Biberach 12. April 1945 - Gesellschaft für Heimatpflege in Stadt und

%enn Biberach im Zweiten Weltkrieg von Luftangriffen lange verschont blieb, so deshalb, weil es
diesem Tag mehrere Züge auf der Strecke nach
militärischohne große Bedeutung war; die Stadt
beherbergte j a weder militärische Einrichtungen
beschossen wurden.
noch Industrien, die kriegswichtig gewesen wären.
Nach der Landung der Alliierten in der Normandie
ger bei Biberach einen Lazarettzug; dabei fanden 13
Verwundete den Tod.
Friedrichshafen von amerikanischenJagdflugzeugen
Arn 2.April 1945 vermutilich beschossen Tiefflie-
6.Juni 1944 häuften sich dann aber allmählich die
Tieffliegerangriffe, deren Ziel im Raum Biberach
vor allem die Bahnlinie Ulm-Friedrichshafen war.
gen auf den 9337 am 24.Juli1944 hat sich ein Bericht des Biberacher Fahrdienstleiters erhalten:
„Am 24. Juli 1944 zwischen 12 und 13 Uhr wurde
der aus Berlin kommende 9337 nach Abfahrt in
Während die Tiefflieger gefurchtet waren, gewöhnte sich die Bevölkerung mit der Zeit an den
immer häufigeren Luftalarm, der seit etwa Anfang
März einen geordneten Unterricht an den Hiber-
Biberach bei km 132.5 Richtung Ummendorf zwischen den Bahnübergängen Bad und Angermühle
von zwei aus Gsten anfliegenden amerikanischen
Jagdbombern mit Bordwaffen beschossen. Der Anholt, und das aus niederster Hohe. Beschossen wur-
de vor allem die Lokomotive, die schon nach den
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ersten Geschoßgarben so durchlochert war, d aß
Wasser und 13ampf aus vielen Löchern ausströmte
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und somit den Zug zum Halten brachte. Dabei
wurde der Lokführer Karl Marx aus Ulm so schwer
verwundet, daß er nach Einlieferung in das Kreiskrankenhaus Biberach am 1. August 1944 an diesen
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Verletzungen verstarb. Ber Heizer wurde nur leicht
verletzt und konnte nach Anbringung eines Notverbandes nach Ulm zurückkehren, während der Zug=
führer mitschweren Verletzungen ins Kreiskrankenh aus verbracht wurde und dort längere Zeit b i s
11.11. 1944 lag. Von den Reisenden, die, nach
Anhalten des Zuges, links und rechts der Bahnlinie
in den Gräben und Wiesen, ja bis im Fohrhäldele
Schutz vor den Jagdbombern suchten, wurde nur ein
Reisender leicht verletzt, der aber seine Reise fortsetzen konnte, nachdem er hier verbunden wurde.
Per Zug mußte mit einer neuen Lok zum Bahnhof
Biberach zurückgezogen werden. Nach Ausstellung
eines Schnellzugwagens, der ebenfalls sehr statik
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4
durchlochelt war, konIlte der Zug mit clem glÜßten
Teil der Reisenden seine Fahrt nach Innsbruck fortsetzen. Ein kleiner Teil der Reisenden blieb hier in
Ulrner- TQr-SfM e AP/ TQgdes Angrl s. pecßQ'
Biberach und setzte die Reise erst ander~tags fort,
AindwrcA &is zufH Haus des Kreisver&ands ip> seiner
da bis zur Abfahrt des E) 337 bekannt wurde, daß an
~QPIQllgePl, ft1zwlscAen verschwundenen Qesfglf.
p Ä e~en
~e>i UIPler X9r genf ÄHPlQer BAck
acher Schulen nicht mehr zuließ, und die alliierten
Bomberflotten, elle Über die Stadt hlnwegflogen; bei
den großen Angriffen auf München oder Augsburg
zählte man dabei über 1300 Flugzeuge. Viele Biberacher suchten die Bunker und Keller erst gar nicht
mchi auf, nachdem monatelang nichts geschehen
war. Als so am 12. April gegen 9.30 Uhr Luftalarm
gegeben wurde, hatten es Ilur wenige eilig, sich iI1
Sicherheit zu. bringen. Erst nachdem die Sirene akute Luftgefahr ankündigte, flüchteten die meisten in
die Keller und Bunker; nicht wenige blieben aber in
den Häusern und Wohnungen zurück, und einige
standen sogar nur im Ulmer Tor unter.
Ein Augenzeuge, der das Geschehen von einer
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bewaldeten Anhöhe zwischen Ummendorf und
Schweinhausen aus beobachtete, berichtet, Biber-
Anzielen der Posamentenfabrik Gerster und des
Bahnhofs von sieben französischen Maschinen des
Typs Potez nach anderen: Marodeur B 26 bombardiert worden. „,Von meinem Standpunkt aus konnte
das Äffnen der Bornbenschächte genau beobachtet
werden. Die falllenden Bomben haben stark im Sonnenlicht geglänzt. Nach meiner Zählung wurden ent
=
wede~ 63 oder 65 Bomben abgeworfen. Am Angriffstag ging ein leichter %ind. Dieser hat meiner
Ansicht nach die Bomben nicht auf das anvisierte
Ziel, sondern in die Innenstadt abgetrieben."
Eingehendschilder t auch del d a IHallge Ratsschreiber johannes Maier den Angriff, den er auf
dem Rathaus miterlebte. Er schreibt: „Vorausschik-
+aus U l fpfer=pgr-Stra 3e g1 R
ken möchte ich, daß ich den Luftschutzkeller grund-
fnQPlden ruckwÖ»Agen Tfll zwnachst du»ch e~ne h~ch-
sätzlich nicht mehr aufgesucht habe, und zwar, weil
geviauertelVand; im Zuge des Neu&aus v~n Ulfne»TGf =5t»a e 13 B»awnger = Helle wurde er a~er dGch
ich nie an einen Angriff auf Biberach glaubte, das ja
kein besonderes Bombenziel bot. Sodann sah ich
den inmitten des Rathauses gellegenen Luftschutz-
e l n handlung F r a n z
L.el chtle . H/e» Nrohnte tal 19. Jahrhundert der Lokal-
dichter Danke/ He~nr>eh 5chmalzlng. f a h r end der
vG»dere TÄl des GebÖ lides a&gerlssen ~urde~ s<cherte
raum mehr oder weniger als eine Mausefalle an, aus
anflog, plagte mich doch die Neugier. Ich öffnete
dem es kein Entrinnen gab. Endlich scheute ich
mich davor, Zeuge von politischen Gesprächen zu
das Fenster und schaute in die Anflugrichtung. Im
werden, die im Luftschutzraum gewöhnlich geführt
wurden. Aus diesem Gru,nde habe ich den Angriff in
gleichen Augenblick„ in dem die Flugzeugstaffel in
mein Blickfeld kam, lösten sich die Bomben von den
Fllugzeugen. Es war genau 10.l6 Uhr, denn die
meiner Kanzlei erlebt. Als die kleine Bomberforma-
Kirchturmuhr wurde durch die Erschütterung zum
tion das e~ste Mal die Stadt überflog, nahm ich keine
Stehen gebracht. Schneller als ich mich umwenden
Notiz davon; als sie aber das zweite Mal wiederum in
geringer Höhe — es dürften kaum 200 bis 300 Meter
gewesen sein — die Stadt aus nordöstlicher Richtung
konnte schoß eine mächtige Rauch- und Staubwol-
ke in die Höhe, und gleichdarauf prasselte ein
Hagel von kleinen Ziegelbrocken, Steinen usw. auf
Bild rechts unten: Qie Südseite der Ulfner-Tor-Stra e, wo sich heute die Höuser Ruppfnann, Bayerische
Qchsen~, dePl Stafnfnlokal des Malers Johann Baptist
P ug„ist nur nßch das &dgeschQ vorhQP7den. Qle
Eselsruckenu&ef den Fenstern SMd einSA(fnefkfnal des 26.Jahrhunderts.
die Bäcker der benachbarten Häuser und auf die
Straße nieder. Ein sciharf gezackter Bombensplitter
I
haus, wo er in dem Tor im Erdgeschoß stecken blieb.
Nach kurzem. Besinnen verständigte ich die Leute im
Luftschutzkeller und in der Polizeiwache und eilte
dann öber den Kirchplatz dem Schadensgebiet zu,
um auf schnellstern Wege nach Hause zu kommen.
Nur wenige verängstigte Leute wagten sich aus den
Häusern am Kirchpl,atz hervor, weil immer noch ein
paar feindliche Jäger über der Stadt kreuzten und
den seien, die in der Stadtpfarrkirche, und zwar in
der Nähe des evangelischen Taufsteins, niedergelegt
seien, was ich dann auch bestätigt fand. Nachdem
sich der Umfang des Schadens und die Zahl der
Toten einigermaßen übeiblicken ließ, besprach ich
mich mit der Polizei, um die Sterbefälle möglichst
bald beurkunden zu können."
Aus Mettenberg berichtet Josef Erath: „Das ein-
schneidendste Ereignis war die Bombardierung Biberachs am 12. April il.945. Es war ein trüber Tag, mit
dichten Wolken. Gegen 1() Uhr war Fliegeralarm
mit ihren Bordwaffen schossen. Als ich auf den
Gbstmarkt kam, bot sich ein grauenhaftes Bild;
Balken und Schutt waren über die ganze Straße
zerstreut, und aus einem Fenster des oberen Stocks
gegeben worden, kulzdanach akute Warnung. Man
hörte Fliegergebrumm, das bedrohlich anschwoll.
im Hause Franz rief Frau Maria Haug um Hilfe,
sehächte öffneten und die Bomben wie kleine
deren Wohnung zum Teil durch einen Bombentref-
fer zerstört worden war und die durch die Trümmer
gehindert war, ihre Wohnung zu verlassen. Sie sah,
schwarze Eier herausfielen. Kurz darauf hörte man
schwere detonationen, und bald sah man eine riesige Rauchwolke aufsteigen. Etwas später wurde vorn
daß aus der nebenan gelegen,en Stadtfärbe Rauch
aufstieg, was auf einen Brandherd schließen ließ. Ich
Wind ein starker Aschenregen angetrieben, sogar
große Stoffetzen und angebrannte Geldscheine fie-
rief ihr zu, daß sie sich beruhigen möge, ich würde
gleich versuchen, bis zu ihr vorzudringen. Als ich
aber in das Treppenhaus karn, das nur noch ein
len vorn Himmel. Erst allmählich wurde klar, daß
wirrer Haufen von Balken und Schutt war, sah ich
sofort, daß hier kein durchkommen war. Ich ging
deshalb auf die Straße zurück, wo eben auch Herr
Eine Gruppe von Bombern überquerte im Tiefflug
das Borf, dann sah man, wie sich die Bomben-
Biberach getroffen worden war; zunächst war man
der Meinung, irgendwo in Mettenberg seien Bomben gefallen."
Michael Franz auftauchte, der über und ülber mit
acher Qberschulen beobachtet deren Englischunterricht wegen der allgemeinen Lage in privatem
Staub überzogen war und eine blutige Binde um den
Rahmen bei der Lehrerin, Freiin Gabriele von
Kopf gewickelt hatte. Ich rief der Frau Haug wieder
zu, die immer noch außer sich war, daß ich sofort die
Feuerwehr herbeirufen wÜrde, damit sie Über die
Koenig, auf Schloß %arthausen abgehalten wurde.
Es war zwar auch dort Fliegeralarm gegeben worden, aber Warthausen galt als „ s icher", un d so
Leiter gerettet werde. In diesem Augenblick kamen
wurde die Stunde, die in einem der Zimmer des
auch schon die ersten Feuerwehrleute vom Kirchplatz her in dias Schadensgebiet. Ich unterrichtete
Südturms stattfand, nicht unterbrochen. Als Flug-
dieselben, daß die Frau nur noch über eine Leiter
gerettet werden könne, da das Treppenhaus völlig
zerstört sei. Nun versuchte ich durch die Ulmer-TorStraße nach Hause zu kommen. K)ies war aber völlig
m
sperrten die ganze Straße bis zum U1IIler Tor. Ich
machte deshalb kehrt und nahm den %eg durch die
Pfluggasse, die ebenfalls starke Schäden aufwies,
v,nd die Viehrnarktstraße. In meiner Wohnung am
und Nordseite eingedrückt, und auf den Betten und
Möbeln lag zentimeterhoher Staub. Als ich mich
überzeugthatte, daß niemand zu Schaden gekommen war, ging ich auf dem gleichen Weg wieder ins
wehr und zahlreiche Zivilpersonen in Tätigkeit getreten, zumal es auch an verschiedenen Stellen zu
brennen begann. In der Nähe des Schoßer'sehen
Hauses sah ich, wie zwei Feuerwehrleute eine lehlo-
von ihnen, daß bereits mehrere Tote geborgen wor-
zeuggeräusche hörbar wurden, gingen die Schülerinnen — es waren nur 6 bis 8 — ans Fenster. Sie sahen,
wie der in Formation fliegende Pulk etwas fallen
ließ. Jemand rief: „Die werfen Flugblätter~" — so
etwas hatte man schließlich schon erlebt. Aber fast
im selben Moment erfolgten die detonationen, und
wölbten Erdgeschoß des Schlosses in Sicherheit.
Später kehrten sie unter Vermeidung der Landstraße durch dlie Warthauser Halde in die Stadt zurück.
Eine ehemalige Lehrerin des heutigen PestalozziGymnasiums, Käte Scholz, die damals im Haus
Rudhardt am Schweinemarkt wohnte, schildert in
fast 4ßjähriger Rückschau den Bombenangriff als
unmittelbar Betroffene. Zunächst spricht sie von der
Aufnahme einer Freundin die mit ihren Angehörigen aus Görlitz nach Biberach geflohen war: „Inzwischen wai es Anfang April geworden. Gstern hatten
wir zusammen gefeiert, und die G örlitzer hatten
sich, so gut es eben ging, wenn man die Heimat
verlaßt, in Biberach zurechtgcfunden und eingelebt.
Ba geschah es. Es war der 12. April 1945. VAr
hatten gerade schulfreien Tag, und ich war zu Hau-
se. Ba ertönte gegen 1ß Uhr die Sirene: Flicgeralarrn. Frau Gragnato, die Kosmetikerin, die mit im
Hause wohnte, klopfte an meine Zimrnertüre und
rief herein:,Fräulein Scholz, kommen Sic doch iherunter zu mir i n m e inen Kosmetiksalon, der ist zu
ebener Erde, da können wir schnell hinaus, wenn
irgend etwas passieren sollte. Ich mache schnell ein
Feuer im Gfen an, ich habe irgendwie eine Ahnung,
nicht wohin. Da kamen drei Schülerinnen, drei
Schwestern, mit ihrer Mutter daher, um sich in dem
Schadcnsgcblet umzusehen uncl zu helfen, wo cs Ilot
hen, wieich oben beschrichen habe. Sie nahmen
mich mit zu sich in den Außenbczirk, wo sie wohntcn. B1c Maclcls zogcn noch am gleichen Tage mit
Waschkörben los, um meine geretteten Sachen zu
daß heute etwas passiert.' Ich lachte sie ein wemg
aus, nahm aber dann doch mein stets gepacktes
hcit,da die Treppe auch statik beschädigt war. Aber
Luftschutzköffcrchen und ging h i nunter. U nsere
Hauswirtiii wollte vom Heruntcrgehen nichts wis-
es ist ihnen doch gelungen, fast alles herauszuholen.
Natürlich war vieles kaputt oder beschädigt, besonders was an der Wand hing an Bildern usw., auch
seQ, ich glaube, sie begriff den Ernst der I.agc gar
nicht, hörte auch nicht den Fliegeralarm oder die
Flieger selbst, wenn sie die Stadt überflogen. Wie
ich in den Kosrnetiksalon kam, brannte schon ein
Als ich mich gewaschen und gesäubert hatte, galt
Feuer im Qfen, und Frau Gragnato mit ihrem sechs-
mein erster Gedanke den Flüchtlingen aus Görlitz,
jährigen Söhnchcn warteteauf mich. Kaum waren
wir fünf Minuten unten, da krachte es wirklich über
die ausgerechnet im Schadensgcbiet wohntcQ. Die
uns und um uns herum. Irgendwie warf ich mich
spontan auf den Fußboden und bedeckte vor allen
Dingen meine Augen mit Handen und A rmen %1c
ich nachher feststellte, hatte Frau Gragnato dasselbe
mein klciIlcr Radioappalat, dcI' auf clncI K o nsole
an der Wand stand. Aber das war zu verschmerzen.
bclIden juIlgcIl Maclchcn waren ja bei Ih rem Stcucrberater außerhalb des betroffenen Gebietes im
l3ienst und waren also gerettet. Aber die anderen
b eiden, Mutter und Tochter. Al s ic h m ich d em
Stadtteil näherte, war alles abgesperrt. Es durften
getan. Nur der kleine Siegfried hatte nach oben
geschaut und so nachher das ganze Gesichtchcri
voller Schnittwunden. Noch einmal ein furchtbarer
dorthin. Am nächsten Tage bekam ich schließlich
mit dem einen jungen Mädchen die Erlaubnis, das
Krach, dann p1ötzlich wieder Stille. VAc lange ich so
auf dem Boden lag, natürlich mit Staub und Schutt
bedeckt, weiß ich nicht. Sekunden und M i nuten
kommen einern ja in solchem Falle immer unendlich
lang vor. %'ie ich einigermaßen fassen konnte, was
geschehen war, war mein erster Gedanke:,Hoffent-
lerunterst liegend, grub man sie stückweise aus. Sie
scn wOrden sciIl un d
v o r her ga r QichtS ge1TICrkt
haben oder lange leiden müssen. Natürlich war un-
llich hast Du alle Beine Glieder nocih heil und ganz".
Langsam zog ich den einen Arm vor, Gott sei Dank
in Grdnung. Bann kam der andere an die Reihe,
schmierig, Den einen Arm erkannte ich an den
Ringen, die meine Freundin stets getragen hatte. Ich
befreien, auch sie waren intakt. Ein Dankgebet stieg
mehr denken."
zum Himmel empor, dann erst erfaßte ich die ganze
Lage. Frau Gragnato war es wohl ähnlich gegangen
wie mir. Von oben bis unten mit Staub, Mörtel usw.
bedeckt, standen wir in einem Trümmerhaufen.
Bic
Tür war von außen so verschüttet, daß wir trotz der
Straßcnlage nicht heraus konnten. Über uns war die
Die damaligeBilberacher Zeitung, die
Donau-
J
griff keine einzige Zeile lbringen.
Der etwa zehn Minuten dauernde Luftangriff, der
dien östlichen Teil der Altstadt, besonders das Ge-
Zimmerdecke noch intakt, also auch wohl die Küche
die Pfluggasse, die Bürgerturmstraße und den Gbst-
von Fräulein Ruthardt, die sich darüber befand. Von
der Technischen Nothilfe wurde unsere Tür bald
freigelegt. Da standen wir nuB wie Mehlfiguren au.f
der Straße und sahen die Bescherung. Die eine Seite
des HBuscs war vollstandig clngcfallcn, wahrscllcin-
markt SChwer traf, fOrderte 1QSgeSamt 55 TOte und 14
Bergung ihren Vcrletzungcn:
von Bank, Paul, Elcktrornonteur
lich vom Luftdruck, denn die Bomben waren ziemlich in der Nähe gefallen. Die Treppe in unserem
von Bank, Johanna, geb. Reck
von Bank, Amanda
Vcrlletzte; 5 Personen waren vermißt.
Durch Bomben starben oder erlagen nach der
von Bank, Andrea
digt und schwer gangbar. Gbcn stand staubbedeckt
und mit weit aufgerissenen Augen unserc%irtin, die
gar nicht fassen konntc, was geschehen war. Sie
hatte Haus und Heimat verloren. Ich stand nun mit
meinem Luftschutzkoffcr auf der Straße und wußte
Bechter, Franziska, geb. Kiesle
Burkhardt, Elisabeth
Dehn, Elsa
Dchn, Konrad, Schauspieler
Schrattenberger, Elisabeth, geb. Dehn
Lachcnmaier, Rosa, geh. Schrattenbergcr
dIIIc LüschgIUppc des Relchsarbcltsdlcnstcs und die
13itterich, H ärbel
%crksfeucrwchren der E V S , d e r S e idenfabrik
Schmitz, der Posamcntenfabrik Gerster und der
Bitterich, Jorg
I3ittcrich, Lore
K)ittcrich, Martha, geb. Schlotterer
Busslcr, Karll
Ellwanger, Lydia, gcb. Keim
Engel, Margrit
Fischer, Lisette, geb. Schlenkrich
Gutermann, Maria, geb. Widmann
Herre, Josef, Postschaffner
Jäckle, Anna
Jäckle, Clothildc, geb. Brandisser
Karasinska, Honislawa
Keller, Luise, geb. %armer
Kempkcn, Lydia
Kernberger, Ernilie, gcb. Schonlc
Klein, Barbara, geb. Sclwci t
Seiwcrt, Gertrud
Sclwcl t, Maria
Kloos, Sofie, geb. Fuchs
Maruschak, Michael
Mast, Gustav, Schneidermeister
Mayer, Ingeborg
Maycr, Lore
Mayer, Luise, geb. Gcrstcr
Maycr, Gtto, Kaufmann
vollmcrweI'kc cingcsctzt, ebenso die Frclwllllgcn
Feuerwehren Lauplheim, Gchsenhausen und Ummendorf.
Insgesamt wurden 37 Gebäude zerstört, 1ß davon
durch Brand B:
Bahnhofstraße 4
EmltHB WcI ner
Hedwig Fischer
Bahnhofstraße 6
Hahnhofstraßc 10 B
Bürgerturrnstraße 19
H ürgerturmstraße 21
Theresia Nothclfer
Christian Schlotterer
Luise Zeller
„%C1ßkI'CUZ-
Apothckc
Hürgerturmstraßc 22
Bürgerturmstraße 24 B
Bürgcrturmstraße 25
Hürgerturmstraße 26 H
Gbstmarkt 3
(3bstmarkt 4
Gbstmarkt 5/1
Gbstmarkt7 B
Heinrich Forschncr
Auguste Hiller
Vogt/Holde rried
Zelzer/Kaiser/Musterle
August Sou,rissea.u
Josef Bendel
Lieb/Kaiser
Str emann Stark
„Stadtfärbe"
Karl Kaspar
Geschwister Hornle
„Hecht"
Gtto Mayer
Sourisseau/Mast
Gbstmarkt 10
Gbstmarkt 12
Neubrand, Friedrich, Huchbindermcister
Pfluggasse 1 und la
Pfluggassc 3
Pfluggasse 3/1
Pfluggasse 4
Pfluggassc 6
S. G. Engler Erben
Grtner, Sofie
SchwaIlcnstraßc 2
Sulie Ru,dhardt
Pflüger, Friedrich, Buchbindcrmeister
Podlech, Ella, geb. Kiehling
Podlech, LU1se
Ulmer- Tor-Straße 1
Ulmer- Tor-Straße 2
Ulmcr- Tor-Straße 9/2
Ramsperger, Antonic, geb. Huck
Ulmcr-Tor-Straße 1ß
Rütter, Matthias, Gbcrfeldwcbel
Ulmer- Tor-Straße 11
Schanz, Friedrich, Schneidermeister
Ulrncr- Tor-Straße 12
Ulmer- Tor-Straße 12/1
Huber/St:ähleAVidm arm
Gcol.g Kolcsch
Sulius Schmid
Luise Hcrrmann
Franz Leichtlc
Friedrich Schanz
Martin Liedei
Johann Hraunger
Gebr. Handtmann
„Schwarzer Gchsen"
Metzger, Elisabeth
von Mürner, Eise
Moßlang, Franziska
Nenko, Iwan
Schirrrnacher, Helene, gcb. Brauner
Schmid, Karl, Gastwirt „Zum Stern"
Siphon, Siegfried
Klothilde Säckle
Gcschw. Ramspcrgcr
Ulrner-Tor-Straße 15 H
Ulrner- Tor-Straße 16
Schuck, Loretta
MBI'1cGruß
Temme, Gertrud, gcb. Haug
Xeller, Elisabetha, geb. Ihllc
Ulmer- Tor-Straße 17
Ulmer-Tor-Straße 18 H
% CI'za, JohanIlcs
Bie Schwerverletzten wurden nach ihrer Bergung
Ulmer-Tor-Straße 26 H
Ulmer- Tor-Straße 21
sofort in das KI'cisklankcnhBUs gebracht, die Toten
Ulmer-Tor-Straße 22 B
Christian Mäule
aber vorläufig in dler Stadtpfarrkirchc aufgebahrt.
Ulmcr-Tor-Straße 25 B
Xaver Schuster
Lurnpp/Rcichart/Hcpfer
Rau/Keller „Son,ne"
Geschwister Lesehr
Karoline Geiger
Gien zu konncn
I H ußtcn ZUnßchst die HI'andlC ge-
löscht werden. K)er Einsatz der Feuerwehr konnte
BiM recAts oben: E.agep/an des ScAadensge~~ets
Bild: Siadtp/anungsamt
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markt mitTrümmern bedeckt und durch Bombentrichter aufgerissen waren. Neben der Freiwilligen
TßtalscAaden
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BiM rechts u~te~: Heutiger Zustand Sept. 1N2
LÄ taÄ nQAPle;Mlgege&en untere¹. 122/23
nieder; die Fabrik, die Seifenpulver und Seifen herstellte wurde dabei völlig zerstört. DIe siebte Bombe traf das Areal cler Firma Karosseriehau Gtto
Gttenhacher, tötete dort die 19jährige Frau Maria
Niehof, geb. Nikolaus, und zerstörte eine von fünf'
Familien bewohnte Baracke.
werden, daß der Angriff den Hahnanlagen gelten
sollte. Jedesmal, wenn eine Bombe gefallen war,
drehte das Flugzeug bei und flog aus allen Rohren
feuernd wieder über die Stadt hinweg. Ein großer
Teil der vorgeführten Pferde wurde scheu und die
Pferde jagten in alle Richtungen auseinander, die
13ie Jagdbomber belegten nun das ganze Gebiet,
Begleitmannschaften mit sich reißend. Nur wenige
darunter auch den Bahnhof, mit ihren Hordwaffen
der Pferde machten sich aus dem Angriff nichts. Ich
und schossen auf Personen, die aus anderen Barak-
hatte den Eindruck, daß die Bomben eher der Sche-
ken der Firma Gttenbacher zum nächsten Bunker
eilten. Bei diesem Angriff wurden tödlich getroffen:
Frau Wilhelmine Scheuermann, geh. Wagenhals, Elfriede Scheuermann 6 J a hr e al t u n d A d e l heid
Scheuerrnann 7 Monate alt .
Bie Nichte der g etöteten Frau Scheuermann,
Margret Scheuermann, wurde schwer verletzt. Ein
Lazarettzug, der auf einern Rangiergleis in nächster
Nähe abgestellt war, blieb gilücklicherweise verschont, lediglich drei beladene Güterwagen und ein
leerer Personenwagen wurden in Brand geschossen.
Heim nächsten Anflug warfen die Jagdhomber
diei Sprengbomben auf die Wurstfabrik Schefold,
chens in der Bleicherstraße, eine nordwestlich der
strle. Alsdann wurden noch einige Bomben an der
Kehre der Bergerhauser Straße beim Fohrhäldele
abgeworfen, die offenbar der Posamentenfabrik galten. Nachdem die zur Musterung vorgeführten Pfer-
nungsgemäß ohne weitere Störung, durchgefuhrt
werden.
Vier Tage späte~, am Montag, dem 23. April 1945,
war für Hiberach der Krieg zu Ende; französische
Truppen besetzten die Stadt.
Etwa gegen 13 Uhr rückten französische Panze~
von Mittelbiberach her gegen Biberach vor. Auf der
nen wurden nicht verletzt, und der Sachschaden
leistete noch eine Nachhut den Franzosen mit Gewehren und Panzerfäusten Widerstand; die — nach
c le die Posarnentenfabrik Gustav Gerster in d e r
Mernrninger Straße angegriffen. Qie drei Sprengbomben verfehlte~ aber ebenfalls ihr Z i el. Z w ei
detonierten unterhalb der Kehre der Hergerh,auser
Straße im Hang; die dritte wurde sieben Jahre später
am Rand des Fohrhäldele freigeschaufelt, entschärft
uncl abtransportiert. Auch dieses Mal wurde nur
Sachschaden angerichtet, zumal ein zusätzlich abge
=
Meter neben den Fabrikgebäuden aufschlug, keinen
Bie französischen Truppen stoppten nun aber ihren
Vormarsch und beschossen etwa zweieinhalb Stunden lang die Stadt. Hel dIeser Beschießung kamen
vier Menschen ums Lehen. Bie klleine Friedegunde
Kopp wurde bei der Ziegelhütte tödlich getroffen
und der K)ienstknecht Konrad Braunger vor der
Bierhalle in der Karpfengasse. In ihrer elterlichen
Wohnung in der Riedlinger Straße kam Hermine
Schaden anrichtete.
WIeder war RatsschreIber Johannes Maier Au-
Herter ums Lehen, im Wohnzimmer der %olfental-
genzeuge: „Arn 13onnerstag, dem 19. April 1945,
war auf 9 Uhr eine Pferdeaushebung auf dem Gigelberg anberaumt. Ich begab mich um 8.15 Uhr mit
Jordanhads fand der aus Stuttgart nach Hiberach
evakuierte SchüleI' Paul Ernst clen Tocl.
Kurz vorher schon war cler Hrauereibesitzer Carl
der Musterungsliste nach oben, und da es bereits
Zell beim Versuch, an seiner Brauerei in der Hardt-
ziemlich warm war und die Sonne schien, veranlaßte
ich, daß die Pferde in den Anlagenweg hineingestellt
wurden. Ich kontrollierte dann, ob alle vorgelade-
steigstraße clie weiße Fahne zu hissen, getötet wor
mUhle Ing. Richard Bopp. Bei der Beschießung des
=
nen Pferde da waren. Etwa um 8.35 Uhr wurden in
den. K)en über die Rißbrücke vordringenden Panzern fiel in den Freiburger Wiesen der etwa 6()jährige Johann Nikolaus zum opfer, der den rettenden
großer Höhe Fluggeräusche hörbar. 13ie Flugzeuge,
Bunke~ in der Steigstraße nicht mehr erreichte.
die ich nicht sah, dürften etwa drei oder vier an der
Zahl gewesen sein. Sie kreisten einige Male Über cleI'
Stadt und setzten clann einzeln im Sturzflug zum
tiv gering; doch brannten drei Scheunen ab, acht
Häuser wurden schwer uncl 61 rnittelschwer bzw.
Angriff auf die Fabrikanlagen der Chemischen Indu,strie an. l3a wir uns mitten in den Anlagen befanden, konnte nichts Näheres
wer-
leicht beschädigt. Eine Panzergranate schlug in das
Haus Kolpingstraße 3 ein, eine weitere explodierte
in einer unmittelbar rechts neben dem Haus stehenden Pappel. In der Schulstraße 19 durchschlug eine
genden ualm wolken nach koIlnte angenommen
Granate eine Wohnung; sie zllndete erst außerhalb
wahrgenom
men
des Hauses. Auch in der Nähe des Wielandmuseums
war ein Einschlag zu verzeichnen. K)er Treppengiebel am Brandenburg'sehen Kaplaneihaus wurde zum
Teil weggeschossen. Granatsplitter beschädigten das
H ospitalgehäude in d e r M u seumstraße und a m
Viehmarkt; vom gleichen Geschoß wurden die Häu-
ser Viehmarktstraße l und 2 beschädigt. Auch im
Vorort Bergerhausen gingen einige Granaten nieder. Nebenher versuchten sich cl1e Flanzosen aUgenscheinlich in Zielübungen. Von der Treffsicherheit
zeugten noch lange je zwei große Ein- und Ausschußstellen im Kupferhelm des Kirchturmes von
St. Martin.
Besonders s c hweres G e s chCitzfeuer e r h i elt
schließlich die städtische Latrinengrube an der Burrenstraße; der Feind vermutete clort v/ohl aufglUnd
des äußeren Scheins einen betonierten Bunker.
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Gegen 16.3() Uhr rollten die Panzer dann in Biber-
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ach ein. Bürgermeister Hammer ging den franzosischen Truppen, die vor dem Rathaus haIltgemacht
hatten, mit einigen Beamten entgegen und übergab
formlos die Stadt.
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Quellen und Literatur
Akten des Stadtarchivs Biberach
Akten des Kreisarchivs Biberach
Kriegslärrn um Biberach. Dunkle Schatten der Vergangenheit, in:
SchwäbischeZeitung Biberach vom 22.4.,23.4.,27.4.,3ß.4.,6.5.
und 7. 5. 1955
Biberach an der Riß. Das war vor 2() Jahre~.. ., Biberach 1965
Ruprecht Hingerl, Biberach an der Riß im Jahre 1945. Zulassungsarbeit Pädagogische Hochschule Weingarten 1966.
Josef Erath, Mettenberg, Ein oberschwäbisches Dorf. Mettenberg
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1974.
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