Informationsblatt "Darmkrebsfrüherkennung"

DARMKREBS: Wissenswertes zur Früherkennung
•• Ab einem Alter von 50 Jahren können Sie regelmä••
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Grafik: Mikael Häggström, Wikimedia Commons / Pixabay © Deutsches Krebsforschungszentrum
Krebsinformationsdienst kurz & bündig
ab 50
ßig Untersuchungen zur Darmkrebs-Früherkennung
in Anspruch nehmen. Sie gehören zur gesetzlichen
Früherkennung und sind kostenlos.
Sie können Ihren Stuhlgang auf unsichtbares Blut
testen lassen oder zu einer Darmspiegelung gehen.
Bei einer Darmspiegelung können Ärzte Krebsvorstufen sogar entfernen und so Krebs vorbeugen.
Wird Darmkrebs in einem frühen Stadium erkannt,
verbessern sich die Heilungsaussichten.
Informieren Sie sich zunächst über die Vor-und
Nachteile und entscheiden Sie dann, ob Sie die Untersuchung in Anspruch nehmen möchten.
Unabhängig von der Früherkennung gilt: Sprechen
Sie über verdächtige Veränderungen mit Ihrem Arzt.
Fragen zu Krebs? Wir sind für Sie da!
0800 - 420 30 40
MÖGLICHKEITEN DER FRÜHERKENNUNG
Darmkrebs – gemeint ist hier Krebs im Dick- und Enddarm – ist in Deutschland bei Frauen die zweithäufigste
und bei Männern die dritthäufigste Krebserkrankung.
Im Jahr 2014 gab es schätzungsweise 64.000 Neuerkrankungen. Generell gilt: Je früher Darmkrebs (kolorektales Karzinom) behandelt wird, desto besser sind
im Allgemeinen die Heilungschancen. Im Rahmen der
gesetzlichen Krebsfrüherkennung haben Sie im Alter
von 50–54 Jahren Anspruch auf einen jährlichen Stuhltest. Dieser untersucht, ob sich nicht sichtbares („okkultes“) Blut im Stuhl befindet. Die Wahrscheinlichkeit, zu erkranken, steigt mit dem Alter: Ab 55 Jahren
wird daher eine Darmspiegelung angeboten. Sie ist
zuverlässiger als der Stuhltest, Krebsvorstufen können
sofort entfernt werden. Bei unauffälligem Befund muss
sie erst nach 10 Jahren wiederholt werden. Wer keine
Darmspiegelung möchte, kann ab 55 Jahren stattdessen alle 2 Jahre einen Stuhltest in Anspruch nehmen.
Eine weitere Untersuchung, das Austasten des Enddarms, ist nicht Teil der gesetzlichen Darmkrebs-Früherkennung. Bei Männern wird der Darm im Rahmen
der Prostatakrebs-Früherkennung ausgetastet, bei
Frauen bei einer Untersuchung durch den Frauenarzt.
STUHL- UND BLUTTESTS
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Was sollten Sie über Stuhltests wissen?
Darmtumoren bluten häufiger als gesunde Darmschleimhaut. Mit Stuhltests kann Blut nachgewiesen werden, das mit bloßem Auge nicht auffällt. Ein
Nachteil ist die geringe Empfindlichkeit: Wenn kein
Blut nachgewiesen wird (negativer Test), schließt
dies Darmkrebs nicht sicher aus – ein Tumor kann,
muss aber nicht bluten. Aber auch ein Blutnachweis
(positiver Test) bedeutet nicht immer Darmkrebs:
Blut im Stuhl kann auch andere Ursachen haben. Wichtig ist: Wurde bei Ihnen Blut im Stuhl entdeckt, sollten
kostenlos, täglich von 8 bis 20 Uhr
Sie eine Darmspiegelung machen lassen, um Krebs auszuschließen.
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Chemischer Stuhltest
Wie läuft der Test ab?
Für den Stuhltest erhalten Sie von Ihrem Arzt „Testbriefchen“. Auf diesen bringen Sie an verschiedenen
Tagen Proben Ihres Stuhlgangs auf und geben Sie bei
Ihrem Arzt ab. Es wird eine Substanz auf die Stuhlprobe
getropft: Eine Farbveränderung zeigt an, ob Blut im
Stuhl ist oder nicht. Man bezeichnet dieses chemische
Testverfahren auch als Guajak-basierten Stuhltest. Die
Kosten übernehmen die Krankenkassen.
Was sind Vor- und Nachteile?
Vorteile sind: Der Test ist zur Darmkrebs-Früherkennung
geeignet und verringert laut Studien die Darmkrebssterblichkeit: Regelmäßig durchgeführt rettet der Test
über 10 Jahre eine von etwa 1000 Personen vor dem
Tod durch Darmkrebs. Außerdem ist der Test leicht anzuwenden. Ein Nachteil ist die Störanfälligkeit des Tests:
Nahrungsmittel oder Medikamente können die Ergebnisse verfälschen. Manche führen dazu, dass man durch
„falschen Alarm“ unnötig beunruhigt wird, andere dazu,
dass man sich fälschlicherweise in Sicherheit wiegt.
So können Vitamin C-Präparate den Test stören: Er zeigt
kein Blut im Stuhl an, obwohl sich Blut darin befindet.
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Immunologischer Stuhltest
Bei diesem Test wird Blut im Stuhl mit Hilfe von Antikörpern nachgewiesen. Studien zeigen, dass die immunologischen Tests Darmkrebs besser erkennen als der
Guajak-Test. Jedoch sind nicht alle immunologischen
Tests zur Früherkennung geeignet, sondern nur die, die
nicht zu oft „falschen Alarm“ geben. Diese Tests müssen Sie derzeit selbst bezahlen. Experten erwarten aber,
dass verlässliche immunologische Stuhltests künftig
Teil der gesetzlichen Krebsfrüherkennung sein werden.
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Stuhl-DNA-Tests und Bluttests
Neue Tests weisen die Erbsubstanz (DNA) von Tumorzellen im Stuhl oder krebsspezifische Marker (Eiweiße,
Erbsubstanz u. a.) im Blut nach. Ihr Nutzen ist noch nicht
ausreichend durch wissenschaftliche Daten belegt.
GROSSE DARMSPIEGELUNG
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Wie läuft die Untersuchung ab?
Eine große Darmspiegelung (Koloskopie) können Sie
ambulant durchführen lassen. Für die Untersuchung
muss der Darm vollständig entleert sein, damit die
Schleimhaut gut einsehbar ist. Zur Vorbereitung
gehören Fasten und eine spezielle abführende Trinklösung. Wann Sie mit der Darmreinigung beginnen
sollen und wie sie genau abläuft, erläutert Ihr untersuchender Arzt. Auf Wunsch können Sie vor der Untersuchung eine Kurznarkose oder ein Beruhigungsmittel
erhalten. In der Regel tut eine Darmspiegelung nicht
weh, kann aber als unangenehm empfunden werden.
Bei der Darmspiegelung untersucht der Arzt den gesamten Dickdarm mithilfe eines Koloskops. Dies ist ein
etwa fingerdicker, biegsamer Schlauch mit Lichtquelle
und Kamera am Ende. Er wird in den After eingeführt und
schrittweise bis zum Dünndarm vorgeschoben. Beim
Zurückziehen des Instruments werden Dick- und Enddarm auf verdächtige Schleimhautveränderungen
untersucht. Entdeckt der Arzt dabei auffällige Wucherungen (Polypen), kann er diese während der Darmspiegelung entfernen: Mögliche Krebsvorstufen können sich
dann nicht zu bösartigen Tumoren weiterentwickeln.
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Was sind Vor- und Nachteile?
Wie zuverlässig bei einer Darmspiegelung alle Schleimhautveränderungen entdeckt werden, hängt entscheidend von der Erfahrung des Untersuchers ab. Zur Früherkennungskoloskopie berechtigte Ärzte benötigen
eine besondere Qualifikation. Generell ist es möglich,
dass Polypen übersehen werden, insbesondere wenn
diese flach oder eingesenkt sind. Trotzdem ist dieses
Untersuchungsverfahren das zuverlässigste, um bösartige Tumoren und deren Vorstufen zu entdecken. Bei
der Darmspiegelung und speziell bei der Polypenentfernung kann es zu Komplikationen wie z. B. Blutungen
kommen. Eine Auswertung des Koloskopie-Programms
zur Darmkrebs-Früherkennung in Deutschland zeigt:
Im Schnitt treten bei 2 von 1.000 Untersuchten Komplikationen auf. Dem gegenüber steht der Nutzen:
Laut einer Modellrechnung mit den Daten aus den ersten 10 Jahren des Programms kommt auf 28 Koloskopien eine verhinderte Darmkrebserkrankung.
WEITERE UNTERSUCHUNGEN
Weitere Untersuchungen, wie z. B. die kleine Darmspiegelung, die so genannte „virtuelle Koloskopie“, und die
Kapselendoskopie, sind nicht Teil der gesetzlichen Krebsfrüherkennung.
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Kleine Darmspiegelung
Bei der kleinen Darmspiegelung (Sigmoidoskopie) werden lediglich der Enddarm und die unterste Dickdarmschleife (Sigma) inspiziert. In Deutschland kommt die
Sigmoidoskopie kaum zum Einsatz.
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Virtuelle Koloskopie
Bei der virtuellen Koloskopie gehen Sie zu einer Computertomographie (CT) oder, seltener, zu einer Magnetresonanztomographie (MRT). Im Vergleich zur Darmspiegelung treten bei dieser Untersuchung weniger
Komplikationen auf. Auch hier müssen Sie zuvor Ihren
Darm reinigen. Die virtuelle Koloskopie mittels CT ist
eine Röntgenuntersuchung mit entsprechender Strahlenbelastung. Vor der Untersuchung trinken Sie ein
Kontrastmittel. Entdecken Ärzte auf den CT- oder MRTBildern Auffälligkeiten, folgt eine Darmspiegelung.
Trotz Weiterentwicklung des Verfahrens und vielversprechender Studienergebnisse kann die virtuelle
Koloskopie die „echte“ Koloskopie derzeit nicht ersetzen.
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Kapselendoskopie
Bei der Kapselendoskopie („Pillenkamera“, „Kolonkapsel“)
zeichnet eine einnehmbare Kapsel mit zwei kleinen
Videokameras den Weg durch den Verdauungstrakt auf.
Vor der Untersuchung ist eine Darmreinigung notwendig.
Für die Darmkrebs-Früherkennung wird die Kapselendoskopie nicht empfohlen. Sie wird eingesetzt, wenn
Blutungen des Dünndarms vermutet werden.
SICH INFORMIEREN – SELBST ENTSCHEIDEN
Ob Sie an Früherkennungsuntersuchungen teilnehmen
möchten, entscheiden Sie selbst. Sind Sie unsicher, können Sie sich bei unabhängigen Stellen, z.B. beim Krebsinformationsdienst, informieren. Hintergrundwissen
bietet das Informationsblatt „Krebsfrüherkennung“.
überreicht durch:
Dieses Informationsblatt dient als Grundlage für Ihre weitere Informationssuche. Auch der Krebsinformationsdienst beantwortet Ihre Fragen, telefonisch innerhalb Deutschlands unter der kostenfreien Rufnummer 0 800 - 420 30 40, täglich
von 8 bis 20 Uhr, und per E-Mail unter [email protected] KID im Internet: www.krebsinformationsdienst.de
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© Krebsinformationsdienst KID 22.04.2015 (Quellen beim KID) IB#1/05