Informationen über das Projekt

 Ein Projekt für Berufsschüler_innen, Auszubildende und Lehrkräfte Einführung
Laufzeit 01.04.2014 – 30.06.2015 Projektträger KVHS Ammerland gGmbH, https://www.kvhs‐ammerland.de Förderung ESF – Innovative berufliche Aus‐, Fort‐ und Weiterbildung https://www.nbank.de/Oeffentliche_Einrichtungen/Arbeitsmarkt/
Bildung_und_Qualifizierung/Innovative_berufl_Weiterbildung.php Theaterpäd. Methoden für die Förderung beruflicher Handlungskompetenz Der Projektansatz von ‚Auftritt’ ist darauf ausgerichtet Methoden zur Förderung beruflicher Handlungskompetenz weiterzuentwi‐
ckeln. Die berufliche Bildungsarbeit in der (Berufs‐)Schule soll ins‐
besondere von der intensiven Zusammenarbeit zwischen Beruf‐
schullehrkräften und Theaterpädagogen profitieren. Unterschied zum Vorläuferprojekt ‚Handschlag – Theater meets School’ (Jan bis Dez 2013) Zielte ‚Handschlag’ (vgl. insb. http://www.wettbewerb‐
kulturstiftung.de/show_project_short_neu.aspx?ID=7501) auf den Aufbau von Motivation bei bildungsmüden Schüler_innen, erfolgt in ‚Auftritt’ nun die Systematisierung von bewährten Me‐
thoden, damit sie zukünftig bei der Ausbildung berufsspezifischer Performanzen – (Selbst‐)Präsentation, Körperhaltung, Auftreten – eingesetzt werden können. Projekt‐Personal Für die Projektdurchführung stehen zur Verfügung 
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35 Std./Woche Theaterpädagogik (Hess, Becker, Gerdes) 10 Std/Woche Sozialpädagogik (Niebuhr, BBS) 120 Honorarstunden künstlerische Leitung, Konzeptarbeit, Modulentwicklung, Supervision (Kowollik, JKA: http://www.jugendkulturarbeit.eu ) 60 Honorarstunden für filmische Dokumentation Projektkoordination (Weißer, kvhs) Durchführung & Ziele Ergänzend zum curricularen Programm der Berufsschule werden – unter Beteiligung von Schülern und Schülerinnen, Lehrkräften und Experten für Theaterpädagogik – für den Unterricht geeignete Me‐
thoden ausgewählt, erprobt und schließlich in Modulen zusammen‐
gefasst und dokumentiert. Dabei soll die spätere Übertragbarkeit der Module auf andere Schul‐
formen berücksichtigt werden. Das Projekt liefert am Ende inhaltlich, methodisch und zeitlich ab‐
gegrenzte Module – zusammengefasst in einer anwendungsorien‐
tierten Handreichung. (Berufs‐)Schulen erfahren daraus die Bedin‐
gungen des Gelingens der Moduldurchführung sowie die Faktoren einer produktiven Zusammenarbeit des Tandems aus Theaterpäda‐
gogen und Lehrkräften. Z i e l e
für Schüler/innen: für Lehrkräfte: Aktuell: 
Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und Erfahrung von Selbstwirksamkeit bezogen auf die eigene Person und in Prozessen in Klassenzimmer und Praktikum 
Ausbildung eines Repertoires an geeigneten Techniken der Selbstdarstellung 
die Erweiterung des methodischen Werkzeugkoffers von Lehrkräften für eine diversitätsorientierte (Benachteiligten‐
)Pädagogik 
methodische Multiplikationseffekte im Rahmen des be‐
währten Tandem‐Modells 
Erstellung einer Handreichung für Schul‐Kultur‐Tandems mit thematisch abgegrenzten didaktischen Modulen, die kon‐
kret anknüpfen an die Bildungsziele in berufsübergreifen‐
den Unterrichtsfächern entsprechend der geltenden Rah‐
menrichtlinien 
mit Berufsfachschulklassen (BFS) o Erprobung der entwickelten Module o ggf. Modifikation o ggf. Aufnahme berufsspezifischer Besonderheiten mit Berufseinstiegsschule (BES) und BFS: Identifikation be‐
rufsrelevanter Performanzen o gemeinsam mit Lehrkräften (unterschiedlicher Fachrichtungen) o gemeinsam mit Schülern und Schülerinnen (unter‐
schiedlicher Fachrichtungen) o in Ausbildungsordnungen o in Rahmenlehrplänen o in den Vorstellungen von Unterneh‐
men/Arbeitgebern Projektphase 2: 01.08.14 – 31.06.15 
Hintergrund
1. Die vernachlässigten körperlichen Dimensionen der Lehrpläne Üblicherweise werden theatrale Methoden als Spiel‐ und Aufführungsorientiert interpretiert. Damit kommen mögliche ‚ernste/echte’ Effekte und Wirkungen in/für schulische/n Bildungspro‐
zesse bzw. zur Erreichung schulischer Lernziele eher nicht in den Blick 1. Dabei sehen bspw. Ausbildungsordnungen regelmäßig den Nachweis von prüfungsrelevanten Fähigkeiten im Bereich Kommunikation vor. Beispielsweise „Betriebliche, technische und kun‐
denorientierte Kommunikation“ in der Ausbildung zum Anlagenmechaniker Sanitär‐, Heizungs‐ und Klimatechnik 2 oder „Kommunikation und Kooperation im Büro“ in der Ausbildung zum Kauf‐
mann für Bürokommunikation 3. Diese fachspezifischen Kommunikationskompetenzen können u.E. nur angeeignet werden, wenn grundsätzlich eine kommunikative Kompetenz vorliegt. „Kommunikative Kompetenz meint die Bereitschaft und Befähigung, kommunikative Situationen zu verstehen und zu gestalten. Hierzu gehört es, eigene Absichten und Bedürfnisse sowie die der Partner wahrzunehmen, zu verstehen und darzustellen“ 4. (Herv. v. Verf.) Vergleicht man die Definition umfassender beruflicher Handlungskompetenz 5 des KMK mit den Dimensionen theatraler Bildung 6, ergeben sich zahlreiche Überschneidungen. Deshalb bemüht sich das Projekt Auftritt diese grundsätzlichen theatralen Bildungsdimensionen in berufliche bzw. berufs‐pädagogische Kontexte zu übersetzen. Ein grundsätzliche Brücke existiert bereits in der ‚Verwandtschaft’ der Begriffe Performanz und Handlungsorientierung. „Handlungsorientierter Unterricht […] orientiert sich prioritär an hand‐
lungssystematischen Strukturen und stellt gegenüber vorrangig fachsystematischem Unterricht eine veränderte Perspektive dar“ 7. Nach lerntheoretischen und didaktischen Erkenntnissen sind ‐ so die KMK ‐ bei der Planung und Umsetzung handlungsorientierten Unterrichts in Lernsituatio‐
nen folgende Orientierungspunkte zu berücksichtigen: 
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didaktische Bezugspunkte sind Situationen, die für die Berufsausübung bedeutsam sind. Lernen vollzieht sich in vollständigen Handlungen, möglichst selbst ausgeführt oder zu‐
mindest gedanklich nachvollzogen. Handlungen fördern das ganzheitliche Erfassen der beruflichen Wirklichkeit Handlungen greifen die Erfahrungen der Lernenden auf und reflektieren sie in Bezug auf ihre gesellschaftlichen Auswirkungen. Handlungen berücksichtigen auch soziale Prozesse, zum Beispiel die Interessenerklärung oder die Konfliktbewältigung sowie unterschiedliche Perspektiven der Berufs‐ und Le‐
bensplanung.“ (alle Herv. v. Verf.) Vgl. zur durchaus vorhandenen Problematik der großen Wirkungserwartungen und ungeprüfter Wirkungsdeklarationen kultu‐
reller Bildungsformen: Prof. Reinwand‐Weiss: http://www.kubi‐online.de/artikel/wirkungsnachweise‐kulturellen‐bildung‐
moeglich‐umstritten‐vergeblich‐noetig 2
§ 4, Nr. 5 der Verordnung über die Berufsausbildung zum Anlagenmechaniker Sanitär‐, Heizungs‐ und Klimatechnik vom 24. Juni 2003, in: Bundesgesetzblatt, Jahrgang 2003 Teil 1, Nr. 29, S. 1012ff 3
§ 3 Nr. 7.1 der Verordnung über die Berufsausbildung zum Kaufmann für Bürokommunikation vom 13. Februar 1991, in: Bun‐
desgesetzblatt, Jahrgang 1991, Teil 1, S. 436ff 4
Nds. Kultusministerium 2008: S. 2 5
vgl. oben, S. 7 die Definition des nds. Kultusministeriums 6
Vgl. dazu insbesondere die Arbeiten von Eckard Liebau 7
Vgl. KMK 2011, S. 17 Daher setzen die Theaterpädagogen im Rahmen des Projektes genau an der methodisch‐
didaktischen Ergänzung und Erweiterung dieser Handlungsorientierung an. Die Lehrkräfte übernehmen dabei eine Doppelrolle: als Verantwortliche für die Erfüllung des Lehrplans und ‐ aufgrund ihrer Expertenschaft für Inhalte der Berufsbildung ‐ als Moderatoren zwischen Lehrplan und möglichen theaterpädagogischen Ansatzpunkten. Den konkreten Unterrichtssituationen voraus geht folglich regelmäßig die Analyse des Lehrplans auf performative Aspekte ‐ beispielsweise Übungen für das Erlernen der Wirkungsweise von Sprache im eigenen Sprachgebrauch wie es im Fach Deutsch vorgesehen ist. Die tatsächlichen Bedarfe der Berufsfachschulklassen werden je Berufsfeld und je Kompetenzbereich mit Lehrkräf‐
ten, Schülern/Auszubildenden gemeinsam definiert. Schließlich sollen überschaubare und zeitlich abgegrenzte sowie auf die Ergänzung des Regelun‐
terrichts abgestimmte Module entstehen, die schließlich auch das Kriterium der Übertragbarkeit auf andere (Berufs)Schulen erfüllen. 2. Lehrkräfte und Schülerschaft – Habitus‐Differenzen und ihre Folgen Der Wahl dieses Zugangs liegt insgesamt die Reflektion über die Möglichkeiten und Grenzen der Lehrkräfte und der Schüler_innen zugrunde: Pädagogisches Handeln in der Schule findet vorwie‐
gend in Form sprachlicher Kommunikation statt, während ‚das Körperliche’ – verstärkt durch typische schul‐räumliche Settings ‐ eher dethematisiert wird. Jugendliche, die entsprechend der Normen, Praktiken, Verkehrsformen und Selbst‐Verhältnisse ihres Bildungs‐Ortes Familie (Büchner 2006) an den schulischen Habitus anknüpfen können, ha‐
ben tendenziell größere Lern‐ und Partizipationschancen als viele als benachteiligt geltende Ju‐
gendliche (Liebau 2006: 50f). Vor dem Hintergrund einer reflexiven Erziehungswissenschaft, die eine systematische Zusam‐
menschau von Bildungsprozessen bzw. ‐verläufen und Sozialen Lagen betreibt, sehen die Projekt‐
partner die Notwendigkeit, dass die gesetzliche Pflicht des Schulbesuches korrespondieren muss mit dem Engagement aller verantwortlichen Akteure schulische Settings so zu gestalten, dass alle berufsschulpflichtigen Jugendliche unabhängig von dem Grad ihrer bisher erreichten schulischen Kompetenzen ‐ insbesondere Schriftsprachkompetenz und Verbalisierungsfähigkeit ‐ sowie un‐
abhängig von Geschlecht, ethnischer Zugehörigkeit oder sozio‐ökonomischem Status ‐ tatsächlich und praktisch‐körperlich an Schule ‚andocken’ können (Leiprecht 2009: 72). Für den Lernort Schule bedeutet dies einen stets doppelten Blick auf Verhalten und Verhältnisse, auf Fähigkeiten und Bedingungen der Befähigung (Andresen 2010, 501). Ansprechpartner
KVHS Ammerland gGmbH Am Röttgen 60 26655 Westerstede JugendKulturArbeit e.V. Schlieffenstraße 9/11 26123 Oldenburg BBS Ammerland Elmendorferstr. 59 26160 Bad Zwischenahn Dirk Weißer Koordination Telefon: 04488 ‐ 56 51 61 Telefax: 04488 ‐ 56 51 09 Email: [email protected] Homepage: www.kvhs‐ammerland.de Jörg Kowollik Modulentwicklung und Supervision Telefon: 0441 ‐ 39010750 Telefax: 0441 ‐ 39010757 Email: [email protected] Britta Lanfer Koordination Telefon: 04403 – 9798‐153 Email: [email protected]‐ammerland.de Kadidja Niebuhr Sozialpädagogik/Ausbildungseinstiegsbegleitung Telefon: 04403 – 9798‐255 Email: kadidja.niebuhr‐[email protected]‐ammerland.de Nordwest Zeitung v. 28.03.2014