore können die Partikel für weitere
Forschungsz we cke kaufen. Untersucht werden müsse darüber hinaus die Struktur jener Moleküle, die sich an der Krebszelle
befinden. Denn für jede Krebsart sei es
notwendig, dass die Partikel angepasst
werden. »Unserem europäischen Team
ist das bei Lungen-, Brust- und Prostatakrebs gelungen, drei der vier häufigsten
Nun gilt es weiterzuforschen. »Es gibt
bislang nur Petrischalenversuche«, so
Schwung. »Bis es die Anwendung in
den lebenden Menschen schafft, ist es
Die Partikel sollen selektiv an Krebszellen
anbinden – hier am Beispiel einer Lungenkrebszelllinie. Die blauen Punkte sind die
von der Laserstrahlung angeregten Partikel.
Krebsarten.« Derzeit untersuche eine
Par
Gruppe europäischer Forscher, wie Paranbin
tikel auch an andere Krebszellen anbinverkün
den. Weitere Erfolgsmeldungen verkünha
den die Partner aus Lausanne: Sie haben gezeigt, dass nicht nur detektiert,
sondern auch therapiert werden kann.
»Somit werden Krebszellen durch die
Partikel sogar zerstört«, sagt Schwung.
EU-For
Seit vier Jahren läuft das EU-ForHochschu
schungsprojekt, an dem 22 Hochschulen und Einrichtungen europaweit be
beteiligt sind – in Deutschland ist das
Forschungs
neben der FH Münster das Forschungsmetalli
institut für mineralische und metalli-Edelsteine/Edelme
sche Werkstoffe -Edelsteine/Edelmetalle- GmbH (FEE) in Idar-Oberstein.
Schwung arbeitet seit drei Jahren an
(NAno
dem Projekt NAMDIATREAM (NAnotechnological toolkits for Multi-modal
disease DIAgnostics and TREAtment
Monitoring) mit und steht vor allem mit
vier Projektpartnern in direktem Kon
Kontakt: Université de Genève (Labor: GAPBiophotonics), École polytechnique
fédérale de Lausanne (Labor: ISIC),
Université de Savoie,
Polytech‘ Savoie (Labor: SYMME) und Nikon Instruments France.
Schwung wurde nach seinem
Bachelorstudium Chemieingenieurwesen und dem anschließenden Masterstudium Chemical Engineering an der FH
Münster die Promotion angeboten. »Nun
werde ich erst einmal meine Dissertation
beenden. Anschließend könnte ich mir
vorstellen, an Folgeprojekten zu arbeiten«, sagt er.
KONTAKT
Sebastian Schwung, M.Sc.
[email protected]
fhocus
26 | 2015 21
FACETTEN |
Sozialarbeit
Vielfalt
anerkennen
Händchen halten auf dem Schulhof, den neuen
Partner der Familie vorstellen: Alltägliches kann
für nicht heterosexuell orientierte Jugendliche
noch immer riskant sein. Homophobie ist für sie
im Alltag überall spürbar – mit gravierenden
Folgen. Mobbing und Ausgrenzung führen oft
zu psychischen Problemen. Anne Rauber aus
dem Fachbereich Sozialwesen hat dies untersucht.
Selbstwertgefühls, innere Anspannung, soziale Isolation – all
Wohlbefindas kann sich deutlich negativ auf das psychische Wohlbefin
den auswirken.
»Viele […] sehen sich als angehende
Sozialarbeiter in der Helferrolle.
Wichtiger ist es aber, die Klienten als
agierende Menschen zu sehen,
ihre Kompetenzen und Leistungen
anzuerkennen.«
In ihrer Bachelorarbeit beschäftigte sie sich mit
der Adoleszenz nicht heterosexuell orientierter
Jugendlicher. Ein Projektstudium bietet diese
Chance auch anderen Studierenden.
B
ereits seit Jahren dürfen Studierende des Fachbereichs Sozialwesen junge Menschen aus dem Jugendtreff »Track« interviewen, um so mehr über
deren Leben zu erfahren. Dieser Jugendtreff wurde 2011 von sexualpädagogisch tätigen Vereinen und Institutionen gegründet und wendet sich an Jugendliche unterschiedlicher sexueller Orientierungen und Identitäten. Prof.
Dr. Norbert Wieland, selbst ehemaliges Vorstandsmitglied
der Aidshilfe Münster, hat diese Kooperation von Beginn an
unterstützt. »Ich habe gemerkt, dass die Fachleute an Schulen
und anderen Stellen nicht so genau wissen, wie sie mit dem
Thema umgehen sollen, und es deshalb lieber außen vor lassen. Das soll sich ändern«, so Wieland. Gemeinsam mit Prof.
Dr. Irma Jansen bietet er das Projektstudium »Entwicklungsrisiken verstehen« an.
Im Zentrum des Seminars steht das Methodentraining, also
die Kontaktaufnahme und das biografische Interview. »Wichtig ist eine enge Verzahnung von Hochschule, Praxisstelle
und den Studierenden«, so Wieland. »Viele sind selbst noch
sehr jung und sehen sich als angehende Sozialarbeiter in der
Helferrolle. Wichtiger ist es aber, die Klienten als agierende
Menschen zu sehen, ihre Kompetenzen und Leistungen anzuerkennen.« Dies sollte nicht allzu schwer sein, befinden
22
fhocus
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sich ja beide Interviewpartner in ähnlichen Lebensphasen.
Trotzdem sind die Studierenden oftmals erschüttert von der
Lebensrealität der Jugendlichen. »Die können sich nicht vorstellen, dass Gewalt unterschiedlicher Art oft Alltag ist: Mobbing, Ausgrenzung, Drohungen, familiäre Probleme. In nicht
wenigen Fällen nehmen die Jugendlichen psychotherapeutische Unterstützung in Anspruch«, weiß Wieland.
Anne Rauber zeigt sich dennoch wenig schockiert: »Richtig aus den Socken gehauen hat mich nichts.« Die 24-Jährige interessiert sich schon lange für das Thema Sexualpädagogik. Spätestens nach der Teilnahme am Projektstudium von
Wieland und Jansen 2013 war für sie klar, dass sie dem Thema mehr Aufmerksamkeit widmen wollte. Während ihres
Praxissemesters bei der Arbeiterwohlfahrt (AWO) begleitete
sie unter anderem die offenen Jugendtreffs im »Track«. Aus
dem intensiveren Kontakt ergab sich dann auch das Thema
für ihre Bachelorarbeit. Durch qualitative Interviews wollte
sie die Hintergründe des Coming-outs verständlich machen
und hat die Jugendlichen zu Belastungen und dem Nutzen
pädagogischer Unterstützung befragt. Was herauskam, bestätigte Raubers vorangegangene Recherchen: Sie sehen sich in
dieser ohnehin schwierigen Phase der Identitätsfindung mit
zusätzlichen Herausforderungen konfrontiert. Abnahme des
Gleichzeitig ist die Chance groß, die eigene Identitätsfindung
positiv zu bestärken, wenn die Jugendlichen das Comingerout als Befreiung empfinden und ihre eigene Sexualität er
folgreich in ihr Selbstbild integrieren können. Dies wäre we
wesentlich einfacher, würde die Vielfalt von Sexualität in der
Gesellschaft anerkannt. Die vermeintliche Offenheit der Ge
Gesellschaft ist ein Trugschluss. Heterosexualität wird von der
Mehrheitsgesellschaft noch immer als absolute Norm be
betrachtet. Dies bekommen nicht heterosexuell orientierte Men
Menschen immer wieder zu spüren – in Alltagsgesprächen, in den
Medien, in der Familie. Rauber nennt ein Beispiel: »Die unbe
unbedachte Frage an eine Frau: ‚Hast du einen Freund?‘ zeigt ja,
dass es für die meisten eben nicht normal ist, wenn ein Mäd
Mädchen Mädchen liebt. Das schließt viele aus. Ich könnte doch
ebenso gut fragen: ‚Lebst du in einer Partnerschaft?‘«
Rauber. »Später dreht sich das Leben dann wieder um andere
Dinge.« Sie fühlen sich in ihrer Persönlichkeit bestärkt, was
sich positiv auf ihre gesundheitliche Entwicklung auswirken
kann. Rauber hofft, dass das Thema Wohlbefinden und psychische Gesundheit mehr in den Fokus rückt, sowohl in der
Wissenschaft als auch in der Praxis. »Gerade die pädagogischen Fachkräfte sollten im Umgang mit dieser Adressatengruppe eine positive Haltung haben und eher darauf schauen, was getan werden kann, damit es ihnen besser geht, und
welche Ressourcen aktiviert werden können.« Das »Track« hat
hier in der Praxis bereits gute Wege gefunden. Auch deshalb
ist die Absolventin erst einmal bei der AWO geblieben. Dort
wirkt sie zurzeit an einem Mädchenprojekt über Rollenbilder,
Sexualität und Schönheitsideale mit. Später würde sie gern
ein Masterstudium beginnen – vielleicht in Angewandter Sexualwissenschaft.
Die pädagogischen Fachkräfte sollten daher vielmehr versu
versuchen, das Wohlbefinden und Selbstbewusstsein der jungen
Menschen zu stärken, anstatt auf die Unterschiede zu fokus
fokussieren. »Das sind Jugendliche wie alle anderen auch«, bringt
es Rauber auf den Punkt. Im Alltag erleben geoutete Jugendli
Jugendliche doch oft etwas anderes: Da werden sie in Rollen gedrängt
und mit distanzlosen Fragen zu ihrer Sexualität gelöchert.
Gerade die Soziale Arbeit sollte aber weder ausschließen noch
diskriminieren. Institutionen wie das »Track« sind deshalb
wichtig, weil die Jugendlichen sich hier in ihrer Vielfalt ak
akzeptiert und wertgeschätzt fühlen. »Für viele ist das ‚Track‘
auch nur in einer bestimmten Lebensphase wichtig«, erzählt
In biografischen Interviews erfuhr Anne Rauber, wie
Die vermeintliche Offenheit
die Jugendlichen ihr eigenes Coming-out erlebt haben.
der Gesellschaft ist ein Trugschluss.
Heterosexualität wird von der
Mehrheitsgesellschaft noch immer
als absolute Norm betrachtet.
KONTAKT
Prof. Dr. Norbert Wieland
[email protected]
Anne Rauber
[email protected]
fhocus
26 | 2015 23
FACETTEN |
Elektrotechnik und Informatik
»Es ist fast wie eine große
Spielwiese!«
IT-Sicherheit, Industrieelektronik und Nachrichtentechnik – das sind die Forschungsschwerpunkte der
Professoren Dr. Götz Kappen, Dr. Falk Salewski, Dr. Christian Störte und Dr. Sebastian Schinzel. Sie alle sind
nach
gen, wie sie eine Sicherheitslücke nachhaltig schließen, ist schwierig. Deshalb
hat sich mein Fokus verlagert. Mehr
und mehr habe ich Workshops und
Hackerangrif
Vorträge zu den Themen HackerangrifMa
fe, Softwaresicherheit und Security Management angeboten. Mein Wechsel an
logi
die FH Münster war der nächste logische Schritt.
Störte | Viele haben schon eine Ausbildung gemacht und sind technisch wirklich fit. Dagegen muss ich mathematische Grundlagen manchmal tiefgreifender erläutern.
fhocus | Wie hat sich das Studentenle
Studentenleben im Vergleich zu Ihrer Studienzeit
verändert?
Kappen | Das Optimum der Lehrveranstaltungen sind Teilfolien, die ich den
Studierenden im Vorfeld oder im Anschluss aushändige. Während der Vorlesung trage ich ergänzende Informationen ein.
zwischen 34 und 37 Jahre alt, lehren am Fachbereich Elektrotechnik und Informatik und wurden in den
letzten beiden Jahren an die FH Münster berufen. Im fhocus-Interview berichten sie von ihrem Wechsel
aus der Industrie an die Hochschule, sprechen über Veränderungen des Studentenlebens und erzählen von
aktuellen Projekten.
Kappen | Die heutige Studierendengeneration steht sehr unter Druck und
wirkt gehetzt. Das liegt sicherlich auch
an der Umstellung auf die Bachelorund Masterabschlüsse.
Prof. Dr. Schinzel
Störte | Das ist ein ganz wesentlicher
Studi
Punkt. Die Möglichkeit, in den Studiengängen vieles zu wählen, führt dazu,
dass der Stundenplan zeitlich immer
Stu
weiter über den Tag gestreut ist. Die Studierenden sind von morgens bis abends
an der Hochschule und haben weniger
Zeit für die Vorbereitung.
Prof. Dr. Storte
fhocus | Warum haben Sie Ihre Tätigkeit in der Industrie aufgegeben und
sind an die Hochschule gewechselt?
Salewski | Ich arbeite sehr gerne an der
Entwicklung technischer Systeme, mir
macht es jedoch auch sehr viel Freude,
diese Begeisterung weiterzugeben. In
meinem vorherigen Berufsleben wäre
es langfristig schwierig gewesen, sowohl Entwicklungstätigkeiten als auch
Leitungs- und Lehrtätigkeiten zu kombinieren. Ich hätte mich also entscheiden müssen, welchen Weg ich gehen
möchte. Hier am Fachbereich ist es mir
möglich, diese Bereiche zu kombinieren
und eigene Schwerpunkte zu setzen.
24
fhocus
26 | 2015
Prof. Dr. Salewski
Kappen | Ich bin vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) an
eine Hochschule gewechselt und nun
an der FH Münster tätig. Der Wechsel
vom DLR, einem Forschungsinstitut,
zur Hochschule ist nicht gravierend.
Denn auch am DLR hatte ich keinen direkten Entwicklungsdruck. Doch nun
setze ich mir eigene Ziele, die ich erfüllen möchte. Es ist fast wie eine große
Spielwiese, die zahlreiche Möglichkeiten bietet. Am liebsten würde ich alles
ausprobieren und muss aufpassen, mir
nicht zu viel vorzunehmen.
Störte | Ich bin eher zufällig in der
Hochschullehre gelandet. Der größ-
Prof. Dr. Kappen
te Vorteil ist, dass ich mich tiefgreifend mit technischen Neuerungen beschäftigen kann und hieraus weitere
Ideen für Forschungsprojekte entstehen. Hierfür blieb in der Industrie aufgrund der Betreuung zahlreicher Projekte oft wenig Zeit. Von daher freue
ich mich besonders darüber, dass Forschung an der Fachhochschule gefördert und durch die Transferagentur unterstützt wird.
Schinzel | Während meiner Zeit in der
Industrie habe ich Hackerangriffe simuliert und Unternehmen geholfen,
Schwachstellen zu finden und auszumerzen. Doch den Menschen beizubrin-
Schinzel | Ich bin sehr überrascht von
dem guten Niveau der Studierenden.
Veränderungen zu meiner Studienzeit
Bache
sehe ich nicht, da ich selbst ein BacheFach
lor- und Masterstudium an einer Fachhochschule absolviert habe.
Kappen | Die Studierenden sind selbstbewusster, als wir es damals waren.
er
Wenn ich in einer Vorlesung etwas erkläre, möchten sie zum Beispiel wissen,
wo ich das schon mal angewendet habe.
Referenz
Es entsteht sozusagen eine ReferenzKosten-Nutzen-Betrach
pflicht. Und die Kosten-Nutzen-BetrachStudieren
tung ist eine Sache, die die Studierenbrau
den durchaus beschäftigt. Wofür brauche ich das? Warum mache ich mir die
Mühe? Mit Fragen wie diesen setzen sie
sich auseinander.
fhocus | Wie schaffen Sie es, Ihre Studierenden für Ihre Vorlesungen zu interessieren?
Störte | Ich schiebe Übungen oder Beispiele ein, die ich selbst erläutere oder
die meine Studierenden weiterentwickeln.
Salewski | Und wer mitschreibt, bleibt
aufmerksamer.
Schinzel | IT-Sicherheit ist ein sehr
dankbares Thema. Wenn ich meinen
Studierenden den offensiven Teil der
IT-Sicherheit darstelle und zeige, wie
Angriffe funktionieren, dann sind sie
eigentlich immer direkt Feuer und
Flamme.
fhocus | Mit welchen Projekten beschäftigen Sie sich gerade und wie arbeiten Sie zusammen?
Salewski | »Industrie 4.0« ist für mich
ein wichtiges Thema. Es geht darum,
dass eine Anlage nicht nur einfach produziert, sondern dass sie mit ihrer Umgebung vernetzt wird, unter anderem
über das Internet. Dadurch sind Ferndiagnosen und -wartungen, Datenerhebungen sowie Vernetzungen mit anderen Prozessen in der Firma möglich.
Auf diese Weise ergeben sich zum Bei-
spiel Chancen hinsichtlich Energie- und
Ressourceneffizienz, jedoch auch Risiken für die Sicherheit und Zuverlässigkeit der Systeme. Damit werden die
IT-Security-Themen von Prof. Schinzel
auch für Industrieanlagen sehr bedeutend.
Schinzel | Ich arbeite derzeit mit einem
großen Industriekonzern an einem Projekt, bei dem es um die Sicherheit von
Industrieanlagen geht, die mit dem Internet verbunden werden. Wir untersuchen, wie eine bessere Absicherung vor
Hackerangriffen möglich ist, suchen
Schwachstellen und diskutieren diese.
Störte | Wir überlegen momentan, eine
gemeinsame Wahlveranstaltung anzubieten. Dabei würde ich die Technik der
Zukunft zeigen, und ein Kollege geht
auf die sicherheitstechnische Perspektive ein.
Kappen | Ich arbeite derzeit an drei
Projekten. In einem davon, einer Zusammenarbeit mit der Universität
Wuppertal, beschäftige ich mich mit
Kohlefaserkabeln. Ich versuche, diese
zu charakterisieren und deren Einsatzmöglichkeiten zu testen. Darüber hinaus beschäftige ich mich mit der Signalverarbeitung für die Satellitennavigation und ein 3D-In-Ear-Audiosystem.
KONTAKT
Prof. Dr. Götz C. Kappen
[email protected]
Prof. Dr. Falk Salewski
[email protected]
Prof. Dr. Sebastian Schinzel
[email protected]
Prof. Dr. Christian Störte
[email protected]
fhocus
26 | 2015 25
ZUR PERSON |
Alumni
preisen, entwickelte er Mobile Games
Er
und Apps für Kinder. Die langjährige Erfahrung bei Funcom floss in die eigenen
Projekte ein.
Stian Dahlslett schätzt auch
Selbst spielt Dahlslett »eher selten« am
regel
Computer. Er informiert sich aber regelak
mäßig über Neuerscheinungen und akEntwick
tuelle Trends. »Ich habe die EntwickJah
lung der Spiele in den letzten 30 Jahren mit Spannung verfolgt und freue
mich sehr auf die nächsten 30 Jahre.«
be
Die Computerspielindustrie ist groß, beKinderschu
finde sich aber noch in den KinderschuFilmin
hen. Er vergleicht sie mit der Filmindustrie vor 100 Jahren, als diese noch
neu war und sehr schnell gewachsen ist.
zu
»Ich denke, man wird in Zukunft zunehmend Produkte mit einem größeren
pro
künstlerischen Anspruch erleben«, prophezeit er. Auch die Symbiose zwischen
de
Spiel und Film biete Möglichkeiten, denen nur die Fantasie Grenzen setzen
könne. Die Entwicklung sei rasant und
unvorhersehbar – was einige Firmen
schon vor große Probleme gestellt habe.
Austausch mit Studierenden.
elf Jahre nach seinem
Diplom an der Fachhochschule Münster die
Möglichkeit zum kreativen
Traumberuf Illustrator
Nach seinem Diplom am Fachbereich Design gelang Stian Dahlslett ein beachtenswerter Berufsstart. Das
ist mittlerweile elf Jahre her. Der Absolvent der Fachhochschule Münster hatte schon während des Studiums eine Mappe an Lucasfilm geschickt – und seine Initiativbewerbung gefiel den Filmbossen. Der Illustrator entwickelte erste Entwürfe von Charakteren für eine »Star Wars«-Episode. Seit gut drei Jahren lebt
Stian Dahlslett nun als freischaffender Illustrator und Grafiker in Berlin.
E
in Traumberuf ist es für ihn,
wenn die Aufträge spannend
sind und er sich mit Leidenschaft einem Thema widmen
kann. Bei seiner Arbeit bleibt dies eher
die Ausnahme. Das »tägliche Brot« sind
Illustrationsaufträge für Computerspiele oder Filmprojekte, die natürlich nicht
alle seiner Passion entsprechen. Sein
Traumstart als Illustrator mit einem Engagement in der Grafikabteilung eines
Kultfilm-Teams entsprach dem schon
eher. »Es war sehr schön, mit einem solchen Job anzufangen«, sagt Dahlslett
rückblickend. Es bestätigte zum einen,
dass sich die Bemühungen während
des Studiums gelohnt haben. Auf der
anderen Seite motivierte es ihn, weiterhin persönliche Interessen mit den beruflichen Aspekten unter einen Hut zu
bringen. Denn im Concept-Art-Bereich
wollte Dahlslett schon zu Studienzeiten
unbedingt arbeiten.
26
fhocus
26 | 2015
Dem im norwegischen Namsos geborenen und aufgewachsenen Designer
wurde die Begabung quasi in die Wiege
gelegt. Die Eltern – der Vater Norweger,
die Mutter aus Osnabrück – studierten
Design an der Fachhochschule Münster
und lernten sich hier kennen. »Es war
schön, diese Tradition fortführen zu
können«, so Dahlslett. Damals wie heute gab es zwar keine Studienrichtung
für Game- oder Concept Art. Seine Professoren Norbert Nowotsch und Marcus
Herrenberger, die seine Diplomarbeit
betreuten, hätten ihn aber sehr in dem
Wunsch unterstützt, sich in dieses Gebiet zu vertiefen.
Nach dem Diplom lockte ihn ein Jobangebot in seine Heimat Norwegen. Für
sieben Jahre war Dahlslett Art Director
bei der Computerspielfirma Funcom in
Oslo, eine der größten Spielfirmen Europas mit über 300 Angestellten in mehreren Ländern. Er betreute Creative-Teams
mit Concept Artists, 3D-Artists, Animateuren und Worldbuildern. »Die Teams
saßen in Oslo und Peking, und wir haben Online-Spiele wie ‚Age
of Conan‘ oder ‚Anarchy Online‘ entwickelt«, erzählt er. Später war
Dahlslett Mitgründer von zwei kleineren
Spielfirmen in Norwegen. Unterstützt
mit Fördermitteln und Wettbewerbs-
Mit dem Umzug nach Berlin widmete
Pro
sich Dahlslett wieder zunehmend Proande
jekten in der Filmbranche, unter ande-
In Münster berichtete er im
Dezember über seine
interessante Karriere.
rem mit dem Regisseur Harald Zwart.
2013 reiste der Illustrator nach Neuseeland. Dort arbeitete er für Weta Workshop – ein Unternehmen für Spezialeffekte, das unter anderem an der Produktion von »Herr der Ringe« und
»Avatar« beteiligt war – an unterschiedlichen Filmprojekten mit.
Märchen und Mythen fand Dahlslett
immer schon »sehr inspirierend« für
seine eigenen Figuren und Science-Fiction-Welten. Unabhängig von Kultur
und Epoche ähneln sie sich sehr: »In
asiatischen Sagen oder griechischer Mythologie, in Star Wars, Super Mario
oder altnorwegischen Sagen tauchen
immer wieder die gleichen Archetypen
auf«, sagt der Illustrator. Sowohl das Geschichtenerzählen als auch das Spielen
gehöre zur universellen Kulturgeschichte. Es sei wie ein bewährtes Erfolgsrezept, bei dem nur die Optik und Erzähltechnik über die Jahrhunderte variieren.
Ein Stipendium in Norwegen diente
ihm kürzlich als neue Inspirationsquelle für seine Fabelgestalten. Der zweiwöchige Aufenthalt im Namsskogan Familienpark mit den vielen einheimischen
Tieren führte im letzten Sommer zu seiner ersten eigenen Ausstellung. Der entstandene Bilderzyklus zeigt natürlich
märchenhafte Lebewesen.
Zwischen den verschiedenen Projekten leitet Stian Dahlslett hin und wieder Workshops und hält Vorträge an
Design- und Medienhochschulen. Nach
dem Diplom nutzt der 38-Jährige damit die Möglichkeit zum gegenseitigen
kreativen Austausch mit Studierenden.
So auch im Dezember 2014 in Münster. Auf Einladung des Fachbereichs berichtete er von seiner noch jungen, aber
interessanten Karriere. Rund 80 Studierende wollten hören, wie man nach
dem Studium erfolgreich ins Berufsleben starten kann.
KONTAKT
Stian Dahlslett
www.dahlslett.com
fhocus
26 | 2015 27
ZUR PERSON |
Alumni
Er kann alles. Außer Schwäbisch.
blieben sind ihm der Zusammenhalt der noch recht kleinen
Jahrgangsgruppe und die angenehme, persönliche Lernatmosphäre, vor allem am samstäglichen Studientag in Beckum.
Nebenher blieb ihm sogar Zeit genug, für seine Sendenhorster Fußballmannschaft in der Bezirks- und Kreisliga auf dem
Platz zu stehen.
Auch an seinem neuen Wohnort Stuttgart hat er bereits Anschluss an eine Fußballmannschaft gefunden. Allerdings hapere es hin und wieder mit der Kommunikation mit den neuen Teamkollegen, gesteht Mey schmunzelnd: »Der schwäbische Dialekt ist für mich manchmal noch schwer zu
verstehen.«
W
as haben ein Staubsauger und eine 20 Meter hohe Anlage, die Holzspäne trocknet und
sortiert, gemeinsam? Beide existieren als
Modell in Dominik Meys Computer. Als Berechnungsingenieur der Firma CAE Engineering und Service
GmbH, Standort Stuttgart, simuliert der 25-Jährige seit vergangenem Herbst Materialeigenschaften und Bauteile. Der
Arbeitsbereich ist Mey bereits aus Studienzeiten vertraut. Er
gehörte zum ersten Jahrgang des dualen Maschinenbaustudiengangs, der 2009 an der Fachhochschule Münster startete.
Die in das Studium integrierte Ausbildung zum Technischen
Zeichner absolvierte er am Hauptsitz von CAE in Beckum
und bekam dort anschließend einen Vertrag als Fachangestellter in der Abteilung Berechnung und Simulation. Der direkte Einstieg ins Berufsleben, das Ausbildungsentgelt und
die Nähe zu seinem Heimatort Sendenhorst seien entscheidend für seine Wahl gewesen, so Mey.
Trotz der 32-Stunden-Woche im Betrieb schloss er sein Studium nach acht Semestern ab – also noch vor der Regelstudienzeit. Das »Sahnehäubchen« bildeten die Traumnote von
1,3 und der Hochschulpreis für seine Bachelorarbeit, in der
er die Verteilung von Schüttgütern in einer Kohlemühle untersuchte. »Ich hatte das Glück, dass mir das Lernen leichtfiel«, sagt Mey über seine Studienzeit. Gut in Erinnerung ge28
fhocus
26 | 2015
Nicht nur dem Sport, auch dem Studieren ist er treu geblieben: Berufsbegleitend absolviert er das Masterstudium »Applied Computational Mechanics«. Auf diese Weise möchte er
sein Spezialgebiet, Berechnung und Simulation, weiter vertiefen. Vier Semester lang fährt er nun etwa alle zwei Wochen
zu Präsenzstudientagen nach Ingolstadt oder Landshut.
Nach seinem Masterstudium ist Mey vertraglich für einige
Jahre an CAE gebunden – aber er möchte sowieso langfristig im Unternehmen bleiben. Nicht zuletzt wegen des positiven Arbeitsklimas. Da ist zum einen Geschäftsführer Michael
Runge, der ihn während seines Bachelorstudiums unterstützte und nun auch im Masterstudium ein individuelles Arbeitszeitmodell ermöglicht. Und da ist zum anderen der gute
Draht der Mitarbeiter untereinander. »Zum Cannstatter Wasen, dem hiesigen Volksfest, waren acht Kollegen aus Beckum
zu Besuch«, erzählt Mey. Einen CAE-Mitarbeiter sieht er sogar täglich noch nach Arbeitsende: Mit Christoph Pyka, ebenfalls Absolvent der FH Münster und Ingenieur,
hat er eine Wohngemeinschaft gegründet. In ihrer Freizeit erkunden
sie gemeinsam die für beide neue Region rund um
Stuttgart, samt Rundendrehen auf der Kartbahn,
Besuch des Technikmuseums und Ausflug ins
Am 3D-Modell testet
Dominik Mey, wie sich ein
Haushaltsgerät verhält, wenn
es auf den Boden fällt.
Nachtleben. Ein Wochenende Snowboardfahren in den na
nahen Alpen stand auch schon auf dem Programm.
Im Berufsalltag wird es ebenfalls nicht langweilig: Häufig
fährt er zu Vorgesprächen und Präsentationen zu Kunden
und lernt so viele verschiedene Menschen, Unternehmen und
Regionen kennen. Im Büro ist dann seine Aufgabe, am Com
Computer Modelle zu konstruieren, an denen die vom Auftragge
Auftraggeber gewünschten Tests simuliert werden können. »Für ProPro
duzenten von Haushaltsgeräten ist es zum Beispiel sehr teuer,
las
einen realen Prototyp von einem neuen Produkt bauen zu lassen. Die nutzen gerne unsere Methode«, erklärt Mey. Die Be
Berechnungen am Simulationsmodell zeigten genauso zuverläs
zuverläsver
sig, ob sich Materialstärke oder Form der Bauteile noch verbessern ließen. Mey kann sogar am 3D-Modell testen, wie
Bo
sich ein Haushaltsgerät verhält, wenn es auf den BoHin
den fällt. »Daraus ergeben sich zum Beispiel Hinweise, welche Kunststoffbauteile das Unter
Unternehmen verstärken sollte.«
Auch Kunden aus dem Schwer
Schwermaschinenbau greifen auf die
Expertise von Mey und
seinen Kollegen zu
zurück. »Wir haben
einen Kunden, der
Sichteranlagen baut,
in denen Holz verarbeitet wird. Für ihn haben
wir getestet, inwieweit die Bauteile Explosionsdruckwellen aushalten.« Gerade diese Abwechslung
findet Mey so reizvoll an seinem Job: An einem Arbeitstag geht es um fußballfeldgroße Industrieanlagen, am nächsten Tag um – Staubsauger.
KONTAKT
Dominik Mey
[email protected]
fhocus
26 | 2015 29
ZUR PERSON |
Studentisches
Das Wesentliche immer im Blick
Sich für die Gesellschaft einsetzen, etwas bewegen – diese Motive treiben Architekturstudentin Anna-Lena Euwens an. Deshalb wählte sie ihr Studienfach und ist ehrenamtlich tätig. Die 26-Jährige engagiert sich
für benachteiligte Kinder und als Co-Trainerin im Sportverein. Zudem betreut sie als Tutorin im Lehrgebiet
Baubetrieb/Baumanagement Bachelorstudierende bei ihren Projekten. Langweilig wird es der Masteranwärterin, die demnächst auf Exkursion nach Kuba fährt, nicht so schnell.
Anna-Lena Euwens engagierte sich in
ihren Lernpausen ehrenamtlich und
hatte dabei auch noch jede Menge
Spaß mit ihrem Mitmachpatenkind.
D
as Gruppenspiel »Ballonreise – wer muss aussteigen« bewog Euwens erstmals dazu, sich mit der
Frage auseinanderzusetzen, wann jemand wichtig für die Gesellschaft ist. Bei einem Englandaustausch debattierte die damals 14-Jährige mit ihren Spielpartnern darüber, auf wen man am wenigsten verzichten könne.
Als Begründung, warum sie selbst unbedingt an Bord bleiben
müsse, sagte sie spontan: »Ich würde gern ein Drogenentziehungsdorf bauen und ein Altenheim, in dem Jung und Alt gemeinsam leben und keiner einsam ist.« Diese Erfahrung war
für sie die »Initialzündung« zur Wahl ihres Studienfachs Architektur. Durch zukünftige Bauprojekte möchte sie helfen,
das gesellschaftliche Zusammenleben positiver zu gestalten.
Nach dem Abitur absolvierte die gebürtige Kleverin zunächst eine Ausbildung zur Bauzeichnerin und startete dann
2009 ihr Studium an der FH Münster. Nach dem Bachelorab30
fhocus
26 | 2015
schluss überlegte sie zwar kurz, doch lieber auf Lehramt um
umzusatteln, da ihr während des Studiums der »Bezug zu den
Menschen« etwas gefehlt hatte. Dann entschied sie sich aber
doch für ein Masterstudium. Mittlerweile hat Euwens Klar
Klarheit darüber gewonnen, in welche Richtung sie später einmal gehen wird: Demografischer Wandel und soziale
Probleme sind die gesellschaftlichen Herausforderungen, die sie durch ihre Arbeit als Architektin beeinflussen möchte. Schon in ihrer Bachelorarbeit hatte Euwens
sich mit »Wohnen im Alter« beschäftigt. Nun steht ihre Mas
Masterthesis zum Thema »Räume für die Gesellschaft« an. Ganz
konkret ist ihre Idee zwar noch nicht, aber eventuell wird sie
ein Kulturzentrum planen. Am wichtigsten ist ihr auf jeden
Fall, das soziale Miteinander der Menschen zu fördern. »Jeder in unserer Gesellschaft sollte sich stärker der Menschen bewusst
werden, mit denen er zusammen
wohnt«, sagt Euwens.
Diesem Ziel nähert sie sich nicht allein durch ihr Fachgebiet, sondern
auch durch ehrenamtliches Engagement. So betreute die angehende Architektin über die »Stiftung Mitmachkinder« knapp ein Jahr lang einen sechsjährigen Jungen. Sie begleitete ihr Patenkind beim
Übergang vom Kindergarten in die Schule. Bei den
wöchentlichen Treffen standen Skateboardfahren, Fußballspielen, Museumsbesuche oder auch Spiel- und Lesenach-
mittage auf dem Programm. Zielgruppe der »Stiftung Mit
Mitmachkinder« sind benachteiligte Familien, in denen wenig
Geld vorhanden ist oder viele Geschwisterkinder zu betreu
betreu-
ist im Leben.« Der Austausch zwischen den Paten, bei denen
unterschiedlichste Lebenswelten und Altersgruppen aufeinandertreffen, sowie die Betreuung und der Rückhalt durch
die Stiftung waren für die Studentin ebenfalls sehr bereichernd.
Demografischer Wandel und soziale Probleme sind
Auch in ihrem anderen Ehrenamt
als Co-Trainerin eines Voltigierteams hat sie häufig mit Kindern
zu tun. Noch bis zum Ende ihres
Bachelorstudiums war sie selbst
in einer Leistungssportgruppe des Vereins für Voltigiersport
Kleve aktiv. Jetzt, während des Masters, schafft sie es allerdings nicht mehr ganz so regelmäßig zum Training in ihrer
Heimatstadt. Aber wenn sie dort ist, unterstützt sie die Trainerin so gut es geht. Voltigieren hat für Euwens sehr viel mit
Vertrauen zu tun. »Wenn man in drei Metern Höhe auf einem Pferd stehend ein Kind hochhält, gelingt dies nur auf
einer ganz besonderen gegenseitigen Vertrauensbasis.« Ihre
Trainerin, die stets den Spaß in den Vordergrund stellte, ist
Euwens großes Vorbild für ehrenamtliches Engagement. Sie
kann sich durchaus vorstellen, später einmal nach Kleve zurückzugehen und dann auch selbst als Voltigiertrainerin zu
arbeiten.
die gesellschaftlichen Herausforderungen, die sie durch
ihre Arbeit als Architektin beeinflussen möchte
en sind. Auch Kinder alleinerziehender oder durch Krankheit
eingeschränkter Eltern können von dem Patenprogramm pro
prozahlfitieren. Euwens machte mit ihrem Patenkind nicht nur zahl
reiche spannende und wertvolle Erfahrungen, sondern hatte
auch einfach eine Menge Spaß. »Wann kann man noch mal
so richtig unbeschwert sein, wenn nicht mit einem Kind«, ist
die Masterstudentin überzeugt. Sie kann das Engagement für die Mitmachkinder anderen
Kommilitonen nur weiterempfehlen.
»Gerade im Prüfungsstress
verliert man schnell das Wesentliche aus den Augen«, so
Euwens, »aber Kinder erinnern einen daran, was
wirklich wichtig
Aber vorher möchte sie erst einmal ein bisschen von der Welt
sehen. Den Anfang macht sie nun mit einer vierwöchigen
Studienexkursion nach Kuba. In einer internationalen Projektgruppe mit kubanischen, deutschen, polnischen, österreichischen, britischen und israelischen Studierenden wird sie
dort ein städtebauliches Projekt bearbeiten. Zudem arbeitet
Euwens am Fachbereich Architektur als Tutorin und betreut
Bachelorstudierende bei ihren Baumanagementprojekten.
Langeweile ist für die Studentin ein Fremdwort.
KONTAKT
Anna-Lena Euwens
[email protected]
Stiftung Mitmachkinder
www.mitmachkinder.de
[email protected]
fhocus
26 | 2015 31
ZUR PERSON |
ZUR PERSON |
Studentisches
»Das Training mit den Mädels
macht mir riesigen Spaß«
»Wenn ich sehe, wie sich die Mädchen
entwickeln und immer besser spielen,
bin ich schon ein wenig stolz«, sagt Andrea Börgermann. Seit sieben Jahren
betreut und trainiert sie zwei Volleyballmannschaften im Sportverein Teuto Riesenbeck. »Das Training mit den
Mädels macht mir riesigen Spaß.« Deshalb gehört neben ihrem Studium am
Fachbereich Energie · Gebäude · Umwelt
fast jede freie Minute dem Volleyball.
Und zwar nicht nur als Trainerin –
seit 13 Jahren ist sie selbst auch leidenschaftliche Volleyballspielerin.
»Mir blieb eigentlich gar nichts anderes
übrig, als mich für diese Sportart zu begeistern«, gibt die 21-Jährige lachend zu.
Denn ihre ganze Familie sei dem Volleyball »verfallen«. Ihre Eltern, beide
ehemalige aktive Spieler, arbeiten heute noch als Trainer – genau wie ihre
Schwester, in deren Mannschaft sie
mitspielt.
Wenn sie die Erfolge ihrer Volleyballmädels sieht, ist sie gern bereit, ein
bis zwei Abende fürs Training und für
die Betreuung der Spiele gegen andere Mannschaften an den Wochenenden zu opfern. »Einige der jungen Frauen sind sogar schon so weit, dass sie in
meiner Mannschaft mitspielen.«
Bei all dem Sport dürfe natürlich das
Studium nicht zu kurz kommen. Denn
zum wöchentlichen Pensum der zukünftigen Wirtschaftsingenieurin gehören mindestens 30 Stunden Vorlesungen. Zudem arbeitet sie als Tutorin
für zwei Mathematikübungen pro Woche. »Auch wenn das Studium ziemlich anstrengend ist, bringt mir die Arbeit mit meinem Volleyballteam so viel,
dass ich die Zusatzbelastung gern in
Kauf nehme.« Der Sport biete ihr einen
guten Ausgleich zur Hochschule. Außerdem ist sie sich sicher, dass sie aus
der Arbeit als Trainerin einiges mitnehmen kann, das ihr in ihrer späteren Berufstätigkeit im Umgang mit Menschen
nützlich ist.
Berufene
Neu an der FH
… Prof. Dr. Jörg Harnisch
… Prof. Dr. Anke Menzel-Begemann
Fachbereich Bauingenieurwesen
Fachbereich Pflege und Gesundheit
Lehrgebiet Baustofflehre
Lehrgebiet Rehabilitationswissenschaften
Schwerpunkt Interventionsforschung, Patienten- und
Angehörigenschulung, medizinisch-beruflich orientierte
»An Studierenden schätze ich die unbefangene Sicht auf die
Dinge«, sagt Prof. Dr. Jörg Harnisch. Der neuberufene Hoch
Hochschullehrer lehrt auf dem Gebiet der Baustofflehre und
Bau
forscht hauptsächlich in den Themenfeldern innovative Bauwerksanalyse, Instandsetzung, Korrosion von Stahl in Beton
und Nachhaltigkeit. Studiert hat Harnisch an der RWTH Aa
Aachen und an der TU Chalmers in Göteborg.
Nach der Promotion zur »Korrosion von Stahl in Beton« zog
er nach Süddeutschland und arbeitete in zwei Ingenieurbüros.
Als Projektleiter war er für die innovative Zustandsanalyse
von Stahlbetonbauwerken, die gutachterliche Beratung und
die Begleitung von Instandsetzungsmaßnahmen zuständig.
KONTAKT
Andrea Börgermann
[email protected]
Nun genießt der 39-Jährige die Möglichkeit, mit anderen
Hochschullehrern interdisziplinär und wissenschaftlich zu
zusammenzuarbeiten. Seinen Studierenden möchte er beibrin
beibringen, wozu die gelehrte Theorie später in der Praxis benötigt
wird. »Dafür wünsche ich mir einen konstruktiven Austausch
zwischen Studierenden, Lehrenden und der Wirtschaft.«
Rehabilitation
Ein freiwilliges soziales Jahr in einer niederländischen Einrichtung für Menschen mit geistigen Behinderungen. Zehnjährige Berufspraxis in einer Reha-Einrichtung. Lehrerfahrung an uni- und außeruniversitären Fortbildungsinstituten.
»Für uns war die Diplom-Psychologin die Wunschkandidatin
Nummer 1«, sagt Fachbereichsdekan Prof. Dr. Rüdiger Ostermann. In einer Reha-Klinik war sie mitverantwortlich für die
Diagnostik und Therapie von Menschen mit Hirnschädigungen sowie die Schulung von Angehörigen. »Und ich konnte
dort eigene Forschungsideen in die Versorgung implementieren«, berichtet die 42-Jährige, die für ihr Projekt »BOMeN –
Berufliche Orientierung in der Medizinischen Neurorehabilitation« den Forschungspreis der Gesellschaft für Rehabilitationswissenschaften Nordrhein-Westfalen e.V. erhielt. In ihrer
Promotion »Haben wir wirklich ein ‚Brett VOR dem Kopf‘?«
hat sie drei inzwischen publizierte Testverfahren entwickelt.
KONTAKT
KONTAKT
Prof. Dr. Jörg Harnisch
[email protected]
0251 83-65586
Prof. Dr. Anke Menzel-Begemann
[email protected]
0251 83-65828
Andrea Börgermann
(4.v.r.) coacht neben
ihrem Studium zur
Wirtschaftsingenieurin Volleyballmannschaften.
32
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fhocus
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ZUR PERSON |
Berufene
… Prof. Dr. Florian Altendorfner
… Prof. Dr. David Hochmann
… Prof. Dr. Götz C. Kappen
… Prof. Dr. Stefan Wolf
Fachbereich Energie · Gebäude · Umwelt
Fachbereich Physikalische Technik
Fachbereich Elektrotechnik und Informatik
Institut für Berufliche Lehrerbildung (IBL)
Lehrgebiet Energietechnik
Lehrgebiet Biomechatronik und Medizintechnik
Lehrgebiet Nachrichtentechnik
Lehrgebiet Berufspädagogik / Technikdidaktik
Schwerpunkt Verbrennungstechnik
Schwerpunkt Messtechnik in der Technischen Orthopädie
Schwerpunkt Digitale Signalübertragung und -verarbeitung
Forscher zu werden, das war schon der Kindheitstraum von
Prof. Dr. Florian Altendorfner. Dabei faszinieren den 35-Jährigen bis heute Verbrennungsvorgänge und deren Energieumwandlungen. Sein Wissen über die Verbrennung fossiler und
nachwachsender Rohstoffe sammelte der Forscher während
seiner Promotion und seiner Industrietätigkeit bei Siemens,
Sunmachine, Viessmann und der Rational AG.
In seiner Dissertation an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg untersuchte Altendorfner die »Stabilisierung vorgemischter Flammen mittels elektrischer Felder sowie deren technische Applikation für Gasturbinenverbrennung«. Hierbei ging es darum, die Flammenstabilität zu
optimieren und schädliche Emissionen, die bei der Verbrennung in Gasturbinen zur Stromerzeugung entstehen, zu senken. Dabei machte sich der Forscher zunutze, dass sich die
Form und Lage von Flammen durch eine angelegte Stromspannung beeinflussen und steuern lassen.
Die Freiheit, neue – vielleicht sogar verrückte – Ideen ohne
wirtschaftlichen Druck auszuprobieren: Das war ein Anreiz für Prof. Dr. David Hochmann, von der Industrie an die
Hochschule zu wechseln. Zudem gefällt ihm, dass der Studiengang Technische Orthopädie die Problemlösungskompetenz von Ingenieuren mit der Expertise von Orthopädietechnikern kombiniert. »Das ist deutschlandweit einzigartig«, so
der 44-Jährige.
Er selbst studierte Maschinenbau, Fachrichtung Biomedizinische Technik, an der Technischen Universität Berlin und promovierte dort 2010 zum Thema »Prüf- und Bewertungskriterien für Knieorthesen«. Beim Medizintechnik-Unternehmen
Otto Bock Healthcare in Duderstadt entwickelte er anschließend als führender Spezialist neue Prüfverfahren und leitete
Technologieprojekte. Hochmann freut sich auf die Arbeit mit
interessierten, eigenständig denkenden Studierenden und ist
dankbar, dass die FH Münster ihn unterstützt, seinen eigenen didaktischen Stil zu entwickeln.
Nahezu jede Information von jedem Ort der Erde mit Smart
Smartphones, Tablets und Co. abrufen zu können, sieht Prof. Dr.
Götz C. Kappen als die größte Errungenschaft der Nachrich
Nachrichtentechnik an. Der Professor ist sich sicher, dass die mobile
Vernetzung auch künftig noch weiterentwickelt werde.
Sein Elektrotechnikstudium hatte Kappen an der RWTH Aa
AaMit
chen absolviert. Dort arbeitete er als wissenschaftlicher Mitarbeiter und widmete sich zunächst der Medizinelektronik.
Später forschte er über Satellitennavigationsempfänger, die
sich durch minimale Stromaufnahme und niedrige Herstel
HerstelThe
lungskosten auszeichnen. Daraus ergab sich auch das Thema seiner Doktorarbeit zu »Konzeption und Entwurf flächenund energieeffizienter digitaler GNSS-Empfänger«, die er an
der RWTH ablegte.
Vor seiner Berufung an die FH war er am Deutschen Zentrum
für Luft- und Raumfahrt in Oberpfaffenhofen und als Pro
Professor für das Lehrgebiet »Embedded Systems« an der Hoch
Hochschule Rhein-Waal tätig.
Die deutsche Berufsbildung genießt international einen hervorragenden Ruf, und viele Länder wünschen sich ein ähnliches System. »Eine Eins-zu-eins-Übertragung ist jedoch für
die Verantwortlichen dort oft nicht vorstellbar«, so die Erfahrung von Prof. Dr. Stefan Wolf. Es sei notwendig, kulturelle Besonderheiten zu berücksichtigen. Der Zusammenhang
zwischen Kultur und Berufsbildung ist einer der Forschungsschwerpunkte des 53-Jährigen. Internationale Projekte führten ihn schon in viele Länder. Als außerordentlicher Professor
einer kubanischen Universität betreut der habilitierte Berufspädagoge eine Doktorandengruppe, die erforscht, wie sich
deutsche Weiterbildungskonzepte in den kubanischen Privatsektor übertragen lassen.
Der gelernte Maschinenbaumechanikermeister und examinierte Berufsschullehrer für Metalltechnik und Sozialkunde
sammelte umfangreiche praktische Erfahrungen in der beruflichen Ausbildung. »Ich bin Wissenschaftler, weil ich sehr
neugierig bin und Dinge, die ich herausfinde, gerne an andere weitergebe«, so Wolf.
KONTAKT
KONTAKT
KONTAKT
KONTAKT
Prof. Dr. Florian Altendorfner
[email protected]
02551 962-797
Prof. Dr. David Hochmann
[email protected]
02551 962-510
Prof. Dr. Götz C. Kappen
[email protected]
02551 962-812
Prof. Dr. Stefan Wolf
[email protected]
0251 83-65167
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ZUR PERSON |
Berufene
ÜBER UNS
Die Fachhochschule Münster in
Zahlen und Fakten
… Prof. Martin Ebert
Fachbereich Architektur
Forschungskatalog
›
›
›
›
Lehrgebiet Baukonstruktion
Dass jedes Gebäude oder Ding von einer Idee getragen sein
muss, davon ist Prof. Martin Ebert überzeugt. Und dies ist es
auch, was der in London und Münster lebende Architekt den
Studierenden in seinem Lehrgebiet vermitteln will. »Nämlich
Baukonstruktion nicht in erster Linie als eine Kollektion von
Details, sondern als eine Serie von aktiven Prozessen und Methoden zu begreifen«, so der 46-Jährige. Genau das hat der
Neuberufene von seinem renommierten »Lehrmeister« David Chipperfield in dessen Londoner Architekturbüro gelernt.
Nach seinem Architekturstudium in Stuttgart und Chicago
hatte er bei dem Briten sieben Jahre lang gearbeitet, bis er
sich selbstständig machte. Durch Chipperfield, der unter anderem das Neue Museum in Berlin und das Museum Folkwang in Essen gebaut hat, kam der gebürtige Berliner auch
dem Münsterland nahe – sein erstes Projekt mit dem Briten
war die Hauptverwaltung für Ernsting’s Family in CoesfeldLette. »Meine Aufgabe ist es nun, die Begeisterung für Architektur bei den Studierenden zu beflügeln und in unbekannte
Bahnen zu lenken – mitbringen müssen sie diese aber selbst«,
erklärt Ebert.
›
›
›
›
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›
›
›
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›
KONTAKT
Prof. Martin Ebert
[email protected]
0251 83-65100
Forschung und Kompetenzen
›
13.400 Studierende
76 Studiengänge
257 Professorinnen und Professoren
785 Mitarbeiterinnen und
Mitarbeiter
12 Fachbereiche
2 Institute in der Lehre
9 Forschungsinstitute
5 Kompetenzplattformen
(inkl. Beteiligungen)
3 Standorte in Münster
3 Standorte in Steinfurt
Standorte in Ahlen, Beckum,
Coesfeld, Oelde
Globalhaushaltsbudget 2014:
51,5 Mio. Euro
eine der erfolgreichsten Hochschu
Hochschulen für angewandte Wissenschaften
Deutschlands
als erste Fachhochschule
Deutschlands systemakkreditiert
Vernetzung mit der Wirtschaft
durch strategische Allianzen und
Partnerschaften
fein justiertes System der internen
Ressourcensteuerung
eine der forschungs- und drittmitdrittmit
telstärksten Fachhochschulen in
Deutschland
vom Stifterverband für die Deutsche
Wissenschaft für ihr Qualitätsma
Qualitätsmanagement sowie ihre Austauschpro
Austauschprozesse mit der Praxis ausgezeichnet
hausinternes Promotionskolleg mit
118 kooperativ Promovierenden
Forschung an der FH Münster hat viele Facetten. Die Kompetenzen der Professoren und wissenschaftlichen Mitarbeiter sind das Potenzial unserer Hochschule.
Die wissenschaftliche Vielfalt in den Kompetenzfeldern
› Bau | Umwelt | Ressourcen
› Gesundheit | Life Sciences
› Produkt- und Verfahrenstechnik
› Angewandte Sozialwissenschaften
› Unternehmens- und Dienstleistungsmanagement
› Kommunikation | Information
und der hohe Anwendungsbezug durch die intensive Zusammenarbeit mit
unseren Partnern sind unsere Stärke. Der Forschungskatalog bietet einen direkten
Zugang zu unseren Themen und Angeboten im Bereich Forschungs- und
Wissenstransfer. Diese Datenbank nennt den Ansprechpartner für aktuelle
Fragestellungen und für die Entwicklung neuer Projekte. Sie bietet einen Überblick über die Personenprofile der Wissenschaftler, ihre Arbeitsgebiete und
Forschungs- und Entwicklungsschwerpunkte. Auch eine Volltextsuche ist
möglich.
www.fh-muenster.de/forschungskatalog
Forschungsinstitute
›
›
›
›
›
›
›
›
›
Institut für Optische Technologien (IOT)
Institute of Sustainable Nutrition and Food Production (iSuN)
Institut für Konstruktions- und Funktionsmaterialien (IKFM)
Institut für Praxisentwicklung und Evaluation (IPE)
Corporate Communication Institute (CCI)
Institut für Wasser · Ressourcen · Umwelt (IWARU)
Institut für unterirdisches Bauen (IuB)
Institut für Prozessmanagement und Logistik (IPL)
Institut für Energie und Prozesstechnik (IEP)
An-Institute
› Institut für Abfall, Abwasser, Site und Facility Management e.V.
(INFA – ISFM e.V.)
› Institut für textile Bau- und Umwelttechnik GmbH (Kiwa TBU GmbH)
› Kompetenzzentrum Coesfeld – Institut für Geschäftsprozessmanagement e.V.
› Use-Lab GmbH
Weitere Forschungsstrukturen
›
›
›
›
›
36
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26 | 2015
Laserzentrum FH Münster (LFM)
EUREGIO Biotech-Center
Kompetenzzentrum Humanitäre Hilfe
Promotionskolleg
Science-to-Business Marketing Research Centre
fhocus
26 | 2015 37
ÜBER UNS
Impressum
Studiengänge an der Fachhochschule Münster
Bachelorstudiengänge
›
›
›
›
›
›
›
›
›
›
›
›
›
›
›
›
›
›
›
›
›
›
›
›
›
›
38
Architektur
Bauen im Bestand
Bauingenieurwesen
Baustellenmanagement
Berufspädagogik im Gesundheitswesen in den Fachrichtungen
› Pflege
› Therapie
Betriebswirtschaft
(auch dual und berufsintegriert)
Chemieingenieurwesen (auch dual)
Design
Deutsch-Lateinamerikanischer Studiengang Betriebswirtschaft (CALA)*
Elektrotechnik (auch dual)
Energie-, Gebäude- und
Umwelttechnik
European Business Programme *
Informatik (auch dual)
Lehramt an Berufskollegs
in den Fachrichtungen
› Bautechnik
› Elektrotechnik
› Ernährungs- und Hauswirtschaftswissenschaft
› Gesundheitswissenschaft/Pflege
› Informationstechnik
› Maschinenbautechnik
› Mediendesign und Designtechnik
Maschinenbau
(auch dual und berufsintegriert)
Maschinenbauinformatik
Oecotrophologie
Pflege- und Gesundheitsmanagement
Pflege (dual)
Physikalische Technik in den Studienrichtungen Biomedizinische Technik, Lasertechnik
Soziale Arbeit (auch berufsbegleitend)
Technische Orthopädie (auch dual)
Therapie- und
Gesundheitsmanagement (dual)
Total Facility Management
Wirtschaftsinformatik (dual)
Wirtschaftsingenieurwesen in den
Fachrichtungen
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26 | 2015
› Chemietechnik
› Elektrotechnik
› Energie-, Gebäude- und Umwelttechnik
› Maschinenbau
› Physikalische Technologien
› Wirtschaftsingenieurwesen
(Verbundstudiengang, berufsbegleitend/dual)
Masterstudiengänge
› Accounting and Finance**
› Architektur
› Auditing, Finance and Taxation
(weiterbildend)
› Bauingenieurwesen
› Baurecht im Lebenszyklus von
Bauwerken (weiterbildend,
berufsbegleitend)
› Beratung, Mediation und Coaching
(weiterbildend)
› Bildung im Gesundheitswesen
› Biomedizinische Technik
› Chemical Engineering*
› Clinical Casework
(weiterbildend, berufsbegleitend)
› Design – Information und
Kommunikation
› Elektrotechnik (auch in Teilzeit)
› Ernährung und Gesundheit
› Informatik (auch in Teilzeit)
› International Marketing & Sales*
› International Supply Chain
Management (weiterbildend,
berufsbegleitend)*
› Internationales Facility Management
› Jugendhilfe – Konzeptionsentwicklung und Organisationsgestaltung
› Lehramt an Berufskollegs (Master of
Education) in den Fachrichtungen
› Bautechnik
› Elektrotechnik
› Ernährungs- und Hauswirtschaftswissenschaft
› Gesundheitswissenschaft/Pflege
› Informationstechnik
› Maschinenbautechnik
› Mediendesign und Designtechnik
› Logistik
› Management in Pflege- und
Gesundheitseinrichtungen
› Maschinenbau
› Nachhaltige Dienstleistungsund Ernährungswirtschaft
› Photonik*
› Sozialmanagement (weiterbildend)
› Technische Betriebswirtschaft
(weiterbildend, berufsbegleitend)
› Technisches Management in
der Energie-, Gebäude- und
Umwelttechnik
› Wirtschaftsinformatik
› Wirtschaftsingenieurwesen – MBA
& Eng. (weiterbildend)
› Wirtschaftsingenieurwesen in den
Fachrichtungen
› Chemietechnik
› Elektrotechnik
› Maschinenbau
› Physikalische Technik
*
internationale Studiengänge
**
Studienprogramme mit internationaler
Herausgeber
Die Präsidentin der
Fachhochschule Münster
Redaktion
Pressestelle der Fachhochschule
Münster: Katharina Kipp (V. i. S. d. P.),
Anne Holtkötter
Beiträge
Michael Neumann (S. 26/27), Lisa
SozialLiesner (S. 22/23), Fachbereich Sozial
wesen/Dr. Stefan Gesmann (S. 17)
sowie Pressestelle/Stefanie Gosejohann
(S. 30/31, 35 rechts), Anne Holtkötter
(S. 12 bis 15, 16, 33 rechts, 36),
Katharina Kipp (S. 10/11, 20/21, 24/25,
33 links), Victoria Liesche (S. 6/7, 28/29,
34 rechts), Ronja Hoffmann/Milana
Mohr (S. 18/19), Martina Weiland
(S. 8/9, 32, 34 links, 35 links)
Lisa Liesner (S. 23), Michael
Neumann (S. 27 oben), Stian Dahlslett
(Titel, S. 26, 27 unten), Dominik Mey
(S. 28), Alexander South/FMI-Laborteam (S. 11), Universität Genf (S. 20),
Fachbereich Architektur (S. 15 Mitte
links, unten), Fachbereich Sozialwesen
(S. 17), Denise Brasch (S. 7 unten),
privat (S. 32) sowie Pressestelle/
Stefanie Gosejohann (S. 30), Ronja
Hoffmann (S. 18), Anne Holtkötter
(S. 15 oben, Mitte rechts, 16), Katharina
Kipp (S. 12, 21), Victoria Liesche (S. 6),
Milana Mohr (S. 19), Martina Weiland
(S. 7 oben)
Papier
Umschlag Multiart Silk 200 g /m²
Innenteil Multiart Silk 150 g /m²
Auflage
1.800 Stück
ISSN 1610-2592
Gestaltung
Nieschlag + Wentrup, Münster
www.nieschlag-und-wentrup.de
Korrektur
www.lektorat-schreibweise.de
Fotos
Thorsten Arendt (S. 3), Georg Bieker
(S. 8/9), Wilfried Gerharz (S. 33 bis 36),
Druck
Bonifatius GmbH, Paderborn
Vertiefung/Ausrichtung
Kontakt
Fachhochschule Münster
Transferagentur
Service Office für Studierende
Hüfferstraße 27
48149 Münster
www.fh-muenster.de
Telefon 0251 83-64600
Telefax 0251 83-64699
[email protected].fh-muenster.de
Telefon 0251 83-64700
Telefax 0251 83-64707
[email protected]
Präsidium
Pressestelle
International Office
Telefon 0251 83-64054
Telefax 0251 83-64060
[email protected]
Telefon 0251 83-64090
Telefax 0251 83-64091
[email protected]
Telefon 0251 83-64102
Telefax 0251 83-64104
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Hinweis zur geschlechtergerechten Sprache
Die Gleichberechtigung von Frauen und Männern in allen Bereichen ist im Leitbild der Fachhochschule Münster verankert.
Nach Möglichkeit verwenden wir geschlechtsneutrale Formulierungen. Wo sich dies nicht umsetzen lässt, benutzen wir aus
Gründen der besseren Lesbarkeit das generische Maskulinum. Selbstverständlich sind dabei Frauen eingeschlossen.
April 2015
fhocus
26 | 2015 39
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