Kompetenzmodell für E-Government - Blogs @ FH

eGovernment Review | www.egovernment-review.org | Nr. 11 | Januar 2013
Ausgabe Nr.
Januar 2013
ISSN 1997-4051
| 1
11
Kompetenzmodell für E-Government
Grenzenloser Datenaustausch | Erfolgskriterien für Open Government
2 |
eGovernment Review | www.egovernment-review.org | Nr. 11 | Januar 2013
Titelbild: Deutsches Bundeskanzleramt
Copyright: Sebastian Hamm
eGovernment Review | www.egovernment-review.org | Nr. 11 | Januar 2013
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Editorial
Liebe E-Government Interessierte,
Im Gespräch mit Herrn Habbel zeigt sich dieser von einem Durchbruch von Cloud Computing in der öffentlichen Verwaltung überzeugt. Damit verbunden sieht
er die Chance, diese technologische Änderung auch als
Basis für strukturelle Änderungen in der Verwaltung zu
nutzen. Zusätzlich hofft er, dass bis 2015 die wichtigsten
Verwaltungsdaten über Open Government Data Portale der Öffentlichkeit zur Verfügung stehen werden.
Bei diesem Thema brechen allerdings in der letzten
Zeit immer mehr Konflikte auf. Die Grundlagen des
deutschen Open Government Portal (GovData Portal)
werden heftig kritisiert. Im Zentrum steht dabei das Lizenzmodell, das nicht auf einem der in vielen Ländern
eingesetzten offenen Lizenzmodelle aufbaut, sondern
es wird eine eigene Lösung entwickelt. Kritiker bezeichnen diese als Insellösung, die dem Wunsch der Community nach aktiver Förderung der Nutzung der Daten
entgegensteht.
Das Problem ist nicht nur das förderale System in
Deutschland, das einen Konsens erschwert, sondern
auch die Scheu vor einem Kulturwandel. Nachdem in
den vergangenen zwei Jahren stark technische Lösungen im Vordergrund gestanden sind, wird jetzt endlich
klar, dass neben dem Aufbau von Portalen auch ein wesentlich länger dauernder Kulturwandel in der Verwaltung notwendig ist.
Ein Beispiel dazu ist auch die Stadt Hamburg. Im Sommer 2012 wurde ein richtungsweisendes Transparenzgesetz verabschiedet. Nun taucht allerdings die Frage
auf, ob die mittelbare Verwaltung auch der Veröffentlichungspflicht unterliegt oder nur der Auskunftspflicht
(d.h. nur bei einer Anfrage muss Auskunft gegeben
werden). Auch wenn es hierbei formal um juristische
Fragen geht, so stehen doch der sich abzeichnende
Wandel und die damit verbundenen Probleme im Vordergrund.
In Österreich ist in der letzten Zeit das vielzitierte Amtsgeheimnis breit in den Medien diskutiert worden. Österreich ist eines der letzten EU Länder, in denen das Amtsgeheimnis in der Verfassung verankert ist. Wie Franz
Fiedler, der ehemalige Präsident des Rechnungshofs, in
einem Interview angemerkt hat, gebe es eine solche Regelung in keinem anderen demokratischen Staat. Die
Regelung kann so breit ausgelegt werden, dass praktisch
alles unter das Amtsgeheimnis fällt. Es ist zu erwarten,
dass diese Diskussion zu einer Änderung der gesetzlichen
Grundlagen führen wird.
Auch bei einem anderen Thema gibt es Bewegung. Seit
dem 1.1.2013 sind in Österreich elektronische Rechnungen, im Hinblick auf die Berechtigung zum Vorsteuerabzug, den Papierrechnungen gleichgestellt. Zum Nachweis
der Echtheit der Rechnung ist nun keine elektronische Signatur mehr notwendig. Des Weiteren werden ab 1.1.2014
die Vertragspartner des Bundes im Waren- und Dienstleistungsverkehr verpflichtet, Rechnungen ausschließlich
in elektronisch strukturierter Form einzubringen. Ab
diesem Zeitpunkt werden von den Bundesdienststellen
keine Papierrechnungen mehr akzeptiert. Das, was in
Dänemark bereits seit 2005 umgesetzt ist, wird nun auch
in Österreich möglich.
Viel Lesevergnügen wünscht Ihnen
FH-Prof. Dr. Wolfgang Eixelsberger
Fachhochschule Kärnten
Studienbereich Wirtschaft & Management
aufruf beiträge
Vor Ihnen liegt die umfangreichste eGovernment Review Ausgabe, die wir jemals produziert haben. Diesmal erwarten Sie 14 Fachartikel, ein Interview mit
Franz-Reinhard Habbel vom Deutschen Städte- und
Gemeindebund und zwei Artikel aus der Rubrik „Aktuelles“. Der Themenbereich bei den Fachartikeln spannt
sich von Open Government, über Open Innovation bis
hin zum Unternehmerserviceportal.
eGovernment Review veröffentlicht ausgewählte Artikel
zu verschiedensten Aspekten von E-Government. Wenn
Sie einen Artikel in eGovernment Review veröffentlichen
möchten, dann senden Sie eine Kurzbeschreibung (zwischen 150 und 300 Worte) an [email protected]
at. Die Kurzbeschreibung kann sowohl in deutscher als
auch in englischer Sprache verfasst sein. Der eGovernment-Review-Beirat bewertet die eingereichten Artikel
und gibt ausgewählte Artikel zur Veröffentlichung frei.
Einreichungen für die 12. Ausgabe werden bis zum
22. April 2013 angenommen.
FH-Prof. Dr. Wolfgang
EIXELSBERGER
Fachhochschule Kärnten
Studienbereich Wirtschaft
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eGovernment-Review-Beirat
Der Beirat wählt die zu erscheinenden Artikel aus, schlägt
Interviewpartner vor und gibt Input zur generellen Ausrichtung
von eGovernment Review.
FH-Prof. Dr. Dietmar Brodel
Rektor der Fachhochschule Kärnten, Leiter Studienbereich Wirtschaft & Management
Fachhochschule Kärnten
FH-Prof. Dr. Wolfgang Eixelsberger
Professur aus Wirtschaftsinformatik, Leiter Studienzweig Digital Business Management
Fachhochschule Kärnten
Dr. Peter Parycek, MSc
Zentrumsleiter Zentrum für E-Governance
Donau-Universität Krems
Lektor FH Kärnten
Prof. Dr. Reinhard Posch
Leiter des IAIK (Institute for Applied Information Processing and Communications)
TU Graz
CIO des Bundes
Prof. DI Dr. Reinhard Riedl
Leiter Kompetenzzentrum Public Management & E-Government
Berner Fachhochschule
Prof. Dr. Jürgen Stember
Dekan Fachbereich Verwaltungswissenschaften
Hochschule Harz
DI Manfred Wundara
CIO der Stadt Villach
Mitglied des Präsidiums des Fachausschusses für Informationstechnologie
des Österreichischen Städtebundes
Leiter der Arbeitsgruppe Q-SKF der Plattform Digitales Österreich
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Inhalt
„Die Zukunft sind Cloud-Computing
und Apps“
6
Interview mit Franz-Reinhard Habbel (Deutscher Städteund Gemeindebund)
E-Government in Deutschland ein Überblick
fachartikel
aktuelles
Ausgabe Nr. 11 | Januar 2013
26
Bundeskonferenz unterstreicht
Bedeutung der Netzwerkkommunikation
Open Government Data in Deutschland - 10
Ergebnisse einer empirischen Studie
David H. Fenner | Volkmar Kese (Hochschule Ludwigsburg)
Jürgen Stember (Hochschule Harz)
Herausforderungen für integrierte
Geodienste zur Unterstützung des
E-Government
COMPATeGOV - Kompetenzmodell
für E-Government
12
Authentische und integritätsgesicherte
Verwaltungsdaten
14
Verwaltungsdienstleistungen für
Personen mit eingeschränkter Mobilität:
Von mobilen Bürgerdiensten zu
E-Government
Was die Handy-Signatur (schon)
alles kann...
Das Parkpickerl in Wien und
§ 17 E-Government-Gesetz
Josef El-Rayes (Ernst & Young Advisory Services GmbH)
34
Thomas Skerlan-Schuhböck (Magistratsdirektion der
Stadt Wien)
18
Der Bürgerservice-Assistent im
Bundesministerium für Finanzen
Alexandra Collm (Universität St. Gallen) | Giordano Koch
(HYVE Innovation Community GmbH) | Maximilian Rapp
(Universität Innbruck)
36
Silke Weiß | Christof Hammerschmid (Bundesministerium
für Finanzen) | Doris Ipsmiller (m2n)
20
Das Unternehmensserviceportal (USP)
38
22
service
Sabine Brandstetter | Marco Rossegger
(Bundesministerium für Finanzen)
Moreen Heine | Matthias Döring | Sebastian Noack
(Universität Potsdam)
Julia Dorothée Stoffregen (Universität Friedrichshafen)
32
Peter Reichstädter (Bundeskanzleramt)
Grenzenloser Datenaustausch in Europa 16
Developing e-Government:
An open and collaborative approach
30
Klaus Stranacher | Vesna Krnjic (E-Government Innovationszentrum) | Thomas Zefferer (Zentrum für sichere
Informationstechnologie)
Ralf Plattfaut | Sara Hofmann | Daniel Beverungen | Michael Räckers | Jörg Becker (ERCIS) | Thomas Kohlborn
(Queensland University) | Björn Niehaves (Hertie School
of Governance)
Open Government der Versuch einer Abgrenzung
28
Hardy Pundt (Hochschule Harz) | Sirko Scheffler | Ronny
Weinkauf (brain-SCC GmbH)
Sirko Hunnius | Stefanie Köhl | Tino Schuppan (IfG.CC The Potsdam eGovernment Competence Center)
Erfolgskritierien für die
Open Government-Umsetzung:
Eine vergleichende Analyse
24
Ralf Daum (Duale Hochschule Baden-Württemberg)
8
Jürgen Stember (Hochschule Harz)
fachartikel
Unternehmen als Ideengeber
für Open Innovation-Prozesse
im öffentlichen Sektor
E-Government Tagungen,
Konferenzen und Messen
40
E-Government Publikationen
42
6 |
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aktuelle information
interview
„Die Zukunft sind
Cloud-Computing und Apps“
Franz-Reinhard Habbel ist Sprecher und Direktor für politische Grundsatzfragen des Deutschen
Städte- und Gemeindebundes (DStGB) in Berlin und zugleich Leiter des DStGB-Innovators Club,
eines Think-Tanks für Kommunen in Deutschland. Er ist Mitglied des IT-Planungsrates, Vorstandsmitglied der European Society for eGovernment e.V. und Mitbegründer des Quadriga-Netzwerkes
in Berlin. Seit 2009 ist er Lehrbeauftragter an der Universität Osnabrück, FB Sozialwissenschaft. In
seiner Eigenschaft als E-Government-Experte befasst er sich in Vorträgen im In- und Ausland mit
Fragen der Globalisierung, des Internets sowie der Modernisierung von Politik und Verwaltung. Er
ist Herausgeber diverser Veröffentlichungen rund um IKT, Medien, Web 2.0, e-Democracy, Open
Government und Verwaltungsmodernisierung. Im Habbel-Blog (www.habbel.de) schreibt er regelmäßig Kolumnen rund um das Thema Modernisierung.
Welche Aktivitäten gibt es im Deutschen Städte und Gemeindebund im Umfeld von E-Government?
Hier gibt es zwei wesentliche Bereiche. Zum Ersten die
Modernisierung der Verwaltung in Richtung Effizienz
und damit die Digitalisierung von Verwaltungsprozessen. Die grundsätzliche Frage ist, ob jede Verwaltung
die Digitalisierung selbständig umsetzen soll oder ob
hier eine stärkere Zusammenarbeit sinnvoll ist. Daraus
ist die Idee eines nationalen Prozessregisters entstanden. Auf Bundesseite wird ein solches Register derzeit
eingerichtet und wird auch für Kommunen verfügbar
gemacht werden. Hier sollen Best-Practice Prozesse dargestellt werden und damit Hinweise gegeben werden,
wie Kommunen ihre Aufgaben effizienter und schneller erfüllen können. Wir brauchen aber nicht nur ein
Prozessregister, sondern auch ein Prozessendlager. Wir
haben viel zu viele Prozesse, die durch Intransparenzen
als Wildwuchs in den letzten Jahren entstanden sind. Es
macht also keinen Sinn mehrere Tausend Prozesse im
Register zu haben. Es macht viel mehr Sinn, Prozesse,
die sich bewährt haben, die messbar sind, die von der
Wirkungsanalyse her wirksam sind, als Best-Practice zu
etablieren.
Der zweite Bereich ist das Thema Partizipation. EGovernment sollte dazu eingesetzt werden, die Verwaltung transparenter zu machen und den Bürgern zusätzliche Beteiligungsmöglichkeiten anzubieten. Dies
betrifft einerseits Verwaltungsverfahren, aber natürlich
auch die Möglichkeiten, bei der politischen Gestaltung
der Kommune mitzuwirken. Die Internettechnologien
sollten dabei so eingesetzt werden, dass die Ideen der
Menschen aufgegriffen werden und dass ein Dialog
zwischen der Verwaltung, der Politik und den Bürgern
ermöglicht wird.
Wird Cloud Computing die Kommunen verändern?
Wir stehen vor einem Paradigmenwechsel in der öffentlichen Verwaltung. Wir werden in absehbarer Zukunft
nur noch zwei Instrumente haben, auf der einen Seite
Clouds und auf der anderen Seite Apps. Das wird zu einer weitgehenden Dematerialisierung führen, in dem
zum Beispiel Server in Verwaltungen verschwinden
werden und ganzheitliches Arbeiten möglich wird. Die
heute noch vielfach vorhandenen Silostrukturen werden verschwinden und durch eine echte Netzwerkverwaltung ersetzt. Über Apps werden wir einen unmittelbaren Zugang zu Verwaltungsleistungen bekommen.
Wie sehen Sie den zeitlichen Rahmen bei der Umsetzung von
Cloud Lösungen?
Wir sollten bis 2015 eine Umsetzung von Cloud Lösungen im kommunalen Bereich haben. Zuvor müssen wir
noch eine Reihe von Rechtsfragen klären. Die Klärung
von IT-Sicherheits- und Datenschutzfragen sollten gemeinschaftlich zwischen Bund, Ländern und Kommunen erfolgen. Ich möchte aber gerne noch einen Schritt
weitergehen und darüber nachdenken, ob wir für
jede Verwaltungsebene eine eigene Cloud benötigen.
Es wäre eher sinnvoll Fachclouds zu entwickeln und
Dienstleistungen aus den unterschiedlichen Verwal-
aktuelle information
tungsebenen dort hinein zu verlagern. Ich denke dabei
beispielsweise an eine Cloud für Mobilität, eine Cloud
für Energie und eine Cloud für Gesundheit. Die Prozesse
können dann durch Bürger oder andere Verwaltungseinheiten über Apps angesteuert werden. Damit würde man zu einem ganzheitlichen, einem holistischen
E-Government kommen. Die Separierung der Verwaltung könnte damit, zumindest beim Thema Datenhaltung, aufgehoben werden. Es würde eine gemeinsame
IT-Infrastruktur entstehen, die auf diesen Fachclouds
aufbaut. Das wäre mein Wunschmodell, weil wir damit unsere Leistungen weiter qualifizieren könnten. In
der Frage der Kompetenzen und Aufgabenstellungen
würde der Föderalismus nicht ausgehebelt werden,
sondern es würde eine gemeinsame Datenstruktur zur
Verfügung stehen. Das würde letztendlich den Föderalismus vitalisieren.
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auf die Interpretationen der Verwaltung angewiesen
zu sein. Die Bereitstellung von Daten sehe ich als Bringschuld der Verwaltung. Ich gehe soweit, dass ich eine
Transparenzdatenbank nach dem Beispiel Österreichs
auch für Deutschland fordere. Für mich ist das eine logische Folge - von Open Data zur Transparenzdatenbank
und dann zu Open Government. Damit soll eine partnerschaftliche Verwaltung aufgebaut werden, die die
Bürger auch einbindet bei der Generierung von Ideen.
Nicht nur beim Beschwerdemanagement, sondern ich
möchte allgemein das Wissen und die Fähigkeiten der
Bürger nutzen. Insbesondere dort wo die Menschen leben. Wenn ich weiß, dass ich noch 30 Jahre in meiner
Stadt leben möchte, dann möchte ich vielleicht auch
mein Wissen und meine Fähigkeiten zur Gestaltung der
Stadt einbringen. Damit soll das repräsentative System
nicht durchbrochen werden, sondern es soll damit gestärkt werden.
Welche Apps sollen hier insbesondere angeboten werden?
Der PC wird im Prinzip verschwinden und das mobile Internet mit Zugangsgeräten wie Smartphones wird eine
immer wichtigere Rolle spielen. Ich kann mir beispielsweise eine Schul-App vorstellen, über die ein Zugang
zu den Daten der Schule und den Daten meiner Kinder
zur Verfügung gestellt wird. Über diese App wird Kontakt zwischen den Lehrern und Eltern aufgebaut, damit
über Krankenstände und Hausaufgaben kommuniziert
werden kann. Das Beispiel zeigt, dass ich nicht von den
klassischen Verwaltungsleistungen ausgehe, sondern
von öffentlichen Leistungen, wie Gesundheit, Bildung
und Energie. Diese eher weichen Themen sind hochinteressant, sowohl für die Bürger, als auch für die Politik.
E-Government wird stärker die Politikfelder erreichen,
es geht nicht nur um die Prozesse. Grundlegende Veränderungen, wie zum Beispiel die Energiewende wird
es nicht ohne den Einsatz von IT geben. Dabei werden
Clouds und Apps eine ganz entscheidende Rolle spielen.
Was erwarten Sie beim Themenbereich Open Government in
Welchen Zeitrahmen sehen Sie für Open Government?
Das Open Data Portal des Bundes wird 2013 verfügbar
sein und damit auch für die Kommunen nutzbar sein.
Ich hoffe, dass bis 2015 darüber die wichtigsten Daten
verfügbar sind. Ich kann mir prinzipiell vorstellen, alle
kommunalen Daten zu veröffentlichen, ausgenommen
natürlich personenbezogene Daten. Veröffentlicht werden sollten beispielsweise alle statistischen Daten, geoinformationsbezogene Daten, Prognosedaten und Daten über Subventionen. Das Thema Open Government
ist ein Thema, das generell die Politik beschäftigen wird.
Es handelt sich dabei nicht um eine technische Frage,
sondern um eine Frage des Verständnisses zwischen
Staat und Bürger. Ich will weg von einem Vaterstaatsmodell, bei dem vieles vorgegeben wird. Ich möchte
gerne ein partnerschaftliches Staatsmodell, wo Bürger
gemeinsam mit Wirtschaft und Zivilgesellschaft ein Triangel bilden. In diesem Triangel werden viele Themen
durch Bürger, die sich selbst organisieren, abgewickelt
werden.
Kommunen?
In der ersten Stufe werden Daten transparent gemacht
und damit die Prinzipien von Open Data umgesetzt
werden. Die Bürger sollen damit die Möglichkeit erhalten, die Daten selbst zu interpretieren und nicht nur
Wir danken für das Gespräch.
Das Interview wurde geführt von Wolfgang Eixelsberger.
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aktuelle information
E-Government in
Deutschland – ein Überblick
In der vorliegenden 11. Ausgabe von eGovernment Review finden Sie den 6. Beitrag in der Reihe E-Government
in europäischen Ländern. Die bisher erschienenen Beiträge beschäftigten sich mit Slowenien, Dänemark, Estland,
Italien und Norwegen (Ausgabe Nr. 3, Nr. 5, Nr. 6, Nr. 7 und Nr. 9).
Anteil der Beschäftigten liegt in
Fakten zu Deutschland:
Wer sich über die Suchmaschiden Ländern (2,12 Mio.), gefolgt
Anzahl Einwohner (in Mio).: 82
ne „Google“ Klarheit über die
von den Kommunen (1,39 Mio.)
Situation des E-Governments
sowie dem Bund und sonstigen
2
Anzahl Einwohner pro km : 229
in Deutschland verschaffen will,
Verwaltungen. Diese GrößenMitglied in der EU seit: 1957 (Gründungsmitglied)
erlebt Bemerkenswertes. Unter
ordnungen allein verweisen
den Treffern auf der ersten Seite
schon insgesamt auf besondere
sind gleich drei Titel, die sich in
Voraussetzungen hinsichtlich der
ihren zentralen Aussagen widersprechen:(1) „Deutschland
Modernisierung der Verwaltung und des Einsatzes morutscht im EU-Vergleich weiter ab!“, „Deutschland holt
derner Informationstechnologien.
bei EU-Benchmark stark auf!“ und „Deutschland bleibt
Mittelmaß!“. Letztere Überschrift entstammt der InterAktivitäten und Entwicklungen in Deutschland. Im Jahre
net-Plattform „politik-digital.de“(2) und bezieht sich auf
2000 definierte die Gesellschaft für Informatik den Beden so genannten aktuellen eGovernment-Monitor 2012
griff des E-Governments in ihrem Memorandum „als
der Initiative D21.(3)
Schlüssel zur Modernisierung von Staat und VerwalDieser Einstieg macht deutlich, dass das Thema „Etung“(4) und machte ihn für die Praxis und die WissenGovernment“ mittlerweile so facettenreich und vielschaft salonfähig – quasi als öffentliches Pendant zum
schichtig geworden ist, dass selbst Fachleuten der
damals schon bekannten „E-Business“ in der PrivatwirtÜberblick, die konkrete Einordnung und die Bewerschaft. Das Thema war unmittelbar in die bestehende
tung schwer fällt, je nach dem welcher Teilbereich des
„Reformlandschaft“ eingebettet, die sich in Deutschland
Themas besonders in den Fokus der Betrachtungen
an der Diskussion um Strukturreformen, demographirückt. Es macht jedoch auch deutlich, wie schwierig
schen Wandel, Haushaltskonsolidierung sowie Prozessund ambitioniert der Versuch einer Beschreibung des
management und Bürgerorientierung festgemacht hat.
E-Governments in Deutschland auf zwei Seiten in einer
Durch das Internet und durch die sich daraus immer
Fachzeitschrift ist.
neu entwickelnden Möglichkeiten versprach man sich
vor allem neue Reformperspektiven. Auf allen VerwalNeben der komplexen Thematik sind auch die grundletungsebenen versuchten Protagonisten deshalb immer
genden Größendaten in der Bundesrepublik beeindruwieder mit neuen Programmen neue Projekte anzustockend. Mit rund 82 Mio. Einwohnern ist Deutschland
ßen: Bundonline 2005 oder die Einführung des neuen
das mit Abstand größte Land in der Europäischen Union.
Personalausweises sind Beispiele auf Bundesebene.
Rund 4,61 Mio. Menschen sind in Deutschland im öffentAber auch neue rechtliche Regelungen, z. B. die Umsetlichen Dienst beschäftigt, eine ebenfalls bemerkenswerte
zung der EU-Dienstleistungsrichtlinie (2006) und neue
Zahl, die allerdings im Pro-Kopf-Verhältnis nur MittelIT-orientierte Organisationsreformen, sind Aktivitäten,
maß in der EU verursacht. Diese Beschäftigten verteilen
die sich bis heute auswirken. Und nicht zuletzt zählt
sich auf drei starke und sehr eigenständige Verwaltungsauch die neue Behördenrufnummer D 115 (ab 2009 im
ebenen von Bund, 16 Bundesländern und einer kommuPilotbetrieb) zu den E-Government-Projekten, die nur
nalen Ebene mit derzeit 439 Kreisen und kreisfreien Städdurch ein internetbasiertes Informationssystem im Hinten sowie mit mehr als 12.500 Kommunen. Der größte
tergrund funktionieren können.
Einführung und allgemeine Daten
info
serie
Jürgen Stember
Bisherige Hemmnisse und Herausforderungen. Innerhalb der
letzten Jahre wurden jedoch auch zahlreiche Hemmnisse
für E-Government-Angebote diagnostiziert, die u. a. in
den folgenden Aspekten zu sehen sind:
• mangelnde Ressourcen,
• nicht ausreichende Kooperation zwischen den
administrativen Ebenen,
• schwindende Innovationsbereitschaft und –fähigkeit, u. a. auch bedingt durch den demografischen
Wandel in den Verwaltungen,
• die mangelnde Durchgängigkeit von Angeboten
sowie nicht zuletzt
• die oftmals mangelnde Akzeptanz und Nachfrage
von Bürgern und Unternehmen.
Die aktuellen Entwicklungen sind dadurch mehr denn je
darauf ausgerichtet, die bestehenden und bislang lokalisierten Hindernisse und Hemmnisse, insbesondere durch
eine bessere Zusammenarbeit zwischen den administrativen Ebenen (G2G), aus dem Weg zu räumen.
Aktuelle Trends und Aktivitäten. Ein in diesem Zusammen-
hang bedeutender Schritt war die Einrichtung des bundesweiten IT-Planungsrates, der im Herbst des Jahres
2010 die sogenannte nationale E-Government-Strategie
(NEGS) beschlossen und den Zielrahmen für Bund, Länder und Kommunen zur Modernisierung der staatlichen
Informationstechnik bis zum Jahr 2015 definiert hat. Mit
der nationalen E-Government-Strategie werden sechs
zentrale Ziele festgelegt, an denen sich alle zukünftige
Projekte ausrichten sollten:(5)
• die Orientierung am Nutzen von Bürgern, Unternehmen und Verwaltung,
• die Erhöhung der Effizienz und der Wirtschaftlichkeit des Verwaltungshandelns,
• die Transparenz über Daten und Abläufe sowie
Datenschutz,
• die Stärkung der gesellschaftlichen Teilhabe über
Internetangebote des Staates,
• die Zukunftsfähigkeit und Nachhaltigkeit und
nicht zuletzt
• die leistungsfähige IT-Unterstützung.
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Resümee. Das Themenfeld E-Government hat in den letz-
ten Jahren in Deutschland eine große Aufwertung und
dynamische Weiterentwicklung erlebt. Das „Mitmach-Internet“ und viele andere interne wie auch externe Impulse
werden der technikinduzierten Verwaltungsmodernisierung weiterhin die erforderliche Energie verleihen, um
den zukünftigen Herausforderungen gerecht werden zu
können. Mittlerweile ist unzweifelhaft, dass nur durch EGovernment die zukünftige Leistungs- und Zukunftsfähigkeit der Verwaltungen gewährleistet werden kann.
(1)
Aufgerufen am 05.12.2012 unter dem Suchbegriff
„eGovernment Deutschland“.
(2)
Vgl. http://politik-digitalde/%E2%80%9Eegovernmentmonitor-2012-deutschland-bleibt-mittelmass/
(06.12.2012).
(3)
Vgl. INITIATIVE D21 (Hrsg.): eGovernment Monitor
2012. Nutzung und Akzeptanz von elektronischen
Bürgerdiensten im internationalen Vergleich. Berlin
2012, S.1.
Gesellschaft für Informatik e.V. (Hrsg.): Memorandum
Electronic Government als Schlüssel zur Modernisierung
von Staat und Verwaltung vom September 2000.
(4)
Der zweite wichtige Schritt beschreibt Regelungen
durch das neue eGovernment-Gesetz. Das im Entwurf
vorliegende Gesetz ist darauf ausgerichtet, die elektronische Kommunikation mit der Verwaltung zu erleichtern sowie Bund, Ländern und Kommunen zu ermöglichen, einfachere, nutzerfreundlichere und effizientere
elektronische Verwaltungsdienste anzubieten.(6) Der
Gesetzentwurf soll im ersten Halbjahr 2013 in Kraft
treten und beinhaltet wichtige Regelungen, z. B. die
Verpflichtung der Verwaltung zur Eröffnung eines elektronischen Kanals, Grundsätze der elektronischen Aktenführung, die Erleichterung bei der Erbringung von
elektronischen Nachweisen in Verwaltungsverfahren
aber auch Regelungen zur Ersetzung der Schriftform.
Neben diesen Aktivitäten gibt es derweil weitere wich-
| 9
tige Trends im E-Government, die mittlerweile eine
große Rolle spielen. In diesem Zusammenhang sei auf
drei Strömungen hingewiesen:
1. O
pen Government als komplexer Ansatz zur
informationellen und kommunikativen Öffnung
der Verwaltungen(7),
2. M
obile Government als Ansatz zur Steuerung und
Reorganisation des Bürgerservices sowie
3. C
loud-Computing als umfassender, nicht nur
technischer Ansatz zur Standardisierung von
Software und Anwendungssystemen, der nicht
nur eine Bündelung der Ressourcen, sondern
eine nicht unerhebliche Kostenreduzierung beim
Software-Betrieb gewährleisten soll.
literatur
aktuelle information
(5)
Vgl. die Internetseite des IT-Planungsrates unter
www.it-planungsrat.de
(6)
Vgl. hier und auch im Folgenden die Informationen
des Bundesinnenministeriums unter http://www.
bmi.bund.de/DE/Themen/OeffentlDienstVerwaltung/
Informationsgesellschaft/EGovernment/EGovGesetz
(06.12.2012).
(7)
Vgl. auch das Memorandum zur Öffnung von Staat
und Verwaltung (Open Government) der Gesellschaft
für Informatik e.V. vom 16.10.2012 (Download unter
http://fb-rvi.gi.de/fileadmin/gliederungen/fg-vi/FGVI121016-GI-PositionspapierOpenGovernment.pdf).
Prof. Dr. Jürgen
STEMBER
Dekan des Fachbereichs
Verwaltungswissenschaften der Hochschule Harz;
[email protected]
10 |
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aktuelle information
Open Government Data in
Deutschland – Ergebnisse
einer empirischen Studie
abstract
Jürgen Stember
Der vorliegende Beitrag berichtet über die Ergebnisse einer gemeinsamen Studie der Hochschule Harz und der
MATERNA GmbH zur bisherigen Umsetzung und zu Planungspotenzialen von Open Data Government in Deutschland.
Darin wird bestätigt, dass die Verwaltungen in Deutschland noch am Anfang dieser Entwicklung stehen, dem Thema
jedoch immer mehr Bedeutung geschenkt wird. Die zentralen Ergebnisse, die auf der Messe „Moderner Staat“ in
Berlin im November 2012 vorgestellt worden sind, werden in diesem Beitrag zusammengefasst.
Open Government Data (OGD) ist ein hoch aktuelles,
zugleich aber auch sehr komplexes Themengebiet für öffentliche Verwaltungen. Die Thematik reiht sich in eine
Fülle von neuen Akzenten im Zusammenhang mit der
Entwicklung des E-Governments ein. Besonders der relativ neue und im Zuge der Web 2.0-Technologien entstandene Begriff des umfassenderen „Open Government“
(offenes, transparentes Regieren) steht als Dachbegriff für
eine Vielzahl von Aktivitäten und Trends, die von der
Öffnung des Staates, der besseren Zusammenarbeit bis
hin zu mehr Beteiligung der Bürger und sonstiger Rezipienten staatlicher Leistungen reichen.
In einer aktuellen Studie von AMT24 e.V. werden „Open
Data“ definiert als „Daten von öffentlichen Institutionen
– mit Ausnahme personenbezogener Daten –, welche
vollständig und für jeden frei zugänglich, verbreitbar
sowie für alle Einsatzzwecke weiterverwendbar sind.“(1)
In Ergänzung zu früheren Aktivitäten der Datenbereitstellung, die es ja zum Beispiel schon durch WebGIS gab
und gibt, wird darüber hinaus mit dem Linked Open
Data-Ansatz eine Verknüpfung der bestehenden Daten
angestrebt, wodurch insgesamt ein spürbarer Mehrwert
erzeugt werden soll.(2) In Deutschland ist das Thema
„Open Government“ bundesweit durch das am 18. August 2010 beschlossene Regierungsprogramm „Vernetzte
und transparente Verwaltung“ als Strategie für die weitere Modernisierung der Bundesverwaltung aufgegriffen
worden. Open Government wurde damit ein zentrales
Modernisierungsprojekt.(3)
Da das allgemeine Verständnis von OGD noch relativ
unprofiliert erscheint, haben die Hochschule Harz und
MATERNA es sich zur Aufgabe gemacht, den aktuellen
Stand wie auch die Planungspotenziale für diesen neuen
Government-Bereich in Deutschland auf kommunaler
und staatlicher Ebene zu ermitteln. In dieser empirischen
Studie wurden insgesamt 489 Behörden angeschrieben
und zur Web-Befragung eingeladen. Davon haben 72
Behörden (50 Kommunen und 22 Bundes- bzw. Landesbehörden) den Fragebogen vollständig beantwortet, was
einer Rücklaufquote von 14,7 % entspricht.
Wichtigste Ergebnisse. Nach dieser Studie wird Open
Government Data inzwischen von mehr als der Hälfte der
befragten Verwaltungen als bedeutend eingeschätzt. Generell ist jedoch die Relevanz im Vergleich zu anderen aktuellen Verwaltungsthemen (noch) niedriger. Ähnliches
gilt in puncto des Umsetzungsstandes: Deutlich mehr als
die Hälfte der Befragten haben bisher Open Government
Data-Angebote realisiert bzw. planen diese. Einer der
zentralen Beweggründe für offene Verwaltungsdaten ist
dabei die Erhöhung der Transparenz für den Bürger.
Dadurch, dass die Aspekte Innovation, Effizienzsteigerung und Wirtschaftsförderung noch eine eher untergeordnete Rolle spielen, zeigen sich die bisherigen Aktivitäten noch relativ weit vom eigentlichen Grundgedanken
der „offenen Daten“ entfernt (s. o.). Sowohl die Konzeptionen als auch die operativen Umsetzungen sind noch
stark ausbau- und entwicklungsfähig. Eigenschaften, wie
beispielsweise Maschinenlesbarkeit, erfüllen die wenigsten Angebote. Als Hauptprobleme bei der Planung und
aktuelle information
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Abb. 1: Hemmnisse bei der Bereitstellung von
Verwaltungsdaten(4)
Abb. 2: Zukünftig wichtige Themenbereich des Open
Government Data(5)
Umsetzung werden nicht ganz überraschend vor allem
fehlende Personalkapazitäten und hohe Kosten gesehen
(vgl. Abb. 1). Aber auch der befürchtete Missbrauch und
mangelndes Interesse der Zielgruppe sind in diesem Zusammenhang wichtige Überlegungen.
Nichtsdestotrotz lassen sich aus den Ergebnissen der Studie positive Tendenzen ableiten. So werden die Hemmnisse von den „Praktikern“, d. h. von denjenigen, die bereits
ein Angebot vorweisen können, überwiegend geringer
bewertet als von den „Nicht-Anwendern“. Ebenfalls erfreulich sind die zukünftigen Entwicklungstendenzen
und Planungen. Hierbei sollen vor allem bestehende Angebote ausgebaut und mit erweiterten Möglichkeiten verknüpft werden. So planen unter den „Nicht-Anwendern“
immerhin knapp die Hälfte zukünftig ein Angebot, rund
ein Drittel davon sogar mit erweiterten Möglichkeiten.
Die Inhalte von OGD in den Verwaltungen fokussieren
sich im Wesentlichen auf drei Bereiche: Geographische
Informationssysteme (GIS), Finanzen/Haushalt sowie
Statistik. GIS nehmen nicht unerwartet einen vorderen
Rangplatz bei den Open Government Data-Angeboten
ein, da hier schon seit Jahren Vorarbeit geleistet worden
ist. Bei der Statistik gilt Ähnliches. Auch hier können die
Verwaltungen auf zum Teil umfangreiche Vorleistungen
verweisen. In ähnlicher Weise gaben die Behördenvertreter auch eine Auskunft zu den aus ihrer Sicht sinnvollen
zukünftigen Themenbereichen (vgl. Abb. 2). Auch hier
zeigt sich deutlich, dass es keine neuen „Renner“ gibt,
sondern dass zukünftig diejenigen Angebote für wichtig
erachtet werden, in denen schon zahlreiche Vorleistungen erbracht worden sind. Hier lautet die Kurzformel:
Vorhandene Datenangebote haben auch in Zukunft ein
erhebliches Aktivierungspotenzial für mögliche neue
oder zusätzlich ergänzende Anwendungen.
Konsequenzen. Abschließend können einige wesentliche
literatur
Konsequenzen gezogen werden, die vor allem in den folgenden sieben Bereichen liegen:
• e igene Erfahrungen und Kompetenzen sammeln,
• inhaltliche und materielle Unterstützung suchen,
•K
ooperationen als wesentliche Schlüsselfaktoren
aufbauen,
• S tandardisierungsaktivitäten entwickeln,
• v erstärkte Kundenorientierung umsetzen,
•T
ransparenz als zentrale Orientierung und Motivation verbessern sowie nicht zuletzt
•d
ie Möglichkeiten und Chancen von Open Data
besser kommunizieren.
(1)
Vgl. AMT24 (Hrsg.): Chancen und Risiken der kommerziellen Nutzung von Linked Open Data. Berlin 2011, S. 5.
(2)
Vgl. BUNDESMINISTERIUM DES INNERN (Hrsg.): Open
Government Data Deutschland. Berlin 2012, S. 433.
(3)
Vgl. BUNDESREGIERUNG (Hrsg.): Regierungsprogramm
Vernetzte und transparente Verwaltung. Berlin 2010.
(4)
HS Harz/MATERNA GmbH (Hrsg.): Open Government
Data Studie. Halberstadt, 2012, S. 35.
(5)
HS Harz/MATERNA GmbH (Hrsg.): Open Government
Data Studie. Halberstadt, 2012, S. 41.
| 11
Prof. Dr. Jürgen
STEMBER
Dekan des Fachbereichs
Verwaltungswissenschaften der Hochschule Harz;
[email protected]
12 |
eGovernment Review | www.egovernment-review.org | Nr. 11 | Januar 2013
fachartikel
COMPATeGov – Kompetenzmodell
für E-Government
abstract
Sirko Hunnius I Stefanie Köhl I Tino Schuppan
Um die Potenziale der Verwaltungsmodernisierung mit Informationstechnik zu nutzen, sind neue, interdisziplinäre Kompetenzen erforderlich. Im Rahmen des COMPATeGov-Projektes wurden diese systematisch
identifiziert und zu einem Kompetenzmodell verdichtet. Darin sind 28 unterschiedliche Kompetenzen aus
verschiedenen fachlichen Disziplinen zusammengefasst, welche u.a. in Anlehnung an den Europäischen
Qualifikationsrahmen (EQF) bewertet sind. In dem vorliegenden Artikel werden das COMPATeGov-Kompetenzmodell vorgestellt sowie dessen Anwendungsmöglichkeiten skizziert.
Problemstellung und Zielsetzung. Empirisch zeigt sich, dass
gerade anspruchsvolle E-Government-Projekte nicht wie
geplant verlaufen oder sogar scheitern. Ein möglicher
Grund dafür ist, dass die dafür erforderlichen neuen,
interdisziplinären Kompetenzen bei den beteiligten Akteuren oftmals nicht vorhanden sind. Skills und Kompetenzen sind im E-Government vernachlässigte Themen,
so dass vielfach unklar ist, welche Kompetenzen die
Beschäftigten in der öffentlichen Verwaltung überhaupt
benötigen, um Staat und Verwaltung mithilfe von Informationstechnik zu modernisieren. Ein vom Potsdamer
Institute for eGovernment (IfG.CC) geleitetes Konsortium hat deshalb im Rahmen des zweijährigen EU-Forschungsprojektes COMPATeGov ein Kompetenzmodell
für E-Government entwickelt.
Methodische Vorgehensweise. In einem ersten Schritt wur-
den bisherige Untersuchungsergebnisse zu E-Government-Kompetenzen ausgewertet und konsolidiert. Die
zusammengestellten Kompetenzen wurden anschließend
in einer Online-Befragung von E-Government-Experten
aus Wissenschaft und Praxis bewertet. Eingeschätzt wurde dabei, inwieweit die Kompetenzen für E-Government
relevant sind und welches Kompetenzniveau (Ausprägungsgrad einer Kompetenz) jeweils erforderlich ist.
Unterschieden wurde dabei zwischen Kompetenzen für
Führungskräfte und Mitarbeiter. Anschließend wurden
die Befragungsergebnisse in Expertenworkshops validiert
und verfeinert. Das erarbeitete COMPATeGov-Kompetenzmodell wurde in Pilottests angewendet und auf
dieser Basis Schulungsangebote beschrieben, mit denen
die erforderlichen Kompetenzen gezielt gestärkt werden
können.(1)
Projektergebnisse – Kompetenzmodell für E-Government.
Im COMPATeGov-Kompetenzmodell sind 28 Kompetenzen, die in Verbindung mit E-Government relevant
sind, systematisch und strukturiert erfasst. Unter Kompetenzen werden notwendiges Wissen, Fertigkeiten und
Fähigkeiten (Skills) sowie Eigenschaften einer Person
verstanden, um die von der Organisation formulierten
Anforderungen zu erfüllen(2,3). Im Unterschied zum Qualifikationsbegriff bezieht sich Kompetenz auf die ganze
Person, so dass bspw. auch die Fähigkeit zur Selbstorganisation einbezogen wird. Die im COMPATeGov-Modell
erfassten Kompetenzen setzen sich jeweils aus mehreren
Wissens-, Fertigkeits- und Kompetenzelementen zusammen. Dabei wird zwischen einem Set aus spezifischen EGovernment-Kernkompetenzen und allgemeinen Kompetenzen unterschieden. Erstere beziehen sich stärker
auf die Modernisierung des öffentlichen Sektors mit IT.
Letztere waren schon immer bedeutsam, erhalten jedoch
im Zusammenhang mit E-Government einen anderen
Stellenwert. Denn persönliche und soziale Kompetenzen
werden in einer vernetzten, weniger hierarchisch geprägten Arbeitsumgebung, die zudem mehr Zusammenarbeit
über Organisationsgrenzen hinweg erfordert, zunehmend relevant. Verwaltungs- und Veränderungskompetenzen waren im öffentlichen Sektor stets notwendig,
sind allerdings an die speziellen Herausforderungen bei
der Verwaltungsmodernisierung mit E-Government anzupassen.
Spezifische E-Government-Kernkompetenzen werden
erst im Kontext der Verwaltungsmodernisierung mit
IT erforderlich. So sind insbesondere E-GovernmentDesign-Kompetenzen notwendig, um die Strukturen
und Prozesse der öffentlichen Verwaltung zu analysie-
ren und mit IT neu zu gestalten. Weiterhin werden EGovernment-Management-Kompetenzen benötigt, um
die neu gestalteten Strukturen und Produktionsmodelle
umzusetzen. Insbesondere in netzwerkartigen Organisationsformen sind Risikomanagement, Finanz- und Kontraktmanagement notwendig, um bspw. Service-LevelAgreements zu verhandeln. E-Policy-Kompetenzen sind
erforderlich, wenn E-Government-Lösungen in einen
breiteren organisatorischen und politischen Kontext einzubetten sowie Trends und strategische Potenziale von
IT zu beurteilen sind. Um die Wirkungen von IT auf die
Arbeitswelt einzuschätzen – sowohl auf individueller als
auch auf organisatorischer und sektoraler Ebene, sind so
genannte E-Kompetenzen entscheidend.
Folgende Grafik verdeutlicht die Struktur des COMPATeGov-Kompetenzmodells. Die Projektergebnisse sowie
entwickelte Online-Tools sind unter http://portal.compategov.eu frei zugänglich und dort detaillierter beschrieben.
Abb. 1: COMPATeGov-Kompetenzmodell, Quelle: Eigene Darstellung,
animierte Grafik unter http://www.compategov.eu
Jede Kompetenz ist eindeutig definiert und mit ihren jeweiligen Elementen ausführlich dargestellt. Beispielhaft
wird das nachfolgend anhand der Prozessdesign-Kompetenz aufgezeigt.
Prozessdesign-Kompetenz: Die Kompetenz, Geschäftsprozesse öffentlicher Organisationen mithilfe etablierter
Methoden und Techniken zu analysieren, zu gestalten
und zu managen.
•W
issen: Der Mitarbeitende versteht die Prozesse
einer Organisation, d.h. deren Ergebnisse, ihre Rolle
und Funktion im Prozessportfolio einer Organisation, das dahinter stehende Regulierungsziel und die
gesellschaftlichen Auswirkungen. Er hat ein detailliertes Verständnis der eigenen Arbeitsprozesse, d.h.
kennt die Prozessschritte, die beteiligten Akteure,
Schnittstellen und das Ergebnis.
• S kills: Der Mitarbeitende ist geübt darin, mithilfe
von etablierten Prozessmodellierungstechniken
Ist-Prozesse zu modellieren, d.h. ist in der Lage,
Prozesse in angemessener Detailtiefe zu katalogisieren. Weiterhin ist er darin geübt, mithilfe von
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Forschungsmethoden Prozesse zu analysieren und
Soll-Prozesse mit etablierten Methoden zu modellieren.
• Kompetenz: Der Mitarbeitende misst die Wirksamkeit bestehender Prozesse und schlägt Veränderungen vor, um Verbesserungen umzusetzen. Er erhebt
die notwendigen Informationen und verwendet
angemessene Methoden, um mithilfe neuer Technologien mögliche Prozessveränderungen zu analysieren, zu evaluieren, zu gestalten und umzusetzen.
Anwendungsmöglichkeiten. Das COMPATeGov-Kompe-
tenzmodell richtet sich maßgeblich an Personalabteilungen der öffentlichen Verwaltungen sowie an Anbieter von
Aus-, Fort- und Weiterbildung im Bereich E-Government. Das Kompetenzmodell kann dazu genutzt werden,
Stellen zu beschreiben, Kompetenzlücken der Stelleninhaber zu identifizieren und gezielt Schulungsangebote
auszuwählen, mit denen die Kompetenzlücken geschlossen werden können. Öffentliche Verwaltungen können
somit den Einsatz ihres Personals gezielt anhand der
erforderlichen Kompetenzen einer Stelle planen, eine
systematische Personalentwicklung etablieren und somit gezielt Kompetenzen in Bezug auf E-Government
aufbauen und stärken. Die Beschäftigten erhalten mit
entsprechenden Online-Tools die Möglichkeit, eigene
Kompetenzdefizite zu identifizieren und diese durch Lerneinheiten gezielt zu beheben. Schulungsanbieter können Kurse anhand des Kompetenzmodells beschreiben
bzw. neu konzipieren. Im Rahmen des Projektes wurden
Präsenzschulungsangebote für E-Government-Kompetenzen entwickelt und praxisnah erprobt. Die Ergebnisse
des COMPATeGov-Projektes leisten einen Beitrag, die
Fort- und Weiterbildung für E-Government der Beschäftigten im öffentlichen Dienst zu verbessern. Die ECVETkonforme Beschreibung (Europäisches Leistungspunktesystem für die Berufsbildung) sowie die Zuordnung
der EQF-Stufen (Europäischer Qualifikationsrahmen)
ermöglichen darüber hinaus, Kompetenzniveaus behörden- oder sogar länderübergreifend zu vergleichen und
so von Best-Practices zu lernen.
literatur
fachartikel
Sirko HUNNIUS
wissenschaftlicher
Mitarbeiter, IfG.CC – The
Potsdam eGovernment
Competence Center,
Mitarbeiter/in im EUProjekt COMPATeGov;
[email protected]
Stefanie KÖHL
wissenschaftliche Mitarbeiterin, IfG.CC – The
Potsdam eGovernment
Competence Center,
Mitarbeiter/in im EUProjekt COMPATeGov;
[email protected]
(1)
Hunnius, Sirko/Schuppan, Tino. Competency Requirements for Transformational E-Government. Konferenzpapier, 46th Hawaii International Conference on System
Sciences (HICSS), Grand Wailea, 7-10 Januar 2013.
(2)
Hoffmann, Terence. The Meanings of Competency.
Journal of European Industrial Training. 1999, Heft 23, S.
275-285.
(3)
Schuppan, Tino. E-Government Competencies. Looking
Beyond Technology. In: Shea, C.M. Garson, G.D. (eds.).
Handbook of Public Information Systems. Boca Raton:
Taylor & Francis, 2010, S. 353-370.
Prof. Dr. Tino
SCHUPPAN
wissenschaftlicher
Direktor, IfG.CC – The
Potsdam eGovernment
Competence Center;
[email protected]
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fachartikel
Verwaltungsdienstleistungen für
Personen mit eingeschränkter
Mobilität: Von mobilen Bürgerdiensten zu E-Government?
abstract
Ralf Plattfaut I Sara Hofmann I Thomas Kohlborn I Daniel Beverungen I Michael Räckers I Björn Niehaves I Jörg Becker
Ralf PLATTFAUT
Wissenschaftlicher
Mitarbeiter, European
Research Center for Information Systems (ERCIS) der Westfälischen
Wilhelms-Universität
Münster
Sara HOFMANN
Wissenschaftliche
Mitarbeiterin, European
Research Center for Information Systems (ERCIS) der Westfälischen
Wilhelms-Universität
Münster
Thomas KOHLBORN
Postdoctoral Research
Fellow, Woolworths Chair
of Retail Innovation der
Queensland University of
Technology
Verwaltungsdienstleistungen sind über verschiedene Kanäle nutzbar. Der klassische Weg des Behördenbesuchs
wurde in den letzten Jahren um mobile Bürgerdienste erweitert. Diese sollen insbesondere Senioren und Personen mit eingeschränkter Mobilität Zugang zu den Dienstleistungen erleichtern. Neben den mobilen Bürgerdiensten werden zunehmend digitale Kanäle eingeführt. Kommunikation ersetzt Mobilität und ermöglicht Zugang
zu den Dienstleistungen per Computer oder Smartphone. In einer Studie in Deutschland und Australien wurde
analysiert, inwiefern dies insbesondere für Personen mit eingeschränkter Mobilität gilt.*)
Der klassische Weg zur Wahrnehmung von Verwaltungsdienstleistungen, persönlich in der Behörde, als einzigem
Zugangskanal zur Verwaltung wurde in den letzten Jahren um verschiedene Zugangskanäle erweitert. Zum einen wurden mobile Bürgerdienste eingerichtet, welche
die Dienstleistungen zu den Bürgern nach Hause bzw.
in deren Nähe bringen. Zum anderen werden – forciert
durch die Entwicklung des Internets – E-Government
Dienstleistungen, die vom heimischen Computer oder
ganz aktuell auch mittels Smartphone wahrgenommen
werden können, stetig ausgebaut. Die Entwicklung und
der Ausbau dieser zusätzlichen Zugangskanäle ist vor
dem Hintergrund der wachsenden Gruppe der immer
älter werdenden Menschen sowie derer, die in ihrer Mobilität eingeschränkt sind, eine wichtige Herausforderung
für die öffentlichen Verwaltungen.
Eine Person mit eingeschränkter Mobilität ist „eine Person, deren Mobilität bei der Benutzung von Beförderungsmitteln wegen einer körperlichen (sensorischen
oder motorischen, dauerhaften oder zeitweiligen) Behinderung, einer geistigen Behinderung oder Beeinträchtigung, wegen anderer Behinderungen oder aufgrund des
Alters eingeschränkt ist“(1). E-Government-Dienste bieten für diese Zielgruppe ein besonderes Potenzial, da sie
ortsunabhängig genutzt werden können.(2)
Informationsaustausch und Kommunikation kann über
verschiedene Kanäle erfolgen. Dabei postulieren Daft und
Kollegen eine Hierarchie von Informationsreichhaltigkeit
dieser Kanäle. So haben textuelle Dokumente, zum Bei-
spiel Internetseiten, eine geringe Reichhaltigkeit, telefonische Kommunikation eine mittlere und Kommunikation
von Angesicht zu Angesicht die höchste Reichhaltigkeit.
Wenn Aufgaben einen hohen Grad an Informationsaustausch erfordern, sollte ein Kanal gewählt werden, der
eine hohe Reichhaltigkeit aufweist.(3)
Um zu untersuchen, ob und wie sich Bürger mit eingeschränkter Mobilität von Bürgern ohne eingeschränkte
Mobilität in ihrer Wahl des Verwaltungskontaktes unterscheiden, wurden mit Unterstützung der jeweiligen
Verwaltungen Daten in einem deutschen Bundesland
und einem australischen Bundesstaat erhoben. Insgesamt konnten 1.205 Datensätze erhoben werden – 814 in
Deutschland und 391 in Australien.
Der klassische Kanal zur Nutzung von Verwaltungsdienstleistungen ist „Persönlich in der Behörde“. Hierbei
muss der Bürger zur Behörde kommen und kann die Verwaltungsdienstleistung persönlich in Anspruch nehmen.
Der Kanal zeichnet sich durch hohe Anforderungen an
Mobilität bei gleichzeitiger hoher Informationsreichhaltigkeit des Kanals aus. Interessanterweise legen unsere
Daten nahe, dass insbesondere Bürger mit Mobilitätsproblemen diesen Kanal bevorzugen (61,7% bei Bürgern mit
Mobilitätsproblemen gegenüber 48,2% bei Bürgern ohne
diese Probleme). Dieses kann durch zwei Faktoren erklärt
werden. Zum einen gehören viele der mobilitätseingeschränkten Bürger zur Altersgruppe der Senioren, welche
eine Affinität zu diesem Kanal haben. So bevorzugen nur
35% der unter-30-Jährigen diesen Kanal. Zum anderen
Abb. 1: Bevorzugte Kanalwahl
ist der Kanal besonders reichhaltig, was insbesondere bei
komplexeren Transaktionen, die von Bürgen mit Mobilitätsproblemen vermehrt nachgefragt werden (müssen),
wichtig wird.
Ein weiterer klassischer Kanal ist das Telefon. Viele Verwaltungsdienstleistungen können telefonisch erbracht
werden, insbesondere Informations- und Kommunikationsdienstleistungen. Hier ersetzt Kommunikation Mobilität und ermöglicht den Konsum der Dienstleistungen
weitestgehend ortsunabhängig. Gleichzeitig gilt der Telefonkanal als sehr informationsreich, da durch das gesprochene Wort auch Untertöne vermittelt werden können.
Beide Argumente erklären auch den vergleichsweise hohen Zuspruch von Bürgern mit Mobilitätsproblemen zu
diesem Kanal (66,4% bei Bürgern mit Mobilitätsproblemen gegenüber 58,3% bei Bürgern ohne diese Probleme).
Der Kanal „Persönlich außerhalb der Behörde“ umfasst
nicht nur mobile Bürgerdienste sondern auch feste Beratungsstellen zum Beispiel in Einkaufszentren oder
Seniorenheimen. Auch hier kann durch die persönliche
Kommunikation eine hohe Informationsreichhaltigkeit
angenommen werden. Zusätzlich wird aber das Bedürfnis für Mobilität verringert, da die Behörde mobil sein
muss, nicht der Bürger. Entsprechend ist der Zuspruch zu
diesem Kanal bei Personen mit eingeschränkter Mobilität
fast doppelt so hoch wie bei Personen ohne diese Probleme (28,0% zu 16,5%).
Ein Kanal, der die Mobilität der Bürger ersetzen soll,
ist das E-Government über das Internet. Der Kanal hat
eine vergleichsweise geringe Informationsreichhaltigkeit, erfordert dafür aber keine Mobilität. Damit ist er für
Standardaufgaben, insbesondere aus dem Bereich der Information, ein geeignetes Medium für Personen mit eingeschränkter Mobilität. Allerdings legen die Daten diesen
Zusammenhang nicht nahe. So bevorzugen nur 42,1%
der mobilitätseingeschränkten Bürger im Vergleich zu
59,5% der restlichen Bürger diesen Kanal. Auch wenn
man den Faktor Alter ignoriert und nur die über-60-Jährigen betrachtet, ist immer noch ein Unterschied vorhanden (34,3% zu 36,1%). Hier werden die hohen Versprechungen des E-Governments noch nicht eingelöst.
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Zu den modernen Kanälen gehört auch mobile Government.(4) Hier nutzen Bürger Verwaltungsdienstleistungen
über mobile Kanäle wie Handys (SMS) oder Smartphones
(spezielle Apps). Die Daten legen nahe, dass dieser Kanal auch von mehr Bürgern ohne Mobilitätsprobleme als
solchen mit Mobilitätsproblemen bevorzugt wird (10,1%
zu 9,3%). Rechnet man allerdings die Altersgruppe unter
30 heraus, so dreht sich das Bild. In dem Fall bevorzugen
9,4% der Bürger mit Mobilitätsproblemen diesen Kanal
und nur 7,2% der Bürger ohne diese Probleme.
Es lässt sich festhalten, dass derzeit noch der persönliche Gang zur Behörde als Zugangskanal dominiert. Bei
besonderer Beachtung der Faktoren Alter und Mobilität
zeigt sich aber, dass mobile Bürgerdienste und (mobile)
E-Government Angebote für die Zukunft einiges Potenzial versprechen, um zum einen die Bürger in die Lage
zu versetzen, unkompliziert Verwaltungsdienstleistungen wahrzunehmen und zum anderen den Verwaltungen
Entlastung, vor allem bei weniger komplexen Dienstleistungen, zu schaffen. Die Bewertung vor dem Hintergrund
der Informationsreichhaltigkeit offenbart aber auch, dass
die Komplexität der Dienstleistungen ein wichtiger Erfolgsfaktor ist. Wenn es gelingt, die Komplexität zu reduzieren, wird es bedeutend leichter fallen, (mobile) EGovernment-Dienste zum Erfolg zu führen.
*) Diese Studie wurde durch das Smart Services Cooperative Research Centre (CRC), gefördert
durch das Australian Government’s CRC Programme (Department of Innovation, Industry,
Science and Research), die VolkswagenStiftung in Form eines Schumpeter Fellowships und
das Forschungsprojekt Networked Service Society, gefördert durch das Internationale Büro des
Bundesministerium für Bildung und Forschung (Förderkennzeichen APR 10/805), finanziert.
literatur
fachartikel
| 15
Dr. Daniel BEVERUNGEN
Akademischer Rat,
European Research Center
for Information Systems
(ERCIS) der Westfälischen
Wilhelms-Universität
Münster
Dr. Michael RÄCKERS
Akademischer Rat,
European Research Center
for Information Systems
(ERCIS) der Westfälischen
Wilhelms-Universität
Münster
Prof. Dr. Dr. Björn
NIEHAVES
Professor for E-Governance and Innovation,
Hertie School of Governance
(1)
Europäische Union. Verordnung (EG) Nr. 1107/2006
des Europäischen Parlaments und des Rates vom 5. Juli
2006 über die Rechte von behinderten Flugreisenden und
Flugreisende mit eingeschränkter Mobilität. Amtsblatt der
Europäischen Union. 28.7.2006.
(2)
IT-Planungsrat. Nationale E-Government Strategie.
Beschluss des IT-Planungsrats vom 24. September 2010.
(3)
Daft, Richard L.; Lengel, Robert H.;Trevino, Linka K.
Message Equivocality, Media Selection, and Manager Performance: Implications for Information Systems. MIS Quarterly.
1987. 11. Ausgabe. S. 355-366.
(4)
Palka, Wolfgang; Schreiber, Veronika; Wolf, Petra; Krcmar,
Helmut. Mobile Government - quo vadis 2012+?. eGovernment Review. Juli 2012, 10. Ausgabe.
Prof. Dr. Jörg BECKER
Geschäftsführender Direktor, European Research
Center for Information
Systems (ERCIS) der
Westfälischen WilhelmsUniversität Münster
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eGovernment Review | www.egovernment-review.org | Nr. 11 | Januar 2013
fachartikel
Grenzenloser Datenaustausch
in Europa
abstract
Josef El-Rayes
Die Europäische Kommission hat sich zum Ziel gesetzt mittels groß angelegter Programme grenzüberschreitende Verwaltungsprozesse zu vereinfachen, um den freien Personen- und Warenverkehr auf Verwaltungsebene zu unterstützen. Bürger,
Behörden und Unternehmen sollen in Zukunft in der Lage sein, unabhängig von nationalen Grenzen einheitliche Dienstleistungen in Anspruch zu nehmen. Dieser Artikel gibt einen Einblick in aktuelle Initiativen.
Freier Personen- und Warenverkehr über Ländergrenzen hinweg sind in Europa heute schon Realität - EUweite, durchgängig unterstützte Verwaltungsprozesse
hinken jedoch dieser Entwicklung hinterher. Damit die
europäische Verwaltung der Wirtschaft ein zweckdienlicher Partner sein kann, steht das e-Government vor
einer großen Aufgabe: grenzüberschreitender Informationsaustausch als Voraussetzung für pan-europäische
Verwaltungsprozesse stößt aufgrund unterschiedlicher
Sprachen, Kulturräume und rechtlichen Regelungen
schnell an die Grenze des Machbaren.
Schon seit Längerem arbeiten nationale Initiativen an
IT-Standardisierungsvorhaben, doch erst die pan-europäische Kooperation lässt die europäischen Mitgliedsstaaten in Hinblick auf Interoperabilität der Prozesse und
Daten näher zusammenrücken.
Die Europäische Kommission versucht im Rahmen
großangelegter Initiativen Infrastruktur und Services zu
Verfügung zu stellen, die eine grenzüberschreitende Zusammenarbeit ermöglichen.
sind, wird gemeinschaftlich die Entwicklung der „Core
Vocabularies“ abgestimmt und vorangetrieben.
e-Government Core Vocabularies. Die e-Government Core
Vocabularies sind vereinfachte, wiederverwendbare und
erweiterbare Darstellungen der fundamentalen Eigenschaften einer Entität in einer kontextfreien Abbildung. Sie
bieten eine Ausgangsbasis zur Entwicklung interoperabler
e-Government-Systeme und erlauben aufgrund ihrer vereinfachten und erweiterbaren Darstellung eine einfache
Zuordnung zu bestehenden Datenmodellen. Durch die
Verwendung dieser Vokabularien als Grundlage darauf
aufbauender e-Government-Systeme wird ein Mindestmaß an Interoperabilität garantiert.
Die ersten drei Vokabularien, die ihm Rahmen der Initiative veröffentlicht wurden sind die Core Person, Core
Business und Core Location Vocabulary. Abbildung 1
stellt die drei Vokabularien in Bezug zu einander und
verdeutlicht ihre Anwendung.
Core Person Vocabulary. Das Core Person Vocabulary war
Joinup.EU. Die Plattform Joinup.eu(1) ist eine Initiative im
Rahmen der ISA-Programme(2) des Directorate-Generale
für IT (DIGIT) der Europäischen Kommission mit dem
Ziel grenzüberschreitende Verwaltungsprozesse der europäischen Mitgliedsstaaten voranzutreiben.
Neben der Bereitstellung einer Kooperationsplattform
zum Erfahrungs- und Wissensaustausch und dem Bereitstellen von Datenstandards einschlägiger e-Government-Projekte, ist Joinup.eu auch in der Entwicklung
von Datenaustauschstandards involviert. Diese Datenaustauschstandards setzen darauf, mittels Harmonisierung auf einem hohen Abstraktionslevel eine breite
Anwendbarkeit zu ermöglichen. In einer eigenen Arbeitsgruppe in der mehr als 70 Vertreter europäischer
Behörden, Universitäten und Unternehmen beteiligt
ein erster Pilot zur Spezifizierung eines e-Government
Core Vocabulary und half dabei einen allgemeinen Entwicklungsprozess für weitere Vokabularien abzuleiten. Das
Datenmodell der Core Person beschreibt die minimalen
Charakteristiken einer Person unabhängig des Kontextes
in dem die Entität steht. Darauf aufbauend können spezifische Datenmodelle wie Wähler, Passagier, Patient entwickelt werden und garantieren auf diese Weise eine minimale grenzüberschreitende Interoperabilität.
Core Business Vocabulary. Das im Mai dieses Jahres ver-
öffentlichte Vokabular repräsentiert einen Konsens zur
Darstellung eines vereinfachten Datenmodells zur Identifizierung und Beschreibung legaler Entitäten. Das Core
Business Vocabulary soll in Anlehnung an die neue Direc-
fachartikel
eGovernment Review | www.egovernment-review.org | Nr. 11 | Januar 2013
| 17
tive des Europäischen Parlaments (2012/17/EU) eine Basis
für interoperablen Datenaustausch zwischen nationalen
Unternehmensregistern sein.
Derzeit befindet sich dieses Vokabular in einem Standardisierungsprozess im Rahmen der W3C GLD Working
Group, um in einem Jahr als W3C Standard veröffentlicht
zu werden. Im nächsten Jahr sollen dann im Rahmen
des ISA-Programms Regierungsbehörden dazu ermutigt
werden das Core Business Vocabulary zum Austausch
von Geschäftsdaten einzusetzen.
EID-STORK. Eine inhaltlich verwandte Initiative ist EID-
STORK(3). Der Name steht für „Secure idenTity acrOss
boRders linKed“ und beschäftigt sich mit dem Aufbau
einer europäischen Infrastruktur zur sicheren, grenzübergreifenden Authentifizierung physischer Personen.
Das Ziel der Initiative ist es, in Zukunft die EU-Bürger in
die Lage zu versetzen ihre nationalen, elektronischen
Identitäten in jedem EU-Mitgliedsstaat zu nutzen, um
beispielsweise eine Firma zu gründen ohne der Notwendigkeit direkter Anwesenheit vor Ort. Ausreichend
dafür sollen die nationale eID des Antragstellers und die
STORK-Plattform sein, die den notwendigen Service zur
Authentifizierung bereitstellt. STORK basiert auf einer
verteilten Architektur, die auf vorhandene Infrastrukturen in den Mitgliedsstaaten aufsetzt und den Weg für
eine volle Integration nationaler eID-Services freimacht.
Mittels Pilotservices in den Bereichen eLearning, eBanking, öffentliche Services für Firmen und eHealth wird
derzeit die Weiterentwicklung der Infrastruktur vorangetrieben und die Möglichkeiten und Vorteile einer interoperablen eID in Echtanwendung evaluiert.
Am Projekt beteiligen sich 19 Länder der EU, sowie ein
Konsortium aus 58 Behörden und Unternehmen. Österreich nimmt an einem der Pilotservices mit seinem Bürgerportal help.gv.at teil.
Abb. 1 : Die Core Vocabularies in vereinfachter Darstellung
Weitere Initiativen. PEPPOL (Pan European Public Procu-
rement Online)(5) entwickelte bis 2012 offene Standards
zur grenzüber-schreitenden Teilnahme an öffentlichen Beschaffungsverfahren. Die entwickelten Standards werden
von der Non-Profit-Organisation OpenPEPPOL weiterentwickelt.
epSOS (European Patients Smart Open Services)(6) ist
eine Initative die bis Ende 2013 eine Service-Infrastruktur zur grenzüberschreitenden Interoperabilität von
elektronischer Krankenakten aufbaut. 20 EU-Mitgliedsstaaten sowie Norwegen, Schweiz und die Türkei sind
am Projekt beteiligt. Österreich beteiligt sich mit dem
Elektronischen Gesundheitsakt (ELGA) am Aufbau der
epSOS-Infrastruktur.
Das Ziel der Europäischen Kommission ist es, mit rund
100 geplanten Initiativen und begleitenden Gesetzesvorschlägen einen echten digitalen Binnenmarkt für Verwaltungsdienste zu schaffen und eine bessere Nutzung der
Potenziale moderner Informations- und Kommunikationstechnologien zu ermöglichen.
wurden die Mitgliedstaaten dazu verpflichtet, bis Ende
2009 sogenannte „Points of single contact“ bereitzustellen. Dabei handelt es sich um nationale „One-Stop-Shops“,
die es den Bürgern an einer zentralen Stelle ermöglichen
sich über Unternehmensgründung zu informieren und
alle notwendigen administrativen Prozeduren elektronisch
abzuwickeln.
SPOCS (Simple Procedures Online for Cross-Border Services)(4) ist ein Initiative der Europäischen Kommission,
die sich zum Ziel gesetzt hat, diese „Points of Single Contacts“ zu vereinheitlichen, gemeinsame Services und
eine interoperable Infrastruktur für den grenzüberschreitenden, sicheren elektronischen Dokumentaustausch
aufzubauen. Die vereinfachten Prozesse zur Unternehmensgründung sollen die internationale Wettbewerbsfähigkeit des europäischen Binnenmarkts erhöhen.
literatur
EU-SPOCS. Im Rahmen der EU-Dienstleistungsrichtlinie
(1)
Joinup.eu. [Online] [Zitat vom: 26. November 2012]
http://joinup.ec.europa.eu/
(2)
ISA Programm [Online] [Zitat vom: 26. November
2012] http://ec.europa.eu/isa/
(3)
E ID-STORK [Online] [Zitat vom: 26. November 2012]
http://www.eid-stork2.eu/
(4)
SPOCS [Online] [Zitat vom: 26. November 2012]
http://www.eu-spocs.eu/
(5)
PEPPOL [Online] [Zitat vom: 26. November 2012]
http://www.peppol.eu/
(6)
epSOS [Online] [Zitat vom: 26. November 2012]
http://www.epsos.eu/
DI Josef EL-RAYES
Consultant, Ernst & Young
Advisory Services GmbH;
[email protected]
com
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fachartikel
Erfolgskriterien für die Open
Government-Umsetzung:
Eine vergleichende Analyse
abstract
Alexandra Collm I Maximilian Rapp I Giordano Koch
Open Government-Projekte haben in den vergangenen Jahren eine neue Dynamik bekommen: Neue Informationsund Kommunikationstechnologien, neue Formen der Kommunikation und die grundsätzliche Nachfrage nach stärkerer Beteiligung bedingen sich gegenseitig und bringen stetig neue Formen der Partizipation hervor. Unsere Studie
zeigt anhand von zwei Beispielen, welche grundlegenden Erfolgskriterien bei der Umsetzung von Open Government
Projekten in verschiedenen Anwendungsbereichen beachtet werden müssen, um Rebound-Effekte zu verhindern.
Einleitung. Die öffentlichen Verwaltungen sowie Partei-
en spüren einen erhöhten Druck, direkte und schnelle
Kommunikation sowie bessere Interaktionsmöglichkeiten mit Politiker/innen, Unternehmer/innen, Bürger/innen sowie anderen Interessierten zu ermöglichen. Unter
dem Schlagwort Open Government wird die vermehrte
Umsetzung von Transparenz, Kooperation und Partizipation in Politik und öffentlicher Verwaltung gefordert
und gefördert(1). Ausschlaggebend dafür sind drei Entwicklungen: Die verstärkt gemeinsame Lösung überregionaler Problemstellungen, der zunehmende Einsatz von
Informations- und Kommunikationstechnologien sowie
die damit verbundene Entwicklung eines dynamischen
Kommunikationsverhaltens.
Diese zunehmend kooperative und bürgerbestimmte
Interaktion schlägt sich mittlerweile in der Integration
extern generierter Ideen und der kollaborativen Lösung von Problemen nieder(2): Parteimitglieder, Anwohner/innen oder Interessierte beteiligen sich an
der Entwicklung von Parteiprogrammen, Großbauprojekten oder lokalen Leitbildern. Es ist jedoch zu unterscheiden, welche Zielsetzung und Vorgehensweise die
Partizipationsansätze haben und welche strukturellen
Unterschiede bestehen(3). Um die unterschiedlichen Erfolgskriterien näher zu beleuchten, werden im Folgenden jeweils ein Fallbeispiel zu kollaborativen Ansätzen
und zu Ansätzen der Ideengenerierung vorgestellt. Dabei handelt es sich (1) um die Online-Konsultation der
CSU in Oberbayern und (2) um das kommunale Beteiligungsprojekt der Kneipp-Gemeinde Bad Wörishofen
(14.000 Einwohner).
Die Online-Konsultation der CSU Oberbayern. Zwischen dem
15.08. und dem 31.10.2012 initiierte der Bezirksverband der CSU in Oberbayern die Online-Konsultation
„Meine-Zukunft-Oberbayern“, um Parteimitglieder und
alle Interessierten (offenes Verfahren mit Registrierung)
aktiv bei der Ausarbeitung ihres Wahlprogrammes zu
unterstützen. Im Vorfeld wurden 14 unterschiedliche
Handlungsfelder identifiziert, die jeweils mit Konzeptpapier und benutzerfreundlicher Zusammenfassung auf der
interaktiven Kommunikationsplattform dargestellt wurden. Die sogenannten „Mitmacher“ konnten ihre Ideen
und Vorschläge zu den verschiedenen Bereichen spezifisch einstellen und sie gemeinsam mit der Netzgemeinde diskutieren. Den Startschuss für die Plattform gab die
verantwortliche Initiatorin und Bundesministerin Ilse
Aigner im Rahmen einer offiziellen Pressekonferenz.
Mitglieder wurden überwiegend durch die CSU Oberbayern-Kanäle (E-Mail-Listen oder Telefonverzeichnis)
rekrutiert. Darüber hinaus stärkte man die online-offline
Rekrutierungsstrategie mit dem Druck von über 20.000
Postkarten, die an alle CSU Orts- und Kreisverbände verschickt wurden und durch die man seine Idee auch auf
postalischem Weg einreichen konnte. Ferner engagierten
sich die Arbeitsgruppen-Leiter der unterschiedlichen
Themenfelder von der CSU Oberbayern, bestehend u.a.
aus Bundes- und Landtagsabgeordneten, aktiv an der
Plattform und gaben kontinuierlich Feedback zu den eingereichten Inhalten. Innerhalb der elfwöchigen Laufzeit
konnten so über 25.000 Besucher verbucht werden, von
denen sich über 400 aktiv registrierten und mehr als 200
Ideen und 400 Kommentare abgaben.
Online-Bürgerhaushalt in Bad Wörishofen. Im Oktober 2011
rief die Kommune in Bad Wörishofen einen OnlineBürgerhaushalt ins Leben, auf dem die Bürger/innen
einerseits im Rahmen eines digitalen Fragebogens ihre
Präferenzen bezüglich potenzieller Investitionen der
Stadt angeben, und zum anderen auch eigene Ideen zur
Verschönerung der Stadt oder möglichen Einsparungen
einreichen konnten. Um den Bürgern deutlich zu machen, dass ihre Meinung auch wirklich berücksichtigt
wird, leitete sowohl die Stadtkämmerin, als auch der
Bürgermeister das aktive Community Management, also
das Motivieren der neuen Teilnehmer sowie das aktive
Feedback-Management bei eingereichten Konzepten.
Um viele Bürger zu erreichen, schickte man zu Beginn
der Initiative jedem Haushalt der Stadt ein Anschreiben
mit den grundlegendsten Informationen zu dem Projekt.
Es wurde bewusst ein offenes Verfahren gewählt, bei dem
sich alle Interessierten anmelden konnten, um auch evtl.
bereits umgesetzte Ideen aus anderen Städten zu erhalten.
Über 190 registrierte Mitglieder reichten mehr als 100
Ideen auf der Plattform ein. Die lokale Politik reagierte
schnell auf die Ideen der Community und begann nach
einigen Wochen mit der Umsetzung. Darüber hinaus
zeigte sich, dass die lokale, regionale und die Fachpresse
häufig (positiv) über die Initiative berichteten und sich
dadurch immer wieder neue Nutzer/innen auf der Open
Government Plattform registrierten.
Erfolgskriterien im Vergleich. Erfolgreiche Partizipations-
vorhaben zeichnet aus, dass sie Lösungen finden, die
Interessen von Bürgern adäquat aufnehmen und die Verständlichkeit und Akzeptanz von Maßnahmen fördern(4).
Beide hier dargestellten Vorhaben haben, erkennbar anhand der guten Beteiligung, die Interessen der jeweiligen
Zielgruppe gelungen integriert und konnten deutlich machen, dass Partizipation erwünscht ist.
Die in der Literatur beschriebenen Erfolgsfaktoren spielten für beide Fallbeispiele eine zentrale Rolle. Beide Vorhaben verfügten über (1) ausreichend interne Ressourcen
für die Planung, Realisierung, Umsetzung und anschliessende Implementierung sowie (2) eine umfangreiche Unterstützung durch politische Entscheidungsträger. Dies
ist zentral, um die Relevanz der Vorhaben deutlich zu
machen, Aufmerksamkeit und Glaubwürdigkeit zu erreichen sowie Verbindlichkeit herzustellen. Ein weiterer
Erfolgsfaktor war (3) die Initiierung einer ausreichenden
Berichterstattung in den Medien und die damit einhergehende Erreichung einer kritischen Masse an Ideengeber/
innen mit (4) persönlicher Betroffenheit; während Parteimitglieder an der Weiterentwicklung und Verbesserung
ihrer Partei interessiert sind, machen sich Bürger/innen
sich für die Gestaltung ihrer Gemeinde stark.
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Entsprechend der unterschiedlichen Zielsetzung und
Vorgehensweise gab es jedoch auch Erfolgsfaktoren,
die sich für beide Vorhaben unterschiedlich gestalteten.
Dazu zählen (5) die Attraktivität der thematisierten Fragestellung, (6) die Aktivierungsstrategie sowie (7) die damit verbundene Motivation von potentiell Interessierten.
Die kollaborative Ausgestaltung konkreter Themen und
Inhalte des Wahlprogramms, ist eine attraktive Möglichkeit für Parteimitglieder, sich aktiv in den Gestaltungsprozess einzubringen. Parteien können für die Aktivierung von Ideengebern parteiinterne Kanäle, persönliche
Netzwerke und detaillierte Kontaktinformationen nutzen. Die Online-Konsultation erforderte allerdings ein
hohes Engagement von inhaltlich profilierten Fachleuten,
um durch qualitative Feedbacks Authentizität und Verbindlichkeit zu gewährleisten. Im Gegensatz dazu wurde der allgemeine Ansatz der Ideengenerierung durch
postalische Anschreiben bekannt gemacht und wurden
Teilnehmer/innen durch das persönliche Bewerben des
Bürgermeisters gewonnen. Entsprechend geht es in Gemeinden mehr um die Identifikation von Bürgerbedürfnissen, Problem- und Lösungsartikulation, begleitende
Diskussionen geplanter Projekte, sowie die virtuelle Vernetzung von Bürgern untereinander und Bürgern mit der
Verwaltung.
literatur
fachartikel
| 19
Alexandra COLLM
Programmleiterin
und Dozentin, Institut
für Systemisches
Management und Public
Governance (IMP-HSG),
Universität St.Gallen;
[email protected]
unisg.ch
Giordano KOCH
Teamlead Open Government, HYVE Innovation
Community GmbH;
[email protected]
(1)
Coglianese, C. (2009). The Transparency President?
The Obama Administration and Open Government. In:
Governance-an International Journal of Policy Administration and Institutions 22(4), S. 529-544.
(2)
Collm, A.; Schedler, K.: Crowd Innovation : Wie die Verwaltung ihre Grenzen öffnet. In: Kommunalmagazin 2012
(2012), Nr. 1/2, S. 78-81.
(3)
Koch, G. & Rapp, M. (2012). Open Government Platforms
in Municipality Areas: Identifying elemental design
principles. In: Hilgers, D.; Schauer, R. und Thom, N. (Hrsg.)
Public Management im Paradigmenwechsel- Staat und
Verwaltung im Spannungsfeld von New Public Management, Open Government und bürokratischer Restauration.
Linz: Trauner Verlag.
(4)
Kubicek, H., Lippa, B., & Koop, A. (2010). Erfolgreich
beteiligt? Gütersloh: Bertelsmann Stiftung.
Maximilian RAPP
Projektleiter, HYVE Innovation Community GmbH
und Lehrbeauftragter am
Institut für Strategisches
Management, Marketing
& Tourismus an der Universität in Innsbruck.
20 |
eGovernment Review | www.egovernment-review.org | Nr. 11 | Januar 2013
fachartikel
Open Government –
der Versuch einer Abgrenzung
abstract
Moreen Heine I Matthias Döring I Sebastian Noack
Bis heute gelingt es kaum, Begriffe rund um die Verwaltungsreform – von New Public Management bis zu den E-Modellen – schlüssig voneinander abzugrenzen. Dieses Defizit wird bei der Betrachtung des Konzepts Open Government
erneut sichtbar. Der Begriff Open Government ist dabei nicht nur aus verwaltungswissenschaftlicher, sondern mit Blick
auf die Instrumente der direkten Demokratie auch aus politikwissenschaftlicher Perspektive zu betrachten. Handelt es
sich um einen Sammelbegriff für hauptsächlich schon Dagewesenes?
Mit New Public Management, den E-Modellen (EGovernment, E-Partizipation, E-Democracy) sowie den
Schlagworten aus der Familie des Begriffs Open Government (Open Data, Crowdsourcing, Web 2.0) existieren
Konzepte, die für Reformideen im öffentlichen Sektor
stehen, deren Ganzheitlichkeit, Tiefe und theoretischer
Hintergrund jedoch sehr verschieden ausgeprägt sind.
Gemeinsam ist ihnen das Ziel, den Übergang zu einer
kundenorientierten, effektiven und zeitgemäßen Verwaltung zu gestalten.
Open Government verspricht, dass Transparenz, Partizipation und Kollaboration letztlich zu einem integrierten
Netzwerk von Verwaltung, Wirtschaft und Gesellschaft
führen. Transparenz und Partizipation bilden ohnehin
ein Grundpfeiler der Demokratie und sind generell nicht
unbekannt für die deutsche Verwaltung. Wo also ist die
Neuerung? Ziel dieses Beitrags ist zu zeigen, inwiefern
sich der Begriff Open Government von bekannten Konzepten abgrenzen lässt. Dazu werden die Entwicklungsstufen Transparenz, Partizipation und Kollaboration herangezogen. Ein schärferes Bild der Reformbegriffe bildet
die Grundlage für Open-Government-Angebote, die etablierte Konzepte und die dazugehörigen Erkenntnisse aus
Wissenschaft und Praxis respektieren und einbeziehen.
Nach der Konzeption der OECD(1) wird Open Government durch drei Bausteine ausgefüllt: Verantwortungsbewusstsein, Transparenz und Offenheit. Alle drei Bausteine fokussieren letztlich ein Verwaltungshandeln, das
Akzeptanz erzeugen und größeres Verantwortungsbewusstsein in Regierung und Verwaltung hervorrufen soll.
Im Konzept Open Government nach Obamas Memorandum(2) steht ebenfalls die Transparenz im Vordergrund;
es geht jedoch zwei Schritte weiter. Erstens wird zusätzlich die Partizipation mit Bürgern und Gesellschaft in das
Blickfeld gerückt. Zweitens sollen Kollaborationen mit
Wirtschaft und Zivilgesellschaft verfolgt werden. Partizipation kann hier als Mitwirken der Bürger verstanden
werden. Kollaborationen wiederum sind gemeinsame
Leistungserstellungen mit Bürgern und Wirtschaft auf
Augenhöhe. Lanthrop und Ruma(3) betonen die Notwendigkeit der Teilung von Ressourcen, insbesondere von
Informationen. Weiter fokussieren beide Autoren Massenkollaborationen. D. h. die Kollaboration soll sich nicht
darin erschöpfen mit bestimmten Zielgruppen oder Leistungserbringern zu kooperieren, sondern soweit möglich
die breite Masse der Gesellschaft einzubinden. Die wahre
Neuerung im Open Government sehen sie in einer Integration der Prozesse zwischen Verwaltungen, Bürgern und
Wirtschaft. Dieser Zugang erinnert and die tragende Rolle der Prozessorientierung im Modernisierungskonzept
E-Government. Die schlüssige Abgrenzung von Open
Government zu den weiteren Modernisierungskonzepten
im öffentlichen Sektor wurde bisher weitgehend vernachlässigt.
Gleichwohl existieren Ansätze zur Abgrenzung von New
Public Management und Electronic Government, die jedoch zum Teil auseinander gehen. Während E-Government oftmals als Nachfolger von New Public Management gesehen wird, versteht Schedler(4) (S. 33-51) unter
E-Government ein Komplementär dazu. NPM besitze
eine stärkere Innenorientierung. E-Government weise
hingegen eine stärkere Außenorientierung auf. Dies trifft
sicherlich auf die Anfänge zu, als sich E-GovernmentAktivitäten hauptsächlich auf die Erstellung von InternetPortalen beschränkten. Als ganzheitliches Modernisierungskonzept fokussiert E-Government jedoch auch und
vor allem die Prozesse innerhalb des öffentlichen Sektors
(G2G). Mit Blick auf das Verhältnis zu Open Government ist neben dem verwaltungsorientierten Begriff New
Public Management und dem durch die angewandte
Informatik (Wirtschafts-/Verwaltungsinformatik) geprägten Begriff E-Government jedoch auch die politikwissenschaftliche Perspektive in Bezug zur Zunahme von
Instrumenten der direkten Demokratie zu berücksichtigen, die sich in Deutschland zum Beispiel in der Debatte
über nationale Volksabstimmungen und Bürgerhaushalte
auf kommunaler Ebene niederschlägt. Diese Tendenz verstärkt die Popularität von Open-Government-Initiativen
vermutlich zusätzlich. Ist Open Government schließlich
ein Sammelbegriff, der altbekannte Konzepte zusammen
wirft oder – optimistischer formuliert – integriert?
Bezogen auf die Open-Government-Säule Transparenz
muss hinterfragt werden, inwieweit diese Ansätze und
Projekte überhaupt als qualitativ neu bewertet werden
können (z.B. www.govtrack.us und das deutsche Pendant,
die GESTA-Datenbank, zur Aufbereitung von Gesetzesdaten, Abstimmungen und öffentlichen Sitzungsprotokollen). Schließlich ist das Streben nach Transparenz ein
Grundpfeiler der Demokratie. Wo also ist die Neuerung?
Die Möglichkeiten des Web 2.0 erlauben den ständigen
Zugriff von jedem Ort auf möglicherweise relevante
Daten. Bürger, Unternehmen und Institutionen können
nicht nur ihren spezifischen Informationshunger stillen,
sondern entwickeln eventuell Nachfrage für weitere Daten. Hieraus kann sich eine Gesellschaft entwickeln, die
von ihren informationellen Möglichkeiten tatsächlich
Gebrauch macht und mehr einfordert, als Politik und
Verwaltung bisher bereit waren zu teilen. Die partizipativen Elemente von Open-Government-Initiativen (z.B.
www.showusbetterway.com der britischen Regierung
oder www.e-konsultation.de als deutsches Beispiel) erinnern an Bestrebungen des NPM, mehr Bürgernähe und
Bürgerservice zu bieten. Generell ist Partizipation jedoch
keine Neuerung für die deutsche Verwaltung. Auf der
Ebene der Kollaboration arbeiten Bürger, Unternehmen
und Verwaltungen im Idealfall zusammen an bestimmten Projekten und erzeugen einen gemeinsamen Output.
Public-Private-Partnership kann prinzipiell diesem Bereich zugeordnet werden. Allerdings zeigt sich die Grenze zwischen tatsächlicher Zusammenarbeit und Outsourcing sehr verschwommen. Darüber hinaus kollaboriert
an dieser Stelle nicht die Vielzahl der Akteure die Open
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| 21
Government im Sinn der Massenkollaboration meint,
sondern lediglich ein bestimmtes Unternehmen und eine
Verwaltung. Open Government adressiert vielmehr das
Konzept des Crowdsourcing (z.B. HackDays oder Apps
für Deutschland), bei dem Leistungen von mehreren, externen Akteuren erbracht werden.
Insgesamt lässt sich feststellen, dass Open Government
zentrale Eckpfeiler älterer Modernisierungskonzepte
und fest etablierte Elemente des Verwaltungshandelns
aufgreift. Zum Teil ergeben sich durchaus neuartige Modernisierungspfade; allerdings bleibt noch im Detail zu
prüfen, inwiefern Open Government ein abgrenzbares
Konzept darstellt, das einer eigenen Logik folgt. Ist dies
der Fall, ist eine scharfe Abgrenzung zwingend notwendig, um spezifische Ziele, Herausforderungen, Methoden
und Lösungen tragfähig identifizieren und erarbeiten zu
können, ohne Vorarbeiten bezogen verwandte Konzepte
zu ignorieren. Ansonsten besteht, wie in der Geschichte
des E-Government bereits zu beobachten war, die Gefahr,
dass die Bereitstellung von zahlreichen, technisch fokussierten Angeboten, die tatsächliche Nachfrage ignoriert
und Veränderungspotenziale verwaltungsintern erst spät
erkannt und genutzt werden. Der organisations- und
prozessbezogenen Sicht auf Open Government ist mindestens ebensoviel Aufmerksamkeit zu widmen, wie der
Bereitstellung von technischen Lösungen, die lediglich
einer Angebotslogik folgen.
literatur
fachartikel
Dr. rer. pol. Moreen
HEINE
wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl
für Wirtschaftsinformatik
und Electronic Government der Universität
Potsdam; [email protected]
B.A. Matthias DÖRING
Studierender der
Verwaltungswissenschaften (Master) und
wissenschaftliche
Hilfskraft des WIPCAD
Graduiertenkollegs
der Universität Potsdam;
[email protected]
(1)
OECD-Bericht. Open Government Fostering Dialogue
with Civil Society. 2003.
(2)
http://www.whitehouse.gov/the_press_office/TransparencyandOpenGovernment [Online] [vom 21.10.2012].
(3)
Lathrop, Daniel; Ruma, Laurel. Open Government – Collaboration, Transparency, and Participation in Practice. 2010.
(4)
Schedler, Kuno. eGovernment und neue Servicequalität
der Verwaltung? In: Gisler, M., Spahni, D.: eGovernment –
Eine Standortbestimmung. Bern: Verlag Paul Haupt.
B.A. Sebastian NOACK
Studierender der Verwaltungswissenschaften
(Master) der Universität
Potsdam; [email protected]
uni-potsdam.de
22 |
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fachartikel
Developing e-Government:
An open and collaborative approach
abstract
Julia Dorothée Stoffregen
In 2011, Kenya launched its Open Data Portal as one of the first developing countries. Following the admission to the
Open Government Partnership, this is just one sign of the rapid and progressive approach since the e-Government
Strategy was launched in 2004. Now, the country strives to realize Mobile Governance, guided by an open and collaborative paradigm which is a major driver for its success. European countries should consider adopting this approach
for their e-Government strategies in the future.
Als Wegbereiter und eines der ersten Entwicklungsländer hat Kenia im Jahr 2011 ein Open Data Portal eingerichtet.
Dies folgte der Aufnahme des Landes in die Open Government Partnership und ist nur ein Zeichen des schnellen
Voranschreitens, welches 2004 mit der e-Government Strategie begann. Nun strebt das Land Mobile Governance an
und die Strategie wird wie zuvor von einem offenen und kooperativen Paradigma geleitet. Europäische Länder sollten
diese Strategie heranziehen und für die Entwicklung künftiger e-Government Konzepte von ihr lernen.
E-Government Concept. In light of a research project in Nai-
robi(1) two aspects appeared as decisive for the successful
development of e-Government in Kenya: the institutional
structure and the open and collaborative paradigm, as will
be outlined in the following.
In Kenya, the Information and Communication Technology Board (Kenya ICT Board) is the key driver of the
institutional progress. Its general mandate is to coordinate
e-Government(2) but by now it has developed the unique
competency to work as an intermediary between the political and the economic sphere. As a contact partner and
collaborative meeting point for entrepreneurs and companies, it receives continuous impulses and gathers innovative ideas, which are translated into public administrations
in return. As a consequence it is not uncommon in central
ministries that cloud computing and information sharing
systems are already in use.
The Kenya ICT Board follows a certain paradigm, similar
to the thought of open development: to be aware, critical
and flexible towards emergent issues and develop arrangements that can handle collaboration and adaptability(3).
Throughout the adoption of e-Government the paradigm
has lead to promising results. On the one hand, innovative
ideas have been gained that raised efficiency of the public service provision. On the other hand, the collaboration
with stakeholders provided direct feedback concerning
obstacles and institutional voids. Hence, the Government
was able to initiate policies and laws to close the loopholes.
With the launch of the Open Data Initiative 2011(4), guided
by the Kenya ICT Board as well, it is thus likely that remaining obstacles of the e-Government realization will
diminish, too. For instance, the low usage of e-Government
services is likely to increase, given that the Open Data
Portal pursues a linked open government data approach(5).
Hence, citizens can find and access e-Government services
directly over the Portal. But the Open Data Initiative has
lead to several more improvements that have been discovered in surveys and interviews (for instance with Kenya
ICT Board members). Key findings will be summarized in
the following.
Results of the research project. Interviewees emphasize
that the availability of data and information has increased
which facilitates the monitoring of politics, to hold politicians accountable and to increase performance of the
public sector. These goals originally referred to the e-Government Strategy of the Government 2004(6) but now, due
to the Open Data Initiative, efforts become apparent. Responses of survey participants correspond with the statements of interviewees and outline that an improvement of
the public service provision and the information availability can be perceived. [figure 1]
Moreover, participants agree that transparency and monitoring will be facilitated and they aspire to understand
political programs more easily. Surveyed participants feel
strong about the enforcement and dissemination of Open
Data and would vote for politicians championing this goal.
[figure 2]
Regarding the obstacles Kenya experiences during the implementation process, interviewees refer to the digital gap
concerning women and people living in rural areas. In order to close this gap, the Kenya ICT Board has shifted the
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fachartikel
| 23
Figure 1: Achievements, n=90
Figure 2: Impact of Open Data, n=90
Learning for the future. The e-Government realization in
Kenya will benefit from the continuous impulses of the
Kenya ICT Board, guided by the paradigm of open development. But more importantly, other Government departments in Kenya are about to adopt and follow the open
and collaborative approach on their part. The Directorate
of e-Government, for example, joined a multi-stakeholder
forum with other East African countries to share experiences and best practices for developing e-Government.(8)
But in these forums Kenya is not simply participant; with
its success the country inspires other developing countries
to strive for similar ambitious concepts.
European countries should consider adopting this open
and collaborative approach for their e-Government concepts, as well. Institutions and responsible administrations
should consider working with entrepreneurs and stakeholders and take the chance to avail of innovative ideas
concerning the implementation process. Besides, also mobile solutions can be developed. This is crucial, since the
e-Government Monitor 2012 has shown that the demand
for services accessible via mobile phones will rise(9). Thus,
solutions created in developing countries today can provide
best practices for our strategies of tomorrow. Therefore European countries and institutions should not hesitate and seize
chances to cooperate openly with stakeholders as well as with
developing countries.
literatur
attention towards Mobile Governance now. Mobile phones
are devices people want to use for accessing data and the
channel which would enable public administrations to
reach 71.3 percent of the population.(7) Survey findings affirm this idea, given that 76.6 percent of participants access
internet with mobile phones on a daily basis.
(1)
Student research project J.Stoffregen, Nairobi 2012.
(2)
Kenya ICT Board.(2007). Service Charter. (1-12), p.2. http://
www.ict.go.ke/images/stories/servicecharter.pdf.
(3)
Smith, M., Elder, L. & Emdon, H.(2011). Open Development: A
New Theory for ICT4D. Information Technology and International
Development. Vol.7/2, (iii-ix).
(4)
https://www.opendata.go.ke/vision.
(5)
Geiger C., von Lucke, J.(2011). Open Government Data. Free
accessible data of the public sector. In Parycek, P., Kripp, M.,
Edelmann, N.(2011). CeDEM11: proceedings of the international
conference on e- democracy and open government. Danube
University Krems, Austria. (183-194), p.183.
(6)
Kenya. (2004). E-government strategy: The strategic
framework, administrative structure, training requirements, and
standardization framework. Nairobi: Republic of Kenya, Cabinet
Office, Office of the President.
(7)
Communication Commission Kenya.(2012). 4th Quarterly
Sector Statistics Report. (1-27), p.6. www.cck.go.ke/resc/
downloads/SECTOR_STATISTICS_REPORT_Q4_11-12.pdf.
(8)
East African Internet Governance Forum 2012. http://www.
eaigf.or.ke/.
(9)
Initiative D21& ipima (2012). E- Government MONITOR
2012. (1-31), p.28f. http://www.tns-infratest.com/presse/pdf/
eGovernmentMONITOR_2012.pdf.
Julia Dorothée
STOFFREGEN
Studentische Mitarbeiterin Deutsche Telekom
Institute for Connected
Cities |TICC der Zeppelin
Universität in Friedrichshafen; [email protected]
zeppelin-university.net
24 |
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fachartikel
Unternehmen als Ideengeber
für Open Innovation-Prozesse
im öffentlichen Sektor
abstract
Ralf Daum
Das Konzept Open Innovation versucht das Wissen Externer in eigene Entwicklungsprozesse einzubeziehen. Es soll
dazu dienen, Produkte und Dienstleistungen kundenfreundlicher bzw. kostenwirtschaftlicher zu gestalten oder vollkommen neue Problemlösungen zu identifizieren usw. Im öffentlichen Sektor hat Open Innovation in erster Linie in
Zusammenhang mit Open Government an Bedeutung gewonnen. Die Einbindung von Bürgerinnen und Bürgern kann
dabei bereits erste Erfolge verzeichnen, eine Öffnung gegenüber privatwirtschaftlichen Unternehmen findet aber
eher selten statt. Der Beitrag zeigt auf, welche Möglichkeiten für die Einbeziehung von Unternehmen bestehen.
Open Government als Grundlage. Bürgerinnen und Bürger
Public Private Innovation. Die stärkere Einbeziehung von
waren im „klassischen“ Electronic Government i.d.R. auf
eine Rolle als isolierte Konsumenten von Inhalten bzw.
Angeboten des öffentlichen Sektors beschränkt. Mittlerweile agieren sie mit Hilfe der Technologien des Web
2.0 als vernetzte Produzenten von Inhalten und können
nahezu ohne Zugangsbarrieren relativ einfach Inhalte,
die den öffentlichen Sektor betreffen, im Internet veröffentlichen, erweitern, ändern oder kommentieren. Der
Begriff „Open Government“ fasst die aus dieser Entwicklung resultierenden Konzepte und Visionen zusammen.(1)
Open Government legt eine wichtige Grundlage für die
Übertragung eines anderen Ansatzes - des Ansatzes der
Open Innovation - auf öffentliche Verwaltungen. Open
Innovation versucht das Wissen Externer in eigene Entwicklungsprozesse zu integrieren. Beispielsweise binden
Unternehmen ihre Kunden über das Crowdsourcing im
Internet bei der Generierung von Lösungsvorschlägen
für Problemstellungen oder Produktinnovationen ein.
Auch im öffentlichen Sektor bieten verschiedene Angebote Bürgern Gelegenheit, mit öffentlichen Verwaltungen
in einen Dialog einzutreten, Innovationsprozesse anzustoßen und die Umsetzung der Ideen zu überwachen.
Beispielsweise steigt kontinuierlich die Zahl der Kommunen, die neue Formen der Partizipation mit elektronischen Bürgerhaushalten erproben und Bürger bei den
Haushaltsplanungen und -beratungen beteiligen. Ebenso
erhöhen öffentliche Verwaltungen zunehmend die Kollaborationsmöglichkeiten mit Hilfe von Online-Portalen,
über die Bürger ggf. auch mobil direkt Beschwerden,
Missstände aber auch Ideen an den öffentlichen Sektor
übermitteln können.(2)
privatwirtschaftlichen Betrieben als Impulsgeber für
Innovationen im öffentlichen Sektor hinkt dieser Entwicklung hinterher. Bereits vorhandene Angebote wie
Bürgerhaushalte oder Beschwerdeportale nutzen Unternehmen eher zurückhaltend. So gut wie keine Beachtung
findet bisher die Einbeziehung der Privatwirtschaft bei
der Lösung von konkreten Problemen bzw. bei der Entwicklung von neuen Produkten und Dienstleistungen
des öffentlichen Sektors. In Abgrenzung zum öffentlichen Vergabewesen geht es bei Public Private Innovation
nicht um klar definierbare Fragestellungen, sondern um
Sachverhalte, für die es aus Verwaltungsperspektive keine
offensichtlichen Beschreibungen bzw. Vergabeunterlagen
über Art und Umfang/Menge der Leistungen gibt. Open
Innovation bietet die Chance, den Wissenstransfer zwischen öffentlichem und privatem Sektor zu verbessern.
Der Nutzen für öffentliche Verwaltungen liegt in der Entwicklung kundenfreundlicher bzw. kostenwirtschaftlicher Prozesse oder vollkommen neuer Problemlösungen
für Verwaltungskunden. Die Unternehmen können die
erworbenen Erfahrungen und Erkenntnisse für die Entwicklung und Vermarktung innovativer Produkte oder
Dienstleistungen nutzen.(3) Solche Open InnovationProzesse funktionieren mittel- bis langfristig nur, wenn
den Kosten, die den privatwirtschaftlichen Unternehmen
durch die Mitwirkung entstehen, ein angemessener Nutzen gegenübersteht. Da ein realer Nutzen nicht garantiert
werden kann, muss der öffentliche Sektor versuchen, die
Kosten, die bei den Unternehmen aufgrund der Beteiligung anfallen, möglichst gering zu halten. Hierfür bieten
moderne Informations- und Kommunikationstechnolo-
fachartikel
gien, insbesondere das Web 2.0, geeignete Instrumente,
um alle relevanten Anspruchsgruppen wirtschaftlich und
wirksam in komplexe Innovationsprozesse einzubinden.
Web 2.0-Werkzeuge zur Kollaboration. Um den Aufwand
für alle Akteure zu minimieren, sollte die synchrone
Kommunikation, die eine zeitliche Abstimmung aller
Teilnehmer erfordert, oder sogar persönliche Treffen,
die die physische Präsenz am selben Ort voraussetzen
und zusätzlich Reisekosten erzeugen, auf ein Minimum
beschränkt werden. Hierzu bieten Web 2.0-Technologien
vielfältige Möglichkeiten für eine Unterstützung der Zusammenarbeit an. Wiki-Tools, Blogs, Bewertungs- und
Kommentierungsfunktionalitäten, die je nach Bedarf
für offene oder geschlossene Benutzergruppen zugänglich sind, unterstützen die asynchrone Kommunikation.
Die Web 2.0-Technologien versetzen die Teilnehmer
in die Lage online Dokumente gemeinsam zu erstellen,
Kommentare auszutauschen, Ergebnisse zu bewerten
und schließlich über die weitere Vorgehensweise abzustimmen. Erfahrungswerte über den Umgang mit diesen
Werkzeugen im öffentlichen Sektor liegen im Bereich
Bürgerhaushalte und Anliegen bzw. Beschwerdemanagementportalen vor. Es fehlt lediglich eine Übertragung
dieser Ansätze auf die Kommunikation und Zusammenarbeit mit Unternehmen.(4)
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bride Veranstaltungsformate (real und online) angeboten
werden. Es entstehen Innovation-Communities, in denen
regelmäßig Akteure aus Verwaltung und Unternehmen
zusammenfinden, um gemeinsam an dem Innovationsvorhaben zu arbeiten.
Ausblick und Projektidee. Die Stadt Mannheim versucht in
Zusammenarbeit mit der DHBW Mannheim einen Open
Innovation-Prozess mit Unternehmen als Ideengeber zu
starten. Eingebunden sind die Organisationsentwicklung und der Fachbereich Wirtschafts- und Strukturförderung der Stadt. Die Organisationsentwicklung kennt
das gesamte Spektrum an offenen Themen innerhalb der
Stadtverwaltung und kann Open Innovation als unterstützende Maßnahme für eigene Projekte einsetzen. Der
Fachbereich Wirtschafts- und Strukturförderung nimmt
eine vermittelnde Rolle wahr. Als Dienststelle der Stadt
Mannheim besitzt er das Vertrauen der Stadtverwaltung.
Gleichzeitig verfügt er über Informationen sowie Kontakte zur Privatwirtschaft und hat ein originäres Interesse, dass Unternehmen neue Geschäftsmodelle entwickeln. Insofern lädt er im nächsten Schritt zu einer realen
Auftakt- bzw. Impulsveranstaltung ein, in der ein Thema
vorgestellt sowie mit den interessierten Unternehmen
die weitere Vorgehensweise, insbesondere der Einsatz
von Web 2.0-Technologien, diskutiert und abgestimmt
wird.
literatur
Ideenwettbewerbe. Im Rahmen von Ideenwettbewerbe
stellen öffentliche Verwaltungen im Internet OnlinePlattformen bereit, auf denen sich interessierte Unternehmen umfassend über die Inhalte des Wettbewerbs informieren, bei Bedarf mit der Verwaltung kommunizieren
und Vorschläge abgeben können. Unterstützt durch
passende Marketing-Aktivitäten und die Ausschreibung
von Preisen erreichen öffentliche Verwaltungen mit vertretbarem Aufwand eine große Anzahl an Unternehmen,
die wiederum die Aussicht auf einen Preis antreibt. Allerdings setzen Ideenwettbewerbe eine Formulierung der
offenen Fragestellungen voraus, die die Problemlage klar
verdeutlicht und Unternehmen zur Auseinandersetzung
mit der Thematik motiviert.(5)
(1)
Lucke, Jörn von: Open Government - Öffnung von Staat
und Verwaltung, in: Lucke, Jörn von (Hrsg): Entdeckung,
Erkundung und Entwicklung 2.0: Open Government, Open
Government Data und Open Budget 2.0, Berlin 2012, S.
53-104.
(2)
Hilgers, Dennis: Open Government: Theoretische Bezüge
und konzeptionelle Grundlagen einer neuen Entwicklung
in Staat und öffentlichen Verwaltungen, in: Zeitschrift für
Betriebswirtschaft, 82. Jg., 2012, Heft 6, S. 631-660.
(3)
Reale Veranstaltungen/Persönlicher Kontakt.Die Erfahrun-
gen im Bereich Open Government zeigen, dass erfolgreiche Konzepte häufig die Online-Kommunikation mit
persönlichen Kontakten/Treffen verknüpfen.(6) Insbesondere als Auftakt- bzw. Impulsveranstaltung hat sich der
persönliche Austausch in Gesprächen und Diskussionen
meist in Verbindung mit einer professionellen Moderation bewährt. Reale Veranstaltungen erleichtern zudem
den Kontakt mit Unternehmen, die Web 2.0-Instrumente
bislang eher zurückhaltend einsetzen. Sie dienen außerdem dazu, die Akzeptanz von solchen Mitteln in Erfahrung zu bringen. Gegebenenfalls müssen, wenn viele oder
relevante Unternehmen diese Form der Kommunikation
nicht nutzen wollen, während des gesamten Prozesses hy-
| 25
Herzberg, Johann: Staatsmodernisierung durch Open
Innovation: Problemlage, Theoriebildung, Handlungsempfehlungen, Berlin 2012.
(4)
Daum, Ralf: Open Innovation als Teil der Verwaltungsmodernisierung, in: Innovative Verwaltung, 34. Jg., 2012, Heft
10, S. 35-37.
(5)
Möslein, Kathrin M.; Neyer, Anne-Katrin: Open Innovation
- Grundlagen, Herausforderungen, Spannungsfelder, in:
Zerfaß, Ansgar; Möslein, Kathrin M. (Hrsg.): Kommunikation
als Erfolgsfaktor im Innovationsmanagement, Wiesbaden
2009, S. 85-103.
(6)
Koch, Giordano u.a.: Funktionsmechanismen einer Open
Government Plattform, in: eGovernment Review, 4. Jg.,
2012, Nr. 9, S. 20-21.
Prof. Dr. Ralf DAUM
Studiengänge Öffentliche
Wirtschaft und Wirtschaftsförderung
Duale Hochschule
Baden-Württemberg,
Mannheim; [email protected]
dhbw-mannheim.de
26 |
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fachartikel
Bundeskonferenz
unterstreicht Bedeutung der
Netzwerkkommunikation
abstract
David H. Fenner I Volkmar Kese
Die im Rahmen der EU-Dienstleistungsrichtlinie umgesetzten Einheitlichen Ansprechpartner veranstalten jährlich eine
Konferenz zum Erfahrungsaustausch. Die im nachstehenden Beitrag dargestellten Ergebnisse eines vorher durchgeführten Praxistests zur Ermittlung der Barrieren bei der elektronischen Verfahrensabwicklung wurden auf der Bundeskonferenz vorgestellt und in Workshops zur weiteren Diskussion eingespeist. Das von den Verfassern entwickelte
Netzwerkkonzept traf dabei auf reges Interesse. Dieser Konferenzbeitrag wird hier vorgestellt, um das Interesse an
den Potenzialen der Netzwerkkommunikation zu verdeutlichen.
Einführung. Die deutschen Einheitlichen Ansprechpartner
(EAs) veranstalten jährlich eine durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie veranstaltete
Bundeskonferenz zum Erfahrungsaustausch mit dem Ziel
der gemeinsamen Etablierung von Best Practices. An der
diesjährigen Veranstaltung vom 25.–26.9.2012 in Berlin
waren nationale und internationale Vertreter, Verbände, Behörden und Forschungsinstitute vertreten, u. a. die
EU-Kommission und das schwedische National Board
of Trade. Auch das Institut für Angewandte Forschung
(IAF) an der Hochschule für öffentliche Verwaltung und
Finanzen Ludwigsburg wurde eingeladen, aktuelle Ergebnisse des Forschungsprojekts Verwaltungsmodernisierung
durch Europäisierung vorzustellen. Ziel des Vortrags des
IAF und der anschließenden Workshop-Diskussionen zu
verschiedenen EA-relevanten Themen war die erneute
Praxisvalidierung der Lösungsansätze.
Praxistest zur Ermittlung der Barrieren. In Vorbereitung
auf die Bundeskonferenz wurde ein Praxistest in Kooperation mit EAs in Baden-Württemberg durchgeführt. Ziel
des Tests war die Ermittlung von konkreten Kommunikationsbarrieren in der elektronischen Verfahrensabwicklung und die Verknüpfung mit den Lösungsansätzen des
IAF. Die bewusste Auswahl eines einfachen grenzüberschreitenden Sachverhaltes sollte aufzeigen, dass selbst
bei simplen Konstellationen nicht unerhebliche Hürden
die Kommunikation für ausländische Unternehmer – den
eigentlichen Adressaten der EU-Dienstleistungsrichtlinie
(EU-DLR)(1) – erschweren. Grenzüberschreitende Sachverhalte lösen mit zunehmender Komplexität sogar einen
exponentiellen Zuwachs an Problemen aus. Basierend auf
realen Erfahrungen wurde daher der fiktive Fall eines slo-
wenischen Maurers entwickelt, der keine Niederlassung
anstrebte, sondern lediglich einen sechswöchigen Auftrag
in Deutschland erledigen wollte.
Ergebnis: Weiterhin erhebliche Barrieren zur Inanspruchnahme. In der nachstehenden Grafik werden aufgrund der Er-
fahrungen des Praxistests die bestehenden Barrieren aufgezeigt, die die Antragsstellung für den Unternehmer und
die Arbeit des EA beeinträchtigen. Eine Verfahrensvereinfachung oder -beschleunigung im Sinne der EU-DLR ist
daher momentan nicht möglich. Insgesamt dauerte die
bloße Auskunftserteilung, die den Unternehmer erst in die
Lage versetzen sollte, ein einfaches Verfahren anzustoßen,
fast vier Nettoarbeitsstunden. Darüber hinaus wurde aber
die ununterbrochene Aufmerksamkeit des EA benötigt,
da ein hohes Maß an persönlicher Kommunikation und
Nachforschung nötig war. Nach gegenwärtigem Stand
könnten daher nur zwei Informationsanfragen pro Tag
abgearbeitet werden. Dieser Zeitaufwand könnte sich zwar
aufgrund erhöhender Erfahrungswerte künftig reduzieren,
aber ohne eine bessere Vernetzung der zuständigen Behörden wird diese Entwicklung nicht nur verzögert, sondern
auch begrenzt. So müssen weitere Gespräche geführt werden, um die Validität der Aussagen bei unterschiedlichen
Sachverhalten zu überprüfen. Bei komplizierteren Fällen,
bei der tatsächlichen Abwicklung von Verfahren oder
selbst bei fehlenden Sprachkenntnissen seitens des Unternehmers erhöht sich der Koordinierungs-, Übersetzungsund Nachforschungsaufwand für den EA exponentiell.
Problemlösungsansatz: Netzwerkkonzept. Die Verfasser se-
hen Lösungsansätze in der Etablierung eines grenzüberschreitenden Netzwerks, das auf der Bundeskonferenz
fachartikel
vorgestellt wurde. Dabei müssten die EAs sich allerdings
nicht nur untereinander, sondern auch mit den zuständigen Behörden im Inland vernetzen.
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| 27
tatsächlich erleichtert werden. Damit würde gewährleistet,
dass der ausländische Unternehmer, EU-DLR-gemäß verwaltungsaufwandreduzierend, nur einmal mit der Verwaltung in seiner eigenen Sprache interagieren muss.
EA-Vernetzung. Indem sich die EAs nach dem Prinzip der
EA-Kette(2) miteinander vernetzen, könnten sie in gemeinsamer Zusammenarbeit problemlos Informationen beschaffen bzw. Verfahren abwickeln. Bei einem grenzüberschreitenden Fall würde der Unternehmer zuerst auf seinen
landeseigenen EA zugehen. Dieser EA kontaktiert über das
Netzwerk den deutschen EA und agiert nun als Vermittler zwischen dem Unternehmer und dem ausländischen
EA, der die Informations- oder Genehmigungsauskünfte
erteilt. Dadurch werden zunächst die Sprachbarrieren für
den Unternehmer effektiv überbrückt. EAs könnten auch
die jeweiligen Rechtskenntnisse oder Sprachkompetenzen
anderer ausländischer EAs nutzen, um Unternehmern die
nötigen Formulare und Vorgänge in einer verständlichen
Sprache zu erläutern. Auch könnten Unternehmer mit ihrer elektronischen Signaturkarte ihren nationalen EA in
Anspruch nehmen, der nach einer entsprechenden Überprüfung die unterschriebenen und damit rechtlich verbindlichen Dokumente weiterleiten würde.
EA als One-Stop-Shop. Sind die zuständigen Behörden auch
werkkonzept des IAF traf auf dieser Bundeskonferenz
workshopübergreifend auf reges Interesse und wurde auch
gerade von Praktikern interessiert bestätigt. So kooperieren einige EAs (z. B. Sachsen) bereits verwaltungsvereinfachend für den Unternehmer mit EAs im Ausland. Auch
die Vernetzung mit den zuständigen Behörden ist in manchen Ländern als besonders bedeutend erkannt worden.
So stellte die Region Ostwestfalen-Lippe als konkretes Beispiel für Bürokratieabbau deren behördenübergreifende
Netzwerkvereinbarung vor.(3) Die Vereinbarung hat sich
zum Ziel gesetzt, ein regionales Netzwerk zur Unterstützung des EA und zur Förderung der Ziele der EU-DLR zugunsten der Unternehmen zu betreiben. Die bisherigen Erfahrungen damit sind sehr positiv und das Netzwerk hat zu
einer hohen Nutzungsquote des EA beigetragen. Auch ist
in der Diskussion die Bedeutung der kooperativen Netzwerkkommunikation für weitere EA-relevante Themen (u.
a. europaweite Öffentlichkeitsarbeit und Kooperation bei
inkompatiblen elektronischen Signaturen) hervorgehoben
worden.
anspruchnahme der EAs, die der Verwirklichung der
EU-DLR-Ziele im Wege stehen. Das vom IAF erarbeitete
Netzwerkkonzept zur Lösung dieser Probleme ist in der
Praxis auf reges Interesse gestoßen, da auch entsprechende
Praktikererfahrungen positiv ausgefallen sind und zur Erhöhung der Inanspruchnahme der EAs beigetragen haben.
Das IAF jedenfalls forscht auch im Jahr 2013 weiter an diesem Lösungsansatz.
(1)
Fenner, D. H./Kese, V., Die Weiterentwicklung des
Einheitlichen Ansprechpartners: Netzwerkbildung und
Erweiterung der Netzwerkkompetenz in der öffentlichen
Verwaltung, in: apf 7/2012, BW 50.
(2)
Fenner, D. H./Kese, V., Die „EA-Kette“ – Ein neuer
Ansatz zur Verfahrensvereinfachung, in: eGovernment
Review, 1/2012, S. 19.
Abb. 1: Prozesshürden bei der Informationsbeschaffung; Quelle:
Eigene Darstellung
David H. FENNER
Hochschule für öffentliche
Verwaltung und Finanzen
Ludwigsburg; [email protected]
hs-ludwigsburg.de
Fazit. So bestehen weiterhin erhebliche Barrieren bei In-
literatur
in das Netzwerk integriert, kann eine sofortige Antragsweiterleitung bzw. eine schnellere Informationsbeschaffung
erfolgen. Netzwerke wären daher bei der Etablierung von
Front- und Back-Office-Strukturen zur Realisierung eines
One-Stop-Shops sehr hilfreich. Diese Strukturen sind gerade zur Erfüllung der EU-DLR-Ziele zwingend notwendig.
Nur so kann eine Bündelung der Verwaltungsleistungen
an einer Stelle, also beim Front-Office (EA), erfolgen. Erst
durch die gute Vernetzung zu den Back-Offices, die die tatsächliche Verwaltungsleistung erbringen, kann der Zugang
des Unternehmers zu den öffentlichen Leistungsangeboten
Bedeutung des Netzwerkkonzepts in der Praxis. Das Netz-
(3)
EA Ostwestfalen-Lippe, http://www.ea-owl.de/
Prof. Dr. Volkmar KESE
Hochschule für öffentliche
Verwaltung und Finanzen
Ludwigsburg; [email protected]
hs-ludwigsburg.de
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fachartikel
Herausforderungen für integrierte
Geodienste zur Unterstützung des
E-Government
abstract
Hardy Pundt I Sirko Scheffler I Ronny Weinkauf
Die europäische INSPIRE Richtlinie und das Gesetz zur Regelung des Zugangs zu Geoinformation sind Grundlagen, um den Aufbau von Geodateninfrastrukturen (GDIen) gesetzeskonform weiter voranzutreiben. Darüber hinaus sind aktuelle technologische Entwicklungen zu beachten, welche die gesamte IT-Infrastruktur in öffentlichen
Einrichtungen betreffen, innerhalb derer Geodienste eine wichtige Komponente darstellen. Der Beitrag stellt in
dieser Hinsicht einige aktuelle technologische Trends und Herausforderungen in Bezug auf das eGovernment dar,
die gleichermaßen als Beleg der Notwendigkeit praxisnaher, angewandter Forschung gelten können.
Geodateninfrastrukturen. Geodateninfrastrukturen sind
komplexe Netzwerke, in denen Datenproduzenten, Datennutzer und Softwareentwickler kooperieren. Ein Ziel
ist dabei, die Geoinformationen und die Dienste zu ihrer
Verarbeitung für Wirtschaft, Verwaltung und Bürgerinnen und Bürger möglichst einfach zugänglich und nutzbar zu gestalten. Bezüglich des eGovernment müssen die
entsprechenden Dienste nicht nur in die gesetzlichen
Rahmenbedingungen, sondern auch in die bestehende
IT-Infrastruktur eingebettet oder in zukünftige Konzepte eingepasst werden.
Der Aufbau von Geodateninfrastrukturen erfordert
standardisierte Webdienste, die z. T. auch mobil verfügbar sein sollten(2,7). Dabei wird auf den Portalgesteuerten, interoperablen Austausch von raumbezogenen Informationen und Diensten zu ihrer
Weiterverarbeitung abgezielt (Abb. 1). Hier ist die Konformität von Daten und Diensten mit den Spezifikationen und Standards des Open Geospatial Consortium
(OGC) und der International Standards Organization
(ISO) als unabdingbare Voraussetzung zu beachten.
Deren Einpassung in die Anforderungen der INSPIRE
Richtlinie und den nationalen Gesetzesrahmen ist eine
weitere Herausforderung.
Nutzeranforderungen im Fokus: Zielsetzungen für die Angewandte Forschung. Die Arbeitsgruppe Geoinformations-
systeme am Fachbereich Automatisierung & Informatik
der Hochschule Harz arbeitet bereits seit Längerem mit
der brain-SCC GmbH Merseburg im Bereich ‚Geo-Applikationen‘ zusammen(5). Hier geht es um die Konzeption und Umsetzung webbasierter und mobiler Geodienste, deren technologische Komponenten auch für
eGovernment-Anforderungen Einsatz finden können.
Ein sowohl in der eGovernment-Praxis, als auch in der
Forschung genutztes Produkt ist das brain-GeoCMS® bestehend aus einer leistungsfähigen Geodienste-Plattform
und einem Content Management System (CMS) mit spezieller Erweiterung für Geodaten.
Das brainGeo-CMS® erfüllt sowohl die Standards des
Open Geospatial Consortiums, als auch diejenigen der
INSPIRE Richtlinie. Mittels des brainGeo-CMS® können kommunale Verwaltungen, Landeseinrichtungen
oder andere Organisationen ihre Geodaten erfassen,
verwalten und anderen Dienststellen oder der Öffentlichkeit verfügbar machen. Das brainGeo-CMS® kann
somit als ein zentraler Bestandteil der in Abb. 1 gezeigten Struktur fungieren.
Das brainGeo-CMS wird außerdem im Rahmen der
Forschung eingesetzt und bildet ein Standbein der
Kooperation zwischen Hochschule Harz und brainSCC GmbH. Dabei zeigt sich, dass die Technologie
eine gute Grundlage für neue Applikationen darstellt,
beispielsweise zur Realisierung Smartphone-basierter
touristischer Anwendungen(5).
Cloud Computing, Open Data, Open Government. Da zur Re-
alisierung komplexer IT-Infrastrukturen in Wirtschaft
und Verwaltung immer auch finanzielle und personelle
Grenzen zu berücksichtigen sind, erhält der allerorten
erwähnte Begriff ‚Cloud Computing‘ eine herausragende
Bedeutung. Hier wird eine Möglichkeit gesehen, bezüglich der Speicherung und Administration von Daten zu
wirtschaftlichen Lösungen zu gelangen(4). Die Auslagerung spezieller Serviceleistungen ‚in die Cloud‘ gilt als
ein Mittel für öffentlich-rechtliche Einrichtungen, um
Kosten zu sparen und die Effizienz bei der Daten- und
Dienstebereitstellung zu erhöhen. Die ‚Cloud‘ erfor-
fachartikel
eGovernment Review | www.egovernment-review.org | Nr. 11 | Januar 2013
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Abb. 1: Datenaustausch in unkoordinierter Beziehung
und über eine Geodateninfrastruktur (GDI)(6),
© Torsten Bohlmann, 2009.
Ausblick. Es zeichnet sich ab, dass die traditionellen Gren-
zen zwischen Daten- und Diensteanbietern und Nutzern
mehr und mehr aufgelöst werden. Die Interaktion mit
dem Nutzer steht zunehmend im Vordergrund: Nutzer
rufen nicht nur Daten ab, sie kommentieren, ergänzen,
verändern sie(1). Während in der staatlichen Verwaltung
in den USA schon 2009 seitens Präsident Obama zu
mehr Transparenz, Partizipation und Kollaboration über
das Internet aufgerufen wurde, scheint dieses Ziel mittlerweile auch in Europa und speziell Deutschland auf
oberster Ebene Berücksichtigung zu finden. Das Bundesministerium des Innern (BMI) hat mit dem Open-DataWettbewerb ‚Apps für Deutschland‘ einen Startschuss
gegeben, des Weiteren werden Abstimmungen zu Open
Data und den anfangs genannten Geodatenzugangsgesetz und INSPIRE vorgenommen.
Diese Entwicklungen müssen in Forschung und Praxis
Eingang finden. Für die Angewandte Forschung stellen sich neue Fragen:
•W
elche Konsequenzen ergeben sich aus INSPIRE
und Geodatenzugangsgesetz sowie anderen Gesetzen und Richtlinien für die Weiterentwicklung von
Geodateninfrastrukturen, die zukünftig auf die
Datenhaltung ‚in der Cloud‘ setzen ?
•W
elche neuen Anforderungen ergeben sich für
‚Cloud Computing‘ einerseits, für webbasierte
und mobile Geodienste andererseits bezüglich der
Datensicherheit? Gerade im eGovernment sind
- auch in Zusammenhang mit dem Thema ‚Open
Data‘ - oft Grenzen gesetzt, wenn personalisierte
oder auch solche Daten innerhalb von Verwal-
tungen oder zwischen Behörden und Privatunternehmen auszutauschen sind, die beispielsweise
Liegenschaften, Privateigentum oder sensible
wirtschaftliche oder soziale Sachverhalte betreffen.
• Welche digitalen Authentifizierungsmechanismen
für Daten und Dokumente sind ausreichend, wo
müssen sie verbessert werden, auch in Hinblick
auf den neuen Personalausweis (nPA) ?
• Wie wird sich das Verhältnis von offenen Geodaten und amtlichen Geodaten entwickeln, welche
Daten erfüllen die Anforderungen, die seitens des
eGovernment gestellt werden, welche nicht?
Dies sind nur einige der Fragen, derer Beantwortung
sich die Partner in der oben erwähnten Projektkooperation annehmen wollen. Eine Strategie kann dabei die
Definition spezieller Fallbeispiele (Use-cases) sein, die in
Zusammenarbeit mit öffentlichen Institutionen mittels
der erwähnten Technologien zu prototypischen Diensten umgesetzt werden mit dem Ziel, sowohl deren Standard- und Gesetzeskonformität zu prüfen als auch die
praktische Nutzbarkeit (Usability) zu testen.
literatur
dert, wie ‚traditionelle‘ Infrastrukturen, konkrete Hardwarekonfigurationen und Web- bzw. Softwarelösungen,
die wiederum Gesetzes- und standardkonform und damit auf spezielle eGovernment-Ziele hin abgestimmt
sein müssen.
Als weitere Herausforderung sind die Entwicklungen,
die gegenwärtig unter dem Begriff ‚OpenData‘ in der
Diskussion sind, zu berücksichtigen. Die Kommission für Geoinformationswirtschaft des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie (GIW-Kommission) arbeitet daran, Lizenzen, Datenschutz und
Preismodelle im Geoinformationsbereich zu harmonisieren(3). Dies schließt das Thema Open Data (und
Open Government) ein(1).
(1)
Lenk. Kern rasanter Entwicklungen. gis.trends+markets,
Ausgabe 6/2012.
Prof. Dr. Hardy PUNDT
Hochschule Harz;
[email protected]
Dipl.-Wirtsch.-Inf.
Sirko SCHEFFLER
brain-SCC GmbH;
[email protected]
(2)
Palka, Schreiber, Wolf, Krcmar. Mobile Government - quo
vadis 2012+? eGovernment Review Nr. 10, Juli 2012.
(3)
Reichling. Staatliche Daten brauchen eine einfache und
amtliche Lizenz. gis.trends+markets, Ausgabe 6/2012.
(4)
Schomakers. Wirtschaftliche Aspekte des Cloud Computing. ArcAktuell 03/2012, Kranzberg.
(5)
Spangenberg, Pundt, Weinkauf, Scheffler. Use-case-orientierte Entwicklung standardisierter Schnittstellen zwischen
mobilen Systemen und Geofachdatenserver. Löwner, Hillen,
Wohlfahrt (Hrsg.): Geoinformatik 2012. Aachen: Shaker Verlag.
(6)
Weinkauf. [Online] [Zugriff am 17.11.2012] Tutorial GDI.
http://www.ronny-weinkauf.de/index.php?id =tutorialgdi.
(7)
Zipf. Mobile Anwendungen auf Basis von Geodateninfrastrukturen -von LBS zu UbiGIS. In: Bernard, Fitzke, Wagner
(Hrsg.), Geodateninfrastruktur.Heidelberg: Wichmann-Verlag.
(8)
Miller. Cloud Computing, Web-Based Applications That
Change the Way You Work and Collaborate Online, Indianapolis, USA, 2009.
Prof. Dr. Ronny
WEINKAUF
brain-SCC GmbH;
[email protected]
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fachartikel
Authentische und integritätsgesicherte Verwaltungsdaten
abstract
Klaus Stranacher I Vesna Krnjic I Thomas Zefferer
In den letzten Jahren konnte Open Government Data zunehmend an Bedeutung gewinnen. Für die öffentliche
Bereitstellung von Verwaltungsdaten wurden bisher jedoch keinerlei Anforderungen hinsichtlich der Authentizität und Integrität solcher Daten festgelegt. Zur Steigerung der Vertrauenswürdigkeit offener Verwaltungsdaten
bieten sich herkömmliche elektronische Signaturen an. Im Falle einer zum Schutz privater Daten notwendigen
Anonymisierung kann durch den Einsatz sogenannter Redigierbarer Signaturen die Vertrauenswürdigkeit bereitgestellter Daten weiterhin zuverlässig sichergestellt werden.
Open Data ist eine Entwicklung der letzten Jahre, die
auch vor dem E-Government-Sektor nicht halt gemacht
hat. Der Begriff Open Government Data (OGD) bezeichnet dabei jene „Datenbestände des öffentlichen Sektors, die von Staat und Verwaltung im Interesse der
Allgemeinheit ohne jedwede Einschränkung zur freien
Nutzung, zur Weiterverbreitung und zur freien Weiterverwendung frei zugänglich gemacht werden“(4). Innerhalb Österreichs wurde im Juli 2011 die Cooperation
Open Government Data Österreich(5) gegründet, deren
Ziel die Schaffung einer gemeinsamen Basis für die Veröffentlichung von offenen Verwaltungsdaten ist.
Anforderungen an Open Government Data. Zur Bereitstellung
von offenen Daten im Rahmen von Open Government
Data wurde eine Reihe von allgemeinen Anforderungen
definiert. Die Open Government Arbeitsgruppe(2) veröffentlichte hierzu acht Prinzipien, die so weit wie möglich
eingehalten werden sollen. Diese Prinzipien sind: (a)
Vollständigkeit der Daten, (b) Verwendung von Primärquellen, (c) Aktualität der Daten, (d) uneingeschränkter
Zugang, (e) Maschinenlesbarkeit, (f) nichtdiskriminierender Zugang, (g) Verwendung nichtproprietärer Datenformate und (h) Lizenzfreiheit.
Diese Grundsätze enthalten jedoch keinerlei Anforderungen hinsichtlich der Sicherstellung der Vertrauenswürdigkeit der Daten. Abhängig vom jeweiligen
Anwendungsszenario können jedoch zwei weitere
Anforderungen formuliert werden: (i) Datenintegrität
und Authentizität sowie (ii) Anonymisierung. Die erste
Anforderung ermöglicht es Bezieherinnen und Bezieher von OGD, unerlaubte Veränderungen der veröffentlichten Daten zu überprüfen (Datenintegrität), wohingegen Authentizität die Feststellung der Identität
der OGD-Bereitstellerin bzw. des OGD-Bereitstellers
erlaubt. Die zweite Anforderung definiert die Möglichkeit, Daten unter Beibehaltung der Datenintegrität und
Authentizität zu anonymisieren. Da personenbezogene Daten im Allgemeinen von einer Veröffentlichung
ausgeschlossen sind, kann eine entsprechende Anonymisierung der zu veröffentlichenden Daten notwendig sein.
Elektronische Signaturen. Das geeignete Mittel zur Wah-
rung der Integrität und Authentizität von Daten sind
elektronische Signaturen. Bei konventionellen Signaturverfahren führt dabei jede Änderung der signierten Daten unweigerlich zu einer ungültigen Signatur, d. h. die
Empfängerin bzw. der Empfänger kann nicht mehr von
der Vertrauenswürdigkeit der erhaltenen Daten ausgehen. Es existieren jedoch Anwendungsfälle, in denen eine
nachträgliche Änderung der signierten Daten – für designierte Personen – ermöglicht werden soll, ohne dass
die aufgebrachte Signatur durch die durchgeführten Änderungen ihre Gültigkeit verliert. Dieses Konzept wurde
unter dem Namen Redigierbare Signaturen bekannt(3).
Vertrauenswürdiges Open Government Data. Durch die
Erfüllung der erweiterten Anforderungen an Open
Government Data kann eine Steigerung der Vertrauenswürdigkeit von Open Government Data erreicht werden.
Basierend auf den oben definierten erweiterten Anforderungen können prinzipiell zwei Anwendungsfälle unterschieden werden.
Abbildung 1 zeigt den ersten Anwendungsfall. In der
Domäne der OGD-Bereitstellerin bzw. des Bereitstellers
befindet sich die Original-Datenquelle. Diese Daten
werden nun vor der Veröffentlichung von der Bereitstellerin bzw. dem Bereitsteller signiert. Der Bezieherin
bzw. dem Bezieher stehen diese Daten anschließend
als vertrauenswürdiges OGD zur Verfügung. Zur Über-
fachartikel
eGovernment Review | www.egovernment-review.org | Nr. 11 | Januar 2013
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Abb. 1: Authentisches und integritätsgesichertes OGD (Anwendungsfall 1)
Abb. 2: Authentische und integ-
DI Klaus STRANACHER
E-Government Innovationszentrum (EGIZ);
[email protected]
gv.at
ritätsgesicherte Anonymisieren
(Anwendungsfall 2)
Der zweite Anwendungsfall wird in Abbildung 2 dargestellt und deckt jene Fälle ab, in denen sich in der
Original-Datenquelle personenbezogene Daten befinden, die damit verknüpften allgemeinen Daten aber
dennoch als OGD veröffentlicht werden sollen. Die personenbezogenen Daten müssen daher anonymisiert
werden. Um die Gültigkeit der Signatur nach dem Anonymisierungs-Prozess zu erhalten, können Redigierbare Signaturen eingesetzt werden. Die Bereitstellerin
bzw. der Bereitsteller der Daten erstellt eine Signatur
über die nicht-anonymisierten Daten und legt eine
(oder mehrere) Personen fest, die eine Anonymisierung durchführen dürfen. Im Anonymisierungs-Prozess
führt diese Person eine Schwärzung der entsprechenden Textstellen durch und aktualisiert die Signaturdaten. Anschließend werden die anonymisierten Daten
und die Signaturdaten der Bezieherin bzw. dem Bezieher zugänglich gemacht. Die Bezieherin bzw. der Bezieher kann in Folge die Signatur über die Original-Daten
prüfen (ohne Wissen der personenbezogenen Daten)
und kann – bei einer positiven Signaturprüfung – von
authentischen und integritätsgesicherten Daten ausgehen.
Fazit. Das hier präsentierte Konzept trägt zu einer Steige-
rung der Vertrauenswürdigkeit offener Verwaltungsdaten
bei und wurde auch bei der 1. Open Government Data
Konferenz D-A-CH-LI vorgestellt. Der entsprechende Beitrag findet sich im Tagungsband der Konferenz(1)
und gibt einen detaillierteren Einblick. Die vorgestellte
Lösung lässt sich auch auf Anwendungen außerhalb von
OGD adaptieren. So befasst sich der Beitrag in(6) auch mit
der Gewährleistung der Authentizität und Integrität für
Daten, die im Rahmen der EU PSI-Richtlinie(7) zur Verfügung gestellt werden.
Vesna KRNJIC BSc
E-Government Innovationszentrum (EGIZ);
[email protected]
literatur
prüfung der Authentizität und Integrität kann die elektronische Signatur geprüft werden. Fällt diese Prüfung
positiv aus, so wurden die Daten nach ihrer Veröffentlichung nachweislich nicht verändert und wurden auch
nachweislich von der angegebenen Stelle veröffentlicht.
(1)
Klaus Stranacher, Vesna Krnjic, Thomas Zefferer; Vertrauenswürdiges Open Government Data – Authentizität und Integrität für öffentliche Verwaltungsdaten; Open Government
Data Konferenz D-A-CH-LI; Seite 27-39; Oktober 2012.
(2)
Open Government Working Group, 8 Principles of Open
Government Data; 2007.
(3)
D.Slamanig, S.Rass; Redigierbare Signaturen: Theorie und
Praxis; Datenschutz und Datensicherheit; Bd. 35; Nr. 11;
Seite 757-762.
(4)
Jörn von Lucke, Christian P. Geiger: Open Government
Data – Frei verfügbare Daten des öffentlichen Sektors; 2010.
(5)
Cooperation OGD Österreich, data.gv.at – offene Daten
Österreichs; 2012; http://www.data.gv.at./
(6)
Klaus Stranacher, Vesna Krnjic, Thomas Zefferer; Trust
and Reliability for Public Sector Data; ICBG - International
Conference on e-Business and e-Government; Jänner 2013;
(Veröffentlichung im Jänner 2013).
(7)
Richtlinie 2003/98/EG des Europäischen Parlaments und
des Rates vom 17. November 2003 über die Weiterverwendung von Informationen des öffentlichen Sektors; 2003.
DI Thomas ZEFFERER
Zentrum für sichere Informationstechnologie –
Austria (A-SIT); thomas.
[email protected]
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fachartikel
Was die Handy-Signatur
(schon) alles kann …
abstract
Peter Reichstädter
Um digitale Amtswege sicher und nachvollziehbar durchführen zu können, muss die Identität der Antragstellerin
bzw. des Antragstellers zweifelsfrei festgestellt werden können. Dazu bedarf es eines elektronischen Werkzeugs,
das BürgerInnen und Wirtschaftstreibende eindeutig ausweist. Dieser elektronische Ausweis ist die Bürgerkarte
(www.buergerkarte.at). Seit Ende 2009 können die BürgerInnen zwischen zwei Ausprägungsformen der Bürgerkarte
wählen: der bekannten kartenbasierten Variante, bei der z. B. die e-card zur „Bürgerkarte“ aktiviert wird und einer
mobilen Lösung, der „Handy-Signatur“. Bei der Handy-Signatur (Bürgerkartenfunktion am Mobiltelefon) sind keine
Chipkarten, Kartenleser oder Softwareinstallationen am lokalen Rechner notwendig, um sich im Internet eindeutig
auszuweisen oder Dokumente einfach und sicher elektronisch zu unterschreiben und sich gleichzeitig vor ungewollten Manipulationen zu schützen. Deshalb stellt diese Form der ‚Bürgerkarte‘ durchaus auch eine sehr interessante Möglichkeit für die Verwendung mit iPad, Android tablets, … aber auch Smartphones dar.
Als mögliche Herausforderung für eine breitflächige Verwendung der Handy-Signatur zum Zwecke der sicheren
und nachvollziehbaren Verwendung von Services steht
für Verwaltungen aber auch für den Privat-Bereich die
Integration von Modulen, welche sowohl den Einsatz
von Handy-Signaturen aber auch die Verwendung von
elektronischen Vollmachten unterstützen – die sogenannten Module für Online Applikationen (MOAs) in der
Form für ‚Identifikation‘ (MOA-ID) aber auch z. B. Signatur
und Signaturprüfung (MOA-SS/SP). Diese Module stellt
die österreichische E-Government Strategie Entwicklung kostenfrei Behörden aber auch Unternehmen zur
Integration in Ihre Portale oder Services zur Verfügung
(www.egovlabs.gv.at) – der Vorteil der Integration in z.
B. das Einstiegsportal liegt auf der Hand: Verfahren innerhalb des Portals können dann authentifiziert genutzt
werden, ohne erneute Authentifizierungsmechanismen
ansprechen zu müssen. Sehr viele Applikationen & Services haben diesen Gedanken bereits aufgegriffen und
stellvertretend für die ‚Lebensituations‘ bedingte Aufstellung von E-Government Verfahren, möchten wir Ihnen hier fünf Möglichkeiten aufzeigen, um es damit Ihrer
Phantasie zu überlassen, einen Einsatz in Ihrem Umfeld
zu überlegen bzw. durch zu führen:
Fallbeispiel 1: Stimmkarte/Wahlkarte
Bekanntermaßen entstehen den Städten und Gemeinden durch den Versand von Wahl- bzw. Stimmkarten
beträchtliche Postgebühren. Mit dem Wahlrechtsänderungsgesetz 2011 wurde die Nationalratswahlord-
nung 1992 geändert. Demnach sind Wahlkarten bei
Nationalratswahlen im Falle einer postalischen Versendung an die AntragstellerInnen grundsätzlich mittels
eingeschriebener Briefsendung zu übermitteln. Für Gemeinden bedeutet dies zusätzliche Postgebühren. Für
AntragstellerInnen, die zum Zeitpunkt der persönlichen
Übergabe durch den Zusteller nicht zu Hause sind, heißt
dies, den oft mühsamen Weg zum Postamt in Kauf zu
nehmen.
Das Wahlrechtsänderungsgesetz 2011 sieht jedoch auch
folgende Ausnahmeregelung vor: Wurde der Antrag auf
Ausstellung einer Wahlkarte online mit qualifizierter
elektronischer Signatur (z.B. Handy-Signatur, e-card mit
Bürgerkartenfunktion) gestellt, dann kann die Wahlkarte
mittels einfachem Schreiben versendet werden. Damit
entsteht eine „Win-Win“-Situation, einerseits für Behörden, die sich die Gebühr für das Einschreiben ersparen
und für AntragstellerInnen, die ihre Wahlkarte direkt im
Briefkasten vorfinden.
Da auch Volksbefragungen in diesem Punkt der Rechtsgrundlage der Nationalratswahlordnung 1992 folgen,
gilt dies ebenso für die Ausstellung von Stimmkarten.
Ein einfaches Rechenbeispiel:
Eine Schnellumfrage unter den Wahlbehörden am Beispiel
der Nationalratswahl 2008 hat gezeigt, dass immerhin bereits 1/3 aller Wahlkartenanträge in elektronischer Form
gestellt wurden. Es besteht also nicht zu unterschätzendes
Einsparungspotential!
Für 2013 bedeutet das, dass der Vorteil der Online-Antragstellung mit Handy-Signatur oder Chipkarte mit Bürgerkartenfunktion (z.B. e-card) gleich zweimal – einmal
bei der Volksbefragung zur Wehrpflicht und ein weiteres
Mal bei der Nationalratswahl 2013 – zu tragen kommt.
Abhängig vom jeweils anwendbaren Rechtsrahmen
kann dieser Einsparungseffekt bei elektronischer Beantragung auch bei Landtagswahlen und Gemeinderatswahlen lukriert werden.
Fallbeispiel 2: e-Stipendium
Die Zielgruppe der Studenten stellt durchaus interessante Ansprüche an ‚Mobile‘-Services. Dahingehend
hat auch die Studienbeihilfenbehörde reagiert und ein
Online Service zur Beantragung für das Stipendium etabliert: http://www.stipendium.at/service/antrag-onlinestellen/
Man kann den Antrag bequem von zu Hause und unabhängig von Öffnungszeiten erledigen. Man kann dabei
zwischen 4 Antragsarten wählen:
• Antrag auf Studienbeihilfe / Studienzuschuss
• Mobilitätsstipendium
• Studienabschluss-Stipendium (SAS)
• Zuschuss für die Kosten der Kinderbetreuung
während der Studienabschlussphase.
Aber auch eine allgemeine Information bezüglich Ihrer
Anträge:
• Antragsstatus für Antragsteller
steht zur Verfügung. Übrigens: man findet ähnlich wie bei
Finanzonline die Möglichkeit beim e-Stipendium, es vorab
berechnen zu lassen: http://www.stipendienrechner.at/
Fallbeispiel 3: Eintragung ins zentrale Waffenregister
Das Zentrale Waffenregister startete am 1. Oktober. Die
heimischen Jäger müssen ihre Waffen der Kategorie C
(Büchsen) erneut registrieren lassen und haben dafür
bis Ende Juni 2014 Zeit. Für Flinten (Kategorie D) gibt es
keine elektronische Nacherfassung des Altbestandes.
Die Registrierungspflicht besteht nur für den Fall eines
Neuerwerbs oder Besitzerwechsels nach dem 1. Oktober
2012 – siehe dazu auch www.help.gv.at. Es stehen zwei
Möglichkeiten der Registrierung zur Verfügung:
•bei einem berechtigen Waffenfachhändler (mit Kosten verbunden)
• Online-Registrierung auf www.help.gv.at (kostenlos).
Für die Online-Registrierung ist die Anmeldung mit der
Bürgerkarte (aktivierte eCard oder Handy-Signatur) auf
www.help.gv.at notwendig. Nach erfolgreicher Anmeldung können Sie in der Box „Applikationen“ die Anwendung „Waffenregister“ wählen und dort die Registrierung Ihrer Waffe durchführen.
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Fallbeispiel 4: Verträge, Protokolle, … elektronisch unterschreiben
Die Handy-Signatur ermöglicht das rechtssichere elektronische Unterschreiben von z.B. Verträgen, Rechnungen, Kündigungen oder Formularen (im PDF-Format).
Diese können dann einfach per E-Mail verschickt werden. Salopp gesagt, können Sie all das bequem mittels
signiertem PDF erledigen, was Sie momentan per Post
verschicken (müssen) – unabhängig davon, ob es dafür
ein Formular gibt oder Sie freien Text schreiben - z. B.:
Schadensmeldung an die Versicherung, Kündigung des
Handy-Vertrags, Rechnungen, Kostenvoranschläge, Gutachten, Verträge aller Art, Meldungen an Behörden aber
auch z. B. das Protokoll des örtlichen Musikvereins oder
der lokalen Wassergenossenschaft.
Eine einfache Online-Möglichkeit besteht auf http://
www.buergerkarte.at/pdf-signatur.de.php bzw. www.
handy-signatur.at / PDF signieren – zudem finden Sie
dort auch Tools für diverse Plattformen zum Download
und um dieses Service lokal zu installieren.
Fallbeispiel 5: Kündigung
Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt …
http://www.online-kuendigen.at/
Zusammenfassung. Es zeigen sich also vermehrt Anwen-
dungsfälle für die Handy-Signatur, welche zielgruppenspezifisch das bisherige Spektrum von ‚Bürgerkarten‘-Anwendungen ergänzen bzw. erweitern, d. h. nicht nur aus dem
behördlichen Umfeld sondern auch Anwendungsfälle aus
der Praxis bzw. Privatwirtschaft. Der Produkt- und Leistungskatalog der öffentlichen Verwaltung in Österreich
lässt noch einiges an Potential erahnen, sodass Username
/ Passwort früher oder später nur mehr vereinzelt zur Anwendung kommen muss.
Und sollten Sie sich fragen, wie kann ich / die Gemeinde digital signierte Anträge bzw. Schriftstücke auf deren
Echtheit prüfen?
Digital signierte Anträge können ganz einfach mittels Upload beim Signaturprüfdienst der RTR (Rundfunk & Telekom Regulierungs GmbH) unter der Internet-Adresse
http://www.signaturpruefung.gv.at überprüft werden. Dieses Service steht vollkommen kostenlos zur Verfügung.
links
fachartikel
http://www.handy-signatur.at
http://www.help.gv.at
http://www.stipendium.at/service/antrag-online-stellen/
http://www.online-kuendigen.at/
http://www.digitales.oesterreich.gv.at
http://www.egovlabs.gv.at
http://www.unterschreibe.at
http://www.buergerkarte.at/pdf-signatur.de.php
http://www.signaturpruefung.gv.at
DI Peter
REICHSTÄDTER
Bundeskanzleramt
IKT-Strategie;
[email protected]
bka.gv.at
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fachartikel
Das Parkpickerl in Wien und
§ 17 E-Government-Gesetz
abstract
Thomas Skerlan-Schuhböck
§ 17 Abs. 2 E-Government-Gesetz verpflichtet die Behörden zu Registerabfragen, um den Bürgerinnen und Bürgern
die Vorlage von Nachweisen (z. B. Meldezettel, Staatsbürgerschaftsnachweis, Geburtsurkunde) zu ersparen. Bei der
Beantragung und Ausstellung des Parkpickerls in Wien werden anstelle dieser Vorlagen Registerabfragen durchgeführt. Diese Registerabfragen erfolgen bei der Online-Beantragung vollautomatisiert.
Ausgangslage. Den Erläuterungen zufolge soll § 17 Abs. 2
E-GovG Behörden zu Registerabfragen verpflichten, um
den Bürgerinnen und Bürgern die Vorlage von Nachweisen zu ersparen:
„Ein wesentliches Ziel von E-Government ist es, den Bürgerinnen und Bürgern ein verbessertes Service anbieten
zu können. Durch die vorgeschlagene Regelung entfällt
auf der Bürgerseite die in der Praxis oftmals als lästig
empfundene Vorlage von Dokumenten (z. B. Meldezettel,
Staatsbürgerschaftsnachweis, Geburtsurkunde), die der
Behörde ohnehin bekannt sind oder zulässigerweise bekannt sein könnten. Die Behörden sollen angehalten werden, jene Daten, die in öffentlichen Registern verfügbar
sind, von Amts wegen – sofern klarerweise die erforderlichen Daten nicht schon vom Betroffenen z. B. in Form
von öffentlichen Urkunden vorgelegt werden – zu ermitteln und diese Aufgabe nicht auf die Bürgerin und den
Bürger abzuwälzen.“
Jede Antragstellerin bzw. jeder Antragsteller soll grundsätzlich ohne Vorlage von Unterlagen und Dokumenten
bei der Behörde per Online-Formular einen Antrag auf
ein Parkpickerl stellen und die erforderlichen Gebühren
mit integriertem Bezahlservice abstatten können. Nach
automatischer Prüfung der Daten durch den Registerabgleich und Übermittlung der Daten in das Aktenverwaltungssystem ELAK erfolgt - bei Eingang der Gebühren
- die postalische Zustellung des Parkpickerls an die Antragstellerin bzw. an den Antragsteller.
Die Stadt Wien verordnet aufgrund der Straßenverkehrsordnung 1060, BGBl. Nr.159/1060 (§ 43 Abs. 2a Z 1)
Kurzparkzonen. Für Bewohnerinnen und Bewohner in
diesen Gebieten besteht die Möglichkeit, eine Ausnahmegenehmigung („Parkpickerl“) zu erhalten. Eine solche
Genehmigung kann auf die Dauer von höchstens zwei
Jahren erteilt werden, wenn der Antragsteller
bzw. die Antragstellerin:
• i n dem Gebiet wohnt und dort den Mittelpunkt
seiner Lebensinteressen hat,
• e in persönliches Interesse nachweist, in der Nähe
dieses Wohnsitzes zu parken,
• a ) Zulassungsbesitzer oder Leasingnehmer eines
Kraftfahrzeugs ist oder
b) nachweist, dass ihm ein arbeitgebereigenes
Kraftfahrzeug auch zur Privatnutzung überlassen
wird.
Die Behörde überprüft diese drei Voraussetzungen durch:
•V
orlage der Meldebestätigung bzw. Nachschau im
Zentralen Melderegister (ZMR)
•V
orlage des Führerscheins oder eines individuellen
Nachweises
•V
orlage des Zulassungsscheines bzw. Nachschau im
EKIS-Kraftfahrzeugzentralregister (KZR) oder bei
Firmenautos der individuelle Nachweis.
Die Gestaltung des Online-Antrages erfolgte mit dem
Ziel eines möglichst optimalen Personal- bzw. Ressourceneinsatzes sowie mit der Vorgabe, den Kundenstrom
weg von der persönlichen Vorsprache am Amt hin zur
E-Government-Anwendung zu leiten. Dabei wurden folgende Aspekte ebenso berücksichtigt:
• k undenfreundliche Handhabung und Gestaltung
des Online-Antrages
•A
nreiz zur Online-Antragstellung durch eine
geringere Verwaltungsabgabe
• z eitliche Unabhängigkeit der Antragstellung von
den Öffnungszeiten
•U
nterstützung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter durch Automatisierung des Prüfprozesses
• a utomatische Dokumentation der Prüfungsergebnisse im ELAK.
fachartikel
Ziele. Ziel war es, einen „Antrag ohne Beilagen“-Online
zu schaffen.
• Die Antragstellerinnen bzw. Antragsteller sollen
zeit- und ortsunabhängig in der Regel ohne Übermittlung von Unterlagen per Online-Formular entsprechende erforderliche Daten eingeben können.
• Datenschutzrechtliche Einverständniserklärungen
werden in Einem abgegeben.
• Für bestimmte Fälle ermöglicht das System das
Hochladen von Beilagen.
• Das Bezahlservice der Stadt Wien ist integriert.
• Die Prüfung im Layer (Stadtplan mit integrierten
Zonen der Parkraumbewirtschaftung sowie der
Berechtigungszonen) mit Rückmeldung an die
Kundin bzw. den Kunden, falls der Wohnort außerhalb der Berechtigungszone des parkraumbewirtschafteten Gebietes bzw. des gewählten Geltungsbereiches liegt.
• Das Absenden des Online-Antrages erzeugt automatisch einen Dienststellenakt im ELAK.
• Wählt die Kundin bzw. der Kunde eine Bezahlung
mittels Zahlschein, wird automatisch ein Zahlschein gedruckt und zentral versandt.
• Der Hauptwohnsitz wird automatisch mit dem
ZMR abgeglichen.
• Die eingegebenen Daten des Führerscheines werden nach Einverständniserklärung der Antragstellerin bzw. des Antragstellers automatisch mit dem
FSR (Führerscheinregister) abgeglichen.
• Die Zulassung wird automatisch mit dem KZR
abgeglichen.
• Alle Datenprüfungen werden automatisch im
ELAK dokumentiert.
• Rückmeldung des Bezahlservice an den ELAK,
dass die Bezahlung angestoßen bzw. eingelangt ist.
Dadurch können die Mitarbeiterinnen bzw. Mitarbeiter
bei erfolgter positiver Prüfung und bei eingelangter Bezahlung (per Zahlschein, eBanking oder mit Kreditkarte)
sofort die Versendung des Parkpickerls veranlassen, welches spätestens nach einer Woche bei der Kundin bzw.
dem Kunden postalisch einlangt.
Realisierung. Der Online-Antrag wurde am 1.7.2012 ins
Netz gestellt. Neben der Erleichterung für die Kundinnen
und Kunden wurde auch gebührenrechtlich ein Anreiz
geschaffen, da die Verwaltungsabgabe für das Verfahren
beim Online-Antrag um 5 Euro geringer ist.
Da die von den Kundinnen und Kunden eingegebenen
Daten im Hintergrund automatisch mit den Systemen
ZMR, KZR und FSR abgeglichen und die Ergebnisse samt
Abstattungsinformation der Gebühren im Zuge der Anlage eines Dienststellenaktes im ELAK eingespielt werden, kann eine händische Überprüfung durch die Mitarbeiterinnen bzw. Mitarbeiter entfallen und unverzüglich
der Bescheid erstellt und gemeinsam mit dem Parkkleber
versendet werden. Die Bescheiderstellung im ELAK wird
eGovernment Review | www.egovernment-review.org | Nr. 11 | Januar 2013
mit DOC-Properties (Textmarken mit einsteuerbaren
Inhalten) unterstützt, sodass bereits vorhandene Daten
nicht nochmals eingegeben werden müssen.
Es wurde erstmals auch die Schnittstelle zum FSR geschaffen und damit ermöglicht, in 80 % der Fälle, die
Überprüfung der Daten automatisch durchzuführen.
Beantragt die Kundin bzw. der Kunde einen Zahlschein,
erfolgt dessen Versendung automatisch.
Der seit August 2003 bestehende Online-Antrag wurde
bis zum 1.7.2012 von ca. 5 % der Antragsteller genutzt.
Mit Beginn der Beantragung der Parkkleber für die neuen parkraum-bewirtschafteten Gebiete mit 1.7.2012 und
gleichzeitigem Einsatz des neuen Online-Antrags ergab
sich anfangs eine Online-Nutzung von ca. 62 % der Antragstellungen. Mit Beginn der Gültigkeit der Kurzparkzonen in den neuen Gebieten am 1.10.2012 lag der Anteil
der Online-Anträge bei 54 %, am 10.10.2012 lag der Anteil der Online-Anträge bei 49 %. Der Rückgang im Oktober 2012 begründet sich in der Notwendigkeit, in Folge
der bereits in Kraft getretenen Kurzparkzonen, sofort
einen Parkkleber zu erwerben, was nur bei persönlicher
Vorsprache im Amt möglich ist.
Der Anteil der elektronischen Bezahlung (Internetbanking/Kreditkarte) ist von 18 % im September 2011 auf 38
% im September 2012 angestiegen. Die persönliche Bezahlung an der Kassa im Amtshaus ist im gleichen Zeitraum von 73 % auf 47 % gesunken, die Bezahlung mittels
Zahlschein von 9 % auf 15 % angestiegen.
Ca. 50 % der Kundinnen und Kunden (ca. 20.000 von
über 40.000) nutzten dieses neue Online-Service. 50 %
dieser Kundinnen und Kunden (also ca. 10.000) haben
das elektronische Bezahlservice mittels Internetbanking
oder Kreditkarte im Online-Antrag verwendet.
Resümee. Insgesamt ist der neue Online-Antrag ein we-
sentlicher Schritt
• i n Richtung E-Government (Antrag ohne Beilagen
mit automatischem Abgleich mit den Registern),
• i n Richtung Bürgerbeteiligung (Befüllen des Formulars mit Daten, die automatisch Teil des Aktes
werden, da sie in ELAK eingespielt werden samt
automatischer Bezahlung),
• i n Richtung Zeitersparnis für die Kundinnen und
Kunden (Antrag zeit- und ortsunabhängig ohne
Wartezeiten am Amt) als auch
• i n Richtung Arbeitserleichterung für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter (automatische
Anlage eines Aktes in ELAK sowie automatische
Datenprüfung mit Rückmeldung der Ergebnisse
samt Rückmeldung der Bezahlung, verringerter
Kundenverkehr) sowie
• i n Richtung Ressourcenoptimierung (gezielte
Lenkung der Kundenströme, optimierter Personaleinsatz, verbesserter Einsatz der EDV) für die
Verwaltung generell.
| 35
Thomas SKERLANSCHUHBÖCK
Magistratsdirektion der
Stadt Wien; thomas.
[email protected]
wien.gv.at
36 |
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fachartikel
Der Bürgerservice-Assistent im
Bundesministerium für Finanzen
abstract
Silke Weiß I Christof Hammerschmid I Doris Ipsmiller
Seit Mitte 2012 unterstützt die neue Anwendung „Bürgerservice-Assistent“ die Mitarbeiter/innen des Bürgerservices sowie weitere ausgewählte Mitarbeiter/innen des Bundesministeriums für Finanzen bei der Beantwortung von Bürger/innen-Anfragen, die per Post, E-Mail oder Telefon eingehen. Hierzu stellt der „BürgerserviceAssistent“ aus einem integrierten bestehenden Wissensschatz die am besten passenden Antworten automatisch
bereit und liefert weitere Informationen, die bei der Beantwortung nützlich sind. Ziele sind die Erhöhung der
Qualität der Kommunikation nach außen bei gleichzeitiger Effizienzsteigerung. Der Bürgerservice-Assistent stellt
einen wesentlichen Baustein eines IT-unterstützen strategischen Kommunikationsmanagements dar.
Ausgangslage und Herausforderungen. Das Bürgerservice
des Finanzministeriums (Abteilung V/7: Öffentlichkeitsarbeit und Kommunikation) ist die zentrale Anlaufstelle für Bürger/innen um allgemeine, abgabenrelevante
Fragen (z.B. zur Arbeitnehmerveranlagung) zu stellen.
Das Bürgerservice bedient sich dabei unterschiedlichster
externer und interner Kommunikationswerkzeuge und
-kanäle. Dazu zählen Presseaussendungen, Newsletter,
Pressespiegel, die Website „www.bmf.gv.at“, interne und
externe Publikationen (Steuer- und Selbstständigenbuch), Inserate und Advertorials in Zeitungen, Videostreams über die Website, Teilnahme an Veranstaltungen,
das Mitarbeiter/innen-Portal (Intranet), die Mitarbeiterzeitung und das BMF-TV. Über alle diese Kanäle werden
Themen, Inhalte und Botschaften vermittelt, die wiederum bei den Betroffenen entsprechende Reaktionen
auslösen und danach zeitversetzt über unterschiedliche
Feedbackangebote und -kanäle (z.B. über den Kontaktbereich der Website per Mail in die Anfragendatenbank
(ADB), die Hotline des Bürgerservice oder per Brief) in
sehr heterogener Art und Weise wieder im BMF einlangen. Hierbei ist das Bürgerservice bei gleichbleibenden
Ressourcen mit einer stetig ansteigenden Menge an Anfragen, zu unterschiedlichen Themen, konfrontiert. Die
Bearbeitung der Anfragen erfolgte bis dato rein manuell
und führt demgemäß zu einem enorm hohen AnalyseAufwand. Eine einheitliche „Spruchpraxis“ war nicht
sichergestellt, da eine gemeinsame (institutionalisierte)
Wissensbasis fehlte und die Wiederverwendbarkeit von
Wissen bzw. bereits gegebener Antworten sowie das Teilen von Wissen kaum unterstützt wurde.
Der Bürgerservice-Assistent. Das System unterstützt das
Bürgerservice-Team bei Anfragen, um diese rascher, mit
weniger manuellen Schritten und einheitlicher (auch von
unterschiedlichen Mitarbeitern) beantworten zu können. Beim Öffnen einer Anfrage formuliert der Assistent
im Hintergrund automatisch (ohne Formulierung einer
Suchquery durch den Benutzer) eine optimierte Anfrage
an die Wissensbasis. Passende Antworten (auch wenn
der Wortlaut der Anfrage unterschiedlich ist), relevante
Informationsressourcen (aus unterschiedlichen Quellen: Anfragedatenbank, BMF-Homepage, Steuerbuch
des BMF etc.) und evtl. vorhandene frühere Anfragen
desselben Anfragenden werden daraufhin automatisch
vorgeschlagen. Die gelieferten Ergebnisse können über
den Assistent rasch mittels Facetten gefiltert und weiter
eingegrenzt werden.
Neben der proaktiven und kontext-sensitiven Bereitstellung von Informationen unterstützt der Bürgerservice-Assistent auch die aktive Suche nach Begriffen.
Begriffe werden semantisch (gemäß ihrer Bedeutung)
interpretiert und in der Wissensbasis entsprechend
automatisch gesucht. Teilweise werden Anfragen zur
Beantwortung an Fachabteilungen weitergeleitet, die
mittels Merker beobachtet werden können.
Aus den bereitgestellten Informationsressourcen können (mittels Mausklick) „Standard-Zitate“ (eine Art
Antwort-Textteil mit vorgegebener Struktur) erstellt
werden (sog. „Clips“). Ein Clip kann automatisch in die
Zwischenablage übernommen werden, um ihn danach einfach in die Antwort einfügen zu können.
Da die Windows-Zwischenablage immer nur einen Ein-
fachartikel
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Quantität und Qualität der Erledigungen. Des Weiteren können durch das Erkennen von zusammenhängenden Themen und der dazu bereits beantworteten
(Vor-)Anfragen Fehler minimiert und Redundanzen
vermieden werden.
| 37
Dipl.-Inform.Wirt Silke
WEISS,
Organisatorin,
Bundesministerium für
Finanzen; [email protected]
bmf.gv.at
Ausblick. Die Anwendung „Strategische KommunikatiAbb. 1: Bürgerservice-Assistent
trag speichert und dieser Wert bei einem weiteren Kopiervorgang überschrieben und nicht wieder hergestellt
werden kann unterstützt der Bürgerservice-Assistent die
Speicherung weiterer Werte und zeigt diese in einer Liste sortiert nach Aktualität an. Der Benutzer kann somit
auf frühere Einträge der Zwischenablage zurückgreifen
und diese sehr einfach für die Formulierung der Antwort
wiederverwenden.
Des Weiteren wird das Anlegen, Speichern, Bearbeiten
und Löschen von Textbausteinen unterstützt, die zur Beantwortung verwendet werden können bspw. Anreden
und Einleitungen für E-Mails, häufig verwendete Antwortteile, E-Mail-Signatur, Verweis auf die Web-Seite
zum Bestellen von Broschüren und Formularen sowie
das Weiterverfolgen von Anfragen, die an die Fachabteilung zur Beantwortung weitergeleitet werden.
Nutzen.
Der Bürgerservice-Assistent unterstützt die Optimierung eines einheitlichen Verwaltungshandelns wie
bspw. eines einheitlichen Außenauftritts (z.B. „einheitliche Sprache“, aber auch höhere inhaltliche Konsistenz). Die Anfragedatenbank wird optimiert, effizienter nutzbar und entlastet dadurch die betroffenen
Mitarbeiter/innen. Die Transparenz und Abwicklung
der Geschäftsprozesse wird erhöht und unterstützt die
onsanalyse“ ist ein weiterer Schritt in Richtung „Strategisches Kommunikationsmanagement“. Sie unterstützt
die Erkennung und das Monitoring von Themen. Die
Anwendung stellt ein Analyse-Cockpit bereit, das einen Überblick über beobachtete Themen und deren
Entwicklung gibt, durch ein Signal auf neue wachsende
Trends hinweist und Themenentwicklungen visualisiert.
Hierdurch wird transparent, welche Themen aktuell interessant, welche Themen Dauerthemen, welche Themen neu sind und welche Themen gerade abflauen. Die
zeitnahe Erkennung und Analyse eines neu wachsenden
Themas und der Vergleich dieses Themas mit ähnlichen
Themen und deren Kommunikationsverläufe ermöglichen das Ableiten des Kommunikationsverlaufs des neuen Themas und die frühzeitige Möglichkeit der Setzung
von Maßnahmen zur Steuerung. Hierdurch kann wertvolle Zeit für die Reaktion gewonnen werden. Vermehrte
Anfragen zu einem Thema können auf eine Informationslücke in der Kommunikation hinweisen. In diesem
Fall könnte zielgerichtete Information zu diesem Thema
veröffentlicht und die Zahl der Anfragen zu diesem Thema dadurch reduziert werden.
Das Projekt zur Umsetzung der Anwendung „Strategisches Kommunikationsanalyse“ ist aktuell in Umsetzung.
Weitere Details finden Sie hier:
http://e-government.adv.at/2012/pdf/HammerschmidWeisz_ADV_eGovernmentKonferenz2012.pdf
Christof HAMMERSCHMID, Bakk., MAS
Stellvertretender Abteilungsleiter, Bundesministerium für Finanzen;
[email protected]
Doris IPSMILLER
Geschäftsführerin
m2n - consulting and
development gmbh;
[email protected]
38 |
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fachartikel
Das Unternehmensserviceportal
(USP) – das neue E-GovernmentAngebot für Österreichs Wirtschaft
abstract
Sabine Brandstetter I Marco Rossegger
Das Unternehmensserviceportal (USP) – erreichbar unter www.usp.gv.at – ist die zentrale, elektronische
Service-Plattform der österreichischen Verwaltung für Unternehmerinnen und Unternehmer. Maßgeschneiderte, für Unternehmen relevante Informationen und die wichtigsten E-Government-Anwendungen des Bundes
mit Single-Sign-on-Funktion ermöglichen Behördenwege per Internet. Dadurch sollen Unternehmerinnen und
Unternehmer möglichst viel Zeit und Kosten sparen. Außerdem wird durch den Einsatz moderner Technologien
höchste Sicherheit gewährleistet.
Alle Amtswege mit einem Klick. Unterschiedliche Melde-
und Informationsverpflichtungen gegenüber der Verwaltung bedeuten für Unternehmen oft einen enormen zeitlichen und finanziellen Aufwand. 230 Millionen Mal pro
Jahr erfüllen Betriebe in Österreich eine der 5.700 bundesrechtlichen Informationsverpflichtungen gegenüber
Behörden oder Dritten. Künftig werden Unternehmen
– und damit jede Unternehmerin und jeder Unternehmer – EIN Portal für alle Behördenwege nutzen können. Außerdem genügt im Unternehmensserviceportal
eine einzige Anmeldung, um Melde- und Informationsverpflichtungen gegenüber dem Bund sicher, rasch und
rund um die Uhr online abwickeln zu können. Das USP
ist eine Initiative der österreichischen Bundesregierung
und wird im Auftrag der Bundesministerin für Finanzen
durch die Bundesrechenzentrum GmbH eingerichtet und
betrieben.
Das USP – das mit 23.5.2012 den Vollbetrieb aufgenommen hat – wurde und wird Schritt für Schritt zum
zentralen One-Stop-Shop der Bundesverwaltung für
die heimischen Betriebe ausgebaut. Auf der Website
können alle Informationen, die für Unternehmen relevant sind, abfragt werden. Auch Amtswege können via
USP getätigt werden, wie etwa die Anmeldung einer
Mitarbeiterin oder eines Mitarbeiters oder der Kontakt
zum Finanzamt. Darüber hinaus sind eine Formulardatenbank und eine Behördensuche im USP verfügbar.
Bestehende Verfahren wie FinanzOnline wurden nicht
verändert, sind jedoch in das USP integriert und mittels
Single-Sign-on erreichbar.
Mit seinen zahlreichen, praktischen und einfach zu
bedienenden Funktionen wird das Unternehmensserviceportal das Leben der Unternehmerinnen und Unternehmer leichter machen. Vor allem kleine und mitt-
lere Unternehmen – die oft bis zu zehn Prozent ihres
Umsatzes für Verwaltungsaufgaben aufwenden – werden davon profitieren.
Die Vorteile für Unternehmerinnen und Unternehmer
• I nformationen rund um die Uhr
• e inmal anmelden und die wichtigsten E-Government-Anwendungen des Bundes nutzen
• höchste Sicherheit
• eine zentrale Eingabemöglichkeit
•u
mfassende, auf Unternehmerinnen und Unternehmer zugeschnittene Informationen
•K
ostenersparnis durch Online-Verfahren bei Antragstellungen
Zentraler Vorteil des USP in der derzeitigen Ausbaustufe
ist die Single-Sign-on-Funktion. Single-Sign-on bedeutet
einmal anmelden und mit nur einer Kennung alle Services des USP nutzen. Eine weitere Verbesserung ist es, dass
Unternehmerinnen und Unternehmer an einer Stelle die
Rollen und Rechte ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für die verschiedenen E-Government-Anwendungen
verwalten können. Das Problem, dass in Unternehmen
oft nicht bekannt ist, wer über welche Benutzer/innenund Zugangsdaten verfügt (wie dies etwa oft nach personellen Veränderungen der Fall ist), wird damit der Vergangenheit angehören.
Unternehmen sparen jährlich bis zu 300 Millionen. Ziel des
USP ist es, optimale Bedingungen für Wirtschaftstreibende aller Branchen zu schaffen und moderne, effiziente und digitale Verwaltungsabläufe zu ermöglichen. Das
USP ist Teil der Initiative „Verwaltungskosten senken für
Unternehmen“ der Bundesregierung. Das Projekt wurde
2006 mit dem Ziel gestartet, Österreichs Unternehmen
fachartikel
bis 2012 um mehr als eine Milliarde Euro zu entlasten.
Das jährliche Einsparungspotenzial des USP für österreichische Unternehmen liegt bei bis zu 300 Millionen Euro,
je nach Ausbaustufe der angebotenen Services. Das hilft
nicht nur den Unternehmerinnen und Unternehmern,
sondern stärkt auch den Wirtschaftsstandort und unterstreicht Österreichs Vorreiterrolle im E-Government.
eGovernment Review | www.egovernment-review.org | Nr. 11 | Januar 2013
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eine einheitliche Meldeinfrastruktur sind Schwerpunkte der Phase 2. Davon profitieren sowohl Unternehmerinnen und Unternehmer als auch die Verwaltung
– zum Beispiel durch direkte Übermittlung von Daten
aus der Unternehmenssoftware sowie weniger Manipulations- und Rückfrageaufwand auf Behördenseite.
Einfache Anmeldung. Damit Unternehmerinnen und Un-
tigsten E-Government-Anwendungen des Bundes in das
USP integriert. Dazu zählen unter anderem:
• FinanzOnline (FON): die direkte Verbindung jeder
Unternehmerin und jedes Unternehmers zum
zuständigen Finanzamt;
• Elektronischer Datenaustausch mit der Sozialversicherung (ELDA): dieses Service ermöglicht es
Unternehmer/innen, Meldungen online zu erfassen
und zu versenden;
• E-Rechnung an den Bund (ER>B): Versendung von
elektronischen Rechnungen und Rechnungsbestätigungen mit einem Klick – ab 2014 verpflichtend;
• WEB-BE-Kunden-Portal der Sozialversicherung
(WEBEKU): WEBEKU stellt seinen Kund/innen
online eine aktuelle Sicht auf die Beitragskonten bei
allen Gebietskrankenkassen zur Verfügung;
• SVA-Onlineservice für Versicherte: mit diesem
Online-Service können SVA-Versicherte auf Beitragsvorschreibungen zugreifen;
• Elektronisches Datenmanagement des Lebensministeriums (EDM): damit wickeln Unternehmen
und Behörden Melde- und Berichtspflichten sowie
ausgewählte Verwaltungsverfahren im Umweltbereich ab;
• Portalanwendungen der Bauarbeiter-Urlaubs- &
Abfertigungskasse (eBUAK): hier können Schlechtwettereingaben, Urlaubsentgelteinreichungen,
Zuschlagsmeldungen und das Abrufen von Kontoinformationen erfolgen;
• Datenverarbeitungsregister (DVR): Meldungen an
die Datenschutzkommission.
Weitere Anwendungen kommen laufend hinzu und sind
unter dem Navigationspunkt Online Verfahren immer
aktuell abrufbar.
In der nächsten Ausbaustufe des USP liegt der Fokus
darauf, Meldeprozesse zu optimieren und Mehrfachmeldungen zu vermeiden. So sollen beispielsweise
Daten, die sich bei der Verlegung des Unternehmensstandortes ändern, nur einmal mitgeteilt und dann zentral verteilt werden. Auch die elektronische Unterstützung eines durchgängigen Gründungsprozesses oder
ternehmer das USP mit all seinen Vorteilen nutzen und
Transaktionen durchführen können, bedarf es einer erstmaligen Anmeldung
•m
it den FinanzOnline-Zugangsdaten für Unternehmen (Teilnehmer/innen-Identifikation, Benutzer/innen-Identifikation und PIN).
• v ia mobiler Bürgerkarte (Handy-Signatur): Hierfür
müssen Handynummer und Signatur-Passwort
eingegeben werden. Per SMS erhält die Unternehmerin bzw. der Unternehmer einen TAN, der fünf
Minuten gültig ist. All jene, die noch keine HandySignatur haben, können ihr Handy beispielsweise
über FinanzOnline oder am Finanzamt freischalten
lassen.
•m
it der Bürgerkarte: Unternehmerinnen und
Unternehmer müssen eine Chipkarte (z.B. E-Card)
als Bürgerkarte aktivieren und einen Computer mit
Lesegerät haben.
• a m Finanzamt: Sind weder FinanzOnline-Zugangsdaten noch Bürgerkarte und Handy-Signatur
vorhanden, können sich Unternehmerinnen und
Unternehmer auf ihrem Finanzamt für das USP
erstmalig anmelden. Für das Finden des zuständigen Finanzamts steht die Ämtersuche unter
dienststellen.bmf.gv.at zur Verfügung.
Mithilfe des USP Online-Ratgebers, verfügbar auf der
Startseite des USP, können die wichtigsten Informationen
zur Anmeldung einfach und schnell abgerufen werden.
Der Ratgeber unterstützt Betriebe auch dabei, die am besten geeignete Variante für das jeweilige Unternehmen zu
finden. Außerdem ist das USP Service Center von Montag bis Freitag – jeweils von 8 bis 17 Uhr – unter der Telefonnummer 0810 202 202 für Fragen erreichbar.
links
Aktuell verfügbar. Für den Vollbetrieb wurden die wich-
www.usp.gv.at
www.buergerkarte.at
www.handy-signatur.at
www.finanzonline.at
dienststellen.bmf.gv.at
Sabine BRANDSTETTER
Bundesministerium
für Finanzen, Abt. V/7
- Öffentlichkeitsarbeit
und Kommunikation;
[email protected]
gv.at
Marco ROSSEGGER
Bundesministerium
für Finanzen, Abt. V/7 Öffentlichkeitsarbeit und
Kommunikation; marco.
[email protected]
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eGovernment Review | www.egovernment-review.org | Nr. 11 | Januar 2013
service
E-Government
Tagungen, Konferenzen und Messen
märz
21.-23. Februar 2013
Salzburg, Österreich
Swiss eGovernment
Forum & Swiss
eHealth Forum
april
5.-8.März.2013
Bern, Schweiz
e-Health Konferenz
2013
mai
4. April 2013
Wien, Österreich
Effizienter Staat 2013
15.-16. Mai 2013
Berlin, Deutschland
2. Open Government
Data D-A-CH-LI
Konferenz
16. Mai 2013
Berlin, Deutschland
CeDEM 2013: International Conference for
eDemocracy & Open
Government
22.-25.Mai.2013
Krems, Österreich
WEBIST 2013, 9th
Internatonal Congress
on Web Information
Systems and Technologies
Tagung mit Schwerpunkt Rechtsinformatik
und starkem Bezug zu E-Government. Es
finden wieder Workshops zu E-Government,
E-Democracy, E-Justiz, Open Government und
E-Procurement statt.
http://www.univie.ac.at/RI/IRIS2013/
Themenschwerpunkte:
Innovation in der Verwaltung, Elektronische
Verwaltungsprozesse, Elektronische Patientendossier, Intelligent vernetzt.
http://www.infosocietydays.ch/
e-Government
Konferenz 2013
11.-12. Juni 2013
Linz, Österreich
Vorsprung durch Innovation – Moderne
Verwaltung: Offen, vernetzt, effizient.
http://www.effizienterstaat.eu/Kongress/
Schwerpunkte: E-Demokratie, E-Partizipation,
Open Government.
http://www.donau-uni.ac.at/en/department/gpa/telematik/edemocracy-conference/edem/vid/18671/index.php?URL=/
de/department/gpa/telematik/veranstaltungen
neueVerwaltung, 14.
Kongress mit Fachmesse eGovernment
4.-5. Juni 2013
Leipzig, Deutschland
e-Health zwischen Notfall- und Dauerbetreuung.
http://www.adv.at/veranstaltungen/20130404_eHealth_Konferenz.htm
Konferenzthema: Open Government – Bürgernähe durch Kulturwandel.
http://digitalgovernment.wordpress.
com/2013/02/07/cfp-open-governmentdata-d-a-ch-li-konferenz/
Konferenz mit breitem Spektrum, von Internet
Technologie über Web Intelligence bis hin zu
E-Government.
http://www.webist.org
8.-10. Mai 2013
Aachen, Deutschland
juni
16. Internationales
Rechtsinformatik
Symposion (IRIS)
EGEG 2013, 13th
European Conference
on eGovernment
13.-14. Juni 2013
Como, Italien
juli
februar
2013
ICEG 2013: International Conference on
e-Government
30.-31. Juli 2013
Zürich, Schweiz
Fachforen zu den Themen: Digitale Gesellschaft und Verwaltung, Digitale Kommunen,
Verwaltung und Organisation, Prozesse und
Sicherheit, Dokumente und Wissen, Trends
und Technologien.
http://www.neue-verwaltung.de
15 Jahre E-Government Konferenz in Österreich - Was wurde erreicht, was bringen die
nächsten 15 Jahre?
http://www.adv.at/veranstaltungen/index.
htm
Schwerpunkte: Applications of e-Government,
Challenges to e-Government, Interoperability,
eGovernment 2.0.
http://academic-conferences.org/eceg/
eceg2013/eceg13-home.htm
Themen: Applications of e-Government
Applications, Case study and Challenges of
e-Government, Challenges to e-Government.
http://www.waset.org/conferences/2013/
zurich/iceg/
eGovernment Review | www.egovernment-review.org | Nr. 11 | Januar 2013
september
august
service
EGOVIS & EDEM‘13
26.-30. August 2013
Prag, Tschechien
2nd Joint International Conference on Electronic Government and the Information Systems
Perspective and International Conference on
Electronic Democracy.
http://dexa.org/egovis&edem2013
Schwerpunkte sind u.a.: Foundations of
12th IFIP Electronic
e-government, open government and e-goverGovernment Conference (IFIP EGOV) 2013 nance research / Future directions in research
16.-19. September 2013
Koblenz, Deutschland
5th IFIP ePart
conference
17.-19. September 2013
Koblenz, Deutschland
dg.o 2013 - 14th
Annual International
Conference on Digital
Government Research
17.-20. Juni 2013
Quebec, Kanada
and practice of ICT in the public sector.
http://www.egov-conference.org
Schwerpunkte sind u.a.: eConsulation,
ePolling, eLegislation, eElectioneering,
eCampaigning.
http://www.epart-conference.org
Tagungsthema: From e-Government to Smart
Government.
http://dgo2013.dgsna.org
| 41
42 |
eGovernment Review | www.egovernment-review.org | Nr. 11 | Januar 2013
service
bücher
E-Government Publikationen
Peter Blaschke, Wolfgang Karrlein, Brigitte Zypries (Hrsg.)
Christopher G. Reddick (Hrsg.)
E-Public: Strategien und Potenziale des E- und Mobile Business
im öffentlichen Bereich
Comparative E-Government
Springer, ISBN: 978-1461426615, November 2012
Springer Verlag, ISBN: 978-3642456466, Juli 2012
Kyriakos N. Demetriou
Walter Gora, Harald Bauer (Hrsg.)
Virtuelle Organisationen im Zeitalter von E-Business und EGovernment: Einblicke und Ausblicke
Democracy in Transition: Political Participation in the European
Union
Springer, ISBN: 978-3642300677, Dezember 2012
Springer Verlag, ISBN: 978-3642639814, Juli 2012
Michael Jaekel, Karsten Bonnert
Wolf Schünemann, Stefan Weiler
E-Government und Netzpolitik im europäischen Vergleich
Die digitale Evolution moderner Großstädte: Apps-basierte innovative Geschäftsmodelle für neue Urbanität
Nomos Verlag, ISBN: 978-3832965297, Juli 2012
Springer Vieweg, ISBN: 978-3658001704, Dezember 2012
Stephan A. Jansen
Georg Borges, Jörg Schwenk
Bürger. Macht. Staat?: Neue Formen Gesellschaftlicher Teilhabe,
Teilnahme und Arbeitsteilung
Daten- und Identitätsschutz in Cloud Computing, E-Government
und E-Commerce
Springer, ISBN: 978-3531193465, Juli 2012
Springer, ISBN: 978-3642301018, Februar 2013
Andrea Kö, Christine Leitner, Herbert Leitold, Alexander
Prosser (Hrsg.)
Proceedings of EGOVIS/EDEM2012 - Advancing Democracy,
Government and Governance
Verlag: Kommunal-U.Schul-Vlg, ISBN: 978-3829309738,
August 2012
Robin Koch
Wirtschaftliche Auswirkungen von Electronic Government auf
Behörden: Ansätze zur Evaluierung und Befunde über Einsparungen und Nutzen
AV Akademikerverlag, ISBN: 978-3639451283, August 2012
Hans J. Scholl, Marijn Janssen, Maria A. Wimmer, Carl Eric
Moe, Leif Skiftenes Flak (Hrsg.)
Proceedings: EGOV12 - 11th International Conference on Electronic Government
Springer Verlag, ISBN: 978-3642334887, August 2012
Johann HerzbergStaatsmodernisierung durch Open Innovation:
Problemlage, Theoriebildung, Handlungsempfehlungen
Epubli GmbH, ISBN: 978-3844229127, September 2012
eGovernment Review | www.egovernment-review.org | Nr. 11 | Januar 2013
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eGovernment Review
Fachhochschule Kärnten
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Fachzeitschrift des Studienbereichs Wirtschaft & Management
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Herausgeber: FH-Prof. Dr. Wolfgang Eixelsberger
6. Jahrgang
Redaktion: Rita Schrefl, BA
erscheint halbjährlich
in einer Auflage von 1000 Exemplaren
ISSN 1997-4051 (gedruckte Ausgabe)
Design:
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www.designation.at
Druck: KREINER DRUCK, Druck- und Verlagsgesellschaft m.b.H. & CO. KG, Villach
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