Mexiko drohen schwere Zeiten

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Ausgabe 10 | 14. Dezember 2016
Mexiko drohen schwere Zeiten
Nach der Präsidentschaftswahl in den USA blickt Mexiko mit Sorge auf den politischen Wechsel im nördlichen Nachbarland.
Die Analysten von Coface rechnen im aktuellen „Panorama“ nach einem überdurchschnittlichen Wachstum im vergangenen
Jahr für 2016 und 2017 mit einer schwächeren Entwicklung. Dazu tragen auch der niedrige Ölpreis und die Abwertung des
­Mexikanischen Peso bei.
Mexikos Wirtschaft wuchs seit 2012
schneller als der lateinamerikanische
Durchschnitt. Als die Region 2015 einen
Rückgang der realen Wirtschaftsleistung
um 0,5% verzeichnete, konnte Mexiko als
zweitgrößte Volkswirtschaft Lateinamerikas um 2,5% zulegen. Doch der Ausblick
ist nach Ansicht der Volkswirte von Coface
getrübt, da sich die weltwirtschaftlichen
Rahmenbedingungen verschlechtert
haben.
© hanohiki/iStock/Thinkstock/Getty Images
Abhängigkeit von den USA
Der politische Druck aus Washington droht den regen Grenzverkehr von Waren und Personen zu belasten.
Die Präsidentschaftswahlen in den USA
haben die mexikanische Wirtschaft verunsichert. Die protektionistische Handelspolitik, die der zukünftige Präsident Donald
Trump im Wahlkampf angekündigt hat,
bedroht die Handelsbeziehungen zwischen beiden Ländern. Mexiko würde dies
hart treffen, da die Nachfrage in den USA
für die mexikanische Wirtschaft sehr wichtig ist. Unabhängig von den politischen
Themen könnte die Wirtschaft in den USA
nach Einschätzung des Coface-Ökonomen Dr. Mario Jung eine weitere Abschwächung bis hin zu einer Stagnation erleben.
Gunther Schilling
Leitender Redakteur
­ExportManager,
FRANKFURT BUSINESS MEDIA
[email protected]
frankfurt-bm.com
Jana Braun
Redaktion ExportManager
[email protected]
exportmanager-online.de
Bereits vor der Präsidentschaftswahl
haben die harten Töne Trumps in Richtung Mexiko den Mexikanischen Peso
unter Druck gesetzt. Nach der Entscheidung für Trump wertete die mexikanische
Währung noch einmal stark auf über 20
MXN/USD ab. Der zukünftige Präsident
hatte sich im Wahlkampf unter anderem
gegen das Nordamerikanische Freihandelsabkommen NAFTA ausgesprochen,
den Bau einer Mauer an der Grenze zu
Mexiko angekündigt und der illegalen
Immigration aus Mexiko den Kampf angesagt. In diesem Zusammenhang könnten
auch die Überweisungen der in den USA
lebenden Mexikaner in ihre Heimat eingeschränkt werden, die einen wichtigen
Finanzierungsbeitrag für die inländische
Nachfrage leisten.
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Konjunktur bleibt robust
Aussichtsreiche Branchen
In den ersten drei Quartalen 2016 konnte
die mexikanische Wirtschaft gegenüber
dem Vorjahr noch um durchschnittlich
2,3% zulegen. Dabei lag die Zuwachsrate
des realen BIP im dritten Quartal mit 2,0%
unter dem Niveau des ersten Halbjahres.
Trotz der möglichen Einschränkungen im
Außenhandel rechnet Coface für Mexiko
2017 mit einem Wachstum des realen BIP
von 1,5%. Unter anderem wird seit Juni
2016 das Freihandelsabkommen zwischen der EU und Mexiko neu verhandelt
und optimiert. Auch wenn dies kein Ersatz
für den Freihandel mit den nördlichen
Nachbarn wäre, bieten sich doch auch in
anderen Regionen Absatzmöglichkeiten
für mexikanische Produkte.
Zusammen mit der Ansiedlung vieler
internationaler Industrieunternehmen
sorgt der vielversprechende Privatkonsum dafür, dass Mexiko für deutsche
Unternehmen verschiedener Branchen
ein gutes Investitions- und Exportziel
bleibt. Die Branchen Automobilbau, Pharmazie und Chemie, Elektrik und Elektronik sowie Logistik spielen für deutsche
Exporteure eine besonders große Rolle –
und genau das sind die Branchen, denen
eine durchaus positive Zukunft prognostiziert wird.
Für die über 1.900 deutschstämmigen
Unternehmen, die aktuell in Mexiko ansässig sind, sowie für zukünftige Investoren
und Exporteure dürfte vor allem wichtig
sein, dass nach Einschätzung von Coface
die Arbeitslosenquote abnehmen und die
öffentlichen Investitionen steigen sollen.
Außerdem wird prognostiziert, dass auch
private Investitionen zulegen werden. Vor
allem der wachsende Privatkonsum stellt
einen Hoffnungsschimmer für deutsche
Exporteure dar. Da die Reallöhne tendenziell steigen, wächst auch die Kaufkraft der
mexikanischen Bevölkerung. Auch der
Peso wird voraussichtlich wieder stärker,
so dass die Einfuhr von Konsumprodukten
um 4,3% und die von Investitionsgütern
sogar um 5,6% zulegen könnte.
Deutsche Zulieferer dürften von der
geplanten Vergrößerung ihres Absatzmarktes in der Automobilbranche profitieren. Die strategisch bedeutende Branche wird durch die Regierung Mexikos
unterstützt. Das Ziel ist ambitioniert:
Mexiko will bis 2020 den weltweit fünften
Platz in der Produktion von Automobilen
belegen und pro Jahr fünf Millionen Einheiten produzieren. Die Automobilkonzerne Audi, KIA Motors und das Gemeinschaftswerk von Daimler, Nissan und
Renault wollen zwischen 2016 und 2018
neue Produktionsstätten in Mexiko eröffnen. Toyota plant, in eine Produktionsstätte in Mexiko zu investieren, und auch
der deutsche Automobilkonzern BMW
will im Jahr 2019 mit der Produktion in
Mexiko beginnen; die Vorbereitungen
laufen. Diese Neuigkeiten dürften bei
deutschen Zulieferern für Optimismus
sorgen.
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„Die Branchen Automobilbau,
­Pharmazie und Chemie, Elektrik
und Elektronik sowie Logistik
spielen für deutsche Exporteure
eine besonders große Rolle.“
Hier bieten sich langfristig gesehen für
deutsche Pharmaunternehmen und
Medizintechniker Absatzchancen, vor
allem da das Gesundheitssystem nach
und nach ausgebaut werden und allen
Einwohnern Zugang zu medizinischer
Versorgung ermöglichen soll. Und auch
Privatunternehmen kommen ab diesem
Jahr auf ihre Kosten: Die Basischemie
wurde nun auch für private Unternehmen
geöffnet, so dass die Branche in den kommenden Jahren einen Aufschwung erleben dürfte.
Mexiko will sich, wie viele weitere Staaten
auch, vermehrt für eine nachhaltige und
„grüne“ Energiegewinnung einsetzen.
Laut der Auslandshandelskammer bietet
der Markt rund um erneuerbare Energien und Energieeffizienz gute geschäft­
liche Chancen, vor allem für deutsche
Unternehmen. Der Ausbau der Energieversorgung durch erneuerbare Energien
soll in Mexiko auch weiterhin vorangetrieben werden. Nach der Liberalisierung
des Strommarktes Anfang dieses Jahres
bietet dieser sehr gute Geschäftsmöglichkeiten für deutsche Technologieanbieter.
Laut Germany Trade and Invest (GTAI) bieten die vielen bevorstehenden Projekte
zum Ausbau der Transportinfrastruktur
Chancen für Investoren. Im Jahr 2016
wuchs der Tourismus um knapp 14%, da
Mexiko als Urlaubsziel immer beliebter
wird. Diese Entwicklung bietet deutschen
Unternehmen die Möglichkeit, verstärkt
in die mexikanische Infrastruktur und
Logistik zu investieren. Den zahlreichen
deutschen Unternehmen, die bereits in
die mexikanische Logistikbranche involviert sind, kommt dieser Trend ebenfalls
zugute.
Insgesamt also bietet der mexikanische
Markt derzeit eine kleine, aber feine Auswahl an Investitionsmöglichkeiten für
deutsche Unternehmen. Die Entwicklung
des Peso sollte man dabei stets im Auge
behalten, ebenso, ob Trump seine protektionistisch geplante Politik realisieren
kann.
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Laut jüngster Prognose von Coface eröffnen sich der Pharmaindustrie trotz kurzfristiger Beeinträchtigungen durch Haushaltskürzungen langfristig positive Perspektiven, da die Lebenserwartung der
knapp 120 Millionen Einwohner stetig
steigt. Im Gesundheitssektor wird ein
dynamisches Wachstum erwartet; bis
2020 ist von einem stetigen Zuwachs des
Marktvolumens auf fast 18 Mrd EUR auszugehen. Die Zahl der chronisch Erkrankten und derjenigen, deren medizinische
Behandlung kostspielig ist, steigt.
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